Georg Wilhelm Friedrich Hegel’s

Wiſſenſchaft der Logik.

Herausgegeben von D. Leopold von Henning.

Zweiter Theil.
Die ſubjective Logik,
oder:
Die Lehre vom Begriff.

Zweite unveränderte Auflage.

Mit Königl. Württembergiſchem, Großherzogl. Heſſiſchem und der freien Stadt Frankfurt Privilegium gegen den Nachdruck und Nachdrucks-Verkauf.

Berlin, 1841.
Verlag von Duncker und Humblot.

この本について

このHTMLは、ゲオルク・ヴィルヘルム・フリードリヒ・ヘーゲル(G. W. F. Hegel)『論理学(Wiſſenſchaft der Logik)』第2部「主観的論理学、すなわち概念論(Die ſubjective Logik, oder: Die Lehre vom Begriff)」のドイツ語本文を掲載したものです。底本は、ヘーゲル没後に刊行された全集(Werke)第5巻の第2版、すなわち「1841年刊の無変更再版」(扉の表記は「Zweite unveränderte Auflage」)です(ベルリン、ドゥンカー・ウント・フンブロット書店、レオポルト・フォン・ヘニング編)。

収録範囲は、巻題(印刷頁1)、序文(Vorbericht、1816年7月21日付、頁3〜4)、「Vom Begriff im Allgemeinen」「Eintheilung」、第1節「Die Subjectivität」、第2節「Die Objectivität」、第3節「Die Idee」の全体で、最終章「Die abſolute Idee」の末尾(頁343)までです。底本の目次(Inhaltsanzeige、頁V〜VIII)は書き起こしていませんが、本HTMLの目次は、その階層と頁番号を再現しています。第1部「有論」「本質論」は別のHTMLです。

底本(実物画像):Georg Wilhelm Friedrich Hegel’s Werke. Vollſtändige Ausgabe durch einen Verein von Freunden des Verewigten. Fünfter Band. Zweite Auflage. Berlin: Duncker und Humblot, 1841.(扉は『論理学』の巻として「Zweiter Theil. Die ſubjective Logik, oder: Die Lehre vom Begriff」と記す。)スキャン画像は、ハノーファー工科大学図書館(TIB)のRetrodigitalisierungによる。本HTMLの頁数は、この全集の印刷頁であり、現在の研究で標準的に用いられる版(アカデミー版GW、ズーアカンプ版)の頁数ではありません。

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目次

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Die ſubjective Logik,
oder: Die Lehre vom Begriff.


Vorbericht

Dieſer Theil der Logik, der die Lehre vom Begriffe enthält, und den dritten Theil des Ganzen ausmacht, wird auch unter dem beſondern Titel: Syſtem der ſubjectiven Logik, zur Bequemlichkeit derjenigen Freunde dieſer Wiſſenſchaft ausgegeben, die für die hier abgehandelten, in dem Umfange der gewöhnlich ſo genannten Logik befaßten Materien ein größeres Intereſſe zu haben gewöhnt ſind, als für die weitern logiſchen Gegenſtände, die in den beiden erſten Theilen abgehandelt worden. — Für dieſe frühern Theile konnte ich auf die Nachſicht billiger Beurtheiler wegen der wenigen Vorarbeiten Anſpruch machen, die mir einen Anhalt, Materialien und einen Faden des Fortgangs hätten gewähren können. Bei dem gegenwärtigen darf ich dieſe Nachſicht vielmehr aus dem entgegengeſetzten Grunde anſprechen; indem ſich für die Logik des Begriffs ein völlig fertiges und feſtgewordenes, man kann ſagen, verknöchertes Material vorfindet, und die Aufgabe darin beſteht, daſſelbe in Flüſſigkeit zu bringen, und den lebendigen Begriff in ſolchem todten Stoffe wieder zu entzünden; wenn es ſeine Schwierigkeiten hat, in einem öden Lande eine neue Stadt zu erbauen, ſo findet ſich zwar Material genug, aber deſto mehr Hinderniſſe anderer Art, wenn es darum zu thun iſt, einer alten, feſtgebauten, in fortwährendem Beſitz und Bewohnung erhaltenen Stadt eine neue Anlage zu geben; man muß ſich unter anderem auch entſchließen, von vielem ſonſt Werthgeachteten des Vorraths gar keinen Gebrauch zu machen. —

Vornehmlich aber darf die Größe des Gegenſtandes ſelbſt zur Entſchuldigung der unvollkommenen Ausführung angeführt werden. Denn welcher Gegenſtand iſt erhabener für die Erkenntniß, als die Wahrheit ſelbſt? — Der Zweifel aber, ob nicht dieſer Gegenſtand es eben ſey, der einer Entſchuldigung bedürfe, liegt nicht aus dem Wege, wenn man ſich des Sinns erinnert, in welchem Pilatus die Frage: was iſt Wahrheit? ſagte; — nach dem Dichter:

— — — — mit der Miene des Hofmanns,

die kurzſichtig, doch lächelnd des Ernſtes Sache verdammet. Jene Frage ſchließt dann den Sinn, der als ein Moment der Höflichkeit angeſehen werden kann, und die Erinnerung daran in ſich, daß das Ziel, die Wahrheit zu erkennen, etwas bekanntlich Aufgegebenes, längſt Abgethanes, und die Unerreichbarkeit der Wahrheit auch unter Philoſophen und Logikern von Profeſſion etwas Anerkanntes ſey? — Wenn aber die Frage der Religion nach dem Werthe der Dinge, der Einſichten und Handlungen, die dem Inhalte nach einen gleichen Sinn hat, in unſern Zeiten ihr Recht ſich wieder mehr vindicirt, ſo muß wohl die Philoſophie hoffen, daß es auch nicht mehr ſo auffallend gefunden werde, wenn ſie wieder, zunächſt in ihrem unmittelbaren Felde, ihr wahrhaftes Ziel geltend macht, und nachdem ſie in die Art und Weiſe und in die Anſpruchsloſigkeit anderer Wiſſenſchaften auf Wahrheit herabgefallen, ſich wieder zu demſelben zu erheben ſtrebt. Wegen dieſes Verſuchs kann es eigentlich nicht erlaubt ſeyn, eine Entſchuldigung zu machen; aber wegen der Ausführung deſſelben darf ich für eine ſolche noch erwähnen, daß meine Amtsverhältniſſe und andere perſönliche Umſtände mir nur eine zerſtreute Arbeit in einer Wiſſenſchaft geſtatteten, welche einer unzerſtreuten und ungetheilten Anſtrengung bedarf und würdig iſt.


Vom Begriff im Allgemeinen

Was die Natur des Begriffes ſey, kann ſo wenig unmittelbar angegeben werden, als der Begriff irgend eines andern Gegenſtandes unmittelbar aufgeſtellt werden kann. Es könnte etwa ſcheinen, daß, um den Begriff eines Gegenſtandes anzugeben, das Logiſche vorausgeſetzt werde, und dieſes ſomit nicht wieder etwas Anderes zu ſeinem Voraus haben, noch ein Abgeleitetes ſeyn könne, wie in der Geometrie logiſche Sätze, wie ſie in Anwendung auf die Größe erſcheinen und in dieſer Wiſſenſchaft gebraucht werden, in der Form von Axiomen, unabgeleiteten und unableitbaren Erkenntnißbeſtimmungen vorangeſchickt werden. Ob nun wohl der Begriff nicht nur als eine ſubjective Vorausſetzung, ſondern als abſolute Grundlage anzuſehen iſt, ſo kann er dieß doch nicht ſeyn, als inſofern er ſich zur Grundlage gemacht hat. Das abſtract-Unmittelbare iſt wohl ein Erſtes; als dieß Abſtracte iſt es aber vielmehr ein Vermitteltes, von dem alſo, wenn es in ſeiner Wahrheit gefaßt werden ſoll, ſeine Grundlage erſt zu ſuchen iſt. Dieſe muß daher zwar ein Unmittelbares ſeyn, aber ſo, daß es aus der Aufhebung der Vermittelung ſich zum Unmittelbaren gemacht hat.

Der Begriff iſt von dieſer Seite zunächſt überhaupt als das Dritte zum Seyn und Weſen, zum Unmittelbaren und zur Reflexion anzuſehen. Seyn und Weſen ſind inſofern die Momente ſeines Werdens; er aber iſt ihre Grundlage und Wahrheit, als die Identität, in welcher ſie untergegangen und enthalten ſind. Sie ſind in ihm, weil er ihr Reſultat iſt, enthalten, aber nicht mehr als Seyn und als Weſen; dieſe Beſtimmung haben ſie nur, inſofern ſie noch nicht in dieſe ihre Einheit zurückgegangen ſind.

Die objective Logik, welche das Seyn und Weſen betrachtet, macht daher eigentlich die genetiſche Expoſition des Begriffes aus. Näher iſt die Subſtanz ſchon das reale Weſen, oder das Weſen, inſofern es mit dem Seyn vereinigt und in Wirklichkeit getreten iſt. Der Begriff hat daher die Subſtanz zu ſeiner unmittelbaren Vorausſetzung, ſie iſt das an ſich, was er als Manifeſtirtes iſt. Die dialektiſche Bewegung der Subſtanz durch die Cauſalität und Wechſelwirkung hindurch iſt daher die unmittelbare Geneſis des Begriffes, durch welche ſein Werden dargeſtellt wird. Aber ſein Werden hat, wie das Werden überall, die Bedeutung, daß es die Reflexion des Uebergehenden in ſeinen Grund iſt, und daß das zunächſt anſcheinend Andere, in welches das Erſtere übergegangen, deſſen Wahrheit ausmacht. So iſt der Begriff die Wahrheit der Subſtanz, und indem die beſtimmte Verhältnißweiſe der Subſtanz die Nothwendigkeit iſt, zeigt ſich die Freiheit als die Wahrheit der Nothwendigkeit, und als die Verhältnißweiſe des Begriffs.

Die eigene, nothwendige Fortbeſtimmung der Subſtanz iſt das Setzen deſſen, was an und für ſich iſt; der Begriff nun iſt dieſe abſolute Einheit des Seyns und der Reflexion, daß das An- und Fürſichſeyn erſt dadurch iſt, daß es ebenſo ſehr Reflexion oder Geſetztſeyn iſt, und daß das Geſetztſeyn das An- und Fürſichſeyn iſt. — Dieß abſtracte Reuſltat erläutert ſich durch die Darſtellung ſeiner concreten Geneſis; ſie enthält die Natur des Begriffes; ſie muß aber deſſen Abhandlung vorangegangen ſeyn. Die Haupt-Momente dieſer Expoſition (welche im zweiten Buch der objectiven Logik ausführlich abgehandelt worden iſt) ſind daher hier kürzlich zuſammen zu ſtellen:

Die Subſtanz iſt das Abſolute, das an- und für-ſich-ſeyende Wirkliche; — an ſich als die einfache Identität der Möglichkeit und Wirklichkeit, abſolutes, alle Wirklichkeit und Möglichkeit in ſich enthaltendes Weſen; für ſich, dieſe Identität als abſolute Macht oder ſchlechthin ſich auf ſich beziehende Negativität. — Die Bewegung der Subſtantialität, welche durch dieſe Momente geſetzt iſt, beſteht darin,

1. daß die Subſtanz, als abſolute Macht oder ſich auf ſich beziehende Negativität, ſich zu einem Verhältniſſe unterſcheidet, worin jene zunächſt nur einfache Momente, als Subſtanzen, und als urſprüngliche Vorausſetzungen ſind. — Das beſtimmte Verhältniß derſelben iſt das einer paſſiven Subſtanz, — der Urſprünglichkeit des einfachen An-ſich-ſeyns, welches machtlos ſich nicht ſelbſt ſetzend, nur urſprüngliches Geſetztſeyn iſt; — und von activer Subſtanz der ſich auf ſich beziehenden Negativität, welche als ſolche ſich als Anderes geſetzt hat, und auf dieß Andere bezieht. Dieß Andere iſt eben die paſſive Subſtanz, welche ſie ſich in der Urſprünglichkeit ihrer Macht als Bedingung vorausgeſetzt hat. — Dieß Vorausſetzen iſt ſo zu faſſen, daß die Bewegung der Subſtanz ſelbſt zunächſt unter der Form des einen Moments ihres Begriffs, des An-ſich-ſeyns iſt, daß die Beſtimmtheit der einen der im Verhältniß ſtehenden Subſtanzen auch Beſtimmtheit dieſes Verhältniſſes ſelbſt iſt.

2. Das andere Moment iſt das Fürſichſein, oder daß die Macht ſich als ſich auf ſich ſelbſt beziehende Negativität ſetzt, wodurch ſie das Vorausgeſetzte wieder aufhebt. — Die active Subſtanz iſt die Urſache; ſie wirkt; das heißt, ſie iſt nun das Setzen, wie ſie vorher das Vorausſetzen war, daß a) der Macht auch der Schein der Macht, dem Geſetztſeyn auch der Schein des Geſetztſeyns gegeben wird. Das, was in der Vorausſetzung Urſprüngliches war, wird in der Cauſalität durch die Beziehung auf Anderes das, was es an ſich iſt; die Urſache bringt eine Wirkung, und zwar an einer andern Subſtanz hervor; ſie iſt nunmehr Macht in Beziehung auf ein Anderes; erſcheint inſofern als Urſache, aber iſt es erſt durch dieß Erſcheinen. — An die paſſive Subſtanz tritt die Wirkung, wodurch ſie als Geſetztſeyn nun auch erſcheint, aber erſt darin paſſive Subſtanz iſt.

3. Aber es iſt noch mehr hierin vorhanden, als nur dieſe Erſcheinung; nämlich a). Die Urſache wirkt auf die paſſive Subſtanz, ſie verändert deren Beſtimmung; aber dieſe iſt das Geſetztſeyn, ſonſt iſt nichts an ihr zu verändern, die andere Beſtimmung aber, die ſie erhält, iſt die Urſachlichkeit; die paſſive Subſtanz wird alſo zur Urſache, Macht und Thätigkeit. b) Es wird die Wirkung an ihr geſetzt von der Urſache; das aber von der Urſache Geſetzte iſt die im Wirken mit ſich identiſche Urſache ſelbſt; es iſt dieſe, welche ſich an die Stelle der paſſiven Subſtanz ſetzt. — Ebenſo in Anſehung der activen Subſtanz iſt a) das Wirken das Ueberſetzen der Urſache in die Wirkung, in ihr Anderes, das Geſetztſeyn, und b) in der Wirkung zeigt ſich die Urſache als das, was ſie iſt, die Wirkung iſt identiſch mit der Urſache, nicht ein Anderes; die Urſache zeigt alſo im Wirken das Geſetztſeyn als das, was ſie weſentlich iſt. — Nach beiden Seiten alſo, des identiſchen ſowohl als des negativen Beziehens der andern auf ſie, wird jede das Gegentheil ihrer ſelbſt; dieß Gegentheil aber wird jede, daß die andere, alſo auch jede, identiſch mit ſich ſelbſt bleibt. — Aber Beides, das identiſche und das negative Beziehen, iſt ein und daſſelbe; die Subſtanz iſt nur in ihrem Gegentheil identiſch mit ſich ſelbſt, und dieß macht die abſolute Identität der als zwei geſetzten Subſtanzen aus. Die active Subſtanz wird durch das Wirken, d. h. indem ſie ſich als das Gegentheil ihrer ſelbſt ſetzt, was zugleich das Aufheben ihres vorausgeſetzten Anderſſeyns, der paſſiven Subſtanz, iſt, als Urſache oder urſprüngliche Subſtantialität manifeſtirt. Umgekehrt wird durch das Einwirken das Geſetztſeyn als Geſetztſeyn, das Negative als Negatives, ſomit die paſſive Subſtanz als ſich auf ſich beziehende Negativität, manifeſtirt; und die Urſache geht in dieſem Andern ihrer ſelbſt ſchlechthin nur mit ſich zuſammen. Durch dieß Setzen wird alſo die vorausgeſetzte oder an ſich ſeyende Urſprünglichkeit für ſich; aber dieß An- und Fürſichſeyn iſt nur dadurch, daß dieß Setzen ebenſo ſehr ein Aufheben des Vorausgeſetzten iſt, oder die abſolute Subſtanz nur aus und in ihrem Geſetztſeyn zu ſich ſelbſt zurückgekommen, und dadurch abſolut iſt. Dieſe Wechſelwirkung iſt hiermit die ſich wieder aufhebende Erſcheinung; die Offenbarung des Scheins der Cauſalität, worin die Urſache als Urſache iſt, daß er Schein iſt. Dieſe unendliche Reflexion in ſich ſelbſt, daß das An- und Fürſichſeyn erſt dadurch iſt, daß es Geſetztſeyn iſt, iſt die Vollendung der Subſtanz. Aber dieſe Vollendung iſt nicht mehr die Subſtanz ſelbſt, ſondern iſt ein Höheres, der Begriff, das Subject. Der Uebergang des Subſtantialitäts-Verhältniſſes geſchieht durch ſeine eigene immanente Nothwendigkeit, und iſt weiter nichts, als die Manifeſtation ihrer ſelbſt, daß der Begriff ihre Wahrheit, und die Freiheit die Wahrheit der Nothwendigkeit iſt.

Es iſt ſchon früher im zweiten Buch der objectiven Logik S. 194 f. Anm. erinnert worden, daß die Philoſophie, welche ſich auf den Standpunkt der Subſtanz ſtellt und darauf ſtehen bleibt, das Syſtem des Spinoza iſt. Es iſt daſelbſt zugleich der Mangel dieſes Syſtems ſowohl der Form als Materie nach aufgezeigt worden. Ein Anderes aber iſt die Widerlegung deſſelben. In Rückſicht auf die Widerlegung eines philoſophiſchen Syſtems iſt anderwärts gleichfalls die allgemeine Bemerkung gemacht worden, daß daraus die ſchiefe Vorſtellung zu verbannen iſt, als ob das Syſtem als durchaus falſch dargeſtellt werden ſolle, und als ob das wahre Syſtem dagegen dem falſchen nur entgegengeſetzt ſey. Aus dem Zuſammenhange, in welchem hier das ſpinoziſtiſche Syſtem vorkommt, geht von ſelbſt der wahre Standpunkt deſſelben und der Frage, ob es wahr oder falſch ſey, hervor. Das Subſtantialitäts-Verhältniß erzeugte ſich durch die Natur des Weſens; dieß Verhältniß, ſo wie ſeine zu einem Ganzen erweiterte Darſtellung in einem Syſteme iſt daher ein nothwendiger Standpunkt, auf welchen das Abſolute ſich ſtellt. Ein ſolcher Standpunkt iſt daher nicht als eine Meinung, eine ſubjective, beliebige Vorſtellungs- und Denkweiſe eines Individuums, als eine Verirrung der Speculation, anzuſehen; dieſe findet ſich vielmehr auf ihrem Wege nothwendig darauf verſetzt, und inſofern iſt das Syſtem vollkommen wahr. — Aber es iſt nicht der höchſte Standpunkt. Allein inſofern kann das Syſtem nicht als falſch, als der Widerlegung bedürftig und fähig angeſehen werden; ſondern nur dieß daran iſt als das Falſche zu betrachten, daß es der höchſte Standpunkt ſey. Das wahre Syſtem kann daher auch nicht das Verhältniß zu ihm haben, ihm nur entgegengeſetzt zu ſeyn; denn ſo wäre dieß Entgegengeſetzte ſelbſt ein Einſeitiges. Vielmehr als das Höhere muß es das Untergeordnete in ſich enthalten.

Ferner muß die Widerlegung nicht von Außen kommen, d. h. nicht von Annahmen ausgehen, welche außer jenem Syſteme liegen, denen es nicht entſpricht. Es braucht jene Annahmen nur nicht anzuerkennen; der Mangel iſt nur für den ein Mangel, welcher von den auf ſie gegründeten Bedürfniſſen und Forderungen ausgeht. Inſofern iſt geſagt worden, daß wer die Freiheit und Selbſtſtändigkeit des ſelbſtbewußten Subjects nicht für ſich als entſchieden vorausſetze, für den könne keine Widerlegung des Spinozismus Statt finden. Ohnehin ignorirt ein ſo hoher, und in ſich ſchon ſo reicher Standpunkt, als das Subſtantialitäts-Verhältniß, jene Annahmen nicht, ſondern enthält ſie auch; eins der Attribute der ſpinoziſtiſchen Subſtanz iſt das Denken. Er verſteht vielmehr die Beſtimmungen, unter welchen dieſe Annahmen ihm widerſtreiten, aufzulöſen und in ſich zu ziehen, ſo daß ſie in demſelben, aber in den ihm angemeſſenen Modificationen, erſcheinen. Der Nerv des äußerlichen Widerlegens beruht dann allein darauf, die entgegengeſetzten Formen jener Annahmen, z. B. das abſolute Selbſtbeſtehen des denkenden Individuums gegen die Form des Denkens, wie es in der abſoluten Subſtanz mit der Ausdehnung identiſch geſetzt wird, ſeinerſeits ſteif und feſt zu halten. Die wahrhafte Widerlegung muß in die Kraft des Gegners eingehen und ſich in den Umkreis ſeiner Stärke ſtellen; ihn außerhalb ſeiner ſelbſt angreifen und da Recht zu behalten, wo er nicht iſt, fördert die Sache nicht. Die einzige Widerlegung des Spinozismus kann daher nur darin beſtehen, daß ſein Standpunkt zuerſt als weſentlich und nothwendig anerkannt werde, daß aber zweitens dieſer Standpunkt aus ſich ſelbſt auf den höhern gehoben werde. Das Subſtantialitäts-Verhältniß, ganz nur an und für ſich ſelbſt betrachtet, führt ſich zu ſeinem Gegentheil, dem Begriffe, über. Die im letzten Buch enthaltene Expoſition der Subſtanz, welche zum Begriffe überführt, iſt daher die einzige und wahrhafte Widerlegung des Spinozismus. Sie iſt die Enthüllung der Subſtanz, und dieſe iſt die Geneſis des Begriffs, deren Haupt-Momente oben zuſammengeſtellt worden. — Die Einheit der Subſtanz iſt ihr Verhältniß der Nothwendigkeit; aber ſo iſt ſie nur innere Nothwendigkeit; indem ſie durch das Moment der abſoluten Negativität ſich ſetzt, wird ſie manifeſtirte oder geſetzte Identität, und damit die Freiheit, welche die Identität des Begriffs iſt. Dieſer, die aus der Wechſelwirkung reſultirende Totalität, iſt die Einheit der beiden Subſtanzen der Wechſelwirkung, ſo daß ſie aber nunmehr der Freiheit angehören, indem ſie nicht mehr ihre Identität als ein Blindes, das heißt Innerliches, ſondern daß ſie weſentlich die Beſtimmung haben, als Schein oder Reflexions-Momente zu ſeyn, wodurch jede mit ihrem Andern oder ihrem Geſetztſeyn ebenſo unmittelbar zuſammengegangen und jede ihr Geſetztſeyn in ſich ſelbſt enthält, ſomit in ihrem Andern ſchlechthin nur als identiſch mit ſich geſetzt iſt.

Im Begriffe hat ſich daher das Reich der Freiheit eröffnet. Er iſt das freie, weil die an und-für ſich ſeyende Identität, welche die Nothwendigkeit der Subſtanz ausmacht, zugleich als aufgehoben, oder als Geſetztſeyn iſt, und dieß Geſetztſeyn, als ſich auf ſich ſelbſt beziehend, eben jene Identität iſt. Die Dunkelheit der im Cauſal-Verhältniſſe ſtehenden Subſtanzen für einander iſt verſchwunden, denn die Urſprünglichkeit ihres Selbſtbeſtehens iſt in Geſetztſeyn übergegangen, und dadurch zur ſich ſelbſt durchſichtigen Klarheit geworden; die urſprüngliche Sache iſt dieß, indem ſie nur die Urſache ihrer ſelbſt iſt, und dieß iſt die zum Begriffe befreite Subſtanz.

Es ergiebt ſich hieraus für den Begriff ſogleich folgende nähere Beſtimmung. Weil das An- und Fürſichſeyn unmittelbar als Geſetztſeyn iſt, iſt der Begriff in ſeiner einfachen Beziehung auf ſich ſelbſt abſolute Beſtimmtheit; aber welche ebenſo als ſich nur auf ſich beziehend unmittelbar einfache Identität iſt. Aber dieſe Beziehung der Beſtimmtheit auf ſich ſelbſt, als das Zuſammengehen derſelben mit ſich, iſt ebenſo ſehr die Negation der Beſtimmtheit, und der Begriff iſt als dieſe Gleichheit mit ſich ſelbſt das Allgemeine. Aber dieſe Identität hat ſo ſehr die Beſtimmung der Negativität; ſie iſt die Negation oder Beſtimmtheit, welche ſich auf ſich bezieht, ſo iſt der Begriff Einzelnes. Jedes von ihnen iſt die Totalität, jedes enthält die Beſtimmung des Andern in ſich, und darum ſind dieſe Totalitäten ebenſo ſchlechthin nur Eine, als dieſe Einheit die Diremtion ihrer ſelbſt in den freien Schein dieſer Zweiheit iſt; — einer Zweiheit, welche in dem Unterſchied des Einzelnen und Allgemeinen als vollkommener Gegenſatz erſcheint, der aber ſo ſehr Schein iſt, daß, indem das eine begriffen und ausgeſprochen wird, darin das Andere unmittelbar begriffen und ausgeſprochen iſt.

Das ſo eben Vorgetragene iſt als der Begriff des Begriffes zu betrachten. Wenn derſelbe von demjenigen abzuweichen ſcheinen kann, was man ſonſt unter Begriff verſtehe, ſo könnte verlangt werden, daß aufgezeigt würde, wie daſſelbe, was hier als der Begriff ſich ergeben hat, in anderen Vorſtellungen oder Erklärungen enthalten ſey. Einerſeits kann es jedoch nicht um eine durch die Autorität des gewöhnlichen Verſtehens begründete Beſtätigung zu thun ſeyn; in der Wiſſenſchaft des Begriffes kann deſſen Inhalt und Beſtimmung allein durch die immanente Deduction bewährt werden, welche ſeine Geneſis enthält, und welche bereits hinter uns liegt. Auf der andern Seite muß wohl an ſich in demjenigen, was ſonſt als der Begriff des Begriffs vorgelegt wird, der hier deducirte zu erkennen ſeyn. Aber es iſt nicht ſo leicht, das aufzufinden, was Andere von der Natur des Begriffes geſagt haben. Denn meiſtens befaſſen ſie ſich mit dieſer Aufſuchung gar nicht, und ſetzen voraus, daß jeder es ſchon von ſelbſt verſtehe, wenn man von dem Begriffe ſpreche. Neuerlich konnte man ſich der Bemühung mit dem Begriffe um ſo mehr überhoben glauben, da, wie es eine Zeit lang Ton war, der Einbildungskraft, dann dem Gedächtniſſe alles mögliche Schlimme nachzuſagen, es in der Philoſophie ſeit geraumer Zeit zur Gewohnheit geworden, und zum Theil noch gegenwärtig iſt, auf den Begriff alle üble Nachrede zu häufen, ihn, der das Höchſte des Denkens iſt, verächtlich zu machen und dagegen für den höchſten, ſowohl ſcientifiſchen als moraliſchen, Gipfel das Unbegreifliche und das Nichtbegreifen anzuſehen.

Ich beſchränke mich hier auf eine Bemerkung, die für das Auffaſſen der hier entwickelten Begriffe dienen kann, und es erleichtern mag, ſich darein zu finden. Der Begriff, inſofern er zu einer ſolchen Exiſtenz gediehen iſt, welche ſelbſt frei iſt, iſt nichts Anderes als Ich oder das reine Selbſtbewußtſeyn. Ich habe wohl Begriffe, das heißt, beſtimmte Begriffe; aber Ich iſt der reine Begriff ſelbſt, der als Begriff zum Daſeyn gekommen iſt. Wenn man daher an die Grundbeſtimmungen, welche die Natur des Ich ausmachen, erinnert, ſo darf man vorausſetzen, daß an etwas Bekanntes, d. i. der Vorſtellung Geläufiges, erinnert wird. Ich aber iſt dieſe erſtlich reine ſich auf ſich beziehende Einheit, und dieß nicht unmittelbar, ſondern indem es von aller Beſtimmtheit und Inhalt abſtrahirt, und in die Freiheit der ſchrankenloſen Gleichheit mit ſich ſelbſt zurückgeht. So iſt es Allgemeinheit; Einheit, welche nur durch jenes negative Verhalten, welches als das Abſtrahiren erſcheint, Einheit mit ſich iſt, und dadurch alles Beſtimmtſeyn in ſich aufgelöſt enthält. Zweitens iſt Ich ebenſo unmittelbar als die ſich auf ſich ſelbſt beziehende Negativität, Einzelnheit, abſolutes Beſtimmtſeyn, welches ſich Anderem gegenüberſtellt, und es ausſchließt; individuelle Perſönlichkeit. Jene abſolute Allgemeinheit, die ebenſo unmittelbar abſolute Vereinzelung iſt, und ein An- und Fürſichſeyn, welches ſchlechthin Geſetztſeyn und nur dieß An- und Fürſichſeyn durch die Einheit mit dem Geſetztſeyn iſt, macht ebenſo die Natur des Ich, als des Begriffes aus; von dem einen und dem Andern iſt nichts zu begreifen, wenn nicht die angegebenen beiden Momente zugleich in ihrer Abſtraction und zugleich in ihrer vollkommenen Einheit aufgefaßt werden.

Wenn nach der gewöhnlichen Weiſe von dem Verſtande, den Ich habe, geſprochen wird, ſo verſteht man darunter ein Vermögen oder Eigenſchaft, die in dem Verhältniſſe zu Ich ſtehe, wie die Eigenſchaft des Dings zum Dinge ſelbſt, — einem unbeſtimmten Subſtrate, welches nicht der wahrhafte Grund und das Beſtimmende ſeiner Eigenſchaft ſey. Nach dieſer Vorſtellung habe Ich Begriffe und den Begriff, wie ich auch einen Rock, Farbe und andere äußerliche Eigenſchaften habe. — Kant iſt über dieſes äußerliche Verhältniß des Verſtandes als des Vermögens der Begriffe, und der Begriffe ſelbſt, zum Ich, hinausgegangen. Es gehört zu den tiefſten und richtigſten Einſichten, die ſich in der Kritik der Vernunft finden, daß die Einheit, die das Weſen des Begriffs ausmacht, als die urſprünglich-ſynthetiſche Einheit der Apperception, als Einheit des: Ich denke, oder des Selbſtbewußtſeyns erkannt wird. — Dieſer Satz macht die ſogenannte tranſcendentale Deduction der Kategorie aus; ſie hat aber von jeher für eines der ſchwerſten Stücke der kantiſchen Philoſophie gegolten, — wohl aus keinem andern Grunde, als weil ſie fordert, daß über die bloße Vorſtellung des Verhältniſſes, in welchem Ich und der Verſtand oder die Begriffe zu einem Ding und ſeinen Eigenſchaften und Accidenzen ſtehen, zum Gedanken hinausgegangen werden ſoll. Object, ſagt Kant, Kritik der r. V. S. 137, 2. Ausg., iſt das, in deſſen Begriff das Mannigfaltige einer gegebenen Anſchauung vereinigt iſt. Alle Vereinigung der Vorſtellungen erfordert aber Einheit des Bewußtſeyns in der Syntheſis derſelben. Folglich iſt dieſe Einheit des Bewußtſeyns dasjenige was allein die Beziehung der Vorſtellungen auf einen Gegenſtand, mithin ihre objective Gültigkeit, ausmacht, und worauf ſelbſt die Möglichkeit des Verſtandes beruht. Kant unterſcheidet die ſubjective Einheit des Bewußtſeyns hiervon, die Einheit der Vorſtellung, ob ich mir eines Mannigfaltigen als zugleich oder nach einander bewußt bin, was von empiriſchen Bedingungen abhänge. Die Principien dagegen der objectiven Beſtimmung der Vorſtellungen ſeyen allein aus dem Grundſatze der tranſcendentalen Einheit der Apperception abzuleiten. Durch die Kategorien, welche dieſe objectiven Beſtimmungen ſind, werde das Mannigfaltige gegebener Vorſtellungen ſo beſtimmt, daß es zur Einheit des Bewußtſeyns gebracht werde. — Nach dieſer Darſtellung iſt die Einheit des Begriffs dasjenige, wodurch etwas nicht bloße Gefühlsbeſtimmung, Anſchauung oder auch bloße Vorſtellung, ſondern Object iſt, welche objective Einheit, die Einheit des Ich mit ſich ſelbſt iſt. — Das Begreifen eines Gegenſtandes beſteht in der That in nichts Anderem, als daß Ich denſelben ſich zu eigen macht, ihn durchdringt, und ihn in ſeine eigene Form, d. i. in die Allgemeinheit, welche unmittelbar Beſtimmtheit, oder Beſtimmtheit, welche unmittelbar Allgemeinheit iſt, bringt. Der Gegenſtand in der Anſchauung oder auch in der Vorſtellung iſt noch ein Aeußerliches, Fremdes. Durch das Begreifen wird das An- und Fürſichſeyn, das er im Anſchauen und Vorſtellen hat, in ein Geſetztſeyn verwandelt; Ich durchdringt ihn denkend. Wie er aber im Denken iſt, ſo iſt er erſt an und für ſich; wie er in der Anſchauung oder Vorſtellung iſt, iſt er Erſcheinung; das Denken hebt ſeine Unmittelbarkeit, mit der er zunächſt vor uns kommt, auf, und macht ſo ein Geſetztſeyn aus ihm; dieß ſein Geſetztſeyn aber iſt ſein An- und Fürſichſeyn, oder ſeine Objectivität. Dieſe Objectivität hat der Gegenſtand ſomit im Begriffe, und dieſer iſt die Einheit des Selbſtbewußtſeyns, in die er aufgenommen worden; ſeine Objectivität oder der Begriff iſt daher ſelbſt nichts Anderes, als die Natur des Selbſtbewußtſeyns; hat keine andere Momente oder Beſtimmungen, als das Ich ſelbſt.

Hiernach rechtfertigt es ſich durch einen Hauptſatz der kantiſchen Philoſophie, daß, um das zu erkennen, was der Begriff ſey, an die Natur des Ich erinnert wird. Umgekehrt aber iſt hierzu nothwendig, den Begriff des Ich aufgefaßt zu haben, wie er vorhin angeführt worden. Wenn bei der bloßen Vorſtellung des Ich ſtehen geblieben wird, wie ſie unſerem gewöhnlichen Bewußtſeyn vorſchwebt, ſo iſt Ich nur das einfache Ding, welches auch Seele genannt wird, dem der Begriff als ein Beſitz oder Eigenſchaft inhärirt. Dieſe Vorſtellung, welche ſich nicht damit einläßt, weder Ich noch den Begriff zu begreifen, kann nicht dazu dienen, das Begreifen des Begriffs zu erleichtern oder näher zu bringen.

Die angeführte kantiſche Darſtellung enthält noch zwei Seiten, die den Begriff betreffen, und einige weitere Bemerkungen nothwendig machen. Vor's Erſte ſind der Stufe des Verſtandes die Stufen des Gefühls und der Anſchauung vorausgeſchickt; und es iſt ein weſentlicher Satz der kantiſchen Tranſcendentalphiloſophie, daß die Begriffe ohne Anſchauung leer ſind, und allein als Beziehungen des durch die Anſchauung gegebenen Mannigfaltigen Gültigkeit haben. Zweitens iſt der Begriff als das Objective der Erkenntniß angegeben worden, ſomit als die Wahrheit. Aber auf der andern Seite wird derſelbe als etwas bloß Subjectives genommen, aus dem ſich die Realität, unter welcher, da ſie der Subjectivität gegenübergeſtellt wird, die Objectivität zu verſtehen iſt, nicht herausklauben laſſe; und überhaupt wird der Begriff und das Logiſche für etwas nur Formelles erklärt, das, weil es von dem Inhalt abſtrahire, die Wahrheit nicht enthalte.

Was nun erſtens jenes Verhältniß des Verſtandes oder Begriffs zu den ihm vorausgeſetzten Stufen betrifft, ſo kommt es darauf an, welches die Wiſſenſchaft iſt, die abgehandelt wird, um die Form jener Stufen zu beſtimmen. In unſerer Wiſſenſchaft, als der reinen Logik, ſind dieſe Stufen Seyn und Weſen. In der Pſychologie ſind es das Gefühl und die Anſchauung, und dann die Vorſtellung überhaupt, welche dem Verſtande vorausgeſchickt werden. In der Phänomenologie des Geiſtes, als der Lehre vom Bewußtſeyn, wurde durch die Stufen des ſinnlichen Bewußtſeyns und dann des Wahrnehmens zum Verſtande aufgeſtiegen. Kant ſchickt ihm nur Gefühl und Anſchauung voraus. Wie unvollſtändig zunächſt dieſe Stufenleiter iſt, giebt er ſchon ſelbſt dadurch zu erkennen, daß er als Anhang zu der tranſcendentalen Logik oder Verſtandeslehre noch eine Abhandlung über die Reflexions-Begriffe hinzufügt; — eine Sphäre, welche zwiſchen der Anſchauung und dem Verſtande, oder dem Seyn und Begriffe liegt. Ueber die Sache ſelbſt iſt vor's Erſte zu bemerken, daß jene Geſtalten von Anſchauung, Vorſtellung und dergleichen dem ſelbſtbewußten Geiſte angehören, der als ſolcher nicht in der logiſchen Wiſſenſchaft betrachtet wird. Die reinen Beſtimmungen von Seyn, Weſen und Begriff machen zwar auch die Grundlage und das innere einfache Gerüſte der Formen des Geiſtes aus; der Geiſt als anſchauend, ebenſo als ſinnliches Bewußtſeyn, iſt in der Beſtimmtheit des unmittelbaren Seyns, ſo wie der Geiſt als vorſtellend, wie auch als wahrnehmendes Bewußtſeyn ſich vom Seyn auf die Stufe des Weſens oder der Reflexion erhoben hat. Allein dieſe concreten Geſtalten gehen die logiſche Wiſſenſchaft ſo wenig an, als die concreten Formen, welche die logiſchen Beſtimmungen in der Natur annehmen, und welche Raum und Zeit, alsdann der ſich erfüllende Raum und Zeit, als unorganiſche Natur, und die organiſche Natur ſeyn würden. Ebenſo iſt auch hier der Begriff, nicht als Actus des ſelbſtbewußten Verſtandes, nicht der ſubjective Verſtand zu betrachten, ſondern der Begriff an und für ſich, welcher ebenſo wohl eine Stufe der Natur, als des Geiſtes ausmacht. Das Leben oder die organiſche Natur iſt dieſe Stufe der Natur, auf welcher der Begriff hervortritt; aber als blinder, ſich ſelbſt nicht faſſender, d. h. nicht denkender Begriff; als ſolcher kommt er nur dem Geiſte zu. Von jener ungeiſtigen aber ſowohl, als von dieſer geiſtigen Geſtalt des Begriffs iſt ſeine logiſche Form unabhängig, es iſt hierüber ſchon in der Einleitung die nöthige Vorerinnerung gemacht worden; es iſt dieß eine Bedeutung, welche nicht erſt innerhalb der Logik zu rechtfertigen iſt, ſondern mit der man vor derſelben im Reinen ſeyn muß.

Wie nun aber auch die Formen geſtaltet ſeyn möchten, welche dem Begriffe vorangehen, ſo kommt es zweitens auf das Verhältniß an, in welchem der Begriff zu denſelben gedacht wird. Dieß Verhältniß wird ſowohl in der gewöhnlichen pſychologiſchen Vorſtellung, als auch in der kantiſchen Tranſcendentalphiloſophie ſo angenommen, daß der empiriſche Stoff, das Mannigfaltige der Anſchauung und Vorſtellung zuerſt für ſich da iſt, und daß dann der Verſtand dazu hintrete, Einheit in denſelben bringe, und ihn durch Abſtraction in die Form der Allgemeinheit erhebe. Der Verſtand iſt auf dieſe Weiſe eine für ſich leere Form, welche theils nur durch jenen gegebenen Inhalt Realität erhält, theils von ihm abſtrahirt, nämlich ihn als etwas, aber nur für den Begriff Unbrauchbares wegläßt. Der Begriff iſt in dem einen und dem andern Thun nicht das Unabhängige, nicht das Weſentliche und Wahre jenes vorausgehenden Stoffes, welches vielmehr die Realität an und für ſich iſt, die ſich aus dem Begriffe nicht herausklauben läßt.

Es muß nun allerdings zugegeben werden, daß der Begriff als ſolcher noch nicht vollſtändig iſt, ſondern in die Idee ſich erheben muß, welche erſt die Einheit des Begriffs und der Realität iſt; wie ſich in dem Verfolge durch die Natur des Begriffes ſelbſt ergeben muß. Denn die Realität, die er ſich giebt, darf nicht als ein Aeußerliches aufgenommen, ſondern muß nach wiſſenſchaftlicher Forderung aus ihm ſelbſt abgeleitet werden. Aber es iſt wahrhaftig nicht jener durch die Anſchauung und die Vorſtellung gegebene Stoff, welcher gegen den Begriff als das Reale geltend gemacht werden darf. „Es iſt nur ein Begriff,“ pflegt man zu ſagen, indem man nicht nur die Idee, ſondern das ſinnliche, räumliche und zeitliche handgreifliche Daſeyn als etwas gegenübergeſtellt, das vortrefflicher ſey, als der Begriff. Das Abſtracte hält man dann darum für geringer, als das Concrete, weil aus jenem ſo viel dergleichen Stoff weggelaſſen worden ſey. Das Abſtrahiren hat in dieſer Meinung die Bedeutung, daß aus dem Concreten nur zu unſerem ſubjectiven Behuf ein oder das andere Merkmal ſo herausgenommen werden, daß mit dem Weglaſſen ſo vieler anderer Eigenſchaften und Beſchaffenheiten des Gegenſtandes denſelben an ihrem Werthe und ihrer Würde nichts benommen ſeyn ſolle; ſondern ſie als das Reelle, nur auf der andern Seite drüben, noch immer als völlig Geltendes gelaſſen werden; ſo daß es nur das Unvermögen des Verſtandes ſey, ſolchen Reichthum nicht aufzunehmen, und ſich mit der dürftigen Abſtraction begnügen zu müſſen. Wenn nun der gegebene Stoff der Anſchauung und das Mannigfaltige der Vorſtellung als das Reelle gegen das Gedachte und den Begriff genommen wird, ſo iſt dieß eine Anſicht, welche abgelegt zu haben nicht nur Bedingung des Philoſophirens iſt, ſondern ſchon von der Religion vorausgeſetzt wird; wie iſt ein Bedürfniß und der Sinn derſelben möglich, wenn die flüchtige und oberflächliche Erſcheinung des Sinnlichen und Einzelnen noch für das Wahre gehalten wird? Die Philoſophie aber giebt die begriffene Einſicht, was es mit der Realität des ſinnlichen Seyns für eine Bewandtniß habe, und ſchickt jene Stufen des Gefühls und der Anſchauung, des ſinnlichen Bewußtſeyns u. ſ. f. inſofern dem Verſtande voraus, als ſie in deſſen Werden ſeine Bedingungen, aber nur ſo ſind, daß der Begriff aus ihrer Dialektik und Nichtigkeit als ihr Grund hervorgeht, nicht aber, daß er durch ihre Realität bedingt wäre. Das abſtrahirende Denken iſt daher nicht als bloßes Auf-die-Seite-ſtellen des ſinnlichen Stoffes zu betrachten, welcher dadurch in ſeiner Realität keinen Eintrag leide, ſondern es iſt vielmehr das Aufheben und die Reduction deſſelben als bloßer Erſcheinung auf das Weſentliche, welches nur im Begriff ſich manifeſtirt. Wenn das freilich nur als ein Merkmal oder Zeichen dienen ſoll, was von der concreten Erſcheinung in den Begriff aufzunehmen ſey, ſo darf es allerdings auch irgend eine nur ſinnliche einzelne Beſtimmung des Gegenſtandes ſeyn, die wegen irgend eines äußerlichen Intereſſes aus den anderen herausgewählt wird, und von gleicher Art und Natur, wie die übrigen, iſt.

Ein hauptſächlicher Mißverſtand, welcher hierbei obwaltet, iſt, als ob das natürliche Princip, oder der Anfang, von dem in der natürlichen Entwickelung oder in der Geſchichte des ſich bildenden Individuums ausgegangen wird, das Wahre und im Begriffe Erſte ſey. Anſchauung oder Seyn ſind wohl der Natur nach das Erſte oder die Bedingung für den Begriff, aber ſie ſind darum nicht das an und für ſich Unbedingte, im Begriffe hebt ſich vielmehr ihre Realität und damit zugleich der Schein auf, den ſie als das bedingende Reelle hatten. Wenn es nicht um die Wahrheit, ſondern nur um die Hiſtorie zu thun iſt, wie es im Vorſtellen und dem erſcheinenden Denken zugehe, ſo kann man allerdings bei der Erzählung ſtehen bleiben, daß wir mit Gefühlen und Anſchauungen anfangen, und der Verſtand aus dem Mannigfaltigen derſelben eine Allgemeinheit oder ein Abſtractes herausziehe, und begreiflich jene Grundlage dazu nöthig habe, welche bei dieſem Abſtrahiren noch in der ganzen Realität, mit welcher ſie ſich zuerſt zeigte, dem Vorſtellen ſtehen bleibe. Aber die Philoſophie ſoll keine Erzählung deſſen ſeyn, was geſchieht, ſondern eine Erkenntniß deſſen, was wahr darin iſt, und aus dem Wahren ſoll ſie ferner das begreifen, was in der Erzählung als ein bloßes Geſchehen erſcheint.

Wenn in der oberflächlichen Vorſtellung von dem, was der Begriff iſt, alle Mannigfaltigkeit außer dem Begriffe ſteht, und dieſem nur die Form der abſtracten Allgemeinheit oder der leeren Reflexionsidentität zukommt, ſo kann ſchon zunächſt daran erinnert werden, daß auch ſonſt für die Angabe eines Begriffs oder die Definition, zu der Gattung, welche ſelbſt ſchon eigentlich nicht rein abſtracte Allgemeinheit iſt, ausdrücklich auch die ſpecifiſche Beſtimmtheit gefordert wird. Wenn nur mit etwas denkender Betrachtung darauf reflectirt würde, was dieß ſagen will, ſo würde ſich ergeben, daß damit das Unterſcheiden als ein ebenſo weſentliches Moment des Begriffes angeſehen wird. Kant hat dieſe Betrachtung durch den höchſt wichtigen Gedanken eingeleitet, daß es ſynthetiſche Urtheile a priori gebe. Dieſe urſprüngliche Syntheſis der Apperception iſt eines der tiefſten Principien für die ſpeculative Entwickelung; ſie enthält den Anfang zum wahrhaften Auffaſſen der Natur des Begriffs, und iſt jener leeren Identität oder abſtracten Allgemeinheit, welche keine Syntheſis in ſich iſt, vollkommen entgegengeſetzt. — Dieſem Anfange entſpricht jedoch die weitere Ausführung wenig. Schon der Ausdruck: Syntheſis leitet leicht wieder zur Vorſtellung einer äußerlichen Einheit, und bloßen Verbindung von ſolchen, die an und für ſich getrennt ſind. Alsdann iſt die kantiſche Philoſophie nur bei dem pſychologiſchen Reflexe des Begriffs ſtehen geblieben, und iſt wieder zur Behauptung der bleibenden Bedingtheit des Begriffs durch ein Mannigfaltiges der Anſchauung zurück gegangen. Sie hat die Verſtandeserkenntniſſe und die Erfahrung nicht darum als einen erſcheinenden Inhalt ausgeſprochen, weil die Kategorien ſelbſt nur endliche ſind, ſondern aus dem Grunde eines pſychologiſchen Idealismus, weil ſie nur Beſtimmungen ſeyen, die vom Selbſtbewußtſeyn herkommen. Auch gehört hierher, daß der Begriff wieder ohne das Mannigfaltige der Anſchauung inhaltslos und leer ſeyn ſoll, ungeachtet er a priori eine Syntheſis ſey; indem er dieß iſt, hat er ja die Beſtimmtheit und den Unterſchied in ſich ſelbſt. Indem ſie die Beſtimmtheit des Begriffs, damit die abſolute Beſtimmtheit, die Einzelnheit, iſt, iſt der Begriff Grund und Quelle aller endlichen Beſtimmtheit und Mannigfaltigkeit.

Die formelle Stellung, welche er als Verſtand behält, wird in der kantiſchen Darſtellung deſſen, was Vernunft ſey, vollendet. In der Vernunft, der höchſten Stufe des Denkens, ſollte man erwarten, der Begriff werde die Bedingtheit, in welcher er auf der Stufe des Verſtandes noch erſcheint, verlieren, und zur vollendeten Wahrheit kommen. Dieſe Erwartung wird aber getäuſcht. Dadurch, daß Kant das Verhalten der Vernunft zu den Kategorien als nur dialektiſch beſtimmt, und zwar das Reſultat dieſer Dialektik ſchlechthin nur als das unendliche Nichts auffaßt, ſo verliert die unendliche Einheit der Vernunft auch noch die Syntheſis und damit jenen Anfang eines ſpeculativen, wahrhaft unendlichen Begriffs, ſie wird zu der bekannten ganz formellen, bloß regulativen Einheit des ſyſtematiſchen Verſtandesgebrauchs. Es wird für einen Mißbrauch erklärt, daß die Logik, die bloß ein Kanon der Beurtheilung ſeyn ſolle, als ein Organon zur Hervorbringung objectiver Einſichten angeſehen werde. Die Vernunftbegriffe’, in denen man eine höhere Kraft und tiefern Inhalt ahnen mußte, haben nichts Conſtitutives mehr, wie noch die Kategorien; ſie ſind bloße Ideen; es ſoll ganz wohl erlaubt ſeyn, ſie zu gebrauchen, aber mit dieſen intelligibeln Weſen, in denen ſich alle Wahrheit ganz aufſchließen ſollte, ſoll weiter nichts gemeint ſeyn, als Hypotheſen, denen eine Wahrheit an und für ſich zuzuſchreiben, eine völlige Willkür und Tollkühnheit ſeyn würde, da ſie — in keiner Erfahrung vorkommen können. — Hätte man es je denken ſollen, daß die Philoſophie den intelligibeln Weſen darum die Wahrheit abſprechen würde, weil ſie des räumlichen und zeitlichen Stoffes der Sinnlichkeit entbehren?

Es hängt hiermit unmittelbar der Geſichtspunkt zuſammen, in Rückſicht auf welchen der Begriff und die Beſtimmung der Logik überhaupt zu betrachten iſt, und der in der kantiſchen Philoſophie auf die gleiche Weiſe, wie insgemein genommen wird; das Verhältniß nämlich des Begriffs und ſeiner Wiſſenſchaft zur Wahrheit ſelbſt. Es iſt vorhin aus der kantiſchen Deduction der Kategorien angeführt worden, daß nach derſelben das Object, als in welchem das Mannigfaltige der Anſchauung vereinigt iſt, nur dieſe Einheit iſt durch die Einheit des Selbſtbewußtſeyns. Die Objectivität des Denkens iſt alſo hier beſtimmt ausgeſprochen, eine Identität des Begriffs und des Dinges, welche die Wahrheit iſt. Auf gleiche Weiſe wird auch insgemein zugegeben, daß, indem das Denken einen gegebenen Gegenſtand ſich aneignet, dieſer dadurch eine Veränderung erleidet, und aus einem ſinnlichen zu einem gedachten gemacht werde; daß aber dieſe Veränderung nicht nur nichts an ſeiner Weſentlichkeit ändere, ſondern daß er vielmehr erſt in ſeinem Begriffe in ſeiner Wahrheit; in der Unmittelbarkeit, in welcher er gegeben iſt, aber nur Erſcheinung und Zufälligkeit, daß die Erkenntniß des Gegenſtandes, welche ihn begreift, die Erkenntniß deſſelben, wie er an und für ſich iſt, und der Begriff ſeine Objectivität ſelbſt ſey. Auf der andern Seite wird aber ebenſo wieder behauptet, wir können die Dinge doch nicht erkennen, wie ſie an und für ſich ſeyen, und die Wahrheit ſey für die erkennende Vernunft unzugänglich; jene Wahrheit, welche in der Einheit des Objects und des Begriffs beſteht, ſey doch nur Erſcheinung; und zwar nun wieder aus dem Grunde, weil der Inhalt nur das Mannigfaltige der Anſchauung ſey. Es iſt hierüber ſchon daran erinnert worden, daß eben im Begriffe vielmehr dieſe Mannigfaltigkeit, inſofern ſie der Anſchauung im Gegenſatze gegen den Begriff angehört, aufgehoben werde, und der Gegenſtand durch den Begriff in ſeine nicht zufällige Weſenheit zurückgeführt ſey; dieſe tritt in die Erſcheinung, darum eben iſt die Erſcheinung nicht bloß ein Weſenloſes, ſondern Manifeſtation des Weſens. Die aber ganz frei gewordene Manifeſtation deſſelben iſt der Begriff. — Dieſe Sätze, an welche hier erinnert wird, ſind darum keine dogmatiſche Aſſertionen, weil ſie aus der ganzen Entwickelung des Weſens durch ſich ſelbſt hervorgegangene Reſultate ſind. Der jetzige Standpunct, auf welchen dieſe Entwickelung geführt hat, iſt, daß die Form des Abſoluten, welche höher als Seyn und Weſen, der Begriff iſt. Indem er nach dieſer Seite, Seyn und Weſen, wozu auch bei anderen Ausgangspuncten Gefühl und Anſchauung und Vorſtellung gehören, und welche als ſeine vorangehenden Bedingungen erſchienen, ſich unterworfen und ſich als ihren unbedingten Grund erwieſen hat, ſo iſt nun noch die zweite Seite übrig, deren Abhandlung dieſes dritte Buch der Logik gewidmet iſt, die Darſtellung nämlich, wie er die Realität, welche in ihm verſchwunden, in und aus ſich bildet. Es iſt daher allerdings zugegeben worden, daß die Erkenntniß, welche nur bei dem Begriff rein als ſolchem ſteht, noch unvollſtändig iſt und nur erſt zur abſtracten Wahrheit gekommen iſt. Aber ihre Unvollſtändigkeit liegt nicht darin, daß ſie jener vermeintlichen Realität, die im Gefühl und Anſchauung gegeben ſey, entbehre; ſondern daß der Begriff noch nicht ſeine eigene aus ihm ſelbſt erzeugte Realität ſich gegeben hat. Darin beſteht die gegen und an dem empiriſchen Stoff und genauer an ſeinen Kategorien und Reflexions-Beſtimmungen erwieſene Abſolutheit des Begriffes, daß derſelbe nicht, wie er außer und vor dem Begriffe erſcheint, Wahrheit habe, ſondern allein in ſeiner Idealität, oder Identität mit dem Begriffe. Die Herleitung des Reellen aus ihm, wenn man es Herleitung nennen will, beſteht zunächſt weſentlich darin, daß der Begriff in ſeiner formellen Abſtraction ſich als unvollendet zeigt, und durch die in ihm ſelbſt gegründete Dialektik zur Realität ſo übergeht, daß er ſie aus ſich erzeugt, aber nicht, daß er zu einer fertigen, ihm gegenüber gefundenen Realität wieder zurückfällt, und zu etwas, das ſich als das Unweſentliche der Erſcheinung kund gethan, ſeine Zuflucht nimmt, weil er, nachdem er ſich um ein Beſſeres umgeſehen, doch dergleichen nicht gefunden habe. — Es wird immer als etwas Verwundernswürdiges ausgezeichnet werden, wie die kantiſche Philoſophie dasjenige Verhältniß des Denkens zum ſinnlichen Daſeyn, bei dem ſie ſtehen blieb, für ein nur relatives Verhältniß der bloßen Erſcheinung anerkannte, und eine höhere Einheit beider in der Idee überhaupt, und z. B. in der Idee eines anſchauenden Verſtandes ſehr wohl anerkannte und ausſprach, doch bei jenem relativen Verhältniſſe und bei der Behauptung ſtehen geblieben iſt, daß der Begriff ſchlechthin von der Realität getrennt ſey und bleibe, — ſomit als die Wahrheit dasjenige behauptete, was ſie als endliche Erkenntniß ausſprach, und das für überſchwenglich, unerlaubt und für Gedankendinge erklärte, was ſie als Wahrheit erkannte, und wovon ſie den beſtimmten Begriff aufſtellte.

Indem es zunächſt hier die Logik, nicht die Wiſſenſchaft überhaupt iſt, von deren Verhältniſſe zur Wahrheit die Rede iſt, ſo muß ferner noch zugegeben werden, daß jene als die formelle Wiſſenſchaft nicht auch diejenige Realität enthalten könne und ſolle, welche der Inhalt weiterer Theile der Philoſophie, der Wiſſenſchaften der Natur und des Geiſtes, iſt. Dieſe concreten Wiſſenſchaften treten allerdings zu einer reellern Form der Idee heraus als die Logik, aber zugleich nicht ſo, daß ſie zu jener Realität ſich wieder umwendeten, welche das über ſeine Erſcheinung zur Wiſſenſchaft erhobene Bewußtſeyn aufgegeben, oder auch zum Gebrauch von Formen, wie die Kategorien und Reflexions-Beſtimmungen ſind, deren Endlichkeit und Unwahrheit ſich in der Logik dargeſtellt hat, wieder zurückkehrten. Vielmehr zeigt die Logik die Erhebung der Idee zu der Stufe, von daraus ſie die Schöpferin der Natur wird und zur Form einer concreten Unmittelbarkeit überſchreitet, deren Begriff aber auch dieſe Geſtalt wieder zerbricht, um zu ſich ſelbſt, als concreter Geiſt, zu werden. Gegen dieſe concreten Wiſſenſchaften, welche aber das Logiſche oder den Begriff zum innern Bildner haben und behalten, wie ſie es zum Vorbildner hatten, iſt die Logik ſelbſt allerdings die formelle Wiſſenſchaft, aber die Wiſſenſchaft der abſoluten Form, welche in ſich Totalität iſt, und die rein Idee der Wahrheit ſelbſt enthält. Dieſe abſolute Form hat an ihr ſelbſt ihren Inhalt oder Realität; der Begriff, indem er nicht die triviale, leere Identität iſt, hat in dem Momente ſeiner Negativität oder des abſoluten Beſtimmens die unterſchiedenen Beſtimmungen; der Inhalt iſt überhaupt nichts Anderes als ſolche Beſtimmungen der abſoluten Form; der durch ſie ſelbſt geſetzte, und daher auch ihr angemeſſene Inhalt. — Dieſe Form iſt darum auch von ganz anderer Natur, als gewöhnlich die logiſche Form genommen wird. Sie iſt ſchon für ſich ſelbſt die Wahrheit, indem dieſer Inhalt ſeiner Form, oder dieſe Realität ihrem Begriffe angemeſſen iſt, und die reine Wahrheit, weil deſſen Beſtimmungen noch nicht die Form eines abſoluten Anderſſeyns oder der abſoluten Unmittelbarkeit haben. — Kant, indem er Kr. der r. Vern. S. 83 in Beziehung auf die Logik, auf die alte und berühmte Frage: Was die Wahrheit ſey? zu reden kommt, ſchenkt vor's Erſte als etwas Triviales die Namenerklärung, daß ſie die Uebereinſtimmung der Erkenntniß mit ihrem Gegenſtande ſey; — eine Definition, die von großem, ja von dem höchſten Werthe iſt. Wenn man ſich derſelben bei der Grundbehauptung des tranſcendentalen Idealismus erinnert, daß die Vernunfterkenntniß die Dinge an ſich zu erfaſſen nicht vermögend ſey, daß die Realität ſchlechthin außer dem Begriffe liege, ſo zeigt ſich ſogleich, daß eine ſolche Vernunft, die ſich mit ihrem Gegenſtande, den Dingen an ſich, nicht in Uebereinſtimmung zu ſetzen vermag, und die Dinge an ſich, die nicht mit dem Vernunftbegriffe, der Begriff, der nicht mit der Realität, eine Realität, die nicht mit dem Begriffe in Uebereinſtimmung iſt, unwahre Vorſtellungen ſind. Wenn Kant die Idee eines anſchauenden Verſtandes an jene Definition der Wahrheit gehalten hätte, ſo würde er dieſe Idee, welche die geforderte Uebereinſtimmung ausdrückt, nicht als ein Gedankending, ſondern vielmehr als Wahrheit behandelt haben.

„Das, was man zu wiſſen verlange, giebt Kant ferner an, ſey ein allgemeines und ſicheres Kriterium der Wahrheit einer jeden Erkenntniß; es würde ein ſolches ſeyn, welches von allen Erkenntniſſen, ohne Unterſchied ihrer Gegenſtände, gültig wäre; da man aber bei demſelben von allem Inhalt der Erkenntniß (Beziehung auf ihr Object) abſtrahirt, und Wahrheit gerade dieſen Inhalt angeht, ſo würde es ganz unmöglich und ungereimt ſeyn, nach einem Merkmal der Wahrheit dieſes Inhalts der Erkenntniſſe zu fragen.“ — Es iſt hier die gewöhnliche Vorſtellung von der formellen Function der Logik ſehr beſtimmt ausgedrückt, und das angeführte Räſonnement ſcheint ſehr einleuchtend zu ſeyn. Vor's Erſte aber iſt zu bemerken, daß es ſolchem formellen Räſonnement gewöhnlich ſo geht, in ſeinem Reden die Sache zu vergeſſen, die es zur Grundlage gemacht und von der es ſpricht. Es würde ungereimt ſeyn, heißt es, nach einem Kriterium der Wahrheit des Inhalts der Erkenntniß zu fragen; — aber nach der Definition macht nicht der Inhalt die Wahrheit aus, ſondern die Uebereinſtimmung deſſelben mit dem Begriffe. Ein Inhalt, wie von ihm hier geſprochen wird, ohne den Begriff, iſt ein Begriffloſes, ſomit Weſenloſes; nach dem Kriterium der Wahrheit eines ſolchen kann freilich nicht gefragt werden, aber aus dem entgegengeſetzten Grunde; darum nämlich nicht, weil er um ſeiner Begriffloſigkeit willen nicht die geforderte Uebereinſtimmung iſt, ſondern weiter nichts als ein der wahrheitsloſen Meinung Angehöriges ſeyn kann. — Laſſen wir die Erwähnung des Inhalts bei Seite, der hier die Verwirrung verurſacht, in welche aber der Formalismus jedesmal verfällt, und die ihn das Gegentheil deſſen ſagen läßt, was er vorbringen will, ſo oft er ſich auf Erläuterung einläßt, und bleiben bei der abſtracten Anſicht ſtehen, daß das Logiſche nur formell ſey, und von allem Inhalt vielmehr abſtrahire; — ſo haben wir eine einſeitige Erkenntniß, welche keinen Gegenſtand enthalten ſoll, eine leere, beſtimmungsloſe Form, die alſo ebenſo wenig eine Uebereinſtimmung, da zur Uebereinſtimmung weſentlich Zwei gehören, — ebenſo wenig Wahrheit iſt. — An der a prioriſchen Syntheſis des Begriffs hatte Kant ein höheres Princip, worin die Zweiheit in der Einheit, ſomit dasjenige erkannt werden konnte, was zur Wahrheit gefordert wird; aber der ſinnliche Stoff, das Mannigfaltige der Anſchauung war ihm zu mächtig, um davon weg zur Betrachtung des Begriffs und der Kategorien an und für ſich, und zu einem ſpeculativen Philoſophiren kommen zu können.

Indem die Logik Wiſſenſchaft der abſoluten Form iſt, ſo muß dieß Formelle, damit es ein Wahres ſey, an ihm ſelbſt einen Inhalt haben, welcher ſeiner Form gemäß ſey, und um ſo mehr, da das logiſche Formelle die reine Form, alſo das logiſche Wahre, die reine Wahrheit ſelbſt ſeyn muß. Dieſes Formelle muß daher in ſich viel reicher an Beſtimmungen und Inhalt, ſo wie auch von unendlich größerer Wirkſamkeit auf das Concrete gedacht werden, als es gewöhnlich genommen wird. Die logiſchen Geſetze für ſich (das ohnehin Heterogene, die angewandte Logik und übrige pſychologiſche und anthropologiſche Material weggerechnet) werden gewöhnlich außer dem Satze des Widerſpruchs auf einige dürftige Sätze, die Umkehrung der Urtheile, und die Formen der Schlüſſe betreffend, beſchränkt. Die ſelbſt hierbei vorkommenden Formen, ſo wie weitere Beſtimmungen derſelben werden nur gleichſam hiſtoriſch aufgenommen, nicht der Kritik, ob ſie an und für ſich ein Wahres ſeyen, unterworfen. So gilt z. B. die Form des poſitiven Urtheils für etwas an ſich völlig Richtiges, wobei es ganz allein auf den Inhalt ankomme, ob ein ſolches Urtheil wahr ſey. Ob dieſe Form an und für ſich eine Form der Wahrheit, ob der Satz, den ſie ausſpricht, das Einzelne iſt ein Allgemeines, nicht in ſich dialektiſch ſey, an dieſe Unterſuchung wird nicht gedacht. Es wird geradezu dafür gehalten, daß dieß Urtheil für ſich fähig, Wahrheit zu enthalten, und jener Satz, den jedes poſitive Urtheil ausſpricht, ein wahrer ſey; obſchon unmittelbar erhellt, daß ihm dasjenige fehlt, was die Definition der Wahrheit fordert, nämlich die Uebereinſtimmung des Begriffs und ſeines Gegenſtandes; das Prädicat, welches hier das Allgemeine iſt, als den Begriff, das Subject, welches das Einzelne iſt, als den Gegenſtand genommen, ſo ſtimmt das eine mit dem andern nicht überein. Wenn aber das abſtracte Allgemeine, welches das Prädicat iſt, noch nicht einen Begriff ausmacht, als zu welchem allerdings mehr gehört; — ſo wie auch ſolches Subject noch nicht viel weiter als ein grammatiſches iſt, wie ſollte das Urtheil Wahrheit enthalten können, da ſein Begriff und Gegenſtand nicht übereinſtimmen, oder ihm der Begriff, wohl auch der Gegenſtand, gar fehlt? — Dieß iſt daher vielmehr das Unmögliche und Ungereimte, in dergleichen Formen, wie ein poſitives Urtheil und wie das Urtheil überhaupt iſt, die Wahrheit faſſen zu wollen. So wie die kantiſche Philoſophie die Kategorien nicht an und für ſich betrachtete, ſondern ſie nur aus dem ſchiefen Grunde, weil ſie ſubjective Formen des Selbſtbewußtſeyns ſeyen, für endliche Beſtimmungen, die das Wahre zu enthalten unfähig ſeyen, erklärte, ſo hat ſie noch weniger die Formen des Begriffs, welche der Inhalt der gewöhn lichen Logik ſind, der Kritik unterworfen; ſie hat vielmehr einen Theil derſelben, nämlich die Functionen der Urtheile für die Beſtimmung der Kategorie aufgenommen, und ſie als gültige Vorausſetzungen gelten laſſen. Soll in den logiſchen Formen auch weiter nichts geſehen werden, als formelle Functionen des Denkens, ſo wären ſie ſchon darum der Unterſuchung, in wiefern ſie für ſich der Wahrheit entſprechen, würdig. Eine Logik, welche dieß nicht leiſtet, kann höchſtens auf den Werth einer naturhiſtoriſchen Beſchreibung der Erſcheinungen des Denkens, wie ſie ſich vorfinden, Anſpruch machen. Es iſt ein unendliches Verdienſt des Ariſtoteles, welches uns mit der höchſten Bewunderung für die Stärke dieſes Geiſtes erfüllen muß, dieſe Beſchreibung zuerſt unternommen zu haben. Aber es iſt nöthig, daß weiter gegangen, und theils der ſyſtematiſche Zuſammenhang, theils aber der Werth der Formen erkannt werde.

Eintheilung.

Der Begriff zeigt ſich obenhin betrachtet als die Einheit des Seyns und Weſens. Das Weſen iſt die erſte Negation des Seyns, das dadurch zum Schein geworden iſt, der Begriff iſt die zweite, oder die Negation dieſer Negation; alſo das wiederhergeſtellte Seyn, aber als die unendliche Vermittelung und Negativität deſſelben in ſich ſelbſt. — Seyn und Weſen haben daher im Begriffe nicht mehr die Beſtimmung, in welcher ſie als Seyn und Weſen ſind, noch ſind ſie nur in ſolcher Einheit, daß jedes in dem andern ſcheine. Der Begriff unterſcheidet ſich daher nicht in dieſe Beſtimmungen. Er iſt die Wahrheit des ſubſtantiellen Verhältniſſes, in welchem Seyn und Weſen ihre erfüllte Selbſtſtändigkeit und Beſtimmung durch einander erreichen. Als die Wahrheit und Subſtantialität erwies ſich die ſubſtantielle Identität, welche ebenſo ſehr und nur als das Geſetztſeyn iſt. Das Geſetztſeyn iſt das Daſeyn und Unterſcheiden: das An- und Fürſichſeyn hat daher im Begriffe ein ſich gemäßes und wahres Daſeyn erreicht, denn jenes Geſetztſeyn iſt An- und Fürſichſeyn ſelbſt. Dieß Geſetztſeyn macht den Unterſchied des Begriffes in ihm ſelbſt aus; ſeine Unterſchiede, weil ſie unmittelbar das An- und Fürſichſeyn iſt, ſind ſelbſt der ganze Begriff; in ihrer Beſtimmtheit allgemeine, und identiſch mit ihrer Negation.

Dieß iſt nun der Begriff ſelbſt des Begriffes. Aber es iſt nur erſt ſein Begriff; — oder er iſt ſelbſt auch nur der Begriff. Weil er das An- und Fürſichſeyn iſt, inſofern es Geſetztſeyn iſt, oder die abſolute Subſtanz, inſofern ſie die Nothwendigkeit unterſchiedener Subſtanzen als Identität offenbart, ſo muß dieſe Identität das, was ſie iſt, ſelbſtſetzen. Die Momente der Bewegung des Subſtantialitäts-Verhältniſſes, wodurch der Begriff geworden iſt, und die dadurch dargeſtellte Realität iſt erſt im Uebergange zum Begriffe; ſie iſt noch nicht als ſeine eigene, aus ihm hervorgegangene Beſtimmung; ſie fiel in die Sphäre der Nothwendigkeit, die ſeinige kann nur ſeine freie Beſtimmung, ein Daſeyn ſeyn, in welchem er als identiſch mit ſich, deſſen Momente Begriffe und durch ihn ſelbſt geſetzte ſind.

Zuerſt iſt alſo der Begriff nur an ſich die Wahrheit; weil er nur ein Inneres iſt, ſo iſt er ebenſo ſehr nur ein Aeußeres. Er iſt zuerſt überhaupt ein Unmittelbares, und in dieſer Geſtalt haben ſeine Momente die Form von unmittelbaren, feſten Beſtimmungen. Er erſcheint als der beſtimmte Begriff, als die Sphäre des bloßen Verſtandes. — Weil dieſe Form der Unmittelbarkeit ein ſeiner Natur noch nicht angemeſſenes Daſeyn iſt, da er das ſich nur auf ſich ſelbſt beziehende Freie iſt, ſo iſt ſie eine äußerliche Form, in der der Begriff nicht als An- und Fürſichſeyendes, ſondern als nur Geſetztes oder ein Subjectives gelten kann. — Die Geſtalt des unmittelbaren Begriffes macht den Standpunct aus, nach welchem der Begriff ein ſubjectives Denken, eine der Sache äußerliche Reflexion iſt. Dieſe Stufe macht daher die Subjectivität oder den formellen Begriff aus. Die Aeußerlichkeit deſſelben erſcheint in dem feſten Seyn ſeiner Beſtimmungen, wodurch jede für ſich als ein Iſolirtes, Qualitatives auftritt, das nur in äußerer Beziehung auf ſein Anderes iſt. Die Identität des Begriffes aber, die eben das innere oder ſubjective Weſen derſelben iſt, ſetzt ſie in dialektiſche Bewegung, durch welche ſich ihre Vereinzelung und damit die Trennung des Begriffs von der Sache aufhebt und als ihre Wahrheit die Totalität hervorgeht, welche der objective Begriff iſt.

Zweitens. Der Begriff in ſeiner Objectivität iſt die an- und fürſichſeyende Sache ſelbſt. Durch ſeine nothwendige Fortbeſtimmung macht der formelle Begriff ſich ſelbſt zur Sache, und verliert dadurch das Verhältniß der Subjectivität und Aeußerlichkeit gegen ſie. Oder umgekehrt iſt die Objectivität der aus ſeiner Innerlichkeit hervorgetretene und in das Daſeyn übergegangene reale Begriff. — In dieſer Identität mit der Sache hat er ſomit eigenes und freies Daſeyn. Aber es iſt dieß noch eine unmittelbare, noch nicht negative Freiheit. Eins mit der Sache iſt er in ſie verſenkt; ſeine Unterſchiede ſind objective Exiſtenzen, in denen er ſelbſt wieder das Innere iſt. Als die Seele des objectiven Daſeyns muß er ſich die Form der Subjectivität geben, die er als formeller Begriff unmittelbar hatte; ſo tritt er in der Form des Freien, die er in der Objectivität noch nicht hatte, ihr gegenüber, und macht darin die Identität mit ihr, die er an und für ſich als objectiver Begriff mit ihr hat, zu einer auch geſetzten.

In dieſer Vollendung, worin er in ſeiner Objectivität ebenſo die Form der Freiheit hat, iſt der adäquate Begriff die Idee. Die Vernunft, welche die Sphäre der Idee iſt, iſt die ſich ſelbſt enthüllte Wahrheit, worin der Begriff die ſchlechthin ihm angemeſſene Realiſation hat, und inſofern frei iſt, als er dieſe ſeine objective Welt in ſeiner Subjectivität, und dieſe in jener erkennt.


Erſter Abſchnitt.
Die Subjectivität.


Der Begriff iſt zuerſt der formelle, der Begriff im Anfang oder der als unmittelbarer iſt. — In der unmittelbaren Einheit iſt ſein Unterſchied oder Geſetztſeyn zuerſt zunächſt ſelbſt einfach und nur ein Schein, ſo daß die Momente des Unterſchiedes unmittelbar die Totalität des Begriffes ſind, und nur der Begriff als ſolcher ſind.

Zweitens aber, weil er die abſolute Negativität iſt, ſo dirimirt er ſich, und ſetzt ſich als das Negative oder als das Andere ſeiner ſelbſt; und zwar, weil er erſt der unmittelbare iſt, hat dieß Setzen oder Unterſcheiden die Beſtimmung, daß die Momente gleichgültig gegeneinander und jedes für ſich wird; ſeine Einheit iſt in dieſer Theilung nur noch äußere Beziehung. So als Beziehung ſeiner als ſelbſtſtändig und gleichgültig geſetzten Momente iſt er das Urtheil.

Drittens das Urtheil enthält wohl die Einheit des in ſeine ſelbſtſtändigen Momente verlorenen Begriffs, aber ſie iſt nicht geſetzt. Sie wird dieß durch die dialectiſche Bewegung des Urtheils, das hierdurch der Schluß geworden iſt, zum vollſtändig geſetzten Begriff; indem im Schluß ebenſo wohl die Momente deſſelben als ſelbſtſtändige Extreme, wie auch deren vermittelnde Einheit geſetzt iſt.

Indem aber unmittelbar dieſe Einheit ſelbſt als die vereinigende Mitte, und die Momente als ſelbſtſtändige Extreme zunächſt einander gegenüber ſtehen, ſo hebt dieß widerſprechende Verhältniß, das im formalen Schluſſe Statt findet, ſich auf, und die Vollſtändigkeit des Begriffs geht in die Einheit der Totalität über, die Subjectivität des Begriffes in ſeine Objectivität.


Erſtes Kapitel.
Der Begriff.

Durch den Verſtand pflegt das Vermögen der Begriffe überhaupt ausgedrückt zu werden, er wird inſofern von der Urtheilskraft und dem Vermögen der Schlüſſe, als der formellen Vernunft, unterſchieden. Vornehmlich aber wird er der Vernunft entgegengeſetzt; inſofern aber bedeutet er nicht das Vermögen des Begriffs überhaupt, ſondern der beſtimmten Begriffe, wobei die Vorſtellung herrſcht, als ob der Begriff nur ein Beſtimmtes ſey. Wenn der Verſtand in dieſer Bedeutung von der formellen Urtheilskraft und der formellen Vernunft unterſchieden wird, ſo iſt er als Vermögen des einzelnen beſtimmten Begriffs zu nehmen. Denn das Urtheil und der Schluß oder die Vernunft ſind ſelbſt, als Formales, nur ein Verſtändiges, indem ſie unter der Form der abſtracten Begriffsbeſtimmtheit ſtehen. Der Begriff gilt aber hier überhaupt nicht als blos abſtract-Beſtimmtes; der Verſtand iſt daher von der Vernunft nur ſo zu unterſcheiden, daß jener nur das Vermögen des Begriffes überhaupt ſey.

Dieſer allgemeine Begriff, der nun hier zu betrachten iſt, enthält die drei Momente: Allgemeinheit, Beſonderheit und Einzelnheit. Der Unterſchied und die Beſtimmungen, die er ſich in dem Unterſcheiden giebt, machen die Seite aus, welche vorhin Geſetzſeyn genannt wurde. Da dieſes in dem Begriff identiſch mit dem An- und Fürſichſeyn iſt, ſo iſt jedes jener Momente ſo ſehr ganzer Begriff, als beſtimmter Begriff, und als eine Beſtimmung des Begriffs.

Zuerſt iſt er reiner Begriff, oder die Beſtimmung der Allgemeinheit. Der reine oder allgemeine Begriff iſt aber auch nur ein beſtimmter, oder beſonderer Begriff, der ſich auf die Seite neben die andern ſtellt. Weil der Begriff die Totalität iſt, alſo in ſeiner Allgemeinheit oder reinen identiſchen Beziehung auf ſich ſelbſt, weſentlich das Beſtimmen und Unterſcheiden iſt, ſo hat er in ihm ſelbſt den Maaßſtab, wodurch dieſe Form ſeiner Identität mit ſich, indem ſie alle Momente durchdringt und in ſich faßt, ebenſo unmittelbar ſich beſtimmt, nur das Allgemeine gegen die Unterſchiedenheit der Momente zu ſeyn.

Zweitens iſt der Begriff dadurch als dieſer beſondere oder als beſtimmte Begriff, welcher als gegen andere unterſchieden geſetzt iſt.

Drittens die Einzelnheit iſt der aus dem Unterſchiede in die abſolute Negativität ſich reflectirende Begriff. Dieß iſt zugleich das Moment, worin er aus ſeiner Identität in ſein Anderſſeyn übergetreten iſt, und zum Urtheil wird.

A.
Der allgemeine Begriff.

Der reine Begriff iſt das abſolut Unendliche, Unbedingte und Freie. Es iſt hier, wo die Abhandlung, welche den Begriff zu ihrem Inhalte hat, beginnt, noch einmal nach ſeiner Geneſis zurückzuſehen. Das Weſen iſt aus dem Seyn, und der Begriff aus dem Weſen, ſomit auch aus dem Seyn geworden. Dieß Werden hat aber die Bedeutung des Gegenſtoßes ſeiner ſelbſt, ſo daß das Gewordene vielmehr das Unbedingte und Urſprüngliche iſt. Das Seyn iſt in ſeinem Uebergange zum Weſen zu einem Schein oder Geſetztſeyn, und das Werden oder das Uebergehen in Anderes zu einem Setzen geworden, und umgekehrt hat das Setzen oder die Reflexion des Weſens ſich aufgehoben und ſich zu einem Nichtgeſetzten, einem urſprünglichen Seyn hergeſtellt. Der Begriff iſt die Durchdringung dieſer Momente, daß das Qualitative, und urſprünglich-Seyende nur als Setzen und nur als Rückkehr-in-ſich iſt, und dieſe reine Reflexion-in-ſich ſchlechthin das Anderswerden oder die Beſtimmtheit iſt, welche ebenſo daher unendliche, ſich auf ſich beziehende Beſtimmtheit iſt.

Der Begriff iſt daher zuerſt ſo die abſolute Identität mit ſich, daß ſie dieß nur iſt, als die Negation der Negation, oder als die unendliche Einheit der Negativität mit ſich ſelbſt. Dieſe reine Beziehung des Begriffs auf ſich, welche dadurch dieſe Beziehung iſt, als durch die Negativität ſich ſetzend, iſt die Allgemeinheit des Begriffs.

Die Allgemeinheit, da ſie die höchſt einfache Beſtimmung iſt, ſcheint keiner Erklärung fähig zu ſeyn; denn eine Erklärung muß ſich auf Beſtimmungen und Unterſcheidungen einlaſſen, und von ihrem Gegenſtande prädiciren, das Einfache aber wird hierdurch vielmehr verändert, als erklärt. Es iſt aber gerade die Natur des Allgemeinen, ein ſolches Einfaches zu ſeyn, welches durch die abſolute Negativität den höchſten Unterſchied und Beſtimmtheit in ſich enthält. Das Seyn iſt einfaches, als unmittelbares; deswegen iſt es ein nur Gemeintes, und kann man von ihm nicht ſagen, was es iſt; es iſt daher unmittelbar eins mit ſeinem Andern, dem Nichtſeyn. Eben dieß iſt ſein Begriff, ein ſolches Einfaches zu ſeyn, das in ſeinem Gegentheil unmittelbar verſchwindet; er iſt das Werden. Das Allgemeine dagegen iſt das Einfache, welches ebenſo ſehr das Reichſte in ſich ſelbſt iſt; weil es der Begriff iſt.

Es iſt daher erſtens die einfache Beziehung auf ſich ſelbſt; es iſt nur in ſich. Aber dieſe Identität iſt zweitens in ſich abſolute Vermittelung; nicht aber ein Vermitteltes. Vom Allgemeinen, welches ein vermitteltes, nämlich das abſtracte, dem Beſondern und Einzelnen entgegengeſetzte Allgemeine iſt, iſt erſt bei dem beſtimmten Begriffe zu reden. — Aber auch ſchon das Abſtracte enthält dieß, daß, um es zu erhalten, erfordert werde, andere Beſtimmungen des Concreten wegzulaſſen. Dieſe Beſtimmungen ſind als Determinationen überhaupt Negationen; ebenſo iſt ferner das Weglaſſen derſelben ein Negiren. Es kommt alſo beim Abſtracten gleichfalls die Negation der Negation vor. Dieſe gedoppelte Negation aber wird vorgeſtellt, als ob ſie demſelben äußerlich ſey, und ſowohl die weggelaſſenen weiteren Eigenſchaften des Concreten von der beibehaltenen, welche der Inhalt des Abſtracten iſt, verſchieden ſeyen, als auch dieſe Operation des Weglaſſens der übrigen und des Beibehaltens der einen, außer derſelben vorgehe. Zu ſolcher Aeußerlichkeit hat ſich das Allgemeine gegen jene Bewegung noch nicht beſtimmt; es iſt noch ſelbſt in ſich jene abſolute Vermittelung, welche eben die Negation der Negation oder abſolute Negativität iſt.

Nach dieſer urſprünglichen Einheit iſt vor’s Erſte das erſte Negative oder die Beſtimmung keine Schranke für das Allgemeine, ſondern es erhält ſich darin, und iſt poſitiv mit ſich identiſch. Die Kategorien des Seyns waren, als Begriffe, weſentlich dieſe Identitäten der Beſtimmungen mit ſich ſelbſt, in ihrer Schranke oder ihrem Anderſſeyn; dieſe Identität war aber nur an ſich der Begriff; ſie war noch nicht manifeſtirt. Daher die qualitative Beſtimmung als ſolche in ihrer andern unterging und eine von ihr verſchiedene Beſtimmung zu ihrer Wahrheit hatte. Das Allgemeine hingegen, wenn es ſich auch in eine Beſtimmung ſetzt, bleibt es darin, was es iſt. Es iſt die Seele des Concreten, dem es inwohnt, ungehindert und ſich ſelbſt gleich in deſſen Mannigfaltigkeit und Verſchiedenheit. Es wird nicht mit in das Werden geriſſen, ſondern continuirt ſich ungetrübt durch daſſelbe, und hat die Kraft unveränderlicher, unſterblicher Selbſterhaltung.

Ebenſo ſcheint es aber nicht nur in ſein Anderes, wie die Reflexions-Beſtimmung. Dieſe als ein Relatives beziehet ſich nicht nur auf ſich, ſondern iſt ein Verhalten. Sie giebt ſich in ihrem Andern kund; aber ſcheint nur erſt an ihm, und das Scheinen eines jeden an dem Andern oder ihr gegenſeitiges Beſtimmen hat bei ihrer Selbſtſtändigkeit die Form eines äußerlichen Thuns. — Das Allgemeine dagegen iſt geſetzt als das Weſen ſeiner Beſtimmung, die eigene poſitive Natur derſelben. Denn die Beſtimmung, die ſein Negatives ausmacht, iſt im Begriffe ſchlechthin nur als ein Geſetztſeyn, oder weſentlich nur zugleich als das Negative des Negativen, und ſie iſt nur als dieſe Identität des Negativen mit ſich, welche das Allgemeine iſt. Dieſes iſt inſofern auch die Subſtanz ſeiner Beſtimmungen; aber ſo, daß das, was für die Subſtanz als ſolche ein Zufälliges war, die eigene Vermittelung des Begriffes mit ſich ſelbſt, ſeine eigene immanente Reflexion iſt. Dieſe Vermittelung, welche das Zufällige zunächſt zur Nothwendigkeit erhebt, iſt aber die manifeſtirte Beziehung; der Begriff iſt nicht der Abgrund der formloſen Subſtanz, oder die Nothwendigkeit, als die innere Identität von einander verſchiedener und ſich beſchränkender Dinge oder Zuſtände, ſondern als abſolute Negativität das Formirende und Erſchaffende, und weil die Beſtimmung nicht als Schranke, ſondern ſchlechthin ſo ſehr als aufgehobene, als Geſetztſeyn iſt, ſo iſt der Schein die Erſcheinung als des Identiſchen.

Das Allgemeine iſt daher die freie Macht; es iſt es ſelbſt und greift über ſein Anderes über; aber nicht als ein Gewaltſames, ſondern das vielmehr in demſelben ruhig und bei ſich ſelbſt iſt. Wie es die freie Macht genannt worden, ſo könnte es auch die freie Liebe und ſchrankenloſe Seligkeit genannt werden, denn es iſt ein Verhalten ſeiner zu dem Unterſchiedenen nur als zu ſich ſelbſt, in demſelben iſt es zu ſich ſelbſt zurückgekehrt.

Es iſt ſo eben der Beſtimmtheit erwähnt worden, obgleich der Begriff nur erſt als das Allgemeine und nur mit ſich Identiſche noch nicht dazu fortgegangen iſt. Es kann aber von dem Allgemeinen nicht ohne die Beſtimmtheit, welche näher die Beſonderheit und Einzelnheit iſt, geſprochen werden; denn es enthält ſie in ſeiner abſoluten Negativität an und für ſich; die Beſtimmtheit wird alſo nicht von Außen dazu genommen, wenn beim Allgemeinen von ihr geſprochen wird. Als Negativität überhaupt, oder nach der erſten, unmittelbaren Negation hat es die Beſtimmtheit überhaupt als Beſonderheit an ihm; als Zweites, als Negation der Negation iſt es abſolute Beſtimmtheit, oder Einzelnheit und Concretion. — Das Allgemeine iſt ſomit die Totalität des Begriffes, es iſt Concretes, iſt nicht ein Leeres, ſondern hat vielmehr durch ſeinen Begriff Inhalt; — einen Inhalt, in dem es ſich nicht nur erhält, ſondern der ihm eigen und immanent iſt. Es kann von dem Inhalte wohl abſtrahirt werden; ſo erhält man aber nicht das Allgemeine des Begriffs, ſondern das Abſtracte, welches ein iſolirtes, unvollkommenes Moment des Begriffes iſt, und keine Wahrheit hat.

Näher ergiebt ſich das Allgemeine ſo als dieſe Totalität. Inſofern es die Beſtimmtheit in ſich hat, iſt ſie nicht nur die erſte Negation, ſondern auch die Reflexion derſelben in ſich. Mit jener erſten Negation für ſich genommen, iſt es Beſonderes, wie es ſogleich wird betrachtet werden; aber es iſt in dieſer Beſtimmtheit weſentlich noch Allgemeines; dieſe Seite muß hier noch aufgefaßt werden. — Dieſe Beſtimmtheit iſt nämlich als im Begriffe die totale Reflexion, der Doppelſchein, einmal der Schein nach Außen, die Reflexion in Anderes; das andere Mal der Schein nach Innen, die Reflexion in ſich. Jenes äußerliche Scheinen macht einen Unterſchied gegen Anderes; das Allgemeine hat hiernach eine Beſonderheit, welche ihre Auflöſung in einem höhern Allgemeinen hat. Inſofern es nun auch nur ein relativ-Allgemeines iſt, verliert es ſeinen Charakter des Allgemeinen nicht; es erhält ſich in ſeiner Beſtimmtheit, nicht nur ſo, daß es in der Verbindung mit ihr nur gleichgültig gegen ſie bliebe, — ſo wäre es nur mit ihr zuſammengeſetzt, — ſondern daß es das iſt, was ſo eben das Scheinen nach Innen genannt wurde. Die Beſtimmtheit iſt als beſtimmter Begriff aus der Aeußerlichkeit in ſich zurückgebogen; ſie iſt der eigene, immanente Charakter, der dadurch ein Weſentliches iſt, daß er in die Allgemeinheit aufgenommen und von ihr durchdrungen, von gleichem Umfange, identiſch mit ihr ſie ebenſo durchdringt; es iſt der Charakter, welcher der Gattung angehört, als die von dem Allgemeinen ungetrennte Beſtimmtheit. Er iſt inſofern nicht eine nach Außen gehende Schranke, ſondern poſitiv, indem er durch die Allgemeinheit in der freien Beziehung auf ſich ſelbſt ſteht. Auch der beſtimmte Begriff bleibt ſo in ſich unendlich freier Begriff.

In Anſehung der andern Seite aber, nach welcher die Gattung durch ihren beſtimmten Charakter begrenzt iſt, iſt bemerkt worden, daß ſie als niedrigere Gattung in einem höhern Allgemeinern ihre Auflöſung habe. Dieſes kann auch wieder als Gattung, aber als eine abſtractere aufgefaßt werden, gehört aber immer wieder nur der Seite des beſtimmten Begriffes an, die nach Außen geht. Das wahrhaft höhere Allgemeine iſt, worin dieſe nach Außen gehende Seite nach Innen zurückgenommen iſt, die zweite Negation, in welcher die Beſtimmtheit ſchlechthin nur als Geſetztes, oder als Schein iſt. Leben, Ich, Geiſt, abſoluter Begriff, ſind nicht Allgemeine nur als höhere Gattungen, ſondern Concrete, deren Beſtimmtheiten auch nicht nur Arten oder niedrige Gattungen ſind, ſondern die in ihrer Realität ſchlechthin nur in ſich und davon erfüllt ſind. Inſofern Leben, Ich, endlicher Geiſt, wohl auch nur beſtimmte Begriffe ſind, ſo iſt ihre abſolute Auflöſung in demjenigen Allgemeinen, welches als wahrhaft abſoluter Begriff, als Idee des unendlichen Geiſtes zu faſſen iſt, deſſen Geſetztſeyn die unendliche, durchſichtige Realität iſt, worin er ſeine Schöpfung, und in ihr ſich ſelbſt anſchaut.

Das wahrhafte, unendliche Allgemeine, welches unmittelbar ebenſo ſehr Beſonderheit als Einzelnheit in ſich iſt, iſt nun zunächſt näher als Beſonderheit zu betrachten. Es beſtimmt ſich frei; ſeine Verendlichung iſt kein Uebergehen, das nur in der Sphäre des Seyns Statt hat; es iſt ſchöpferiſche Macht, als die abſolute Negativität, die ſich auf ſich ſelbſt bezieht. Es iſt als ſolche das Unterſcheiden in ſich, und dieſes iſt Beſtimmen, dadurch, daß das Unterſcheiden mit der Allgemeinheit eins iſt. Somit iſt es ein Setzen der Unterſchiede ſelbſt als allgemeiner, ſich auf ſich beziehender. Hierdurch werden ſie fixirte, iſolirte Unterſchiede. Das iſolirte Beſtehen des Endlichen, das ſich früher als ſein Fürſichſeyn, auch als Dingheit, als Subſtanz beſtimmte, iſt in ſeiner Wahrheit die Allgemeinheit, mit welcher Form der unendliche Begriff ſeine Unterſchiede bekleidet, — eine Form, die eben einer ſeiner Unterſchiede ſelbſt iſt. Hierin beſteht das Schaffen des Begriffs, das nur in dieſem Innerſten deſſelben ſelbſt zu begreifen iſt.

B.
Der beſondere Begriff.

Die Beſtimmtheit als ſolche gehört dem Seyn und dem Qualitativen an; als Beſtimmtheit des Begriffs iſt ſie Beſonderheit. Sie iſt keine Grenze, ſo daß ſie ſich zu einem Andern als einem Jenſeits ihrer verhielte, vielmehr, wie ſich ſo eben zeigte, das eigene immanente Moment des Allgemeinen; dieſes iſt daher in der Beſonderheit nicht bei einem Andern, ſondern ſchlechthin bei ſich ſelbſt.

Das Beſondere enthält die Allgemeinheit, welche deſſen Subſtanz ausmacht; die Gattung iſt unverändert in ihren Arten; die Arten ſind nicht von dem Allgemeinen, ſondern nur gegen einander verſchieden. Das Beſondere hat mit den anderen Beſonderen, zu denen es ſich verhält, eine und dieſelbe Allgemeinheit. Zugleich iſt die Verſchiedenheit derſelben, um ihrer Identität mit dem Allgemeinen willen, als ſolche allgemein; ſie iſt Totalität. — Das Beſondere enthält alſo nicht nur das Allgemeine, ſondern ſtellt daſſelbe auch durch ſeine Beſtimmtheit dar; dieſes macht inſofern eine Sphäre aus, welche das Beſondere erſchöpfen muß. Dieſe Totalität erſcheint, inſofern die Beſtimmtheit des Beſondern als bloße Verſchiedenheit genommen wird, als Vollſtändigkeit. Vollſtändig ſind in dieſer Rückſicht die Arten, inſofern es deren eben nicht mehrere giebt. Es iſt für ſie kein innerer Maaßſtab, oder Princip vorhanden, weil die Verſchiedenheit eben der einheitsloſe Unterſchied iſt, an welchem die Allgemeinheit, die für ſich abſolute Einheit iſt, bloß äußerlicher Refler, und eine unbeſchränkte, zufällige Vollſtändigkeit iſt. Die Verſchiedenheit aber geht in Entgegenſetzung, in eine immanente Beziehung der Verſchiedenen über. Die Beſonderheit aber iſt als Allgemeinheit an und für ſich ſelbſt, nicht durch Uebergehen ſolche immanente Beziehung; ſie iſt Totalität an ihr ſelbſt, und einfache Beſtimmtheit, weſentlich Princip. Sie hat keine andere Beſtimmtheit, als welche durch das Allgemeine ſelbſt geſetzt iſt, und ſich aus demſelben folgendermaßen ergiebt.

Das Beſondere iſt das Allgemeine ſelbſt, aber es iſt deſſen Unterſchied oder Beziehung auf ein Anderes, ſein Scheinen nach Außen; es iſt aber kein Anderes vorhanden, wovon das Beſondere unterſchieden wäre, als das Allgemeine ſelbſt. — Das Allgemeine beſtimmt ſich, ſo iſt es ſelbſt das Beſondere; die Beſtimmtheit iſt ſein Unterſchied; es iſt nur von ſich ſelbſt unterſchieden. Seine Arten ſind daher nur a) das Allgemeine ſelbſt und b) das Beſondere. Das Allgemeine als der Begriff iſt es ſelbſt und ſein Gegentheil, was wieder es ſelbſt als ſeine geſetzte Beſtimmtheit iſt; es greift über daſſelbe über, und iſt in ihm bei ſich. So iſt es die Totalität und Princip ſeiner Verſchiedenheit, die ganz nur durch es ſelbſt beſtimmt iſt.

Es iſt daher keine andere wahrhafte Eintheilung, als daß der Begriff ſich ſelbſt auf die Seite ſtellt, als die unmittelbare, unbeſtimmte Allgemeinheit; eben dieß Unbeſtimmte macht ſeine Beſtimmtheit, oder daß er ein Beſonderes iſt. Beides iſt das Beſondere, und iſt daher coordinirt. Beides iſt auch als Beſonderes das Beſtimmte gegen das Allgemeine; es heißt demſelben inſofern ſubordinirt. Aber eben dieß Allgemeine, gegen welches das Beſondere beſtimmt iſt, iſt damit vielmehr ſelbſt auch nur eines der Gegenüberſtehenden. Wenn wir von zwei Gegenüberſtehenden ſprechen, ſo müſſen wir alſo auch wieder ſagen, daß ſie beide das Beſondere ausmachen, nicht nur zuſammen, daß ſie nur für die äußere Reflexion darin gleich wären, Beſondere zu ſeyn, ſondern ihre Beſtimmtheit gegeneinander iſt weſentlich zugleich nur Eine Beſtimmtheit, die Negativität, welche im Allgemeinen einfach iſt.

Wie ſich der Unterſchied hier zeigt, iſt er in ſeinem Begriffe, und damit in ſeiner Wahrheit. Aller frühere Unterſchied hat dieſe Einheit im Begriffe. Wie er unmittelbarer Unterſchied im Seyn iſt, iſt er als die Grenze eines Andern; wie er in der Reflexion iſt, iſt er relativer, geſetzt als ſich auf ſein Anderes weſentlich beziehend; hier beginnt ſomit die Einheit des Begriffs geſetzt zu werden; aber zunächſt iſt ſie nur der Schein an einem Andern. — Das Uebergehen und die Auflöſung dieſer Beſtimmungen hat nur dieſen wahren Sinn, daß ſie ihren Begriff, ihre Wahrheit erreichen; Seyn, Daſeyn, Etwas, oder Ganzes und Theile u. ſ. f., Subſtanz und Accidenzen, Urſache und Wirkung ſind für ſich Gedankenbeſtimmungen; als beſtimmte Begriffe werden ſie aufgefaßt, inſofern jede in der Einheit mit ihrer andern oder entgegengeſetzten erkannt wird. — Das Ganze und die Theile, Urſache und Wirkung z. B. u. ſ. f. ſind noch nicht verſchiedene, die als Beſondere gegeneinander beſtimmt wären, weil ſie an ſich zwar Einen Begriff ausmachen, aber ihre Einheit noch nicht die Form der Allgemeinheit erreicht hat; ſo hat auch der Unterſchied, der in dieſen Verhältniſſen iſt, noch nicht die Form, daß er Eine Beſtimmtheit iſt. Urſache und Wirkung z. B. ſind nicht zwei verſchiedene Begriffe, ſondern nur Ein beſtimmter Begriff, und die Cauſalität iſt, wie jeder Begriff, ein einfacher.

In Abſicht auf Vollſtändigkeit hat ſich ergeben, daß das Beſtimmte der Beſonderheit vollſtändig in dem Unterſchiede des Allgemeinen und Beſondern iſt, und daß nur dieſe beide die beſonderen Arten ausmachen. In der Natur finden ſich freilich in einer Gattung mehr als zwei Arten, ſo wie dieſe vielen Arten auch nicht das aufgezeigte Verhältniß zu einander haben können. Es iſt dieß die Ohnmacht der Natur, die Strenge des Begriffs nicht feſthalten und darſtellen zu können, und in dieſe begriffloſe blinde Mannigfaltigkeit ſich zu verlaufen. Wir können die Natur in der Mannigfaltigkeit ihrer Gattungen und Arten, und der unendlichen Verſchiedenheit ihrer Geſtaltungen bewundern, denn die Bewunderung iſt ohne Begriff, und ihr Gegenſtand iſt das Vernunftloſe. Der Natur, weil ſie das Außerſichſeyn des Begriffes iſt, iſt es freigegeben, in dieſer Verſchiedenheit ſich zu ergehen, wie der Geiſt, ob er gleich den Begriff in der Geſtalt des Begriffes hat, auch auf’s Vorſtellen ſich einläßt, und in einer unendlichen Mannigfaltigkeit deſſelben ſich herumtreibt. Die vielfachen Naturgattungen oder Arten müſſen für nichts Höheres geachtet werden, als die willkürlichen Einfälle des Geiſtes in ſeinen Vorſtellungen. Beide zeigen wohl allenthalben Spuren und Ahnungen des Begriffs, aber ſtellen ihn nicht in treuem Abbild dar, weil ſie die Seite ſeines freien Außerſichſeyns ſind; er iſt die abſolute Macht gerade darum, daß er ſeinen Unterſchied frei zur Geſtalt ſelbſtſtändiger Verſchiedenheit, äußerlicher Nothwendigkeit, Zufälligkeit, Willkür Meinung entlaſſen kann, welche aber für nicht mehr als die abſtracte Seite der Nichtigkeit genommen werden muß.

Die Beſtimmtheit des Beſondern iſt einfach als Princip, wie wir geſehen haben, aber ſie iſt es auch als Moment der Totalität, als Beſtimmtheit gegen die andere Beſtimmtheit. Der Begriff, inſofern er ſich beſtimmt oder unterſcheidet, iſt er negativ auf ſeine Einheit gerichtet, und giebt ſich die Form eines ſeiner ideellen Momente des Seyns; als beſtimmter Begriff hat er ein Daſeyn überhaupt. Dieß Seyn hat aber nicht mehr den Sinn der bloßen Unmittelbarkeit, ſondern der Allgemeinheit, der durch die abſolute Vermittelung ſich ſelbſt gleichen Unmittelbarkeit, die ebenſo ſehr auch das andere Moment, das Weſen oder die Reflexion in ſich enthält. Dieſe Allgemeinheit, mit welcher das Beſtimmte bekleidet iſt, iſt die abſtracte. Das Beſondere hat die Allgemeinheit in ihm ſelbſt als ſein Weſen; inſofern aber die Beſtimmtheit des Unterſchieds geſetzt iſt, und dadurch Seyn hat, iſt ſie Form an demſelben, und die Beſtimmtheit als ſolche iſt der Inhalt. Zur Form wird die Allgemeinheit, inſofern der Unterſchied als das Weſentliche iſt, wie er im Gegentheil im reinen Allgemeinen nur als abſolute Negativität, nicht als Unterſchied iſt, der als ſolcher geſetzt iſt.

Die Beſtimmtheit iſt nun zwar das Abſtracte gegen die andere Beſtimmtheit; die andere iſt aber nur die Allgemeinheit ſelbſt, dieſe iſt inſofern auch die abſtracte; und die Beſtimmtheit des Begriffs, oder die Beſonderheit iſt wieder weiter nichts als die beſtimmte Allgemeinheit. Der Begriff iſt in ihr außer ſich; inſofern er es iſt, der darin außer ſich iſt, ſo enthält das abſtract-Allgemeine alle Momente des Begriffs; es iſt α) Allgemeinheit, β) Beſtimmtheit, γ) die einfache Einheit von beiden; aber dieſe Einheit iſt unmittelbare, und die Beſonderheit iſt darum nicht als die Totalität. An ſich iſt ſie auch dieſe Totalität und Vermittelung; ſie iſt weſentlich ausſchließende Beziehung auf Anderes, oder Aufhebung der Negation, nämlich der andern Beſtimmtheit, — der andern, die aber nur als Meinung vorſchwebt, denn unmittelbar verſchwindet ſie, und zeigt ſich als daſſelbe, was die ihr andere ſeyn ſollte. Dies macht alſo dieſe Allgemeinheit zur abſtracten, daß die Vermittelung nur Bedingung iſt, oder nicht an ihr ſelbſt geſetzt iſt. Weil ſie nicht geſetzt iſt, hat die Einheit des Abſtracten die Form der Unmittelbarkeit, und der Inhalt die Form der Gleichgültigkeit gegen ſeine Allgemeinheit, weil er nicht als dieſe Totalität iſt, welche die Allgemeinheit der abſoluten Negativität iſt. Das abſtract-Allgemeine iſt ſomit zwar der Begriff, aber als Begriffloſes, als Begriff, der nicht als ſolcher geſetzt iſt.

Wenn vom beſtimmten Begriffe die Rede iſt, ſo iſt es gewöhnlich rein nur ein ſolches abſtract-Allgemeines, was gemeint iſt. Auch unter dem Begriffe überhaupt wird meiſt nur dieſer begriffloſe Begriff verſtanden, und der Verſtand bezeichnet das Vermögen ſolcher Begriffe. Die Demonſtration gehört dieſem Verſtande an, inſofern ſie an Begriffen fortgehe, das heißt nur an Beſtimmungen. Solches Fortgehen an Begriffen kommt daher nicht über die Endlichkeit und Nothwendigkeit hinaus; ihr Höchſtes iſt das negative Unendliche, die Abſtraction des höchſten Weſens, welches ſelbſt die Beſtimmtheit der Unbeſtimmtheit iſt. Auch die abſolute Subſtanz iſt zwar nicht dieſe leere Abſtraction, dem Inhalte nach vielmehr die Totalität, aber ſie iſt darum abſtract, weil ſie ohne die abſolute Form iſt, ihre innerſte Wahrheit macht nicht der Begriff aus; ob ſie zwar die Identität der Allgemeinheit und Beſonderheit, oder des Denkens und des Außereinander iſt, ſo iſt dieſe Identität nicht die Beſtimmtheit des Begriffes; außer ihr iſt vielmehr ein, und zwar eben weil er außer ihr iſt, ein zufälliger Verſtand, in und für welchen ſie in verſchiedenen Attributen und Modis iſt.

Leer iſt übrigens die Abſtraction nicht, wie ſie gewöhnlich genannt wird; ſie iſt der beſtimmte Begriff; ſie hat irgend eine Beſtimmtheit zum Inhalte; auch das höchſte Weſen, die reine Abſtraction, hat, wie erinnert, die Beſtimmtheit der Unbeſtimmtheit; eine Beſtimmtheit aber iſt die Unbeſtimmtheit, weil ſie dem Beſtimmten gegenüber ſtehen ſoll. Indem man aber ausſpricht, was ſie iſt, hebt ſich dieß ſelbſt auf, was ſie ſeyn ſoll; ſie wird als eins mit der Beſtimmtheit ausgeſprochen, und auf dieſe Weiſe aus der Abſtraction der Begriff und ihre Wahrheit hergeſtellt. — Inſofern aber iſt jeder beſtimmte Begriff allerdings leer, als er nicht die Totalität, ſondern nur eine einſeitige Beſtimmtheit enthält. Wenn er auch ſonſt concreten Inhalt hat, z. B. Menſch, Staat, Thier u. ſ. f., ſo bleibt er ein leerer Begriff, inſofern ſeine Beſtimmtheit nicht das Princip ſeiner Unterſchiede iſt; das Princip enthält den Anfang und das Weſen ſeiner Entwickelung und Realiſation; irgend eine andere Beſtimmtheit des Begriffs aber iſt unfruchtbar. Wenn der Begriff daher überhaupt als leer geſcholten iſt, ſo wird jene abſolute Beſtimmtheit deſſelben verkannt, welche der Begriffsunterſchied und der einzig wahre Inhalt in ſeinem Element iſt.

Hierher gehört der Umſtand, um deſſen willen der Verſtand in neueren Zeiten gering geachtet und gegen die Vernunft ſo ſehr zurückgeſetzt wird; es iſt die Feſtigkeit, welche er den Beſtimmtheiten und ſomit den Endlichkeiten ertheilt. Dieß Fixe beſteht in der betrachteten Form der abſtracten Allgemeinheit; durch ſie werden ſie unveränderlich. Denn die qualitative Beſtimmtheit, ſo wie die Reflexions-Beſtimmung, ſind weſentlich als begrenzte, und haben durch ihre Schranke eine Beziehung auf ihr Anderes, ſomit die Nothwendigkeit des Uebergehens und Vergehens. Die Allgemeinheit aber, welche ſie im Verſtande haben, giebt ihnen die Form der Reflexion in ſich, wodurch ſie der Beziehung auf Anderes entnommen, und unvergänglich geworden ſind. Wenn nun am reinen Begriffe dieſe Ewigkeit zu ſeiner Natur gehört, ſo wären ſeine abſtracten Beſtimmungen nur ihrer Form nach ewige Weſenheiten; aber ihr Inhalt iſt dieſer Form nicht angemeſſen; ſie ſind daher nicht Wahrheit und Unvergänglichkeit. Ihr Inhalt iſt der Form nicht angemeſſen, weil er nicht die Beſtimmtheit ſelbſt als allgemein, d. i. nicht als Totalität des Begriffsunterſchieds oder nicht ſelbſt die ganze Form iſt; die Form des beſchränkten Verſtandes iſt darum aber ſelbſt die unvollkommene, nämlich abſtracte Allgemeinheit. — Es iſt aber ferner als die unendliche Kraft des Verſtandes zu achten, das Concrete in die abſtracten Beſtimmtheiten zu trennen, und die Tiefe des Unterſchieds zu faſſen, welche allein zugleich die Macht iſt, die ihren Uebergang bewirkt. Das Concrete der Anſchauung iſt Totalität, aber die ſinnliche, — ein realer Stoff, der in Raum und Zeit gleichgültig außereinander beſteht; dieſe Einheitsloſigkeit des Mannigfaltigen, in der es der Inhalt der Anſchauung iſt, ſollte ihm doch wohl nicht als Verdienſt und Vorzug vor dem Verſtändigen angerechnet werden. Die Veränderlichkeit, die es in der Anſchauung zeigt, deutet ſchon auf das Allgemeine hin; was davon zur Anſchauung kommt, iſt nur ein anderes ebenſo Veränderliches, alſo nur das Nämliche; es iſt nicht das Allgemeine, das an deſſen Stelle träte und erſchiene.

Am wenigſten aber ſollte der Wiſſenſchaft, z. B. der Geometrie und Arithmetik, das Anſchauliche, das ihr Stoff mit ſich bringt, zu einem Verdienſte angerechnet, und ihre Sätze, als hierdurch begründet, vorgeſtellt werden. Vielmehr iſt der Stoff ſolcher Wiſſenſchaften darum von niedrigerer Natur; das Anſchauen der Figuren oder Zahlen verhilft nicht zur Wiſſenſchaft derſelben; nur das Denken darüber vermag eine ſolche hervorzubringen. — Inſofern aber unter Anſchauung nicht bloß das Sinnliche, ſondern die objective Totalität verſtanden wird, ſo iſt ſie eine intellectuelle, d. i. ſie hat das Daſeyn nicht in ſeiner äußerlichen Exiſtenz zum Gegenſtande, ſondern das, was in ihm unvergängliche Realität und Wahrheit iſt, — die Realität, nur inſofern ſie weſentlich im Begriffe und durch ihn beſtimmt iſt, die Idee, deren nähere Natur ſich ſpäter zu ergeben hat. Was die Anſchauung als ſolche vor dem Begriffe voraushaben ſoll, iſt die äußerliche Realität, das Begriffloſe, das erſt einen Werth durch ihn erhält.

Indem daher der Verſtand die unendliche Kraft darſtellt, welche das Allgemeine beſtimmt, oder umgekehrt, dem an und für ſich Haltungsloſen der Beſtimmtheit durch die Form der Allgemeinheit das fixe Beſtehen ertheilt, ſo iſt es nun nicht Schuld des Verſtandes, wenn nicht weiter gegangen wird. Es iſt eine ſubjective Ohnmacht der Vernunft, welche dieſe Beſtimmtheiten ſo gelten läßt und ſie nicht durch die jener abſtracten Allgemeinheit entgegengeſetzte dialektiſche Kraft, d. h. durch die eigenthümliche Natur, nämlich durch den Begriff jener Beſtimmtheiten, zur Einheit zurückzuführen vermag. Der Verſtand giebt ihnen zwar durch die Form der abſtracten Allgemeinheit, ſo zu ſagen, eine ſolche Härte des Seyns, als ſie in der qualitativen Sphäre und in der Sphäre der Reflexion nicht haben; aber durch dieſe Vereinfachung begeiſtet er ſie zugleich, und ſchärft ſie ſo zu, daß ſie eben nur auf dieſer Spitze die Fähigkeit erhalten, ſich aufzulöſen und in ihr Entgegengeſetztes überzugehen. Die höchſte Reife und Stufe, die irgend Etwas erreichen kann, iſt diejenige, in welcher ſein Untergang beginnt. Das Feſte der Beſtimmtheiten, in welche ſich der Verſtand einzurennen ſcheint, die Form des Unvergänglichen iſt die der ſich auf ſich beziehenden Allgemeinheit. Aber ſie gehört dem Begriffe zu eigen an; und daher liegt in ihr ſelbſt die Auflöſung des Endlichen ausgedrückt, und in unendlicher Nähe. Dieſe Allgemeinheit arguirt unmittelbar die Beſtimmtheit des Endlichen, und drückt ſeine Unangemeſſenheit zu ihr aus. — Oder vielmehr iſt ſeine Angemeſſenheit ſchon vorhanden; das abſtracte Beſtimmte iſt als eins mit der Allgemeinheit geſetzt; eben darum als nicht für ſich, inſofern es nur Beſtimmtes wäre, ſondern nur als Einheit ſeiner und des Allgemeinen, d. i. als Begriff.

Es iſt daher in jeder Rückſicht zu verwerfen, Verſtand und die Vernunft ſo, wie gewöhnlich geſchieht, zu trennen. Wenn der Begriff als vernunftlos betrachtet wird, ſo muß es vielmehr als eine Unfähigkeit der Vernunft betrachtet werden, ſich in ihm zu erkennen. Der beſtimmte und abſtracte Begriff iſt die Bedingung, oder vielmehr weſentliches Moment der Vernunft; er iſt begeiſtete Form, in welcher das Endliche durch die Allgemeinheit, in der es ſich auf ſich bezieht, ſich in ſich entzündet, als dialektiſch geſetzt und hiermit der Anfang ſelbſt der Erſcheinung der Vernunft iſt.

Indem der beſtimmte Begriff in dem Bisherigen in ſeiner Wahrheit dargeſtellt iſt, ſo iſt nur noch übrig, anzuzeigen, als was er hiermit ſchon geſetzt iſt. — Der Unterſchied, welcher weſentliches Moment des Begriffs, aber im rein Allgemeinen noch nicht als ſolcher geſetzt iſt, erhält im beſtimmten Begriffe ſein Recht. Die Beſtimmtheit in der Form der Allgemeinheit iſt zum Einfachen mit derſelben verbunden; dieß beſtimmte Allgemeine iſt die ſich auf ſich ſelbſt beziehende Beſtimmtheit; die beſtimmte Beſtimmtheit oder abſolute Negativität für ſich geſetzt. Die ſich auf ſich ſelbſt beziehende Beſtimmtheit aber iſt die Einzelnheit. So unmittelbar die Allgemeinheit ſchon an und für ſich ſelbſt Beſonderheit iſt, ſo unmittelbar an und für ſich iſt die Beſonderheit auch Einzelnheit, welche zunächſt als drittes Moment des Begriffes, inſofern ſie gegen die beiden erſten feſtgehalten wird, aber auch als die abſolute Rückkehr derſelben in ſich, und zugleich als der geſetzte Verluſt ſeiner ſelbſt zu betrachten iſt.

Anmerkung.

Allgemeinheit, Beſonderheit und Einzelnheit ſind nach dem Bisherigen die drei beſtimmten Begriffe, wenn man ſie nämlich zählen will. Es iſt ſchon früher gezeigt worden, daß die Zahl eine unpaſſende Form iſt, um Begriffsbeſtimmungen darein zu faſſen, aber am unpaſſendſten vollends für Beſtimmungen des Begriffs ſelbſt; die Zahl, da ſie das Eins zum Princip hat, macht die gezählten zu ganz abgeſonderten und einander ganz gleichgültigen. Es hat ſich im Bisherigen ergeben, daß die verſchiedenen beſtimmten Begriffe ſchlechthin vielmehr nur Einer und derſelbe Begriff ſind, als daß ſie in die Zahl aus einander fallen.

In der ſonſt gewöhnlichen Abhandlung der Logik kommen mancherlei Eintheilungen und Arten von Begriffen vor. Es fällt ſogleich die Inconſequenz daran in die Augen, daß die Arten ſo eingeführt werden: Es giebt der Quantität, Qualität u. ſ. f. nach folgende Begriffe. Es giebt, drückt keine andere Berechtigung aus, als die, daß man ſolche Arten vorfindet und ſie ſich nach der Erfahrung zeigen. Man erhält auf dieſe Weiſe eine empiriſche Logik, — eine ſonderbare Wiſſenſchaft, eine irrationelle Erkenntniß des Rationellen. Die Logik giebt hierdurch ein ſehr übles Beiſpiel der Befolgung ihrer eigenen Lehren; ſie erlaubt ſich für ſich ſelbſt das Gegentheil deſſen zu thun, was ſie als Regel vorſchreibt, daß die Begriffe abgeleitet und die wiſſenſchaftlichen Sätze (alſo auch der Satz: es giebt ſo und ſo vielerlei Arten von Begriffen) bewieſen werden ſollen. — Die kantiſche Philoſophie begeht hierin eine weitere Inconſequenz, ſie entlehnt für die transcendentale Logik die Kategorien als ſogenannte Stammbegriffe aus der ſubjectiven Logik, in welcher ſie empiriſch aufgenommen worden. Da ſie Letzteres zugiebt, ſo iſt nicht abzuſehen, warum die transcendentale Logik ſich zum Entlehnen aus ſolcher Wiſſenſchaft entſchließt, und nicht gleich ſelbſt empiriſch zugreift.

Um Einiges hiervon anzuführen, ſo werden die Begriffe vornehmlich nach ihrer Klarheit eingetheilt, und zwar in klare und dunkle, deutliche und undeutliche, in adäquate und nicht-adäquate. Auch können hierher die vollſtändigen, überfließenden und andere dergleichen Ueberflüſſigkeiten genommen werden. — Was jene Eintheilung nach der Klarheit betrifft, ſo zeigt ſich bald, daß dieſer Geſichtspunct und die ſich auf ihn beziehenden Unterſchiede aus pſychologiſchen, nicht aus logiſchen Beſtimmungen genommen ſind. Der ſogenannte klare Begriff ſoll hinreichen, einen Gegenſtand von einem andern zu unterſcheiden; ein ſolches iſt noch kein Begriff zu nennen, es iſt weiter nichts als die ſubjective Vorſtellung. Was ein dunkler Begriff ſey, muß auf ſich beruhen bleiben, denn ſonſt wäre er kein dunkler, er würde ein deutlicher Begriff. — Der deutliche Begriff ſoll ein ſolcher ſeyn, von welchem man die Merkmale angeben könne. Sonach iſt er eigentlich der beſtimmte Begriff. Das Merkmal, wenn nämlich das, was darin Richtiges liegt, aufgefaßt wird, iſt nichts Anderes als die Beſtimmtheit oder der einfache Inhalt des Begriffs, inſofern er von der Form der Allgemeinheit unterſchieden wird. Aber das Merkmal hat zunächſt nicht gerade dieſe genauere Bedeutung, ſondern iſt überhaupt nur eine Beſtimmung, wodurch ein Dritter ſich einen Gegenſtand oder den Begriff merkt; es kann daher ein ſehr zufälliger Umſtand ſeyn. Ueberhaupt drückt es nicht ſowohl die Immanenz und Weſentlichkeit der Beſtimmung aus, ſondern deren Beziehung auf einen äußern Verſtand. Iſt dieſer wirklich ein Verſtand, ſo hat er den Begriff vor ſich, und merkt ſich denſelben durch nichts Anderes, als durch das, was im Begriffe iſt. Soll es aber hiervon unterſchieden ſeyn, ſo iſt es ein Zeichen oder ſonſt eine Beſtimmung, welche zur Vorſtellung der Sache, nicht zu ihrem Begriffe gehört. — Was der undeutliche Begriff ſey, kann als überflüſſig übergangen werden.

Der adäquate Begriff aber iſt ein Höheres; es ſchwebt dabei eigentlich die Uebereinſtimmung des Begriffs mit der Reatität vor, was nicht der Begriff als ſolcher, ſondern die Idee iſt.

Wenn das Merkmal des deutlichen Begriffs wirklich die Begriffsbeſtimmung ſelbſt ſeyn ſollte, ſo würde die Logik mit den einfachen Begriffen in Verlegenheit kommen, welche nach einer andern Eintheilung den zuſammengeſetzten gegenübergeſtellt werden. Denn wenn vom einfachen Begriffe ein wahres, d. i. ein immanentes Merkmal angegeben werden ſollte, ſo würde man ihn nicht als einen einfachen anſehen wollen; inſofern aber keines von ihm angegeben würde, wäre er kein deutlicher Begriff. Da hilft aber nun der klare Begriff aus. Einheit, Realität und dergleichen Beſtimmungen ſollen einfache Begriffe ſeyn, wohl nur aus dem Grunde, daß die Logiker nicht damit zu Stande kamen, die Beſtimmung derſelben aufzufinden, ſich daher begnügten, einen bloß klaren Begriff, d. h. gar keinen davon zu haben. Zur Definition, d. i. zur Angabe des Begriffs wird allgemein die Angabe der Gattung und der ſpecifiſchen Differenz gefordert. Sie giebt alſo den Begriff nicht als etwas Einfaches, ſondern in zwei zählbaren Beſtandſtücken. Aber darum wird ſolcher Begriff doch wohl nicht ein Zuſammengeſetztes ſeyn ſollen. — Es ſcheint beim einfachen Begriffe die abſtracte Einfachheit vorzuſchweben, eine Einheit, welche den Unterſchied und die Beſtimmtheit nicht in ſich enthält, welche daher auch nicht diejenige iſt, die dem Begriffe zukommt. Sofern ein Gegenſtand in der Vorſtellung, insbeſondere im Gedächtniſſe iſt, oder auch die abſtracte Gedankenbeſtimmung iſt, kann er ganz einfach ſeyn. Selbſt der in ſich reichſte Gegenſtand: z. B. Geiſt, Natur, Welt, auch Gott ganz begrifflos in die einfache Vorſtellung des ebenſo einfachen Ausdruckes: Geiſt, Natur, Welt, Gott, gefaßt, iſt wohl etwas Einfaches, bei dem das Bewußtſeyn ſtehen bleiben kann, ohne ſich die eigenthümliche Beſtimmung oder ein Merkmal weiter herauszuheben; aber die Gegenſtände des Bewußtſeyns ſollen nicht dieſe einfache, nicht Vorſtellungen oder abſtracte Gedankenbeſtimmungen bleiben, ſondern begriffen werden, d. h. ihre Einfachheit ſoll mit ihrem innern Unterſchied beſtimmt ſeyn. — Der zuſammengeſetzte Begriff aber iſt wohl nicht mehr als ein hölzernes Eiſen. Von etwas Zuſammengeſetzten kann man wohl einen Begriff haben; aber ein zuſammengeſetzter Begriff wäre etwas Schlimmeres als der Materialismus, welcher nur die Subſtanz der Seele als ein Zuſammengeſetztes annimmt, aber das Denken doch als einfach auffaßt. Die ungebildete Reflexion verfällt zunächſt auf die Zuſammenſetzung als die ganz äußerliche Beziehung, die ſchlechteſte Form, in der die Dinge betrachtet werden können; auch die niedrigſten Naturen müſſen eine innere Einheit ſeyn. Daß vollends die Form des unwahrſten Daſeyns auf Ich, auf den Begriff übergetragen wird, iſt mehr, als zu erwarten war, iſt als unſchicklich und barbariſch zu betrachten.

Die Begriffe werden ferner vornehmlich in conträre und contradictoriſche eingetheilt. — Wenn es bei der Abhandlung des Begriffs darum zu thun wäre, anzugeben, was es für beſtimmte Begriffe gebe, ſo wären alle möglichen Beſtimmungen anzuführen, — denn alle Beſtimmungen ſind Begriffe, ſomit beſtimmte Begriffe, — und alle Kategorien des Seyns, wie alle Beſtimmungen des Weſens, wären unter den Arten der Begriffe aufzuführen. Wie denn auch in den Logiken, in der einen nach Belieben mehr, in der andern weniger, erzählt wird, daß es bejahende, verneinende, identiſche, bedingte, nothwendige u. ſ. f. Begriffe gebe. Da ſolche Beſtimmungen der Natur des Begriffes ſelbſt ſchon im Rücken liegen, und daher, wenn ſie bei demſelben aufgeführt werden, nicht in ihrer eigenthümlichen Stelle vorkommen, ſo laſſen ſie nur oberflächliche Worterklärungen zu, und erſcheinen hier ohne alles Intereſſe. — Den conträren und contradictoriſchen Begriffen, — ein Unterſchied, der hier vornehmlich beachtet wird, liegt die Reflexions-Beſtimmung der Verſchiedenheit und Entgegenſetzung zu Grunde. Sie werden als zwei beſondere Arten angeſehen, d. h. jeder als feſt für ſich und gleichgültig gegen den andern, ohne allen Gedanken der Dialektik und der innern Nichtigkeit dieſer Unterſchiede; als ob das, was conträr iſt, nicht ebenſo ſehr als contradictoriſch beſtimmt werden müßte. Die Natur und der weſentliche Uebergang der Reflexions-Formen, die ſie ausdrücken, iſt an ihrer Stelle betrachtet worden. In dem Begriffe iſt die Identität zur Allgemeinheit, der Unterſchied zur Beſonderheit, die Entgegenſetzung, die in den Grund zurückgeht, zur Einzelnheit fortgebildet. In dieſen Formen ſind jene Reflexions-Beſtimmungen, wie ſie in ihrem Begriffe ſind. Das Allgemeine erwies ſich nicht nur als das Identiſche, ſondern zugleich als das Verſchiedene oder Conträre gegen das Beſondere und Einzelne, ferner auch als ihnen entgegengeſetzt, oder contradictoriſch; in dieſer Entgegenſetzung aber iſt es identiſch mit ihnen, und ihr wahrhafter Grund, in welchem ſie aufgehoben ſind. Ein Gleiches gilt von der Beſonderheit und Einzelnheit, welche ebenſo die Totalität der Reflexions-Beſtimmungen ſind.

Weiter werden die Begriffe in ſubordinirte und coordinirte eingetheilt; — ein Unterſchied, der die Begriffsbeſtimmung näher angeht, nämlich das Verhältniß von Allgemeinheit und Beſonderheit, wo dieſe Ausdrücke auch beiläufig erwähnt worden ſind. Nur pflegen ſie gewöhnlich gleichfalls als ganz feſte Verhältniſſe betrachtet, und hiernach mehrfache unfruchtbare Sätze von denſelben aufgeſtellt zu werden. Die weitläuftigſte Verhandlung darüber betrifft wieder die Beziehung der Contrarietät und Contradictorietät auf die Sub- und Coordination. Indem das Urtheil die Beziehung der beſtimmten Begriffe iſt, ſo hat ſich erſt bei demſelben das wahre Verhältniß zu ergeben. Jene Manier, dieſe Beſtimmungen zu vergleichen ohne Gedanken an ihre Dialektik und an die fortgehende Aenderung ihrer Beſtimmung, oder vielmehr an die in ihnen vorhandene Verknüpfung entgegengeſetzter Beſtimmungen, macht die ganze Betrachtung, was in ihnen einſtimmig ſey oder nicht, gleichſam als ob dieſe Einſtimmigkeit oder Nichteinſtimmigkeit etwas Geſondertes und Bleibendes ſey, zu etwas nur Unfruchtbarem und Gehaltloſem. — Der große, in dem Auffaſſen und Combiniren der tieferen Verhältniſſe der algebraiſchen Größen unendlich fruchtbare und ſcharfſinnige Euler, beſonders der trocken verſtändige Lambert und Andere haben für dieſe Art von Verhältniſſen der Begriffsbeſtimmungen eine Bezeichnung durch Linien, Figuren und dergleichen verſucht; man beabſichtigte überhaupt, die logiſchen Beziehungsweiſen zu einem Calcul zu erheben; oder vielmehr in der That herabzuſetzen. Schon der Verſuch der Bezeichnung ſtellt ſich ſogleich als an und für ſich nichtig dar, wenn man die Natur des Zeichens und deſſen, was bezeichnet werden ſoll, mit einander vergleicht. Die Begriffsbeſtimmungen, Allgemeinheit, Beſonderheit und Einzelnheit ſind allerdings verſchieden, wie Linien oder die Buchſtaben der Algebra; — ſie ſind ferner auch entgegengeſetzt, und ließen inſofern auch die Zeichen von plus und minus zu. Aber ſie ſelbſt und vollends deren Beziehungen, — wenn auch nur bei der Subſumtion und Inhärenz ſtehen geblieben wird, ſind von ganz anderer weſentlicher Natur, als die Buchſtaben und Linien und deren Beziehungen, die Gleichheit oder Verſchiedenheit der Größe, das plus und minus, oder eine Stellung der Linien übereinander oder ihre Verbindung zu Winkeln und die Stellungen von Räumen, die ſie einſchließen. Dergleichen Gegenſtände haben gegen ſie das Eigenthümliche, daß ſie einander äußerlich ſind, eine fixe Beſtimmung haben. Wenn Begriffe nun in der Weiſe genommen worden, daß ſie ſolchen Zeichen entſprechen, ſo hören ſie auf, Begriffe zu ſeyn. Ihre Beſtimmungen ſind nicht ſo ein Todtliegendes, wie Zahlen und Linien, denen ihre Beziehung nicht ſelbſt angehört; ſie ſind lebendige Bewegungen; die unterſchiedene Beſtimmtheit der einen Seite iſt unmittelbar auch der andern innerlich; was bei Zahlen und Linien ein vollkommener Widerſpruch wäre, iſt der Natur des Begriffes weſentlich. — Die höhere Mathematik, welche auch zum Unendlichen fortgeht, und ſich Widerſprüche erlaubt, kann für die Darſtellung ſolcher Beſtimmungen ihre ſonſtigen Zeichen nicht mehr gebrauchen; für Bezeichnung der noch ſehr begriffloſen Vorſtellung der unendlichen Annäherung zweier Ordinaten, oder wenn ſie einen Bogen einer unendlichen Anzahl von unendlich kleinen geraden Linien gleichſetzt, thut ſie weiter nichts, als die zwei geraden Linien außereinander zu zeichnen, und in einen Bogen gerade Linien, aber als verſchieden von ihm ziehen; für das Unendliche, worauf es dabei ankommt, verweiſt ſie an das Vorſtellen.

Was zu jenem Verſuche zunächſt verleitet hat, iſt vornehmlich das quantitative Verhältniß, in welchem Allgemeinheit, Beſonderheit und Einzelnheit zu einander ſtehen ſollen; das Allgemeine heißt weiter als das Beſondere und Einzelne, und das Beſondere weiter als das Einzelne. Der Begriff iſt das Concrete und Reichſte, weil er der Grund und die Totalität der früheren Beſtimmungen, der Kategorien des Seyns und der Reflexions-Beſtimmungen iſt; dieſelben kommen daher wohl auch an ihm hervor. Aber ſeine Natur wird gänzlich verkannt, wenn ſie an ihm noch in jener Abſtraction feſtgehalten werden; wenn der weitere Umfang des Allgemeinen ſo genommen wird, daß es ein Mehreres oder ein größeres Quantum ſey, als das Beſondere und Einzelne. Als abſoluter Grund iſt er die Möglichkeit der Quantität, aber ebenſo ſehr der Qualität, d. h. ſeine Beſtimmungen ſind ebenſo wohl qualitativ unterſchieden; ſie werden daher dann ſchon gegen ihre Wahrheit betrachtet, wenn ſie unter der Form der Quantität allein geſetzt werden. So iſt ferner die Reflexions-Beſtimmung ein Relatives, in der ihr Gegentheil ſcheint; ſie iſt nicht im äußerlichen Verhältniſſe, wie ein Quantum. Aber der Begriff iſt mehr als alles dieſes; ſeine Beſtimmungen ſind beſtimmte Begriffe, weſentlich ſelbſt die Totalität aller Beſtimmungen. Es iſt daher völlig unpaſſend, um ſolche innige Totalität zu faſſen, Zahlen- und Raumverhältniſſe anwenden zu wollen, in welchen alle Beſtimmungen auseinander fallen; ſie ſind vielmehr das letzte und ſchlechteſte Medium, welches gebraucht werden könnte. Naturverhältniſſe, wie z. B. Magnetismus, Farbenverhältniſſe, würden unendlich höhere und wahrere Symbole dafür ſeyn. Da der Menſch die Sprache hat, als das der Vernunft eigenthümliche Bezeichnungsmittel, ſo iſt es ein müßiger Einfall, ſich nach einer unvollkommnern Darſtellungsweiſe umſehen und damit quälen zu wollen. Der Begriff kann als ſolcher weſentlich nur mit dem Geiſte aufgefaßt werden, deſſen Eigenthum nicht nur, ſondern deſſen reines Selbſt er iſt. Es iſt vergeblich, ihn durch Raumfiguren und algebraiſche Zeichen zum Behufe des äußerlichen Auges und einer begriffloſen, mechaniſchen Behandlungsweiſe, eines Calculs, feſthalten zu wollen. Auch jedes Andere, was als Symbol dienen ſollte, kann höchſtens, wie Symbole für die Natur Gottes, Ahnungen und Anklänge des Begriffes erregen; aber wenn es Ernſt ſeyn ſollte, den Begriff dadurch auszudrücken und zu erkennen, ſo iſt die äußerliche Natur aller Symbole unangemeſſen dazu und vielmehr iſt das Verhältniß umgekehrt, daß, was in den Symbolen Anklang einer höheren Beſtimmung iſt, erſt durch den Begriff erkannt, und allein durch die Abſonderung jenes ſinnlichen Beiweſens, das ihn auszudrücken beſtimmt iſt, ihm genähert werden ſollte.

C.
Das Einzelne.

Die Einzelnheit iſt, wie ſich ergeben, ſchon durch die Beſonderheit geſetzt; dieſe iſt die beſtimmte Allgemeinheit; alſo die ſich auf ſich beziehende Beſtimmtheit, das beſtimmte Beſtimmte.

1. Zunächſt erſcheint daher die Einzelnheit als die Reflexion des Begriffs aus ſeiner Beſtimmtheit in ſich ſelbſt. Sie iſt die Vermittelung deſſelben durch ſich, inſofern ſein Anderſſeyn ſich wieder zu einem Andern gemacht, wodurch der Begriff als ſich ſelbſt Gleiches hergeſtellt, aber in der Beſtimmung der abſoluten Negativität iſt. — Das Negative am Allgemeinen, wodurch dieſes ein Beſonderes iſt, wurde vorhin als der Doppelſchein beſtimmt; inſofern es Scheinen nach Innen iſt, bleibt das Beſondere ein Allgemeines; durch das Scheinen nach Außen iſt es Beſtimmtes; die Rückkehr dieſer Seite in das Allgemeine iſt die gedoppelte, entweder durch die Abſtraction, welche daſſelbe wegläßt, und zur höhern und höchſten Gattung aufſteigt, oder aber durch die Einzelnheit, zu welcher das Allgemeine in der Beſtimmtheit ſelbſt herunterſteigt. — Hier geht der Abweg ab, auf welchem die Abſtraction vom Wege des Begriffs abkommt, und die Wahrheit verläßt. Ihr höheres und höchſtes Allgemeine, zu dem ſie ſich erhebt, iſt nur die immer inhaltsloſer werdende Oberfläche; die von ihr verſchmähte Einzelnheit iſt die Tiefe, in der der Begriff ſich ſelbſt erfaßt, und als Begriff geſetzt iſt.

Die Allgemeinheit und die Beſonderheit erſchienen einerſeits als die Momente des Werdens der Einzelnheit. Aber es iſt ſchon gezeigt worden, daß ſie an ihnen ſelbſt der totale Begriff ſind, ſomit in der Einzelnheit nicht in ein Anderes übergehen, ſondern daß darin nur geſetzt iſt, was ſie an und für ſich ſind. Das Allgemeine iſt für ſich, weil es an ihm ſelbſt die abſolute Vermittelung, Beziehung auf ſich nur als abſolute Negativität iſt. Es iſt abſtractes Allgemeines, inſofern dieß Aufheben ein äußerliches Thun, und hierdurch ein Weglaſſen der Beſtimmtheit iſt. Dieſe Negativität iſt daher wohl an dem Abſtracten, aber ſie bleibt außerhalb, als eine bloße Bedingung deſſelben; ſie iſt die Abſtraction ſelbſt, welche ihr Allgemeines ſich gegenüber hält, das daher die Einzelnheit nicht in ſich ſelbſt hat, und begrifflos bleibt. — Leben, Geiſt, Gott, — ſo wie den reinen Begriff, vermag die Abſtraction deswegen nicht zu faſſen, weil ſie von ihren Erzeugniſſen, die Einzelnheit, das Princip der Individualität und Perſönlichkeit abhält, und ſo zu nichts, als leb- und geiſtloſen, farb- und gehaltloſen Allgemeinheiten kommt.

Aber die Einheit des Begriffs iſt ſo untrennbar, daß auch dieſe Producte der Abſtraction, indem ſie die Einzelnheit weglaſſen ſollen, ſelbſt vielmehr einzelne ſind. Indem ſie das Concrete in die Allgemeinheit erhebt, das Allgemeine aber nur als beſtimmte Allgemeinheit faßt, ſo iſt eben dieß die Einzelnheit, welche ſich als die ſich auf ſich beziehende Beſtimmtheit ergeben hat. Die Abſtraction iſt daher eine Trennung des Concreten, und eine Vereinzelung ſeiner Beſtimmungen; durch ſie werden nur einzelne Eigenſchaften und Momente aufgefaßt; denn ihr Product muß das enthalten, was ſie ſelbſt iſt. Der Unterſchied aber dieſer Einzelnheit ihrer Producte, und der Einzelnheit des Begriffs, iſt, daß in jenen das Einzelne als Inhalt, und das Allgemeine als Form von einander verſchieden ſind; — weil eben jener nicht als die abſolute Form, als der Begriff ſelbſt, oder dieſe nicht als die Totalität der Form iſt. — Dieſe nähere Betrachtung aber zeigt das Abſtracte ſelbſt als Einheit des einzelnen Inhalts und der abſtracten Allgemeinheit, ſomit als Concretes, als das Gegentheil deſſen, was es ſeyn will.

Das Beſondere iſt aus demſelben Grunde, weil es nur das beſtimmte Allgemeine iſt, auch Einzelnes, und umgekehrt, weil das Einzelne das beſtimmte Allgemeine iſt, iſt es ebenſo ſehr ein Beſonderes. Wenn an dieſer abſtracten Beſtimmtheit feſt gehalten wird, ſo hat der Begriff die drei beſonderen Beſtimmungen, das Allgemeine, Beſondere und Einzelne; nachdem vorhin nur das Allgemeine und Beſondere als die Arten des Beſonderen angegeben wurden. Indem die Einzelnheit als die Rückkehr des Begriffs als des Negativen in ſich iſt, ſo kann dieſe Rückkehr ſelbſt von der Abſtraction, die darin eigentlich aufgehoben iſt, als ein gleichgültiges Moment neben die andern geſtellt und gezählt werden.

Wenn die Einzelnheit als eine der beſonderen Begriffsbeſtimmungen aufgeführt wird, ſo iſt die Beſonderheit die Totalität, welche alle in ſich begreift; als dieſe Totalität eben iſt ſie das Concrete derſelben, oder die Einzelnheit ſelbſt. Sie iſt das Concrete aber auch nach der vorhin bemerkten Seite als beſtimmte Allgemeinheit; ſo iſt ſie als die unmittelbare Einheit, in welcher keines dieſer Momente als unterſchieden oder als das Beſtimmende geſetzt iſt, und in dieſer Form wird ſie die Mitte des formalen Schluſſes ausmachen.

Es fällt von ſelbſt auf, daß jede Beſtimmung, die in der bisherigen Expoſition des Begriffs gemacht worden, ſich unmittelbar aufgelöſt und in ihre andere verloren hat. Jede Unterſcheidung confondirt ſich in der Betrachtung, welche ſie iſoliren und feſthalten ſoll. Nur die bloße Vorſtellung, für welche ſie das Abſtrahiren iſolirt hat, vermag ſich das Allgemeine, Beſondere und Einzelne feſt auseinander zu halten; ſo ſind ſie zählbar, und für einen weiteren Unterſchied hält ſie ſich an den völlig äußerlichen des Seyns, die Quantität, die nirgend weniger, als hierher gehört. — In der Einzelnheit iſt jenes wahre Verhältniß, die Untrennbarkeit der Begriffsbeſtimmungen, geſetzt; denn als Negation der Negation enthält ſie den Gegenſatz derſelben und ihn zugleich in ſeinem Grunde oder Einheit; das Zuſammengegangenſeyn einer jeden mit ihrer andern. Weil in dieſer Reflexion an und für ſich die Allgemeinheit iſt, iſt ſie weſentlich die Negativität der Begriffsbeſtimmungen nicht nur ſo, daß ſie nur ein drittes Verſchiedenes gegen ſie wäre, ſondern es iſt dieß nunmehr geſetzt, daß das Geſetztſeyn das An- und Fürſichſeyn iſt; d. h. daß die dem Unterſchiede angehörigen Beſtimmungen ſelbſt jede die Totalität iſt. Die Rückkehr des beſtimmten Begriffes in ſich iſt, daß er die Beſtimmung hat, in ſeiner Beſtimmtheit der ganze Begriff zu ſeyn.

2. Die Einzelnheit iſt aber nicht nur die Rückkehr des Begriffes in ſich ſelbſt, ſondern unmittelbar ſein Verluſt. Durch die Einzelnheit, wie er darin in ſich iſt, wird er außer ſich, und tritt in Wirklichkeit. Die Abſtraction, welche als die Seele der Einzelnheit die Beziehung des Negativen auf das Negative iſt, iſt, wie ſich gezeigt, dem Allgemeinen und Beſondern nichts Aeußerliches, ſondern immanent, und ſie ſind durch ſie Concretes, Inhalt, Einzelnes. Die Einzelnheit aber iſt als dieſe Negativität die beſtimmte Beſtimmtheit, das Unterſcheiden als ſolches; durch dieſe Reflexion des Unterſchiedes in ſich wird er ein feſter; das Beſtimmen des Beſondern iſt erſt durch die Einzelnheit; denn ſie iſt jene Abſtraction, die nunmehr eben als Einzelnheit, geſetzte Abſtraction iſt.

Das Einzelne alſo iſt als ſich auf ſich beziehende Negativität unmittelbare Identität des Negativen mit ſich; es iſt Fürſichſeyendes. Oder es iſt die Abſtraction, welche den Begriff nach ſeinem ideellen Momente des Seyns als ein Unmittelbares beſtimmt. — So iſt das Einzelne ein qualitatives Eins oder Dieſes. Nach dieſer Qualität iſt es erſtlich Repulſion ſeiner von ſich ſelbſt, wodurch die vielen andern Eins vorausgeſetzt werden; zweitens iſt es nun gegen dieſe vorausgeſetzten Anderen negative Beziehung, und das Einzelne inſofern ausſchließend. Die Allgemeinheit auf dieſe Einzelnen als gleichgültige Eins bezogen, — und bezogen muß ſie darauf werden, weil ſie Moment des Begriffes der Einzelnheit iſt, — iſt ſie nur das Gemeinſame derſelben. Wenn unter dem Allgemeinen das verſtanden wird, was mehreren Einzelnen gemeinſchaftlich iſt, ſo wird von dem gleichgültigen Beſtehen derſelben ausgegangen, und in die Begriffsbeſtimmung die Unmittelbarkeit des Seyns eingemiſcht. Die niedrigſte Vorſtellung, welche man vom Allgemeinen haben kann, wie es in der Beziehung auf das Einzelne iſt, iſt dieß äußerliche Verhältniß deſſelben, als eines bloß Gemeinſchaftlichen.

Das Einzelne, welches in der Reflexionsſphäre der Exiſtenz als Dieſes iſt, hat nicht die ausſchließende Beziehung auf anderes Eins, welche dem qualitativen Fürſichſeyn zukommt. Dieſes iſt als das in ſich reflectirte Eins für ſich ohne Repulſion; oder die Repulſion iſt in dieſer Reflexion mit der Abſtraction in eins, und iſt die reflectirende Vermittelung, welche ſo an ihm iſt, daß daſſelbe eine geſetzte, von einem Aeußerlichen gezeigte Unmittelbarkeit iſt. Dieſes iſt; es iſt unmittelbar; es iſt aber nur Dieſes, inſofern es monſtrirt wird. Das Monſtriren iſt die reflectirende Bewegung, welche ſich in ſich zuſammennimmt und die Unmittelbarkeit ſetzt, aber als ein ſich Aeußerliches. — Das Einzelne nun iſt wohl auch Dieſes, als das aus der Vermittelung hergeſtellte Unmittelbare; es hat ſie aber nicht außer ihm, es iſt ſelbſt repellirende Abſcheidung, die geſetzte Abſtraction, aber in ſeiner Abſcheidung ſelbſt poſitive Beziehung.

Dieſes Abſtrahiren des Einzelnen iſt als die Reflexion des Unterſchiedes in ſich erſtlich ein Setzen der Unterſchiedenen als ſelbſtſtändiger, in ſich reflectirter. Sie ſind unmittelbar; aber ferner iſt dieſes Trennen Reflexion überhaupt, das Scheinen des einen im Andern; ſo ſtehen ſie in weſentlicher Beziehung. Sie ſind ferner nicht bloß ſeyende Einzelne gegen einander; ſolche Vielheit gehört dem Seyn an; die ſich als beſtimmt ſetzende Einzelnheit ſetzt ſich nicht in einem äußerlichen, ſondern im Begriffsunterſchiede; ſie ſchließt alſo das Allgemeine von ſich aus, aber da dieſes Moment ihrer ſelbſt iſt, ſo bezieht ſich ebenſo weſentlich auf ſie.

Der Begriff als dieſe Beziehung ſeiner ſelbſtſtändigen Beſtimmungen hat ſich verloren; denn ſo iſt er nicht mehr die geſetzte Einheit derſelben, und ſie nicht mehr als Momente, als der Schein deſſelben, ſondern als an und für ſich beſtehende. — Als Einzelnheit kehrt er in der Beſtimmtheit in ſich zurück; damit iſt das Beſtimmte ſelbſt Totalität geworden. Seine Rückkehr in ſich iſt daher die abſolute, urſprüngliche Theilung ſeiner, oder als Einzelnheit iſt er als Urtheil geſetzt.


Zweites Kapitel.
Das Urtheil.

Das Urtheil iſt die am Begriffe ſelbſt geſetzte Beſtimmtheit deſſelben. Die Begriffsbeſtimmungen, oder was, wie ſich gezeigt hat, daſſelbe iſt, die beſtimmten Begriffe ſind ſchon für ſich betrachtet worden; aber dieſe Betrachtung war mehr eine ſubjective Reflexion, oder ſubjective Abſtraction. Der Begriff iſt aber ſelbſt dieſes Abſtrahiren, das Gegeneinanderſtellen ſeiner Beſtimmungen iſt ſein eigenes Beſtimmen. Das Urtheil iſt dieß Setzen der beſtimmten Begriffe durch den Begriff ſelbſt.

Das Urtheilen iſt inſofern eine andere Function als das Begreifen, oder vielmehr die andere Function des Begriffes, als es das Beſtimmen des Begriffes durch ſich ſelbſt iſt, und der weitere Fortgang des Urtheils in die Verſchiedenheit der Urtheile iſt dieſe Fortbeſtimmung des Begriffes. Was es für beſtimmte Begriffe giebt, und wie ſich dieſe Beſtimmungen deſſelben nothwendig ergeben, dieß hat ſich im Urtheil zu zeigen.

Das Urtheil kann daher die nächſte Realiſirung des Begriffs genannt werden, inſofern die Realität das Treten ins Daſeyn als beſtimmtes Seyn überhaupt bezeichnet. Näher hat ſich die Natur dieſer Realiſirung ſo ergeben, daß vor's Erſte die Momente des Begriffs durch ſeine Reflexion-in-ſich oder ſeine Einzelnheit ſelbſtſtändige Totalitäten ſind, vor's Andere aber die Einheit des Begriffes als deren Beziehung iſt. Die in ſich reflectirten Beſtimmungen ſind beſtimmte Totalitäten, ebenſo weſentlich in gleichgültigem beziehungsloſem Beſtehen, als durch die gegenſeitige Vermittelung mit einander. Das Beſtimmen ſelbſt iſt nur die Totalität, indem es dieſe Totalitäten und deren Beziehung enthält. Dieſe Totalität iſt das Urtheil. — Es enthält erſtlich alſo die beiden Selbſtſtändigen, welche Subject und Prädicat heißen. Was jedes iſt, kann eigentlich noch nicht geſagt werden; ſie ſind noch unbeſtimmt, denn erſt durch das Urtheil ſollen ſie beſtimmt werden. Indem es der Begriff als beſtimmter iſt, ſo iſt nur der allgemeine Unterſchied gegen einander vorhanden, daß das Urtheil den beſtimmten Begriff gegen den noch unbeſtimmten enthält. Das Subject kann alſo zunächſt gegen das Prädicat als das Einzelne gegen das Allgemeine, oder auch als das Beſondere gegen das Allgemeine, oder als das Einzelne gegen das Beſondere genommen werden; inſofern ſie nur überhaupt als das Beſtimmtere und das Allgemeinere einander gegenüberſtehen.

Es iſt daher paſſend und Bedürfniß, für die Urtheilsbeſtimmungen dieſe Namen, Subject und Prädicat, zu haben; als Namen ſind ſie etwas Unbeſtimmtes, das erſt noch ſeine Beſtimmung erhalten ſoll; und mehr als Namen ſind ſie daher nicht. Begriffsbeſtimmungen ſelbſt könnten für die zwei Seiten des Urtheils theils aus dieſem Grunde nicht gebraucht werden; theils aber noch mehr darum nicht, weil die Natur der Begriffsbeſtimmung ſich hervorthut, nicht ein Abſtractes und Feſtes zu ſeyn, ſondern ihre entgegengeſetzte in ſich zu haben, und an ſich zu ſetzen; indem die Seiten des Urtheils ſelbſt Begriffe, alſo die Totalität ſeiner Beſtimmungen ſind, ſo müſſen ſie dieſelben alle durchlaufen und an ſich zeigen; es ſey in abſtracter oder concreter Form. Um nun doch bei dieſer Veränderung ihrer Beſtimmung die Seiten des Urtheils auf eine allgemeine Weiſe feſtzuhalten, ſind Namen am dienlichſten, die ſich darin gleich bleiben. — Der Name aber ſteht der Sache oder dem Begriffe gegenüber; dieſe Unterſcheidung kommt an dem Urtheile als ſolchem ſelbſt vor; indem das Subject überhaupt das Beſtimmte, und daher mehr das unmittelbar Seyende, das Prädicat aber das Allgemeine, das Weſen oder den Begriff ausdrückt, ſo iſt das Subject als ſolches zunächſt nur eine Art von Name; denn was es iſt, drückt erſt das Prädicat aus, welches das Seyn im Sinne des Begriffs enthält. Was iſt dieß, oder was iſt dieß für eine Pflanze u. ſ. f.? unter dem Seyn, nach welchem gefragt wird, wird oft bloß der Name verſtanden, und wenn man denſelben erfahren, iſt man befriedigt und weiß nun, was die Sache iſt. Dieß iſt das Seyn im Sinne des Subjects. Aber der Begriff, oder wenigſtens das Weſen und das Allgemeine überhaupt giebt erſt das Prädicat, und nach dieſem wird im Sinne des Urtheils gefragt. — Gott, Geiſt, Natur oder was es ſey, iſt daher als das Subject eines Urtheils nur erſt der Name; was ein ſolches Subject iſt, dem Begriffe nach, iſt erſt im Prädicate vorhanden. Wenn geſucht wird, was ſolchem Subjecte für ein Prädicat zukomme, ſo müßte für die Beurtheilung ſchon ein Begriff zum Grunde liegen; aber dieſen ſpricht erſt das Prädicat ſelbſt aus. Es iſt deswegen eigentlich die bloße Vorſtellung, welche die vorausgeſetzte Bedeutung des Subjects ausmacht, und die zu einer Namenerklärung führt, wobei es zufällig und ein hiſtoriſches Factum iſt, was unter einem Namen verſtanden werde oder nicht. So viele Streitigkeiten, ob einem gewiſſen Subjecte ein Prädicat zukomme oder nicht, ſind darum nichts mehr als Wortſtreitigkeiten, weil ſie von jener Form ausgehen; das zu Grunde Liegende (subjectum, ὑποκείμενον) iſt noch nichts weiter als der Name.

Es iſt nun näher zu betrachten, wie zweitens die Beziehung des Subjects und Prädicats im Urtheile, und wie ſie ſelbſt eben dadurch zunächſt beſtimmt ſind. Das Urtheil hat zu ſeinen Seiten überhaupt Totalitäten, welche zunächſt als weſentlich ſelbſtſtändig ſind. Die Einheit des Begriffes iſt daher nur erſt eine Beziehung von Selbſtſtändigen; noch nicht die concrete aus dieſer Realität in ſich zurückkehrte, erfüllte Einheit, ſondern außer der ſie, als nicht in ihr aufgehobene Extreme beſtehen. — Es kann nun die Betrachtung des Urtheils von der urſprünglichen Einheit des Begriffes oder von der Selbſtſtändigkeit der Extreme ausgehen. Das Urtheil iſt die Diremtion des Begriffs durch ſich ſelbſt; dieſe Einheit iſt daher der Grund, von welchem aus es nach ſeiner wahrhaften Objectivität betrachtet wird. Es iſt inſofern die urſprüngliche Theilung des urſprünglich Einen; das Wort: Urtheil bezieht ſich hiermit auf das, was es an und für ſich iſt. Daß aber der Begriff im Urtheil als Erſcheinung iſt, indem ſeine Momente darin Selbſtſtändigkeit erlangt haben, — an dieſe Seite der Aeußerlichkeit hält ſich mehr die Vorſtellung.

Nach dieſer ſubjectiven Betrachtung werden daher Subject und Prädicat, jedes als außer dem andern für ſich fertig, betrachtet; das Subject als ein Gegenſtand, der auch wäre, wenn er dieſes Prädicat nicht hätte; das Prädicat als eine allgemeine Beſtimmung, die auch wäre, wenn ſie dieſem Subjecte nicht zukäme. Mit dem Urtheilen iſt hernach die Reflexion verbunden, ob dieſes oder jenes Prädicat, das im Kopfe iſt, dem Gegenſtande, der draußen für ſich iſt, beigelegt werden könne und ſolle; das Urtheilen ſelbſt beſteht darin, daß erſt durch daſſelbe ein Prädicat mit dem Subjecte verbunden wird, ſo daß, wenn dieſe Verbindung nicht Statt fände, Subject und Prädicat, jedes für ſich doch bliebe, was es iſt, jenes ein exiſtirender Gegenſtand, dieſes eine Vorſtellung im Kopfe. — Das Prädicat, welches dem Subjecte beigelegt wird, ſoll ihm aber auch zukommen, das heißt, an und für ſich identiſch mit demſelben ſeyn. Durch dieſe Bedeutung des Beilegens wird der ſubjective Sinn des Urtheilens und das gleichgültige äußere Beſtehen des Subjects und Prädicats wieder aufgehoben: dieſe Handlung iſt gut; die Copula zeigt an, daß das Prädicat zum Seyn des Subjects gehört, und nicht bloß äußerlich damit verbunden wird. Im grammatiſchen Sinne hat jenes ſubjective Verhältniß, in welchem von der gleichgültigen Aeußerlichkeit des Subjects und Prädicats ausgegangen wird, ſein vollſtändiges Gelten; denn es ſind Worte, die hier äußerlich verbunden werden. — Bei dieſer Gelegenheit kann auch angeführt werden, daß ein Satz zwar im grammatiſchen Sinne ein Subject und Prädicat hat, aber darum noch kein Urtheil iſt. Zu Letzterem gehört, daß das Prädicat ſich zum Subject nach dem Verhältniß von Begriffsbeſtimmungen, alſo als ein Allgemeines zu einem Beſonderen oder Einzelnen verhalte. Drückt das, was vom einzelnen Subjecte geſagt wird, ſelbſt nur etwas Einzelnes aus, ſo iſt dieß ein bloßer Satz. Z. B. Ariſtoteles iſt im 73. Jahre ſeines Alters, in dem 4. Jahre der 115. Olympiade geſtorben, — iſt ein bloßer Satz, kein Urtheil. Es wäre von Letzterem nur dann etwas darin, wenn einer der Umſtände, die Zeit des Todes oder das Alter jenes Philoſophen in Zweifel geſtellt geweſen, aus irgend einem Grunde aber die angegebenen Zahlen behauptet würden. Denn in dieſem Falle würden dieſelben als etwas Allgemeines auch ohne jenen beſtimmten Inhalt des Todes des Ariſtoteles beſtehende, mit Anderem erfüllte oder auch leere Zeit genommen. So iſt die Nachricht: mein Freund N. iſt geſtorben, ein Satz; und wäre nur dann ein Urtheil, wenn die Frage wäre, ob er wirklich todt, oder nur ſcheintodt wäre.

Wenn das Urtheil gewöhnlich ſo erklärt wird, daß es die Verbindung zweier Begriffe ſey, ſo kann man für die äußerliche Copula wohl den unbeſtimmten Ausdruck: Verbindung gelten laſſen, ferner daß die Verbundenen wenigſtens Begriffe ſeyn ſollen. Sonſt aber iſt dieſe Erklärung wohl höchſt oberflächlich; nicht nur daß z. B. im disjunctiven Urtheile mehr als zwei ſogenannte Begriffe verbunden ſind, ſondern daß vielmehr die Erklärung viel beſſer iſt, als die Sache; denn es ſind überhaupt keine Begriffe, die gemeint ſind, kaum Begriffs-, eigentlich nur Vorſtellungsbeſtimmungen; beim Begriffe überhaupt, und beim beſtimmten Begriff iſt bemerkt worden, daß das, was man ſo zu benennen pflegt, keineswegs den Namen von Begriffen verdient; wo ſollten nun beim Urtheile Begriffe herkommen? — Vornehmlich iſt in jener Erklärung das Weſentliche des Urtheils, nämlich der Unterſchied ſeiner Beſtimmungen übergangen; noch weniger das Verhältniß des Urtheils zum Begriffe berückſichtigt.

Was die weitere Beſtimmung des Subjects und Prädicats betrifft, ſo iſt erinnert worden, daß ſie im Urtheil eigentlich erſt ihre Beſtimmung zu erhalten haben. Inſofern daſſelbe aber die geſetzte Beſtimmtheit des Begriffs iſt, ſo hat ſie die angegebenen Unterſchiede unmittelbar und abſtract, als Einzelnheit und Allgemeinheit. — Inſofern es aber überhaupt das Daſeyn oder das Anderſſeyn des Begriffs, welcher ſich noch nicht zu der Einheit, wodurch er als Begriff iſt, wieder hergeſtellt hat, ſo tritt auch die Beſtimmtheit hervor, welche begrifflos iſt; der Gegenſatz des Seyns und der Reflexion oder des Anſichſeyns. Indem aber der Begriff den weſentlichen Grund des Urtheils ausmacht, ſo ſind jene Beſtimmungen wenigſtens ſo gleichgültig, daß jede, indem die eine dem Subjecte, die andere dem Prädicate zukommt, dieß Verhältniß umgekehrt ebenſo ſehr Statt hat. Das Subject als das Einzelne erſcheint zunächſt als das Seyende oder Fürſichſeyende nach der beſtimmten Beſtimmtheit des Einzelnen — als ein wirklicher Gegenſtand, wenn er auch nur Gegenſtand in der Vorſtellung iſt, — wie z. B. die Tapferkeit, das Recht, Uebereinſtimmung u. ſ. f. — über welchen geurtheilt wird; — das Prädicat dagegen als das Allgemeine erſcheint als dieſe Reflexion über ihn, oder auch vielmehr als deſſen Reflexion-in-ſich-ſelbſt, welche über jene Unmittelbarkeit hinausgeht und die Beſtimmtheiten als bloß ſeyende aufhebt, — als ſein Anſichſeyn. — Inſofern wird vom Einzelnen, als dem Erſten, Unmittelbaren ausgegangen, und daſſelbe durch das Urtheil in die Allgemeinheit erhoben; ſo wie umgekehrt das nur an ſich ſeyende Allgemeine im Einzelnen ins Daſeyn herunterſteigt oder ein Für-ſich-ſeyendes wird.

Dieſe Bedeutung des Urtheils iſt als der objective Sinn deſſelben, und zugleich als die wahre der früheren Formen des Uebergangs zu nehmen. Das Seyende wird und verändert ſich, das Endliche geht im Unendlichen unter; das Exiſtirende geht aus ſeinem Grunde hervor in die Erſcheinung, und geht zu Grunde; die Accidenz manifeſtirt den Reichthum der Subſtanz, ſo wie deren Macht; im Seyn iſt Uebergang in Anderes, im Weſen Scheinen an einem Andern, wodurch die nothwendige Beziehung ſich offenbart. Dieß Uebergehen und Scheinen iſt nun in das urſprüngliche Theilen des Begriffes übergegangen, welcher, indem er das Einzelne in das Anſichſein ſeiner Allgemeinheit zurückführt, ebenſo ſehr das Allgemeine als Wirkliches beſtimmt. Dieß Beides iſt ein und daſſelbe, daß die Einzelnheit in ihre Reflexion-in-ſich, und das Allgemeine als Beſtimmtes geſetzt wird.

Zu dieſer objectiven Bedeutung gehört nun aber ebenſo wohl, daß die angegebenen Unterſchiede, indem ſie in der Beſtimmtheit des Begriffes wieder hervortreten, zugleich nur als Erſcheinende geſetzt ſeyen, das heißt, daß ſie nichts Fixes ſind, ſondern der einen Begriffsbeſtimmung ebenſo gut zukommen als der andern. Das Subject iſt daher ebenſo wohl als das Anſichſeyn, das Prädicat dagegen als das Daſeyn zu nehmen. Das Subject ohne Prädicat iſt, was in der Erſcheinung das Ding ohne Eigenſchaften, das Ding-an-ſich iſt, ein leerer unbeſtimmter Grund; es iſt ſo der Begriff in ſich ſelbſt, welcher erſt am Prädicate eine Unterſcheidung und Beſtimmtheit erhält; dieſes macht hiermit die Seite des Daſeyns des Subjects aus. Durch dieſe beſtimmte Allgemeinheit ſteht das Subject in Beziehung auf Aeußerliches, iſt für den Einfluß anderer Dinge offen, und tritt dadurch in Thätigkeit gegen ſie. Was da iſt, tritt aus ſeinem In-ſich-ſeyn in das allgemeine Element des Zuſammenhanges und der Verhältniſſe, in die negativen Beziehungen und das Wechſelſpiel der Wirklichkeit, was eine Continuation des Einzelnen in andere, und daher Allgemeinheit iſt.

Die ſo eben aufgezeigte Identität, daß die Beſtimmung des Subjects ebenſo wohl auch dem Prädicat zukommt und umgekehrt, fällt jedoch nicht nur in unſere Betrachtung; ſie iſt nicht nur an ſich, ſondern iſt auch im Urtheile geſetzt; denn das Urtheil iſt die Beziehung beider; die Copula drückt aus, daß das Subject das Prädicat iſt. Das Subject iſt die beſtimmte Beſtimmtheit, und das Prädicat iſt dieſe geſetzte Beſtimmtheit deſſelben; das Subject iſt nur in ſeinem Prädicat beſtimmt, oder nur in demſelben iſt es Subject, es iſt im Prädicat in ſich zurückgekehrt, und iſt darin das Allgemeine. — Inſofern nun aber das Subject das Selbſtſtändige iſt, ſo hat jene Identität das Verhältniß, daß das Prädicat nicht ein ſelbſtſtändiges Beſtehen für ſich, ſondern ſein Beſtehen nur in dem Subjecte hat; es inhärirt dieſem. Inſofern hiernach das Prädicat vom Subjecte unterſchieden wird, ſo iſt es nur eine vereinzelte Beſtimmtheit deſſelben, nur Eine ſeiner Eigenſchaften; das Subject ſelbſt aber iſt das Concrete, die Totalität von mannigfaltigen Beſtimmtheiten, wie das Prädicat Eine enthält; es iſt das Allgemeine. — Aber andererſeits iſt auch das Prädicat ſelbſtſtändige Allgemeinheit, und das Subject umgekehrt nur eine Beſtimmung deſſelben. Das Prädicat ſubſumirt inſofern das Subject; die Einzelnheit und Beſonderheit iſt nicht für ſich, ſondern hat ihr Weſen und ihre Subſtanz im Allgemeinen. Das Prädicat drückt das Subject in ſeinem Begriffe aus; das Einzelne und Beſondere ſind zufällige Beſtimmungen an demſelben; es iſt deren abſolute Möglichkeit. Wenn beim Subſumiren an eine äußerliche Beziehung des Subjects und Prädicats gedacht und das Subject als ein Selbſtſtändiges vorgeſtellt wird, ſo bezieht ſich das Subſumiren auf das oben erwähnte ſubjective Urtheilen, worin von der Selbſtſtändigkeit beider ausgegangen wird. Die Subſumtion iſt hiernach nur die Anwendung des Allgemeinen auf ein Beſonderes oder Einzelnes, das unter daſſelbe nach einer unbeſtimmten Vorſtellung, als von minderer Quantität geſetzt wird.

Wenn die Identität des Subjects und Prädicats ſo betrachtet worden, daß das eine Mal jenem die eine Begriffsbeſtimmung zukommt, und dieſem die andere, aber das andere Mal ebenſo ſehr umgekehrt, ſo iſt die Identität hiermit immer noch erſt eine an ſich ſeyende; um der ſelbſtſtändigen Verſchiedenheit der beiden Seiten des Urtheils willen hat ihre geſetzte Beziehung auch dieſe zwei Seiten, zunächſt als verſchiedene. Aber die unterſchiedsloſe Identität macht eigentlich die wahre Beziehung des Subjects auf das Prädicat aus. Die Begriffsbeſtimmung iſt weſentlich ſelbſt Beziehung, denn ſie iſt ein Allgemeines; dieſelben Beſtimmungen alſo, welche das Subject und Prädicat hat, hat damit auch ihre Beziehung ſelbſt. Sie iſt allgemein, denn ſie iſt die poſitive Identität beider, des Subjects und Prädicats; ſie iſt aber auch beſtimmte, denn die Beſtimmtheit des Prädicats iſt die des Subjects; ſie iſt ferner auch einzelne, denn in ihr ſind die ſelbſtſtändigen Extreme als in ihrer negativen Einheit aufgehoben. — Im Urtheile aber iſt dieſe Identität noch nicht geſetzt; die Copula iſt als die noch unbeſtimmte Beziehung des Seyns überhaupt: A iſt B; denn die Selbſtſtändigkeit der Beſtimmtheiten des Begriffs oder Extreme iſt im Urtheile die Realität, welche der Begriff in ihm hat. Wäre das Iſt der Copula ſchon geſetzt als jene beſtimmte und erfüllte Einheit des Subjects und Prädicats, als ihr Begriff, ſo wäre es bereits der Schluß.

Dieſe Identität des Begriffs wieder herzuſtellen oder vielmehr zu ſetzen, iſt das Ziel der Bewegung des Urtheils. Was im Urtheil ſchon vorhanden iſt, iſt theils die Selbſtſtändigkeit, aber auch die Beſtimmtheit des Subjects und Prädicats gegen einander, theils aber ihre jedoch abſtracte Beziehung. Das Subject iſt das Prädicat, iſt zunächſt das, was das Urtheil ausſagt; aber da das Prädicat nicht das ſein ſoll, was das Subject iſt, ſo iſt ein Widerſpruch vorhanden, der ſich auflöſen, in ein Reſultat übergehen muß. Vielmehr aber, da an und für ſich Subject und Prädicat die Totalität des Begriffes ſind, und das Urtheil die Realität des Begriffes iſt, ſo iſt ſeine Fortbewegung nur Entwickelung; es iſt in ihm dasjenige ſchon vorhanden, was in ihm hervortritt, und die Demonſtration iſt inſofern nur eine Monſtration, eine Reflexion als Setzen desjenigen, was in den Extremen des Urtheils ſchon vorhanden iſt; aber auch dieß Setzen ſelbſt iſt ſchon vorhanden; es iſt die Beziehung der Extreme.

Das Urtheil, wie es unmittelbar iſt, iſt es zunächſt das Urtheil des Daſeyns; unmittelbar iſt ſein Subject ein abſtractes, ſeyendes Einzelnes; das Prädicat eine unmittelbare Beſtimmtheit oder Eigenſchaft deſſelben, ein abſtract Allgemeines.

Indem ſich dieß Qualitative des Subjects und Prädicats aufhebt, ſcheint zunächſt die Beſtimmung des einen an dem andern; das Urtheil iſt nun zweitens Urtheil der Reflexion.

Dieſes mehr äußerliche Zuſammentreffen aber geht in die weſentliche Identität eines ſubſtantiellen, nothwendigen Zuſammenhangs über; ſo iſt es drittens das Urtheil der Nothwendigkeit.

Viertens, indem in dieſer weſentlichen Identität der Unterſchied des Subjects und Prädicats zu einer Form geworden, ſo wird das Urtheil ſubjectiv; es enthält den Gegenſatz des Begriffes und ſeiner Realität, und die Vergleichung beider; es iſt das Urtheil des Begriffs.

Dieſes Hervortreten des Begriffs begründet den Uebergang des Urtheils in den Schluß.

A.
Das Urtheil des Daſeyns.

Im ſubjectiven Urtheil will man einen und denſelben Gegenſtand doppelt ſehen, das eine Mal in ſeiner einzelnen Wirklichkeit, das andere Mal in ſeiner weſentlichen Identität oder in ſeinem Begriffe; das Einzelne in ſeine Allgemeinheit erhoben, oder, was daſſelbe iſt, das Allgemeine in ſeine Wirklichkeit vereinzelt. Das Urtheil iſt in dieſer Weiſe Wahrheit; denn es iſt die Uebereinſtimmung des Begriffs und der Realität. So aber iſt zuerſt das Urtheil nicht beſchaffen; denn zuerſt iſt es unmittelbar, indem ſich an ihm noch keine Reflexion und Bewegung der Beſtimmungen ergeben hat. Dieſe Unmittelbarkeit macht das erſte Urtheil zu einem Urtheile des Daſeyns, das auch das qualitative genannt werden kann, jedoch nur inſofern, als die Qualität nicht nur der Beſtimmtheit des Seyns zukommt, ſondern auch die abſtracte Allgemeinheit darin begriffen iſt, die um ihrer Einfachheit willen gleichfalls die Form der Unmittelbarkeit hat.

Das Urtheil des Daſeyns iſt auch das Urtheil der Inhärenz; weil die Unmittelbarkeit ſeine Beſtimmung, im Unterſchiede des Subjects und Prädicats aber jenes das Unmittelbare, hierdurch das Erſte und Weſentliche in dieſem Urtheile iſt, ſo hat das Prädicat die Form eines Unſelbſtſtändigen, das am Subjecte ſeine Grundlage hat.

a.
Das poſitive Urtheil.

1. Das Subject und Prädicat ſind, wie erinnert worden, zunächſt Namen, deren wirkliche Beſtimmung erſt durch den Verlauf des Urtheils erhalten wird. Als Seiten des Urtheils aber, welches der geſetzte beſtimmte Begriff iſt, haben ſie die Beſtimmung der Momente deſſelben, aber um der Unmittelbarkeit willen, die noch ganz einfache, theils nicht durch Vermittelung bereicherte, theils zunächſt nach dem abſtracten Gegenſatze, als abſtracte Einzelnheit und Allgemeinheit. — Das Prädicat, um von dieſem zuerſt zu ſprechen, iſt das abſtracte Allgemeine; da das Abſtracte aber durch die Vermittelung des Aufhebens des Einzelnen oder Beſondern bedingt iſt, ſo iſt ſie inſofern nur eine Vorausſetzung. In der Sphäre des Begriffs kann es keine andere Unmittelbarkeit geben, als eine ſolche, die an und für ſich die Vermittelung enthält, und nur durch deren Aufheben entſtanden iſt, d. i. die allgemeine. So iſt auch das qualitative Seyn ſelbſt in ſeinem Begriffe ein Allgemeines; als Seyn aber iſt die Unmittelbarkeit noch nicht ſo geſetzt; erſt als Allgemeinheit iſt ſie die Begriffsbeſtimmung, an welcher geſetzt iſt, daß ihr die Negativität weſentlich angehört. Dieſe Beziehung iſt im Urtheil vorhanden, worin ſie Prädicat eines Subjects iſt. — Ebenſo iſt das Subject ein abſtract Einzelnes; oder das Unmittelbare, das als ſolches ſeyn ſoll; es ſoll daher das Einzelne als ein Etwas überhaupt ſeyn. Das Subject macht inſofern die abſtracte Seite am Urtheil aus, nach welcher in ihm der Begriff in die Aeußerlichkeit übergegangen iſt. — Wie die beiden Begriffsbeſtimmungen beſtimmt ſind, ſo iſt es auch ihre Beziehung, das: iſt, Kopula; ſie kann ebenſo nur die Bedeutung eines unmittelbaren, abſtracten Seyns haben. Von der Beziehung, welche noch keine Vermittelung oder Negation enthält, wird dieß Urtheil das Poſitive genannt.

2. Der nächſte reine Ausdruck des poſitiven Urtheils iſt daher der Satz:

Das Einzelne iſt allgemein.

Dieſer Ausdruck muß nicht gefaßt werden: A iſt B; denn A und B ſind gänzlich formloſe und daher bedeutungsloſe Namen; das Urtheil überhaupt aber, und daher ſelbſt ſchon das Urtheil des Daſeyns, hat Begriffsbeſtimmungen zu ſeinen Extremen. A iſt B, kann ebenſo gut jeden bloßen Satz vorſtellen, als ein Urtheil. In jedem auch dem in ſeiner Form reicher beſtimmten Urtheile aber wird der Satz von dieſem beſtimmten Inhalt behauptet: das Einzelne iſt allgemein; inſofern nämlich jedes Urtheil auch abſtractes Urtheil überhaupt iſt. Von dem negativen Urtheile, inwiefern es unter dieſen Ausdruck gleichfalls gehöre, wird ſogleich die Rede ſeyn. — Wenn ſonſt eben nicht daran gedacht wird, daß mit jedem zunächſt wenigſtens poſitiven Urtheile die Behauptung gemacht werde, daß das Einzelne ein Allgemeines ſey, ſo geſchieht dieß, weil theils die beſtimmte Form, wodurch ſich Subject und Prädicat unterſcheiden, überſehen wird, — indem das Urtheil nichts als die Beziehung zweier Begriffe ſeyn ſoll, — theils etwa auch, weil der ſonſtige Inhalt des Urtheils: Cajus iſt gelehrt, oder die Roſe iſt roth, dem Bewußtſeyn vorſchwebt, das mit der Vorſtellung des Cajus u. ſ. f. beſchäftigt, auf die Form nicht reflectirt, — obgleich wenigſtens ſolcher Inhalt, wie der logiſche Cajus, der gewöhnlich zum Beiſpiel herhalten muß, ein ſehr wenig intereſſanter Inhalt iſt, und vielmehr gerade ſo unintereſſant gewählt wird, um nicht die Aufmerkſamkeit von der Form ab, auf ſich zu ziehen.

Nach der objectiven Bedeutung bezeichnet der Satz: daß das Einzelne allgemein iſt, wie vorhin gelegentlich erinnert, theils die Vergänglichkeit der einzelnen Dinge, theils ihr poſitives Beſtehen in dem Begriffe überhaupt. Der Begriff ſelbſt iſt unſterblich, aber das in ſeiner Theilung aus ihm Heraustretende iſt der Veränderung und dem Rückgange in ſeine allgemeine Natur unterworfen. Aber umgekehrt giebt ſich das Allgemeine ein Daſeyn. Wie das Weſen zum Schein in ſeinen Beſtimmungen, der Grund in die Erſcheinung der Exiſtenz, die Subſtanz in die Offenbarung, in ihre Accidenzen herausgeht, ſo entſchließt ſich das Allgemeine zum Einzelnen; das Urtheil iſt dieſer ſein Aufſchluß, die Entwickelung der Negativität, die es an ſich ſchon iſt. — Das Letztere drückt der umgekehrte Satz aus: das Allgemeine iſt einzeln, der ebenſo wohl im poſitiven Urtheile ausgeſprochen iſt. Das Subject, zunächſt das unmittelbar Einzelne, iſt im Urtheile ſelbſt auf ſein Anderes, nämlich das Allgemeine, bezogen; es iſt ſomit als das Concrete geſetzt; nach dem Seyn als ein Etwas von vielen Qualitäten; — oder als das Concrete der Reflexion, ein Ding von mannigfaltigen Eigenſchaften, ein Wirkliches von mannigfaltigen Möglichkeiten, eine Subſtanz von eben ſolchen Accidenzen. Weil dieſe Mannigfaltigen hier dem Subjecte des Urtheils angehören, ſo iſt das Etwas oder das Ding u. ſ. f. in ſeinen Qualitäten, Eigenſchaften oder Accidenzen in ſich reflectirt, oder ſich durch dieſelben hindurch continuirend; ſich in ihnen, und ſie ebenſo in ſich erhaltend. Das Geſetztſeyn oder die Beſtimmtheit gehört zum An- und Fürſichſeyn. Das Subject iſt daher an ihm ſelbſt das Allgemeine. — Das Prädicat dagegen, als dieſe nicht reale oder concrete, ſondern abſtracte Allgemeinheit, iſt gegen jenes die Beſtimmtheit, und enthält nur Ein Moment der Totalität deſſelben, mit Ausſchluß der andern. Um dieſer Negativität willen, welche zugleich als Extrem des Urtheils ſich auf ſich bezieht, iſt das Prädicat ein abſtract-Einzelnes. — Es drückt z. B. in dem Satze: die Roſe iſt wohlriechend, nur Eine der vielen Eigenſchaften der Roſe aus; es vereinzelt ſie, die im Subjecte mit den andern zuſammengewachſen iſt, wie in der Auflöſung des Dings die mannigfaltigen Eigenſchaften, die ihm inhäriren, indem ſie ſich zu Materien verſelbſtſtändigen, vereinzelt werden. Der Satz des Urtheils lautet daher nach dieſer Seite ſo: das Allgemeine iſt einzeln.

Indem wir dieſe Wechſelbeſtimmung des Subjects und Prädicats im Urtheile zuſammenſtellen, ſo ergiebt ſich alſo das Gedoppelte: 1) daß das Subject zwar unmittelbar als das Seyende oder Einzelne, das Prädicat aber das Allgemeine iſt. Weil aber das Urtheil die Beziehung beider, und das Subject durch das Prädicat als Allgemeines beſtimmt iſt, ſo iſt das Subject das Allgemeine; 2) iſt das Prädicat im Subjecte beſtimmt; denn es iſt nicht eine Beſtimmung überhaupt, ſondern des Subjects; die Roſe iſt wohlriechend; dieſer Wohlgeruch iſt nicht irgend ein unbeſtimmter Wohlgeruch, ſondern der der Roſe; das Prädicat iſt alſo ein Einzelnes. — Weil nun Subject und Prädicat im Verhältniſſe des Urtheils ſtehen, ſollen ſie nach den Begriffsbeſtimmungen entgegengeſetzt bleiben; wie in der Wechſelwirkung der Cauſalität, ehe ſie ihre Wahrheit erreicht, die beiden Seiten gegen die Gleichheit ihrer Beſtimmung noch ſelbſtſtändige und entgegengeſetzte bleiben ſollen. Wenn daher das Subject als Allgemeines beſtimmt iſt, ſo iſt vom Prädicate nicht auch ſeine Beſtimmung der Allgemeinheit aufzunehmen, ſonſt wäre kein Urtheil vorhanden; ſondern nur ſeine Beſtimmung der Einzelnheit; ſo wie inſofern das Subject als Einzelnes beſtimmt iſt, das Prädicat als Allgemeines zu nehmen iſt. — Wenn auf jene bloße Identität reflectirt wird, ſo ſtellen ſich die zwei identiſchen Sätze dar:

Das Einzelne iſt Einzelnes,

Das Allgemeine iſt Allgemeines, worin die Urtheilsbeſtimmungen ganz aus einander gefallen, nur ihre Beziehung auf ſich ausgedrückt, die Beziehung derſelben auf einander aber aufgelöſt, und das Urtheil ſomit aufgehoben wäre. — Von jenen beiden Sätzen drückt der eine: das Allgemeine iſt einzeln, das Urtheil ſeinem Inhalte nach aus, der im Prädicate eine vereinzelte Beſtimmung, im Subjecte aber die Totalität derſelben iſt; der andere: das Einzelne iſt allgemein, die Form, die durch ihn ſelbſt unmittelbar angegeben iſt. — Im unmittelbaren poſitiven Urtheile ſind die Extreme noch einfach: Form und Inhalt ſind daher noch vereinigt. Oder es beſteht nicht aus zwei Sätzen; die gedoppelte Beziehung, welche ſich in ihm ergab, macht unmittelbar das eine poſitive Urtheil aus. Denn ſeine Extreme ſind a) als die ſelbſtſtändigen, abſtracten Urtheilsbeſtimmungen, b) iſt jede Seite durch die andere beſtimmt, vermöge der ſie beziehenden Copula. An ſich aber iſt deswegen der Form- und Inhaltsunterſchied in ihm vorhanden, wie ſich ergeben hat; und zwar gehört das, was der erſte Satz: das Einzelne iſt allgemein, enthält, zur Form, weil er die unmittelbare Beſtimmtheit des Urtheils ausdrückt. Das Verhältniß dagegen, das der andere Satz ausdrückt: das Allgemeine iſt einzeln, oder daß das Subject als Allgemeines, das Prädicat dagegen als Beſonderes oder Einzelnes beſtimmt, betrifft den Inhalt, weil ſich ſeine Beſtimmungen erſt durch die Reflexion-in-ſich erheben, wodurch die unmittelbaren Beſtimmtheiten aufgehoben werden, und hiermit die Form ſich zu einer in ſich gegangenen Identität, die gegen den Formunterſchied beſteht, zum Inhalte macht.

3. Wenn nun die beiden Sätze der Form und des Inhalts:

(Subject) (Prädicat)

Das Einzelne iſt allgemein

Das Allgemeine iſt einzeln darum, weil ſie in dem einen poſitiven Urtheile enthalten ſind, vereinigt würden, ſo daß ſomit beide, ſowohl das Subject als Prädicat, als Einheit der Einzelnheit und Allgemeinheit beſtimmt wären, ſo wären beide das Beſondere; was an ſich als ihre innere Beſtimmung anzuerkennen iſt. Allein theils wäre dieſe Verbindung nur durch eine äußere Reflexion zu Stande gekommen, theils wäre der Satz: das Beſondere iſt das Beſondere, der daraus reſultirte, kein Urtheil mehr, ſondern ein leerer identiſcher Satz, wie die bereits darin gefundenen Sätze: das Einzelne iſt einzeln, und das Allgemeine iſt allgemein, waren. — Einzelnheit und Allgemeinheit können noch nicht in die Beſonderheit vereinigt werden, weil ſie im poſitiven Urtheile noch als unmittelbare geſetzt ſind. — Oder es muß das Urtheil ſeiner Form und ſeinem Inhalte nach noch unterſchieden werden, weil eben Subject und Prädicat noch als Unmittelbarkeit und Vermitteltes unterſchieden ſind, oder weil das Urtheil nach ſeiner Beziehung beides iſt; Selbſtſtändigkeit der Bezogenen, und ihre Wechſelbeſtimmung, oder Vermittelung.

Das Urtheil alſo erſtens nach ſeiner Form betrachtet, heißt es:

Das Einzelne iſt allgemein. Vielmehr aber iſt ein ſolches unmittelbares Einzelnes nicht allgemein; ſein Prädicät iſt von weiterem Umfang, es entſpricht ihm alſo nicht. Das Subject iſt ein unmittelbar für ſich ſeyendes, und daher das Gegentheil jener Abſtraction, der durch Vermittelung geſetzten Allgemeinheit, die von ihm ausgeſagt werden ſollte.

Zweitens das Urtheil nach ſeinem Inhalt betrachtet oder als der Satz: Das Allgemeine iſt einzeln, ſo iſt das Subject ein Allgemeines von Qualitäten, ein Concretes, das unendlich beſtimmt iſt, und indem ſeine Beſtimmtheiten nur erſt Qualitäten, Eigenſchaften oder Accidenzen ſind, ſo iſt ſeine Totalität die ſchlecht unendliche Vielheit derſelben. Ein ſolches Subject iſt daher vielmehr nicht eine einzelne ſolche Eigenſchaft, als ſein Prädicat ausſagt. Beide Sätze müſſen daher verneint werden, und das poſitive Urtheil vielmehr als negatives geſetzt werden.

b.
Negatives Urtheil.

1. Es iſt ſchon oben von der gewöhnlichen Vorſtellung die Rede geweſen, daß es nur vom Inhalte des Urtheils abhänge, ob es wahr ſey oder nicht, indem die logiſche Wahrheit nichts als die Form betreffe und nichts fordere, als daß jener Inhalt ſich nicht widerſpreche. Zur Form des Urtheils ſelbſt wird nichts gerechnet, als daß es die Beziehung zweier Begriffe ſey. Es hat ſich aber ergeben, daß dieſe beiden Begriffe nicht bloß die verhältnißloſe Beſtimmung einer Anzahl haben, ſondern als Einzelnes und Allgemeines ſich verhalten. Dieſe Beſtimmungen machen den wahrhaft logiſchen Inhalt, und zwar in dieſer Abſtraction den Inhalt des poſitiven Urtheils aus; was für anderer Inhalt (die Sonne iſt rund, Cicero war ein großer Redner in Rom, jetzt iſt’s Tag u. ſ. f.) in einem Urtheil vorkommt, geht das Urtheil als ſolches nichts an; es ſpricht nur dieß aus: Das Subject iſt Prädicat, oder, da dieß nur Namen ſind, beſtimmter: das Einzelne iſt allgemein und umgekehrt. — Um dieſes rein logiſchen Inhalts willen iſt das poſitive Urtheil nicht wahr, ſondern hat ſeine Wahrheit im negativen Urtheil. — Der Inhalt, fordert man, ſoll ſich im Urtheile nur nicht widerſprechen; er widerſpricht ſich aber in jenem Urtheile, wie ſich gezeigt hat. — Es iſt jedoch völlig gleichgültig, jenen logiſchen Inhalt auch Form zu nennen, und unter Inhalt nur die ſonſtige empiriſche Erfüllung zu verſtehen, ſo enthält die Form nicht bloß die leere Identität, außer welcher die Inhaltsbeſtimmung läge. Das poſitive Urtheil hat alsdann durch ſeine Form als poſitives Urtheil keine Wahrheit; wer die Richtigkeit einer Anſchauung oder Wahrnehmung, die Uebereinſtimmung der Vorſtellung mit dem Gegenſtand Wahrheit nennte, hat wenigſtens keinen Ausdruck mehr für dasjenige, was Gegenſtand und Zweck der Philoſophie iſt. Man müßte den letztern wenigſtens Vernunftwahrheit nennen, und man wird wohl zugeben, daß ſolche Urtheile, daß Cicero ein großer Redner geweſen, daß es jetzt Tag iſt u. ſ. f. keine Vernunftwahrheiten ſind. Aber ſie ſind dieß nicht, nicht weil ſie gleichſam zufällig einen empiriſchen Inhalt haben, ſondern weil ſie nur poſitive Urtheile ſind, die keinen andern Inhalt als ein unmittelbar Einzelnes und eine abſtracte Beſtimmtheit zum Inhalte haben können und ſollen.

Das poſitive Urtheil hat ſeine Wahrheit zunächſt in dem negativen: Das Einzelne iſt nicht abſtract allgemein, — ſondern das Prädicat des Einzelnen iſt darum, weil es ſolches Prädicat oder für ſich ohne die Beziehung auf das Subject betrachtet, weil es abſtract-Allgemeines iſt, ſelbſt ein Beſtimmtes; das Einzelne iſt daher zunächſt ein Beſonderes. Ferner nach dem andern Satze, der im poſitiven Urtheile enthalten iſt, heißt das negative Urtheil, das Allgemeine iſt nicht abſtract einzeln, ſondern dieß Prädicat, ſchon weil es Prädicat iſt, oder weil es in Beziehung auf ein allgemeines Subject ſteht, iſt ein Weiteres als bloße Einzelnheit, und das Allgemeine iſt daher gleichfalls zunächſt ein Beſonderes. — Indem dieß Allgemeine, als Subject, ſelbſt in der Urtheilsbeſtimmung der Einzelnheit iſt, ſo reduciren ſich beide Sätze auf den einen: Das Einzelne iſt ein Beſonderes.

Es kann bemerkt werden, a) daß ſich hier die Beſonderheit für das Prädicat ergiebt, von der vorhin ſchon die Rede war; allein hier iſt ſie nicht durch äußerliche Reflexion geſetzt, ſondern vermittelſt der am Urtheil aufgezeigten negativen Beziehung entſtanden. b) Dieſe Beſtimmung ergiebt ſich hier nur für das Prädicat. Im unmittelbaren Urtheile, dem Urtheile des Daſeyns, iſt das Subject das zum Grunde Liegende; die Beſtimmung ſcheint ſich daher zunächſt am Prädicate zu verlaufen. In der That aber kann dieſe erſte Negation noch keine Beſtimmung, oder eigentlich noch kein Setzen des Einzelnen ſeyn, da es erſt das Zweite, das Negative des Negativen iſt.

Das Einzelne iſt ein Beſonderes, iſt der poſitive Ausdruck des negativen Urtheils. Dieſer Ausdruck iſt inſofern nicht poſitives Urtheil ſelbſt, als dieſes um ſeiner Unmittelbarkeit willen nur das Abſtracte zu ſeinen Extremen hat, das Beſondere aber eben durch das Setzen der Beziehung des Urtheils ſich als die erſte vermittelte Beſtimmung ergiebt. — Dieſe Beſtimmung iſt aber nicht nur als Moment des Extrems zu nehmen, ſondern auch, wie ſie eigentlich zunächſt iſt, als Beſtimmung der Beziehung; oder das Urtheil iſt auch als negatives zu betrachten.

Dieſer Uebergang gründet ſich auf das Verhältniß der Extreme und ihrer Beziehung im Urtheile überhaupt. Das poſitive Urtheil iſt die Beziehung des unmittelbar Einzelnen und Allgemeinen, alſo ſolcher, deren das eine zugleich nicht iſt, was das andere; die Beziehung iſt daher ebenſo weſentlich Trennung oder negativ; daher das poſitive Urtheil als negatives zu ſetzen war. Es war daher von Logikern kein ſolches Aufheben darüber zu machen, daß das nicht des negativen Urtheils zur Copula gezogen worden ſey. Was im Urtheile Beſtimmung des Extrems iſt, iſt ebenſo ſehr beſtimmte Beziehung. Die Urtheilsbeſtimmung oder das Extrem iſt nicht die rein qualitative des unmittelbaren Seyns, welche nur einem Andern außer ihm entgegenſtehen ſoll. Noch iſt ſie Beſtimmung der Reflexion, die ſich nach ihrer allgemeinen Form als poſitiv und negativ verhält, deren jedes als ausſchließend geſetzt, und nur an ſich identiſch mit dem andern iſt. Die Urtheils- als Begriffsbeſtimmung iſt an ihr ſelbſt ein Allgemeines, geſetzt als ſich in ihre andere Continuirendes. Umgekehrt iſt die Beziehung des Urtheils dieſelbe Beſtimmung, als die Extreme haben; denn ſie iſt eben dieſe Allgemeinheit und Continuation derſelben in einander; inſofern dieſe unterſchieden ſind, hat ſie auch die Negativität an ihr.

Der oben angegebene Uebergang von der Form der Beziehung zur Form der Beſtimmung macht die unmittelbare Conſequenz aus, daß das nicht der Copula ebenſo ſehr zum Prädicate geſchlagen, und daſſelbe als das Nicht-allgemeine beſtimmt werden muß. Das Nichtallgemeine aber iſt durch eine ebenſo unmittelbare Conſequenz das Beſondere. — Wird das Negative nach der ganz abſtracten Beſtimmung des unmittelbaren Nichtſeyns feſtgehalten, ſo iſt das Prädicat nur das ganz unbeſtimmte Nichtallgemeine. Von dieſer Beſtimmung wird ſonſt in der Logik bei den contradictoriſchen Begriffen gehandelt, und als etwas Wichtiges eingeſchärft, daß beim Negativen eines Begriffs nur am Negativen feſtgehalten, und es als der bloß unbeſtimmte Umfang des Andern des poſitiven Begriffs genommen werden ſoll. So wäre das bloße Nicht-weiße ebenſo wohl das Rothe, Gelbe, Blaue ꝛc. als das Schwarze. Das Weiße aber als ſolches iſt die begriffloſe Beſtimmung der Anſchauung; das Nicht des Weißen iſt dann das ebenſo begriffloſe Nichtſeyn, welche Abſtraction ganz zu Anfang der Logik betrachtet, und als deren nächſte Wahrheit das Werden erkannt worden iſt. Wenn bei Betrachtung der Urtheilsbeſtimmungen ſolcher begriffloſe Inhalt aus der Anſchauung und Vorſtellung als Beiſpiel gebraucht, und die Beſtimmungen des Seyns und die der Reflexion für Urtheilsbeſtimmungen genommen werden, ſo iſt dieß daſſelbe unkritiſche Verfahren, als wenn nach Kant die Verſtandesbegriffe auf die unendliche Vernunftidee oder das ſogenannte Ding-an-ſich angewendet werden; der Begriff, wozu auch das von ihm ausgehende Urtheil gehört, iſt das wahrhafte Ding-an-ſich oder das Vernünftige, jene Beſtimmungen aber gehören dem Seyn oder Weſen an, und ſind noch nicht zu der Art und Weiſe fortgebildete Formen, wie ſie in ihrer Wahrheit, im Begriffe ſind. — Wenn bei dem Weißen, Rothen, als ſinnlichen Vorſtellungen, ſtehen geblieben wird, ſo wird, wie gewöhnlich, etwas Begriff genannt, was nur Vorſtellungsbeſtimmung iſt, und dann iſt freilich das Nicht-weiße, Nicht-rothe kein Poſitives, ſo wie vollends das nicht Dreieckigte ein ganz Unbeſtimmtes iſt, denn die auf der Zahl und dem Quantum überhaupt beruhende Beſtimmung iſt die weſentlich gleichgültige, begriffloſe. Aber wie das Nichtſeyn ſelbſt, ſo ſoll auch ſolcher ſinnlicher Inhalt begriffen werden, und jene Gleichgültigkeit und abſtracte Unmittelbarkeit verlieren, die er in der blinden bewegungsloſen Vorſtellung hat. Schon im Daſeyn wird das gedankenloſe Nichts zur Grenze, wodurch Etwas ſich doch auf ein Anderes außer ihm bezieht. In der Reflexion aber iſt es das Negative, das ſich weſentlich auf ein Poſitives bezieht, und ſomit beſtimmt iſt; ein Negatives iſt ſchon nicht mehr jenes unbeſtimmte Nichtſeyn, es iſt geſetzt, nur zu ſeyn, indem ihm das Poſitive entgegen ſteht, das Dritte iſt ihr Grund; das Negative iſt ſomit in einer umſchloſſenen Sphäre gehalten, worin das, was das eine nicht iſt, etwas Beſtimmtes iſt. — Noch mehr aber iſt in der abſolut flüſſigen Continuität des Begriffs und ſeiner Beſtimmungen das Nicht unmittelbar ein Poſitives, und die Negation nicht nur Beſtimmtheit, ſondern in die Allgemeinheit aufgenommen und mit ihr identiſch geſetzt. Das Nichtallgemeine iſt daher ſogleich das Beſondere.

2. Indem die Negation die Beziehung des Urtheils angeht, und das negative Urtheil noch als ſolches betrachtet wird, ſo ſt es vor’s Erſte noch ein Urtheil; es iſt ſomit das Verhältniß von Subject und Prädicat, oder von Einzelnheit und Allgemeinheit vorhanden, und die Beziehung derſelben; die Form des Urtheils. Das Subject als das zu Grunde liegende Unmittelbare bleibt unberührt von der Negation, es behält alſo ſeine Beſtimmung, ein Prädicat zu haben, oder ſeine Beziehung auf die Allgemeinheit. Was daher negirt wird, iſt nicht die Allgemeinheit überhaupt im Prädicate, ſondern die Abſtraction oder die Beſtimmtheit deſſelben, welche gegen jene Allgemeinheit als Inhalt erſchien. — Das negative Urtheil iſt alſo nicht die totale Negation; die allgemeine Sphäre, welche das Prädicat enthält, bleibt noch beſtehen; die Beziehung des Subjects auf das Prädicat iſt daher weſentlich noch poſitiv; die noch gebliebene Beſtimmung des Prädicats iſt ebenſo ſehr Beziehung. — Wenn z. B. geſagt wird, die Roſe iſt nicht roth, ſo wird damit nur die Beſtimmtheit des Prädicats negirt, und von der Allgemeinheit, die ihm gleichfalls zukommt, abgetrennt; die allgemeine Sphäre, die Farbe, iſt erhalten; wenn die Roſe nicht roth iſt, ſo wird dabei angenommen, daß ſie eine Farbe und eine andere Farbe habe; nach dieſer allgemeinen Sphäre iſt das Urtheil noch poſitiv.

Das Einzelne iſt ein Beſonderes, — dieſe poſitive Form des negativen Urtheils drückt dieß unmittelbar aus; das Beſondere enthält die Allgemeinheit. Es drückt überdem auch aus, daß das Prädicat nicht nur ein Allgemeines ſey, ſondern auch noch ein Beſtimmtes. Die negative Form enthält daſſelbe; denn indem z. B. die Roſe zwar nicht roth iſt, ſo ſoll ſie nicht nur die allgemeine Sphäre der Farbe zum Prädicate behalten, ſondern auch irgend eine andere beſtimmte Farbe haben; die einzelne Beſtimmtheit des Rothen iſt alſo nur aufgehoben, und es iſt nicht nur die allgemeine Sphäre gelaſſen, ſondern auch die Beſtimmtheit erhalten, aber zu einer unbeſtimmten, zu einer allgemeinen Beſtimmtheit gemacht; ſomit zur Beſonderheit.

3. Die Beſonderheit, welche ſich als die poſitive Beſtimmung des negativen Urtheils ergeben, iſt das Vermittelnde zwiſchen der Einzelnheit und Allgemeinheit; ſo iſt das negative Urtheil nun überhaupt das Vermittelnde, zum dritten Schritte, der Reflexion des Urtheils des Daſeyns in ſich ſelbſt. Es iſt nach ſeiner objectiven Bedeutung nur das Moment der Veränderung der Accidenzen, oder im Daſeyn der vereinzelnten Eigenſchaften des Concreten. Durch dieſe Veränderung tritt die vollſtändige Beſtimmtheit des Prädicats oder das Concrete als geſetzt hervor.

Das Einzelne iſt Beſonderes, nach dem poſitiven Ausdrucke des negativen Urtheils. Aber das Einzelne iſt auch nicht Beſonderes; denn die Beſonderheit iſt von weiterem Umfange als die Einzelnheit; ſie iſt alſo ein Prädicat, das dem Subject nicht entſpricht, in dem es alſo ſeine Wahrheit noch nicht hat. Das Einzelne iſt nur Einzelnes, die ſich nicht auf Anderes, ſey es poſitiv oder negativ, ſondern nur ſich auf ſich ſelbſt beziehende Negativität. — Die Roſe iſt nicht irgend ein Farbigtes, ſondern ſie hat nur die beſtimmte Farbe, welche Roſenfarbe iſt. Das Einzelne iſt nicht ein unbeſtimmt Beſtimmtes, ſondern das beſtimmte Beſtimmte.

Von dieſer poſitiven Form des negativen Urtheils ausgegangen, erſcheint dieſe Negation deſſelben nur wieder als eine erſte Negation. Aber ſie iſt dieß nicht. Vielmehr iſt ſchon das negative Urtheil an und für ſich die zweite, oder Negation der Negation, und dieß, was es an und für ſich iſt, iſt zu ſetzen. Nämlich es negirt die Beſtimmtheit des Prädicats des poſitiven Urtheils, deſſen abſtracte Allgemeinheit, oder als Inhalt betrachtet die einzelne Qualität, die es vom Subject enthält. Die Negation der Beſtimmtheit iſt aber ſchon die zweite, alſo die unendliche Rückkehr der Einzelnheit in ſich ſelbſt. Hiermit iſt alſo die Herſtellung der concreten Totalität des Subjects geſchehen, oder vielmehr iſt es jetzt erſt als Einzelnes geſetzt, indem es durch die Negation und das Aufheben derſelben mit ſich vermittelt worden. Das Prädicat ſeinerſeits iſt damit aus der erſten Allgemeinheit zur abſoluten Beſtimmtheit übergegangen, und hat ſich mit dem Subjecte ausgeglichen. Das Urtheil heißt inſofern: Das Einzelne iſt einzeln. — Von der andern Seite, indem das Subject ebenſo ſehr als allgemeines anzunehmen war, und inſofern im negativen Urtheile ſich das Prädicat, das gegen jene Beſtimmung des Subjects das Einzelne iſt, zur Beſonderheit erweiterte, und indem nun ferner die Negation dieſer Beſtimmtheit ebenſo ſehr die Reinigung der Allgemeinheit iſt, welche es enthält, ſo lautet dieß Urtheil auch ſo: Das Allgemeine iſt das Allgemeine.

In dieſen beiden Urtheilen, die ſich vorhin durch äußere Reflexion ergeben hatten, iſt das Prädicat ſchon in ſeiner Poſitivität ausgedrückt. Zunächſt muß aber die Negation des negativen Urtheils ſelbſt in Form eines negativen Urtheils erſcheinen. Es hatte ſich gezeigt, daß in ihm noch eine poſitive Beziehung des Subjects auf das Prädicat, und die allgemeine Sphäre des letztern geblieben war. Es enthielt ſomit von dieſer Seite eine von der Beſchränktheit gereinigtere Allgemeinheit, als das poſitive Urtheil, und iſt daher um ſo mehr von dem Subject als Einzelnem zu negiren. Auf dieſe Weiſe iſt der ganze Umfang des Prädicats negirt, und keine poſitive Beziehung mehr zwiſchen ihm und dem Subjecte. Dieß iſt das unendliche Urtheil.

c.
Unendliches Urtheil.

Das negative Urtheil iſt ſo wenig ein wahres Urtheil, als das poſitive. Das unendliche Urtheil aber, das ſeine Wahrheit ſeyn ſoll, iſt nach ſeinem negativen Ausdrucke das Negativ-Unendliche; ein Urtheil, worin auch die Form des Urtheils aufgehoben iſt. — Dieß aber iſt ein widerſinniges Urtheil. Es ſoll ein Urtheil ſeyn, ſomit eine Beziehung von Subject und Prädicat enthalten; aber eine ſolche ſoll zugleich nicht darin ſeyn. — Der Name des unendlichen Urtheils pflegt in den gewöhnlichen Logiken zwar aufgeführt zu werden, aber ohne daß es eben deutlich würde, was es mit demſelben für eine Bewandtniß habe. — Beiſpiele von negativ-unendlichen Urtheilen ſind leicht zu haben, indem Beſtimmungen zu Subject und Prädicat negativ verbunden werden, deren eine nicht nur die Beſtimmtheit der andern nicht, ſondern auch ihre allgemeine Sphäre nicht enthält; alſo z. B. der Geiſt iſt nicht roth, gelb u. ſ. f., nicht ſauer, nicht caliſch u. ſ. f., die Roſe iſt kein Elephant, der Verſtand iſt kein Tiſch und dergleichen. — Dieſe Urtheile ſind richtig oder wahr, wie man es nennt, aber einer ſolchen Wahrheit ungeachtet widerſinnig und abgeſchmackt. — Oder vielmehr ſie ſind keine Urtheile. — Ein reelleres Beiſpiel des unendlichen Urtheils iſt die böſe Handlung. Im bürgerlichen Rechtsſtreit wird Etwas nur als das Eigenthum der andern Parthei negirt; ſo daß aber eingeräumt wird, es ſollte das Ihrige ſeyn, wenn ſie das Recht dazu hätte, und es wird nur unter dem Titel des Rechtes in Anſpruch genommen; die allgemeine Sphäre, das Recht, wird alſo in jenem negativen Urtheile anerkannt und erhalten. Das Verbrechen aber iſt das unendliche Urtheil, welches nicht nur das beſondere Recht, ſondern die allgemeine Sphäre zugleich negirt, das Recht als Recht negirt. Es hat zwar die Richtigkeit damit, daß es eine wirkliche Handlung iſt, aber weil ſie ſich auf die Sittlichkeit, welche ihre allgemeine Sphäre ausmacht, durchaus negativ bezieht, iſt ſie widerſinnig.

Das Poſitive des unendlichen Urtheils, der Negation der Negation, iſt die Reflexion der Einzelheit in ſich ſelbſt, wodurch ſie erſt als die beſtimmte Beſtimmtheit geſetzt iſt. Das Einzelne iſt einzeln, war der Ausdruck deſſelben nach jener Reflexion. Das Subject iſt im Urtheile des Daſeyns als unmittelbares Einzelnes, inſofern mehr nur als Etwas überhaupt. Durch die Vermittelung des negativen und unendlichen Urtheils iſt es erſt als Einzelnes geſetzt.

Das Einzelne iſt hiermit geſetzt als ſich, in ſein Prädicat, das mit ihm identiſch iſt, continuirend; ſomit iſt auch die Allgemeinheit ebenſo ſehr nicht mehr als die unmittelbare, ſondern als ein Zuſammenfaſſen von Unterſchiedenen. Das poſitiv-unendliche Urtheil lautet ebenſo wohl: Das Allgemeine iſt allgemein, ſo iſt es ebenſo wohl als die Rückkehr in ſich ſelbſt geſetzt.

Durch dieſe Reflexion der Urtheilsbeſtimmungen in ſich hat nun ſich das Urtheil aufgehoben; im negativ-unendlichen Urtheil iſt der Unterſchied, ſo zu ſagen, zu groß, als daß es noch ein Urtheil bliebe; Subject und Prädicat haben gar keine poſitive Beziehung auf einander; im Gegentheil iſt im Poſitiv-Unendlichen nur die Identität vorhanden, und es iſt wegen des ganz ermangelnden Unterſchiedes kein Urtheil mehr.

Näher iſt es das Urtheil des Daſeyns, welches ſich aufgehoben hat; es iſt damit das geſetzt, was die Copula des Urtheils enthält, daß die qualitativen Extreme in dieſer ihrer Identität aufgehoben ſind. Indem aber dieſe Einheit der Begriff iſt, ſo iſt ſie unmittelbar ebenſo wieder in ihre Extreme dirimirt, und iſt als Urtheil, deſſen Beſtimmungen aber nicht mehr unmittelbare, ſondern in ſich reflectirte ſind. Das Urtheil des Daſeyns iſt in das Urtheil der Reflexion übergegangen.

B.
Das Urtheil der Reflexion.

Das Subject iſt in dem nunmehr entſtandenen Urtheil ein Einzelnes als ſolches; ingleichen das Allgemeine nicht mehr abſtracte Allgemeinheit, oder einzelne Eigenſchaft, ſondern geſetzt als Allgemeines, das ſich durch die Beziehung Unterſchiedener als in eins zuſammengefaßt hat, oder nach dem Inhalt verſchiedener Beſtimmungen überhaupt betrachtet, das ſich Zuſammennehmen mannigfaltiger Eigenſchaften und Exiſtenzen.— Wenn Beiſpiele von Prädicaten der Reflexions-Urtheile gegeben werden ſollen, ſo müſſen ſie von anderer Art ſeyn, als für Urtheile des Daſeyns. Im Reflexions-Urtheil iſt eigentlich erſt ein beſtimmter Inhalt, d. h. ein Inhalt überhaupt vorhanden; denn er iſt die in die Identität reflectirte Formbeſtimmung, als von der Form, inſofern ſie unterſchiedene Beſtimmtheit iſt, — wie ſie es noch als Urtheil iſt, unterſchieden. Im Urtheil des Daſeyns iſt der Inhalt nur ein unmittelbarer, oder abſtracter, unbeſtimmter. — Als Beiſpiele von Reflexions-Urtheilen können daher dienen: Der Menſch iſt ſterblich, die Dinge ſind vergänglich, dieß Ding iſt nützlich, ſchädlich; Härte, Elaſticität der Körper, die Glückſeligkeit u. ſ. f. ſind ſolche eigenthümliche Prädicate. Sie drücken eine Weſentlichkeit aus, welche aber eine Beſtimmung im Verhältniſſe, oder eine zuſammenfaſſende Allgemeinheit iſt. Dieſe Allgemeinheit, die ſich in der Bewegung des Reflexions-Urtheils weiter beſtimmen wird, iſt noch von der Allgemeinheit des Begriffes als ſolcher unterſchieden; ſie iſt zwar nicht mehr die abſtracte des qualitativen Urtheils, aber hat noch die Beziehung auf das Unmittelbare, woraus ſie herkommt, und hat daſſelbe für ihre Negativität zu Grunde liegen. — Der Begriff beſtimmt das Daſeyn zunächſt zu Verhältnißbeſtimmungen, zu Continuitäten ihrer ſelbſt in der verſchiedenen Mannigfaltigkeit der Exiſtenz, — ſo daß wohl das wahrhaft Allgemeine ihr inneres Weſen aber in der Erſcheinung, und dieſe relative Natur, oder auch ihr Merkmal, noch nicht das An- und Fürſichſeyende derſelben iſt.

Dem Reflexions-Urtheile kann es als nahe liegend erſcheinen, als Urtheil der Quantität beſtimmt zu werden, wie das Urtheil des Daſeyns auch als qualitatives Urtheil beſtimmt wurde. Aber wie die Unmittelbarkeit in dieſem nicht nur die ſeyende, ſondern weſentlich auch die vermittelte und abſtracte war, ſo iſt auch hier jene aufgehobene Unmittelbarkeit nicht bloß die aufgehobene Qualität, alſo nicht bloß Quantität; dieſe iſt vielmehr, wie die Qualität die äußerlichſte Unmittelbarkeit, auf dieſelbe Weiſe die äußerlichſte der Vermittelung angehörige Beſtimmung.

Noch iſt über die Beſtimmung, wie ſie im Reflexions-Urtheile in ihrer Bewegung erſcheint, die Bemerkung zu machen, daß im Urtheile des Daſeyns die Bewegung derſelben ſich am Prädicate zeigte, weil dieſes Urtheil in der Beſtimmung der Unmittelbarkeit war, das Subject daher als das zu Grunde Liegende erſchien. Aus gleichem Grunde verläuft ſich im Reflexions-Urtheile die Fortbewegung des Beſtimmens am Subjecte, weil dieſes Urtheil das reflectirte Anſichſeyn zu ſeiner Beſtimmung hat. Das Weſentliche iſt daher hier das Allgemeine oder das Prädicat; es macht daher das zu Grunde Liegende aus, an welchem das Subject zu meſſen, und ihm entſprechend zu beſtimmen iſt. — Jedoch erhält auch das Prädicat durch die weitere Fortbildung der Form des Subjects eine weitere Beſtimmung, jedoch indirect, jene dagegen zeigt ſich aus dem angegebenen Grunde als directe Fortbeſtimmung.

Was die objective Bedeutung des Urtheils betrifft, ſo tritt das Einzelne durch ſeine Allgemeinheit in das Daſeyn, aber als in einer weſentlichen Verhältnißbeſtimmung, einer durch die Mannigfaltigkeit der Erſcheinung hindurch ſich erhaltenden Weſentlichkeit; das Subject ſoll das an und für ſich Beſtimmte ſeyn; dieſe Beſtimmtheit hat es in ſeinem Prädicate. Das Einzelne iſt andererſeits in dieß ſein Prädicat reflectirt, welches deſſen allgemeines Weſen; das Subject iſt inſofern das Exiſtirende und Erſcheinende. Das Prädicat inhärirt in dieſem Urtheile nicht mehr dem Subjecte; es iſt vielmehr das Anſichſeyende, unter welches jenes Einzelne als ein Accidentelles ſubſumirt iſt. Wenn die Urtheile des Daſeyns auch als Urtheile der Inhärenz beſtimmt werden können, ſo ſind die Urtheile der Reflexion vielmehr Urtheil der Subſumtion.

a.
Das ſingulare Urtheil.

Das unmittelbare Reflexions-Urtheil iſt nun wieder: Das Einzelne iſt allgemein; aber Subject und Prädicat in der angegebenen Bedeutung; es kann daher näher ſo ausgedrückt werden: Dieſes iſt ein weſentlich Allgemeines.

Aber ein Dieſes iſt nicht ein weſentlich Allgemeines. Jenes ſeiner allgemeinen Form nach poſitive Urtheil überhaupt muß negativ genommen werden. Aber indem das Urtheil der Reflexion nicht bloß ein Poſitives iſt, ſo geht die Negation nicht direct das Prädicat an, das nicht inhärirt, ſondern das Anſichſeyende iſt. Das Subject iſt vielmehr das Veränderliche und zu Beſtimmende. Das negative Urtheil iſt hier daher ſo zu faſſen: Nicht ein Dieſes iſt ein Allgemeines der Reflexion; ein ſolches Anſich hat eine allgemeinere Exiſtenz als nur in einem Dieſen. Das ſingulare Urtheil hat hiermit ſeine nächſte Wahrheit im particularen.

b.
Das particulare Urtheil.

Die Nichteinzelnheit des Subjects, welche ſtatt ſeiner Singularität im erſten Reflexions-Urtheile geſetzt werden muß, iſt die Beſonderheit. Aber die Einzelnheit iſt im Reflexions-Urtheile als weſentliche Einzelnheit beſtimmt; die Beſonderheit kann daher nicht einfache, abſtracte Beſtimmung ſeyn, in welcher das Einzelne aufgehoben, das Exiſtirende zu Grunde gegangen wäre, ſondern nur als eine Erweiterung deſſelben in äußerer Reflexion; das Subject iſt daher: Einige Dieſe, oder eine beſondere Menge von Einzelnen.

Dieß Urtheil: Einige Einzelne ſind ein Allgemeines der Reflexion, erſcheint zunächſt als poſitives Urtheil, aber iſt ebenſo wohl negativ; denn Einiges enthält die Allgemeinheit; nach dieſer kann es als comprehenſiv betrachtet werden; aber inſofern es Beſonderheit iſt, iſt es ihr ebenſo ſehr nicht angemeſſen. Die negative Beſtimmung, welche das Subject durch den Uebergang des ſingularen Urtheils erhalten hat, iſt, wie oben gezeigt, auch Beſtimmung der Beziehung, der Copula. — In dem Urtheile, einige Menſchen ſind glückſelig, liegt die unmittelbare Conſequenz: einige Menſchen ſind nicht glückſelig. Wenn einige Dinge nützlich ſind, ſo ſind eben deswegen einige Dinge nicht nützlich. Das poſitive und negative Urtheil fallen nicht mehr außereinander, ſondern das particulare enthält unmittelbar beide zugleich, eben weil es ein Reflexions-Urtheil iſt. — Aber das particulare Urtheil iſt darum unbeſtimmt.

Betrachten wir weiter in dem Beiſpiele eines ſolchen Urtheils das Subject, einige Menſchen, Thiere u. ſ. f., ſo enthält es außer der particularen Formbeſtimmung: Einige, auch noch die Inhaltsbeſtimmung: Menſch u. ſ. f. Das Subject des ſingularen Urtheils konnte heißen: Dieſer Menſch, eine Singularität, die eigentlich dem äußerlichen Monſtriren angehört; es ſoll daher vielmehr lauten, etwa Cajus. Aber das Subject des particularen Urtheils kann nicht mehr ſeyn: Einige Caji; denn Cajus ſoll ein Einzelner als ſolcher ſeyn. Dem Einigen wird daher ein allgemeinerer Inhalt beigegeben, etwa Menſchen, Thieren u. ſ. f. Dieß iſt nicht bloß ein empiriſcher, ſondern durch die Form des Urtheils beſtimmter Inhalt; er iſt nämlich ein Allgemeines, weil Einige die Allgemeinheit enthält, und ſie zugleich von den Einzelnen, da die reflectirte Einzelnheit zu Grunde liegt, getrennt ſeyn muß. Näher iſt ſie auch die allgemeine Natur, oder die Gattung Menſch, Thier; — diejenige Allgemeinheit, welche das Reſultat des Reflexions-Urtheils iſt, anticipirt; wie auch das poſitive Urtheil, indem es das Einzelne zum Subjecte hat, die Beſtimmung anticipirte, welche Reſultat des Urtheils des Daſeyns iſt.

Das Subject, das die Einzelnen, deren Beziehung zur Beſonderheit, und die allgemeine Natur enthält, iſt inſofern ſchon geſetzt als die Totalität der Begriffsbeſtimmungen. Aber dieſe Betrachtung iſt eigentlich eine äußerliche. Was im Subjecte ſchon in Beziehung auf einander durch ſeine Form zunächſt geſetzt iſt, iſt die Erweiterung des Dieſen zur Beſonderheit; allein dieſe Verallgemeinerung iſt ihm nicht angemeſſen; Dieſes iſt ein vollkommen Beſtimmtes, einiges Dieſes aber iſt unbeſtimmt. Die Erweiterung ſoll dem Dieſen zukommen, alſo ihm entſprechend, vollkommen beſtimmt ſeyn; eine ſolche iſt die Totalität, oder zunächſt Allgemeinheit überhaupt.

Dieſe Allgemeinheit hat das Dieſes zu Grunde liegen, denn das Einzelne iſt hier das in ſich Reflectirte; ſeine weiteren Beſtimmungen verlaufen ſich daher äußerlich an ihm, und wie die Beſonderheit ſich deswegen als Einige beſtimmte, ſo iſt die Allgemeinheit, die das Subject erlangt hat, Allheit, und das particulare Urtheil iſt in das univerſelle übergegangen.

c.
Das univerſelle Urtheil.

Die Allgemeinheit, wie ſie am Subjecte des univerſellen Urtheils iſt, iſt die äußere Reflexions-Allgemeinheit, Allheit; Alle ſind alle Einzelne; das Einzelne iſt unverändert darin. Dieſe Allgemeinheit iſt daher nur ein Zuſammenfaſſen der für ſich beſtehenden Einzelnen; ſie iſt eine Gemeinſchaftlichkeit, welche ihnen nur in der Vergleichung zukommt. — Dieſe Gemeinſchaftlichkeit pflegt dem ſubjectiven Vorſtellen zunächſt einzufallen, wenn von Allgemeinheit die Rede iſt. Als der zunächſt liegende Grund, warum eine Beſtimmung als eine allgemeine angeſehen werden ſoll, wird angegeben, weil ſie Mehreren zukomme. In der Analyſe ſchwebt vornehmlich auch dieſer Begriff von Allgemeinheit vor, indem z. B. die Entwickelung einer Function an einem Polynomium für das Allgemeinere gilt, als die Entwickelung derſelben an einem Binomium; weil das Polynomium mehrere Einzelnheiten darſtellt, als das Binomium. Die Forderung, daß die Function in ihrer Allgemeinheit dargeſtellt würde, verlangt eigentlich ein Pantonomium, die erſchöpfte Unendlichkeit; aber hier ſtellt ſich von ſelbſt die Schranke jener Forderung ein, und die Darſtellung der unendlichen Menge muß ſich mit dem Sollen derſelben, und daher auch mit einem Polynomium begnügen. In der That aber iſt in den Fällen das Binomium ſchon das Pantonomium, in denen die Methode oder Regel nur die Abhängigkeit Eines Gliedes von Einem andern betrifft, und die Abhängigkeit Mehrerer Glieder von ihren vorhergehenden ſich nicht particularifirt, ſondern eine und dieſelbe Function zu Grunde liegen bleibt. Die Methode oder Regel iſt als das wahrhaft Allgemeine anzuſehen; in der Fortſetzung der Entwickelung, oder in der Entwickelung eines Polynomiums wird ſie nur wiederholt; ſie gewinnt ſomit durch die vergrößerte Mehrheit der Glieder nichts an Allgemeinheit. Es iſt von der ſchlechten Unendlichkeit und deren Täuſchung ſchon früher die Rede geweſen; die Allgemeinheit des Begriffs iſt das erreichte Jenſeits; jene Unendlichkeit bleibt mit dem Jenſeits als einem Unerreichbaren behaftet, inſofern ſie der bloße Progreß ins Unendliche bleibt. Wenn bei der Allgemeinheit nur die Allheit vorſchwebt, eine Allgemeinheit, welche in den Einzelnen als Einzelnen erſchöpft werden ſoll, ſo iſt dieß ein Rückfall in jene ſchlechte Unendlichkeit; oder aber es wird auch nur die Vielheit für Allheit genommen. Die Vielheit jedoch, ſo groß ſie auch ſey, bleibt ſchlechthin nur Particularität, und iſt nicht Allheit. — Es ſchwebt aber dabei die an und für ſich ſeyende Allgemeinheit des Begriffs dunkel vor; er iſt es, der gewaltſam über die beharrliche Einzelnheit, woran ſich die Vorſtellung hält, und über das Aeußerliche ihrer Reflexion hinaustreibt, und die Allheit als Totalität, oder vielmehr das kategoriſche An- und Fürſichſeyn unterſchiebt.

Dieß zeigt ſich auch ſonſt an der Allheit, welche überhaupt die empiriſche Allgemeinheit iſt. Inſofern das Einzelne als ein Unmittelbares vorausgeſetzt iſt, daher vorgefunden und äußerlich aufgenommen wird, iſt ihm die Reflexion, welche es zur Allheit zuſammenfaßt, ebenſo äußerlich. Weil aber das Einzelne als Dieſes ſchlechthin gleichgültig gegen dieſe Reflexion iſt, ſo können ſich die Allgemeinheit und ſolches Einzelnes nicht zu einer Einheit vereinigen. Die empiriſche Allheit bleibt darum eine Aufgabe; ein Sollen, welches ſo nicht als Seyn dargeſtellt werden kann. Ein empiriſch-allgemeiner Satz, denn es werden deren doch aufgeſtellt, beruht nun auf der ſtillſchweigenden Uebereinkunft, daß wenn nur keine Inſtanz des Gegentheils angeführt werden könne, die Mehrheit von Fällen für Allheit gelten ſolle; oder daß die ſubjective Allheit, nämlich die der zur Kenntniß gekommenen Fälle, für eine objective Allheit genommen werden dürfe.

Näher nun das univerſelle Urheil, bei dem wir ſtehen, betrachtet, ſo hat das Subject, das, wie vorhin bemerkt worden, die an- und fürſichſeyende Allgemeinheit als vorausgeſetzte enthält, dieſelbe nun auch als geſetzte an ihm. Alle Menſchen drückt erſtlich die Gattung Menſch aus, zweitens dieſe Gattung in ihrer Vereinzelung, aber ſo, daß die Einzelnen zugleich zur Allgemeinheit der Gattung erweitert ſind; umgekehrt iſt die Allgemeinheit durch dieſe Verknüpfung mit der Einzelnheit ebenſo vollkommen beſtimmt, als die Einzelnheit; hierdurch iſt die geſetzte Allgemeinheit der vorausgeſetzten gleich geworden.

Eigentlich aber iſt nicht auf das Vorausgeſetzte zum Voraus Rückſicht zu nehmen, ſondern das Reſultat an der Formbeſtimmung für ſich zu betrachten. — Die Einzelnheit, indem ſie ſich zur Allheit erweitert hat, iſt geſetzt als Negativität, welche identiſche Beziehung auf ſich iſt. Sie iſt damit nicht jene erſte Einzelnheit geblieben, wie z. B. die eines Cajus, ſondern iſt die mit der Allgemeinheit identiſche Beſtimmung, oder das abſolute Beſtimmtſeyn des Allgemeinen. — Jene erſte Einzelnheit des ſingularen Urtheils war nicht die unmittelbare des poſitiven Urtheils, ſondern durch die dialektiſche Bewegung des Urtheils des Daſeyns überhaupt entſtanden; ſie war ſchon beſtimmt, die negative Identität der Beſtimmungen jenes Urtheils zu ſeyn. Dieß iſt die wahrhafte Vorausſetzung im Reflexions-Urtheil; gegen das an dieſem ſich verlaufende Setzen war jene erſte Beſtimmtheit der Einzelnheit das Anſich derſelben; was ſie ſomit anſich iſt, iſt nun durch die Bewegung des Reflexions-Urtheils geſetzt, nämlich die Einzelnheit als identiſche Beziehung des Beſtimmten auf ſich ſelbſt. Dadurch iſt jene Reflexion, welche die Einzelnheit zur Allheit erweitert, eine ihr nicht äußerliche; ſondern es wird dadurch nur für ſich, was ſie ſchon an ſich iſt. — Das Reſultat iſt ſomit in Wahrheit die objective Allgemeinheit. Das Subject hat inſofern die Formbeſtimmung des Reflexions-Urtheils, welche vom Dieſen durch Einiges zur Allheit hindurchging, abgeſtreift; ſtatt Alle Menſchen iſt nunmehr zu ſagen: der Menſch.

Die Allgemeinheit, welche hierdurch entſtanden iſt, iſt die Gattung; die Allgemeinheit, welche an ihr ſelbſt Concretes iſt. Die Gattung inhärirt dem Subjecte nicht, oder iſt nicht eine einzelne Eigenſchaft, überhaupt nicht eine Eigenſchaft deſſelben; ſie enthält alle vereinzelte Beſtimmtheit in ihrer ſubſtantiellen Gediegenheit aufgelöſt. — Sie iſt darum, weil ſie als dieſe negative Identität mit ſich geſetzt iſt, weſentlich Subject; aber iſt in ihrem Prädicate nicht mehr ſubſumirt. Hiermit verändert ſich nun überhaupt die Natur des Reflexions-Urtheils.

Daſſelbe war weſentlich Urtheil der Subſumtion. Das Prädicat war als das anſichſeyende Allgemeine gegen ſein Subject beſtimmt; ſeinem Inhalte nach konnte es als weſentliche Verhältnißbeſtimmung oder auch als Merkmal genommen werden; — eine Beſtimmung, nach welcher das Subject nur eine weſentliche Erſcheinung iſt. Aber zur objectiven Allgemeinheit beſtimmt, hört es auf, unter ſolche Verhältnißbeſtimmung, oder zuſammenfaſſende Reflexion ſubſumirt zu ſeyn; ſolches Prädicat iſt gegen dieſe Allgemeinheit vielmehr ein Beſonderes. Das Verhältniß von Subject und Prädicat hat ſich ſomit umgekehrt, und das Urtheil ſich inſofern zunächſt aufgehoben.

Dieſe Aufhebung des Urtheils fällt mit dem zuſammen, was die Beſtimmung der Copula wird, die wir noch zu betrachten haben; die Aufhebung der Urtheilsbeſtimmungen und ihr Uebergang in die Copula iſt daſſelbe. — Inſofern nämlich das Subject ſich in die Allgemeinheit erhoben hat, iſt es in dieſer Beſtimmung dem Prädicate gleich geworden, welches als die reflectirte Allgemeinheit auch die Beſonderheit in ſich begreift; Subject und Prädicat ſich daher identiſch, d. i. ſie ſind in die Copula zuſammengegangen. Dieſe Identität iſt die Gattung, oder an und für ſich ſeyende Natur eines Dings. Inſofern dieſelbe alſo ſich wieder in ein Urtheil dirimirt, iſt es die innere Natur, wodurch ſich Subject und Prädicat auf einander beziehen; — eine Beziehung der Nothwendigkeit, worin jene Urtheilsbeſtimmungen nur unweſentliche Unterſchiede ſind. Was allen Einzelnen einer Gattung zukommt, kommt durch ihre Natur der Gattung zu, — iſt eine unmittelbare Conſequenz, und der Ausdruck deſſen, was ſich vorhin ergab, daß das Subject z. B. alle Menſchen, ſeine Formbeſtimmung abſtreift, und der Menſch dafür zu ſagen iſt. — Dieſer an und für ſich ſeyende Zuſammenhang macht die Grundlage eines neuen Urtheils aus; — des Urtheils der Nothwendigkeit.

C.
Das Urtheil der Nothwendigkeit.

Die Beſtimmung, zu der ſich die Allgemeinheit fortgebildet hat, iſt, wie ſich ergeben, die an- und fürſichſeyende oder objective Allgemeinheit, der in der Sphäre des Weſens die Subſtantialität entſpricht. Sie unterſcheidet ſich von dieſer dadurch, daß ſie dem Begriffe angehört, und dadurch nicht nur die innere, ſondern auch die geſetzte Nothwendigkeit ihrer Beſtimmungen, oder daß der Unterſchied ihr immanent iſt, wogegen die Subſtanz den ihrigen nur in ihren Accidenzen, nicht aber als Princip in ſich ſelbſt hat.

Im Urtheil iſt nun dieſe objective Allgemeinheit geſetzt; ſomit erſtlich mit dieſer ihrer weſentlichen Beſtimmtheit, als ihr immanent, zweitens als von ihr als Beſonderheit verſchieden, von der jene Allgemeinheit die ſubſtantielle Grundlage ausmacht. Sie iſt auf dieſe Weiſe als Gattung und Art beſtimmt.

a.
Das kategoriſche Urtheil.

Die Gattung theilt ſich, oder ſtößt ſich weſentlich in Arten ab; ſie iſt Gattung, nur inſofern ſie Arten unter ſich begreift, die Art iſt Art nur, inſofern ſie einerſeits in Einzelnen exiſtirt, andererſeits in der Gattung eine höhere Allgemeinheit iſt. — Das kategoriſche Urtheil hat nun eine ſolche Allgemeinheit zum Prädicate, an dem das Subject ſeine immanente Natur hat. Es iſt aber ſelbſt das erſte oder unmittelbare Urtheil der Nothwendigkeit; daher die Beſtimmtheit des Subjects, wodurch es gegen die Gattung oder Art ein Beſonderes oder Einzelnes iſt, inſofern der Unmittelbarkeit äußerlicher Exiſtenz angehört. — Die objective Allgemeinheit aber hat ebenſo hier nur erſt ihre unmittelbare Particulariſation; einerſeits iſt ſie darum ſelbſt eine beſtimmte, gegen welche es höhere Gattungen giebt; — andererſeits iſt ſie nicht gerade die nächſte, d. h. deren Beſtimmtheit nicht gerade das Princip der ſpecifiſchen Beſonderheit des Subjects iſt. Was aber daran nothwendig iſt, iſt die ſubſtantielle Identität des Subjects und Prädicats, gegen welche das Eigene, wodurch ſich jenes von dieſem unterſcheidet, nur als ein unweſentliches Geſetztſeyn, — oder auch nur ein Namen iſt; das Subject iſt in ſeinem Prädicate in ſein An- und Fürſichſeyn reflectirt. — Ein ſolches Prädicat ſollte mit den Prädicaten der bisherigen Urtheile nicht zuſammengeſtellt werden, wenn z. B. die Urtheile:

die Roſe iſt roth,
die Roſe iſt eine Pflanze,
oder: dieſer Ring iſt gelb,
er iſt Gold,

in Eine Klaſſe zuſammengeworfen, und eine ſo äußerliche Eigenſchaft, wie die Farbe einer Blume als ein gleiches Prädicat mit ihrer vegetabiliſchen Natur genommen wird, ſo wird ein Unterſchied überſehen, der dem gemeinſten Auffaſſen auffallen muß. — Das kategoriſche Urtheil iſt daher beſtimmt von dem poſitiven und negativen Urtheile zu unterſcheiden; in dieſen iſt das, was vom Subject ausgeſagt wird, ein einzelner zufälliger Inhalt, in jenem iſt er die Totalität der in ſich reflectirten Form. Die Copula hat daher in ihm die Bedeutung der Nothwendigkeit, in jenen nur des abſtracten, unmittelbaren Seyns.

Die Beſtimmtheit des Subjects, wodurch es ein Beſonderes gegen das Prädicat iſt, iſt zunächſt noch ein Zufälliges; Subject und Prädicat ſind nicht durch die Form oder Beſtimmtheit als nothwendig bezogen; die Nothwendigkeit iſt daher noch als innere. — Das Subject aber iſt Subject nur als Beſonderes, und inſofern es objective Allgemeinheit hat, ſoll es ſie weſentlich nach jener erſt unmittelbaren Beſtimmtheit haben. Das Objectiv-Allgemeine, indem es ſich beſtimmt, d. i. ſich ins Urtheil ſetzt, iſt weſentlich in identiſcher Beziehung mit dieſer aus ihm abgeſtoßenen Beſtimmtheit als ſolcher, d. i. ſie iſt weſentlich, nicht als bloß Zufälliges zu ſetzen. Das kategoriſche Urtheil entſpricht erſt durch dieſe Nothwendigkeit ſeines unmittelbaren Seyns ſeiner objectiven Allgemeinheit, und iſt auf dieſe Weiſe in das hypothetiſche Urtheil übergegangen.

b.
Das hypothetiſche Urtheil.

Wenn A iſt, ſo iſt B; oder das Seyn des A iſt nicht ſein eigenes Seyn, ſondern das Seyn eines Andern, des B. — Was in dieſem Urtheil geſetzt iſt, iſt der nothwendige Zuſammenhang von unmittelbaren Beſtimmtheiten, welcher im kategoriſchen Urtheile noch nicht geſetzt iſt. — Es ſind hier zwei unmittelbare Exiſtenzen, oder äußerlich zufällige, deren im kategoriſchen Urtheile zunächſt nur eine, das Subject, iſt; indem aber das eine äußerlich gegen das andere iſt, ſo iſt unmittelbar dieß andere auch äußerlich gegen das erſte. — Nach dieſer Unmittelbarkeit iſt der Inhalt beider Seiten noch ein gleichgültiger gegen einander; dieß Urtheil iſt daher zunächſt ein Satz der leeren Form. Nun iſt die Unmittelbarkeit erſtlich zwar als ſolche ein ſelbſtſtändiges, concretes Seyn; aber zweitens iſt die Beziehung deſſelben das weſentliche; jenes Seyn iſt daher ebenſo ſehr als bloße Möglichkeit; das hypothetiſche Urtheil enthält nicht, daß A iſt, oder daß B iſt, ſondern nur wenn eines iſt, ſo iſt das andere; nur der Zuſammenhang der Extreme iſt geſetzt als ſeyend, nicht ſie ſelbſt. Vielmehr iſt in dieſer Nothwendigkeit jedes geſetzt, als ebenſo ſehr das Seyn eines Andern. — Der Satz der Identität ſagt aus: A iſt nur A, nicht B; und B iſt nur B, nicht A; im hypothetiſchen Urtheil iſt dagegen das Seyn der endlichen Dinge nach ihrer formellen Wahrheit durch den Begriff geſetzt, daß nämlich das Endliche ſein eigenes Seyn, aber ebenſo ſehr nicht das ſeinige, ſondern das Seyn eines Andern iſt. In der Sphäre des Seyns verändert ſich das Endliche, es wird zu einem Andern; in der Sphäre des Weſens iſt es Erſcheinung und geſetzt, daß das Seyn darin beſteht, daß ein Anderes an ihm ſcheint, und die Nothwendigkeit iſt die innere, noch nicht als ſolche geſetzte, Beziehung. Der Begriff aber iſt dieß, daß dieſe Identität geſetzt iſt, und daß das Seyende nicht die abſtracte Identität mit ſich, ſondern die concrete iſt, und unmittelbar an ihm ſelbſt das Seyn eines Andern.

Das hypothetiſche Urtheil kann durch die Reflexions-Verhältniſſe in näherer Beſtimmtheit genommen werden, als Verhältniß von Grund und Folge, Bedingung und Bedingtem, Cauſalität u. ſ. f. Wie im kategoriſchen Urtheile die Subſtantialität, ſo iſt im hypothetiſchen der Zuſammenhang der Cauſalität in ſeiner Begriffsform. Dieſes und die andern Verhältniſſe ſtehen ſämmtlich unter ihm, ſind aber hier nicht mehr als Verhältniſſe von ſelbſtſtändigen Seiten, ſondern dieſe ſind weſentlich nur als Momente Einer und derſelben Identität. — Jedoch ſind ſie in ihm noch nicht nach den Begriffsbeſtimmungen als Einzelnes oder Beſonderes und Allgemeines entgegengeſetzt, ſondern nur erſt als Momente überhaupt. Das hypothetiſche Urtheil hat inſofern mehr die Geſtalt eines Satzes; wie das particulare Urtheil von unbeſtimmtem Inhalte iſt, ſo iſt das hypothetiſche von unbeſtimmter Form, indem ſein Inhalt ſich nicht in der Beſtimmung von Subject und Prädicat verhält. — Doch an ſich iſt das Seyn, da es das Seyn des Andern iſt, eben dadurch Einheit ſeiner ſelbſt und des Andern, und hiermit Allgemeinheit; es iſt damit zugleich eigentlich nur ein Beſonderes, da es Beſtimmtes, und in ſeiner Beſtimmtheit ſich nicht bloß auf ſich Beziehendes iſt. Es iſt aber nicht die einfache abſtracte Beſonderheit geſetzt, ſondern durch die Unmittelbarkeit, welche die Beſtimmtheiten haben, ſind die Momente derſelben als unterſchiedene; zugleich durch die Einheit derſelben, die ihre Beziehung ausmacht, iſt die Beſonderheit auch als die Totalität derſelben. — Was in Wahrheit daher in dieſem Urtheile geſetzt iſt, iſt die Allgemeinheit, als die concrete Identität des Begriffs, deſſen Beſtimmungen kein Beſtehen für ſich haben, ſondern nur in ihr geſetzte Beſonderheiten ſind. So iſt es das disjunctive Urtheil.

c.
Das disjunctive Urtheil.

Im kategoriſchen Urtheil iſt der Begriff als objective Allgemeinheit, und eine äußerliche Einzelnheit. Im hypothetiſchen tritt an dieſer Aeußerlichkeit der Begriff in ſeiner negativen Identität hervor; durch dieſe erhalten ſie die nun im disjunctiven Urtheile geſetzte Beſtimmtheit, welche ſie im erſtern unmittelbar haben. Das disjunctive Urtheil iſt daher die objective Allgemeinheit zugleich in der Vereinigung mit der Form geſetzt. Es enthält alſo erſtens die concrete Allgemeinheit oder die Gattung, in einfacher Form, als das Subject; zweitens dieſelbe aber als Totalität ihrer unterſchiedenen Beſtimmungen. A iſt entweder B oder C. Dieß iſt die Nothwendigkeit des Begriffs, worin erſtens die Dieſelbigkeit beider Extreme einerlei Umfang, Inhalt und Allgemeinheit iſt; zweitens ſind ſie nach der Form der Begriffsbeſtimmungen unterſchieden, ſo daß aber um jener Identität willen dieſe als bloße Form iſt. Drittens erſcheint die identiſche objective Allgemeinheit deswegen als das in ſich Reflectirte gegen die unweſentliche Form, als Inhalt, der aber an ihm ſelbſt die Beſtimmtheit der Form hat; das eine Mal als die einfache Beſtimmtheit der Gattung; das andere Mal eben dieſe Beſtimmtheit als in ihren Unterſchied entwickelt, — auf welche Weiſe ſie die Beſonderheit der Arten, und deren Totalität, die Allgemeinheit der Gattung, iſt. — Die Beſonderheit in ihrer Entwickelung macht das Prädicat aus, weil ſie inſofern das Allgemeine iſt, als ſie die ganze allgemeine Sphäre des Subjects, aber auch dieſelbe in der Auseinanderſetzung der Beſonderung enthält.

Dieſe Beſonderung näher betrachtet, ſo macht vor's Erſte die Gattung die ſubſtantielle Allgemeinheit der Arten aus; das Subject iſt daher ſowohl B als C; dieſes ſowohl als bezeichnet die poſitive Identität des Beſondern mit dem Allgemeinen; dieß objective Allgemeine erhält ſich vollkommen in ſeiner Beſonderheit. Die Arten zweitens ſchließen ſich gegenſeitig aus; A iſt entweder B oder C; denn ſie ſind der beſtimmte Unterſchied der allgemeinen Sphäre. Dieß Entweder-Oder iſt die negative Beziehung derſelben. In dieſer ſind ſie aber ebenſo identiſch als in jener; die Gattung iſt ihre Einheit als beſtimmter Beſonderen. — Wäre die Gattung eine abſtracte Allgemeinheit, wie in den Urtheilen des Daſeyns, ſo wären die Arten auch nur als verſchiedene und gegen einander gleichgültige zu nehmen; ſie iſt aber nicht jene äußere, nur durch Vergleichung und Weglaſſung entſtandene Allgemeinheit, ſondern ihre immanente und concrete. — Ein empiriſches disjunctives Urtheil iſt ohne Nothwendigkeit; A iſt entweder B oder C oder D u. ſ. f., weil die Arten B, C, D u. ſ. f. ſich vorgefunden haben; es kann eigentlich kein Entweder-Oder dadurch ausgeſprochen werden; denn ſolche Arten machen nur etwa eine ſubjective Vollſtändigkeit aus; die eine Art ſchließt zwar die andere aus; aber Entweder Oder ſchließt jede weitere aus, und ſchließt eine totale Sphäre in ſich ab. Dieſe Totalität hat ihre Nothwendigkeit in der negativen Einheit des Objectiv-Allgemeinen, welches die Einzelnheit in ſich aufgelöſt, und als einfaches Princip des Unterſchieds immanent in ſich hat, wodurch die Arten beſtimmt und bezogen ſind. Die empiriſchen Arten dagegen haben ihre Unterſchiede an irgend einer Zufälligkeit, die ein äußerliches Princip, oder daher nicht ihr Princip, ſomit auch nicht die immanente Beſtimmtheit der Gattung iſt; ſie ſind darum nach ihrer Beſtimmtheit auch nicht auf einander bezogen. — Durch die Beziehung ihrer Beſtimmtheit machen die Arten aber die Allgemeinheit des Prädicats aus. — Die ſogenannten conträren und contradictoriſchen Begriffe ſollten hier eigentlich erſt ihre Stelle finden; denn im disjunctiven Urtheile iſt der weſentliche Begriffsunterſchied geſetzt; aber ſie haben darin auch zugleich ihre Wahrheit, daß nämlich das Conträre und Contradictoriſche ſelbſt ebenſo wohl conträr als contradictoriſch unterſchieden iſt. Conträr ſind die Arten, inſofern ſie nur verſchieden ſind, nämlich durch die Gattung als ihre objective Natur haben ſie ein an- und fürſichſeyendes Beſtehen; contradictoriſch, inſofern ſie ſich ausſchließen. Jede dieſer Beſtimmungen für ſich iſt aber einſeitig und ohne Wahrheit; im Entweder-Oder des disjunctiven Urtheils iſt ihre Einheit als ihre Wahrheit geſetzt, nach welcher jenes ſelbſtſtändiges Beſtehen als concrete Allgemeinheit ſelbſt auch das Princip der negativen Einheit iſt, wodurch ſie ſich gegenſeitig ausſchließen.

Durch die ſo eben aufgezeigte Identität des Subjects und Prädicats nach der negativen Einheit iſt die Gattung im disjunctiven Urtheile als die nächſte beſtimmt. Dieſer Ausdruck deutet zunächſt auf einen bloßen Quantitäts-Unterſchied von Mehr oder Weniger Beſtimmungen, die ein Allgemeines gegen eine unter ihm ſtehende Beſonderheit enthalte. Es bleibt hiernach zufällig, was eigentlich die nächſte Gattung iſt. Inſofern aber die Gattung als ein bloß durch Weglaſſen von Beſtimmungen gebildetes Allgemeines genommen wird, kann ſie eigentlich kein disjunctives Urtheil bilden; denn es iſt zufällig, ob die Beſtimmtheit etwa in ihr noch geblieben ſey, welche das Princip des Entweder-Oder ausmacht; die Gattung wäre überhaupt nicht nach ihrer Beſtimmtheit in den Arten dargeſtellt, und dieſe könnten nur eine zufällige Vollſtändigkeit haben. In dem kategoriſchen Urtheile iſt die Gattung zunächſt nur in dieſer abſtracten Form gegen das Subject, daher nicht nothwendig die ihm nächſte Gattung, und inſofern äußerlich. Indem aber die Gattung als concrete weſentlich beſtimmte Allgemeinheit iſt, ſo iſt ſie als die einfache Beſtimmtheit die Einheit von den Begriffs-Momenten, welche in jener Einfachheit nur aufgehoben ſind, aber ihren realen Unterſchied in den Arten haben. Die Gattung iſt daher inſofern die nächſte einer Art, als dieſe ihre ſpecifiſche Unterſcheidung an der weſentlichen Beſtimmtheit jener, und die Arten überhaupt ihre unterſchiedene Beſtimmung als Princip in der Natur der Gattung haben.

Die ſo eben betrachtete Seite macht die Identität des Subjects und Prädicats nach der Seite des Beſtimmtſeyns überhaupt aus; eine Seite, die durch das hypothetiſche Urtheil geſetzt worden, deſſen Nothwendigkeit eine Identität Unmittelbarer und Verſchiedener, daher weſentlich als negative Einheit iſt. Dieſe negative Einheit iſt es überhaupt, welche das Subject und Prädicat abſcheidet, die aber nunmehr ſelbſt als unterſchieden geſetzt iſt, im Subjecte als einfache Beſtimmtheit, im Prädicate als Totalität. Jenes Abſcheiden des Subjects und Prädicats iſt der Begriffsunterſchied; die Totalität der Arten im Prädicat kann aber eben ſo kein anderer ſeyn. — Die Beſtimmung der disjunctiven Glieder gegen einander ergiebt ſich alſo hierdurch. Sie reducirt ſich auf den Unterſchied des Begriffs, denn es iſt nur dieſer, der ſich disjungirt, und in ſeiner Beſtimmung ſeine negative Einheit offenbart. Uebrigens kommt die Art hier nur in Betracht nach ihrer einfachen Begriffsbeſtimmtheit, nicht nach der Geſtalt, wie ſie aus der Idee in weitere ſelbſtſtändige Realität getreten iſt; dieſe fällt allerdings in dem einfachen Princip der Gattung weg; aber die weſentliche Unterſcheidung muß Moment des Begriffs ſeyn. In dem hier betrachteten Urtheil iſt eigentlich durch die eigene Fortbeſtimmung des Begriffs nunmehr ſelbſt ſeine Disjunction geſetzt, dasjenige, was ſich beim Begriff als ſeine an- und fürſichſeyende Beſtimmung, als ſeine Unterſcheidung in beſtimmte Begriffe ergeben hat. — Weil er nun das Allgemeine, die poſitive ebenſo ſehr, wie die negative Totalität der Beſondern iſt, ſo iſt er ſelbſt eben dadurch auch unmittelbar eines ſeiner disjunctiven Glieder; das andere aber iſt dieſe Allgemeinheit in ihre Beſonderheit aufgelöſt, oder die Beſtimmtheit des Begriffs, als Beſtimmtheit; in welcher eben die Allgemeinheit ſich als die Totalität darſtellt. — Wenn die Disjunction einer Gattung in Arten noch nicht dieſe Form erreicht hat, ſo iſt dieß ein Beweis, daß ſie ſich nicht zur Beſtimmtheit des Begriffes erhoben, und nicht aus ihm hervorgegangen iſt. — Die Farbe iſt entweder violet, indigoblau, hellblau, grün, gelb, orange, oder roth; — ſolcher Disjunction iſt ihre auch empiriſche Vermiſchung und Unreinheit ſogleich anzuſehen; ſie iſt von dieſer Seite, für ſich betrachtet, ſchon barbariſch zu nennen. Wenn die Farbe als die concrete Einheit von Hell und Dunkel begriffen worden, ſo hat dieſe Gattung die Beſtimmtheit an ihr, welche das Princip ihrer Beſonderung in Arten ausmacht. Von dieſen aber muß die eine die ſchlechthin einfache Farbe ſeyn, welche den Gegenſatz gleichſchwebend und in ihre Intenſität eingeſchloſſen und negirt enthält; ihr gegenüber muß der Gegenſatz des Verhältniſſes des Hellen und Dunkeln ſich darſtellen, wozu, da es ein Naturphänomen betrifft, noch die gleichgültige Neutralität des Gegenſatzes kommen muß. — Vermiſchungen, wie Violet und Orange, und Gradunterſchiede, wie Indigoblau und Hellblau, für Arten zu halten, kann nur in einem ganz unüberlegten Verfahren ſeinen Grund haben, das ſelbſt für den Empirismus zu wenig Reflexion zeigt. — Was übrigens die Disjunction, je nachdem ſie im Elemente der Natur oder des Geiſtes geſchieht, für unterſchiedene und noch näher beſtimmte Formen habe, gehört nicht hierher auszuführen.

Das disjunctive Urtheil hat zunächſt in ſeinem Prädicate die Glieder der Disjunction; aber ebenſo ſehr iſt es ſelbſt disjungirt; ſein Subject und Prädicat ſind die Glieder der Disjunction; ſie ſind die in ihrer Beſtimmtheit aber zugleich als identiſch geſetzten Begriffs-Momente, als identiſch α) in der objectiven Allgemeinheit, welche in dem Subjecte als die einfache Gattung, und in dem Prädicat als die allgemeine Sphäre und als Totalität der Begriffs-Momente iſt, und β) in der negativen Einheit, dem entwickelten Zuſammenhange der Nothwendigkeit, nach welchem die einfache Beſtimmtheit im Subjecte in den Unterſchied der Arten auseinandergegangen, und eben darin deren weſentliche Beziehung und das mit ſich ſelbſt Identiſche iſt.

Dieſe Einheit, die Copula dieſes Urtheils, worin die Extreme durch ihre Identität zuſammen gegangen ſind, iſt ſomit der Begriff ſelbſt, und zwar als geſetzt; das bloße Urtheil der Nothwendigkeit hat ſich damit zum Urtheil des Begriffs erhoben.

D.
Das Urtheil des Begriffs.

Urtheile des Daſeyns fällen zu wiſſen: Die Roſe iſt roth, der Schnee iſt weiß u. ſ. f., wird ſchwerlich dafür gelten, daß es große Urtheilskraft zeige. Die Urtheile der Reflexion ſind mehr Sätze; in dem Urtheile der Nothwendigkeit iſt der Gegenſtand zwar in ſeiner objectiven Allgemeinheit, aber erſt im jetzt zu betrachtenden Urtheil iſt ſeine Beziehung auf den Begriff vorhanden. Dieſer iſt darin zu Grund gelegt, und da er in Beziehung auf den Gegenſtand iſt als ein Sollen, dem die Realität angemeſſen ſeyn kann oder auch nicht. — Solches Urtheil enthält daher erſt eine wahrhafte Beurtheilung; die Prädicate gut, ſchlecht, wahr, ſchön, richtig u. ſ. f. drücken aus, daß die Sache an ihrem allgemeinen Begriffe, als dem ſchlechthin vorausgeſetzten Sollen gemeſſen, und in Uebereinſtimmen mit demſelben iſt, oder nicht.

Man hat das Urtheil des Begriffs Urtheil der Modalität genannt, und ſieht es dafür an, daß es die Form enthalte, wie die Beziehung des Subjects und Prädicats ſich in einem äußerlichen Verſtande verhalte, und daß es den Werth der Copula nur in Beziehung auf das Denken angehe. Das problematiſche Urtheil beſtehe hiernach darin, wenn man das Bejahen oder Verneinen als beliebig oder als möglich; — das aſſertoriſche, wenn man es als wahr, d. h. wirklich, und das apodictiſche, wenn man es als nothwendig annehme. — Man ſieht leicht, warum es ſo nahe liegt, bei dieſem Urtheil aus dem Urtheile ſelbſt herauszutreten, und ſeine Beſtimmung als etwas bloß Subjectives zu betrachten. Es iſt hier nämlich der Begriff, das Subjective, welches am Urtheil wieder hervortritt, und ſich zu einer unmittelbaren Wirklichkeit verhält. Allein dieß Subjective iſt nicht mit der äußerlichen Reflexion zu verwechſeln, die freilich auch etwas Subjectives iſt, aber in anderem Sinne als der Begriff ſelbſt; dieſer, der aus dem disjunctiven Urtheil wieder hervortritt, iſt vielmehr das Gegentheil einer bloßen Art und Weiſe. Die früheren Urtheile ſind in dieſem Sinne nur ein Subjectives, denn ſie beruhen auf einer Abſtraction und Einſeitigkeit, in der der Begriff verloren iſt. Das Urtheil des Begriffs iſt vielmehr das objective und die Wahrheit gegen ſie, eben weil ihm der Begriff, aber nicht in äußerer Reflexion oder in Beziehung auf ein ſubjectives, d. h. zufälliges Denken, ſeiner Beſtimmtheit als Begriff zu Grunde liegt.

Im disjunctiven Urtheile war der Begriff als Identität der allgemeinen Natur mit ihrer Beſonderung geſetzt; hiermit hatte ſich das Verhältniß des Urtheils aufgehoben. Dieſes Concrete der Allgemeinheit und der Beſonderung iſt zunächſt einfaches Reſultat; es hat ſich nun weiter zur Totalität auszubilden, indem die Momente, die es enthält, darin zunächſt untergegangen, und noch nicht in beſtimmter Selbſtſtändigkeit einander gegenüberſtehen. — Der Mangel des Reſultats kann beſtimmter auch ſo ausgedrückt werden, daß im disjunctiven Urtheile die objective Allgemeinheit zwar in ihrer Beſonderung vollkommen geworden iſt, daß aber die negative Einheit der letztern nur in jene zurückgeht, und noch nicht zum Dritten, zur Einzelnheit, ſich beſtimmt hat. — Inſofern aber das Reſultat ſelbſt die negative Einheit iſt, ſo iſt es zwar ſchon dieſe Einzelnheit; aber ſo iſt es nur dieſe Eine Beſtimmtheit, die nun ihre Negativität zu ſetzen, ſich in die Extreme zu dirimiren, und auf dieſe Weiſe vollends zum Schluſſe zu entwickeln hat.

Die nächſte Diremtion dieſer Einheit iſt das Urtheil, in welchem ſie das eine Mal als Subject, als ein unmittelbar Einzelnes, und dann als Prädicat, als beſtimmte Beziehung ihrer Momente geſetzt iſt.

a.
Das aſſertoriſche Urtheil.

Das Urtheil des Begriffs iſt zuerſt unmittelbar; ſo iſt es das aſſertoriſche Urtheil. Das Subject iſt ein concretes Einzelnes überhaupt, das Prädicat drückt daſſelbe als die Beziehung ſeiner Wirklichkeit, Beſtimmtheit oder Beſchaffenheit, auf ſeinen Begriff aus. (Dieß Haus iſt ſchlecht, dieſe Handlung iſt gut.) Näher enthält es alſo, a) daß das Subject etwas ſeyn ſoll; ſeine allgemeine Natur hat ſich als der ſelbſtſtändige Begriff geſetzt; b) die Beſonderheit, welche nicht nur um ihrer Unmittelbarkeit, ſondern um ihrer ausdrücklichen Unterſcheidung willen von ihrer ſelbſtſtändigen allgemeinen Natur, als Beſchaffenheit und äußerliche Exiſtenz iſt; dieſe iſt um der Selbſtſtändigkeit des Begriffes willen ihrerſeits auch gleichgültig gegen das Allgemeine, und kann ihm angemeſſen oder auch nicht ſeyn. — Dieſe Beſchaffenheit iſt die Einzelnheit, welche über die nothwendige Beſtimmung des Allgemeinen im disjunctiven Urtheil hinausliegt, eine Beſtimmung, welche nur als die Beſonderung der Art und als negatives Princip der Gattung iſt. Inſofern iſt die concrete Allgemeinheit, die aus dem disjunctiven Urtheil hervorgegangen iſt, in dem aſſertoriſchen Urtheil in die Form von Extremen entzweit, denen der Begriff ſelbſt als geſetzte, ſie beziehende Einheit noch fehlt.

Das Urtheil iſt darum nur erſt aſſertoriſch; ſeine Bewährung iſt eine ſubjective Verſicherung. Daß Etwas gut oder ſchlecht, richtig, paſſend oder nicht u. ſ. f. iſt, hat ſeinen Zuſammenhang in einem äußern Dritten. Daß er aber äußerlich geſetzt iſt, iſt daſſelbe, daß er nur erſt an ſich oder innerlich iſt. — Wenn Etwas gut oder ſchlecht u. ſ. f. iſt, wird daher wohl Niemand meinen, daß es nur im ſubjectiven Bewußtſeyn etwa gut, aber an ſich vielleicht ſchlecht, oder daß gut und ſchlecht, richtig, paſſend u. ſ. f. nicht Prädicate der Gegenſtände ſelbſt ſeyen. Das bloß Subjective der Aſſertion dieſes Urtheils beſteht alſo darin, daß der an ſich ſeyende Zuſammenhang des Subjects und Prädicats noch nicht geſetzt, oder, was daſſelbe iſt, daß er nur äußerlich iſt; die Copula iſt noch ein unmittelbares, abſtractes Seyn.

Der Verſicherung des aſſertoriſchen Urtheils ſteht daher mit eben dem Rechte die entgegengeſetzte gegenüber. Wenn verſichert wird: Dieſe Handlung iſt gut; ſo hat die entgegengeſetzte: Dieſe Handlung iſt ſchlecht, noch gleiche Berechtigung. — Oder an ſich betrachtet, weil das Subject des Urtheils unmittelbares Einzelnes iſt, hat es in dieſer Abſtraction noch die Beſtimmtheit nicht an ihm geſetzt, welche ſeine Beziehung auf den allgemeinen Begriff enthielte; es iſt ſo noch ein Zufälliges, ebenſo wohl dem Begriffe zu entſprechen, oder auch nicht. Das Urtheil iſt daher weſentlich problematiſch.

b.
Das problematiſche Urtheil.

Das problematiſche Urtheil iſt das aſſertoriſche, inſofern dieſes ebenſo wohl poſitiv als negativ genommen werden muß. — Nach dieſer qualitativen Seite iſt das particulare Urtheil gleichfalls ein problematiſches; denn es gilt ebenſo ſehr poſitiv als negativ; — ingleichen iſt am hypothetiſchen Urtheil das Seyn des Subjects und Prädicats problematiſch; — auch durch ſie iſt es geſetzt, daß das ſingulare und das kategoriſche Urtheil noch etwas bloß Subjectives iſt. Im problematiſchen Urtheile als ſolchem iſt aber dieß Setzen immanenter als in den erwähnten Urtheilen, weil in jenem der Inhalt des Prädicats die Beziehung des Subjects auf den Begriff iſt, hier hiermit die Beſtimmung des Unmittelbaren als eines Zufälligen ſelbſt vorhanden iſt.

Zunächſt erſcheint es nur als problematiſch, ob das Prädicat mit einem gewiſſen Subjecte verbunden werden ſoll oder nicht, und die Unbeſtimmtheit fällt inſofern in die Copula. Für das Prädicat kann daraus keine Beſtimmung hervorgehen, denn es iſt ſchon die objective, concrete Allgemeinheit. Das Problematiſche geht alſo die Unmittelbarkeit des Subjects an, welche hierdurch als Zufälligkeit beſtimmt wird. — Ferner aber iſt darum nicht von der Einzelnheit des Subjects zu abſtrahiren; von dieſer überhaupt gereinigt, wäre es nur ein Allgemeines; das Prädicat enthält eben dieß, daß der Begriff des Subjects in Beziehung auf ſeine Einzelnheit geſetzt ſeyn ſoll. — Es kann nicht geſagt werden: Das Haus oder ein Haus iſt gut, ſondern: je nachdem es beſchaffen iſt. — Das Problematiſche des Subjects an ihm ſelbſt macht ſeine Zufälligkeit als Moment aus; die Subjectivität der Sache, ihrer objectiven Natur oder ihrem Begriffe gegenüber geſtellt, die bloße Art und Weiſe, oder die Beſchaffenheit.

Somit iſt das Subject ſelbſt in ſeine Allgemeinheit oder objective Natur, ſein Sollen, und in die beſondere Beſchaffenheit des Daſeyns unterſchieden. Hiermit enthält es den Grund, ob es ſo iſt, wie es ſeyn ſoll. Auf dieſe Weiſe iſt es mit dem Prädicate ausgeglichen. — Die Negativität des Problematiſchen, inſofern ſie gegen die Unmittelbarkeit des Subjects gerichtet iſt, heißt hiernach nur dieſe urſprüngliche Theilung deſſelben, welches an ſich ſchon als Einheit des Allgemeinen und Beſondern iſt, in dieſe ſeine Momente; — eine Theilung, welche das Urtheil ſelbſt iſt.

Es kann noch die Bemerkung gemacht werden, daß jede der beiden Seiten des Subjects, ſein Begriff und ſeine Beſchaffenheit, deſſen Subjectivität genannt werden könne. Der Begriff iſt das in ſich gegangene allgemeine Weſen einer Sache, ihre negative Einheit mit ſich ſelbſt; dieſe macht ihre Subjectivität aus. Aber eine Sache iſt auch weſentlich zufällig, und hat eine äußerliche Beſchaffenheit; dieſe heißt ebenſo ſehr deren bloße Subjectivität, jener Objectivität gegenüber. Die Sache ſelbſt iſt eben dieß, daß ihr Begriff als die negative Einheit ſeiner ſelbſt ſeine Allgemeinheit negirt, und in die Aeußerlichkeit der Einzelnheit ſich herausſetzt. — Als dieſes Gedoppelte iſt das Subject des Urtheils hier geſetzt; jene entgegenſtehenden Bedeutungen der Subjectivität ſind ihrer Wahrheit nach in Einem. — Die Bedeutung des Subjectiven iſt dadurch ſelbſt problematiſch geworden, daß es die unmittelbare Beſtimmtheit, welche es im unmittelbaren Urtheile hatte, und ſeinen beſtimmten Gegenſatz gegen das Prädicat verloren hat. — Jene auch in dem Räſonnement der gewöhnlichen Reflexion vorkommende entgegengeſetzte Bedeutung des Subjectiven könnte für ſich wenigſtens darauf aufmerkſam machen, daß es in einer derſelben keine Wahrheit hat. Die gedoppelte Bedeutung iſt die Erſcheinung hiervon, daß jede einzeln für ſich einſeitig iſt.

Das Problematiſche, ſo als Problematiſches der Sache, die Sache mit ihrer Beſchaffenheit, geſetzt, ſo iſt das Urtheil ſelbſt nicht mehr problematiſch, ſondern apodictiſch.

c.
Das apodictiſche Urtheil.

Das Subject des apodictiſchen Urtheils (das Haus ſo und ſo beſchaffen iſt gut, die Handlung ſo und ſo beſchaffen iſt recht) hat an ihm erſtens das Allgemeine, was es ſeyn ſoll, zweitens ſeine Beſchaffenheit; dieſe enthält den Grund, warum dem ganzen Subject ein Prädicat des Begriffsurtheils zukommt oder nicht, d. i. ob das Subject ſeinem Begriffe entſpricht oder nicht. — Dieſes Urtheil iſt nun wahrhaft objectiv; oder es iſt die Wahrheit des Urtheils überhaupt. Subject und Prädicat entſprechen ſich, und haben denſelben Inhalt, und dieſer Inhalt iſt ſelbſt die geſetzte concrete Allgemeinheit; er enthält nämlich die zwei Momente, das objective Allgemeine oder die Gattung, und das Vereinzelnte. Es iſt hier alſo das Allgemeine, welches es ſelbſt iſt, und durch ſein Gegentheil ſich continuirt, und als Einheit mit dieſem erſt Allgemeines iſt. — Ein ſolches Allgemeines, wie das Prädicat: gut, paſſend, richtig u. ſ. w., hat ein Sollen zu Grunde liegen, und enthält das Entſprechen des Daſeyns zugleich; nicht jenes Sollen oder die Gattung für ſich, ſondern dieß Entſprechen iſt die Allgemeinheit, welche das Prädicat des apodictiſchen Urtheils ausmacht.

Das Subject enthält gleichfalls dieſe beiden Momente in unmittelbarer Einheit als die Sache. Es iſt aber die Wahrheit derſelben, daß ſie in ſich gebrochen iſt in ihr Sollen und ihr Seyn; dieß iſt das abſolute Urtheil über alle Wirklichkeit. — Daß dieſe urſprüngliche Theilung, welche die Allmacht des Begriffes iſt, ebenſo ſehr Rückkehr in ſeine Einheit und abſolute Beziehung des Sollens und Seyns aufeinander iſt, macht das Wirkliche zu einer Sache; ihre innere Beziehung, dieſe concrete Identität, macht die Seele der Sache aus.

Der Uebergang von der unmittelbaren Einfachheit der Sache zu dem Entſprechen, welches die beſtimmte Beziehung ihres Sollens und ihres Seyns iſt, — oder die Copula, zeigt ſich nun näher in der beſondern Beſtimmtheit der Sache zu liegen. Die Gattung iſt das an und für ſich ſeyende Allgemeine, das inſofern als das unbezogene erſcheint; die Beſtimmtheit aber dasjenige, was ſich in jener Allgemeinheit in ſich, aber ſich zugleich in ein Anderes reflectirt. Das Urtheil hat daher an der Beſchaffenheit des Subjects ſeinen Grund, und iſt dadurch apodictiſch. Es iſt damit nunmehr die beſtimmte und erfüllte Copula vorhanden, die vorher in dem abſtracten Iſt beſtand, jetzt aber zum Grunde überhaupt ſich weiter gebildet hat. Sie iſt zunächſt als unmittelbare Beſtimmtheit an dem Subjecte, aber ſie iſt ebenſo ſehr die Beziehung auf das Prädicat, welches keinen andern Inhalt hat, als dieß Entſprechen ſelbſt, oder die Beziehung des Subjects auf die Allgemeinheit.

So iſt die Form des Urtheils untergegangen, erſtens, weil Subject und Prädicat an ſich derſelbe Inhalt ſind; aber zweitens, weil das Subject durch ſeine Beſtimmtheit über ſich hinausweiſt, und ſich auf das Prädicat bezieht, aber ebenſo drittens iſt dieß Beziehen in das Prädicat übergegangen, macht nur deſſen Inhalt aus, und iſt ſo die geſetzte Beziehung oder das Urtheil ſelbſt. — So iſt die concrete Identität des Begriffs, welche das Reſultat des disjunctiven Urtheils war, und welche die innere Grundlage des Begriffsurtheils ausmacht, im Ganzen hergeſtellt, die zunächſt nur im Prädicate geſetzt war.

Das Poſitive dieſes Reſultats, das den Uebergang des Urtheils in eine andere Form macht, näher betrachtet, ſo zeigen ſich, wie wir geſehen, Subject und Prädicat im apodictiſchen Urtheile, jedes als der ganze Begriff. — Die Begriffseinheit iſt als die Beſtimmtheit, welche die ſie beziehende Copula ausmacht, zugleich von ihnen unterſchieden. Zunächſt ſteht ſie nur auf der andern Seite des Subjects als deſſen unmittelbare Beſchaffenheit. Aber indem ſie weſentlich das Beziehende iſt, iſt ſie nicht nur ſolche unmittelbare Beſchaffenheit, ſondern das durch Subject und Prädicat Hindurchgehende und Allgemeine. — Indem Subject und Prädicat denſelben Inhalt haben, ſo iſt dagegen durch jene Beſtimmtheit die Formbeziehung geſetzt; die Beſtimmtheit als ein Allgemeines oder die Beſonderheit. — So enthält ſie die beiden Formbeſtimmungen der Extreme in ſich; und iſt die beſtimmte Beziehung des Subjects und Prädicats; ſie iſt die erfüllte oder inhaltsvolle Copula des Urtheils, die aus dem Urtheil, worin ſie in die Extreme verloren war, wieder hervorgetretene Einheit des Begriffs. — Durch dieſe Erfüllung der Copula iſt das Urtheil zum Schluſſe geworden.


Drittes Kapitel.
Der Schluß.

Der Schluß hat ſich als die Wiederherſtellung des Begriffes im Urtheile, und ſomit als die Einheit und Wahrheit beider ergeben. Der Begriff als ſolcher hält ſeine Momente in der Einheit aufgehoben; im Urtheil iſt dieſe Einheit ein Innerliches, oder was daſſelbe iſt, ein Aeußerliches, und die Momente ſind zwar bezogen, aber ſie ſind als ſelbſtſtändige Extreme geſetzt. Im Schluſſe ſind die Begriffsbeſtimmungen wie die Extreme des Urtheils, zugleich iſt die beſtimmte Einheit derſelben geſetzt.

Der Schluß iſt ſomit der vollſtändig geſetzte Begriff; er iſt daher das Vernünftige. — Der Verſtand wird als das Vermögen des beſtimmten Begriffes genommen, welcher durch die Abſtraction und Form der Allgemeinheit für ſich feſtgehalten wird. In der Vernunft aber ſind die beſtimmten Begriffe in ihrer Totalität und Einheit geſetzt. Der Schluß iſt daher nicht nur vernünftig, ſondern alles Vernünftige iſt ein Schluß. Das Schließen iſt von langer Zeit her der Vernunft zugeſchrieben worden; auf der andern Seite aber wird von der Vernunft an und für ſich, vernünftigen Grundſätzen und Geſetzen ſo geſprochen, daß nicht erhellt, wie jene Vernunft, welche ſchließt, und dieſe Vernunft, welche die Quelle von Geſetzen und ſonſtigen ewigen Wahrheiten und abſoluten Gedanken iſt, mit einander zuſammenhängen. Wenn jene nur die formale Vernunft ſeyn, dieſe aber Inhalt erzeugen ſoll, ſo müßte nach dieſem Unterſchiede an der letztern gerade die Form der Vernunft, der Schluß, nicht fehlen können. Deſſen ungeachtet pflegen beide ſo auseinander gehalten und bei keiner der andern erwähnt zu werden, daß die Vernunft abſoluter Gedanken gleichſam ſich der Vernunft des Schluſſes zu ſchämen, und der Schluß faſt nur hergebrachtermaßen auch als ein Thun der Vernunft aufgeführt zu werden ſcheint. Es muß aber, wie ſo eben bemerkt worden, offenbar die logiſche Vernunft, wenn ſie als die formelle betrachtet wird, weſentlich auch in der Vernunft, die es mit einem Inhalte zu thun hat, zu erkennen ſeyn; ja vielmehr kann aller Inhalt, nur durch die vernünftige Form, vernünftig ſeyn. An ein ſehr gewöhnliches Gerede von Vernunft kann man ſich hierüber nicht wenden, denn daſſelbe enthält ſich, anzugeben, was denn unter der Vernunft zu verſtehen ſey; dieſe vernünftig ſeyn ſollende Erkenntniß iſt meiſt mit ihren Gegenſtänden ſo beſchäftigt, daß ſie vergißt, die Vernunft ſelbſt zu erkennen, und ſie nur durch die Gegenſtände, die ſie habe, unterſcheidet und bezeichnet. Wenn die Vernunft das Erkennen ſeyn ſoll, welches von Gott, der Freiheit, dem Recht und der Pflicht, dem Unendlichen, Unbedingten, Ueberſinnlichen wiſſe, oder auch nur Vorſtellungen und Gefühle davon gebe, ſo ſind theils dieſe letzteren nur negative Gegenſtände, theils bleibt überhaupt die erſte Frage übrig, was es in allen jenen Gegenſtänden iſt, um deſſen willen ſie vernünftig ſind? — Es iſt dieß, daß das Unendliche derſelben nicht die leere Abſtraction vom Endlichen und die inhalts- und beſtimmungsloſe Allgemeinheit iſt, ſondern die erfüllte Allgemeinheit, der Begriff, der beſtimmt iſt, und ſeine Beſtimmtheit auf dieſe wahrhafte Weiſe an ihm hat, daß er ſich in ſich unterſcheidet, und als die Einheit von dieſen ſeinen verſtändigen und beſtimmten Unterſchieden iſt. Nur ſo erhebt ſich die Vernunft über das Endliche, Bedingte, Sinnliche, oder wie es ſonſt beſtimmt werden mag, und iſt in dieſer Negativität weſentlich Inhaltsvoll, denn ſie iſt die Einheit als von beſtimmten Extremen; ſo aber iſt das Vernünftige nur der Schluß.

Zunächſt iſt nun der Schluß wie das Urtheil unmittelbar; ſo ſind die Beſtimmungen (termini) deſſelben einfache, abſtracte Beſtimmtheiten; er iſt ſo Verſtandesſchluß. Wenn bei dieſer Geſtalt deſſelben feſtgeblieben wird, ſo iſt freilich die Vernünftigkeit in ihm, ob zwar vorhanden und geſetzt, unſcheinbar. Das Weſentliche deſſelben iſt die Einheit der Extreme, die ſie vereinigenden Mitte und haltende Grund. Die Abſtraction, indem ſie die Selbſtſtändigkeit der Extreme feſthält, ſetzt ihnen dieſe Einheit als eine ebenſo feſte für ſich ſeyende Beſtimmtheit entgegen, und faßt dieſelbe auf dieſe Art vielmehr als Nichteinheit, denn als Einheit. Der Ausdruck: Mitte (medius terminus) iſt von räumlicher Vorſtellung hergenommen, und trägt das ſeinige dazu bei, daß beim Außereinander der Beſtimmungen ſtehen geblieben wird. Wenn nun der Schluß darin beſteht, daß die Einheit der Extreme in ihm geſetzt iſt, wenn dieſe Einheit aber ſchlechthin einerſeits als ein Beſonderes für ſich, andererſeits als nur äußerliche Beziehung genommen, und zum weſentlichen Verhältniſſe des Schluſſes die Nichteinheit gemacht wird, ſo hilft die Vernunft, die er iſt, nicht zur Vernünftigkeit.

Der Schluß des Daſeyns erſtens, in welchem die Beſtimmungen ſo unmittelbar und abſtract beſtimmt ſind, zeigt an ihm ſelbſt, weil er, wie das Urtheil, die Beziehung derſelben iſt, dieß auf, daß ſie nicht ſolche abſtracte Beſtimmungen, ſondern jede die Beziehung auf die andere, und die Mitte nicht nur die Beſonderheit gegen die Beſtimmungen der Extreme, ſondern dieſe an ihr geſetzt enthält.

Durch dieſe ſeine Dialektik macht er ſich zum Schluſſe der Reflexion, dem zweiten Schluſſe, — mit Beſtimmungen, als ſolchen, in welchen weſentlich die andere ſcheint, oder die als vermittelte geſetzt ſind, was ſie nach dem Schluſſe überhaupt ſeyn ſollen.

Drittens indem dieß Scheinen oder Vermitteltſeyn ſich in ſich ſelbſt reflectirt, ſo iſt der Schluß als Schluß der Nothwendigkeit beſtimmt, worin das Vermittelnde die objective Natur der Sache iſt. Indem dieſer Schluß die Extreme des Begriffs ebenſo ſehr als Totalitäten beſtimmt, ſo iſt der Schluß zum Entſprechen ſeines Begriffs oder der Mitte, und ſeines Daſeyns oder der extremen Unterſchiede, zu ſeiner Wahrheit gelangt, und iſt damit aus der Subjectivität in die Objectivität übergetreten.

A.
Der Schluß des Daſeyns.

1. Der Schluß, wie er unmittelbar iſt, hat zu ſeinen Momenten die Begriffsbeſtimmungen als unmittelbare. Sie ſind ſomit die abſtracten Beſtimmtheiten der Form, welche noch nicht durch Vermittelung zur Concretion gebildet, ſondern nur die einzelnen Beſtimmtheiten ſind. Der erſte Schluß iſt daher der eigentlich formelle. Der Formalismus des Schließens beſteht darin, bei der Beſtimmung dieſes erſten Schluſſes ſtehen zu bleiben. Der Begriff, in ſeine abſtracten Momente dirimirt, hat die Einzelnheit und Allgemeinheit zu ſeinen Extremen, und er ſelbſt erſcheint als die zwiſchen ihnen ſtehende Beſonderheit. Sie ſind um ihrer Unmittelbarkeit willen als ſich nur auf ſich beziehende Beſtimmtheiten, insgeſammt ein einzelner Inhalt. Die Beſonderheit macht zunächſt inſofern die Mitte aus, als ſie die beiden Momente der Einzelnheit und Allgemeinheit unmittelbar in ſich vereinigt. Um ihrer Beſtimmtheit willen iſt ſie einerſeits unter das Allgemeine ſubſumirt, andererſeits iſt das Einzelne, gegen welches ſie Allgemeinheit hat, unter ſie ſubſumirt. Dieſe Concretion iſt aber zunächſt nur eine Zweiſeitigkeit; um der Unmittelbarkeit willen, in der der Medius Terminus in dem unmittelbaren Schluſſe iſt, iſt er als einfache Beſtimmtheit, und die Vermittelung, die er ausmacht, noch nicht geſetzt. Die dialektiſche Bewegung des Schluſſes des Daſeyns beſteht nun darin, daß die Vermittelung, die den Schluß allein ausmacht, an ſeinen Momenten geſetzt werde.

a.
Erſte Figur des Schluſſes.

E—B—A iſt das allgemeine Schema des beſtimmten Schluſſes. Die Einzelnheit ſchließt ſich durch die Beſonderheit mit der Allgemeinheit zuſammen; das Einzelne iſt nicht unmittelbar allgemein, ſondern durch die Beſonderheit; und umgekehrt iſt ebenſo das Allgemeine nicht unmittelbar einzeln, ſondern es läßt ſich durch die Beſonderheit dazu herab. — Dieſe Beſtimmungen ſtehen als Extreme einander gegenüber, und ſind in einem verſchiedenen Drittens eins. Sie ſind beide Beſtimmtheit; darin ſind ſie identiſch; dieſe ihre allgemeine Beſtimmtheit iſt die Beſonderheit. Sie ſind aber ebenſo Extreme gegen dieſe, als gegen einander, weil jedes in ſeiner unmittelbaren Beſtimmtheit iſt.

Die allgemeine Bedeutung dieſes Schluſſes iſt, daß das Einzelne, das als ſolches unendliche Beziehung auf ſich iſt, und ſomit nur ein inneres wäre, durch die Beſonderung in das Daſeyn als in die Allgemeinheit, heraustritt, worin es nicht mehr nur ſich ſelbſt angehört, ſondern in äußerem Zuſammenhange ſteht; umgekehrt indem das Einzelne ſich in ſeine Beſtimmtheit als Beſonderheit abſcheidet, ſo iſt es in dieſer Trennung ein concretes, und als Beziehung der Beſtimmtheit auf ſich ſelbſt ein allgemeines, ſich auf ſich beziehendes, und ſomit auch ein wahrhaft einzelnes; es iſt in dem Extreme der Allgemeinheit aus der Aeußerlichkeit in ſich gegangen. — Die objective Bedeutung des Schluſſes iſt in dem erſten Schluſſe nur erſt oberflächlich vorhanden, indem darin die Beſtimmungen noch nicht als die Einheit, welche das Weſen des Schluſſes ausmacht, geſetzt ſind. Inſofern iſt er noch ein Subjectives, als die abſtracte Bedeutung, welche ſeine Termini haben, nicht an und für ſich, ſondern nur im ſubjectiven Bewußtſeyn, ſo iſolirt iſt. — Uebrigens iſt das Verhältniß von Einzelnheit, Beſonderheit und Allgemeinheit, wie ſich ergeben, das nothwendige und weſentliche Formverhältniß der Beſtimmungen des Schluſſes; der Mangel beſteht nicht in dieſer Beſtimmtheit der Form, ſondern daß nicht unter dieſer Form jede einzelne Beſtimmung zugleich reicher iſt. — Ariſtoteles hat ſich mehr an das bloße Verhältniß der Inhärenz gehalten, indem er die Natur des Schluſſes ſo angiebt: Wenn drei Beſtimmungen ſich ſo zu einander verhalten, daß das eine Extrem in der ganzen mittleren Beſtimmung iſt, und dieſe mittlere Beſtimmung in dem ganzen andern Extreme, ſo ſind dieſe beiden Extreme nothwendig zuſammengeſchloſſen. Es iſt hier mehr nur die Wiederholung des gleichen Verhältniſſes der Inhärenz des einen Extrems zur Mitte, und dieſer wieder zum andern Extrem ausgedrückt, als die Beſtimmtheit der drei Terminorum zu einander. — Indem nun auf der angegebenen Beſtimmtheit derſelben gegen einander der Schluß beruht, ſo zeigt ſich ſogleich, daß andere Verhältniſſe der Terminorum, welche die anderen Figuren geben, nur inſofern eine Gültigkeit als Verſtandesſchlüſſe haben können, als ſie ſich auf jenes urſprüngliche Verhältniß zurückführen laſſen; es ſind nicht verſchiedene Arten von Figuren, die neben der erſten ſtehen, ſondern einerſeits, inſofern ſie richtige Schlüſſe ſeyn ſollen, beruhen ſie nur auf der weſentlichen Form des Schluſſes überhaupt, welches die erſte Figur iſt; andererſeits aber, inſofern ſie davon abweichen, ſind ſie Umformungen, in welche jene erſte abſtracte Form nothwendig übergeht, und ſich dadurch weiter und zur Totalität beſtimmt. Es wird ſich ſogleich näher ergeben, welche Bewandtniß es damit hat.

E—B—A iſt alſo das allgemeine Schema des Schluſſes in ſeiner Beſtimmtheit. Das Einzelne iſt unter das Beſondere ſubſumirt, dieſes aber unter das Allgemeine; daher iſt auch das Einzelne unter das Allgemeine ſubſumirt. Oder dem Einzeluen inhärirt das Beſondere, dem Beſondern aber das Allgemeine; daher inhärirt dieſes auch dem Einzelnen. Das Beſondere iſt nach der einen Seite, nämlich gegen das Allgemeine, Subject; gegen das Einzelne iſt es Prädicat; oder gegen jenes iſt es Einzelnes, gegen dieſes iſt es Allgemeines. Weil in ihm die beiden Beſtimmtheiten vereinigt ſind, ſind die Extreme durch dieſe ihre Einheit zuſammengeſchloſſen. Das: Daher, erſcheint als die im Subjecte vorgegangene Folgerung, welche aus der ſubjectiven Einſicht in das Verhältniß der beiden unmittelbaren Prämiſſen abgeleitet werde. Indem die ſubjective Reflexion die beiden Beziehungen der Mitte die auf Extreme, als beſondere und zwar unmittelbare Urtheile oder Sätze ausſpricht, ſo iſt der Schlußſatz, als die vermittelte Beziehung, allerdings auch ein beſonderer Satz, und das: Daher oder Alſo iſt der Ausdruck, daß er der vermittelte iſt. Dieß Daher iſt aber nicht als eine an dieſem Satze äußerliche Beſtimmung, welche nur ihren Grund und Sitz in der ſubjectiven Reflexion hätte, zu betrachten, ſondern vielmehr als in der Natur der Extreme ſelbſt gegründet, deren Beziehung nur zum Behuf und durch die abſtrahirende Reflexion wieder als bloßes Urtheil oder Satz ausgeſprochen wird, deren wahrhafte Beziehung aber als der Terminus Medius geſetzt iſt. — Alſo E iſt A, daß dieß ein Urtheil iſt, iſt ein bloß ſubjectiver Umſtand; der Schluß iſt eben dieſes, daß dieß nicht bloß ein Urtheil ſey, d. h. nicht eine durch die bloße Copula oder das leere: iſt, gemachte Beziehung, ſondern durch die beſtimmte, inhaltsvolle Mitte.

Wenn deswegen der Schluß bloß angeſehen wird, als aus drei Urtheilen beſtehend, ſo iſt dieß eine formelle Anſicht, welche das Verhältniß der Beſtimmungen, worauf es im Schluß einzig ankommt, nicht erwähnt. Es iſt überhaupt eine bloß ſubjective Reflexion, welche die Beziehung der Terminorum in abgeſonderte Prämiſſen und einen davon verſchiedenen Schlußſatz trennt:

Alle Menſchen ſind ſterblich,

Cajus iſt ein Menſch,

Alſo iſt er ſterblich.

Man wird ſogleich von Langeweile befallen, wenn man einen ſolchen Schluß heranziehen hört; — dieß rührt von jener unnützen Form her, die einen Schein von Verſchiedenheit durch die abgeſonderten Sätze giebt, der ſich in der Sache ſelbſt ſogleich auflöſt. Das Schließen erſcheint vornehmlich durch dieſe ſubjective Geſtaltung als ein ſubjectiver Nothbehelf, zu dem die Vernunft oder der Verſtand da ihre Zuflucht nehme, wo ſie nicht unmittelbar erkennen könne. — Die Natur der Dinge, das Vernünftige, geht allerdings nicht ſo zu Werke, daß ſich zuerſt ein Oberſatz aufſtellte, die Beziehung einer Beſonderheit auf ein beſtehendes Allgemeines, und dann ſich zweitens eine abgeſonderte Beziehung einer Einzelnheit auf die Beſonderheit vorfände, woraus endlich drittens ein neuer Satz zu Tage käme. — Dieß durch abgeſonderte Sätze fortſchreitende Schließen iſt nichts als eine ſubjective Form; die Natur der Sache iſt, daß die unterſchiedenen Begriffsbeſtimmungen der Sache in der weſentlichen Einheit vereinigt ſind. Dieſe Vernünftigkeit iſt nicht ein Nothbehelf, vielmehr iſt ſie gegen die Unmittelbarkeit der Beziehung, die im Urtheil noch ſtattfindet, das Objective, und jene Unmittelbarkeit des Erkennens iſt vielmehr das bloß Subjective, der Schluß dagegen iſt die Wahrheit des Urtheils. — Alle Dinge ſind der Schluß, ein Allgemeines, das durch die Beſonderheit mit der Einzelnheit zuſammengeſchloſſen iſt; aber freilich ſind ſie nicht aus drei Sätzen beſtehende Ganzes.

2. In dem unmittelbaren Verſtandesſchluß haben die Termini die Form von unmittelbaren Beſtimmungen; von dieſer Seite, nach der ſie Inhalt ſind, iſt er nun zu betrachten. Er kann inſofern als der qualitative Schluß angeſehen werden, wie das Urtheil des Daſeyns dieſelbe Seite von qualitativer Beſtimmung hat. Die Termini dieſes Schluſſes ſind, wie die Termini jenes Urtheils, hierdurch einzelne Beſtimmtheiten; indem die Beſtimmtheit durch ihre Beziehung auf ſich, als gleichgültig gegen die Form, ſomit als Inhalt geſetzt iſt. Das Einzelne iſt irgend ein unmittelbarer concreter Gegenſtand, die Beſonderheit eine einzelne von deſſen Beſtimmtheiten, Eigenſchaften, oder Verhältniſſen, die Allgemeinheit wieder eine noch abſtractere, einzelnere Beſtimmtheit an dem Beſondern. — Da das Subject als ein unmittelbar beſtimmtes noch nicht in ſeinem Begriffe geſetzt iſt, ſo iſt ſeine Concretion nicht auf die weſentlichen Begriffsbeſtimmungen zurückgeführt; ſeine ſich auf ſich beziehende Beſtimmtheit iſt daher unbeſtimmte, unendliche Mannigfaltigkeit. Das Einzelne hat in dieſer Unmittelbarkeit eine unendliche Menge von Beſtimmtheiten, welche zu ſeiner Beſonderheit gehören, deren jede daher einen Medius Terminus für daſſelbe in einem Schluſſe ausmachen kann. Durch jeden andern Medius Terminus aber ſchließt es ſich mit einem andern Allgemeinen zuſammen; durch jede ſeiner Eigenſchaften iſt es in einer andern Berührung und Zuſammenhange des Daſeyns. — Ferner iſt auch der Medius Terminus ein Concretes in Vergleichung gegen das Allgemeine; er enthält ſelbſt mehrere Prädicate, und das Einzelne kann durch denſelben Medius Terminus wieder mit mehrern Allgemeinen zuſammengeſchloſſen werden. Es iſt daher überhaupt völlig zufällig und willkürlich, welche der vielen Eigenſchaften eines Dinges aufgefaßt, und von der aus es mit einem Prädicate verbunden werde; andere Medii Termini ſind die Uebergänge zu anderen Prädicaten, und ſelbſt derſelbe Medius Terminus mag für ſich ein Uebergang zu verſchiedenen Prädicaten ſeyn, da er als Beſonderes gegen das Allgemeine mehre Beſtimmungen enthält.

Nicht nur aber iſt für ein Subject eine unbeſtimmte Menge von Schlüſſen gleich möglich, und ein einzelner Schluß ſeinem Inhalte nach zufällig, ſondern dieſe Schlüſſe, die daſſelbe Subject betreffen, müſſen auch in den Widerſpruch übergehen. Denn der Unterſchied überhaupt, der zunächſt gleichgültige Verſchiedenheit iſt, iſt ebenſo weſentlich Entgegenſetzung. Das Concrete iſt nicht mehr ein bloß Erſcheinendes, ſondern es iſt concret durch die Einheit der Entgegengeſetzten, welche ſich zu Begriffs-Momenten beſtimmt haben, im Begriffe. Indem nun nach der qualitativen Natur der Terminorum, im formellen Schluſſe, das Concrete nach einer einzelnen der Beſtimmungen aufgefaßt wird, die ihm zukommt, ſo theilt ihm der Schluß das dieſem Medius Terminus correſpondirende Prädicat zu; aber indem von einer andern Seite auf die entgegengeſetzte Beſtimmtheit geſchloſſen wird, ſo zeigt ſich jener Schlußſatz dadurch als falſch, obgleich für ſich deſſen Prämiſſen und ebenſo deſſen Conſequenz ganz richtig ſind. — Wenn aus dem Medius Terminus, daß eine Wand blau angeſtrichen worden, geſchloſſen wird, daß ſie hiermit blau iſt, ſo iſt dieß geſchloſſen; aber die Wand kann dieſes Schluſſes unerachtet grün ſeyn, wenn ſie auch mit gelber Farbe überzogen worden, aus welchem letztern Umſtande für ſich folgen würde, daß ſie gelb ſey. — Wenn aus dem Medius Terminus der Sinnlichkeit geſchloſſen wird, daß der Menſch weder gut noch böſe ſey, weil vom Sinnlichen weder das eine noch das andere prädicirt werden kann, ſo iſt der Schluß richtig, der Schlußſatz aber falſch; weil vom Menſchen, als dem Concreten, ebenſo ſehr auch der Medius Terminus der Geiſtigkeit gilt. — Aus dem Medius Terminus der Schwere der Planeten, Trabanten und Kometen gegen die Sonne folgt richtig, daß dieſe Körper in die Sonne fallen; aber ſie fallen nicht in ſie, da ſie ebenſo ſehr für ſich ein eigenes Centrum der Schwere ſind, oder, wie man es nennt, von der Centrifugalkraft getrieben werden. So wie aus dem Medius Terminus der Socialität die Gütergemeinſchaft der Bürger gefolgert werden kann; aus dem Medius Terminus der Individualität aber, wenn er ebenſo abſtract verfolgt wird, die Auflöſung des Staates folgt, wie ſie z. B. im deutſchen Reich erfolgt iſt, indem ſich an letztern Medius Terminus gehalten worden. — Es wird billig nichts für ſo unzureichend gehalten, als ein ſolcher formeller Schluß, weil er auf dem Zufall oder der Willkür beruht, welcher Medius Terminus gebraucht wird. Wenn eine ſolche Deduction noch ſo ſchön durch Schlüſſe ſich verlaufen hat, und ihre Richtigkeit völlig zugegeben iſt, ſo führt dieß noch im geringſten zu nichts, indem es immer übrig bleibt, daß noch andere Medii Termini ſich finden, aus denen das gerade Gegentheil ebenſo richtig abgeleitet werden kann. — Die kantiſchen Antinomien der Vernunft ſind nichts Anderes, als daß aus einem Begriffe einmal die eine Beſtimmung deſſelben zu Grunde gelegt wird, das andere Mal aber ebenſo nothwendig die andere. — Dieſe Unzureichendheit und Zufälligkeit eines Schluſſes muß dabei nicht inſofern bloß auf den Inhalt geſchoben werden, als ob ſie von der Form unabhängig ſey, und dieſe allein die Logik angehe. Es liegt vielmehr in der Form des formalen Schluſſes, daß der Inhalt eine ſo einſeitige Qualität iſt; er iſt zu dieſer Einſeitigkeit durch jene abſtracte Form beſtimmt. Er iſt nämlich eine einzelne Qualität von den vielen Qualitäten oder Beſtimmungen eines concreten Gegenſtandes, oder Begriffs, weil er nach der Form nichts weiter als eine ſo unmittelbare, einzelne Beſtimmtheit ſeyn ſoll. Das Extrem der Einzelnheit iſt als die abſtracte Einzelnheit das unmittelbare Concrete, daher das unendlich oder unbeſtimmbar Mannigfaltige; die Mitte iſt die ebenſo abſtracte Beſonderheit, daher eine einzelne dieſer mannigfaltigen Qualitäten, und ebenſo das andere Extrem iſt das abſtracte Allgemeine. Der formale Schluß iſt daher weſentlich um ſeiner Form willen ein ſeinem Inhalte nach ganz Zufälliges; und zwar nicht inſofern, daß es für den Schluß zufällig ſey, ob ihm dieſer oder ein anderer Gegenſtand unterworfen werde; von dieſem Inhalte abſtrahirt die Logik; ſondern inſofern ein Subject zu Grunde liegt, iſt es zufällig, was der Schluß von ihm für Inhaltsbeſtimmungen folgere.

3. Die Beſtimmungen des Schluſſes ſind nach der Seite Inhaltsbeſtimmungen, inſofern ſie unmittelbare, abſtracte, in ſich reflectirte Beſtimmungen ſind. Das Weſentliche derſelben aber iſt vielmehr, daß ſie nicht ſolche in ſich reflectirte, gegen einander gleichgültige, ſondern daß ſie Formbeſtimmungen ſind; inſofern ſind ſie weſentlich Beziehungen. Dieſe Beziehungen ſind erſtens die der Extreme auf die Mitte, — Beziehungen, welche unmittelbar ſind; die propositiones praemissae, und zwar theils die des Beſondern auf das Allgemeine, propositio major: theils die des Einzelnen auf das Beſondere, propositio minor. Zweitens iſt die Beziehung der Extreme auf einander vorhanden, welches die vermittelte iſt, conclusio. Jene unmittelbaren Beziehungen, die Prämiſſen, ſind Sätze oder Urtheile überhaupt, und widerſprechen der Natur des Schluſſes, nach welcher die unterſchiedenen Begriffsbeſtimmungen nicht unmittelbar bezogen ſind, ſondern ebenſo deren Einheit geſetzt ſeyn ſoll; die Wahrheit des Urtheils iſt der Schluß. Unmittelbare Beziehungen können die Prämiſſen um ſo weniger bleiben, als ihr Inhalt unmittelbar unterſchiedene Beſtimmungen, ſie alſo nicht unmittelbar an und für ſich identiſch ſind; außer ſie ſeyen reine identiſche Sätze, d. i. leere zu nichts führende Tautologien.

Die Forderung an die Prämiſſen lautet daher gewöhnlich, ſie ſollen bewieſen, d. h. ſie ſollen gleichfalls als Schlußſätze dargeſtellt werden. Die zwei Prämiſſen geben ſomit zwei weitere Schlüſſe. Aber dieſe zwei neuen Schlüſſe geben wieder zuſammen vier Prämiſſen, welche vier neue Schlüſſe erfordern; dieſe haben acht Prämiſſen, deren acht Schlüſſe wieder für ihre ſechszehn Prämiſſen ſechszehn Schlüſſe geben, und ſo fort in einer geometriſchen Progreſſion ins Unendliche.

Es thut ſich hier alſo der Progreß ins Unendliche wieder hervor, der in der niedrigen Sphäre des Seyns früher vorkam, und der im Felde des Begriffes, der abſoluten Reflexion aus dem Endlichen in ſich, im Gebiete der freien Unendlichkeit und Wahrheit, nicht mehr zu erwarten war. Es iſt in der Sphäre des Seyns gezeigt worden, daß, wo die ſchlechte Unendlichkeit, die in den Progreß hinausläuft, ſich hervorthut, der Widerſpruch eines qualitativen Seyns, und eines darüber hinausgehenden, unmächtigen Sollens vorhanden iſt; der Progreß ſelbſt iſt die Wiederholung der gegen das Qualitative eingetretenen Forderung der Einheit, und des beſtändigen Rückfalls in die der Forderung nicht gemäße Schranke. Im formalen Schluſſe nun iſt die unmittelbare Beziehung oder das qualitative Urtheil die Grundlage, und die Vermittelung des Schluſſes, das als die höhere Wahrheit dagegen Geſetzte. Das ins Unendliche fortgehende Beweiſen der Prämiſſen löſt jenen Widerſpruch nicht, ſondern erneuert ihn nur immer, und iſt die Wiederholung eines und deſſelben urſprünglichen Mangels. — Die Wahrheit des unendlichen Progreſſes iſt vielmehr, daß er ſelbſt und die durch ihn ſchon als mangelhaft beſtimmte Form aufgehoben werde. — Dieſe Form iſt die der Vermittelung als E—B—A. Die beiden Beziehungen E—B und B—A ſollen vermittelte ſeyn; geſchieht dieß auf dieſelbe Weiſe, ſo wird nur die mangelhafte Form E—B—A verzweifacht, und ſo ins Unendliche fort. B hat zu E auch die Formbeſtimmung eines Allgemeinen, und zu A die Formbeſtimmung eines Einzelnen, weil dieſe Beziehungen überhaupt Urtheile ſind. Sie bedürfen daher der Vermittelung, durch jene Geſtalt derſelben tritt aber nur das Verhältniß wieder ein, das aufgehoben werden ſoll.

Die Vermittelung muß daher auf eine andere Weiſe geſchehen. Für die Vermittelung von B—A iſt E vorhanden; es muß daher die Vermittelung die Geſtalt

B—E—A

erhalten. E—B zu vermitteln, iſt A vorhanden; dieſe Vermittelung wird daher zum Schluſſe:

E—A—B.

Dieſen Uebergang näher ſeinem Begriffe nach betrachtet, ſo iſt erſtlich die Vermittelung des formalen Schluſſes nach ſeinem Inhalte, wie vorhin gezeigt worden, zufällig. Das unmittelbare Einzelne hat an ſeinen Beſtimmtheiten eine unbeſtimm bare Menge von Mediis Terminis, und dieſe haben wieder ebenſo viele Beſtimmtheiten überhaupt; ſo daß es ganz in einer äußerlichen Willkür, oder überhaupt in einem äußerlichen Umſtande und zufälligen Beſtimmung liegt, mit was für einem Allgemeinen das Subject des Schluſſes zuſammengeſchloſſen werden ſoll. Die Vermittelung iſt daher dem Inhalte nach nichts Nothwendiges, noch Allgemeines, ſie iſt nicht im Begriffe der Sache gegründet; der Grund des Schluſſes iſt vielmehr das an ihr Aeußerliche, d. i. das Unmittelbare; das Unmittelbare aber iſt unter den Begriffsbeſtimmungen das Einzelne.

In Anſehung der Form hat ebenſo die Vermittelung zu ihrer Vorausſetzung die Unmittelbarkeit der Beziehung; jene iſt daher ſelbſt vermittelt, und zwar durch das Unmittelbare, d. i. das Einzelne. — Näher iſt durch den Schlußſatz des erſten Schluſſes das Einzelne zum Vermittelnden geworden. Der Schlußſatz iſt E—A; das Einzelne iſt hierdurch als Allgemeines geſetzt. In der einen Prämiſſe, dem Unterſatze E—B iſt es ſchon als Beſonderes; es iſt ſomit als das, in welchem dieſe beiden Beſtimmungen vereinigt ſind. — Oder der Schlußſatz an und für ſich drückt das Einzelne als Allgemeines aus; und zwar nicht auf eine unmittelbare Weiſe, ſondern durch die Vermittelung; alſo als eine nothwendige Beziehung. Die einfache Beſonderheit war Medius Terminus; im Schlußſatze iſt dieſe Beſonderheit entwickelt als die Beziehung des Einzelnen und Allgemeinheit geſetzt. Aber noch iſt das Allgemeine eine qualitative Beſtimmtheit, Prädicat des Einzelnen; indem das Einzelne als Allgemeines beſtimmt iſt, iſt es geſetzt als die Allgemeinheit der Extreme oder als Mitte; es iſt für ſich Extrem der Einzelnheit, aber weil es nunmehr als Allgemeines beſtimmt iſt, iſt es zugleich die Einheit beider Extreme.

b.
Die zweite Figur: B—E—A.

1. Die Wahrheit des erſten qualitativen Schluſſes iſt, daß Etwas mit einer qualitativen Beſtimmtheit als einer allgemeinen nicht an und für ſich zuſammengeſchloſſen, ſondern durch eine Zufälligkeit, oder in einer Einzelnheit. Das Subject des Schluſſes iſt in ſolcher Qualität nicht in ſeinen Begriff zurückgekehrt, ſondern nur in ſeiner Aeußerlichkeit begriffen; die Unmittelbarkeit macht den Grund der Beziehung, ſomit die Vermittelung aus; inſofern iſt das Einzelne in Wahrheit die Mitte.

Ferner aber iſt die Schlußbeziehung die Aufhebung der Unmittelbarkeit; der Schlußſatz iſt nicht eine unmittelbare Beziehung, ſondern als durch ein Drittes; er enthält daher eine negative Einheit; die Vermittelung iſt daher nunmehr beſtimmt, ein negatives Moment in ſich zu enthalten.

In dieſem zweiten Schluſſe ſind die Prämiſſen: B—E, und E—A; nur die erſtere dieſer Prämiſſen iſt noch eine unmittelbare; die zweite E—A iſt ſchon eine vermittelte, nämlich durch den erſten Schluß; der zweite Schluß ſetzt daher den erſten voraus; ſo wie umgekehrt der erſte den zweiten vorausſetzt. — Die beiden Extreme ſind hierin als Beſonderes und Allgemeines gegeneinander beſtimmt; das letztere hat inſofern noch ſeine Stelle; es iſt Prädicat; aber das Beſondere hat die ſeinige vertauſcht, es iſt Subject, oder unter der Beſtimmung des Extrems der Einzelnheit geſetzt, ſo wie das Einzelne mit der Beſtimmung der Mitte oder der Beſonderheit geſetzt iſt. Beide ſind daher nicht mehr die abſtracten Unmittelbarkeiten, welche ſie im erſten Schluſſe waren. Sie ſind jedoch noch nicht als Concrete geſetzt; daß jedes an der Stelle des andern ſteht, dadurch iſt es in ſeiner eigenen und zugleich, jedoch nur äußerlich, in der andern Beſtimmung geſetzt.

Der beſtimmte und objective Sinn dieſes Schluſſes iſt, daß das Allgemeine nicht an und für ſich ein beſtimmtes Beſonderes iſt; denn es iſt vielmehr die Totalität ſeiner Beſondern; ſondern ſo eine ſeiner Arten iſt durch die Einzelnheit; die anderen ſeiner Arten ſind durch die unmittelbare Aeußerlichkeit von ihm ausgeſchloſſen. Andererſeits iſt das Beſondere ebenſo nicht unmittelbar und an und für ſich das Allgemeine, ſondern die negative Einheit ſtreift ihm die Beſtimmtheit ab, und erhebt es dadurch in die Allgemeinheit. — Die Einzelnheit verhält ſich inſofern zum Beſondern negativ, als ſie deſſen Prädicat ſeyn ſoll; es iſt nicht Prädicat des Beſondern.

2. Zunächſt aber ſind die Termini noch unmittelbare Beſtimmtheiten; ſie haben ſich durch ſich ſelbſt zu keiner objectiven Bedeutung fortgebildet; die veränderte Stellung, welche zwei derſelben erhalten, iſt die Form, die nur erſt äußerlich an ihnen iſt; ſie ſind daher noch wie im erſten Schluſſe überhaupt ein gegeneinander gleichgültiger Inhalt; zwei Qualitäten, die nicht an und für ſich ſelbſt, ſondern durch eine zufällige Einzelnheit verknüpft ſind.

Der Schluß der erſten Figur war der unmittelbare, oder ebenſo ſehr der Schluß, inſofern er in ſeinem Begriffe als abſtracte Form iſt, die ſich an ihren Beſtimmungen noch nicht realiſirt hat. Indem dieſe reine Form in eine andere Figur übergegangen, iſt dieß einerſeits die begonnene Realiſation des Begriffs, indem das negative Moment der Vermittelung und dadurch eine weitere Formbeſtimmtheit an der zunächſt unmittelbaren, qualitativen Beſtimmtheit der Terminorum geſetzt wird. — Zugleich iſt dieß aber ein Anderswerden der reinen Form des Schluſſes; er entſpricht ihr nicht mehr vollſtändig, und die an ſeinen Terminis geſetzte Beſtimmtheit iſt verſchieden von jener urſprünglichen Formbeſtimmung. — Inſofern er nur als ein ſubjectiver Schluß betrachtet wird, der in einer äußern Reflexion vor ſich geht, ſo gilt er als eine Art des Schluſſes, welche der Gattung, nämlich dem allgemeinen Schema E—B—A entſprechen ſollte. Dieſem entſpricht er aber zunächſt nicht; die zwei Prämiſſen deſſelben ſind B—E, oder E—B und E—A; der Medius Terminus iſt daher beide Mal ſubſumirt, oder beide Mal Subject, dem alſo die beiden anderen Termini inhäriren; alſo nicht eine Mitte, die das eine Mal ſubſumirend oder Prädicat, und das andere Mal ſubſumirt oder Subject ſeyn, oder der der eine Terminus inhäriren, die aber ſelbſt dem andern inhäriren ſoll. — Daß dieſer Schluß nicht der allgemeinen Form des Schluſſes entſpricht, hat den wahrhaften Sinn, daß dieſe in ihn übergegangen iſt, indem ihre Wahrheit darin beſteht, ein ſubjectives zufälliges Zuſammenſchließen zu ſeyn. Wenn der Schlußſatz in der zweiten Figur (nämlich ohne die gleich zu erwähnende Beſchränkung, die ihn zu etwas Unbeſtimmtem macht, zu Hülfe zu nehmen) richtig iſt, ſo iſt er es, weil er es für ſich iſt, nicht weil er Schlußſatz dieſes Schluſſes iſt. Aber daſſelbe iſt der Fall bei dem Schlußſatze der erſten Figur; dieſe ſeine Wahrheit iſt es, die durch die zweite Figur geſetzt iſt. — In der Anſicht, daß die zweite Figur nur eine Art ſeyn ſoll, wird der nothwendige Uebergang der erſten in dieſe zweite Form überſehen, und bei jener als wahrhafter Form ſtehen geblieben. Inſofern daher in der zweiten Figur (welche aus alter Gewohnheit, ohne weitern Grund, als die dritte aufgeführt wird) gleichfalls ein in dieſem ſubjectiven Sinne richtiger Schluß Statt finden ſoll, ſo müßte er dem erſten angemeſſen ſeyn, ſomit da die eine Prämiſſe E—A das Verhältniß der Subſumtion des Medius Terminus unter das eine Extrem hat, ſo müßte die andere Prämiſſe B—E das entgegengeſetzte Verhältniß, das ſie hat, erhalten und B unter E ſubſumirt werden können. Ein ſolches Verhältniß aber wäre die Aufhebung des beſtimmten Urtheils: E iſt B, und könnte nur in einem unbeſtimmten Urtheile ſtattfinden, — in einem particularen; daher der Schlußſatz in dieſer Figur nur particular ſeyn kann. Das particulare Urtheil iſt aber, wie oben bemerkt, ſowohl poſitiv als negativ; — ein Schlußſatz, dem daher eben kein großer Werth zugeſchrieben werden kann. — Inſofern auch das Beſondere und Allgemeine die Extreme, und unmittelbare, gleichgültige Beſtimmtheiten gegen einander ſind, ſo iſt ihr Verhältniß ſelbſt gleichgültig; es kann beliebig die eine oder die andere als Terminus Ma jor oder Minor, daher auch die eine oder die andere Prämiſſe als Ober- oder als Unterſatz genommen werden.

3. Der Schlußſatz, indem er ebenſo ſehr poſitiv als negativ iſt, iſt ſomit eine gegen dieſe Beſtimmtheiten gleichgültige, ſomit allgemeine Beziehung. Näher betrachtet, ſo war die Vermittelung des erſten Schluſſes an ſich eine zufällige; in dem zweiten iſt dieſe Zufälligkeit geſetzt. Sie iſt ſomit ſich ſelbſt aufhebende Vermittelung; die Vermittelung hat die Beſtimmung der Einzelnheit und Unmittelbarkeit; was durch dieſen Schluß zuſammengeſchloſſen iſt, muß vielmehr an ſich und unmittelbar identiſch ſeyn; denn jene Mitte, die unmittelbare Einzelnheit, iſt das unendlich mannigfaltige und äußerliche Beſtimmtſeyn. Es iſt in ihr alſo vielmehr die ſich äußerliche Vermittelung geſetzt. Die Aeußerlichkeit der Einzelnheit aber iſt die Allgemeinheit; jene Vermittelung durch das unmittelbare Einzelne weiſt über ſich ſelbſt hinaus auf die ihr andere, welche ſomit durch das Allgemeine geſchieht. — Oder was durch den zweiten Schluß vereinigt ſeyn ſoll, muß unmittelbar zuſammengeſchloſſen ſeyn; durch die Unmittelbarkeit, die ihm zu Grunde liegt, kommt ein beſtimmtes Zuſammenſchließen nicht zu Stande. Die Unmittelbarkeit, auf welche er fortweiſt, iſt die andere gegen die ſeinige, — die aufgehobene erſte Unmittelbarkeit des Seyns, — alſo die in ſich reflectirte, oder an ſich ſeyende, das abſtracte Allgemeine.

Der Uebergang dieſes Schluſſes war nach der betrachteten Seite ein Anderswerden, wie das Uebergehen des Seyns, weil ihm das Qualitative, und zwar die unmittelbare Einzelnheit zu Grunde liegt. Dem Begriffe nach aber ſchließt die Einzelnheit das Beſondere und Allgemeine inſofern zuſammen, als ſie die Beſtimmtheit des Beſondern aufhebt; was ſich als die Zufälligkeit dieſes Schluſſes darſtellt; die Extreme werden nicht durch ihre beſtimmte Beziehung, welche ſie zum Medius Terminus haben, zuſammengeſchloſſen; er iſt daher nicht ihre beſtimmte Einheit, und die poſitive Einheit, die ihm noch zukommt, iſt nur die abſtracte Allgemeinheit. Indem die Mitte in dieſer Beſtimmung, welche ihre Wahrheit iſt, geſetzt wird, iſt dieß aber eine andere Form des Schluſſes.

c.
Die dritte Figur: E—A—B.

1. Dieſer dritte Schluß hat keine einzige unmittelbare Prämiſſe mehr; die Beziehung E—A iſt durch den erſten, die Beziehung B—A durch den zweiten Schluß vermittelt worden. Er ſetzt daher die beiden erſten Schlüſſe voraus; aber umgekehrt ſetzen beide ihn voraus, ſo wie überhaupt jeder die beiden übrigen vorausſetzt. In ihm iſt ſomit überhaupt die Beſtimmung des Schluſſes vollendet. — Dieſe gegenſeitige Vermittelung enthält eben dieß, daß jeder Schluß, ob zwar für ſich die Vermittelung, zugleich nicht an ihm ſelbſt die Totalität derſelben iſt, ſondern eine Unmittelbarkeit an ihm hat, deren Vermittelung ſich außer ihm befindet.

Der Schluß E—A—B an ihm ſelbſt betrachtet, iſt die Wahrheit des formalen Schluſſes, er drückt dieß aus, daß deſſen Vermittelung die abſtract allgemeine iſt, und die Extreme nach ihrer weſentlichen Beſtimmtheit, nicht in der Mitte, ſondern nur nach ihrer Allgemeinheit enthalten, vielmehr alſo das gerade nicht darin zuſammengeſchloſſen iſt, was vermittelt ſeyn ſollte. Es iſt alſo hier das geſetzt, worin der Formalismus des Schluſſes beſteht, deſſen Termini einen unmittelbaren gegen die Form gleichgültigen Inhalt haben, oder was daſſelbe iſt, ſolche Formbeſtimmungen ſind, die ſich noch nicht zu Inhaltsbeſtimmungen reflectirt haben.

2. Die Mitte dieſes Schluſſes iſt zwar die Einheit der Extreme, aber worin von ihrer Beſtimmtheit abſtrahirt iſt, das unbeſtimmte Allgemeine. Inſofern aber dieß Allgemeine zugleich als das Abſtracte von den Extremen als dem Beſtimmten unterſchieden iſt, iſt es auch ſelbſt noch ein Beſtimmtes gegen ſie, und das Ganze ein Schluß, deſſen Verhältniß zu ſeinem Begriffe zu betrachten iſt. Die Mitte iſt als das Allgemeine gegen ihre beiden Extreme ſubſumirend oder Prädicat, nicht auch das eine Mal ſubſumirt oder Subject. Inſofern er daher als eine Art des Schluſſes dieſem entſprechen ſoll, ſo kann dieß nur geſchehen, daß, indem die eine Beziehung E—A ſchon das gehörige Verhältniß hat, auch die andere A—B daſſelbe erhalte. Dieß geſchieht in einem Urtheil, worin das Verhältniß von Subject und Prädicat gleichgültig iſt, in einem negativen Urtheil. So wird der Schluß legitim; aber die Concluſion nothwendig negativ.

Damit iſt es nun auch gleichgültig, welche von den beiden Beſtimmungen dieſes Satzes als Prädicat oder als Subject, und im Schluſſe ob als Extrem der Einzelnheit oder als das der Beſonderheit, hiermit ob als Terminus Minor oder als Terminus Major genommen werde. Indem es hiervon nach der gewöhnlichen Annahme abhängt, welche von den Prämiſſen die Major oder Minor ſeyn ſoll, ſo iſt dieß hier gleichgültig geworden. — Dieß iſt der Grund der gewöhnlichen vierten Figur des Schluſſes, die Ariſtoteles nicht gekannt, und die vollends einen ganz leeren, intereſſeloſen Unterſchied betrifft. Die unmittelbare Stellung der Terminorum iſt darin die umgekehrte der Stellung der erſten Figur; da Subject und Prädicat des negativen Schlußſatzes nach der formalen Betrachtung des Urtheils das beſtimmte Verhältniß von Subject und Prädicat nicht haben, ſondern eines die Stelle des andern einnehmen kann, ſo iſt es gleichgültig, welcher Terminus als Subject, und welcher als Prädicat genommen werde; daher ebenſo gleichgültig, welche Prämiſſe als Major oder Minor genommen wird. — Dieſe Gleichgültigkeit, zu der auch die Beſtimmung der Particularität (insbeſondere inſofern bemerkt wird, daß ſie im comprehenſiven Sinne genommen werden kann) verhilft, macht jene vierte Figur zu etwas ganz Müßigem.

3. Die objective Bedeutung des Schluſſes, worin das Allgemeine die Mitte iſt, iſt, daß das Vermittelnde als Einheit der Extreme weſentlich Allgemeines iſt. Indem die Allgemeinheit aber zunächſt nur die qualitative oder abſtracte Allgemeinheit iſt, ſo iſt die Beſtimmtheit der Extreme darin nicht enthalten; ihr Zuſammenſchließen, wenn es ſtattfinden ſoll, muß ebenſo in einer außer dieſem Schluſſe liegenden Vermittelung ihren Grund haben, und iſt in Rückſicht auf dieſen ganz ſo zufällig, als bei den vorhergehenden Formen der Schlüſſe. Indem nun aber das Allgemeine als die Mitte beſtimmt, und darin die Beſtimmtheit der Extreme nicht enthalten iſt, ſo iſt dieſe als eine völlig gleichgültige und äußerliche geſetzt. — Es iſt hiermit zunächſt nach dieſer bloßen Abſtraction allerdings eine vierte Figur des Schluſſes entſtanden, nämlich die des verhältnißloſen Schluſſes: A—A—A, welcher von dem qualitativen Unterſchiede der Terminorum abſtrahirt, und ſomit die bloß äußerliche Einheit derſelben, nämlich die Gleichheit derſelben zur Beſtimmung hat.

d.
Die vierte Figur: A—A—A, oder der mathematiſche Schluß.

1. Der mathematiſche Schluß heißt: Wenn zwei Dinge oder Beſtimmungen einem Dritten gleich ſind, ſo ſind ſie unter ſich gleich. — Das Verhältniß von Inhärenz oder Subſumtion der Terminorum iſt darin ausgelöſcht.

Ein Drittes überhaupt iſt das Vermittelnde; aber es hat ganz und gar keine Beſtimmung gegen ſeine Extreme. Jedes der dreien kann daher gleich gut das dritte Vermittelnde ſeyn. Welches dazu gebraucht, welche der drei Beziehungen daher als die unmittelbaren, und welche als die vermittelte genommen werden ſoll, hängt von äußeren Umſtänden und ſonſtigen Bedingungen ab; — nämlich davon, welche zwei derſelben die unmittelbar gegebenen ſind. Aber dieſe Beſtimmung geht den Schluß ſelbſt nichts an, und iſt völlig äußerlich.

2. Der mathematiſche Schluß gilt als ein Axiom in der Mathematik; — als ein an und für ſich einleuchtender, erſter Satz, der keines Beweiſes, d. h. keiner Vermittelung fähig ſey, noch bedürfe, nichts Anderes vorausſetze, noch daraus herge leitet werden könne. — Wenn der Vorzug deſſelben, unmittelbar einleuchtend zu ſeyn, näher betrachtet wird, ſo zeigt es ſich, daß er in dem Formalismus dieſes Schluſſes liegt, der von aller qualitativen Verſchiedenheit der Beſtimmungen abſtrahirt, und nur ihre quantitative Gleichheit oder Ungleichheit aufnimmt. Aus eben dieſem Grunde iſt er aber nicht ohne Vorausſetzung oder unvermittelt; die quantitative Beſtimmung, die in ihm allein in Rückſicht kommt, iſt nur durch die Abſtraction von dem qualitativen Unterſchiede und den Begriffsbeſtimmungen. — Linien, Figuren, die einander gleich geſetzt werden, werden nur nach ihrer Größe verſtanden; ein Dreieck wird einem Quadrate gleich gegeſetzt, aber nicht als Dreieck dem Quadrat, ſondern allein der Größe nach u. ſ. f. Ebenſo tritt der Begriff und ſeine Beſtimmungen nicht in dieſes Schließen ein; es wird damit überhaupt nicht begriffen; auch hat der Verſtand nicht einmal die formalen, abſtracten Begriffsbeſtimmungen vor ſich; das Einleuchtende dieſes Schluſſes beruht daher nur darauf, daß er an Gedankenbeſtimmung ſo dürftig und abſtract iſt.

3. Aber das Reſultat des Schluſſes des Daſeyns iſt nicht bloß dieſe Abſtraction von aller Begriffsbeſtimmtheit; die Negativität der unmittelbaren, abſtracten Beſtimmungen, welche daraus hervorging, hat noch eine andere poſitive Seite, daß nämlich in die abſtracte Beſtimmtheit ihre andere geſetzt, und ſie dadurch concret geworden iſt.

Vor’s Erſte haben die ſämmtlichen Schlüſſe des Daſeyns ſich gegenſeitig zur Vorausſetzung, und die im Schlußſatze zuſammengeſchloſſenen Extreme ſind nur inſofern wahrhaft und an und für ſich zuſammengeſchloſſen, als ſie ſonſt durch eine anderswo gegründete Identität vereinigt ſind; der Medius Terminus, wie er in den betrachteten Schlüſſen beſchaffen iſt, ſoll ihre Begriffseinheit ſeyn, aber iſt nur eine formale Beſtimmtheit, die nicht als ihre concrete Einheit geſetzt iſt. Aber dieß Vorausgeſetzte einer jeden jener Vermittelungen iſt nicht bloß eine gegebene Unmittelbarkeit überhaupt, wie im mathematiſchen Schluſſe, ſondern es iſt ſelbſt eine Vermittelung, nämlich für jeden der beiden andern Schlüſſe. Was alſo wahrhaft vorhanden iſt, iſt nicht die auf eine gegebene Unmittelbarkeit, ſondern die auf Vermittelung ſich gründende Vermittelung. Dieß iſt ſomit nicht die quantitative, von der Form der Vermittelung abſtrahirende, ſondern vielmehr die ſich auf Vermittelung beziehende Vermittelung, oder die Vermittelung der Reflexion. Der Kreis des gegenſeitigen Vorausſetzens, den dieſe Schlüſſe mit einander ſchließen, iſt die Rückkehr dieſes Vorausſetzens in ſich ſelbſt, welches darin eine Totalität bildet, und das Andere, worauf jeder einzelne Schluß hinweiſt, nicht vermöge der Abſtraction außerhalb hat, ſondern innerhalb des Keiſes befaßt.

Ferner von Seiten der einzelnen Formbeſtimmungen hat ſich gezeigt, daß in dieſem Ganzen der formalen Schlüſſe jede einzelne zur Stelle der Mitte gekommen iſt. Unmittelbar war dieſe als die Beſonderheit beſtimmt; hierauf beſtimmte ſie ſich durch dialektiſche Bewegung als Einzelnheit und Allgemeinheit. Ebenſo ging jede dieſer Beſtimmungen die Stellen der beiden Extreme hindurch. Das bloß negative Reſultat iſt das Auslöſchen der qualitativen Formbeſtimmungen im bloß quantitativen, mathematiſchen Schluſſe. Aber was wahrhaft vorhanden iſt, iſt das poſitive Reſultat, daß die Vermittelung nicht durch eine einzelne, qualitative Formbeſtimmtheit geſchieht, ſondern durch die concrete Identität derſelben. Der Mangel und Formalismus der drei betrachteten Figuren der Schlüſſe beſteht eben darin, daß eine ſolche einzelne Beſtimmtheit die Mitte in ihnen ausmachen ſollte. — Die Vermittelung hat ſich alſo als die Gleichgültigkeit der unmittelbaren oder abſtracten Formbeſtimmungen und als poſitive Reflexion der einen in die andere beſtimmt. Der unmittelbare Schluß des Daſeyns iſt hiermit in den Schluß der Reflexion übergegangen.

Anmerkung.

In der hier gegebenen Darſtellung der Natur des Schluſſes und ſeiner verſchiedenen Formen iſt auch beiläufig auf dasjenige Rückſicht genommen worden, was in der gewöhnlichen Betrachtung und Behandlung der Schlüſſe das Haupt-Intereſſe ausmacht, nämlich wie in jeder Figur ein richtiger Schluß gemacht werden könne; doch iſt dabei nur das Haupt-Moment angegeben und die Fälle und Verwickelungen übergangen worden, welche entſtehen, wenn der Unterſchied von poſitiven und negativen Urtheilen nebſt der quantitativen Beſtimmung, beſonders der Particularität, mit dazu gezogen wird. — Einige Bemerkungen über die gewöhnliche Anſicht und Behandlungsweiſe des Schluſſes in der Logik werden hier noch an ihrem Orte ſtehen. — Bekanntlich wurde dieſe Lehre ſo ins Genaue ausgebildet, bis ihre ſogenannten Spitzfindigkeiten zum allgemeinen Verdruſſe und Ekel geworden ſind. Indem der natürliche Verſtand ſich gegen die ſubſtanzloſen Reflexions-Formen nach allen Seiten der Geiſtesbildung geltend machte, kehrte er ſich auch gegen jene künſtliche Kenntniß der Vernunftformen, und meinte ſolche Wiſſenſchaft aus dem Grunde entbehren zu können, weil er die darin verzeichneten einzelnen Denk-Operationen von Natur ohne beſonderes Erlernen ſchon von ſelbſt verrichte. Der Menſch wäre in der That in Anſehung des vernünftigen Denkens ebenſo übel daran, wenn die Bedingung deſſelben das mühſelige Studium der Schlußformeln wäre, als er (wie in der Vorrede ſchon bemerkt worden) übel daran ſeyn würde, wenn er nicht gehen und verdauen könnte, ohne Anatomie und Phyſiologie ſtudirt zu haben. Wie auch das Studium dieſer Wiſſenſchaften für das diätetiſche Verhalten nicht ohne Nutzen ſeyn mag, ſo wird auch dem Studium der Vernunftformen ohne Zweifel ein noch wichtigerer Einfluß auf die Richtigkeit des Denkens zuzuſchreiben ſeyn; aber ohne in dieſe Seite, welche die Bildung des ſubjectiven Denkens, daher eigentlich die Pädagogik angeht, hier einzugehen, ſo wird zugegeben werden müſſen, daß das Studium, welches die Operations-Weiſen und Geſetze der Vernunft zum Gegenſtand habe, an und für ſich vom größten Intereſſe ſeyn müſſe, — von einem wenigſtens nicht geringerem, als die Kenntniß der Geſetze der Natur und der beſonderen Geſtaltungen derſelben. Wenn es nicht gering geachtet wird, etliche und ſechzig Arten von Papageyen, hundert und ſieben und dreißig Arten der Veronica u. ſ. f. aufgefunden zu haben, ſo wird es noch viel weniger für gering geachtet werden dürfen, die Vernunftformen auszufinden; iſt nicht eine Figur des Schluſſes ein unendlich Höheres, als eine Papagey- oder eine Veronica-Art?

So ſehr es daher für nichts mehr als Rohheit anzuſehen iſt, die Kenntniſſe der Vernunftformen überhaupt zu verachten, ſo ſehr iſt zuzugeben, daß die gewöhnliche Darſtellung des Schluſſes und ſeiner beſonderen Geſtaltungen nicht eine vernünftige Erkenntniß, nicht eine Darſtellung derſelben als Vernunftformen iſt, und die ſyllogiſtiſche Weisheit ſich durch ihren Unwerth die Geringſchätzung zugezogen hat, die ſie erfuhr. Ihr Mangel beſteht darin, daß ſie ſchlechterdings bei der Verſtandesform des Schluſſes ſtehen bleibt, nach welcher die Begriffsbeſtimmungen als abſtracte formelle Beſtimmungen genommen werden. Es iſt um ſo inconſequenter, ſie als abſtracte Qualitäten feſt zu halteu, da im Schluſſe die Beziehungen derſelben das Weſentliche ausmachen, und die Inhärenz und Subſumtion es ſchon enthält, daß das Einzelne, weil ihm das Allgemeine inhärirt, ſelbſt Allgemeines, und das Allgemeine, weil es das Einzelne ſubſumirt, ſelbſt Einzelnes iſt, und näher der Schluß eben dieſe Einheit als Mitte ausdrücklich ſetzt, und ſeine Beſtimmung gerade die Vermittelung iſt, d. i. daß die Begriffsbeſtimmungen nicht mehr wie im Urtheile ihre Aeußerlichkeit gegen einander, ſondern vielmehr ihre Einheit zur Grundlage haben. — Es iſt ſomit durch den Begriff des Schluſſes die Unvollkommenheit des formalen Schluſſes ausgeſprochen, in welchem die Mitte, nicht als Einheit der Extreme, ſondern als eine formale, von ihnen qualitativ verſchiedene, abſtracte Beſtimmung feſtgehalten werden ſoll. — Die Betrachtung wird noch dadurch gehaltleerer, daß auch ſolche Beziehungen oder Urtheile, worin ſelbſt die formellen Beſtimmungen gleichgültig werden, wie im negativen und particularen Urtheile, und die ſich daher den Sätzen nähern, noch als vollkommene Verhältniſſe angenommen werden. — Indem nun überhaupt die qualitative Form E—B—A als das Letzte und Abſolute gilt, ſo fällt die dialektiſche Betrachtung des Schluſſes ganz hinweg, die übrigen Schlüſſe werden ſomit nicht als nothwendige Veränderungen jener Form, ſondern als Arten betrachtet. — Es iſt hierbei gleichgültig, ob der erſte formale Schluß ſelbſt nur als eine Art neben den übrigen, oder aber als Gattung und Art zugleich betrachtet wird; letzteres geſchieht, indem die übrigen Schlüſſe auf den erſten zurückgebracht werden. Geſchieht dieſe Reduction nicht ausdrücklich, ſo liegt immer daſſelbe formelle Verhältniß der äußerlichen Subſumtion zu Grunde, welche die erſte Figur ausdrückt

Dieſer formelle Schluß iſt der Widerſpruch, daß die Mitte die beſtimmte Einheit der Extreme ſeyn ſoll, aber nicht als dieſe Einheit, ſondern als eine von denen, deren Einheit ſie ſeyn ſoll, qualitativ verſchiedene Beſtimmung iſt. Weil der Schluß dieſer Widerſpruch iſt, iſt er an ihm ſelbſt dialektiſch. Seine dialektiſche Bewegung ſtellt ihn in den vollſtändigen Begriffs-Momenten dar, daß nicht nur jenes Verhältniß der Subſumtion, oder die Beſonderheit, ſondern ebenſo weſentlich die negative Einheit und die Allgemeinheit Momente des Zuſammenſchließens ſind. Inſofern jedes derſelben für ſich ebenſo nur ein einſeitiges Moment der Beſonderheit iſt, ſind ſie gleichfalls unvollkommene Mitten, aber zugleich machen ſie die entwickelten Beſtimmungen derſelben aus; der ganze Verlauf durch die drei Figuren ſtellt die Mitte in jeder dieſer Beſtimmungen nach einander dar, und das wahre Reſultat, das daraus hervorgeht, iſt, daß die Mitte nicht eine einzelne, ſondern die Totalität derſelben iſt.

Der Mangel des formalen Schluſſes liegt daher nicht in der Form des Schluſſes, — ſie iſt vielmehr die Form der Vernünftigkeit, — ſondern daß ſie nur als abſtracte, daher begriffloſe Form iſt. Es iſt gezeigt worden, daß die abſtracte Beſtimmung um ihrer abſtracten Beziehung auf ſich willen ebenſo ſehr als Inhalt betrachtet werden kann; inſofern leiſtet der formale Schluß weiter nichts, als daß eine Beziehung eines Subjects auf ein Prädicat nur aus dieſem Medius Terminus folge oder nicht folge. Es hilft nichts, einen Satz durch einen ſolchen Schluß erwieſen zu haben; um der abſtracten Beſtimmtheit des Medius Terminus willen, der eine begriffloſe Qualität iſt, kann es ebenſo gut andere Medii Termini geben, aus denen das Gegentheil folgt, ja aus demſelben Medius Terminus können auch wieder entgegengeſetzte Prädicate durch weitere Schlüſſe abgeleitet werden. — Außerdem, daß der formale Schluß nicht viel leiſtet, iſt er auch etwas ſehr Einfaches; die vielen Regeln, welche erfunden worden, ſind ſchon darum läſtig, weil ſie mit der einfachen Natur der Sache ſo ſehr contraſtiren, dann aber auch, weil ſie ſich auf die Fälle beziehen, wo der formale Gehalt des Schluſſes durch die äußerliche Formbeſtimmung, beſonders der Particularität, vornehmlich inſofern ſie zu dieſem Behuf in comprehenſivem Sinne genommen werden muß, vollends vermindert, und auch der Form nach nur ganz gehaltloſe Reſultate herausgebracht werden. — Die gerechteſte und wichtigſte Seite der Ungunſt, in welche die Syllogiſtik verfallen, iſt aber, daß ſie eine ſo weitläuftige begriffloſe Beſchäftigung mit einem Gegenſtande ſind, deſſen einziger Inhalt der Begriff ſelbſt iſt. — Die vielen ſyllogiſtiſchen Regeln erinnern an das Verfahren der Rechenmeiſter, welche gleichfalls eine Menge Regeln über die arithmetiſchen Operationen geben, welche alle voraus ſetzen, daß man den Begriff der Operation nicht habe. — Aber die Zahlen ſind ein begriffloſer Stoff, die Rechen-Operation iſt ein äußerliches Zuſammenfaſſen oder Trennen, ein mechaniſches Verfahren, wie denn Rechenmaſchinen erfunden worden ſind, welche dieſe Operationen vollbringen; das Härteſte und Grellſte dagegen iſt, wenn die Formbeſtimmungen des Schluſſes, welche Begriffe ſind, als ein begriffloſer Stoff behandelt worden.

Das Aeußerſte von dieſem begriffloſen Nehmen der Begriffsbeſtimmungen des Schluſſes iſt wohl, daß Leibnitz (Opp. Tom. II. P. I.) den Schluß dem combinatoriſchen Calcul unterworfen, und durch denſelben berechnet hat, wie viele Stellungen des Schluſſes möglich ſind; — mit Rückſicht nämlich auf die Unterſchiede von poſitiven und negativen, dann von allgemeinen, particularen, unbeſtimmten und ſingularen Urtheilen; es finden ſich ſolcher Verbindungen 2048 möglich, wovon nach Ausſchließung der unbrauchbaren 24 brauchbare Figuren übrig bleiben. — Leibnitz macht ſehr viel von der Nützlichkeit der combinatoriſchen Analyſis, um nicht nur die Formen des Schluſſes, ſondern auch die Verbindungen von anderen Begriffen zu finden. Die Operation, wodurch dies gefunden wird, iſt dieſelbe, wodurch berechnet wird, wie viele Verbindungen von Buchſtaben ein Alphabet zuläßt, wie vielerlei Würfe in einem Würfelſpiel, Spiele mit einer L’hombre-Charte möglich ſind u. ſ. f. Man findet hier alſo die Beſtimmungen des Schluſſes in Eine Klaſſe mit den Puncten des Würfels und der L’hombre-Charte geſetzt, das Vernünftige als ein todtes und begriffloſes genommen, und das Eigenthümliche des Begriffs und ſeiner Beſtimmungen, als geiſtige Weſen ſich zu beziehen, und durch dieß Beziehen ihre unmittelbare Beſtimmung aufzuheben, auf der Seite gelaſſen. — Dieſe leibnitziſche Anwendung des combinatoriſchen Calculs auf den Schluß und auf die Verbindung anderer Begriffe unterſchied ſich von der verrufenen Iullianiſchen Kunſt durch nichts, als daß ſie von Seiten der Anzahl methodiſcher war, übrigens an Sinnloſigkeit ihr gleich kam. — Es hing hiermit ein Lieblingsgedanke Leibnitzens zuſammen, den er in der Jugend gefaßt, und der Unreifheit und Seichtigkeit deſſelben unerachtet auch ſpäterhin nicht aufgab, von einer allgemeinen Charakteriſtik der Begriffe, — eine Schriftſprache, worin jeder Begriff dargeſtellt werde, wie er eine Beziehung aus andern iſt, oder ſich auf andere beziehe — als ob in der vernünftigen Verbindung, welche weſentlich dialektiſch iſt, ein Inhalt noch dieſelben Beſtimmungen behielte, die er hat, wenn er für ſich firirt iſt.

Der ploucquetſche Calcul hat ohne Zweifel die conſequenteſte Verfahrungsweiſe ergriffen, wodurch das Verhälniß des Schluſſes fähig wird, dem Calcul unterworfen zu werden. Er beruht darauf, daß von dem Verhältnißunterſchiede, dem Unterſchiede der Einzelnheit, Beſonderheit und Allgemeinheit im Urtheile abſtrahirt, und die abſtracte Identität des Subjects und Prädicats feſtgehalten wird, wodurch ſie in mathematiſcher Gleichheit ſind; — einer Beziehung, welche das Schließen zu einer völlig gehaltleeren und tautologiſchen Formirung von Sätzen macht. — Im Satze: Die Roſe iſt roth, ſoll das Prädicat nicht das allgemeine Roth, ſondern nur das beſtimmte Roth der Roſe bedeuten; im Satze: Alle Chriſten ſind Menſchen, ſoll das Prädicat nur diejenigen Menſchen bedeuten, welche Chriſten ſind; aus dieſem und dem Satze: Die Juden ſind keine Chriſten, folgt dann der Schlußſatz, der dieſen ſyllogiſtiſchen Calcul bei Mendelsſohn nicht gut empfohlen hat: Alſo ſind die Juden keine Menſchen (nämlich diejenigen Menſchen nicht, welche die Chriſten ſind). — Ploucquet giebt als eine Folge ſeiner Erfindung an, posse etiam rudes mechanice totam logicam doceri, uti pueri arithmeticam docentur, ita quidem, ut nulla formidine in ratiociniis suis errandi torqueri, vel fallaciis circumveniri possint, si in calculo non errant. — Dieſe Empfehlung, daß Ungebildeten durch den Calcul mechaniſch die ganze Logik beigebracht werden könne, iſt wohl das Schlimmſte, was von einer Erfindung über die Darſtellung der logiſchen Wiſſenſchaft geſagt werden kann.

B.
Der Schluß der Reflexion.

Der Verlauf des qualitativen Schluſſes hat das Abſtracte der Beſtimmungen deſſelben aufgehoben; der Terminus hat ſich dadurch als eine ſolche Beſtimmtheit geſetzt, in welcher auch die andere ſcheint. Außer den abſtracten Terminis iſt im Schluſſe auch die Beziehung derſelben vorhanden, und im Schlußſatz iſt ſie als eine vermittelte und nothwendige geſetzt; daher iſt jede Beſtimmtheit in Wahrheit nicht als eine einzelne für ſich, ſondern als Beziehung der andern, als concrete Beſtimmtheit, geſetzt.

Die Mitte war die abſtracte Beſonderheit, für ſich eine einfache Beſtimmtheit, und Mitte nur äußerlich und relativ gegen die ſelbſtſtändigen Extreme. Nunmehr iſt ſie geſetzt als die Totalität der Beſtimmungen; ſo iſt ſie die geſetzte Einheit der Extreme; zunächſt aber die Einheit der Reflexion, welche ſie in ſich befaßt; — ein Befaſſen, welches als erſtes Aufheben der Unmittelbarkeit und erſtes Beziehen der Beſtimmungen noch nicht die abſolute Identität des Begriffes iſt.

Die Extreme ſind die Beſtimmungen des Urtheils der Reflexion; eigentliche Einzelnheit und Allgemeinheit als Verhältnißbeſtimmung, oder eine Mannigfaltiges in ſich zuſammenfaſſende Reflexion. Aber das einzelne Subject enthält auch, wie beim Urtheile der Reflexion gezeigt worden, außer der bloßen Einzelnheit, die der Form angehört, die Beſtimmtheit, als ſchlechthin in ſich reflectirte Allgemeinheit, als vorausgeſetzte, d. h. hier noch unmittelbar angenommene, Gattung.

Aus dieſer Beſtimmtheit der Extreme, welche dem Verlauf der Urtheilsbeſtimmung angehört, ergiebt ſich der nähere Inhalt der Mitte, auf die es weſentlich beim Schluſſe ankommt, da ſie ihn vom Urtheile unterſcheidet. Sie enthält 1) die Einzelnheit, 2) aber zur Allgemeinheit erweitert, als Alle, 3) die zum Grunde liegende, Einzelnheit und abſtracte Allgemeinheit ſchlechthin in ſich vereinigende Allgemeinheit, die Gattung. — Der Schluß der Reflexion hat auf dieſe Weiſe erſt die eigentliche Beſtimmtheit der Form, indem die Mitte als die Totalität der Beſtimmungen geſetzt iſt; der unmittelbare Schluß iſt gegen ihn deswegen der unbeſtimmte, als die Mitte erſt noch die abſtracte Beſonderheit iſt, in welcher die Momente ihres Begriffs noch nicht geſetzt ſind. — Dieſer erſte Schluß der Reflexion kann der Schluß der Allheit genannt werden.

a.
Der Schluß der Allheit.

1. Der Schluß der Allheit iſt der Verſtandesſchluß in ſeiner Vollkommenheit, mehr aber noch nicht. Daß die Mitte in ihm nicht abſtracte Beſonderheit, ſondern in ihre Momente entwickelt und daher als concrete iſt, iſt zwar ein weſentliches Erforderniß für den Begriff, allein die Form der Allheit faßt das Einzelne zunächſt nur äußerlich in die Allgemeinheit zuſammen, und umgekehrt erhält ſie das Einzelne noch als ein unmittelbar für ſich beſtehendes in der Allgemeinheit. Die Negation der Unmittelbarkeit der Beſtimmungen, die das Reſultat des Schluſſes des Daſeyns war, iſt nur die erſte Negation, noch nicht die Negation der Negation, oder abſolute Reflexion in ſich. Jener die einzelnen Beſtimmungen in ſich befaſſenden Allgemeinheit der Reflexion liegen ſie daher noch zu Grunde, — oder die Allheit iſt noch nicht die Allgemeinheit des Begriffs, ſondern die äußere der Reflexion.

Der Schluß des Daſeyns war darum zufällig, weil der Medius Terminus deſſelben als eine einzelne Beſtimmtheit des concreten Subjects eine unbeſtimmbare Menge anderer ſolcher Mediorum Terminorum zuläßt, und damit das Subject mit unbeſtimmbar anderen, und mit entgegengeſetzten Prädicaten zuſammen geſchloſſen ſeyn konnte. Indem die Mitte aber nunmehr die Einzelnheit enthält, und hierdurch ſelbſt concret iſt, ſo kann durch ſie mit dem Subject nur ein Prädicat verbunden werden, das ihm als concretem zukommt. — Wenn z. B. aus dem Medius Terminus: Grün, geſchloſſen werden ſollte, daß ein Gemälde angenehm ſey, weil das Grün dem Auge angenehm iſt, oder ein Gedicht, ein Gebäude u. ſ. f. ſchön ſey, weil es Regelmäßigkeit beſitze, ſo könnte das Gemälde u. ſ. f. deſſen ungeachtet häßlich ſeyn, um anderer Beſtimmungen willen, aus denen auf dieß letztere Prädicat geſchloſſen werden könnte. Indem hingegen der Medius Terminus die Beſtimmung der Allheit hat, ſo enthält er das Grüne, die Regelmäßigkeit als ein Concretes, das eben darum nicht die Abſtraction eines bloß Grünen, Regelmäßigen u. ſ. f. iſt; mit dieſem Concreten können nun nur Prädicate verbunden ſeyn, die der Totalität des Concreten gemäß ſind. — In dem Urtheil: Das Grüne oder Regelmäßige iſt angenehm, iſt das Subject nur die Abſtraction von Grün, Regelmäßigkeit; in dem Satze: Alles Grüne oder Regelmäßige iſt angenehm, iſt das Subject dagegen: alle wirklichen concreten Gegenſtände, die grün oder regelmäßig ſind, die alſo als concrete mit allen ihren Eigenſchaften, die ſie außer dem Grünen oder der Regelmäßigkeit noch haben, genommen werden.

2. Dieſe Reflexions-Vollkommenheit des Schluſſes macht ihn aber eben hiermit zu einem bloßen Blendwerk. Der Medius Terminus hat die Beſtimmtheit: Alle; dieſen kommt im Oberſatze das Prädicat unmittelbar zu, das mit dem Subjecte zuſammen geſchloſſen wird. Aber Alle ſind alle Einzelne; darin hat alſo das einzelne Subject jenes Prädicat ſchon unmittelbar, und erhält es nicht erſt durch den Schluß. — Oder das Subject erhält durch den Schlußſatz ein Prädicat als eine Folge; der Oberſatz aber enthält in ſich ſchon dieſen Schlußſatz; der Oberſatz iſt alſo nicht für ſich richtig, oder iſt nicht ein unmittelbares, vorausgeſetztes Urtheil, ſondern ſetzt ſelbſt ſchon den Schlußſatz voraus, deſſen Grund er ſeyn ſollte. — In dem beliebten vollkommenen Schluſſe:

Alle Menſchen ſind ſterblich,

Nun iſt Cajus ein Menſch,

Ergo iſt Cajus ſterblich, iſt der Oberſatz nur darum und inſofern richtig, als der Schlußſatz richtig iſt; wäre Cajus zufälligerweiſe nicht ſterblich, ſo wäre der Oberſatz nicht richtig. Der Satz, welcher Schlußſatz ſeyn ſollte, muß ſchon unmittelbar für ſich richtig ſeyn, weil der Oberſatz ſonſt nicht Alle Einzelne befaſſen könnte; ehe der Oberſatz als richtig gelten kann, iſt vorher die Frage, ob nicht jener Schlußſatz ſelbſt eine Inſtanz gegen ihn ſey.

3. Beim Schluſſe des Daſeyns ergab ſich aus dem Begriffe des Schluſſes, daß die Prämiſſen als unmittelbare dem Schlußſatze, nämlich der durch den Begriff des Schluſſes geforderten Vermittelung, widerſprachen, daß der erſte Schluß daher andere, und umgekehrt dieſe anderen ihn vorausſetzten. Im Schluſſe der Reflexion iſt dieß an ihm ſelbſt geſetzt, daß der Oberſatz ſeinen Schlußſatz vorausſetzt, indem jener die Verbindung des Einzelnen mit einem Prädicate enthält, welche eben erſt Schlußſatz ſeyn ſoll.

Was alſo in der That vorhanden iſt, kann zunächſt ſo ausgedrückt werden: daß der Reflexions-Schluß nur ein äußerlicher leerer Schein des Schließens iſt, — daß ſomit das Weſen dieſes Schließens auf ſubjectiver Einzelnheit beruht, dieſe hiermit die Mitte ausmacht, und als ſolche zu ſetzen iſt; — die Einzelnheit, welche als ſolche iſt, und nur äußerlich die Allgemeinheit an ihr hat. — Oder nach dem nähern Inhalt des Reflexions-Schluſſes zeigte ſich, daß das Einzelne in unmittelbarer, nicht einer erſchloſſenen Beziehung auf ſein Prädicat ſteht, und daß der Oberſatz, die Verbindung eines Beſondern mit einem Allgemeinen, oder näher eines formell Allgemeinen mit einem an ſich Allgemeinen, durch die Beziehung der Einzelnheit, die in jenem vorhanden iſt, — der Einzelnheit als Allheit, — vermittelt iſt. Dieß aber iſt der Schluß der Induction.

b.
Schluß der Induction.

1. Der Schluß der Allheit ſteht unter dem Schema der erſten Figur: E—B—A; der Schluß der Induction unter dem der zweiten A—E—B, da er wieder die Einzelnheit zur Mitte hat, nicht die abſtracte Einzelnheit, ſondern als vollſtändig, nämlich geſetzt mit der ihr entgegengeſetzten Beſtimmung, der Allgemeinheit. — Das eine Extrem iſt irgend ein Prädicat, das allen dieſen Einzelnen gemeinſchaftlich iſt; die Beziehung deſſelben auf ſie macht die unmittelbaren Prämiſſen aus, dergleichen eine im vorhergehenden Schluße Schlußſatz ſeyn ſollte. — Das andere Extrem kann die unmittelbare Gattung ſeyn, wie ſie in der Mitte des vorigen Schluſſes, oder im Subjecte des univerſellen Urtheils vorhanden iſt, und welche in den ſämmtlichen Einzelnen oder auch Arten der Mitte erſchöpft iſt. Der Schluß hat hiernach die Geſtalt:

e

A—e/e—B.

e

ins

Unendliche.

2. Die zweite Figur des formalen Schluſſes A—E—B entſprach dem Schema darum nicht, weil in der einen Prämiſſe E, das die Mitte ausmacht, nicht ſubſumirend oder Prädicat war. In der Induction iſt dieſer Mangel gehoben; die Mitte iſt hier: Alle Einzelne; der Satz: A—E, welcher das objective Allgemeine oder Gattung als zum Extrem ausgeſchieden, als Subject enthält, hat ein Prädicat, das mit ihm wenigſtens von gleichem Umfange, hiermit für die äußere Reflexion identiſch iſt. Der Löwe, Elephant u. ſ. f. machen die Gattung des vierfüßigen Thiers aus; der Unterſchied, daß derſelbe Inhalt das eine Mal in der Einzelnheit, das andere Mal in der Allgemeinheit geſetzt iſt, iſt hiermit bloße gleichgültige Formbeſtimmung, — eine Gleichgültigkeit, welche das im Reflexions-Schluſſe geſetzte Reſultat des formalen Schluſſes, und hierdurch die Gleichheit des Umfangs geſetzt iſt.

Die Induction iſt daher nicht der Schluß der bloßen Wahrnehmung oder des zufälligen Daſeyns, wie die ihm entſprechende zweite Figur, ſondern Schluß der Erfahrung; — des ſubjectiven Zuſammenfaſſens der Einzelnen in die Gattung, und des Zuſammenſchließens der Gattung mit einer allgemeinen Beſtimmtheit, weil ſie in allen Einzelnen angetroffen wird. Er hat auch die objective Bedeutung, daß die unmittelbare Gattung ſich durch die Totalität der Einzelnheit zu einer allgemeinen Eigenſchaft beſtimmt, in einem allgemeinen Verhältniſſe oder Merkmal ihr Daſeyn hat. — Allein die objective Bedeutung dieſes, wie der anderen Schlüſſe iſt nur erſt ihr innerer Begriff, und hier noch nicht geſetzt.

3. Die Induction iſt vielmehr noch weſentlich ein ſubjectiver Schluß. Die Mitte ſind die Einzelnen in ihrer Unmittelbarkeit, das Zuſammenfaſſen derſelben in die Gattung durch die Allheit iſt eine äußerliche Reflexion. Um der beſtehenden Unmittelbarkeit der Einzelnen, und um der daraus fließenden Aeußerlichkeit willen iſt die Allgemeinheit nur Vollſtändigkeit, oder bleibt vielmehr eine Aufgabe. — Es kommt an ihr daher wieder der Progreß in die ſchlechte Unendlichkeit zum Vorſchein; die Einzelnheit ſoll als identiſch mit der Allgemeinheit geſetzt werden, aber indem die Einzelnen ebenſo ſehr als unmittelbare geſetzt ſind, ſo bleibt jene Einheit nur ein perennirendes Sollen; ſie iſt eine Einheit der Gleichheit; die identiſch ſeyn ſollen, ſollen es zugleich nicht ſeyn. Die a, b, c, d, e nur ins Unendliche fort machen die Gattung aus, und geben die vollendete Erfahrung. Der Schlußſatz der Induction bleibt inſofern problematiſch.

Indem ſie aber dies ausdrückt, daß die Wahrnehmung, um zur Erfahrung zu werden, ins Unendliche fortgeſetzt werden ſoll, ſetzt ſie voraus, daß die Gattung mit ihrer Beſtimmtheit an und für ſich zuſammengeſchloſſen ſey. Sie ſetzt damit eigentlich ihren Schlußſatz vielmehr als ein Unmittelbares voraus, wie der Schluß der Allheit für eine ſeiner Prämiſſen den Schlußſatz vorausſetzt. — Eine Erfahrung, die auf Induction beruht, wird als gültig angenommen, obgleich die Wahrnehmung zugeſtandenermaßen nicht vollendet iſt; es kann aber nur angenommen werden, daß ſich keine Inſtanz gegen jene Erfahrung ergeben könne, inſofern dieſe an und für ſich wahr ſey. Der Schluß durch Induction gründet ſich daher wohl auf eine Unmittelbarkeit, aber nicht auf die, auf die er ſich gründen ſollte, auf die ſeyende Unmittelbarkeit der Enzelnheit, ſondern auf die an und für ſich ſeyende, auf die allgemeine. — Die Grundbeſtimmung der Induction iſt, ein Schluß zu ſeyn; wenn die Einzelnheit als weſentliche, die Allgemeinheit aber nur als äußerliche Beſtimmung der Mitte genommen wird, ſo fiele die Mitte in zwei unverbundene Theile aus einander, und es wäre kein Schluß vorhanden; dieſe Aeußerlichkeit gehört vielmehr den Extremen an. Die Einzelnheit kann nur Mitte ſeyn, als unmittelbar identiſch mit der Allgemeinheit; eine ſolche Allgemeinheit iſt eigentlich die objective, die Gattung. — Dieß kann auch ſo betrachtet werden: Die Allgemeinheit iſt an der Beſtimmung der Einzelnheit, welche der Mitte der Induction zu Grunde liegt, äußerlich, aber weſentlich; ein ſolches Aeußerliche iſt ſo ſehr unmittelbar ſein Gegentheil, das Innerliche. — Die Wahrheit des Schluſſes der Induction iſt daher ein ſolcher Schluß, der eine Einzelnheit zur Mitte hat, die unmittelbar an ſich ſelbſt Allgemeinheit iſt; — der Schluß der Analogie.

c.
Der Schluß der Analogie.

1. Dieſer Schluß hat die dritte Figur des unmittelbaren Schluſſes: E—A—B zu ſeinem abſtracten Schema. Aber ſeine Mitte iſt nicht mehr irgend eine einzelne Qualität, ſondern eine Allgemeinheit, welche die Reflexion-in-ſich eines Concreten, ſomit die Natur deſſelben iſt; — und umgekehrt, weil ſie ſo die Allgemeinheit als eines Concreten iſt, iſt ſie zugleich an ſich ſelbſt dieß Concrete. — Es iſt hier alſo ein Einzelnes die Mitte, aber nach ſeiner allgemeinen Natur; ferner iſt ein anderes Einzelnes Extrem, welches mit jenem dieſelbe allgemeine Natur hat. z. B.:

Die Erde hat Bewohner,

Der Mond iſt eine Erde,

Alſo hat der Mond Bewohner.

2. Die Analogie iſt um ſo oberflächlicher, je mehr das Allgemeine, in welchem die beiden Einzelnen eins ſind, und nach welchem das eine, Prädicat des andern wird, eine bloße Qualität, oder wie die Qualität ſubjectiv genommen wird, ein oder anderes Merkmal iſt, wenn die Identität beider hierin als eine bloße Aehnlichkeit genommen wird. Dergleichen Oberflächlichkeit aber, zu der eine Verſtandes- oder Vernunftform dadurch gebracht wird, daß man ſie in die Sphäre der bloßen Vorſtellung herabſetzt, ſollte in der Logik gar nicht angeführt werden. — Auch iſt es unpaſſend, den Oberſatz dieſes Schluſſes ſo darzuſtellen, daß er lauten ſolle: Was einem Objecte in einigen Merkmalen ähnlich iſt, das iſt ihm auch in andern ähnlich. Auf ſolche Weiſe wird die Form des Schluſſes in Geſtalt eines Inhalts ausgedrückt, und der empiriſche, eigentlich ſo zu nennende, Inhalt zuſammen in den Unterſatz verlegt. So könnte auch die ganze Form z. B. des erſten Schluſſes als ſein Oberſatz ausgedrückt werden: Was unter ein Anderes ſubſumirt iſt, welchem ein Drittes inhärirt, dem inhärirt auch dieß Dritte; Nun aber und ſo fort. Aber beim Schluſſe ſelbſt kommt es nicht auf den empiriſchen Inhalt an, und ſeine eigene Form zum Inhalt eines Oberſatzes zu machen, iſt ſo gleichgültig, als ob jeder andere empiriſche Inhalt dafür genommen würde. Inſofern es aber beim Schluß der Analogie auf jenen Inhalt, der nichts als die eigenthümliche Form des Schluſſes enthält, nicht ankommen ſollte, ſo käme es auch bei dem erſten Schluß ebenſo ſehr nicht darauf an, d. h. nicht auf das, was den Schluß zum Schluſſe macht. — Worauf es ankommt, iſt immer die Form des Schluſſes, er mag nun dieſe ſelbſt, oder etwas Anderes zu ſeinem empiriſchen Inhalte haben. So iſt der Schluß der Analogie eine eigenthümliche Form, und es iſt ein ganz leerer Grund, ihn nicht für eine ſolche anſehen zu wollen, weil ſeine Form zum Inhalt oder Materie eines Oberſatzes gemacht werden könne, die Materie aber das Logiſche nicht angehe. — Was beim Schluſſe der Analogie, etwa auch beim Schluſſe der Induction zu dieſem Gedanken verleiten kann, iſt, daß in ihnen die Mitte und auch die Extreme weiter beſtimmt ſind, als in dem bloß formalen Schluſſe, und daher die Formbeſtimmung, weil ſie nicht mehr einfach und abſtract iſt, auch als Inhaltsbeſtimmung erſcheinen muß. Aber dieß, daß die Form ſich ſo zum Inhalte beſtimmt, iſt erſtlich ein nothwendiges Fortgehen des Formalen, und betrifft daher die Natur des Schluſſes weſentlich; daher kann aber zweitens eine ſolche Inhaltsbeſtimmung nicht als eine ſolche wie ein anderer empiriſcher Inhalt angeſehen und davon abſtrahirt werden.

Wenn die Form des Schluſſes der Analogie in jenem Ausdruck ſeines Oberſatzes betrachtet wird, daß wenn zwei Gegenſtände in einer oder auch einigen Eigenſchaften übereinkommen, ſo kommt dem einen auch eine weitere Eigenſchaft zu, die der andere hat, ſo kann es ſcheinen, daß dieſer Schluß vier Beſtimmungen, die quaternionem terminorum, enthalte; — ein Umſtand, der die Schwierigkeit mit ſich führte, die Analogie in die Form eines formalen Schluſſes zu bringen. — Es ſind zwei Einzelne, drittens eine unmittelbar als gemeinſchaftlich angenommene Eigenſchaft, und viertens die andere Eigenſchaft, die das eine Einzelne unmittelbar hat, die das andere aber erſt durch den Schluß erhält. — Dieß rührt daher, daß, wie ſich ergeben hat, in dem analogiſchen Schluſſe die Mitte als Einzelnheit, aber unmittelbar auch als deren wahre Allgemeinheit geſetzt iſt. — In der Induction iſt außer den beiden Extremen die Mitte eine unbeſtimmbare Menge von Einzelnen; in dieſem Schluſſe ſollte daher eine unendliche Menge von Terminis gezählt werden. — Im Schluſſe der Allheit iſt die Allgemeinheit an der Mitte nur erſt als die äußerliche Formbeſtimmung der Allheit; im Schluſſe der Analogie dagegen als weſentliche Allgemeinheit. Im obigen Beiſpiel iſt der Medius Terminus: die Erde, als ein Concretes genommen, das nach ſeiner Wahrheit ebenſo ſehr eine allgemeine Natur oder Gattung, als ein Einzelnes iſt.

Nach dieſer Seite machte die Quaternio terminorum die Analogie nicht zu einem unvollkommenen Schluß. Aber er wird es durch ſie nach einer andern Seite; denn wenn zwar das eine Subject dieſelbe allgemeine Natur hat, als das andere, ſo iſt es unbeſtimmt, ob dem einen Subject die Beſtimmtheit, die auch für das andere erſchloſſen wird, vermöge ſeiner Natur, oder vermöge ſeiner Beſonderheit zukommt, ob z. B. die Erde als Weltkörper überhaupt, oder nur als dieſer beſondere Weltkörper Bewohner hat. — Die Analogie iſt inſofern noch ein Schluß der Reflexion, als Einzelnheit und Allgemeinheit in deſſen Mitte unmittelbar vereinigt ſind. Um dieſer Unmittelbarkeit willen iſt noch die Aeußerlichkeit der Reflexions-Einheit vorhanden; das Einzelne iſt nur an ſich die Gattung, es iſt nicht in dieſer Negativität geſetzt, wodurch ſeine Beſtimmtheit als die eigene Beſtimmtheit der Gattung wäre. Darum iſt das Prädicat, das dem Einzelnen der Mitte zukommt, nicht auch ſchon Prädicat des andern Einzelnen, obgleich dieſe beide einerlei Gattung angehören.

3. E—B (der Mond hat Bewohner) iſt der Schlußſatz; aber die eine Prämiſſe (die Erde hat Bewohner) iſt ein eben ſolches E—B; inſofern E—B ein Schlußſatz ſeyn ſoll, ſo liegt darin die Forderung, daß auch jene Prämiſſe ein ſolcher ſey. Dieſer Schluß iſt ſomit in ſich ſelbſt die Forderung ſeiner gegen die Unmittelbarkeit, die er enthält; oder er ſetzt ſeinen Schlußſatz voraus. Ein Schluß des Daſeyns hat ſeine Vorausſetzung an den andern Schlüſſen des Daſeyns; bei den ſo eben betrachteten iſt ſie in ſie hinein gerückt, weil ſie Schlüſſe der Reflexion ſind. Indem alſo der Schluß der Analogie die Forderung ſeiner Vermittelung gegen die Unmittelbarkeit iſt, mit welcher ſeine Vermittelung behaftet iſt, ſo iſt es das Moment der Einzelnheit, deſſen Aufhebung er fordert. So bleibt für die Mitte das objective Allgemeine, die Gattung gereinigt von der Unmittelbarkeit. — Die Gattung war im Schluſſe der Analogie Moment der Mitte nur als unmittelbare Vorausſetzung; indem der Schluß ſelbſt die Aufhebung der vorausgeſetzten Unmittelbarkeit fordert, ſo iſt die Negation der Einzelnheit, und hiermit das Allgemeine nicht mehr unmittelbar, ſondern geſetzt. — Der Schluß der Reflexion enthielt erſt die erſte Negation der Unmittelbarkeit; es iſt nunmehr die zweite eingetreten, und damit die äußerliche Reflexions-Allgemeinheit zur an und für ſich ſeyenden beſtimmt. — Von der poſitiven Seite betrachtet, ſo zeigt ſich der Schlußſatz identiſch mit der Prämiſſe, die Vermittelung mit ihrer Vorausſetzung zuſammengegangen, hiermit eine Identität der Reflexions-Allgemeinheit, wodurch ſie höhere Allgemeinheit geworden.

Ueberſehen wir den Gang der Schlüſſe der Reflexion, ſo iſt die Vermittelung überhaupt die geſetzte, oder concrete Einheit der Formbeſtimmungen der Extreme; die Reflexion beſteht in dieſem Setzen der einen Beſtimmung in der andern; das Vermittelnde iſt ſo die Allheit. Als der weſentliche Grund derſelben aber zeigt ſich die Einzelnheit, und die Allgemeinheit nur als äußerliche Beſtimmung an ihr, als Vollſtändigkeit. Die Allgemeinheit iſt aber dem Einzelnen weſentlich, daß es zuſammenſchließende Mitte ſey; es iſt daher als an ſich ſeyendes Allgemeines zu nehmen. Es iſt aber mit ihr nicht auf dieſe bloß poſitive Weiſe vereinigt, ſondern in ihr aufgehoben, und negatives Moment; ſo iſt das Allgemeine, das an und für ſich Seyende, geſetzte Gattung, und das Einzelne als Unmittelbares iſt vielmehr die Aeußerlichkeit derſelben, oder es iſt Extrem. — Der Schluß der Reflexion ſteht überhaupt genommen unter dem Schema B—E—A, das Einzelne iſt darin noch als ſolches weſentliche Beſtimmung der Mitte; indem ſich ſeine Unmittelbarkeit aber aufgehoben hat, und die Mitte als an und für ſich ſeyende Allgemeinheit beſtimmt hat, ſo iſt der Schluß unter das formelle Schema: E—A—B getreten, und der Schluß der Reflexion in den Schluß der Nothwendigkeit übergegangen.

C.
Der Schluß der Nothwendigkeit.

Das Vermittelnde hat ſich nunmehr beſtimmt 1) als einfache beſtimmte Allgemeinheit, wie die Beſonderheit in dem Schluſſe des Daſeyns iſt: aber 2) als objective Allgemeinheit, daß heißt, welche die ganze Beſtimmtheit der unterſchiedenen Extreme enthält, wie die Allheit des Schluſſes der Reflexion; eine erfüllte, aber einfache Allgemeinheit; die allgemeine Natur der Sache, die Gattung.

Dieſer Schluß iſt inhaltsvoll, weil die abſtracte Mitte des Schluſſes des Daſeyns ſich zum beſtimmten Unterſchiede geſetzt, wie ſie als Mitte des Reflexions-Schluſſes iſt, aber dieſer Unterſchied wieder in die einfache Identität ſich reflectirt hat. — Dieſer Schluß iſt daher Schluß der Nothwendigkeit, da ſeine Mitte kein ſonſtiger unmittelbarer Inhalt, ſondern die Reflexion der Beſtimmtheit der Extreme in ſich iſt. Dieſe haben an der Mitte ihre innere Identität, deren Inhaltsbeſtimmungen die Formbeſtimmungen der Extreme ſind. — Damit iſt das, wodurch ſich die Termini unterſcheiden, als äußerliche und unweſentliche Form, und ſie ſind als Momente eines nothwendigen Daſeyns.

Zunächſt iſt dieſer Schluß der unmittelbare, und inſofern ſo formale, daß der Zuſammenhang der Terminorum die weſentliche Natur iſt als Inhalt, und dieſer an den unterſchiedenen Terminis nur in verſchiedener Form, und die Extreme für ſich nur als ein unweſentliches Beſtehen ſind. — Die Realiſirung dieſes Schluſſes hat ihn ſo zu beſtimmen, daß die Extreme gleichfalls als dieſe Totalität, welche zunächſt die Mitte iſt, geſetzt werden, und die Nothwendigkeit der Beziehung, welche zunächſt nur der ſubſtantielle Inhalt iſt, eine Beziehung der geſetzten Form ſey.

a.
Der kategoriſche Schluß.

1. Der kategoriſche Schluß hat das kategoriſche Urtheil zu einer oder zu ſeinen beiden Prämiſſen. — Es wird hier mit dieſem Schluſſe, wie mit dem Urtheil, die beſtimmtere Bedeutung verbunden, daß die Mitte deſſelben die objective Allgemeinheit iſt. Oberflächlicher Weiſe wird auch der kategoriſche Schluß für nicht mehr genommen, als für einen bloßen Schluß der Inhärenz.

Der kategoriſche Schluß iſt nach ſeiner gehaltvollen Bedeutung der erſte Schluß der Nothwendigkeit, worin ein Subject mit einem Prädicat durch ſeine Subſtanz zuſammen geſchloſſen iſt. Die Subſtanz aber in die Sphäre des Begriffs erhoben, iſt das Allgemeine, geſetzt ſo an und für ſich zu ſeyn, daß ſie nicht, wie in ihrem eigenthümlichen Verhältniſſe, die Accidentalität, ſondern die Begriffsbeſtimmung zur Form, zur Weiſe ihres Seyns hat. Ihre Unterſchiede ſind daher die Extreme des Schluſſes, und beſtimmt die Allgemeinheit und Einzelnheit. Jene iſt gegen die Gattung, wie die Mitte näher beſtimmt iſt, abſtracte Allgemeinheit oder allgemeine Beſtimmtheit; — die Accidentalität der Subſtanz in die einfache Beſtimmtheit, die aber ihr weſentlicher Unterſchied, die ſpecifiſche Differenz iſt, zuſammengefaßt. — Die Einzelnheit aber iſt das Wirkliche, an ſich die concrete Einheit der Gattung und der Beſtimmtheit, hier aber als im unmittelbaren Schluſſe zunächſt unmittelbare Einzelnheit, die in die Form für ſich ſeyenden Beſtehens zuſammengefaßte Accidentalität. — Die Beziehung dieſes Extrems auf die Mitte macht ein kategoriſches Urtheil aus; inſofern aber auch das andere Extrem nach der angegebenen Beſtimmung die ſpecifiſche Differenz der Gattung, oder ihr beſtimmtes Princip ausdrückt, ſo iſt auch dieſe andere Prämiſſe kategoriſch.

2. Dieſer Schluß ſteht zunächſt als erſter, ſomit unmittelbarer Schluß der Nothwendigkeit unter dem Schema des erſten formalen Schluſſes E—B—A. — Da aber die Mitte die weſentliche Natur des Einzelnen, nicht irgend eine der Beſtimmtheiten oder Eigenſchaften deſſelben iſt, und ebenſo das Extrem der Allgemeinheit nicht irgend ein abſtractes Allgemeines, auch wieder nur eine einzelne Qualität, ſondern die allgemeine Beſtimmtheit, das Specifiſche des Unterſchiedes der Gattung iſt, ſo fällt die Zufälligkeit weg, daß das Subject nur durch irgend einen Medius Terminus mit irgend einer Qualität zuſammen geſchloſſen wäre. — Indem ſomit auch die Beziehungen der Extreme auf die Mitte nicht diejenige äußerliche Unmittelbarkeit haben, wie im Schluſſe des Daſeyns; ſo tritt die Forderung des Beweiſes nicht in dem Sinne ein, der dort ſtattfand und zum unendlichen Progreſſe führte.

Dieſer Schluß ſetzt ferner nicht, wie ein Schluß der Reflexion, für ſeine Prämiſſen ſeinen Schlußſatz voraus. Die Termini ſtehen nach dem ſubſtantiellen Inhalt in identiſcher, als an und für ſich ſeyender Beziehung auf einander; es iſt ein die drei Terminos durchlaufendes Weſen vorhanden, an welchem die Beſtimmungen der Einzelnheit, Beſonderheit und Allgemeinheit nur formelle Momente ſind.

Der kategoriſche Schluß iſt daher inſofern nicht mehr ſubjectiv; in jener Identität fängt die Objectivität an; die Mitte iſt die inhaltsvolle Identität ihrer Extreme, welche in derſelben nach ihrer Selbſtſtändigkeit enthalten ſind, denn ihre Selbſtſtändigkeit iſt jene ſubſtantielle Allgemeinheit, die Gattung. Das Subjective des Schluſſes beſteht in dem gleichgültigen Beſtehen der Extreme gegen den Begriff, oder die Mitte.

3. Es iſt aber noch in dieſem Schluſſe dieß ſubjectiv, daß jene Identität noch als die ſubſtantielle oder als Inhalt, noch nicht zugleich als Identität der Form iſt. Daher iſt die Identität des Begriffes noch inneres Band, ſomit als Beziehung noch Nothwendigkeit; die Allgemeinheit der Mitte iſt gediegene, poſitive Identität, nicht ebenſo ſehr als Negativität ihrer Extreme.

Näher iſt die Unmittelbarkeit dieſes Schluſſes, welche noch nicht als das, was ſie an ſich iſt, geſetzt iſt, ſo vorhanden. Das eigentlich Unmittelbare des Schluſſes iſt das Einzelne. Dieß iſt unter ſeine Gattung als Mitte ſubſumirt; aber unter derſelben ſtehen noch andere, unbeſtimmt viele Einzelne; es iſt daher zufällig, daß nur dieſes Einzelne darunter als ſubſumirt geſetzt iſt. — Dieſe Zufälligkeit gehört aber ferner nicht bloß der äußern Reflexion an, die das im Schluſſe geſetzte Einzelne, durch die Vergleichung mit andern, zufällig findet; vielmehr darin, daß es ſelbſt auf die Mitte als ſeine objective Allgemeinheit bezogen iſt, iſt es als zufällig, als eine ſubjective Wirklichkeit geſetzt. Auf der andern Seite, indem das Subject ein unmittelbares Einzelnes iſt, enthält es Beſtimmungen, welche nicht in der Mitte, als der allgemeinen Natur enthalten ſind; es hat ſomit auch eine dagegen gleichgültige, für ſich beſtimmte Exiſtenz, die von eigenthümlichem Inhalt iſt. Damit hat auch umgekehrt dieſer andere Terminus eine gleichgültige Unmittelbarkeit und verſchiedene Exiſtenz von jenem. — Daſſelbe Verhältniß findet auch zwiſchen der Mitte und dem andern Extreme ſtatt; denn dieß hat gleichfalls die Beſtimmung der Unmittelbarkeit, ſomit eines zufälligen Seyn gegen ſeine Mitte.

Was hiermit im kategoriſchen Schluſſe geſetzt iſt, ſind einerſeits Extreme in ſolchem Verhältniß zur Mitte, daß ſie an ſich objective Allgemeinheit oder ſelbſtſtändige Natur haben und zugleich als Unmittelbare ſind, alſo gegen einander gleichgültige Wirklichkeiten. Andererſeits aber ſind ſie ebenſo ſehr als zufällige, oder ihre Unmittelbarkeit als aufgehoben in ihrer Identität beſtimmt. Dieſe aber iſt um jener Selbſtſtändigkeit und Totalität der Wirklichkeit willen nur die formelle, innere; hierdurch hat der Schluß der Nothwendigkeit ſich zum hypothetiſchen beſtimmt.

b.
Der hypothetiſche Schluß.

1. Das hypothetiſche Urtheil enthält nur die nothwendige Beziehung ohne die Unmittelbarkeit der Bezogenen. Wenn A iſt, ſo iſt B; oder das Seyn des A iſt auch ebenſo ſehr das Seyn eines Andern, des B; damit iſt noch nicht geſagt, weder daß A iſt, noch das B iſt. Der hypothetiſche Schluß fügt dieſe Unmittelbarkeit des Seyns hinzu:

Wenn A iſt, ſo iſt B,

Nun iſt A,

Alſo iſt B.

Der Unterſatz für ſich ſpricht das unmittelbare Seyn des A aus.

Aber es iſt nicht bloß dieß zum Urtheil hinzugekommen. Der Schluß enthält die Beziehung des Subjects und Prädicats nicht als die abſtracte Copula, ſondern als die erfüllte vermittelnde Einheit. Das Seyn des A iſt daher nicht als bloße Unmittelbarkeit, ſondern weſentlich als Mitte des Schluſſes zu nehmen. Dieß iſt näher zu betrachten.

2. Zunächſt iſt die Beziehung des hypothetiſchen Urtheils die Nothwendigkeit, oder innere ſubſtantielle Identität bei äußerlicher Verſchiedenheit der Exiſtenz, oder der Gleichgültigkeit des erſcheinenden Seyns gegeneinander; — ein identiſcher Inhalt, der innerlich zu Grunde liegt. Die beiden Seiten des Urtheils ſind daher nicht als ein unmittelbares, ſondern in der Nothwendigkeit gehaltenes Seyn, alſo zugleich aufgehobenes, oder nur erſcheinendes Seyn. Sie verhalten ſich ferner als Seiten des Urtheils, als Allgemeinheit und Einzelnheit; das eine iſt daher jener Inhalt als Totalität der Bedingungen, das andere als Wirklichkeit. Es iſt jedoch gleichgültig, welche Seite als Allgemeinheit, welche als Einzelnheit genommen werde. Inſofern nämlich die Bedingungen noch das Innere, Abſtracte einer Wirklichkeit ſind, ſind ſie das Allgemeine, und es iſt das Zuſammengefaßtſeyn derſelben in eine Einzelnheit, wodurch ſie in Wirklichkeit getreten ſind. Umgekehrt ſind die Bedingungen eine vereinzelte zerſtreute Erſcheinung, welche erſt in der Wirklichkeit Einheit und Bedeutung, und ein allgemeingültiges Daſeyn gewinnt.

Das nähere Verhältniß, das hier zwiſchen den beiden Seiten als Verhältniß von Bedingung zum Bedingten angenommen worden, kann jedoch auch als Urſache und Wirkung, Grund und Folge genommen werden; dieß iſt hier gleichgültig; aber das Verhältniß der Bedingung entſpricht inſofern der in dem hypothetiſchen Urtheile und Schluſſe vorhandenen Beziehung näher, als die Bedingung weſentlich als eine gleichgültige Exiſtenz, Grund und Urſache dagegen durch ſich ſelbſt übergehend iſt; auch iſt die Bedingung eine allgemeinere Beſtimmung, indem ſie beide Seiten jener Verhältniſſe begreift, da die Wirkung, Folge u. ſ. f. ebenſo ſehr Bedingung der Urſache, des Grundes iſt, als dieſe von jenen. —

A iſt nun das vermittelnde Seyn, inſofern es erſtens ein unmittelbares Seyn, eine gleichgültige Wirklichkeit, aber zweitens inſofern es ebenſo ſehr als ein an ſich ſelbſt zufälliges, ſich aufhebendes Seyn iſt. Was die Bedingungen in die Wirklichkeit der neuen Geſtalt, deren Bedingungen ſie ſind, überſetzt, iſt, daß ſie nicht das Seyn als das abſtracte Unmittelbare ſind, ſondern das Seyn in ſeinem Begriffe, zunächſt das Werden; aber, da der Begriff nicht mehr das Uebergehen iſt, beſtimmter die Einzelnheit, als ſich auf ſich beziehende negative Einheit. — Die Bedingungen ſind ein zerſtreutes, ſeine Verwendung erwartendes und forderndes Material; dieſe Negativität iſt das Vermittelnde, die freie Einheit des Begriffes. Sie beſtimmt ſich als Thätigkeit, da dieſe Mitte der Widerſpruch der objectiven Allgemeinheit, oder der Totalität des identiſchen Inhalts, und der gleichgültigen Unmittelbarkeit iſt. — Dieſe Mitte iſt daher nicht mehr bloß innere, ſondern ſeyende Nothwendigkeit; die objective Allgemeinheit enthält die Beziehung auf ſich ſelbſt als einfache Unmittelbarkeit, als Seyn; — im kategoriſchen Schluſſe iſt dieß Moment zunächſt Beſtimmung der Extreme; aber gegen die objective Allgemeinheit der Mitte beſtimmt es ſich als Zufälligkeit, damit als ein nur geſetztes, auch aufgehobenes, das iſt, in den Begriff oder in die Mitte als Einheit zurückgegangenes, welche ſelbſt nun in ihrer Objectivität auch Seyn iſt.

Der Schlußſatz: Alſo iſt B, drückt denſelben Widerſpruch aus, daß B ein unmittelbar Seyendes, aber ebenſo durch ein Anderes oder vermittelt iſt. Seiner Form nach iſt er daher derſelbe Begriff, welcher die Mitte iſt; nur als das Nothwendige unterſchieden von der Nothwendigkeit, — in der ganz oberflächlichen Form der Einzelnheit gegen die Allgemeinheit. Der abſolute Inhalt von A und B iſt derſelbe; es ſind nur zwei verſchiedene Namen derſelben Grundlage für die Vorſtellung, inſofern ſie die Erſcheinung der verſchiedenen Geſtalt des Daſeyns feſthält, und vom Nothwendigen ſeine Nothwendigkeit unterſcheidet; inſofern dieſe aber von B getrennt ſeyn ſollte, ſo wäre es nicht das Nothwendige. Es iſt ſomit die Identität des Vermittelnden und des Vermittelten darin vorhanden.

3. Der hypothetiſche Schluß ſtellt zunächſt die nothwendige Beziehung als Zuſammenhang durch die Form oder negative Einheit dar, wie der kategoriſche durch die poſitive Einheit den gediegenen Inhalt, die objective Allgemeinheit. Aber die Nothwendigkeit geht in das Nothwendige zuſammen; die Formthätigkeit des Ueberſetzens der bedingenden Wirklichkeit in die bedingte iſt an ſich die Einheit, in welcher die vorher zum gleichgültigen Daſeyn befreiten Beſtimmtheiten des Gegenſatzes aufgehoben ſind, und der Unterſchied des A und B ein leerer Name iſt. Sie iſt daher in ſich reflectirte Einheit, — ſomit ein identiſcher Inhalt; und iſt dieß nicht nur an ſich, ſondern es iſt durch dieſen Schluß auch geſetzt, indem das Seyn des A auch nicht ſein eigenes, ſondern des B, und umgekehrt überhaupt das Seyn des Einen das Seyn des Andern iſt, und im Schlußſatze beſtimmt das unmittelbare Seyn oder gleichgültige Beſtimmtheit als eine vermittelte iſt, — alſo die Aeußerlichkeit ſich aufgehoben, und deren in ſich gegangene Einheit geſetzt iſt.

Die Vermittelung des Schluſſes hat ſich hierdurch beſtimmt als Einzelnheit, Unmittelbarkeit und als ſich auf ſich beziehende Negativität, oder unterſcheidende und aus dieſem Unterſchiede ſich in ſich zuſammennehmende Identität, — als abſolute Form, und eben dadurch als objective Allgemeinheit, mit ſich identiſch ſeyender Inhalt. Der Schluß iſt in dieſer Beſtimmung der disjunctive Schluß.

c.
Der disjunctive Schluß.

Wie der hypothetiſche Schluß im Allgemeinen unter dem Schema der zweiten Figur A—E—B ſteht, ſo ſteht der disjunctive unter dem Schema der dritten Figur des formalen Schluſſes: E—A—B. Die Mitte iſt aber die mit der Form erfüllte Allgemeinheit; ſie hat ſich als die Totalität, als entwickelte objective Allgemeinheit beſtimmt. Der Medius Terminus iſt daher ſowohl Allgemeinheit, als Beſonderheit und Einzelnheit. Als jene iſt er erſtlich die ſubſtantielle Identität der Gattung, aber zweitens als eine ſolche, in welche die Beſonderheit, aber als ihr gleich, aufgenommen iſt, alſo als allgemeine Sphäre, die ihre totale Beſonderung enthält, — die in ihre Arten zerlegte Gattung; A, welches ſowohl B als C als D iſt. Die Beſonderung iſt aber als Unterſcheidung ebenſo ſehr das Entweder Oder des B, C und D, negative Einheit, das gegenſeitige Ausſchließen der Beſtimmungen. — Dieß Ausſchließen iſt nun ferner nicht nur ein gegenſeitiges und die Beſtimmung bloß eine relative, ſondern ebenſo ſehr weſentlich ſich auf ſich beziehende Beſtimmung; das Beſondere als Einzelnheit mit Ausſchließung der anderen.

A iſt entweder B oder C oder D,

A iſt aber B;

alſo iſt A nicht C noch D.

Oder auch:

A iſt entweder B oder C oder D,

A iſt aber nicht C noch D;

alſo iſt es B.

A iſt nicht nur in den beiden Prämiſſen Subject, ſondern auch im Schlußſatz. In der erſten iſt es allgemeines und in ſeinem Prädicate die in die Totalität ihrer Arten beſondere allgemeine Sphäre; in der zweiten iſt es als Beſtimmtes, oder als eine Art; im Schlußſatz iſt es als die ausſchließende, einzelne Beſtimmtheit geſetzt. — Oder auch iſt es ſchon im Unterſatze als ausſchließende Einzelnheit, und im Schlußſatze als das Beſtimmte, was es iſt, poſitiv geſetzt.

Was hiermit überhaupt als das Vermittelte erſcheint, iſt die Allgemeinheit des A mit der Einzelnheit. Das Vermittelnde aber iſt dieſes A, welches die allgemeine Sphäre ſeiner Beſonderungen und ein als Einzelnes Beſtimmtes iſt. Was die Wahrheit des hypothetiſchen Schluſſes iſt, die Einheit des Vermittelnden oder Vermittelten, iſt ſomit im disjunctiven Schluſſe geſetzt, der aus dieſem Grunde ebenſo ſehr kein Schluß mehr iſt. Die Mitte, welche in ihm als die Totalität des Begriffes geſetzt iſt, enthält nämlich ſelbſt die beiden Extreme in ihrer vollſtändigen Beſtimmtheit. Die Extreme, im Unterſchiede von dieſer Mitte, ſind nur als ein Geſetztſeyn, dem keine eigenthümliche Beſtimmtheit gegen die Mitte mehr zukommt.

Dieß noch in beſtimmterer Rückſicht auf den hypothetiſchen Schluß betrachtet, ſo war in ihm eine ſubſtantielle Identität, als das innere Band der Nothwendigkeit, und eine davon unterſchiedene negative Einheit — nämlich die Thätigkeit oder die Form, welche ein Daſeyn in ein anderes überſetzte, — vorhanden. Der disjunctive Schluß iſt überhaupt in der Beſtimmung der Allgemeinheit, ſeine Mitte iſt das A als Gattung und als vollkommen Beſtimmtes; durch dieſe Einheit iſt jener vorher innere Inhalt auch geſetzt, und umgekehrt das Geſetztſeyn oder die Form iſt nicht die äußerliche negative Einheit gegen ein gleichgültiges Daſeyn, ſondern identiſch mit jenem gediegenen Inhalte. Die ganze Formbeſtimmung des Begriffs iſt in ihrem beſtimmten Unterſchied und zugleich in der einfachen Identität des Begriffes geſetzt.

Dadurch hat ſich nun der Formalismus des Schließens, hiermit die Subjectivität des Schluſſes und des Begriffes überhaupt aufgehoben. Dieß Formelle oder Subjective beſtand darin, daß das Vermittelnde der Extreme, der Begriff als abſtracte Beſtimmung, und dadurch von ihnen, deren Einheit ſie iſt, verſchieden iſt. In der Vollendung des Schluſſes dagegen, worin die objective Allgemeinheit ebenſo ſehr als Totalität der Formbeſtimmungen geſetzt iſt, iſt der Unterſchied des Vermittelnden und Vermittelten weggefallen. Das, was vermittelt iſt, iſt ſelbſt weſentliches Moment ſeines Vermittelnden, und jedes Moment iſt als die Totalität der Vermittelten.

Die Figuren des Schluſſes ſtellen jede Beſtimmtheit des Begriffs einzeln als die Mitte dar, welche zugleich der Begriff als Sollen iſt, als Forderung, daß das Vermittelnde ſeine Totalität ſey. Die verſchiedenen Gattungen der Schlüſſe aber ſtellen die Stufen der Erfüllung oder Concretion der Mitte dar. In dem formalen Schluſſe wird die Mitte nur dadurch als Totalität geſetzt, daß alle Beſtimmtheiten, aber jede einzeln, die Function der Vermittelung durchlaufen. In den Schlüſſen der Reflexion iſt die Mitte als die, die Beſtimmungen der Extreme äußerlich zuſammenfaſſende Einheit. Im Schluſſe der Nothwendigkeit hat ſie ſich zur ebenſo entwickelten und totalen, als einfachen Einheit beſtimmt, und die Form des Schluſſes, der in dem Unterſchiede der Mitte gegen ſeine Extreme beſtand, hat ſich dadurch aufgehoben.

Damit iſt der Begriff überhaupt realiſirt worden; beſtimmter hat er eine ſolche Realität gewonnen, welche Objectivität iſt. Die nächſte Realität war, daß der Begriff als die in ſich negative Einheit ſich dirimirt, und als Urtheil ſeine Beſtimmungen in beſtimmtem und gleichgültigem Unterſchiede ſetzt, und im Schluſſe ſich ſelbſt ihnen entgegenſtellt. Indem er ſo noch das Innerliche dieſer ſeiner Aeußerlichkeit iſt, ſo wird durch den Verlauf der Schlüſſe dieſe Aeußerlichkeit mit der innerlichen Einheit ausgeglichen; die verſchiedenen Beſtimmungen kehren durch die Vermittelung, in welcher ſie zunächſt nur in einem Dritten eins ſind, in dieſe Einheit zurück, und die Aeußerlichkeit ſtellt dadurch den Begriff an ihr ſelbſt dar, der hiermit ebenſo nicht mehr als innerliche Einheit von ihr unterſchieden iſt.

Jene Beſtimmung des Begriffs aber, welche als Realität betrachtet worden, iſt umgekehrt ebenſo ſehr ein Geſetztſeyn. Denn nicht nur in dieſem Reſultate hat ſich als die Wahrheit des Begriffs die Identität ſeiner Innerlichkeit und Aeußerlichkeit dargeſtellt, ſondern ſchon die Momente des Begriffs im Urtheile bleiben auch in ihrer Gleichgültigkeit gegen einander, Beſtimmungen, die ihre Bedeutung nur in ihrer Beziehung haben. Der Schluß iſt Vermittelung, der vollſtändige Begriff in ſeinem Geſetztſeyn. Seine Bewegung iſt das Aufheben dieſer Vermittelung, in welcher nichts an und für ſich, ſondern jedes nur vermittelſt eines Andern iſt. Das Reſultat iſt daher eine Unmittelbarkeit, die durch Aufheben der Vermittelung hervorgegangen, ein Seyn, das ebenſo ſehr identiſch mit der Vermittelung und der Begriff iſt, der aus und in ſeinem Anderſſeyn ſich ſelbſt hergeſtellt hat. Dieß Seyn iſt daher eine Sache, die an und für ſich iſt, — die Objectivität.

Zweiter Abſchnitt.
Die Objectivität.


Im erſten Buche der objectiven Logik wurde das abſtracte Seyn dargeſtellt als übergehend in das Daſeyn, aber ebenſo zurückgehend in das Weſen. Im zweiten zeigt ſich das Weſen, daß es ſich zum Grunde beſtimmt, dadurch in die Exiſtenz tritt und ſich zur Subſtanz realiſirt, aber wieder in den Begriff zurückgeht. Vom Begriffe iſt nun zunächſt gezeigt worden, daß er ſich zur Objectivität beſtimmt. Es erhellt von ſelbſt, daß dieſer letztere Uebergang ſeiner Beſtimmung nach daſſelbe iſt, was ſonſt in der Metaphyſik als der Schluß vom Begriffe, nämlich vom Begriffe Gottes auf ſein Daſeyn, oder als der ſogenannte ontologiſche Beweis vom Daſeyn Gottes vorkam. — Es iſt ebenſo bekannt, daß der erhabenſte Gedanke Descartes, daß der Gott das iſt, deſſen Begriff ſein Seyn in ſich ſchließt, nachdem er in die ſchlechte Form des formalen Schluſſes, nämlich in die Form jenes Beweiſes herabgeſunken, endlich der Kritik der Vernunft, und dem Gedanken, daß ſich das Daſeyn nicht aus dem Begriffe herausklauben laſſe, unterlegt iſt. Einiges dieſen Beweis Betreffende iſt ſchon früher beleuchtet worden; im erſten Theile S. 78 ff., indem das Seyn in ſeinem nächſten Gegenſatze dem Nichtſeyn verſchwunden und als die Wahrheit beider ſich das Werden gezeigt hat, iſt die Verwechslung bemerklich gemacht worden, wenn bei einem beſtimmten Daſeyn nicht das Seyn deſſelben, ſondern ſein beſtimmter Inhalt feſtgehalten und daher gemeint wird, wenn dieſer beſtimmte Inhalt, z. B. hundert Thaler, mit einem andern beſtimmten Inhalte, z. B. dem Contexte meiner Wahrnehmung, meinem Vermögenszuſtand verglichen und dabei ein Unterſchied gefunden wird, ob jener Inhalt zu dieſem hinzukomme oder nicht, — als ob dann vom Unterſchiede des Seyns und Nichtſeyns, oder gar vom Unterſchiede des Seyns und des Begriffes geſprochen werde. Ferner iſt daſelbſt S. 110. und II. Th. S. 69. die in dem ontologiſchen Beweiſe vorkommende Beſtimmung eines Inbegriffs aller Realitäten beleuchtet worden. — Den weſentlichen Gegenſtand jenes Beweiſes, den Zuſammenhang des Begriffes und des Daſeyns, betrifft aber die eben geſchloſſene Betrachtung des Begriffs und des ganzen Verlaufs, durch den er ſich zur Objectivität beſtimmt. Der Begriff iſt als abſolut mit ſich identiſche Negativität das ſich ſelbſt Beſtimmende; es iſt bemerkt worden, daß er ſchon, indem er ſich in der Einzelnheit zum Urtheil entſchließt, ſich als Reales, Seyendes ſetzt; dieſe noch abſtracte Realität vollendet ſich in der Objectivität.

Wenn es nun ſcheinen möchte, als ob der Uebergang des Begriffs in die Objectivität etwas Anderes ſey, als der Uebergang vom Begriff Gottes zu deſſen Daſeyn, ſo wäre einerſeits zu betrachten, daß der beſtimmte Inhalt, Gott, im logiſchen Gange keinen Unterſchied machte, und der ontologiſche Beweis nur eine Anwendung dieſes logiſchen Ganges auf jenen beſondern Inhalt wäre. Auf der andern Seite aber iſt ſich weſentlich an die oben gemachte Bemerkung zu erinnern, daß das Subject erſt in ſeinem Prädicate Beſtimmtheit und Inhalt erhält, vor demſelben aber, er mag für das Gefühl, Anſchauung und Vorſtellung ſonſt ſeyn, was er will, für das begreifende Erkennen nur ein Name iſt; in dem Prädicate beginnt mit der Beſtimmtheit aber zugleich die Realiſation überhaupt. — Die Prädicate müſſen aber gefaßt werden, als ſelbſt noch in den Begriff eingeſchloſſen, ſomit als etwas Subjectives, mit dem noch nicht zum Daſeyn herausgekommen iſt; inſofern iſt einerſeits allerdings die Realiſation des Begriffs im Urtheil noch nicht vollendet. Andererſeits bleibt aber auch die bloße Beſtimmung eines Gegenſtandes durch Prädicate, ohne daß ſie zugleich die Realiſation und Objectivirung des Begriffes iſt, etwas ſo Subjectives, daß ſie auch nicht einmal die wahrhafte Erkenntniß und Beſtimmung des Begriffes des Gegenſtandes iſt; — ein Subjectives in dem Sinne von abſtracter Reflexion und unbegriffenen Vorſtellungen. — Gott als lebendiger Gott, und noch mehr als abſoluter Geiſt wird nur in ſeinem Thun erkannt. Früh iſt der Menſch angewieſen worden, ihn in ſeinen Werken zu erkennen; aus dieſen können erſt die Beſtimmungen hervorgehen, welche ſeine Eigenſchaften genannt werden; ſo wie darin auch ſein Seyn enthalten iſt. So faßt das begreifende Erkennen ſeines Wirkens, d. i. ſeiner ſelbſt, den Begriff Gottes in ſeinem Seyn, und ſein Seyn in ſeinem Begriffe. Das Seyn für ſich oder gar das Daſeyn iſt eine ſo arme und beſchränkte Beſtimmung, daß die Schwierigkeit, ſie im Begriffe zu finden, wohl nur daher hat kommen können, daß nicht betrachtet worden iſt, was denn das Seyn oder Daſeyn ſelbſt iſt. — Das Seyn, als die ganz abſtracte, unmittelbare Beziehung auf ſich ſelbſt, iſt nichts Anderes als das abſtracte Moment des Begriffs, welches abſtracte Allgemeinheit iſt, die auch das, was man an das Seyn verlangt, leiſtet, außer dem Begriff zu ſeyn; denn ſo ſehr ſie Moment des Begriffs iſt, ebenſo ſehr iſt ſie der Unterſchied, oder das abſtracte Urtheil deſſelben, indem er ſich ſelbſt ſich gegenüberſtellt. Der Begriff, auch als formaler, enthält ſchon unmittelbar das Seyn in einer wahrern und reichern Form, indem er als ſich auf ſich beziehende Negativität, Einzelnheit iſt.

Unüberwindlich aber wird allerdings die Schwierigkeit, im Begriffe überhaupt, und ebenſo im Begriffe Gottes das Seyn zu finden, wenn es ein ſolches ſeyn ſoll, das im Contexte der äußern Erfahrung oder in der Form der ſinnlichen Wahrnehmung, wie die hundert Thaler in meinem Vermögenszuſtande, nur als ein mit der Hand, nicht mit dem Geiſte Begriffenes, weſentlich dem äußern, nicht dem innern Auge Sichtbares vorkommen ſoll; wenn dasjenige Seyn, Realität, Wahrheit genannt wird, was die Dinge als ſinnliche, zeitliche und vergängliche haben. — Wenn ein Philoſophiren ſich beim Seyn nicht über die Sinne erhebt, ſo geſellt ſich dazu, daß es auch beim Begriffe nicht den bloß abſtracten Gedanken verläßt; dieſer ſteht dem Seyn gegenüber.

Die Gewöhnung, den Begriff nur als etwas ſo Einſeitiges, wie der abſtracte Gedanke iſt, zu nehmen, wird ſchon Anſtand finden, das, was vorhin vorgeſchlagen wurde, anzuerkennen, nämlich den Uebergang vom Begriffe Gottes zu ſeinem Seyn, als eine Anwendung von dem dargeſtellten logiſchen Verlauf der Objectivirung des Begriffs, anzuſehen. Wenn jedoch, wie gewöhnlich geſchieht, zugegeben wird, daß das Logiſche als das Formale die Form für das Erkennen jedes beſtimmten Inhalts ausmache, ſo müßte wenigſtens jenes Verhältniß zugeſtanden werden, wenn nicht überhaupt eben bei dem Gegenſatze des Begriffes gegen die Objectivität, bei dem unwahren Begriffe und einer ebenſo unwahren Realität, als einem Letzten ſtehen geblieben wird. — Allein bei der Expoſition des reinen Begriffes iſt noch weiter angedeutet worden, daß derſelbe der abſolute, göttliche Begriff ſelbſt iſt, ſo daß in Wahrheit nicht das Verhältniß einer Anwendung ſtattfinden würde, ſondern jener logiſche Verlauf die unmittelbare Darſtellung der Selbſtbeſtimmung Gottes zum Seyn wäre. Es iſt aber hierüber zu bemerken, daß, indem der Begriff als der Begriff Gottes dargeſtellt werden ſoll, er aufzufaſſen iſt, wie er ſchon in die Idee aufgenommen iſt. Jener reine Begriff durchläuft die endlichen Formen des Urtheils und des Schluſſes darum, weil er noch nicht als an und für ſich eins mit der Objectivität geſetzt, ſondern erſt im Werden zu ihr begriffen iſt. So iſt auch dieſe Objectivität noch nicht die göttliche Exiſtenz, noch nicht die in der Idee ſcheinende Realität. Doch iſt die Objectivität gerade um ſo viel reicher und höher als das Seyn oder Daſeyn des ontologiſchen Beweiſes, als der reine Begriff reicher und höher iſt, als jene metaphyſiſche Leere des Inbegriffs aller Realität. — Ich erſpare es jedoch auf eine andere Gelegenheit, den vielfachen Mißverſtand, der durch den logiſchen Formalismus in den ontologiſchen, ſo wie in die übrigen ſogenannten Beweiſe vom Daſeyn Gottes gebracht worden iſt, wie auch die kantiſche Kritik derſelben näher zu beleuchten, und durch Herſtellen ihrer wahren Bedeutung die dabei zu Grunde liegenden Gedanken in ihren Werth und Würde zurückzuführen.

Es ſind, wie bereits erinnert worden, ſchon mehrere Formen der Unmittelbarkeit vorgekommen; aber in verſchiedenen Beſtimmungen. In der Sphäre des Seyns iſt ſie das Seyn ſelbſt und das Daſeyn; in der Sphäre des Weſens die Exiſtenz und dann die Wirklichkeit und Subſtantialität, in der Sphäre des Begriffs außer der Unmittelbarkeit, als abſtracter Allgemeinheit, nunmehr die Objectivität. — Dieſe Ausdrücke mögen, wenn es nicht um die Genauigkeit philoſophiſcher Begriffsunterſchiede zu thun iſt, als ſynonym gebraucht werden; jene Beſtimmungen ſind aus der Nothwendigkeit des Begriffs hervorgegangen; — Seyn iſt überhaupt die erſte Unmittelbarkeit, und Daſeyn dieſelbe mit der erſten Beſtimmtheit. Die Exiſtenz mit dem Dinge iſt die Unmittelbarkeit, welche aus dem Grunde hervorgeht, — aus der ſich aufhebenden Vermittelung der einfachen Reflexion des Weſens. Die Wirklichkeit aber und die Subſtantialität iſt die aus dem aufgehobenen Unterſchiede der noch unweſentlichen Exiſtenz als Erſcheinung und ihrer Weſentlichkeit hervorgegangene Unmittelbarkeit. Die Objectivität endlich iſt die Unmittelbarkeit, zu der ſich der Begriff durch Aufhebung ſeiner Abſtraction und Vermittelung beſtimmt. — Die Philoſophie hat das Recht aus der Sprache des gemeinen Lebens, welche für die Welt der Vorſtellungen gemacht iſt, ſolche Ausdrücke zu wählen, welche den Beſtimmungen des Begriffs nahe zu kommen ſcheinen. Es kann nicht darum zu thun ſeyn, für ein aus der Sprache des gemeinen Lebens gewähltes Wort zu erweiſen, daß man auch im gemeinen Leben denſelben Begriff damit verbinde, für welchen es die Philoſophie gebraucht, denn das gemeine Leben hat keine Begriffe, ſondern Vorſtellungen, und es iſt die Philoſophie ſelbſt, den Begriff deſſen zu erkennen, was ſonſt bloße Vorſtellung iſt. Es muß daher genügen, wenn der Vorſtellung bei ihren Ausdrücken, die für philoſophiſche Beſtimmungen gebraucht werden, ſo etwas Ungefähres von ihrem Unterſchiede vorſchwebt; wie es bei jenen Ausdrücken der Fall ſeyn mag, daß man in ihnen Schattirungen der Vorſtellung erkennt, welche ſich näher auf die entſprechenden Begriffe beziehen. — Man wird vielleicht ſchwerer zugeben, daß Etwas ſeyn könne, ohne zu exiſtiren: aber wenigſtens wird man z. B. das Seyn als Copula des Urtheils nicht wohl mit dem Ausdruck exiſtiren vertauſchen, und nicht ſagen: dieſe Waare exiſtirt theuer, paſſend u. ſ. f., das Geld exiſtirt Metall, oder metalliſch, ſtatt: dieſe Waare iſt theuer, paſſend u. ſ. f., das Geld iſt Metall;*) Seyn aber und Erſcheinen, Erſcheinung und Wirklichkeit, wie auch bloßes Seyn gegen Wirklichkeit, werden auch wohl ſonſt unterſchieden, ſo wie alle dieſe Ausdrücke noch mehr von der Objectivität. — Sollten ſie aber auch ſynonym gebraucht werden, ſo wird die Philoſophie ohnehin die Freiheit haben, ſolchen leeren Ueberfluß der Sprache für ihre Unterſchiede zu benutzen.

Es iſt beim apodictiſchen Urtheil, wo, als in der Vollendung des Urtheils, das Subject ſeine Beſtimmtheit gegen das Prädicat verliert, an die daher ſtammende gedoppelte Bedeutung der Subjectivität erinnert worden, nämlich des Begriffs und ebenſo der ihm ſonſt gegenüberſtehenden Aeußerlichkeit und Zufälligkeit. So erſcheint auch für die Objectivität die gedoppelte Bedeutung, dem ſelbſtſtändigen Begriffe gegenüber zu ſtehen, aber auch das An- und Fürſichſeyende zu ſeyn. Indem das Object in jenem Sinne dem im ſubjectiven Idealismus als das abſolute Wahre ausgeſprochenen Ich=Ich gegenüberſteht, iſt es die mannigfaltige Welt in ihrem unmittelbaren Daſeyn, mit welcher Ich oder der Begriff ſich nur in den unendlichen Kampf ſetzt, um durch die Negation dieſes an ſich nichtigen Andern der erſten Gewißheit ſeiner ſelbſt die wirkliche Wahrheit ſeiner Gleichheit mit ſich zu geben. — In unbeſtimmterem Sinne bedeutet es ſo einen Gegenſtand überhaupt für irgend ein Intereſſe und Thätigkeit des Subjects.

*) In einem franzöſiſchen Berichte, worin der Befehlshaber angiebt, daß er den ſich bei der Inſel gewöhnlich gegen Morgen erhebenden Wind erwartete, um ans Land zu ſteuern, kommt der Ausdruck vor: le vent ayant été longtems sans exister; hier iſt der Unterſchied bloß aus der ſonſtigen Redensart, z. B. il a été longtems sans m’écrire, entſtanden.

In dem entgegengeſetzten Sinne aber bedeutet das Objective das An- und Fürſichſeyende, das ohne Beſchränkung und Gegenſatz iſt. Vernünftige Grundſätze, vollkommene Kunſtwerke u. ſ. f. heißen inſofern objective, als ſie frei und über aller Zufälligkeit ſind. Obſchon vernünftige, theoretiſche oder ſittliche Grundſätze nur dem Subjectiven, dem Bewußtſeyn angehören, ſo wird das An- und Fürſichſeyende deſſelben doch objectiv genannt; die Erkenntniß der Wahrheit wird darein geſetzt, das Object, wie es als Object frei von Zuthat ſubjectiver Reflexion, zu erkennen, und das Rechtthun in Beſolgung von objectiven Geſetzen, die ohne ſubjectiven Urſprung und keiner Willkür und ihre Nothwendigkeit verkehrenden Behandlung fähig ſind.

Auf dem gegenwärtigen Standpuncte unſerer Abhandlung hat zunächſt die Objectivität die Bedeutung des an- und fürſichſeyenden Seyns des Begriffes, des Begriffes, der die in ſeiner Selbſtbeſtimmung geſetzte Vermittelung, zur unmittelbaren Beziehung auf ſich ſelbſt, aufgehoben hat. Dieſe Unmittelbarkeit iſt dadurch ſelbſt unmittelbar und ganz vom Begriffe durchdrungen, ſo wie ſeine Totalität unmittelbar mit ſeinem Seyn identiſch iſt. Aber indem ferner der Begriff ebenſo ſehr das freie Fürſichſeyn ſeiner Subjectivität herzuſtellen hat, ſo tritt ein Verhältniß deſſelben als Zwecks zur Objectivität ein, worin deren Unmittelbarkeit das gegen ihn Negative, und durch ſeine Thätigkeit zu Beſtimmende wird, hiermit die andere Bedeutung, das an und für ſich Nichtige, inſofern es dem Begriff gegenüberſteht, zu ſeyn, erhält.

Vor's Erſte nun iſt die Objectivität in ihrer Unmittelbarkeit, deren Momente, um der Totalität aller Momente willen, in ſelbſtſtändiger Gleichgültigkeit als Objecte außereinander beſtehen, und in ihrem Verhältniſſe die ſubjective Einheit des Begriffs nur als innere oder als äußere haben; der Mechanismus. — Indem in ihm aber

Zweitens jene Einheit ſich als immanentes Geſetz der Objecte ſelbſt zeigt, ſo wird ihr Verhältniß ihre eigenthümliche durch ihr Geſetz begründete Differenz, und eine Beziehung, in welcher ihre beſtimmte Selbſtſtändigkeit ſich aufhebt; der Chemismus.

Drittens dieſe weſentliche Einheit der Objecte iſt eben damit als unterſchieden von ihrer Selbſtſtändigkeit geſetzt, ſie iſt der ſubjective Begriff aber geſetzt als an und für ſich ſelbſt bezogen auf die Objectivität, als Zweck; die Teleologie.

Indem der Zweck der Begriff iſt, der geſetzt iſt, als an ihm ſelbſt ſich auf die Objectivität zu beziehen, und ſeinen Mangel, ſubjectiv zu ſeyn, durch ſich aufzuheben, ſo wird die zunächſt äußere Zweckmäßigkeit durch die Realiſirung des Zwecks zur innern und zur Idee.


Erſtes Kapitel.
Der Mechanismus.

Da die Objectivität die in ihre Einheit zurückgegangene Totalität des Begriffes iſt, ſo iſt damit ein Unmittelbares geſetzt, das an und für ſich jene Totalität und auch als ſolche geſetzt iſt, in der er aber die negative Einheit des Begriffs ſich noch nicht von der Unmittelbarkeit dieſer Totalität abgeſchieden hat; — oder die Objectivität iſt noch nicht als Urtheil geſetzt. Inſofern ſie den Begriff immanent in ſich hat, ſo iſt der Unterſchied deſſelben an ihr vorhanden; aber um der objectiven Totalität willen ſind die Unterſchiedenen vollſtändige und ſelbſtſtändige Objecte, die ſich daher auch in ihrer Beziehung nur als ſelbſtſtändige zu einander verhalten, und ſich in jeder Verbindung äußerlich bleiben. — Dieß macht den Charakter des Mechanismus aus, daß, welche Beziehung zwiſchen den Verbundenen ſtattfindet, dieſe Beziehung ihnen eine fremde iſt, welche ihre Natur nichts angeht, und wenn ſie auch mit dem Schein eines Eins verknüpft iſt, nichts weiter als Zuſammenſetzung, Vermiſchung, Haufen u. ſ. f. bleibt. Wie der materielle Mechanismus, ſo beſteht auch der geiſtige darin, daß die im Geiſte bezogenen ſich einander und ihm ſelbſt äußerlich bleiben. Eine mechaniſche Vorſtellungsweiſe, ein mechaniſches Gedächtniß, die Gewohnheit, eine mechaniſche Handlungsweiſe bedeuten, daß die eigenthümliche Durchdringung und Gegenwart des Geiſtes bei demjenigen fehlt, was er auffaßt oder thut. Ob zwar ſein theoretiſcher oder praktiſcher Mechanismus nicht ohne ſeine Selbſtthätigkeit, einen Trieb und Bewußtſeyn ſtattfinden kann, ſo fehlt darin doch die Freiheit der Individualität, und weil ſie nicht darin erſcheint, erſcheint ſolches Thun als ein bloß äußerliches.

A.
Das mechaniſche Object.

1. Das Object iſt, wie ſich ergeben hat, der Schluß, deſſen Vermittelung ausgeglichen und daher unmittelbare Identität geworden iſt. Es iſt daher an und für ſich Allgemeines; die Allgemeinheit nicht im Sinne einer Gemeinſchaftlichkeit von Eigenſchaften, ſondern welche die Beſonderheit durchdringt, und in ihr unmittelbare Einzelnheit iſt.

1. Vor's Erſte unterſcheidet ſich daher das Object nicht in Materie und Form, deren jene das ſelbſtſtändige Allgemeine des Objects, dieſe aber das Beſondere und Einzelne ſeyn würde; ein ſolcher abſtracter Unterſchied von Einzelnheit und Allgemeinheit iſt nach ſeinem Begriffe an ihm nicht vorhanden; wenn es als Materie betrachtet wird, ſo muß es als an ſich ſelbſt geformte Materie genommen werden. Ebenſo kann es als Ding mit Eigenſchaften, als Ganzes aus Theilen beſtehend, als Subſtanz mit Accidenzen und nach den anderen Verhältniſſen der Reflexion beſtimmt werden; aber dieſe Verhältniſſe ſind überhaupt ſchon im Begriffe untergegangen; das Object hat daher nicht Eigenſchaften noch Accidenzen, denn ſolche ſind vom Dinge oder der Subſtanz trennbar; im Object iſt aber die Beſonderheit ſchlechthin in die Totalität reflectirt. In den Theilen eines Ganzen iſt zwar diejenige Selbſtſtändigkeit vorhanden, welche den Unterſchieden des Objects zukommt, aber dieſe Unterſchiede ſind ſogleich weſentlich ſelbſt Objecte, Totalitäten, welche nicht, wie die Theile, dieſe Beſtimmtheit gegen das Ganze haben.

Das Object iſt daher zunächſt inſofern unbeſtimmt, als es keinen beſtimmten Gegenſatz an ihm hat; denn es iſt die zur unmittelbaren Identität zuſammengegangene Vermittelung. Inſofern der Begriff weſentlich beſtimmt iſt, hat es die Beſtimmtheit als eine zwar vollſtändige, übrigens aber unbeſtimmte, d. i. verhältnißloſe Mannigfaltigkeit an ihm, welche eine ebenſo zunächſt nicht weiter beſtimmte Totalität ausmacht; Seiten, Theile, die an ihm unterſchieden werden können, gehören einer äußern Reflexion an. Jener ganz unbeſtimmte Unterſchied iſt daher nur, daß es mehrere Objecte giebt, deren jedes ſeine Beſtimmtheit nur in ſeine Allgemeinheit reflectirt enthält, und nicht nach Außen ſcheint. — Weil ihm dieſe unbeſtimmte Beſtimmtheit weſentlich iſt, iſt es in ſich ſelbſt eine ſolche Mehrheit, und muß daher als Zuſammengeſetztes, als Aggregat betrachtet werden. — Es beſteht jedoch nicht aus Atomen, denn dieſe ſind keine Objecte, weil ſie keine Totalitäten ſind. Die leibnitzſche Monade würde mehr ein Object ſeyn, weil ſie eine Totalität der Weltvorſtellung iſt, aber in ihre intenſive Subjectivität eingeſchloſſen, ſoll ſie wenigſtens weſentlich Eins in ſich ſeyn. Jedoch iſt die Monade, als ausſchließendes Eins beſtimmt, nur ein von der Reflexion angenommenes Princip. Sie iſt aber theils inſofern Object, als der Grund ihrer mannigfaltigen Vorſtellungen, der entwickelten, d. h. der geſetzten Beſtimmungen ihrer bloß an ſich ſeyenden Totalität, außer ihr liegt, theils inſofern es der Monade ebenſo gleichgültig iſt, mit andern zuſammen ein Object auszumachen; es iſt ſomit in der That nicht ein ausſchließendes, für ſich ſelbſt beſtimmtes.

2. Indem das Object nun Totalität des Beſtimmtſeyns iſt, aber um ſeiner Unbeſtimmtheit und Unmittelbarkeit willen nicht die negative Einheit deſſelben, ſo iſt es gegen die Beſtimmungen als einzelne, an und für ſich beſtimmte, ſo wie dieſe ſelbſt gegeneinander gleichgültig. Dieſe ſind daher nicht aus ihm, noch auseinander begreiflich; ſeine Totalität iſt die Form des allgemeinen Reflectirtſeyns ſeiner Mannigfaltigkeit in die an ſich ſelbſt nicht beſtimmte Einzelnheit überhaupt. Die Beſtimmtheiten, die es an ihm hat, kommen ihm alſo zwar zu; aber die Form, welche ihren Unterſchied ausmacht, und ſie zu einer Einheit verbindet, iſt eine äußerliche gleichgültige; ſie ſey eine Vermiſchung, oder weiter eine Ordnung, ein gewiſſes Arrangement von Theilen und Seiten, ſo ſind dieß Verbindungen, die denen ſo bezogenen gleichgültig ſind.

Das Object hat hiermit, wie ein Daſeyn überhaupt, die Beſtimmtheit ſeiner Totalität außer ihm, in anderen Objecten, dieſe ebenſo wieder außer ihnen, und ſofort ins Unendliche. Die Rückkehr dieſes Hinausgehens ins Unendliche in ſich muß zwar gleichfalls angenommen und als eine Totalität vorgeſtellt werden, als eine Welt, die aber nichts als die durch die unbeſtimmte Einzelnheit in ſich abgeſchloſſene Allgemeinheit, ein Univerſum iſt.

Indem alſo das Object in ſeiner Beſtimmtheit ebenſo gleichgültig gegen ſie iſt, weiſt es durch ſich ſelbſt für ſein Beſtimmtſeyn außer ſich hinaus, wieder zu Objecten, denen es aber auf gleiche Weiſe gleichgültig iſt, beſtimmend zu ſeyn. Es iſt daher nirgend ein Princip der Selbſtbeſtimmung vorhanden; — der Determinismus, — der Standpunct, auf dem das Erkennen ſteht, inſofern ihm das Object, wie es ſich hier zunächſt ergeben hat, das Wahre iſt, — giebt für jede Beſtimmung deſſelben die eines andern Objects an, aber dieſes Andere iſt gleichfalls indifferent, ſowohl gegen ſein Beſtimmtſeyn, als gegen ſein actives Verhalten. — Der Determinismus iſt darum ſelbſt auch ſo unbeſtimmt, ins Unendliche fortzugehen; er kann beliebig allenthalben ſtehen bleiben, und befriedigt ſeyn, weil das Object, zu welchem er übergegangen, als eine formale Totalität in ſich beſchloſſen und gleichgültig gegen das Beſtimmtſeyn durch ein anderes iſt. Darum iſt das Erklären der Beſtimmung eines Objects, und das zu dieſem Behufe gemachte Fortgehen dieſer Vorſtellung nur ein leeres Wort, weil in dem andern Object, zu dem ſie fortgeht, keine Selbſtbeſtimmung liegt.

3. Indem nun die Beſtimmtheit eines Objects in einem andern liegt, ſo iſt keine beſtimmte Verſchiedenheit zwiſchen ihnen vorhanden; die Beſtimmtheit iſt nur doppelt, einmal an dem einen, dann an dem andern Object, ein ſchlechthin nur Identiſches, und die Erklärung oder das Begreifen inſofern tautologiſch. Dieſe Tautologie iſt das äußerliche, leere Hin- und Hergehen; da die Beſtimmtheit von den dagegen gleichgültigen Objecten keine eigenthümliche Unterſchiedenheit erhält, und deswegen nur identiſch iſt, iſt nur Eine Beſtimmtheit vorhanden; und daß ſie doppelt ſey, drückt eben dieſe Aeußerlichkeit und Nichtigkeit eines Unterſchiedes aus. Aber zugleich ſind die Objecte ſelbſtſtändig gegeneinander; ſie bleiben ſich darum in jener Identität ſchlechthin äußerlich. — Es iſt hiermit der Widerſpruch vorhanden zwiſchen der vollkommenen Gleichgültigkeit der Objecte gegen einander, und zwiſchen der Identität der Beſtimmtheit derſelben, oder ihrer vollkommenen Aeußerlichkeit in der Identität ihrer Beſtimmtheit. Dieſer Widerſpruch iſt ſomit die negative Einheit mehrerer ſich in ihr ſchlechthin abſtoßender Objecte, — der mechaniſche Proceß.

B.
Der mechaniſche Proceß.

Wenn die Objecte nur als in ſich abgeſchloſſene Totalitäten betrachtet werden, ſo können ſie nicht auf einander wirken. Sie ſind in dieſer Beſtimmung daſſelbe, was die Monaden, die eben deswegen ohne alle Einwirkung auf einander gedacht worden. Aber der Begriff einer Monade iſt eben darum eine mangelhafte Reflexion. Denn erſtlich iſt ſie eine beſtimmte Vorſtellung ihrer nur an ſich ſeyenden Totalität; als ein gewiſſer Grad der Entwickelung und des Geſetztſeyns ihrer Weltvorſtellung iſt ſie ein Beſtimmtes; indem ſie nun die ſich in geſchloſſene Totalität iſt, ſo iſt ſie gegen dieſe Beſtimmtheit auch gleichgültig; es iſt daher nicht ihre eigene, ſondern eine durch ein anderes Object geſetzte Beſtimmtheit. Zweitens iſt ſie ein Unmittelbares überhaupt, inſofern ſie ein nur Vorſtellendes ſeyn ſoll; ihre Beziehung auf ſich iſt daher die abſtracte Allgemeinheit; dadurch iſt ſie ein für Andere offenes Daſeyn. — Es iſt nicht hinreichend, um die Freiheit der Subſtanz zu gewinnen, ſie als eine Totalität vorzuſtellen, die in ſich vollſtändig, nichts von Außen her zu erhalten habe. Vielmehr iſt gerade die begriffloſe, bloß vorſtellende Beziehung auf ſich ſelbſt eine Paſſivität gegen Anderes. — Ebenſo iſt die Beſtimmtheit, ſie mag nun als die Beſtimmtheit eines Seyenden, oder eines Vorſtellenden, als ein Grad eigener aus dem Innern kommenden Entwickelung gefaßt werden, ein Aeußerliches; — der Grad, welchen die Entwickelung erreicht, hat ſeine Grenze in einem Andern. Die Wechſelwirkung der Subſtanzen in eine vorherbeſtimmte Harmonie hinauszuſchieben, heißt weiter nichts, als ſie zu einer Vorausſetzung machen, d. i. zu Etwas, das dem Begriffe entzogen wird. — Das Bedürfniß, der Einwirkung der Subſtanzen zu entgehen, gründete ſich auf das Moment der abſoluten Selbſtſtändigkeit und Urſprünglichkeit, welches zu Grunde gelegt wurde. Aber da dieſem Anſichſeyn das Geſetztſeyn, der Grad der Entwickelung nicht entſpricht, ſo hat es eben darum ſeinen Grund in einem Andern.

Vom Subſtantialitäts-Verhältniſſe iſt ſeiner Zeit gezeigt worden, daß es in das Cauſalitäts-Verhältniß übergeht. Aber das Seyende hat hier nicht mehr die Beſtimmung einer Subſtanz, ſondern eines Objects; das Cauſalitäts-Verhältniß iſt im Begriffe untergegangen; die Urſprünglichkeit einer Subſtanz gegen die andere hat ſich als ein Schein, ihr Wirken als ein Uebergehen in das Entgegengeſetzte gezeigt. Dieß Verhältniß hat daher keine Objectivität. Inſofern daher das eine Object in der Form der ſubjectiven Einheit als wirkende Urſache geſetzt iſt, ſo gilt dieß nicht mehr für eine urſprüngliche Beſtimmung, ſondern als etwas Vermitteltes; das wirkende Object hat dieſe ſeine Beſtimmung nur vermittelſt eines andern Objects. — Der Mechanismus, da er der Sphäre des Begriffs angehört, hat an ihm dasjenige geſetzt, was ſich als die Wahrheit des Cauſalitäts-Verhältniſſes erwies; daß die Urſache, die das An- und Fürſichſeyende ſeyn ſoll, weſentlich ebenſo wohl Wirkung, Geſetztſeyn iſt. Im Mechanismus iſt daher unmittelbar die Urſachlichkeit des Objects eine Nichturſprünglichkeit; es iſt gleichgültig gegen dieſe ſeine Beſtimmung; daß es Urſache iſt, iſt ihm daher etwas Zufälliges. — Inſofern könnte man wohl ſagen, daß die Cauſalität der Subſtanzen nur ein Vorgeſtelltes iſt. Aber eben dieſe vorgeſtellte Cauſalität iſt der Mechanismus, indem er dieß iſt, daß die Cauſalität, als identiſche Beſtimmtheit verſchiedener Subſtanzen, ſomit als das Untergehen ihrer Selbſtſtändigkeit in dieſer Identität, ein bloßes Geſetztſeyn iſt; die Objecte ſind gleichgültig gegen dieſe Einheit, und erhalten ſich gegen ſie. Aber ebenſo ſehr iſt auch dieſe ihre gleichgültige Selbſtſtändigkeit ein bloßes Geſetztſeyn; ſie ſind darum fähig, ſich zu vermiſchen und zu aggregiren, und als Aggregat zu Einem Objecte zu werden. Durch dieſe Gleichgültigkeit, ebenſo wohl gegen ihren Uebergang, als gegen ihre Selbſtſtändigkeit, ſind die Subſtanzen Objecte.

a.
Der formale mechaniſche Proceß.

Der mechaniſche Proceß iſt das Setzen deſſen, was im Begriffe des Mechanismus enthalten iſt, zunächſt alſo eines Widerſpruchs.

1. Das Einwirken der Objecte ergiebt ſich aus dem aufgezeigten Begriffe ſo, daß es das Setzen der identiſchen Beziehung der Objecte iſt. Dieß beſteht nur darin, daß der Beſtimmtheit, welche beſtimmt wird, die Form der Allgemeinheit gegeben wird; — was die Mittheilung iſt, welche ohne Uebergehen ins Entgegengeſetzte iſt. — Die geiſtige Mittheilung, die ohnehin in dem Elemente vorgeht, welches das Allgemeine in der Form der Allgemeinheit iſt, iſt für ſich ſelbſt eine ideelle Beziehung, worin ſich ungetrübt eine Beſtimmtheit von einer Perſon in die andere continuirt, und ohne alle Veränderung ſich verallgemeinert, — wie ein Duft in der widerſtandsloſen Atmoſphäre ſich frei verbreitet. Aber auch in der Mittheilung zwiſchen materiellen Objecten macht ſich ihre Beſtimmtheit auf eine ebenſo ideelle Weiſe, ſo zu ſagen, breit; die Perſönlichkeit iſt eine unendlich intenſivere Härte, als die Objecte haben. Die formelle Totalität des Objects überhaupt, welche gegen die Beſtimmtheit gleichgültig, ſomit keine Selbſtbeſtimmung iſt, macht es zum Ununterſchiedenen vom andern, und die Einwirkung daher zunächſt zu einer ungehinderten Continuirung der Beſtimmtheit des einen in dem andern.

Im Geiſtigen iſt es nun ein unendlich mannigfaltiger Inhalt, der mittheilungsfähig iſt, indem er in die Intelligenz aufgenommen, dieſe Form der Allgemeinheit erhält, in der er ein Mittheilbares wird. Aber das nicht nur durch die Form, ſondern an und für ſich Allgemeine iſt das Objective als ſolches, ſowohl im Geiſtigen als im Körperlichen, wogegen die Einzelnheit der äußern Objecte, wie auch der Perſonen, ein Unweſentliches iſt, das ihm keinen Widerſtand leiſten kann. Die Geſetze, Sitten, vernünftige Vorſtellungen überhaupt, ſind im Geiſtigen ſolche Mittheilbare, welche die Individuen auf eine bewußtloſe Weiſe durchdringen, und ſich in ihnen geltend machen. Im Körperlichen ſind es Bewegung, Wärme, Magnetismus, Electricität und dergleichen — die, wenn man ſie auch als Stoffe oder Materien ſich vorſtellen will, als imponderable Agentien beſtimmt werden müſſen, — Agentien, die dasjenige der Materialität nicht haben, was ihre Vereinzelung begründet.

2. Wenn nun im Einwirken der Objecte auf einander zuerſt ihre identiſche Allgemeinheit geſetzt wird, ſo iſt ebenſo nothwendig das andere Begriffs-Moment, die Beſonderheit zu ſetzen; die Objecte beweiſen daher auch ihre Selbſtſtändigkeit, erhalten ſich als einander äußerlich, und ſtellen die Einzelnheit in jener Allgemeinheit her. Dieſe Herſtellung iſt die Reaction überhaupt. Zunächſt iſt ſie nicht zu faſſen, als ein bloßes Aufheben der Action und der mitgetheilten Beſtimmtheit; das Mitgetheilte iſt als Allgemeines poſitiv in den beſondern Objecten und beſondert ſich nur an ihrer Verſchiedenheit. Inſofern bleibt alſo das Mitgetheilte, was es iſt; nur vertheilt es ſich an die Objecte, oder wird durch deren Particularität beſtimmt. — Die Urſache geht in ihrem Andern, der Wirkung, die Activität der urſachlichen Subſtanz in ihrem Wirken verloren; das einwirkende Object aber wird nur ein Allgemeines; ſein Wirken iſt zunächſt nicht ein Verluſt ſeiner Beſtimmtheit, ſondern eine Particulariſation, wodurch es, welches zuerſt jene ganze, an ihm einzelne Beſtimmtheit war, nun eine Art derſelben, und die Beſtimmmtheit erſt dadurch als ein Allgemeines geſetzt wird. Beides, die Erhebung der einzelnen Beſtimmtheit zur Allgemeinheit, in der Mittheilung, und die Particulariſation derſelben oder die Herabſetzung derſelben, die nur Eine war, zu einer Art, in der Vertheilung, iſt ein und daſſelbe.

Die Reaction iſt nun der Action gleich. — Dieß erſcheint zunächſt ſo, daß das andere Object das ganze Allgemeine in ſich aufgenommen, und nun ſo Actives gegen das Erſte iſt. So iſt ſeine Reaction dieſelbe als die Action, ein gegenſeitiges Abſtoßen des Stoßes. Zweitens iſt das Mitgetheilte das Objective; es bleibt alſo ſubſtantielle Beſtimmung der Objecte bei der Vorausſetzung ihrer Verſchiedenheit; das Allgemeine ſpecificirt ſich ſomit zugleich in ihnen, und jedes Object giebt daher nicht die ganze Action nur zurück, ſondern hat ſeinen ſpecifiſchen Antheil. Aber drittens iſt die Reaction inſofern ganz negative Action, als jedes durch die Elaſticität ſeiner Selbſtſtändigkeit das Geſetztſeyn eines Andern in ihm ausſtößt, und ſeine Beziehung auf ſich erhält. Die ſpecifiſche Beſonderheit der mitgetheilten Beſtimmtheit in den Objecten, was vorhin Art genannt wurde, geht zur Einzelnheit zurück, und das Object behauptet ſeine Aeußerlichkeit gegen die mitgetheilte Allgemeinheit. Die Action geht dadurch in Ruhe über. Sie erweiſt ſich als eine an der in ſich geſchloſſenen gleichgültigen Totalität des Objects nur oberflächliche, tranſiente Veränderung.

3. Dieſes Rückgehen macht das Product des mechaniſchen Proceſſes aus. Unmittelbar iſt das Object vorausgeſetzt als Einzelnes, ferner als Beſonderes gegen andere, drittens aber als Gleichgültiges gegen ſeine Beſonderheit, als Allgemeines. Das Product iſt jene vorausgeſetzte Totalität des Begriffes nun als eine geſetzte. Er iſt der Schlußſatz, worin das mitgetheilte Allgemeine durch die Beſonderheit des Objects mit der Einzelnheit zuſammengeſchloſſen iſt; aber zugleich iſt in der Ruhe die Vermittelung als eine ſolche geſetzt, die ſich aufgehoben hat, oder daß das Product gegen dieß ſein Beſtimmtwerden gleichgültig und die erhaltene Beſtimmtheit eine äußerliche an ihm iſt.

Sonach iſt das Product daſſelbe, was das in den Proceß erſt eingehende Object. Aber zugleich iſt es erſt durch dieſe Bewegung beſtimmt; das mechaniſche Object iſt überhaupt nur Object als Product, weil das, was es iſt, erſt durch Vermittelung eines Andern an ihm iſt. So als Product iſt es, was es an und für ſich ſeyn ſollte, ein zuſammengeſetztes, vermiſchtes, eine gewiſſe Ordnung und Arrangement der Theile, überhaupt ein ſolches, deſſen Beſtimmtheit nicht Selbſtbeſtimmung, ſondern ein geſetztes iſt.

Auf der andern Seite iſt ebenſo ſehr das Reſultat des mechaniſchen Proceſſes nicht ſchon vor ihm ſelbſt vorhanden; ſein Ende iſt nicht in ſeinem Anfang, wie beim Zwecke. Das Product iſt eine Beſtimmtheit am Object als äußerlich geſetzte. Dem Begriffe nach iſt daher dieß Product wohl daſſelbe, was das Object ſchon von Anfang iſt. Aber im Anfange iſt die äußerliche Beſtimmtheit noch nicht als geſetzte. Das Reſultat iſt inſofern ein ganz anderes, als das erſte Daſeyn des Objects, und iſt als etwas ſchlechthin für daſſelbe zufälliges.

b.
Der reale mechaniſche Proceß.

Der mechaniſche Proceß geht in Ruhe über. Die Beſtimmtheit nämlich, welche das Object durch ihn erhält, iſt nur eine äußerliche. Ein ebenſo Aeußerliches iſt ihm dieſe Ruhe ſelbſt, indem dieß die dem Wirken des Objects entgegengeſetzte Beſtimmtheit, aber jede dem Objecte gleichgültig iſt; die Ruhe kann daher auch angeſehen werden, als durch eine äußerliche Urſache hervorgebracht, ſo ſehr es dem Objecte gleichgültig war, wirkendes zu ſeyn.

Indem nun ferner die Beſtimmtheit eine geſetzte, und der Begriff des Objects durch die Vermittelung hindurch zu ſich ſelbſt zurückgegangen iſt, ſo hat das Object die Beſtimmtheit als eine in ſich reflectirte an ihm. Die Objecte haben daher nunmehr im mechaniſchen Proceſſe und dieſer ſelbſt ein näher beſtimmtes Verhältniß. Sie ſind nicht bloß verſchiedene, ſondern beſtimmt unterſchiedene gegen einander. Das Reſultat des formalen Proceſſes, welches einerſeits die beſtimmungsloſe Ruhe iſt, iſt ſomit andererſeits durch die in ſich reflectirte Beſtimmtheit die Vertheilung des Gegenſatzes, den das Object überhaupt an ihm hat, unter mehrere ſich mechaniſch zu einander verhaltende Object. Das Object, einerſeits das Beſtimmungsloſe, das ſich unelaſtiſch und unſelbſtſtändig verhält, hat andererſeits eine für andere undurchbrechbare Selbſtſtändigkeit. Die Objecte haben nun auch gegen einander dieſen beſtimmteren Gegenſatz der ſelbſtſtändigen Einzelnheit und der unſelbſtſtändigen Allgemeinheit. — Der nähere Unterſchied kann als ein bloß quantitativer der verſchiedenen Größe der Maſſe im Körperlichen, oder der Intenſität, oder auf vielfache andere Weiſe gefaßt werden. Ueberhaupt aber iſt er nicht bloß in jener Abſtraction feſtzuhalten; beide ſind auch als Objecte poſitive Selbſtſtändige.

Das erſte Moment dieſes realen Proceſſes iſt nun wie vorhin die Mittheilung. Das Schwächere kann vom Stärkern nur inſofern gefaßt und durchdrungen werden, als es daſſelbe aufnimmt und Eine Sphäre mit ihm ausmacht. Wie im Materiellen das Schwache gegen das unverhältnißmäßig Starke geſichert iſt (wie ein in der Luft freihängendes Leintuch von einer Flintenkugel nicht durchſchoſſen; eine ſchwache organiſche Receptivität nicht ſowohl von den ſtarken als von den ſchwachen Reizmitteln angegriffen wird), ſo iſt der ganz ſchwache Geiſt ſicherer gegen den ſtarken als ein ſolcher, der dieſem näher ſteht; wenn man ſich ein ganz Dummes, Unedles vorſtellen will, ſo kann auf daſſelbe hoher Verſtand, kann das Edle keinen Eindruck machen; das einzig conſequente Mittel gegen die Vernunft iſt, ſich mit ihr gar nicht einzulaſſen. — Inſofern das Unſelbſtſtändige mit dem Selbſtſtändigen nicht zuſammengehen und keine Mittheilung zwiſchen ihnen ſtattfinden kann, kann das Letztere auch keinen Widerſtand leiſten, d. h. das mitgetheilte Allgemeine nicht für ſich ſpecificiren. — Wenn ſie ſich nicht in Einer Sphäre befänden, ſo wäre ihre Beziehung auf einander ein unendliches Urtheil, und kein Prozeß zwiſchen ihnen möglich.

Der Widerſtand iſt das nähere Moment der Ueberwältigung des einen Objects durch das andere, indem er das beginnende Moment der Vertheilung des mitgetheilten Allgemeinen, und des Setzens der ſich auf ſich beziehenden Negativität, der herzuſtellenden Einzelnheit, iſt. Der Widerſtand wird überwältigt, inſofern ſeine Beſtimmtheit dem mitgetheilten Allgemeinen, welches vom Objecte aufgenommen worden, und ſich in ihm ſingulariſiren ſoll, nicht angemeſſen iſt. Seine relative Unſelbſtſtändigkeit manifeſtirt ſich darin, daß ſeine Einzelnheit nicht die Capacität für das Mitgetheilte hat, daher von demſelben zerſprengt wird, weil es ſich an dieſem Allgemeinen nicht als Subject conſtituiren, daſſelbe nicht zu ſeinem Prädicate machen kann. — Die Gewalt gegen ein Object iſt nur nach dieſer zweiten Seite Fremdes für daſſelbe. Die Macht wird dadurch zur Gewalt, daß ſie, eine objective Allgemeinheit, mit der Natur des Objects identiſch iſt, aber ihre Beſtimmtheit oder Negativität nicht deſſen-eigene negative Reflexion in ſich iſt, nach welcher es ein Einzelnes iſt. Inſofern die Negativität des Objects nicht an der Macht ſich in ſich reflectirt, die Macht nicht deſſen eigene Beziehung auf ſich iſt, iſt ſie gegen dieſelbe nur abſtracte Negativität, deren Manifeſtation der Untergang iſt.

Die Macht, als die objective Allgemeinheit und als Gewalt gegen das Object, iſt, was Schickſal genannt wird; — ein Begriff, der innerhalb des Mechanismus fällt, inſofern es blind genannt, d. h. deſſen objective Allgemeinheit vom Subjecte in ſeiner ſpecifiſchen Eigenheit nicht erkannt wird. — Um einiges Weniges hierüber zu bemerken, ſo iſt das Schickſal des Lebendigen überhaupt die Gattung, welche ſich durch die Vergänglichkeit der lebendigen Individuen, die ſie in ihrer wirklichen Einzelnheit nicht als Gattung haben, manifeſtirt. Als bloße Objecte haben die nur lebendigen Naturen wie die übrigen Dinge von niedrigerer Stufe kein Schickſal; was ihnen widerfährt, iſt eine Zufälligkeit; aber ſie ſind in ihrem Begriffe als Objecte äußerliche; die fremde Macht des Schickſals iſt daher ganz nur ihre eigene unmittelbare Natur, die Aeußerlichkeit und Zufälligkeit ſelbſt. Ein eigentliches Schickſal hat nur das Selbſtbewußtſeyn; weil es frei, in der Einzelnheit ſeines Ich daher ſchlechthin an und für ſich iſt, und ſeiner objectiven Allgemeinheit ſich gegenüberſtellen, und ſich gegen ſie entfremden kann. Aber durch dieſe Trennung ſelbſt erregt es gegen ſich das mechaniſche Verhältniß eines Schickſals. Damit alſo ein ſolches Gewalt über daſſelbe haben könne, muß es irgend eine Beſtimmtheit gegen die weſentliche Allgemeinheit ſich gegeben, eine That begangen haben. Hierdurch hat es ſich zu einem Beſondern gemacht, und dieß Daſeyn iſt als die abſtracte Allgemeinheit zugleich die für die Mittheilung ſeines ihm entfremdeten Weſens offene Seite; an dieſer wird es in den Proceß geriſſen. Das thatloſe Volk iſt tadellos; es iſt in die objective, ſittliche Allgemeinheit eingehüllt und darin aufgelöſt, ohne die Individualität, welche das Unbewegte bewegt, ſich eine Beſtimmtheit nach Außen, und eine von der objectiven abgetrennte abſtracte Allgemeinheit giebt, womit aber auch das Subject zu einem ſeines Weſens Entäußerten, einem Objecte wird, und in das Verhältniß der Aeußerlichkeit gegen ſeine Natur und des Mechanismus getreten iſt.

c.
Das Product des mechaniſchen Proceſſes.

Das Product des formalen Mechanismus iſt das Object überhaupt, eine gleichgültige Totalität, an welcher die Beſtimmtheit als geſetzte iſt. Indem hierdurch das Object als Beſtimmtes in den Proceß eingetreten iſt, ſo iſt einerſeits in dem Untergange deſſelben die Ruhe als der urſprüngliche Formalismus des Objects, die Negativität ſeines Für-ſich-beſtimmtſeyns, das Reſultat. Andererſeits aber iſt das Aufheben des Beſtimmtſeyns, als poſitive Reflexion deſſelben in ſich, die in ſich gegangene Beſtimmtheit oder die geſetzte Totalität des Begriffs; die wahrhafte Einzelnheit des Objects. Das Object, zuerſt in ſeiner unbeſtimmten Allgemeinheit, dann als Beſonderes, iſt nun als objectiv Einzelnes beſtimmt; ſo daß darin jener Schein von Einzelnheit, welche nur eine ſich der ſubſtantiellen Allgemeinheit gegenüberſtellende Selbſtſtändigkeit iſt, aufgehoben worden.

Dieſe Reflexion in ſich iſt nun, wie ſie ſich ergeben hat, das objective Einsſeyn der Objecte, welches individuelle Selbſtſtändigkeit, — das Centrum iſt. Zweitens iſt die Reflexion der Negativität die Allgemeinheit, die nicht ein der Beſtimmtheit gegenüberſtehendes, ſondern in ſich beſtimmtes, vernünftiges Schickſal iſt, — eine Allgemeinheit, die ſich an ihr ſelbſt beſondert, der ruhige, in der unſelbſtſtändigen Beſonderheit der Objecte und ihrem Proceſſe feſte Unterſchied, das Geſetz. Dieß Reſultat iſt die Wahrheit, ſomit auch die Grundlage des mechaniſchen Proceſſes.

C.
Der abſolute Mechanismus.
a.
Das Centrum.

Die leere Mannigfaltigkeit des Objects iſt nun erſtens in die objective Einzelnheit, in den einfachen ſelbſt beſtimmenden Mittelpunct geſammelt. Inſofern zweitens das Object als unmittelbare Totalität ſeine Gleichgültigkeit gegen die Beſtimmtheit behält, ſo iſt dieſe an ihm auch als unweſentliche oder als ein Außereinander von vielen Objecten vorhanden. Die erſtere, die weſentliche Beſtimmtheit macht dagegen die reelle Mitte zwiſchen den vielen mechaniſch auf einander wirkenden Objecten aus, durch welche ſie an und für ſich zuſammen geſchloſſen ſind, und iſt deren objective Allgemeinheit. Die Allgemeinheit zeigte ſich zuerſt im Verhältniſſe der Mittheilung als eine nur durchs Setzen vorhandene; als objective aber iſt ſie das durchdringende, immanente Weſen der Objecte.

In der materiellen Welt iſt es der Central-Körper, der die Gattung, aber individuelle Allgemeinheit der einzelnen Objecte und ihres mechaniſchen Proceſſes iſt. Die unweſentlichen einzelnen Körper verhalten ſich ſtoßend und drückend zu einander; ſolches Verhältniß findet nicht zwiſchen dem Central-Körper und den Objecten ſtatt, deren Weſen er iſt; denn ihre Aeußerlichkeit macht nicht mehr ihre Grundbeſtimmung aus. Ihre Identität mit ihm iſt alſo vielmehr die Ruhe, nämlich das Seyn in ihrem Centrum; dieſe Einheit iſt ihr an und für ſich ſeyender Begriff. Sie bleibt jedoch nur ein Sollen, da die zugleich noch geſetzte Aeußerlichkeit der Objecte jener Einheit nicht entſpricht. Das Streben, das ſie daher nach dem Centrum haben, iſt ihre abſolute, nicht durch Mittheilung geſetzte Allgemeinheit; ſie macht die wahre, ſelbſt concrete, nicht von Außen geſetzte Ruhe aus, in welche der Proceß der Unſelbſtſtändigkeit zurückgehen muß. — Es iſt deswegen eine leere Abſtraction, wenn in der Mechanik angenommen wird, daß ein in Bewegung geſetzter Körper überhaupt ſich in gerader Linie ins Unendliche fortbewegen würde, wenn er nicht durch äußerlichen Widerſtand ſeine Bewegung verlöre. Die Reibung, oder welche Form der Widerſtand ſonſt hat, iſt nur die Erſcheinung der Centralität; dieſe iſt es, welche ihn abſolut zu ſich zurückbringt; denn das, woran ſich der bewegte Körper reibt, hat allein die Kraft eines Widerſtands durch ſein Einsſeyn mit dem Centrum. — Im Geiſtigen nimmt das Centrum und das Einſeyn mit demſelben höhere Formen an; aber die Einheit des Begriffs und deren Realität, welche hier zunächſt mechaniſche Centralität iſt, muß auch dort die Grundbeſtimmung ausmachen.

Der Central-Körper hat inſofern aufgehört, ein bloßes Object zu ſeyn, da an dieſem die Beſtimmtheit ein Unweſentliches iſt; denn er hat nicht mehr nur das An-ſich-, ſondern auch das Für-ſichſeyn der objectiven Totalität. Er kann deswegen als ein Individuum angeſehen werden. Seine Beſtimmtheit iſt weſentlich von einer bloßen Ordnung oder Arrangement und äußerlichen Zuſammenhang von Theilen verſchieden; ſie iſt als an und für ſich ſeyende Beſtimmtheit eine immanente Form, ſelbſt beſtimmendes Princip, welchem die Objecte inhäriren, und wodurch ſie zu einem wahrhaften Eins verbunden ſind.

Dieſes Central-Individuum iſt aber ſo nur erſt Mitte, welche noch keine wahrhaften Extreme hat; als negative Einheit des totalen Begriffs dirimirt es ſich aber in ſolche. Oder: die vorhin unſelbſtſtändigen ſich äußerlichen Objecte werden durch den Rückgang des Begriffs gleichfalls zu Individuen beſtimmt; die Identität des Central-Körpers mit ſich, die noch ein Streben iſt, iſt mit Aeußerlichkeit behaftet, welcher, da ſie in ſeine objective Einzelnheit aufgenommen iſt, dieſe mitgetheilt iſt. Durch dieſe eigene Centralität ſind ſie, außer jenem erſten Centrum geſtellt, ſelbſt Centra für die unſelbſtſtändigen Objecte. Dieſe zweiten Centra und die unſelbſtſtändigen Objecte ſind durch jene abſolute Mitte zuſammengeſchloſſen.

Die relativen Central-Individuen machen aber auch ſelbſt die Mitte eines zweiten Schluſſes aus, welche einerſeits unter ein höheres Extrem, die objective Allgemeinheit und Macht des abſoluten Centrums, ſubſumirt iſt, auf der andern Seite die unſelbſtſtändigen Objecte unter ſich ſubſumirt, deren oberflächliche oder formale Vereinzelung von ihr getragen werden. — Auch dieſe Unſelbſtſtändigen ſind die Mitte eines dritten, des formalen Schluſſes; indem ſie das Band zwiſchen der abſoluten und der relativen Centralindividualität inſofern ſind, als die letztere in ihnen ihre Aeußerlichkeit hat, durch welche die Beziehung auf ſich zugleich ein Streben nach einem abſoluten Mittelpunct iſt. Die formalen Objecte haben zu ihrem Weſen die identiſche Schwere ihres unmittelbaren Central-Körpers, dem ſie als ihrem Subjecte und Extreme der Einzelnheit inhäriren; durch die Aeußerlichkeit, welche ſie ausmachen, iſt er unter den abſoluten Central-Körper ſubſumirt; ſie ſind alſo die formale Mitte der Beſonderheit. — Das abſolute Individuum aber iſt die objectiv-allgemeine Mitte, welche das Inſichſeyn des relativen Individuums und ſeine Aeußerlichkeit zuſammenſchließt und feſthält. — So ſind auch die Regierung, die Bürger-Individuen und die Bedürfniſſe oder das äußerliche Leben der Einzelnen drei Termini, deren jeder die Mitte der zwei andern iſt. Die Regierung iſt das abſolute Centrum, worin das Extrem der Einzelnen mit ihrem äußerlichen Beſtehen zuſammengeſchloſſen wird; ebenſo ſind die Einzelnen Mitte, welche jenes allgemeine Individuum zur äußerlichen Exiſtenz bethätigen, und ihr ſittliches Weſen in das Extrem der Wirklichkeit überſetzen. Der dritte Schluß iſt der formale, der Schluß des Scheins, daß die einzelnen durch ihre Bedürfniſſe und das äußerliche Daſeyn an dieſe allgemeine abſolute Individualität geknüpft ſind; ein Schluß, der als der bloß ſubjective in die anderen übergeht, und in ihnen ſeine Wahrheit hat.

Dieſe Totalität, deren Momente ſelbſt die vollſtändigen Verhältniſſe des Begriffes, die Schlüſſe, ſind, worin jedes der drei unterſchiedenen Objecte die Beſtimmung der Mitte und der Extreme durchläuft, macht den freien Mechanismus aus. In ihm haben die unterſchiedenen Objecte die objective Allgemeinheit, die durchdringende in der Beſonderung ſich identiſch erhaltende Schwere, zu ihrer Grundbeſtimmung. Die Beziehungen von Druck, Stoß, Anziehen und dergleichen, ſo wie Aggregirungen oder Vermiſchungen, gehören dem Verhältniſſe der Aeußerlichkeit an, die den dritten der zuſammengeſtellten Schlüſſe begründet. Die Ordnung, welches die bloß äußerliche Beſtimmtheit der Objecte iſt, iſt in die immanente und objective Beſtimmung übergegangen; dieſe iſt das Geſetz.

b.
Das Geſetz.

In dem Geſetze thut ſich der beſtimmtere Unterſchied von ideeller Realität der Objectivität gegen die äußerliche hervor. Das Object hat als unmittelbare Totalität des Begriffs die Aeußerlichkeit noch nicht als von dem Begriffe unterſchieden, der nicht für ſich geſetzt iſt. Indem es durch den Proceß in ſich gegangen, iſt der Gegenſatz der einfachen Centralität gegen eine Aeußerlichkeit eingetreten, welche nun als Aeußerlichkeit beſtimmt, d. i. als nicht An- und Für-ſich-ſeyendes geſetzt iſt. Jenes Identiſche oder Ideelle der Individualität iſt um der Beziehung auf die Aeußerlichkeit willen ein Sollen; es iſt die an- und für-ſich beſtimmte und ſelbſtbeſtimmende Einheit des Begriffs, welcher jene äußerliche Realität nicht entſpricht, und daher nur bis zum Streben kommt. Aber die Individualität iſt an und für ſich das concrete Princip der negativen Einheit, als ſolches ſelbſt Totalität; eine Einheit, die ſich in die beſtimmten Begriffsunterſchiede dirimirt, und in ihrer ſich ſelbſt gleichen Allgemeinheit bleibt; ſomit der innerhalb ſeiner reinen Idealität durch den Unterſchied erweiterte Mittelpunct. — Dieſe Realität, die dem Begriffe entſpricht, iſt die ideelle, von jener nur ſtrebenden unterſchieden; der Unterſchied, der zunächſt eine Vielheit von Objecten iſt, in ſeiner Weſentlichkeit und in die reine Allgemeinheit aufgenommen. Dieſe reelle Idealität iſt die Seele der vorhin entwickelten, objectiven Totalität, die an und für ſich beſtimmte Identität des Syſtems.

Das objective An- und Für-ſichſeyn ergiebt ſich daher in ſeiner Totalität beſtimmter als die negative Einheit des Centrums, welche ſich in die ſubjective Individualität und die äußerliche Objectivität theilt, in dieſer jene erhält und in ideellem Unterſchiede beſtimmt. Dieſe ſelbſtbeſtimmende, die äußerliche Objectivität in die Idealität abſolut zurückführende Einheit iſt Princip von Selbſtbewegung; die Beſtimmtheit dieſes Beſeelenden, welche der Unterſchied des Begriffes ſelbſt iſt, iſt das Geſetz. — Der todte Mechanismus war der betrachtete mechaniſche Proceß von Objecten, die unmittelbar als ſelbſtſtändig erſchienen, aber eben deswegen in Wahrheit unſelbſtſtändig ſind, und ihr Centrum außer ihnen haben; dieſer Proceß, der in Ruhe übergeht, zeigt entweder Zufälligkeit und unbeſtimmte Ungleichheit, oder formale Gleichförmigkeit. Dieſe Gleichförmigkeit iſt wohl eine Regel, aber nicht Geſetz. Nur der freie Mechanismus hat ein Geſetz, die eigene Beſtimmung der reinen Individualität oder des für ſich ſeyenden Begriffes; es iſt als Unterſchied an ſich ſelbſt unvergängliche Quelle ſich ſelbſt entzündender Bewegung; indem es in der Idealität ſeines Unterſchiedes ſich nur auf ſich bezieht, freie Nothwendigkeit.

c.
Uebergang des Mechanismus.

Dieſe Seele iſt jedoch in ihren Körper noch verſenkt; der nunmehr beſtimmte, aber innere Begriff der objectiven Totalität iſt ſo freie Nothwendigkeit, daß das Geſetz ſeinem Objecte noch nicht gegenüber getreten iſt; es iſt die concrete Centralität als in ihre Objectivität unmittelbar verbreitete Allgemeinheit. Jene Idealität hat daher nicht die Objecte ſelbſt zu ihrem beſtimmten Unterſchied; dieſe ſind ſelbſtſtändige Individuen der Totalität, oder auch, wenn wir auf die formale Stufe zurückſehen, nicht individuelle, äußerliche Objecte. Das Geſetz iſt ihnen wohl immanent und macht ihre Natur und Macht aus; aber ſein Unterſchied iſt in ſeine Idealität eingeſchloſſen, und die Objecte ſind nicht ſelbſt in die ideelle Differenz des Geſetzes unterſchieden. Aber das Object hat an der ideellen Centralität und deren Geſetze allein ſeine weſentliche Selbſtſtändigkeit; es hat daher keine Kraft, dem Urtheile des Begriffs Widerſtand zu thun, und ſich in abſtracter, unbeſtimmter Selbſtſtändigkeit und Verſchloſſenheit zu erhalten. Durch den ideellen, ihm immanenten Unterſchied iſt ſein Daſeyn eine durch den Begriff geſetzte Beſtimmtheit. Seine Unſelbſtſtändigkeit iſt auf dieſe Weiſe nicht mehr nur ein Streben nach dem Mittelpuncte, gegen den es eben, weil ſeine Beziehung nur ein Streben iſt, noch die Erſcheinung eines ſelbſtſtändigen äußerlichen Objectes hat; ſondern es iſt ein Streben nach dem beſtimmt ihm entgegengeſetzten Object; ſo wie das Centrum dadurch ſelbſt auseinander, und ſeine negative Einheit in den objectivirten Gegenſatz übergegangen iſt. Die Centralität iſt daher jetzt Beziehung dieſer gegen einander negativen und geſpannten Objectivitäten. So beſtimmt ſich der freie Mechanismus zum Chemismus.


Zweites Kapitel.
Der Chemismus.

Der Chemismus macht im Ganzen der Objectivität das Moment des Urtheils, der objectiv gewordenen Differenz und des Proceſſes aus. Da er mit der Beſtimmtheit und dem Geſetztſeyn ſchon beginnt, und das chemiſche Object zugleich objective Totalität iſt, iſt ſein nächſter Verlauf einfach, und durch ſeine Vorausſetzung vollkommen beſtimmt.

A.
Das chemiſche Object.

Das chemiſche Object unterſcheidet ſich von dem mechaniſchen dadurch, daß das letztere eine Totalität iſt, welche gegen die Beſtimmtheit gleichgültig iſt; bei dem chemiſchen dagegen gehört die Beſtimmtheit, ſomit die Beziehung auf Anderes, und die Art und Weiſe dieſer Beziehung, ſeiner Natur an. — Dieſe Beſtimmtheit iſt weſentlich zugleich Beſonderung, d. h. in die Allgemeinheit aufgenommen; ſie iſt ſo Princip — die allgemeine Beſtimmtheit, nicht nur die des eines einzelnen Objects, ſondern auch die des andern. Es unterſcheidet ſich daher nun an demſelben ſein Begriff, als die innere Totalität beider Beſtimmtheiten, und die Beſtimmtheit, welche die Natur des einzelnen Objects in ſeiner Aeußerlichkeit und Exiſtenz ausmacht. Indem es auf dieſe Weiſe an ſich der ganze Begriff iſt, ſo hat es an ihm ſelbſt die Nothwendigkeit und den Trieb, ſein entgegengeſetztes, einſeitiges Beſtehen aufzuheben, und ſich zu dem realen Ganzen im Daſeyn zu machen, welches es ſeinem Begriffe nach iſt.

Ueber den Ausdruck; Chemismus, für das Verhältniß der Differenz der Objectivität, wie es ſich ergeben hat, kann übrigens bemerkt werden, daß er hier nicht ſo verſtanden werden muß, als ob ſich dieß Verhältniß nur in derjenigen Form der elementariſchen Natur darſtellte, welche der eigentliche ſogenannte Chemismus heißt. Schon das meteorologiſche Verhältniß muß als ein Proceß angeſehen werden, deſſen Parthien mehr die Natur von phyſikaliſchen als chemiſchen Elementen haben. Im Lebendigen ſteht das Geſchlechtsverhältniß unter dieſem Schema; ſo wie es auch für die geiſtigen Verhältniſſe der Liebe, Freundſchaft u. ſ. w. die formale Grundlage ausmacht.

Näher betrachtet iſt das chemiſche Object zunächſt, als eine ſelbſtſtändige Totalität überhaupt, ein in ſich reflectirtes, das inſofern von ſeinem Reflectirt-Seyn nach Außen unterſchieden iſt, — eine gleichgültige Baſis, das noch nicht als different beſtimmte Individuum; auch die Perſon iſt eine ſolche ſich erſt nur auf ſich beziehende Baſis. Die immanente Beſtimmtheit aber, welche ſeine Differenz ausmacht, iſt erſtlich ſo in ſich reflectirt, daß dieſe Zurücknahme der Beziehung nach Außen nur formale abſtracte Allgemeinheit iſt; ſo iſt die Beziehung nach Außen Beſtimmung ſeiner Unmittelbarkeit und Exiſtenz. Nach dieſer Seite geht es nicht an ihm ſelbſt in die individuelle Totalität zurück; und die negative Einheit hat die beiden Momente ihres Gegenſatzes an zwei beſonderen Objecten. Sonach iſt ein chemiſches Object nicht aus ihm ſelbſt begreiflich, und das Seyn des Einen iſt das Seyn eines Andern. — Zweitens aber iſt die Beſtimmtheit abſolut in ſich reflectirt, und das concrete Moment des individuellen Begriffs des Ganzen, der das allgemeine Weſen, die reale Gattung des beſondern Objects iſt. Das chemiſche Object, hiermit der Widerſpruch ſeines unmittelbaren Geſetztſeyns und ſeines immanenten individuellen Begriffs, iſt ein Streben, die Beſtimmtheit ſeine Daſeyns aufzuheben, und der objectiven Totalität des Begriffes die Exiſtenz zu geben. Es iſt daher zwar gleichfalls ein unſelbſtſtändiges, aber ſo, daß es hiergegen durch ſeine Natur ſelbſt geſpannt iſt, und den Proceß ſelbſtbeſtimmend anfängt.

B.
Der Proceß.

1. Er beginnt mit der Vorausſetzung, daß die geſpannten Objecte, ſo ſehr ſie es gegen ſich ſelbſt, es zunächſt eben damit gegen einander ſind; — ein Verhältniß, welches ihre Verwandtſchaft heißt. Indem jedes durch ſeinen Begriff im Widerſpruch gegen die eigene Einſeitigkeit ſeiner Exiſtenz ſteht, ſomit dieſe aufzuheben ſtrebt, iſt darin unmittelbar das Streben geſetzt, die Einſeitigkeit des andern aufzuheben, und durch dieſe gegenſeitige Ausgleichung und Verbindung die Realität dem Begriffe, der beide Momente enthält, gemäß zu ſetzen.

Inſofern jedes geſetzt iſt, als an ihm ſelbſt ſich widerſprechend und aufhebend, ſo ſind ſie nur durch äußere Gewalt in der Abſonderung von einander und von ihrer gegenſeitigen Ergänzung gehalten. Die Mitte, wodurch nun dieſe Extreme zuſammengeſchloſſen werden, iſt erſtlich die anſichſeyende Natur beider, der ganze beide in ſich haltende Begriff. Aber zweitens, da ſie in der Exiſtenz gegeneinander ſtehen, ſo iſt ihre abſolute Einheit auch ein unterſchieden von ihnen exiſtirendes, noch formales Element; — das Element der Mittheilung, worin ſie in äußerliche Gemeinſchaft miteinander treten. Da der reale Unterſchied den Extremen angehört, ſo iſt dieſe Mitte nur die abſtracte Neutralität, die reale Möglichkeit derſelben; — gleichſam das theoretiſche Element der Exiſtenz von den chemiſchen Objecten, ihres Proceſſes und ſeines Reſultats; — im Körperlichen hat das Waſſer die Function dieſes Mediums; im Geiſtigen, inſofern in ihm das Analogon eines ſolchen Verhältniſſes ſtattfindet, iſt das Zeichen überhaupt, und näher die Sprache dafür anzuſehen.

Das Verhältniß der Objecte iſt als bloße Mittheilung in dieſem Elemente einerſeits ein ruhiges Zuſammengehen, aber andererſeits ebenſo ſehr ein negatives Verhalten, indem der concrete Begriff, welcher ihre Natur iſt, in der Mittheilung in Realität geſetzt, hiermit die realen Unterſchiede der Objecte zu ſeiner Einheit reducirt werden. Ihre vorherige ſelbſtſtändige Beſtimmtheit wird damit in der dem Begriffe, der in beiden ein und derſelbe iſt, gemäßen Vereinigung aufgehoben, ihr Gegenſatz und Spannung hierdurch abgeſtumpft; womit das Streben in dieſer gegenſeitigen Ergänzung ſeine ruhige Neutralität erlangt.

Der Proceß iſt auf dieſe Weiſe erloſchen; indem der Widerſpruch des Begriffes und der Realität ausgeglichen, haben die Extreme des Schluſſes ihren Gegenſatz verloren, hiermit aufgehört, Extreme gegeneinander und gegen die Mitte zu ſeyn. Das Product iſt ein neutrales, d. h. ein ſolches, in welchem die Ingredienzien, die nicht mehr Objecte genannt werden können, ihre Spannung und damit die Eigenſchaften nicht mehr haben, die ihnen als geſpannten zukamen, worin ſich aber die Fähigkeit ihrer vorigen Selbſtſtändigkeit und Spannung erhalten hat. Die negative Einheit des Neutralen geht nämlich von einer vorausgeſetzten Differenz aus; die Beſtimmtheit des chemiſchen Objects iſt identiſch mit ſeiner Objectivität, ſie iſt urſprünglich. Durch den betrachteten Proceß iſt dieſe Differenz nur erſt unmittelbar aufgehoben, die Beſtimmtheit iſt daher noch nicht als abſolut in ſich reflectirte, ſomit das Product des Proceſſes nur eine formale Einheit.

2. In dieſem Producte iſt nun zwar die Spannung des Gegenſatzes und die negative Einheit als Thätigkeit des Proceſſes erloſchen. Da dieſe Einheit aber dem Begriffe weſentlich, und zugleich ſelbſt zur Exiſtenz gekommen iſt, ſo iſt ſie noch vorhanden, aber außer dem neutralen Objecte getreten. Der Proceß facht ſich nicht von ſelbſt wieder an, inſofern er die Differenz nur zu ſeiner Vorausſetzung hatte, nicht ſie ſelbſt ſetzte. — Dieſe außer dem Objecte ſelbſtſtändige Negativität, die Exiſtenz der abſtracten Einzelnheit, deren Fürſichſeyn ſeine Realität an dem indifferenten Objecte hat, iſt nun in ſich ſelbſt gegen ihre Abſtraction geſpannt, eine in ſich unruhige Thätigkeit, die ſich verzehrend nach Außen kehrt. Sie bezieht ſich unmittelbar auf das Object, deſſen ruhige Neutralität die reale Möglichkeit ihres Gegenſatzes iſt; daſſelbe iſt nunmehr die Mitte der vorhin bloß formalen Neutralität, nun in ſich ſelbſt concret, und beſtimmt.

Die nähere unmittelbare Beziehung des Extrems der negativen Einheit auf das Object iſt, daß dieſes durch ſie beſtimmt und hierdurch dirimirt wird. Dieſe Diremtion kann zunächſt für die Herſtellung des Gegenſatzes der geſpannten Objecte angeſehen werden, mit welchem der Chemismus begonnen. Aber dieſe Beſtimmung macht nicht das andere Extrem des Schluſſes aus, ſondern gehört zur unmittelbaren Beziehung des differentiirenden Princips auf die Mitte, an der ſich dieſes ſeine unmittelbare Realität giebt; es iſt die Beſtimmtheit, welche im disjunctiven Schluſſe die Mitte, außer dem, daß ſie allgemeine Natur des Gegenſtandes iſt, zugleich hat, wodurch dieſer ebenſo wohl objective Allgemeinheit als beſtimmte Beſonderheit iſt. Das andere Extrem des Schluſſes ſteht dem äußern ſelbſtſtändigen Extrem der Einzelnheit gegenüber; es iſt daher das ebenſo ſelbſtſtändige Extrem der Allgemeinheit; die Diremtion, welche die reale Neutralität der Mitte daher in ihm erfährt, iſt, daß ſie nicht in gegeneinander differente, ſondern indifferente Momente zerlegt wird. Dieſe Momente ſind hiermit die abſtracte, gleichgültige Baſis einerſeits, und das begeiſternde Princip derſelben andererſeits, welches durch ſeine Trennung von der Baſis ebenfalls die Form gleichgültiger Objectivität erlangt.

Dieſer disjunctive Schluß iſt die Totalität des Chemismus, in welcher daſſelbe objective Ganze ſowohl, als die ſelbſtſtändige negative Einheit, dann in der Mitte als reale Einheit, — endlich aber die chemiſche Realität in ihre abſtracten Momente aufgelöſt, dargeſtellt iſt. In dieſen letzteren iſt die Beſtimmtheit, nicht wie im Neutralen, an einem Andern zu ihrer Reflexion-in-ſich gekommen, ſondern iſt an ſich in ihre Abſtraction zurückgegangen, ein urſprünglich beſtimmtes Element.

3. Dieſe elementariſchen Objecte ſind hiermit von der chemiſchen Spannung befreit; es iſt in ihnen die urſprüngliche Grundlage derjenigen Vorausſetzung, mit welcher der Chemismus begann, durch den realen Proceß geſetzt worden. Inſofern nun weiter einerſeits ihre innerliche Beſtimmtheit als ſolche, weſentlich der Widerſpruch ihres einfachen gleichgültigen Beſtehens, und ihrer als Beſtimmtheit, und der Trieb nach Außen iſt, der ſich dirimirt, und an ihrem Objecte und an einem Andern die Spannung ſetzt, um ein ſolches zu haben, wogegen es ſich als differentes verhalten, an dem es ſich neutraliſiren und ſeiner einfachen Beſtimmtheit die daſeyende Realität geben könne, ſo iſt damit der Chemismus in ſeinen Anfang zurückgegangen, in welchem gegeneinander geſpannte Objecte einander ſuchen, und dann durch eine formale, äußerliche Mitte zu einem Neutralen ſich vereinigen. Auf der anderen Seite hebt der Chemismus durch dieſen Rückgang in ſeinen Begriff ſich auf, und iſt in eine höhere Sphäre übergegangen.

C.
Uebergang des Chemismus.

Die gewöhnliche Chemie ſchon zeigt Beiſpiele von chemiſchen Veränderungen, worin ein Körper z. B. einem Theil ſeiner Maſſe eine höhere Oxydation zutheilt, und dadurch einen andern Theil in einen geringern Grad derſelben herabſetzt, in welchem er erſt mit einem an ihn gebrachten andern differenten Körper eine neutrale Verbindung eingehen kann, für die er in jenem erſten unmittelbaren Grade nicht empfänglich geweſen wäre. Was hier geſchieht, iſt, daß ſich das Object nicht nach einer unmittelbaren, einſeitigen Beſtimmtheit auf ein Anderes bezieht, ſondern nach der inneren Totalität eines urſprünglichen Verhältniſſes die Vorausſetzung, deren es zu einer realen Beziehung bedarf, ſetzt, und dadurch ſich eine Mitte giebt, durch welche es ſeinen Begriff mit ſeiner Realität zuſammenſchließt; es iſt die an und für ſich beſtimmte Einzelnheit, der concrete Begriff als Princip der Disjunction in Extreme, deren Wiedervereinigung die Thätigkeit deſſelben negativen Princips iſt, das dadurch zu ſeiner erſten Beſtimmung, aber objectivirt zurückkehrt.

Der Chemismus ſelbſt iſt die erſte Negation der gleichgültigen Objectivität, und der Aeußerlichkeit der Beſtimmtheit; er iſt alſo noch mit der unmittelbaren Selbſtſtändigkeit des Objects und mit der Aeußerlichkeit behaftet. Er iſt daher für ſich noch nicht jene Totalität der Selbſtbeſtimmung, welche aus ihm hervorgeht, und in welcher er ſich vielmehr aufhebt. — Die drei Schlüſſe, welche ſich ergeben haben, machen ſeine Totalität aus; der erſte hat zur Mitte die formale Neutralität und zu den Extremen die geſpannten Objecte, der zweite hat das Product des erſten, die reelle Neutralität zur Mitte und die dirimirende Thätigkeit, und ihr Product, das gleichgültige Element, zu den Extremen; der dritte aber iſt der ſich realiſirende Begriff, der ſich die Vorausſetzung ſetzt, durch welche der Proceß ſeiner Realiſirung bedingt iſt, — ein Schluß, der das Allgemeine zu ſeinem Weſen hat. Um der Unmittelbarkeit und Aeußerlichkeit willen jedoch, in deren Beſtimmung die chemiſche Objectivität ſteht, fallen dieſe Schlüſſe noch auseinander. Der erſte Proceß, deſſen Product die Neutralität der geſpannten Objecte iſt, erliſcht in ſeinem Producte, und es iſt eine äußerlich hinzukommende Differentiirung, welche ihn wieder anfacht; bedingt durch eine unmittelbare Vorausſetzung, erſchöpft er ſich in ihr. — Ebenſo muß die Ausſcheidung der differenten Extreme aus dem Neutralen, ingleichen ihre Zerlegung in ihre abſtracten Elemente, von äußerlich hinzukommenden Bedingungen und Erregungen der Thätigkeit ausgehen. Inſofern aber auch die beiden weſentlichen Momente des Proceſſes, einerſeits die Neutraliſirung, andererſeits die Scheidung und Reduction, in einem und demſelben Proceſſe verbunden ſind, und Vereinigung und Abſtumpfung der geſpannten Extreme auch eine Trennung in ſolche iſt, ſo machen ſie um der noch zu Grunde liegenden Aeußerlichkeit willen zwei verſchiedene Seiten aus; die Extreme, welche in demſelben Proceſſe ausgeſchieden werden, ſind andere Objecte oder Materien, als diejenigen, welche ſich in ihm einigen; inſofern jene daraus wieder different hervorgehen, müſſen ſie ſich nach Außen wenden; ihre neue Neutraliſirung iſt ein anderer Proceß, als die, welche in dem erſten Statt hatte.

Aber dieſe verſchiedenen Proceſſe, welche ſich als nothwendig ergeben haben, ſind ebenſo viele Stufe, wodurch die Aeußerlichkeit und das Bedingtſeyn aufgehoben wird, woraus der Begriff als an und für ſich beſtimmte, und von der Aeußerlichkeit nicht bedingte Totalität hervorgeht. Im erſten hebt ſich die Aeußerlichkeit der die ganze Realität ausmachenden, differenten Extreme gegeneinander, oder die Unterſchiedenheit des anſichſeyenden beſtimmten Begriffes von ſeiner daſeyenden Beſtimmtheit auf; im zweiten wird die Aeußerlichkeit der realen Einheit, die Vereinigung als bloß neutrale aufgehoben; — näher hebt ſich die formale Thätigkeit zunächſt in ebenſo formalen Baſen, oder indifferenten Beſtimmtheiten auf, deren innerer Begriff nun die in ſich gegangene, abſolute Thätigkeit, als an ihr ſelbſt ſich realiſirend iſt, d.i. die in ſich die beſtimmten Unterſchiede ſetzt, und durch dieſe Vermittelung ſich als reale Einheit conſtituirt, — eine Vermittelung, welche ſomit die eigene Vermittelung des Begriffs, ſeine Selbſtbeſtimmung, und in Rückſicht auf ſeine Reflexion daraus in ſich, immanentes Vorausſetzen iſt. Der dritte Schluß, der einerſeits die Wiederherſtellung der vorhergehenden Proceſſe iſt, hebt andererſeits noch das letzte Moment gleichgültiger Baſen auf, — die ganz abſtracte äußerliche Unmittelbarkeit, welche auf dieſe Weiſe eigenes Moment der Vermittelung des Begriffes durch ſich ſelbſt wird. Der Begriff, welcher hiermit alle Momente ſeines objectiven Daſeyns als äußerliche aufgehoben und in ſeine einfache Einheit geſetzt hat, iſt dadurch von der objectiven Aeußerlichkeit vollſtändig befreit, auf welche er ſich nur als eine unweſentliche Realität bezieht; dieſer objective freie Begriff iſt der Zweck.


Drittes Kapitel.
Teleologie.

Wo Zweckmäßigkeit wahrgenommen wird, wird ein Verſtand als Urheber derſelben angenommen, für den Zweck alſo die eigene, freie Exiſtenz des Begriffes gefordert. Die Teleologie wird vornehmlich dem Mechanismus entgegengeſtellt, in welchem die an dem Object geſetzte Beſtimmtheit weſentlich als äußerliche eine ſolche iſt, an der ſich keine Selbſtbeſtimmung manifeſtirt. Der Gegenſatz von Causis efficientibus und Causis finalibus, bloß wirkenden und Endurſachen, bezieht ſich auf jenen Unterſchied, auf den, in concreter Form genommen, auch die Unterſuchung zurückgeht, ob das abſolute Weſen der Welt als blinder Natur-Mechanismus, oder als ein nach Zwecken ſich beſtimmender Verſtand zu faſſen ſey. Die Antinomie des Fatalismus mit dem Determinismus und der Freiheit betrifft ebenfalls den Gegenſatz des Mechanismus und der Teleologie; denn das Freie iſt der Begriff in ſeiner Exiſtenz.

Die vormalige Metaphyſik iſt mit dieſen Begriffen, wie mit ihren anderen verfahren; ſie hat theils eine Weltvorſtellung vorausgeſetzt, und ſich bemüht, zu zeigen, daß der eine oder der andere Begriff auf ſie paſſe, und der entgegengeſetzte mangelhaft ſey, weil ſie ſich nicht aus ihm erklären laſſe; theils hat ſie dabei den Begriff der mechaniſchen Urſache und des Zwecks nicht unterſucht, welcher an und für ſich Wahrheit habe. Wenn dieß für ſich feſtgeſtellt iſt, ſo mag die objective Welt mechaniſche und Endurſachen darbieten; ihre Exiſtenz iſt nicht der Maaßſtab des Wahren, ſondern das Wahre vielmehr das Kriterium, welche von dieſen Exiſtenzen ihre wahrhafte ſey. Wie der ſubjective Verſtand auch Irrthümer an ihm zeigt, ſo zeigt die objective Welt auch diejenigen Seiten und Stufen der Wahrheit, welche für ſich erſt einſeitig, unvollſtändig, und nur Erſcheinungsverhältniſſe ſind. Wenn Mechanismus und Zweckmäßigkeit ſich gegenüber ſtehen, ſo können ſie eben deswegen nicht als gleich-gültige genommen, deren jedes für ſich ein richtiger Begriff ſey und ſo viele Gültigkeit habe als der andere, wobei es nur darauf ankomme, wo der eine oder der andere angewendet werden könne. Dieſe gleiche Gültigkeit beider beruht nur darauf, weil ſie ſind, nämlich weil wir beide haben. Aber die nothwendige erſte Frage iſt, weil ſie entgegengeſetzt ſind, welcher von beiden der wahre ſey; und die höhere eigentliche Frage iſt, ob nicht ein Drittes ihre Wahrheit, oder ob einer die Wahrheit des andern iſt. — Die Zweckbeziehung hat ſich aber als die Wahrheit des Mechanismus erwieſen. — Das, was ſich als Chemismus darſtellte, wird mit dem Mechanismus inſofern zuſammengenommen, als der Zweck der Begriff in freier Exiſtenz iſt, und ihm überhaupt die Unfreiheit deſſelben, ſein Verſenktſeyn in die Aeußerlichkeit gegenüberſteht; beides, Mechanismus ſo wie Chemismus, wird alſo unter der Naturnothwendigkeit zuſammengefaßt, indem im erſten der Begriff nicht am Objecte exiſtirt, weil es als mechaniſches die Selbſtbeſtimmung nicht enthält, im andern aber der Begriff entweder eine geſpannte, einſeitige Exiſtenz hat, oder, inſofern er als die Einheit hervortritt, welche das neutrale Object in die Extreme ſpannt, ſich ſelbſt, inſofern er dieſe Trennung aufhebt, äußerlich iſt.

Je mehr das teleologiſche Princip mit dem Begriffe eines außerweltlichen Verſtandes zuſammengehängt, und inſofern von der Frömmigkeit begünſtigt wurde, deſto mehr ſchien es ſich von der wahren Naturforſchung zu entfernen, welche die Eigenſchaftender Natur nicht als fremdartige, ſondern als immanente Beſtimmtheiten erkennen will, und nur ſolches Erkennen als ein Begreifen gelten läßt. Da der Zweck der Begriff ſelbſt in ſeiner Exiſtenz iſt, ſo kann es ſonderbar ſcheinen, daß das Erkennen der Objecte aus ihrem Begriffe vielmehr als ein unberechtigter Ueberſchritt in ein heterogenes Element erſcheint, der Mechanismus dagegen, welchem die Beſtimmtheit eines Objects als ein äußerlich an ihm und durch ein Anderes geſetzte Beſtimmtheit iſt, für eine immanentere Anſicht gilt, als die Teleologie. Der Mechanismus, wenigſtens der gemeine unfreie, ſo wie der Chemismus, muß allerdings inſofern als ein immanentes Princip angeſehen werden, als das beſtimmende Aeußerliche, ſelbſt wieder nur ein ſolches Object, ein äußerlich beſtimmtes und gegen ſolches Beſtimmtwerden gleichgültiges, oder im Chemismus das andere Object ein gleichfalls chemiſch beſtimmtes iſt, überhaupt ein weſentliches Moment der Totalität immer in einem Aeußern liegt. Dieſe Principien bleiben daher innerhalb derſelben Naturform der Endlichkeit ſtehen; ob ſie aber gleich das Endliche nicht überſchreiten wollen, und für die Erſcheinungen nur zu endlichen Urſachen, die ſelbſt das Weitergehen verlangen, führen, ſo erweitern ſie ſich doch zugleich theils zu einer formellen Totalität in dem Begriffe von Kraft, Urſache und dergleichen Reflexions-Beſtimmungen, die eine Urſprünglichkeit bezeichnen ſollen, theils aber durch die abſtracte Allgemeinheit von einem All der Kräfte, einem Ganzen von gegenſeitigen Urſachen. Der Mechanismus zeigt ſich ſelbſt dadurch als ein Streben der Totalität, daß er die Natur für ſich als ein Ganzes zu faſſen ſucht, das zu ſeinem Begriffe keines Andern bedarf, — eine Totalität, die ſich in dem Zwecke und dem damit zuſammenhängenden außerweltlichen Verſtand nicht findet.

Die Zweckmäßigkeit nun zeigt ſich zunächſt als ein Höheres überhaupt; als ein Verſtand, der äußerlich die Mannigfaltigkeit der Objecte durch eine an und für ſich ſeyendeEinheit beſtimmt, ſo daß die gleichgültigen Beſtimmtheiten der Objecte durch dieſe Beziehung weſentlich werden. Im Mechanismus werden ſie es durch die bloße Form der Nothwendigkeit, wobei ihr Inhalt gleichgültig iſt, denn ſie ſollen äußerliche bleiben, und nur der Verſtand als ſolcher ſich befriedigen, indem er ſeinen Zuſammenhang, die abſtracte Identität, erkennt. In der Teleologie dagegen wird der Inhalt wichtig, weil ſie einen Begriff, ein an und für ſich Beſtimmtes und damit Selbſtbeſtimmendes vorausſetzt, alſo von der Beziehung der Unterſchiede und ihres Beſtimmtſeyns durcheinander, von der Form, die in ſich reflectirte Einheit, ein an und für ſich Beſtimmtes, ſomit einen Inhalt unterſchieden hat. Wenn dieſer aber ſonſt ein endlicher und unbedeutender iſt, ſo widerſpricht er dem, was er ſeyn ſoll, denn der Zweck iſt ſeiner Form nach eine in ſich unendliche Totalität; — beſonders wenn das nach Zwecken wirkende Handeln als abſoluter Willen und Verſtand angenommen iſt. Die Teleologie hat ſich den Vorwurf des Läppiſchen deswegen ſo ſehr zugezogen, weil die Zwecke, die ſie aufzeigte, wie es ſich trifft, bedeutender oder auch geringfügiger ſind, und die Zweckbeziehung der Objecte mußte ſo häufig als eine Spielerei erſcheinen, weil dieſe Beziehung ſo äußerlich und daher zufällig erſcheint. Der Mechanismus dagegen läßt den Beſtimmtheiten der Objecte dem Gehalte nach ihren Werth von Zufälligen, gegen welche das Object gleichgültig iſt, und die weder für ſie, noch für den ſubjectiven Verſtand ein höheres Gelten haben ſollen. Dieß Princip giebt daher in ſeinem Zuſammenhange von äußerer Nothwendigkeit das Bewußtſeyn unendlicher Freiheit gegen die Teleologie, welche die Geringfügigkeiten, und ſelbſt Verächtlichkeiten ihres Inhalts als etwas Abſolutes aufſtellt, in dem ſich der allgemeinere Gedanke nur unendlich beengt, und ſelbſt ekelhaft afficirt finden kann.

Der formelle Nachtheil, in welchem dieſe Teleologie zunächſt ſteht, iſt, daß ſie nur bis zur äußern Zweckmäßigkeit kommt. Indem der Begriff hierdurch als ein Formelles geſetzt iſt, ſo iſt ihr der Inhalt auch ein ihm äußerlich in der Mannigfaltigkeit der objectiven Welt Gegebenes, — in eben jenen Beſtimmtheiten, welche auch Inhalt des Mechanismus, aber als ein Aeußerliches, Zufälliges ſind. Um dieſer Gemeinſchaftlichkeit willen macht die Form der Zweckmäßigkeit für ſich allein das Weſentliche des Teleologiſchen aus. In dieſer Rückſicht, ohne noch auf den Unterſchied von äußerer und innerer Zweckmäßigkeit zu ſehen, hat ſich die Zweckbeziehung überhaupt an und für ſich als die Wahrheit des Mechanismus erwieſen. — Die Teleologie hat im Allgemeinen das höhere Princip, den Begriff in ſeiner Exiſtenz, der an und für ſich das Unendliche und Abſolute iſt; — ein Princip der Freiheit, das ſeiner Selbſtbeſtimmung ſchlechthin gewiß, dem äußerlichen Beſtimmtwerden des Mechanismus abſolut entriſſen iſt.

Eines der großen Verdienſte Kant’s um die Philoſophie beſteht in der Unterſcheidung, die er zwiſchen relativer oder äußerer und zwiſchen innerer Zweckmäßigkeit aufgeſtellt hat; in letzterer hat er den Begriff des Lebens, die Idee, aufgeſchloſſen und damit die Philoſophie, was die Kritik der Vernunft nur unvollkommen, in einer ſehr ſchiefen Wendung und nur negativ thut, poſitiv über die Reflexions-Beſtimmungen und die relative Welt der Metaphyſik erhoben. — Es iſt erinnert worden, daß der Gegenſatz der Teleologie und des Mechanismus zunächſt der allgemeinere Gegenſatz von Freiheit und Nothwendigkeit iſt. Kant hat den Gegenſatz in dieſer Form unter den Antinomien der Vernunft, und zwar als den dritten Widerſtreit der tranſcendentalen Ideen aufgeführt. — Ich führe ſeine Darſtellung, auf welche früher verwieſen worden, ganz kurz an, indem das Weſentliche derſelben ſo einfach iſt, daß es keiner weitläuftigen Auseinanderſetzung bedarf, und die Art und Weiſe der kantiſchen Antinomien anderwärts ausführlicher beleuchtet worden iſt.

Die Theſis der hier zu betrachtenden lautet: Die Cauſalität nach Geſetzen der Natur iſt nicht die einzige, aus welcher die Erſcheinungen der Welt insgeſammt abgeleitet werden können. Es iſt noch eine Cauſalität durch Freiheit zu Erklärung derſelben anzunehmen nothwendig.

Die Antitheſis: Es iſt keine Freiheit, ſondern Alles in der Welt geſchieht lediglich nach Geſetzen der Natur.

Der Beweis geht wie bei den übrigen Antinomien erſtens apagogiſch zu Werke, es wird das Gegentheil jeder Theſis angenommen; zweitens, um das Widerſprechende dieſer Annahme zu zeigen, wird umgekehrt das Gegentheil derſelben, das iſt ſomit der zu beweiſende Satz, angenommen und als geltend vorausgeſetzt; — der ganze Umweg des Beweiſens konnte daher erſpart werden; es beſteht in nichts als der aſſertoriſchen Behauptung der beiden gegenüberſtehenden Sätze.

Zum Beweiſe der Theſis ſoll nämlich zuerſt angenommen werden: es gebe keine andere Cauſalität, als nach Geſetzen der Natur, d. i. nach der Nothwendigkeit des Mechanismus überhaupt, den Chemismus mit eingeſchloſſen. Dieſer Satz widerſpreche ſich darum, weil das Geſetz der Natur gerade darin beſtehe, daß ohne hinreichend a priori beſtimmte Urſache, welche ſomit eine abſolute Spontaneität in ſich enthalte, nichts geſchehe; — d. h. die der Theſis entgegengeſetzte Annahme iſt darum widerſprechend, weil ſie der Theſis widerſpricht.

Zum Behufe des Beweiſes der Antitheſis ſolle man ſetzen: es gebe eine Freiheit als eine beſondere Art von Cauſalität, einen Zuſtand, mithin auch eine Reihe von Folgen deſſelben ſchlechthin anzufangen. Da nun aber ein ſolches Anfangen einen Zuſtand vorausſetzt, der mit dem vorhergehenden derſelben gar keinen Zuſammenhang der Cauſalität hat, ſo widerſpricht es dem Geſetze der Cauſalität, nach welchem allein Einheit der Erfahrung und Erfahrung überhaupt möglich iſt; — d. h. die Annahme der Freiheit, die der Antitheſis entgegen iſt, kann darum nicht gemacht werden, weil ſie der Antitheſis widerſpricht.

Dem Weſen nach kehrt dieſelbe Antinomie in der Kritik der teleologiſchen Urtheilskraft als der Gegenſatz wieder, daß Alle Erzeugung materieller Dinge nach bloß mechaniſchen Geſetzen geſchieht und daß einige Erzeugung derſelben nach ſolchen Geſetzen nicht möglich iſt. — Die kantiſche Auflöſung dieſer Antinomie iſt dieſelbige, wie die allgemeine Auflöſung der übrigen; daß nämlich die Vernunft weder den einen noch den andern Satz beweiſen könne, weil wir von Möglichkeit der Dinge nach bloß empiriſchen Geſetzen der Natur kein beſtimmendes Princip a priori haben können; — daß daher ferner beide nicht als objective Sätze, ſondern als ſubjective Maximen angeſehen werden müſſen; daß ich einerſeits jederzeit über alle Naturereigniſſe nach dem Princip des bloßen Natur-Mechanismus reflectiren ſolle, daß aber dieß nicht hindere, bei gelegentlicher Veranlaſſung einigen Naturformen nach einer andern Maxime, nämlich nach dem Princip der Endurſachen, nachzuſpüren; — als ob nun dieſe zwei Maximen, die übrigens bloß für die menſchliche Vernunft nöthig ſeyn ſollen, nicht in demſelben Gegenſatze wären, in dem ſich jene Sätze befinden. — Es iſt, wie vorhin bemerkt, auf dieſem ganzen Standpunkte dasjenige nicht unterſucht, was allein das philoſophiſche Intereſſe fordert, nämlich welches von beiden Principien an und für ſich Wahrheit habe; für dieſen Geſichtspunct aber macht es keinen Unterſchied, ob die Principien als objective, das heißt hier äußerlich exiſtirende Beſtimmungen der Natur, oder als bloße Maximen eines ſubjectiven Erkennens betrachtet werden ſollen; — es iſt vielmehr dieß ein ſubjectives, d. h. zufälliges Erkennen, welches auf gelegentliche Veranlaſſung die eine oder andere Maxime anwendet, je nachdem es ſie für gegebene Objecte für paſſend hält, übrigens nachder Wahrheit dieſer Beſtimmungen ſelbſt, ſie ſeyen beide Beſtimmungen der Objecte oder des Erkennens, nicht fragt.

So ungenügend daher die kantiſche Erörterung des teleologiſchen Princips in Anſehung des weſentlichen Geſichtspuncts iſt, ſo iſt immer die Stellung bemerkenswerth, welche Kant demſelben giebt. Indem er es einer reflectirenden Urtheilskraft zuſchreibt, macht er es zu einem verbindenden Mittelgliede zwiſchen dem Allgemeinen der Vernunft und dem Einzelnen der Anſchauung; — er unterſcheidet ferner jene reflectirende Urtheilskraft von der beſtimmenden, welche letztere das Beſondere bloß unter das Allgemeine ſubſumire. Solches Allgemeine, welches nur ſubſumirend iſt, iſt ein Abſtractes, welches erſt an einem Andern, am Beſondern, concret wird. Der Zweck dagegen iſt das concrete Allgemeine, das in ihm ſelbſt das Moment der Beſonderheit und Aeußerlichkeit hat, daher thätig und der Trieb iſt, ſich von ſich ſelbſt abzuſtoßen. Der Begriff iſt als Zweck allerdings ein objectives Urtheil, worin die eine Beſtimmung das Subject, nämlich der concrete Begriff als durch ſich ſelbſt beſtimmt, die andere aber nicht nur ein Prädicat, ſondern die äußerliche Objectivität iſt. Aber die Zweckbeziehung iſt darum nicht ein reflectirendes Urtheilen, das die äußerlichen Objecte nur nach einer Einheit betrachtet, als ob ein Verſtand ſie zum Behuf unſers Erkenntnißvermögens gegeben hätte, ſondern ſie iſt das an und für ſich ſeyende Wahre, das objectiv urtheilt, und die äußerliche Objectivität abſolut beſtimmt. Die Zweckbeziehung iſt dadurch mehr als Urtheil, ſie iſt der Schluß des ſelbſtſtändigen freien Begriffs, der ſich durch die Objectivität mit ſich ſelbſt zuſammenſchließt.

Der Zweck hat ſich als das Dritte zum Mechanismus und Chemismus ergeben; er iſt ihre Wahrheit. Indem er ſelbſt noch innerhalb der Sphäre der Objectivität, oder der Unmittelbarkeit des totalen Begriffs ſteht, iſt er von der Aeußerlichkeit als ſolcher noch afficirt, und hat eine objective Welt ſich gegenüber, auf die er ſich bezieht. Nach dieſer Seite erſcheint die mechaniſche Cauſalität, wozu im Allgemeinen auch der Chemismus zu nehmen iſt, noch bei dieſer Zweckbeziehung, welche die äußerliche iſt, aber als ihr untergeordnet, als an und für ſich aufgehoben. Was das nähere Verhältniß betrifft, ſo iſt das mechaniſche Object als unmittelbare Totalität gegen ſein Beſtimmtſeyn, und damit dagegen, ein Beſtimmendes zu ſeyn, gleichgültig. Dieß äußerliche Beſtimmtſeyn iſt nun zur Selbſtbeſtimmung fortgebildet, und damit der im Object nur innere, oder was daſſelbe iſt, nur äußere Begriff nunmehr geſetzt; der Zweck iſt zunächſt eben dieſer dem mechaniſchen äußerliche Begriff ſelbſt. So iſt der Zweck auch für den Chemismus das Selbſtbeſtimmende, welches das äußerliche Beſtimmtwerden, durch welches er bedingt iſt, zur Einheit des Begriffes zurückbringt. — Die Natur der Unterordnung der beiden vorherigen Formen des objectiven Proceſſes ergiebt ſich hieraus; das Andere, das an ihnen in dem unendlichen Progreß liegt, iſt der ihnen zunächſt als äußerlich geſetzte Begriff, welcher Zweck iſt; der Begriff iſt nicht nur ihre Subſtanz, ſondern auch die Aeußerlichkeit iſt das ihnen weſentliche, ihre Beſtimmtheit ausmachende Moment. Die mechaniſche oder chemiſche Technik bietet ſich alſo durch ihren Charakter, äußerlich beſtimmt zu ſeyn, von ſelbſt der Zweckbeziehung dar, die nun näher zu betrachten iſt.

A.
Der ſubjective Zweck.

Der ſubjective Begriff hat in der Centralität der objectiven Sphäre, die eine Gleichgültigkeit gegen die Beſtimmtheit iſt, zunächſt den negativen Einheitspunct wieder gefunden und geſetzt; in dem Chemismus aber die Objectivität der Begriffsbeſtimmungen, wodurch er erſt als concreter objectiver Begriff geſetzt iſt. Seine Beſtimmtheit oder ſein einfacher Unterſchied hat nunmehr an ihm ſelbſt die Beſtimmtheit derAeußerlichkeit, und ſeine einfache Einheit iſt dadurch die ſich von ſich ſelbſt abſtoßende und darin ſich erhaltende Einheit. Der Zweck iſt daher der ſubjective Begriff, als weſentliches Streben und Trieb ſich äußerlich zu ſetzen. Er iſt dabei dem Uebergehen entnommen. Er iſt weder eine Kraft, die ſich äußert, noch eine Subſtanz und Urſache, die in Accidenzen und Wirkungen ſich manifeſtirt. Die Kraft iſt nur ein abſtract Inneres, indem ſie ſich nicht geäußert hat; oder ſie hat erſt in der Aeußerung, zu der ſie ſollicitirt werden muß, Daſeyn; ebenſo die Urſache und die Subſtanz; weil ſie nur in den Accidenzen und in der Wirkung Wirklichkeit haben, iſt ihre Thätigkeit der Uebergang, gegen den ſie ſich nicht in Freiheit erhalten. Der Zweck kann wohl auch als Kraft und Urſache beſtimmt werden, aber dieſe Ausdrücke erfüllen nur eine unvollkommene Seite ſeiner Bedeutung; wenn ſie von ihm nach ſeiner Wahrheit ausgeſprochen werden ſollen; ſo können ſie es nur auf eine Weiſe, welche ihren Begriff aufhebt; als eine Kraft, welche ſich ſelbſt zur Aeußerung ſollicitirt, als eine Urſache, welche Urſache ihrer ſelbſt, oder deren Wirkung unmittelbar die Urſache iſt.

Wenn das Zweckmäßige einem Verſtande zugeſchrieben wird, wie vorhin angeführt wurde, ſo iſt dabei auf das Beſtimmte des Inhaltes Rückſicht genommen. Er iſt aber überhaupt als das Vernünftige in ſeiner Exiſtenz zu nehmen. Er manifeſtirt darum Vernünftigkeit, weil er der concrete Begriff iſt, der den objectiven Unterſchied in ſeiner abſoluten Einheit hält. Er iſt daher weſentlich der Schluß an ihm ſelbſt. Er iſt das ſich gleiche Allgemeine, und zwar als die ſich von ſich abſtoßende Negativität enthaltend; zunächſt die allgemeine, inſofern noch unbeſtimmte Thätigkeit; aber weil dieſe die negative Beziehung auf ſich ſelbſt iſt, beſtimmt ſie ſich unmittelbar, und giebt ſich das Moment der Beſonderheit, welche als die gleichfalls in ſich reflectirte Totalität der Form Inhalt gegen die geſetzten Unterſchiede der Form iſt. Eben unmittelbar iſt dieſe Negativität durch ihre Beziehung auf ſich ſelbſt abſolute Reflexion der Form in ſich und Einzelnheit. Einerſeits iſt dieſe Reflexion die innere Allgemeinheit des Subjects, andererſeits aber Reflexion nach Außen; und inſofern iſt der Zweck noch ein Subjectives und ſeine Thätigkeit gegen äußerliche Objectivität gerichtet.

Der Zweck iſt nämlich der an der Objectivität zu ſich ſelbſt gekommene Begriff; die Beſtimmtheit, die er ſich an ihr gegeben, iſt die der objectiven Gleichgültigkeit und Aeußerlichkeit des Beſtimmtſeyns; ſeine ſich von ſich abſtoßende Negativität iſt daher eine ſolche, deren Momente, indem ſie nur die Beſtimmungen des Begriffs ſelbſt ſind, auch die Form von objectiver Gleichgültigkeit gegen einander haben. — Im formellen Urtheile ſind Subject und Prädicat ſchon als ſelbſtſtändige gegen einander beſtimmt; aber ihre Selſtſtändigkeit iſt nur erſt abſtracte Allgemeinheit; ſie hat nunmehr die Beſtimmung von Objectivität erlangt; aber als Moment des Begriffs iſt dieſe vollkommene Verſchiedenheit in die einfache Einheit des Begriffs eingeſchloſſen. Inſofern nun der Zweck dieſe totale Reflexion der Objectivität in ſich und zwar unmittelbar iſt, ſo iſt erſtlich die Selbſtbeſtimmung oder die Beſonderheit als einfache Reflexion in ſich von der concreten Form unterſchieden, und iſt ein beſtimmter Inhalt. Der Zweck iſt hiernach endlich, ob er gleich ſeiner Form nach unendliche Subjectivität iſt. Zweitens, weil ſeine Beſtimmtheit die Form objectiver Gleichgültigkeit hat, hat ſie die Geſtalt einer Vorausſetzung, und ſeine Endlichkeit beſteht nach dieſer Seite darin, daß er eine objective, mechaniſche und chemiſche Welt vor ſich hat, auf welche ſich ſeine Thätigkeit, als auf ein Vorhandenes bezieht, ſeine ſelbſtbeſtimmende Thätigkeit iſt ſo in ihrer Identität unmittelbar ſich ſelbſt äußerlich und ſo ſehr als Reflexion in ſich, ſo ſehr Reflexion nach Außen. Inſofern hat er noch eine wahrhaft außerweltliche Exiſtenz, inſofern ihm nämlich jene Objectivität gegenüberſteht, ſo wie dieſe dagegen als ein mechaniſches und chemiſches, noch nicht vom Zweck beſtimmtes und durchdrungenes Ganzes ihm gegenüberſteht.

Die Bewegung des Zwecks kann daher nun ſo ausgedrückt werden, daß ſie darauf gehe, ſeine Vorausſetzung aufzuheben, das iſt die Unmittelbarkeit des Objects, und es zu ſetzen als durch den Begriff beſtimmt. Dieſes negative Verhalten gegen das Object iſt ebenſo ſehr ein negatives gegen ſich ſelbſt, ein Aufheben der Subjectivität des Zwecks. Poſitiv iſt es die Realiſation des Zwecks, nämlich die Vereinigung des objectiven Seyns mit demſelben, ſo daß daſſelbe, welches als Moment des Zwecks unmittelbar die mit ihm identiſche Beſtimmtheit iſt, als äußerliche ſey, und umgekehrt das Objective als Vorauſetzung vielmehr als durch Begriff beſtimmt, geſetzt werde. — Der Zweck iſt in ihm ſelbſt der Trieb ſeiner Realiſirung; die Beſtimmtheit der Begriffs-Momente iſt die Aeußerlichkeit; die Einfachheit derſelben in der Einheit des Begriffes iſt aber dem, was ſie iſt, unangemeſſen und der Begriff ſtößt ſich daher von ſich ſelbſt ab. Dieß Abſtoßen iſt der Entſchluß überhaupt, der Beziehung der negativen Einheit auf ſich, wodurch ſie ausſchließende Einzelnheit iſt; aber durch dieß Ausſchließen entſchließt ſie ſich, oder ſchließt ſich auf, weil ein Selbſtbeſtimmen, Setzen ſeiner ſelbſt iſt. Einerſeits, indem die Subjectivität ſich beſtimmt, macht ſie ſich zur Beſonderheit, giebt ſich einen Inhalt, der in die Einheit des Begriffs eingeſchloſſen noch ein innerlicher iſt; dieß Setzen, die einfache Reflexion in ſich, iſt aber, wie ſich ergeben, unmittelbar zugleich ein Vorausſetzen; und in demſelben Momente, in welchem das Subject des Zwecks ſich beſtimmt, iſt es auf eine gleichgültige, äußerliche Objectivität bezogen, die von ihm jener innern Beſtimmtheit gleich gemacht, d. h. als ein durch den Begriff Beſtimmtes geſetzt werden ſoll, zunächſt als Mittel.

B.
Das Mittel.

Das erſte unmittelbare Setzen im Zwecke iſt zugleich das Setzen eines Innerlichen, d. h. als geſetzt Beſtimmten, und zugleich das Vorausſetzen einer objectiven Welt, welche gleichgültig gegen die Zweckbeſtimmung iſt. Die Subjectivität des Zwecks iſt aber die abſolute negative Einheit; ihr zweites Beſtimmen iſt daher das Aufheben dieſer Vorausſetzung überhaupt; dieß Aufheben iſt inſofern die Rückkehr in ſich, als dadurch jenes Moment der erſten Negation, das Setzen des Negativen gegen das Subject, das äußerliche Object, aufgehoben wird. Aber gegen die Vorausſetzung oder gegen die Unmittelbarkeit des Beſtimmens, gegen die objective Welt iſt es nur erſt die erſte, ſelbſt unmittelbare und daher äußerliche Negation. Dieß Setzen iſt daher noch nicht der ausgeführte Zweck ſelbſt, ſondern erſt der Anfang dazu. Das ſo beſtimmte Object iſt erſt das Mittel.

Der Zweck ſchließt ſich durch ein Mittel mit der Objectivität und in dieſer mit ſich ſelbſt zuſammen. Das Mittel iſt die Mitte des Schluſſes. Der Zweck bedarf eines Mittels zu ſeiner Ausführung, weil er endlich iſt; — eines Mittels, das heißt einer Mitte, welche zugleich die Geſtalt eines Aeußerlichen gegen den Zweck ſelbſt und deſſen Ausführung gleichgültigen Daſeyns hat. Der abſolute Begriff hat in ſich ſelbſt ſo die Vermittelung, daß das erſte Setzen deſſelben nicht ein Vorausſetzen iſt, in deſſen Object die gleichgültige Aeußerlichkeit die Grundbeſtimmung wäre; ſondern die Welt als Geſchöpf hat nur die Form ſolcher Aeußerlichkeit, aber ihre Negativität und das Geſetztſeyn macht vielmehr deren Grundbeſtimmung aus. — Die Endlichkeit des Zweckes beſteht ſonach darin, daß ſein Beſtimmen überhaupt ſich ſelbſt äußerlich iſt, ſomit ſein erſtes, wie wir geſehen, in ein Setzen und in ein Vorausſetzen zerfällt; die Negation dieſes Beſtimmens iſt daher auch nur nach einer Seite ſchon Reflexion in ſich, nach der andern iſt ſie vielmehr nur erſte Negation; — oder: die Reflexion-in-ſich iſt ſelbſt auch ſich äußerlich und Reflexion nach Außen.

Das Mittel iſt daher die formale Mitte eines formalen Schluſſes; es iſt ein Aeußerliches gegen das Extrem des ſubjectiven Zwecks, ſo wie daher auch gegen das Extrem des objectiven Zwecks; wie die Beſonderheit im formalen Schluſſe ein gleichgültiger medius terminus iſt, an deſſen Stelle auch andere treten können. Wie dieſelbe ferner Mitte nur dadurch iſt, daß ſie in Beziehung auf das eine Extrem Beſtimmtheit, in Beziehung aber auf das andere Extrem Allgemeines iſt, ihre vermittelnde Beſtimmung alſo relativ durch Andere hat, ſo iſt auch das Mittel die vermittelnde Mitte nur erſtlich, daß es ein unmittelbares Object iſt, zweitens daß es Mittel durch die ihm äußerliche Beziehung auf das Extrem des Zweckes; — welche Beziehung für daſſelbe eine Form iſt, wogegen es gleichgültig iſt.

Begriff und Objectivität ſind daher im Mittel nur äußerlich verbunden; es iſt inſofern ein bloß mechaniſches Object. Die Beziehung des Objects auf den Zweck iſt eine Prämiſſe, oder die unmittelbare Beziehung, welche in Anſehung des Zwecks, wie gezeigt, Reflexion in ſich ſelbſt iſt, das Mittel iſt inhärirendes Prädicat; ſeine Objectivität iſt unter die Zweckbeſtimmung, welche ihrer Concretion willen Allgemeinheit iſt, ſubſumirt. Durch dieſe Zweckbeſtimmung, welche an ihm iſt, iſt es nun auch gegen das andere Extrem, der vorerſt noch unbeſtimmten Objectivität, ſubſumirend. — Umgekehrt hat das Mittel gegen den ſubjectiven Zweck, als unmittelbare Objectivität, Allgemeinheit des Daſeyns, welches die ſubjective Einzelnheit des Zweckes noch entbehrt. — Indem ſo zunächſt der Zweck nur als äußerliche Beſtimmtheit am Mittel iſt, iſt er ſelbſt als die negative Einheit außer demſelben, ſo wie das Mittel mechaniſches Object, das ihn nur als eine Beſtimmtheit, nicht als einfache Concretion der Totalität an ihm hat. Als das Zuſammenſchließende aber muß die Mitte ſelbſt die Totalität des Zwecks ſeyn. Es hat ſich gezeigt, daß die Zweckbeſtimmung am Mittel zugleich Reflexion in ſich ſelbſt iſt; inſofern formelle Beziehung auf ſich, da die Beſtimmtheit, als reale Gleichgültigkeit, als die Objectivität des Mittels geſetzt iſt. Aber eben deswegen iſt dieſe einerſeits reine Subjectivität zugleich auch Thätigkeit. — Im ſubjectiven Zweck iſt die negative Beziehung auf ſich ſelbſt noch identiſch mit der Beſtimmtheit als ſolcher, dem Inhalt und der Aeußerlichkeit. In der beginnenden Objectivirung des Zweckes aber, einem Anderswerden des einfachen Begriffes treten jene Momente auseinander, oder umgekehrt beſteht hierin dieß Anderswerden, oder die Aeußerlichkeit ſelbſt.

Dieſe ganze Mitte iſt ſomit ſelbſt die Totalität des Schluſſes, worin die abſtracte Thätigkeit und das äußere Mittel die Extreme ausmachen, deren Mitte die Beſtimmtheit des Objects durch den Zweck, durch welche es Mittel iſt, ausmacht. — Ferner aber iſt die Allgemeinheit die Beziehung der Zweckthätigkeit und des Mittels. Das Mittel iſt Object, an ſich die Totalität des Begriffs; es hat keine Kraft des Widerſtands gegen den Zweck, wie es zunächſt gegen ein anderes unmittelbares Object hat. Dem Zweck, welcher der geſetzte Begriff iſt, iſt es daher ſchlechthin durchdringlich, und dieſer Mittheilung empfänglich, weil es an ſich identiſch mit ihm iſt. Es iſt aber nunmehr auch geſetzt als das dem Begriffe Durchdringliche, denn in der Centralität iſt es ein Strebendes nach der negativen Einheit; ebenſo im Chemismus iſt es als Neutrales ſo wie als Differentes ein Unſelbſtſtändiges geworden. — Seine Unſelbſtſtändigkeit beſteht eben darin, daß es nur an ſich die Totalität des Begriffs iſt; dieſer aber iſt das Fürſichſeyn. Das Object hat daher gegen den Zweck den Charakter, machtlos zu ſeyn, und ihm zu dienen; er iſt deſſen Subjectivität oder Seele, die an ihm ihre äußerliche Seite hat.

Das Object, auf dieſe Weiſe dem Zwecke unmittelbar unterworfen, iſt nicht ein Extrem des Schluſſes; ſondern dieſe Beziehung macht eine Prämiſſe deſſelben aus. Aber das Mittel hat auch eine Seite, nach welcher es noch Selbſtſtändigkeit gegen den Zweck hat. Die im Mittel mit ihm verbundene Objectivität iſt, weil ſie es nur unmittelbar iſt, ihm noch äußerlich; und die Vorausſetzung beſteht daher noch. Die Thätigkeit des Zwecks durch das Mittel iſt deswegen noch gegen dieſe gerichtet, und der Zweck iſt eben inſofern Thätigkeit, nicht mehr bloß Trieb und Streben, als im Mittel das Moment der Objectivität in ſeiner Beſtimmtheit als Aeußerliches geſetzt iſt, und die einfache Einheit des Begriffs ſie als ſolche nun an ſich hat.

C.
Der ausgeführte Zweck.

1. Der Zweck iſt in ſeiner Beziehung auf das Mittel ſchon in ſich reflectirt; aber es iſt ſeine objective Rückkehr in ſich noch nicht geſetzt. Die Thätigkeit des Zwecks durch ſein Mittel iſt noch gegen die Objectivität als urſprüngliche Vorausſetzung gerichtet; ſie iſt eben dieß, gleichgültig gegen die Beſtimmtheit zu ſeyn. Inſofern die Thätigkeit wieder bloß darin beſtünde, die unmittelbare Objectivität zu beſtimmen, ſo würde das Product wieder nur ein Mittel ſeyn und ſo fort ins Unendliche; es käme nur ein zweckmäßiges Mittel heraus, aber nicht die Objectivität des Zweckes ſelbſt. Der in ſeinem Mittel thätige Zweck muß daher nicht als ein Aeußerliches das unmittelbare Object beſtimmen, ſomit dieſes durch ſich ſelbſt zur Einheit des Begriffes zuſammengehen; oder jene äußerliche Thätigkeit des Zwecks durch ſein Mittel muß ſich als Vermittelung beſtimmen und ſelbſt aufheben.

Die Beziehung der Thätigkeit des Zwecks durch das Mittel auf das äußerliche Object iſt zunächſt die zweite Prämiſſe des Schluſſes, — eine unmittelbare Beziehung der Mitte auf das andere Extrem. Unmittelbar iſt ſie, weil die Mitte ein äußerliches Object an ihr hat, und das andere Extrem ein eben ſolches iſt. Das Mittel iſt wirkſam und mächtig gegen letzteres, weil ſein Object mit der ſelbſtbeſtimmenden Thätigkeit verbunden, dieſem aber die unmittelbare Beſtimmtheit, welche es hat, eine gleichgültige iſt. Ihr Proceß in dieſer Beziehung iſt kein anderer als der mechaniſche oder chemiſche; es treten in dieſer objectiven Aeußerlichkeit die vorigen Verhältniſſe, aber unter der Herrſchaft des Zweckes hervor. — Dieſe Proceſſe aber gehen durch ſich ſelbſt, wie ſich an ihnen gezeigt, in den Zweck zurück. Wenn alſo zunächſt die Beziehung des Mittels auf das zu bearbeitende äußere Object eine unmittelbare iſt, ſo hat ſie ſich ſchon früher als ein Schluß dargeſtellt, indem ſich der Zweck als ihre wahrhafte Mitte und Einheit erwieſen hat. Indem das Mittel alſo das Object iſt, welches auf der Seite des Zwecks ſteht und deſſen Thätigkeit in ſich hat, ſo iſt der Mechanismus, der hier ſtattfindet, zugleich die Rückkehr der Objectivität in ſich ſelbſt, in den Begriff, der aber ſchon als der Zweck vorausgeſetzt iſt; das negative Verhalten der zweckmäßigen Thätigkeit gegen das Object iſt inſofern nicht ein äußerliches, ſondern die Veränderung und der Uebergang der Objectivität an ihr ſelbſt in ihn.

Daß der Zweck ſich unmittelbar auf ein Object bezieht, und daſſelbe zum Mittel macht, wie auch daß er durch dieſes ein anderes beſtimmt, kann als Gewalt betrachtet werden, inſofern der Zweck als von ganz anderer Natur erſcheint, als das Object, und die beiden Objecte ebenſo gegen einander ſelbſtſtändige Totalitäten ſind. Daß der Zweck ſich aber in die mittelbare Beziehung mit dem Objecte ſetzt, und zwiſchen ſich und daſſelbe ein anderes Object einſchiebt, kann als die Liſt der Vernunft angeſehen werden. Die Endlichkeit der Vernünftigkeit hat, wie bemerkt, dieſe Seite, daß der Zweck ſich zu der Vorausſetzung; d. h. zur Aeußerlichkeit des Objects verhält. In der unmittelbaren Beziehung auf daſſelbe träte er ſelbſt in den Mechanismus oder Chemismus und wäre damit der Zufälligkeit und dem Untergange ſeiner Beſtimmung, an und für ſich ſeyender Begriff zu ſeyn, unterworfen. So aber ſtellt er ein Object als Mittel hinaus, läßt daſſelbe ſtatt ſeiner ſich äußerlich abarbeiten, giebt es der Aufreibung Preis, und erhält ſich hinter ihm gegen die mechaniſche Gewalt.

Indem der Zweck endlich iſt, hat er ferner einen endlichen Inhalt; hiernach iſt er nicht ein Abſolutes, oder ſchlechthin an und für ſich ein Vernünftiges. Das Mittel aber iſt die äußerliche Mitte des Schluſſes, welcher die Ausführung des Zweckes iſt; an demſelben giebt ſich daher die Vernünftigkeit in ihm als ſolche kund, in dieſem äußerlichen Andern und gerade durch dieſe Aeußerlichkeit ſich zu erhalten. Inſofern iſt das Mittel ein Höheres als die endlichen Zwecke der äußern Zweckmäßigkeit; — der Pflug iſt ehrenvoller, als unmittelbar die Genüſſe ſind, welche durch ihn bereitet werden und die Zwecke ſind. Das Werkzeug erhält ſich, während die unmittelbaren Genüſſe vergehen und vergeſſen werden. An ſeinen Werkzeugen beſitzt der Menſch die Macht über die äußerliche Natur, wenn er auch nach ſeinen Zwecken ihr vielmehr unterworfen iſt.

Der Zweck hält ſich aber nicht nur außerhalb des mechaniſchen Proceſſes, ſondern erhält ſich in demſelben und iſt deſſen Beſtimmung. Der Zweck als der Begriff, der frei gegen das Object und deſſen Proceß exiſtirt, und ſich ſelbſt beſtimmende Thätigkeit iſt, geht, da er ebenſo ſehr die an und für ſich ſeyende Wahrheit des Mechaniſchen iſt, in demſelben nur mit ſelbſt zuſammen. Die Macht des Zwecks über das Object iſt dieſe für ſich ſeyende Identität; und ſeine Thätigkeit iſt die Manifeſtation derſelben. Der Zweck als Inhalt iſt die an und für ſich ſeyende Beſtimmtheit, welche am Object als gleichgültige und äußerliche iſt, die Thätigkeit deſſelben aber iſt einerſeits die Wahrheit des Proceſſes und als negative Einheit das Aufheben des Scheins der Aeußerlichkeit. Nach der Abſtraction iſt es die gleichgültige Beſtimmtheit des Objects, welche ebenſo äußerlich durch eine andere erſetzt wird; aber die einfache Abſtraction der Beſtimmtheit iſt in ihrer Wahrheit die Totalität des Negativen, der concrete und in ſich die Aeußerlichkeit ſetzende Begriff.

Der Inhalt des Zwecks iſt ſeine Negativität als einfache in ſich reflectirte Beſonderheit, von ſeiner Totalität als Form unterſchieden. Um dieſer Einfachheit willen, deren Beſtimmtheit an und für ſich die Totalität des Begriffes iſt, erſcheint der Inhalt als das identiſch Bleibende in der Realiſirung des Zweckes. Der teleologiſche Proceß iſt Ueberſetzung des diſtinct als Begriffs exiſtirenden Begriffs in die Objectivität; es zeigt ſich, daß dieſes Ueberſetzen in ein vorausgeſetztes Anderes das Zuſammengehen des Begriffes durch ſich ſelbſt, mit ſich ſelbſt iſt. Der Inhalt des Zwecks iſt nun dieſe in der Form des Identiſchen exiſtirende Identität. In allem Uebergehen erhält ſich der Begriff, z. B. indem die Urſache zur Wirkung wird, iſt es die Urſache, die in der Wirkung nur mit ſich ſelbſt zuſammengeht; im teleologiſchen Uebergehen iſt es aber der Begriff, der als ſolcher ſchon als Urſache exiſtirt, als die abſolute gegen die Objectivität und ihre äußerliche Beſtimmbarkeit freie concrete Einheit. Die Aeußerlichkeit, in welche ſich der Zweck überſetzt, iſt, wie wir geſehen, ſchon ſelbſt als Moment des Begriffs, als Form ſeiner Unterſcheidung in ſich, geſetzt. Der Zweck hat daher an der Aeußerlichkeit ſein eigenes Moment; und der Inhalt, als Inhalt der concreten Einheit, iſt ſeine einfache Form, welche ſich in den unterſchiedenen Momenten des Zwecks, als ſubjectiver Zweck, als Mittel und vermittelte Thätigkeit, und als objectiver, ſich nicht nur an ſich gleich bleibt, ſondern auch als das ſich Gleichbleibende exiſtirt.

Man kann daher von der teleologiſchen Thätigkeit ſagen, daß in ihr das Ende der Anfang, die Folge der Grund, die Wirkung die Urſache ſey, daß ſie ein Werden des Gewordenen ſey, daß in ihr nur das ſchon Exiſtirende in die Exiſtenz komme u. ſ. f., das heißt, daß überhaupt alle Verhältnißbeſtimmungen, die der Sphäre der Reflexion oder des unmittelbaren Seyns angehören, ihre Unterſchiede verloren haben, und was als ein Anderes wie Ende, Folge, Wirkung u. ſ. f. ausgeſprochen wird, in der Zweckbeziehung nicht mehr die Beſtimmung eines Andern habe, ſondern vielmehr als identiſch mit dem einfachen Begriffe geſetzt iſt.

2. Das Product der teleologiſchen Thätigkeit nun näher betrachtet, ſo hat es den Zweck nur äußerlich an ihm, inſofern es abſolute Vorausſetzung gegen den ſubjectiven Zweck iſt, inſofern nämlich dabei ſtehen geblieben wird, daß die zweckmäßige Thätigkeit durch ihr Mittel ſich nur mechaniſch gegen das Object verhält, und ſtatt einer gleichgültigen Beſtimmtheit deſſelben eine andere, ihm ebenſo äußerliche ſetzt. Eine ſolche Beſtimmtheit, welche ein Object durch den Zweck hat, unterſcheidet ſich im Allgemeinen von einer andern bloß mechaniſchen, daß jenes Moment einer Einheit, ſomit ob ſie wohl dem Objecte äußerlich, doch in ſich ſelbſt nicht ein bloß äußerliches iſt. Das Object, das eine ſolche Einheit zeigt, iſt ein Ganzes, wogegen ſeine Theile, ſeine eigene Aeußerlichkeit, gleichgültig iſt; eine beſtimmte, concrete Einheit, welche unterſchiedene Beziehungen und Beſtimmtheiten in ſich vereinigt. Dieſe Einheit, welche aus der ſpecifiſchen Natur des Objects nicht begriffen werden kann, und dem beſtimmten Inhalte nach ein anderer iſt, als der eigenthümliche Inhalt des Objects, iſt für ſich ſelbſt nicht eine mechaniſche Beſtimmtheit, aber ſie iſt am Objecte noch mechaniſch. Wie an dieſem Producte der zweckmäßigen Thätigkeit der Inhalt des Zwecks und der Inhalt des Objects ſich äußerlich ſind, ſo verhalten ſich auch in den anderen Momenten des Schluſſes die Beſtimmungen derſelben gegeneinander, — in der zuſammenſchließenden Mitte die zweckmäßige Thätigkeit und das Object, welches Mittel iſt, und im ſubjectiven Zweck, dem andern Extreme die unendliche Form als Totalität des Begriffes, und ſein Inhalt. Nach der Beziehung, durch welche der ſubjective Zweck mit der Objectivität zuſammengeſchloſſen wird, iſt ſowohl die eine Prämiſſe, nämlich die Beziehung des als Mittel beſtimmten Objects auf das noch äußerliche Object, als die andere, nämlich des ſubjectiven Zwecks auf das Object, welches zum Mittel gemacht wird, eine unmittelbare Beziehung. Der Schluß hat daher den Mangel des formalen Schluſſes überhaupt, daß die Beziehungen, aus welchen er beſteht, nicht ſelbſt Schlußſätze oder Vermitelungen ſind, daß ſie vielmehr den Schlußſatz, zu deſſen Hervorbringung ſie als Mittel dienen ſollen, ſchon vorausſetzen.

Wenn wir die eine Prämiſſe, die unmittelbare Beziehung des ſubjectiven Zwecks auf das Object, welches dadurch zum Mittel wird, betrachten, ſo kann jener ſich nicht unmittelbar auf dieſes beziehen; denn dieſes iſt ein ebenſo Unmittelbares, als das des andern Extrems, in welchem der Zweck durch Vermittelung ausgeführt werden ſoll. Inſofern ſie ſo als Verſchiedene geſetzt ſind, muß zwiſchen dieſe Objectivität und den ſubjectiven Zweck ein Mittel ihrer Beziehung eingeſchoben werden; aber dieſes Mittel iſt ebenſo ein ſchon durch den Zweck beſtimmtes Object, zwiſchen deſſen Objectivität und teleologiſche Beſtimmung iſt ein neues Mittel und ſo fort ins Unendliche einzuſchieben. Damit iſt der unendliche Progreß der Vermittelung geſetzt. — Daſſelbe findet ſtatt in Anſehung der andern Prämiſſe, der Beziehung des Mittels auf das noch unbeſtimmte Object. Da ſie ſchlechthin Selbſtſtändige ſind, ſo können ſie nur in einem Dritten, und ſo fort ins Unendliche, vereinigt ſeyn. — Oder umgekehrt, da die Prämiſſen den Schlußſatz ſchon vorausſetzen, ſo kann dieſer, wie er durch jene nur unmittelbare Prämiſſen iſt, nur unvollkommen ſeyn. Der Schlußſatz oder das Product des zweckmäßigen Thuns iſt nichts als ein durch einen ihm äußerlichen Zweck beſtimmtes Object; es iſt ſomit daſſelbe, was das Mittel. Es iſt daher in ſolchem Product ſelbſt nur ein Mittel, nicht ein ausgeführter Zweck herausgekommen; oder: der Zweck hat in ihm keine Objectivität wahrhaft erreicht. — Es iſt daher ganz gleichgültig, ein durch den äußern Zweck beſtimmtes Object als ausgeführten Zweck, oder nur als Mittel zu betrachten; es iſt dieß eine relative, dem Objecte ſelbſt äußerliche, nicht objective Beſtimmung. Alle Objecte alſo, an welchen ein äußerer Zweck ausgeführt iſt, ſind ebenſo wohl nur Mittel des Zwecks. Was zur Ausführung eines Zwecks gebraucht und weſentlich als Mittel genommen werden ſoll, iſt Mittel, nach ſeiner Beſtimmung aufgerieben zu werden. Aber auch das Object, das den ausgeführten Zweck enthalten, und ſich als deſſen Objectivität darſtellen ſoll, iſt vergänglich; es erfüllt ſeinen Zweck ebenfalls nicht durch ein ruhiges, ſich ſelbſt erhaltendes Daſeyn, ſondern nur, inſofern es aufgerieben wird, denn nur inſofern entſpricht es der Einheit des Begriffs, indem ſich ſeine Aeußerlichkeit, d. i. ſein Objectivität in derſelben aufhebt. — Ein Haus, eine Uhr können als die Zwecke erſcheinen gegen die zu ihrer Hervorbringung gebrauchten Werkzeuge; aber die Steine, Balken, oder Räder, Axen u. ſ. f., welche die Wirklichkeit des Zweckes ausmachen, erfüllen ihn nur durch den Druck, den ſie erleiden, durch die chemiſchen Proceſſe, denen ſie mit Luft, Licht, Waſſer preis gegeben ſind, und die ſie dem Menſchen abnehmen durch ihre Reibung u. ſ. f. Sie erfüllen alſo ihre Beſtimmung nur durch ihren Gebrauch und Abnutzung, und entſprechen nur durch ihre Negation dem, was ſie ſeyn ſollen. Sie ſind nicht poſitiv mit dem Zwecke vereinigt, weil ſie die Selbſtbeſtimmung nur äußerlich an ihnen haben, und ſind nur relative Zwecke, oder weſentlich auch nur Mittel.

Dieſe Zwecke haben überhaupt, wie gezeigt, einen beſchränkten Inhalt; ihre Form iſt die unendliche Selbſtbeſtimmung des Begriffs, der ſich durch ihn zur äußerlichen Einzelnheit beſchränkt hat. Der beſchränkte Inhalt macht dieſe Zwecke der Unendlichkeit des Begriffes unangemeſſen und zur Unwahrheit, ſolche Beſtimmtheit iſt ſchon durch die Sphäre der Nothwendigkeit durch das Seyn, dem Werden und der Veränderung preis gegeben und ein Vergängliches.

3. Als Reſultat ergiebt ſich hiermit, daß die äußere Zweckmäßigkeit, welche nur erſt die Form der Teleologie hat, eigentlich nur zu Mitteln, nicht zu einem objectiven Zwecke kommt, — weil der ſubjective Zweck als eine äußerliche, ſubjective Beſtimmung bleibt, — oder inſofern er thätig iſt und ſich, ob zwar nur in einem Mittel, vollführt, iſt er noch unmittelbar mit der Objectivität verbunden, in ſie verſenkt; er iſt ſelbſt ein Object, und der Zweck, kann man ſagen, kommt inſofern nicht zum Mittel, weil es der Ausführung des Zwecks ſchon vorher bedarf, ehe ſie durch ein Mittel zu Stande kommen könnte.

In der That aber iſt das Reſultat nicht nur eine äußere Zweckbeziehung, ſondern die Wahrheit derſelben, innere Zweckbeziehung und ein objectiver Zweck. Die gegen den Begriff ſelbſtſtändige Aeußerlichkeit des Objects, welche der Zweck ſich vorausſetzt, iſt in dieſer Vorausſetzung als ein unweſentlicher Schein geſetzt, und auch an und für ſich ſchon aufgehoben; die Thätigkeit des Zwecks iſt daher eigentlich nur Darſtellung dieſes Scheins und Aufheben deſſelben. — Wie ſich durch den Begriff gezeigt hat, wird das erſte Object durch die Mittheilung Mittel, weil es an ſich Totalität des Begriffes iſt, und ſeine Beſtimmtheit, welche keine andere als die Aeußerlichkeit ſelber iſt, nur als Aeußerliches, Unweſentliches geſetzt, daher im Zwecke ſelbſt als deſſen eigenes Moment, nicht als ein gegen ihn ſelbſtſtändiges iſt. Dadurch iſt Beſtimmung des Objects zum Mittel ſchlechthin eine unmittelbare. Es bedarf für den ſubjectiven Zweck daher keiner Gewalt, oder ſonſtigen Bekräftigung gegen daſſelbe, als der Bekräftigung ſeiner ſelbſt, um es zum Mittel zu machen; der Entſchluß, Aufſchluß, dieſe Beſtimmung ſeiner ſelbſt iſt die nur geſetzte Aeußerlichkeit des Objects, welches darin unmittelbar als dem Zwecke unterworfen iſt, und keine andere Beſtimmung gegen ihn hat, als die der Nichtigkeit des An- und Fürſichſeyns.

Das zweite Aufheben der Objectivität durch die Objectivität iſt hievon ſo verſchieden, daß jenes, als das erſte, der Zweck in objectiver Unmittelbarkeit iſt, dieſes daher nicht nur das Aufheben von einer erſten Unmittelbarkeit, ſondern von beidem, dem Objectiven als einem nur Geſetzten, und dem Unmittelbaren. Die Negativität kehrt auf dieſe Weiſe ſo in ſich ſelbſt zurück, daß ſie ebenſo Wiederherſtellen der Objectivität, aber als einer mit ihr identiſchen, und darin zugleich auch Setzen der Objectivität als einer, vom Zwecke nur beſtimmten, äußerlichen iſt. Durch Letzteres bleibt dieß Product, wie vorhin, auch Mittel; durch Erſteres iſt es die mit dem Begriffe identiſche Objectivität, der realiſirte Zweck, in dem die Seite, Mittel zu ſeyn, die Realität des Zwecks ſelbſt iſt. Im ausgeführten Zwecke verſchwindet das Mittel darum, weil es die nur erſt unmittelbar unter den Zweck ſubſumirte Objectivität wäre, die im realiſirten Zwecke als Rückkehr des Zwecks in ſich ſelbſt iſt; es verſchwindet ferner damit auch die Vermittelung ſelbſt, als welche ein Verhalten von Aeußerlichem iſt, theils in die concrete Identität des objectiven Zwecks, theils in dieſelbe als abſtracte Identität und Unmittelbarkeit des Daſeyns.

Hiermit iſt auch die Vermittelung enthalten, welche für die erſte Prämiſſe, die unmittelbare Beziehung des Zwecks auf das Object, gefordert wurde. Der ausgeführte Zweck iſt auch Mittel, und umgekehrt iſt die Wahrheit des Mittels ebenſo dieß, realer Zweck ſelbſt zu ſeyn, und das erſte Aufheben der Objectivität iſt ſchon auch das zweite; wie ſich das zweite zeigte, auch das erſte zu enthalten. Der Begriff beſtimmt ſich nämlich, ſeine Beſtimmtheit iſt die äußerliche Gleichgültigkeit, die unmittelbar in dem Entſchluſſe als aufgehobene, nämlich als innerliche, ſubjective, und zugleich als vorausgeſetztes Object beſtimmt iſt. Sein weiteres Hinausgehen aus ſich, welches nämlich als unmittelbare Mittheilung und Subſumtion des vorausgeſetzten Objects unter ihn erſchien, iſt zugleich Aufheben jener innerlichen, in den Begriff eingeſchloſſenen, d. i. als aufgehoben geſetzten Beſtimmtheit der Aeußerlichkeit, und zugleich der Vorausſetzung eines Objects; ſomit iſt dieſes anſcheinend erſte Aufheben der gleichgültigen Objectivität auch ſchon das zweite, eine durch die Vermittelung hindurch gegangene Reflexion-in-ſich und der ausgeführte Zweck.

Indem hier der Begriff in der Sphäre der Objectivität, wo ſeine Beſtimmtheit die Form gleichgültiger Aeußerlichkeit hat, in Wechſelwirkung mit ſich ſelbſt iſt, ſo wird die Darſtellung ſeiner Bewegung hier doppelt ſchwierig und verwickelt, weil ſie unmittelbar ſelbſt das Gedoppelte, und immer ein Erſtes auch ein Zweites iſt. Im Begriff für ſich, d. h. in ſeiner Subjectivität, iſt der Unterſchied ſeiner von ſich als unmittelbare identiſche Totalität für ſich; da hier aber ſeine Beſtimmtheit gleichgültige Aeußerlichkeit iſt, ſo iſt die Identität darin mit ſich ſelbſt auch unmittelbar wieder das Abſtoßen von ſich, daß das als ihr Aeußerliches und Gleichgültiges Beſtimmte, vielmehr ſie ſelbſt, und ſie als ſie ſelbſt, als in ſich reflectirt, vielmehr ihr Anderes iſt. Nur indem dieß feſtgehalten wird, wird die objective Rückkehr des Begriffs in ſich, d. i. die wahrhafte Objectivirung deſſelben aufgefaßt; — aufgefaßt, daß jedes der einzelnen Momente, durch welche ſich dieſe Vermittelung verläuft, ſelbſt der ganze Schluß derſelben iſt. So iſt die urſprüngliche innere Aeußerlichkeit des Begriffs, durch welche er die ſich von ſich abſtoßende Einheit, Zweck und deſſen Hinausſtreben zur Objectivirung iſt, das unmittelbare Setzen, oder die Vorausſetzung eines äußerlichen Objects; die Selbſtbeſtimmung iſt auch Beſtimmung eines als nicht durch den Begriff beſtimmten, äußerlichen Objects; und umgekehrt iſt ſie Selbſtbeſtimmung, d. i. die aufgehobene, als innere geſetzte Aeußerlichkeit; — oder die Gewißheit der Unweſentlichkeit des äußern Objects. — Von der zweiten Beziehung, der Beſtimmung des Objects als Mittel, iſt ſo eben gezeigt worden, wie ſie an ihr ſelbſt die Vermittelung des Zwecks in dem Objecte mit ſich iſt. — Ebenſo iſt das Dritte, der Mechanismus, welcher unter der Herrſchaft des Zwecks vor ſich geht, und das Object durch das Object aufhebt, einerſeits Aufheben des Mittels, des ſchon als aufgehobenen geſetzten Objects, ſomit zweites Aufheben und Reflexion-in-ſich, andererſeits erſtes Beſtimmen des äußerlichen Objects. Letzteres iſt, wie bemerkt worden,wieder im ausgeführten Zwecke die Hervorbringung nur eines Mittels; indem die Subjectivität des endlichen Begriffs das Mittel verächtlich wegwirft, hat ſie in ihrem Ziel nichts Beſſeres erreicht. Dieſe Reflexion aber, daß der Zweck in dem Mittel erreicht, und im erfüllten Zwecke das Mittel und die Vermittelung erhalten iſt, iſt das letzte Reſultat der äußerlichen Zweckbeziehung, worin ſie ſelbſt ſich aufgehoben und das ſie als ihre Wahrheit dargeſtellt hat. — Der zuletzt betrachtete dritte Schluß iſt dadurch unterſchieden, daß er erſtens die ſubjective Zweckthätigkeit der vorhergehenden Schlüſſe, aber auch die Aufhebung der äußerlichen Objectivität, und damit der Aeußerlichkeit überhaupt, durch ſich ſelbſt, hiermit die Totalität in ihrem Geſetztſeyn iſt.

Nachdem wir nun die Subjectivität, das Fürſichſeyn des Begriffes, in das Anſichſeyn deſſelben, die Objectivität übergehen geſehen, ſo hat ſich ferner in der letztern die Negativität ſeines Fürſichſeyns wieder hervorgethan; der Begriff hat ſich in ihr ſo beſtimmt, daß ſeine Beſonderheit äußerliche Objectivität iſt, oder als die einfache concrete Einheit, deren Aeußerlichkeit ihre Selbſtbeſtimmung iſt. Die Bewegung des Zweckes hat nun dieß erreicht, daß das Moment der Aeußerlichkeit nicht nur im Begriff geſetzt, er nicht nur ein Sollen und Streben, ſondern als concrete Totalität identiſch mit der unmittelbaren Objectivität iſt. Dieſe Identität iſt einerſeits der einfache Begriff, und ebenſo unmittelbare Objectivität, aber andererſeits gleich weſentlich Vermittelung, und nur durch ſie, als ſich ſelbſt aufhebende Vermittelung, jene einfache Unmittelbarkeit; ſo iſt er weſentlich dieß, als fürſichſeyende Identität von ſeiner anſichſeyenden Objectivität unterſchieden zu ſeyn, und dadurch Aeußerlichkeit zu haben, aber in dieſer äußerlichen Totalität die ſelbſtbeſtimmende Identität derſelben zu ſeyn. So iſt der Begriff nun die Idee.


Dritter Abſchnitt.
Die Idee.


Die Idee iſt der adäquate Begriff, das objective Wahre, oder das Wahre als ſolches. Wenn irgend Etwas Wahrheit hat, hat es ſie durch ſeine Idee, oder Etwas hat nur Wahrheit, inſofern es Idee iſt. — Der Ausdruck Idee iſt ſonſt oft in der Philoſophie, wie im gemeinen Leben, auch für Begriff, ja gar für eine bloße Vorſtellung gebraucht worden; ich habe noch keine Idee von dieſem Rechtshandel, Gebäude, Gegend, will weiter nichts ausdrücken, als die Vorſtellung. Kant hat den Ausdruck: Idee wieder dem Vernunftbegriff vindicirt. — Der Vernunftbegriff ſoll nun nach Kant der Begriff vom Unbedingten, in Anſehung der Erſcheinungen aber transcendent ſeyn, d. h. von ihm kein ihm adäquater empiriſcher Gebrauch gemacht werden können. Die Vernunftbegriffe ſollen zum Begreifen, die Verſtandesbegriffe zum Verſtehen der Wahrnehmungen dienen. — In der That aber, wenn die letzteren wirklich Begriffe ſind, ſo ſind ſie Begriffe, — es wird durch ſie begriffen, und ein Verſtehen der Wahrnehmungen durch Verſtandesbegriffe wird ein Begreifen ſeyn. Iſt aber das Verſtehen nur ein Beſtimmen der Wahrnehmungen durch ſolche Beſtimmungen, z. B. Ganzes und Theile, Kraft, Urſache und dergleichen, ſo bedeutet es nur ein Beſtimmen durch die Reflexion, ſo wie auch mit dem Verſtehen nur das beſtimmte Vorſtellen von ganz beſtimmtem ſinnlichem Inhalte gemeint ſeyn kann; wie wenn einer, dem man den Weg bezeichnet, daß er am Ende des Waldes links gehen müſſe, etwa erwiedert: ich verſtehe, ſo will das Verſtehen weiter nichts ſagen, als das Faſſen in die Vorſtellung und ins Gedächtniß. — Auch Vernunftbegriff iſt ein etwas ungeſchickter Ausdruck; denn der Begriff iſt überhaupt etwas Vernünftiges; und inſofern die Vernunft vom Verſtande und dem Begriff als ſolchem unterſchieden wird, ſo iſt ſie die Totalität des Begriffs und der Objectivität. — In dieſem Sinne iſt die Idee das Vernünftige; — ſie iſt das Unbedingte darum, weil nur dasjenige Bedingungen hat, was ſich weſentlich auf eine Objectivität bezieht, aber eine nicht durch es ſelbſt beſtimmte, ſondern eine ſolche, die noch in der Form der Gleichgültigkeit und Aeußerlichkeit dagegen iſt, wie noch der äußerliche Zweck hatte.

Indem nun der Ausdruck Idee für den objectiven oder realen Begriff zurückbehalten, und von dem Begriff ſelbſt, noch mehr aber von der bloßen Vorſtellung unterſchieden wird, ſo iſt ferner noch mehr diejenige Schätzung der Idee zu verwerfen, nach welcher ſie für etwas nur Unwirkliches genommen und von wahren Gedanken geſagt wird, es ſeyen nur Ideen. Wenn die Gedanken etwas bloß Subjectives und Zufälliges ſind, ſo haben ſie allerdings keinen weitern Werth, aber ſie ſtehen den zeitlichen und zufälligen Wirklichkeiten darin nicht nach, welche ebenfalls keinen weitern Werth als den von Zufälligkeiten und Erſcheinungen haben. Wenn dagegen umgekehrt die Idee darum den Werth der Wahrheit nicht haben ſoll, weil ſie in Anſehung der Erſcheinungen transcendent, weil ihr kein congruirender Gegenſtand in der Sinnenwelt gegeben werden könne, ſo iſt dieß ein ſonderbarer Mißverſtand, indem der Idee deswegen objective Gültigkeit abgeſprochen wird, weil ihr dasjenige fehle, was die Erſcheinung, das unwahre Seyn der objectiven Welt, ausmacht. In Anſehung der praktiſchen Ideen erkennt es Kant, daß „nichtsSchädlicheres und eines Philoſophen Unwürdigeres gefunden werden könne, als die pöbelhafte Berufung auf vorgeblich gegen die Idee widerſtreitende Erfahrung. Dieſe würde ſelbſt gar nicht exiſtiren, wenn z. B. Staatsanſtalten zu rechter Zeit nach den Ideen getroffen wären, und an deren Statt nicht rohe Begriffe, eben darum, weil ſie aus Erfahrung geſchöpft worden, alle gute Abſicht vereitelt hätten.“ Kant ſieht die Idee als etwas Nothwendiges, als das Ziel an, das als das Urbild für ein Maximum aufzuſtellen und dem den Zuſtand der Wirklichkeit immer näher zu bringen, das Beſtreben ſeyn müſſe.

Indem ſich aber das Reſultat ergeben hat, daß die Idee die Einheit des Begriffs und der Objectivität, das Wahre, iſt, ſo iſt ſie nicht nur als ein Ziel zu betrachten, dem ſich anzunähern ſey, das aber ſelbſt immer eine Art von Jenſeits bleibe, ſondern daß alles Wirkliche nur inſofern iſt, als es die Idee in ſich hat, und ſie ausdrückt. Der Gegenſtand, die objective und ſubjective Welt, überhaupt ſollen mit der Idee nicht bloß congruiren, ſondern ſie ſind ſelbſt die Congruenz des Begriffs und der Realität; diejenige Realität, welche dem Begriffe nicht entſpricht, iſt bloße Erſcheinung, das Subjective, Zufällige, Willkürliche, das nicht die Wahrheit iſt. Wenn geſagt wird, es finde ſich in der Erfahrung kein Gegenſtand, welcher der Idee vollkommen congruire, ſo wird dieſe als ein ſubjectiver Maaßſtab dem Wirklichen gegenübergeſtellt; was aber ein Wirkliches wahrhaft ſeyn ſolle, wenn nicht ſein Begriff in ihm, und ſeine Objectivität dieſem Begriffe gar nicht angemeſſen iſt, iſt nicht zu ſagen; denn es wäre das Nichts. Das mechaniſche und chemiſche Object, wie das geiſtloſe Subject, und der nur des Endlichen, nicht ſeines Weſens bewußte Geiſt, haben zwar, nach ihrer verſchiedenen Natur, ihren Begriff nicht in ſeiner eigenen freien Form an ihnen exiſtirend. Aber ſie können überhaupt nur inſofern etwas Wahres ſeyn, als ſie die Vereinigung ihres Begriffs und der Realität, ihrer Seele und ihres Leibes, ſind. Ganze, wie der Staat, dieKirche, wenn die Einheit ihres Begriffs und ihrer Realität aufgelöſt iſt, hören auf zu exiſtiren; der Menſch, das Lebendige iſt todt, wenn Seele und Leib ſich in ihm trennen; die todte Natur, die mechaniſche und chemiſche Welt, wenn nämlich das Todte für die unorganiſche Welt genommen wird, ſonſt hätte es gar keine poſitive Bedeutung, — die todte Natur alſo, wenn ſie in ihren Begriff und ihre Realität geſchieden wird, iſt nichts als die ſubjective Abſtraction einer gedachten Form und einer formloſen Materie. Der Geiſt, der nicht Idee, Einheit des Begriffs ſelbſt mit ſich, — der Begriff, der den Begriff ſelbſt zu ſeiner Realität hätte, wäre der todte, geiſtloſe Geiſt, ein materielles Object.

Seyn hat die Bedeutung der Wahrheit erreicht, indem die Idee die Einheit des Begriffs und der Realität iſt; es iſt alſo nunmehr nur das, was Idee iſt. Die endlichen Dinge ſind darum endlich, inſofern ſie die Realität ihres Begriffs nicht vollſtändig an ihnen ſelbſt haben, ſondern dazu anderer bedürfen; — oder umgekehrt, inſofern ſie als Objecte vorausgeſetzt ſind, ſomit den Begriff als eine äußerliche Beſtimmung an ihnen haben. Das Höchſte, was ſie nach der Seite dieſer Endlichkeit erreichen, iſt die äußere Zweckmäßigkeit. Daß die wirklichen Dinge mit der Idee nicht congruiren, iſt die Seite ihrer Endlichkeit, Unwahrheit, nach welcher ſie Objecte, jedes nach ſeiner verſchiedenen Sphäre, und in den Verhältniſſen der Objectivität mechaniſch, chemiſch oder durch einen äußerlichen Zweck beſtimmt iſt. Daß die Idee ihre Realität nicht vollkommen durchgearbeitet, ſie unvollſtändig dem Begriffe unterworfen hat, davon beruht die Möglichkeit darauf, daß ſie ſelbſt einen beſchränkten Inhalt hat, daß ſie, ſo weſentlich ſie Einheit des Begriffs und der Realität, ebenſo weſentlich auch deren Unterſchied iſt; denn nur das Object iſt die unmittelbare, d. h. nur anſichſeyende Einheit. Wenn aber ein Gegenſtand, z. B. der Staat ſeiner Idee gar nicht angemeſſen, das heißt, vielmehr gar nicht die Idee des Staates wäre, wenn ſeine Realität, welche die ſelbſtbewußten Individuen iſt, dem Begriffe ganz nicht entſpräche, ſo hätten ſeine Seele und ſein Leib ſich getrennt; jene entflöhe in die abgeſchiedenen Regionen des Gedankens, dieſer wäre in die einzelnen Individualitäten zerfallen; aber indem der Begriff des Staats ſo weſentlich ihre Natur ausmacht, ſo iſt er als ein ſo mächtiger Trieb in ihnen, daß ſie ihn, ſey es auch nur in der Form äußerer Zweckmäßigkeit, in Realität zu verſetzen oder ihn ſo ſich gefallen zu laſſen gedrungen ſind, oder ſie müßten zu Grunde gehen. Der ſchlechteſte Staat, deſſen Realität dem Begriffe am wenigſten entſpricht, inſofern er noch exiſtirt, iſt er noch Idee, die Individuen gehorchen noch einem Machthabenden Begriffe.

Die Idee hat aber nicht nur den allgemeineren Sinn des wahrhaften Seyns, der Einheit von Begriff und Realität, ſondern den beſtimmteren von ſubjectivem Begriffe und der Objectivität. Der Begriff als ſolcher iſt nämlich ſelbſt ſchon die Identität ſeiner und der Realität; denn der unbeſtimmte Ausdruck Realität heißt überhaupt nichts Anderes als das beſtimmte Seyn; dieß aber hat der Begriff an ſeiner Beſonderheit und Einzelnheit. Ebenſo iſt ferner die Objectivität der aus ſeiner Beſtimmtheit in die Identität mit ſich zuſammengegangene, totale Begriff. In jener Subjectivität iſt die Beſtimmtheit oder der Unterſchied des Begriffes ein Schein, der unmittelbar aufgehoben und in das Fürſichſeyn, oder die negative Einheit zurückgegangen iſt, inhärirendes Prädicat. In dieſer Objectivität aber iſt die Beſtimmtheit als unmittelbare Totalität, als äußerliches Ganzes geſetzt. Die Idee hat ſich nun gezeigt als der wieder von der Unmittelbarkeit, in die er im Objecte verſenkt iſt, zu ſeiner Subjectivität befreite Begriff, welcher ſich von ſeiner Objectivität unterſcheidet, die aber ebenſo ſehr von ihm beſtimmt und ihre Subſtantialität nur in jenem Begriffe hat. Dieſe Identität iſt daher mit Recht als das Subject-Object beſtimmt worden; daß ſie ebenſo wohl der formelle oder ſubjective Begriff, als ſie das Object als ſolches iſt. Aber dieß iſtbeſtimmter aufzufaſſen. Der Begriff, indem er wahrhaft ſeine Realität erreicht hat, iſt dieß abſolute Urtheil, deſſen Subject als die ſich auf ſich beziehende negative Einheit ſich von ſeiner Objectivität unterſcheidet, und das An- und Fürſichſeyn derſelben iſt, aber weſentlich ſich durch ſich ſelbſt auf ſie bezieht, — daher Selbſtzweck und Trieb iſt; — die Objectivität aber hat das Subject eben darum nicht unmittelbar an ihm, es wäre ſo nur die in ſie verlorene Totalität des Objects als ſolchen; ſondern ſie iſt die Realiſation des Zwecks, eine durch die Thätigkeit des Zweckes geſetzte Objectivität, welche als Geſetztſeyn ihr Beſtehen und ihre Form nur als durchdrungen von ihrem Subject hat. Als Objectivität hat ſie das Moment der Aeußerlichkeit des Begriffs an ihr, und iſt daher überhaupt die Seite der Endlichkeit, Veränderlichkeit und Erſcheinung, die aber ihren Untergang darin hat, in die negative Einheit des Begriffes zurückzugehen; die Negativität, wodurch ihr gleichgültiges Außereinanderſeyn ſich als Unweſentliches und Geſetztſeyn zeigt, iſt der Begriff ſelbſt. Die Idee iſt daher, dieſer Objectivität ungeachtet, ſchlechthin einfach und immateriell, denn die Aeußerlichkeit iſt nur als durch den Begriff beſtimmt, und in ſeine negative Einheit aufgenommen; inſofern ſie als gleichgültige Aeußerlichkeit beſteht, iſt ſie dem Mechanismus überhaupt nicht nur preisgegeben, ſondern iſt nur als das Vergängliche und Unwahre. — Ob die Idee alſo gleich ihre Realität in einer Materiatur hat, ſo iſt dieſe nicht ein abſtractes, gegen den Begriff für ſich beſtehendes Seyn, ſondern nur als Werden durch die Negativität des gleichgültigen Seyns als einfache Beſtimmtheit des Begriffes.

Es ergeben ſich hieraus folgende nähere Beſtimmungen der Idee. — Sie iſt erſtlich die einfache Wahrheit, die Identität des Begriffes und der Objectivität als Allgemeines, in welchem der Gegenſatz und das Beſtehen des Beſondern in ſeine mit ſich identiſche Negativität aufgelöſt, und als Gleichheit mit ſich ſelbſt iſt. Zweitens iſt ſie die Beziehung der fürſichſeyenden Subjectivität des einfachen Begriffs und ſeiner davon unterſchiedenen Objectivität; jene iſt weſentlich der Trieb, dieſe Trennung aufzuheben, und dieſe das gleichgültige Geſetztſeyn, das an und für ſich nichtige Beſtehen. Sie iſt als dieſe Beziehung der Proceß, ſich in die Individualität und in deren unorganiſche Natur zu dirimiren, und wieder dieſe unter die Gewalt des Subjects zurückzubringen und zu der erſten einfachen Allgemeinheit zurückzukehren. Die Identität der Idee mit ſich ſelbſt iſt eins mit dem Proceſſe; der Gedanke, der die Wirklichkeit von dem Scheine der zweckloſen Veränderlichkeit befreit und zur Idee verklärt, muß dieſe Wahrheit der Wirklichkeit nicht als die todte Ruhe, als ein bloßes Bild, matt, ohne Trieb und Bewegung, als einen Genius, oder Zahl, oder einen abſtracten Gedanken vorſtellen; die Idee hat, um der Freiheit willen, die der Begriff in ihr erreicht, auch den härteſten Gegenſatz in ſich; ihre Ruhe beſteht in der Sicherheit und Gewißheit, womit ſie ihn ewig erzeugt und ewig überwindet, und in ihm mit ſich ſelbſt zuſammengeht.

Zunächſt aber iſt die Idee auch wieder erſt nur unmittelbar oder nur in ihrem Begriffe; die objective Realität iſt dem Begriffe zwar angemeſſen, aber noch nicht zum Begriffe befreit, und er exiſtirt nicht für ſich als der Begriff. Der Begriff iſt ſo zwar Seele, aber die Seele iſt in der Weiſe eines Unmittelbaren, d. h. ihre Beſtimmtheit iſt nicht als ſie ſelbſt, ſie hat ſich nicht als Seele erfaßt, nicht in ihr ſelbſt ihre objective Realität; der Begriff iſt als eine Seele, die noch nicht ſeelenvoll iſt.

So iſt die Idee erſtlich das Leben; der Begriff, der unterſchieden von ſeiner Objectivität einfach in ſich ſeine Objectivität durchdringt, und als Selbſtzweck an ihr ſein Mittel hat und ſie als ſein Mittel ſetzt, aber in dieſem Mittel immanent und darin der realiſirte mit ſich identiſche Zweck iſt. Dieſe Idee hat um ihrer Unmittelbarkeit willen die Einzelnheit zur Form ihrer Exiſtenz. Aber die Reflexion ihres abſoluten Proceſſes in ſich ſelbſt iſt das Aufheben dieſer unmittelbaren Einzelnheit; dadurch macht der Begriff, der in ihr als Allgemeinheit das Innere iſt, die Aeußerlichkeit zur Allgemeinheit, oder ſetzt ſeine Objectivität als Gleichheit mit ſich ſelbſt. So iſt die Idee

Zweitens die Idee des Wahren und des Guten, als Erkennen und Wollen. Zunächſt iſt ſie endliches Erkennen und endliches Wollen, worin das Wahre und Gute ſich noch unterſcheiden, und beide nur erſt als Ziel ſind. Der Begriff hat ſich zunächſt zu ſich ſelbſt befreit, und ſich nur erſt eine abſtracte Objectivität zur Realität gegeben. Aber der Proceß dieſes endlichen Erkennens und Handelns macht die zunächſt abſtracte Allgemeinheit zur Totalität, wodurch ſie vollkommene Objectivität wird. — Oder von der andern Seite betrachtet, macht der endliche, das iſt der ſubjective Geiſt, ſich die Vorausſetzung einer objectiven Welt, wie das Leben eine ſolche Vorausſetzung hat; aber ſeine Thätigkeit iſt, dieſe Vorausſetzung aufzuheben und ſie zu einem Geſetzten zu machen. So iſt ſeine Realität für ihn die objective Welt, oder umgekehrt, die objective Welt iſt die Idealität, in der er ſich ſelbſt erkennt.

Drittens erkennt der Geiſt die Idee als ſeine abſolute Wahrheit, als die Wahrheit, die an und für ſich iſt; die unendliche Idee, in welcher Erkennen und Thun ſich ausgeglichen hat, und die das abſolute Wiſſen ihrer ſelbſt iſt.


Erſtes Kapitel.
Das Leben.

Die Idee des Lebens betrifft einen ſo concreten und, wenn man will, reellen Gegenſtand, daß mit derſelben nach der gewöhnlichen Vorſtellung der Logik ihr Gebiet überſchritten zu werden ſcheinen kann. Sollte die Logik freilich nichts als leere, todte Gedankenformen enthalten, ſo könnte in ihr überhaupt von keinem ſolchen Inhalte, wie die Idee, oder das Leben iſt, die Rede ſeyn. Wenn aber die abſolute Wahrheit der Gegenſtand der Logik, und die Wahrheit als ſolche weſentlich im Erkennen iſt, ſo müßte das Erkennen wenigſtens abgehandelt werden. — Der ſogenannten reinen Logik pflegt man denn auch gewöhnlich eine angewandte Logik folgen zu laſſen, — eine Logik, welche es mit dem concreten Erkennen zu thun hat; die viele Pſychologie und Anthropologie nicht mitgerechnet, deren Einflechtung in die Logik häufig für nöthig erachtet wird. Die anthropologiſche und pſychologiſche Seite des Erkennens aber betrifft deſſen Erſcheinung, in welcher der Begriff für ſich ſelbſt noch nicht dieſes iſt, eine ihm gleiche Objectivität, d. i. ſich ſelbſt zum Objecte zu haben. Der Theil der Logik, der daſſelbe betrachtet, gehört nicht zur angewandten Logik als ſolchen; ſo wäre jede Wiſſenſchaft in die Logik hereinzuziehen, denn jede iſt inſofern eine angewandte Logik, als ſie darin beſteht, ihren Gegenſtand in Formen des Gedankens und Begriffs zu faſſen. — Der ſubjective Begriff hat Vorausſetzungen, die in pſychologiſcher, anthropologiſcher und ſonſtiger Form ſich darſtellen. In die Logik aber gehören nur die Vorausſetzungen des reinen Begriffs, inſofern ſie die Form von reinen Gedanken, von abſtracten Weſenheiten haben, die Beſtimmungen des Seyns und Weſens. Ebenſo ſind vom Erkennen, dem ſich ſelbſt Erfaſſen des Begriffs, nicht die anderen Geſtalten ſeiner Vorausſetzung, ſondern nur diejenige, welche ſelbſt Idee iſt, in der Logik abzuhandeln; aber dieſe iſt nothwendig in ihr zu betrachten. Dieſe Vorausſetzung nun iſt die unmittelbare Idee; denn indem das Erkennen der Begriff iſt, inſofern er für ſich ſelbſt aber als Subjectives in Beziehung auf Objectives iſt, ſo bezieht er ſich auf die Idee als vorausgeſetzte oder unmittelbare. Die unmittelbare Idee aber iſt das Leben.

Inſofern würde ſich die Nothwendigkeit, die Idee des Lebens in der Logik zu betrachten, auf die auch ſonſt anerkannte Nothwendigkeit, den concreten Begriff des Erkennens hier abzuhandeln, gründen. Dieſe Idee hat ſich aber durch die eigene Nothwendigkeit des Begriffes herbeigeführt; die Idee, das an und für ſich Wahre, iſt weſentlich Gegenſtand der Logik; da ſie zuerſt in ihrer Unmittelbarkeit zu betrachten iſt, ſo iſt ſie in dieſer Beſtimmtheit, in welcher ſie Leben iſt, aufzufaſſen und zu erkennen, damit ihre Betrachtung nicht etwas Leeres und Beſtimmungsloſes ſey. Es kann nur etwa zu bemerken ſeyn, inwiefern die logiſche Anſicht des Lebens von anderer wiſſenſchaftlicher Anſicht deſſelben unterſchieden iſt; jedoch gehört hierher nicht, wie in unphiloſophiſchen Wiſſenſchaften von ihm gehandelt wird, ſondern nur wie das logiſche Leben als reine Idee von dem Naturleben, das in der Natur-Philoſophie betrachtet wird, und von dem Leben, inſofern es mit dem Geiſte in Verbindung ſteht, zu unterſcheiden iſt. — Das Erſtere iſt als das Leben der Natur das Leben, inſofern es in die Aeußerlichkeit des Beſtehens hinausgeworfen iſt, an der unorganiſchen Natur ſeine Bedingung hat, und wie die Momente der Idee eine Mannigfaltigkeit wirklicher Geſtaltungen ſind. Das Leben in der Idee iſt ohne ſolche Vorausſetzungen, welche als Geſtalten der Wirklichkeit ſind; ſeine Vorausſetzung iſt der Begriff, wie er betrachtet worden iſt, einerſeits als ſubjectiver, andererſeits als objectiver. In der Natur erſcheint das Leben als die höchſte Stufe, welche von ihrer Aeußerlichkeit dadurch erreicht wird, daß ſie in ſich gegangen iſt und ſich in der Subjectivität aufhebt. In der Logik iſt es das einfache Inſichſeyn, welches in der Idee des Lebens ſeine ihm wahrhaft entſprechende Aeußerlichkeit erreicht hat; der Begriff, der als ſubjectiver früher auftritt, iſt die Seele des Lebens ſelbſt: er iſt der Trieb, der ſich durch die Objectivität hindurch ſeine Realität vermittelt. Indem die Natur von ihrer Aeußerlichkeit aus dieſe Idee erreicht, geht ſie über ſich hinaus, ihr Ende iſt nicht als ihr Anfang, ſondern als ihre Gränze, worin ſie ſich ſelbſt aufhebt. — Ebenſo erhalten in der Idee des Lebens die Momente ſeiner Realität nicht die Geſtalt äußerlicher Wirklichkeit, ſondern bleiben in die Form des Begriffes eingeſchloſſen.

Im Geiſte aber erſcheint das Leben theils ihm gegenüber, theils als mit ihm in eins geſetzt, und dieſe Einheit wieder durch ihn rein herausgeboren. Das Leben iſt hier nämlich überhaupt in ſeinem eigentlichen Sinne als natürliches Leben zu nehmen, denn was das Leben des Geiſtes als Geiſtes genannt wird, iſt ſeine Eigenthümlichkeit, welche dem bloßen Leben gegenüberſteht; wie auch von der Natur des Geiſtes geſprochen wird, obgleich der Geiſt kein Natürliches, und vielmehr der Gegenſatz zur Natur iſt. Das Leben als ſolches alſo iſt für den Geiſt theils Mittel, ſo ſtellt er es ſich gegenüber; theils iſt er lebendiges Individuum, und das Leben ſein Körper, theils wird dieſe Einheit ſeiner mit ſeiner lebendigen Körperlichkeit aus ihm ſelbſt zum Ideal herausgeboren. Keine dieſer Beziehungen auf den Geiſt geht das logiſche Leben an, und es iſt hier weder als Mittel eines Geiſtes, noch als ſein lebendiger Leib, noch als Moment des Ideals und der Schönheit zu betrachten. — Das Leben hat in beiden Fällen, wie es natürliches und wie es mit dem Geiſte in Beziehung ſteht, eine Beſtimmtheit ſeiner Aeußerlichkeit, dort durch ſeine Vorausſetzungen, welches andere Geſtaltungen der Natur ſind, hier aber durch die Zwecke und Thätigkeit des Geiſtes. Die Idee des Lebens für ſich iſt frei von jener vorausgeſetzten und bedingenden Objectivität, ſo wie von der Beziehung auf dieſe Subjectivität.

Das Leben, in ſeiner Idee nun näher betrachtet, iſt an und für ſich abſolute Allgemeinheit; die Objectivität, welche es an ihm hat, iſt vom Begriffe ſchlechthin durchdrungen, ſie hat nur ihn zur Subſtanz. Was ſich als Theil oder nach ſonſtiger äußerer Reflexion unterſcheidet, hat den ganzen Begriff in ſich ſelbſt; er iſt die darin allgegenwärtige Seele, welche einfache Beziehung auf ſich ſelbſt, und Eins in der Mannigfaltigkeit bleibt, die dem objectiven Seyn zukommt. Dieſe Mannigfaltigkeit hat als die ſich äußerliche Objectivität ein gleichgültiges Beſtehen, das im Raume und in der Zeit, wenn dieſe hier ſchon erwähnt werden könnten, ein ganz verſchiedenes und ſelbſtſtändiges Außereinander iſt. Aber die Aeußerlichkeit iſt im Leben zugleich als die einfache Beſtimmtheit ſeines Begriffs; ſo iſt die Seele allgegenwärtig in dieſe Mannigfaltigkeit ausgegoſſen, und bleibt zugleich ſchlechthin das einfache Einsſeyn des concreten Begriffs mit ſich ſelbſt. — Am Leben, an dieſer Einheit ſeines Begriffs in der Aeußerlichkeit der Objectivität, in der abſoluten Vielheit der atomiſtiſchen Materie, gehen dem Denken, das ſich an die Beſtimmungen der Reflexions-Verhältniſſe und des formalen Begriffes hält, ſchlechthin alle ſeine Gedanken aus; die Allgegenwart des Einfachen in der vielfachen Aeußerlichkeit iſt für die Reflexion ein abſoluter Widerſpruch, und inſofern ſie dieſelbe zugleich aus der Wahrnehmung des Lebens auffaſſen, hiermit die Wirklichkeit dieſer Idee zugeben muß, ein unbegreifliches Geheimniß, weil ſie den Begriff nicht erfaßt, und den Begriff nicht als die Subſtanz des Lebens. — Das einfache Leben iſt aber nicht nur allgegenwärtig, ſondern ſchlechthin das Beſtehen und die immanente Subſtanz ſeiner Objectivität, aber als ſubjective Subſtanz Trieb, und zwar der ſpecifiſche Trieb des beſondern Unſchiedes, und ebenſo weſentlich der Eine und allgemeine Trieb des Specifiſchen, der dieſe ſeine Beſonderung in die Einheit zurückführt und darin erhält. Das Leben iſt nur als dieſe negative Einheit ſeiner Objectivität und Beſonderung ſich auf ſich beziehendes, für ſich ſeyendes Leben, eine Seele. Es iſt damit weſentlich Einzelnes, welches auf die Objectivität ſich als auf ein Anderes, eine unlebendige Natur bezieht. Das urſprüngliche Urtheil des Lebens beſteht daher darin, daß es ſich als individuelles Subject gegen das Objective abſcheidet, und indem es ſich als die negative Einheit des Begriffs conſtituirt, die Vorausſetzung einer unmittelbaren Objectivität macht.

Das Leben iſt daher erſtlich zu betrachten als lebendiges Individuum, das für ſich die ſubjective Totalität, und als gleichgültig vorausgeſetzt iſt gegen eine ihm als gleichgültig gegenüberſtehende Objectivität.

Zweitens iſt es der Lebens-Proceß, ſeine Vorausſetzung aufzuheben, die gegen daſſelbe gleichgültige Objectivität als negativ zu ſetzen, und ſich als ihre Macht und negative Einheit zu verwirklichen. Damit macht es ſich zum Allgemeinen, das die Einheit ſeiner ſelbſt und ſeines Andern iſt. Das Leben iſt daher

Drittens der Proceß der Gattung, ſeine Vereinzelung aufzuheben, und ſich zu ſeinem objectiven Daſeyn als zu ſich ſelbſt zu verhalten. Dieſer Proceß iſt hiermit einerſeits die Rückkehr zu ſeinem Begriffe, und die Wiederholung der erſten Diremtion, das Werden einer neuen, und der Tod der erſten unmittelbaren Individualität; andererſeits aber iſt der in ſich gegangene Begriff des Lebens das Werden des ſich zu ſich ſelbſt verhaltenden, als allgemein und frei für ſich exiſtirenden Begriffes, der Uebergang in das Erkennen.

A.
Das lebendige Individuum.

1. Der Begriff des Lebens oder das allgemeine Leben iſt die unmittelbare Idee, der Begriff, dem ſeine Objectivität angemeſſen iſt; aber ſie iſt ihm nur angemeſſen, inſofern er die negative Einheit dieſer Aeußerlichkeit iſt, das heißt, ſie ſich angemeſſen ſetzt. Die unendliche Beziehung des Begriffes auf ſich ſelbſt iſt als die Negativität das Selbſtbeſtimmen, die Diremtion ſeiner in ſich als ſubjective Einzelnheit, und in ſich als gleichgültige Allgemeinheit. Die Idee des Lebens in ihrer Unmittelbarkeit iſt nur erſt die ſchöpferiſche allgemeine Seele. Um dieſer Unmittelbarkeit willen iſt ihre erſte negative Beziehung der Idee in ſich ſelbſt, Selbſtbeſtimmung ihrer als Begriff, — das Setzen an ſich, welches erſt als Rückkehr in ſich Für-ſich-ſeyn iſt; das ſchöpferiſche Vorausſetzen. Durch dieß Selbſtbeſtimmen iſt das allgemeine Leben ein Beſonderes; es hat ſich damit in die beiden Extreme des Urtheils, das unmittelbar Schluß wird, entzweit.

Die Beſtimmungen des Gegenſatzes ſind die allgemeinen Beſtimmungen des Begriffes, denn es iſt der Begriff, dem die Entzweiung zukommt; aber die Erfüllung derſelben iſt die Idee. Das eine iſt die Einheit des Begriffs und der Realität, welche die Idee iſt, als die unmittelbare, die ſich früher als die Objectivität gezeigt hat. Allein ſie iſt hier in anderer Beſtimmung. Dort war ſie die Einheit des Begriffs und der Realität, inſofern der Begriff in ſie übergegangen und nur in ſie verloren iſt; er ſtand ihr nicht gegenüber, oder weil er ihr nur Inneres iſt, iſt er nur eine ihr äußerliche Reflexion. Jene Objectivität iſt daher das Unmittelbare ſelbſt auf unmittelbare Weiſe. Hier hingegen iſt ſie nur das aus dem Begriffe Hervorgegangene, ſo daß ihr Weſen das Geſetztſeyn, daß ſie als Negatives iſt. — Sie iſt als die Seite der Allgemeinheit des Begriffes anzuſehen, ſomit als abſtracte Allgemeinheit, weſentlich nur dem Subjecte inhärirend, und in der Form des unmittelbaren Seyns, das für ſich geſetzt, gegen das Subject gleichgültig ſey. Die Totalität des Begriffes, welche der Objectivität zukommt, iſt inſofern gleichſam nur eine geliehene; die letzte Selbſtſtändigkeit, die ſie gegen das Subject hat, iſt jenes Seyn, welches ſeiner Wahrheit nach nur jenes Moment des Begriffes iſt, der als vorausſetzend in der erſten Beſtimmtheit eines an ſich ſeyenden Setzens iſt, welches noch nicht als Setzen, als die in ſich reflectirte Einheit iſt. Aus der Idee hervorgegangen iſt alſo die ſelbſtſtändige Objectivität unmittelbares Seyn, nur als das Prädicat des Urtheils der Selbſtbeſtimmung des Begriffs, — ein zwar dem Subjecte verſchiedenes Seyn, aber zugleich weſentlich geſetzt als Moment des Begriffs.

Dem Inhalte nach iſt dieſe Objectivität die Totalität des Begriffes, die aber deſſen Subjectivität oder negative Einheit ſich gegenüberſtehen hat, welche die wahrhafte Centralität ausmacht, nämlich ſeine freie Einheit mit ſich ſelbſt. Dieſes Subject iſt die Idee in der Form der Einzelnheit; als einfache aber negative Identität mit ſich; das lebendige Individuum.

Dieſes iſt erſtlich das Leben als Seele; als der Begriff ſeiner ſelbſt, der in ſich vollkommen beſtimmt iſt, das anfangende, ſich ſelbſt bewegende Princip. Der Begriff enthält in ſeiner Einfachheit die beſtimmte Aeußerlichkeit als einfaches Moment in ſich eingeſchloſſen. — Aber ferner iſt dieſe Seele in ihrer Unmittelbarkeit unmittelbar äußerlich, und hat ein objectives Seyn an ihr ſelbſt; — die dem Zwecke unterworfene Realität, das unmittelbare Mittel, zunächſt die Objectivität als Prädicat des Subjects, aber fernerhin iſt ſie auch die Mitte des Schluſſes; die Leiblichkeit der Seele iſt das, wodurch ſie ſich mit der äußerlichen Objectivität zuſammenſchließt. — Die Leiblichkeit hat das Lebendige zunächſt als die unmittelbar mit dem Begriff identiſche Realität; ſie hat dieſelbe inſofern überhaupt von Natur.

Weil nun dieſe Objectivität Prädicat des Individuums und in die ſubjective Einheit aufgenommen iſt, ſo kommen ihr nicht die früheren Beſtimmungen des Objects, das mechaniſche oder chemiſche Verhältniß, noch weniger die abſtracten Reflexions-Verhältniſſe von Ganzem und Theilen u. drgl. zu. Als Aeußerlichkeit iſt ſie ſolcher Verhältniſſe zwar fähig, aber inſofern iſt ſie nicht lebendiges Daſeyn; wenn das Lebendige als ein Ganzes, das aus Theilen beſteht, als ein ſolches, auf welches mechaniſche oder chemiſche Urſachen einwirken, als mechaniſches oder chemiſches Product, es ſey bloß als ſolches, oder auch durch einen äußerlichen Zweck Beſtimmtes, genommen wird, ſo wird der Begriff ihm als äußerlich, es wird als ein Todtes genommen. Da ihm der Begriff immanent iſt, ſo iſt die Zweckmäßigkeit des Lebendigen als innere zu faſſen; er iſt in ihm als beſtimmter, von ſeiner Aeußerlichkeit unterſchiedener, und in ſeinem Unterſcheiden ſie durchdringender und mit ſich identiſcher Begriff. Dieſe Objectivität des Lebendigen iſt Organismus; ſie iſt das Mittel und Werkzeug des Zwecks, vollkommen zweckmäßig, da der Begriff ihre Subſtanz ausmacht; aber eben deswegen iſt dieß Mittel und Werkzeug ſelbſt der ausgeführte Zweck, in welchem der ſubjective Zweck inſofern unmittelbar mit ſich ſelbſt zuſammen geſchloſſen iſt. Nach der Aeußerlichkeit des Organismus iſt er ein Vielfaches nicht von Theilen, ſondern von Gliedern, welche als ſolche a) nur in der Individualität beſtehen; ſie ſind trennbar, inſofern ſie äußerliche ſind, und an dieſer Aeußerlichkeit gefaßt werden können; aber inſofern ſie getrennt werden, kehren ſie unter die mechaniſchen und chemiſchen Verhältniſſe der gemeinen Objectivität zurück. b) Ihre Aeußerlichkeit iſt der negativen Einheit der lebendigen Individualität entgegen; dieſe iſt daher Trieb, das abſtracte Moment der Beſtimmtheit des Begriffes als reellen Unterſchied zu ſetzen; indem dieſer Unterſchied unmittelbar iſt, iſt er Trieb jedes einzelnen, ſpecifiſchen Moments, ſie zu produciren, und ebenſo ſeine Beſonderheit zur Allgemeinheit zu erheben, die anderen ihm äußerlichen aufzuheben, ſich auf ihre Koſten hervorzubringen, aber ebenſo ſehr ſich ſelbſt aufzuheben und ſich zum Mittel für die anderen zu machen.

2. Dieſer Proceß der lebendigen Individualität iſt auf ſie ſelbſt beſchränkt, und fällt noch ganz innerhalb ihrer. — Im Schluſſe der äußerlichen Zweckmäßigkeit iſt vorhin die erſte Prämiſſe deſſelben, daß ſich der Zweck unmittelbar auf die Objectivität bezieht und ſie zum Mittel macht, ſo betrachtet worden, daß in ihr zwar der Zweck ſich darin gleich bleibt, und in ſich zurückgegangen iſt, aber die Objectivität an ihr ſelbſt ſich noch nicht aufgehoben, der Zweck daher in ihr inſofern nicht an und für ſich iſt, und dieß erſt im Schlußſatze wird. Der Proceß des Lebendigen mit ſich ſelbſt iſt jene Prämiſſe, inſofern ſie aber zugleich Schlußſatz, inſofern die unmittelbare Beziehung des Subjects auf die Objectivität, welche dadurch Mittel und Werkzeug wird, zugleich als die negative Einheit des Begriffs an ſich ſelbſt iſt; der Zweck führt ſich in dieſer ſeiner Aeußerlichkeit dadurch aus, daß er ihre ſubjective Macht und der Proceß iſt, worin ſie ihre Selbſtauflöſung und Rückkehr in dieſe ſeine negative Einheit aufzeigt. Die Unruhe und Veränderlichkeit der äußerlichen Seite des Lebendigen iſt die Manifeſtation des Begriffs an ihm, der als die Negativität an ſich ſelbſt nur Objectivität hat, inſofern ſich ihr gleichgültiges Beſtehen als ſich aufhebend zeigt. Der Begriff producirt alſo durch ſeinen Trieb ſich ſo, daß das Product, indem er deſſen Weſen iſt, ſelbſt das Producirende iſt, daß es nämlich Product nur als die ſich ebenſo negativ ſetzende Aeußerlichkeit, oder als der Proceß des Producirens iſt.

3. Die ſo eben betrachtete Idee iſt nun der Begriff des lebendigen Subjects und ſeines Proceſſes; die Beſtimmungen, die im Verhältniſſe zu einander ſind, ſind die ſich auf ſich beziehende negative Einheit des Begriffs und die Objectivität, welche ſein Mittel, in welcher er aber in ſich ſelbſt zurückgekehrt iſt. Aber indem dieß Momente der Idee des Lebens innerhalb ſeines Begriffes ſind, ſo ſind es nicht die beſtimmten Begriffs-Momente des lebendigen Individuums in ſeiner Realität. Die Objectivität oder Leiblichkeit deſſelben iſt concrete Totalität; jene Momente ſind die Seiten, aus welchen ſich die Lebendigkeit conſtituirt; ſie ſind daher nicht die Momente dieſer ſchon durch die Idee conſtituirten Lebendigkeit. Die lebendige Objectivität des Individuums aber als ſolche, da ſie vom Begriffe beſeelt und ihn zur Subſtanz hat, hat auch an ihr zu weſentlichem Unterſchiede ſolche, welche ſeine Beſtimmungen ſind, Allgemeinheit, Beſonderheit und Einzelnheit; die Geſtalt, als in welcher ſie äußerlich unterſchieden ſind, iſt daher nach denſelben eingetheilt, oder eingeſchnitten (inſectum).

Sie iſt hiermit erſtlich Allgemeinheit, das rein nur in ſich ſelbſt Erzittern der Lebendigkeit, die Senſibilität. Der Begriff der Allgemeinheit, wie er ſich oben ergeben hat, iſt die einfache Unmittelbarkeit, welche dieß aber nur iſt als abſolute Negativität in ſich. Dieſer Begriff des abſoluten Unterſchiedes, wie ſeine Negativität in der Einfachheit aufgelöſt und ſich ſelbſt gleich iſt, iſt in der Senſibilität zur Anſchauung gebracht. Sie iſt das Inſichſeyn, nicht als abſtracte Einfachheit, ſondern eine unendliche beſtimmbare Receptivität, welche in ihrer Beſtimmtheit nicht ein Mannigfaltiges und Aeußerliches wird, ſondern ſchlechthin in ſich reflectirt iſt. Die Beſtimmtheit iſt in dieſer Allgemeinheit als einfaches Princip; die einzelne äußerliche Beſtimmtheit, ein ſogenannter Eindruck, geht aus ſeiner äußerlichen und mannigfaltigen Beſtimmung in dieſe Einfachheit des Selbſtgefühls zurück. Die Senſibilität kann ſomit als das Daſeyn der in ſich ſeyenden Seele betrachtet werden, da ſie alle Aeußerlichkeit in ſich aufnimmt, dieſelbe aber in die vollkommene Einfachheit der ſich gleichen Allgemeinheit zurückführt.

Die zweite Beſtimmung des Begriffs iſt die Beſonderheit, das Moment des geſetzten Unterſchiedes; die Eröffnung der Negativität, welche im einfachen Selbſtgefühl eingeſchloſſen, oder in ihm ideelle, noch nicht reelle Beſtimmtheit iſt; — die Irritabilität. Das Gefühl iſt um der Abſtraction ſeiner Negativität willen Trieb; es beſtimmt ſich; die Selbſtbeſtimmung des Lebendigen iſt ſein Urtheil oder Verendlichung, wonach es ſich auf das Aeußerliche als auf eine vorausgeſetzte Objectivität bezieht, und in Wechſelwirkung damit iſt. — Nach ſeiner Beſonderheit iſt es nun theils Art neben anderen Arten von Lebendigen; die formale Reflexion dieſer gleichgültigen Verſchiedenheit in ſich iſt die formale Gattung und deren Syſtematiſirung; die individuelle Reflexion aber iſt, daß die Beſonderheit die Negativität ihrer Beſtimmtheit, als einer Richtung nach Außen, die ſich auf ſich beziehende Negativität des Begriffes iſt.

Nach dieſer dritten Beſtimmung iſt das Lebendige als Einzelnes. Näher beſtimmt ſich dieſe Reflexion-in-ſich ſo, daß das Lebendige in der Irritabilität Aeußerlichkeit ſeiner gegen ſich ſelbſt, gegen die Objectivität iſt, welche es als ſein Mittel und Werkzeug unmittelbar an ihm hat, und die äußerlich beſtimmbar iſt. Die Reflexion-in-ſich hebt dieſe Unmittelbarkeit auf, — einerſeits als theoretiſche Reflexion; inſofern nämlich die Negativität als einfaches Moment der Senſibilität iſt, das in derſelben betrachtet wurde, und welches das Gefühl ausmacht, — andererſeits als reelle, indem ſich die Einheit des Begriffes in ſeiner äußerlichen Objectivität als negative Einheit ſetzt, die Reproduction. — Die beiden erſten Momente, die Senſibilität und Irritabilität, ſind abſtracte Beſtimmungen; in der Reproduction iſt das Leben Concretes und Lebendigkeit, es hat in ihr, als ſeiner Wahrheit, erſt auch Gefühl und Widerſtandskraft. Die Reproduction iſt die Negativität als einfaches Moment der Senſibilität, und die Irritabilität iſt nur lebendige Widerſtandskraft, daß das Verhältniß zum Aeußerlichen Reproduction und individuelle Identität mit ſich iſt. Jedes der einzelnen Momente iſt weſentlich die Totalität aller, ihren Unterſchied macht die ideelle Formbeſtimmtheit aus, welche in der Reproduction als concrete Totalität des Ganzen geſetzt iſt. Dieß Ganze iſt daher einerſeits als Drittes, nämlich als reelle Totalität jenen beſtimmten Totalitäten entgegengeſetzt, andererſeits aber iſt es deren anſichſeyende Weſenheit, zugleich das, worin ſie als Momente zuſammengefaßt ſind, und ihr Subject und Beſtehen haben.

Mit der Reproduction, als dem Momente der Einzelnheit, ſetzt ſich das Lebendige als wirkliche Individualität, ein ſich auf ſich beziehendes Fürſichſeyn; iſt aber zugleich reelle Beziehung nach Außen; die Reflexion der Beſonderheit oder Irritabilität gegen ein Anderes, gegen die objective Welt. Der innerhalb des Individuums eingeſchloſſene Proceß des Lebens geht in die Beziehung zur vorausgeſetzten Objectivität als ſolcher dadurch über, daß das Individuum, indem es ſich als ſubjective Totalität ſetzt, auch das Moment ſeiner Beſtimmtheit als Beziehung auf die Aeußerlichkeit zur Totalität wird.

B.
Der Lebens-Proceß.

Daß das lebendige Individuum ſich in ſich ſelbſt geſtaltet, damit ſpannt es ſich gegen ſein urſprüngliches Vorausſetzen, und ſtellt ſich als an und für ſeyendes Subject der vorausgeſetzten objectiven Welt gegenüber. Das Subject iſt der Selbſtzweck, der Begriff, welcher an der ihm unterworfenen Objectivität ſein Mittel und ſubjective Realität hat; hierdurch iſt es als die an und für ſich ſeyende Idee und als das weſentliche Selbſtſtändige conſtituirt, gegen welches die vorausgeſetzte äußerliche Welt nur den Werth eines Negativen und Unſelbſtſtändigen hat. In ſeinem Selbſtgefühle hat das Lebendige dieſe Gewißheit von der an ſich ſeyenden Nichtigkeit des ihm gegenüberſtehenden Andersſeyns. Sein Trieb iſt das Bedürfniß, dieß Anderſſeyn aufzuheben, und ſich die Wahrheit jener Gewißheit zu geben. Das Individuum iſt als Subject zunächſt erſt der Begriff der Idee des Lebens; ſein ſubjectiver Proceß in ſich, in welchem es aus ſich ſelbſt zehrt, und die unmittelbare Objectivität, welche es als natürliches Mittel ſeinem Begriffe gemäß ſetzt, iſt vermittelt durch den Proceß, der ſich auf die vollſtändig geſetzte Aeußerlichkeit, auf die gleichgültig neben ihm ſtehende objective Totalität bezieht.

Dieſer Proceß fängt mit dem Bedürfniſſe an, das iſt dem Momente, daß das Lebendige erſtlich ſich beſtimmt, ſich ſomit als verneint ſetzt, und hierdurch auf eine gegen ſich andere, die gleichgültige Objectivität bezieht; — daß es aber zweitens ebenſo ſehr in dieſen Verluſt ſeiner nicht verloren iſt, ſich darin erhält und die Identität des ſich ſelbſt gleichen Begriffes bleibt; hierdurch iſt es der Trieb, jene ihm andere Welt für ſich, ſich gleich zu ſetzen, ſie aufzuheben und ſich zu objectiviren. Dadurch hat ſeine Selbſtbeſtimmung die Form von objectiver Aeußerlichkeit, und daß es zugleich identiſch mit ſich iſt, iſt es der abſolute Widerſpruch. Die unmittelbare Geſtaltung iſt die Idee in ihrem einfachen Begriffe, die dem Begriffe gemäße Objectivität; ſo iſt ſie gut von Natur. Aber indem ihr negatives Moment ſich zur objectiven Beſonderheit, d. i. indem die weſentlichen Momente ihrer Einheit jedes für ſich zur Totalität realiſirt iſt, ſo iſt der Begriff in die abſolute Ungleichheit ſeiner mit ſich entzweit, und indem er ebenſo die abſolute Identität in dieſer Entzweiung iſt, ſo iſt das Lebendige für ſich ſelbſt dieſe Entzweiung und hat das Gefühl dieſes Widerſpruchs, welches der Schmerz iſt. Der Schmerz iſt daher das Vorrecht lebendiger Naturen; weil ſie der exiſtirende Begriff ſind, ſind ſie eine Wirklichkeit von der unendlichen Kraft, daß ſie in ſich die Negativität ihrer ſelbſt ſind, daß dieſe ihre Negativität für ſie iſt, daß ſie ſich in ihrem Anderſſeyn erhalten. — Wenn man ſagt, daß der Widerſpruch nicht denkbar ſey, ſo iſt er vielmehr im Schmerz des Lebendigen ſogar eine wirkliche Exiſtenz.

Dieſe Diremtion des Lebendigen in ſich iſt Gefühl, indem ſie in die einfache Allgemeinheit des Begriffs, in die Senſibilität aufgenommen iſt. Von dem Schmerz fängt das Bedürfniß und der Trieb an, die den Uebergang ausmachen, daß das Individuum, wie es als Negation ſeiner für ſich iſt, ſo auch als Identität für ſich werde, — eine Identität, welche nur als die Negation jener Negation iſt. — Die Identität, die im Triebe als ſolchem iſt, iſt die ſubjective Gewißheit ſeiner ſelbſt, nach welcher es ſich zu ſeiner äußerlichen, gleichgültig exiſtirenden Welt als zu einer Erſcheinung, einer an ſich begriffloſen und unweſentlichen Wirklichkeit verhält. Sie ſoll den Begriff in ſich erſt durch das Subject erhalten, welches der immanente Zweck iſt. Die Gleichgültigkeit der objectiven Welt gegen die Beſtimmtheit, und damit gegen den Zweck, macht ihre äußerliche Fähigkeit aus, dem Subject angemeſſen zu ſeyn; welche Specificationen ſie ſonſt an ihr habe, ihre mechaniſche Beſtimmbarkeit, der Mangel an der Freiheit des immanenten Begriffs macht ihre Ohnmacht aus, ſich gegen das Lebendige zu erhalten. — Inſofern das Object gegen das Lebendige zunächſt als ein gleichgültiges Aeußerliches iſt, kann es mechaniſch auf daſſelbe einwirken; ſo aber wirkt es nicht als auf ein Lebendiges; inſofern es ſich zu dieſem verhält, wirkt es nicht als Urſache, ſondern erregt es. Weil das Lebendige Trieb iſt, kommt die Aeußerlichkeit an und in daſſelbe, nur inſofern ſie ſchon an und für ſich in ihm iſt; die Einwirkung auf das Subject beſteht daher nur darin, daß dieſes die ſich darbietende Aeußerlichkeit entſprechend findet; — ſie mag ſeiner Totalität auch nicht angemeſſen ſeyn, ſo muß ſie wenigſtens einer beſondern Seite an ihm entſprechen, und dieſe Möglichkeit liegt darin, daß es eben als ſich äußerlich verhaltend ein Beſonderes iſt.

Das Subject übt nun, inſofern es in ſeinem Bedürfniß beſtimmt ſich auf das Aeußerliche bezieht, und damit ſelbſt Aeußerliches oder Werkzeug iſt, Gewalt über das Object aus. Sein beſonderer Charakter, ſeine Endlichkeit überhaupt, fällt in die beſtimmtere Erſcheinung dieſes Verhältniſſes. — Das Aeußerliche daran iſt der Proceß der Objectivität überhaupt, Mechanismus und Chemismus. Derſelbe wird aber unmittelbar abgebrochen und die Aeußerlichkeit in Innerlichkeit verwandelt. Die äußerliche Zweckmäßigkeit, welche durch die Thätigkeit des Subjects in dem gleichgültigen Object zunächſt hervorgebracht wird, wird dadurch aufgehoben, daß das Object gegen den Begriff keine Subſtanz iſt, der Begriff daher nicht nur deſſen äußerliche Form werden kann, ſondern ſich als deſſen Weſen und immanente, durchdringende Beſtimmung, ſeiner urſprünglichen Identität gemäß, ſetzen muß.

Mit der Bemächtigung des Objects geht daher der mechaniſche Proceß in den innern über, durch welchen das Individuum ſich das Object ſo aneignet, daß es ihm die eigenthümliche Beſchaffenheit benimmt, es zu ſeinem Mittel macht, und ſeine Subjectivität ihm zur Subſtanz giebt. Dieſe Aſſimilation tritt damit in Eins zuſammen mit dem oben betrachteten Reproductionsproceß des Individuums; es zehrt in dieſem zunächſt aus ſich, indem es ſeine eigene Objectivität ſich zum Objecte macht; der mechaniſche und chemiſche Conflict ſeiner Glieder mit den äußerlichen Dingen iſt ein objectives Moment ſeiner. Das Mechaniſche und Chemiſche des Proceſſes iſt ein Beginnen der Auflöſung des Lebendigen. Da das Leben die Wahrheit dieſer Proceſſe, hiermit als Lebendiges die Exiſtenz dieſer Wahrheit und die Macht derſelben iſt, greift es über ſie über, durchdringt ſie als ihre Allgemeinheit, und ihr Product iſt durch daſſelbe vollkommen beſtimmt. Dieſe ihre Verwandlung in die lebendige Individualität macht die Rückkehr dieſer letztern in ſich ſelbſt aus, ſo daß die Production, welche als ſolche das Uebergehen in ein Anderes ſeyn würde, zur Reproduction wird, in der das Lebendige ſich für ſich identiſch mit ſich ſetzt.

Die unmittelbare Idee iſt auch die unmittelbare, nicht als für ſich ſeyende Identität des Begriffes und der Realität; durch den objectiven Proceß giebt ſich das Lebendige ſein Selbſtgefühl; denn es ſetzt ſich darin als das, was es an und für ſich iſt, in ſeinem als gleichgültig geſetzten Anderſſeyn, das Identiſche mit ſich ſelbſt, die negative Einheit des Negativen zu ſeyn. In dieſem Zuſammengehen des Individuums mit ſeiner zunächſt ihm als gleichgültig vorausgeſetzten Objectivität hat es, ſo wie auf einer Seite ſich als wirkliche Einzelheit conſtituirt, ſo ſehr ſeine Beſonderheit aufgehoben und ſich zur Allgemeinheit erhoben. Seine Beſonderheit beſtand in der Diremtion, wodurch das Leben als ſeine Arten das individuelle Leben und die ihm äußerliche Objectivität ſetzte. Durch den äußern Lebens-Proceß hat es ſich ſomit als reelles, allgemeines Leben, als Gattung geſetzt.

C.
Die Gattung.

Das lebendige Individuum zuerſt aus dem allgemeinen Begriffe des Lebens abgeſchieden, iſt eine Vorausſetzung, die noch nicht durch ſich ſelbſt bewährt iſt. Durch den Proceß mit der zugleich damit vorausgeſetzten Welt hat es ſich ſelbſt geſetzt für ſich als die negative Einheit ſeines Anderſſeyns, als die Grundlage ſeiner ſelbſt; es iſt ſo die Wirklichkeit der Idee, ſo daß das Individuum nun aus der Wirklichkeit ſich hervorbringt, wie es vorher nur aus dem Begriffe hervorging, und daß ſeine Entſtehung, die ein Vorausſetzen war, nun ſeine Production wird.

Die weitere Beſtimmung aber, welche es durch die Aufhebung des Gegenſatzes erlangt hat, iſt, Gattung zu ſeyn, als Identität ſeiner mit ſeinem vorherigen gleichgültigen Anderſſeyn. Dieſe Idee des Individuums iſt, da ſie dieſe weſentliche Identität iſt, weſentlich die Beſonderung ihrer ſelbſt. Dieſe ihre Diremtion iſt nach der Totalität, aus der ſie hervorgeht, die Verdoppelung des Individuums, — ein Vorausſetzen einer Objectivität, welche mit ihm identiſch iſt, und ein Verhalten des Lebendigen zu ſich ſelbſt, als einem andern Lebendigen.

Dieß Allgemeine iſt die dritte Stufe, die Wahrheit des Lebens, inſofern es noch innerhalb ſeiner Sphäre eingeſchloſſen iſt. Dieſe Stufe iſt der ſich auf ſich beziehende Proceß des Individuums, wo die Aeußerlichkeit ſein immanentes Moment iſt, zweitens dieſe Aeußerlichkeit iſt ſelbſt als lebendige Totalität eine Objectivität, die für das Individuum es ſelbſt iſt; in der es nicht als aufgehobener, ſondern als beſtehender die Gewißheit ſeiner ſelbſt hat.

Weil nun das Verhältniß der Gattung die Identität des individuellen Selbſtgefühls in einem ſolchen iſt, welches zugleich ein anderes ſelbſtſtändiges Individuum iſt, iſt es der Widerſpruch; das Lebendige iſt ſomit wieder Trieb. — Die Gattung iſt nun zwar die Vollendung der Idee des Lebens, aber zunächſt iſt ſie noch innerhalb der Sphäre der Unmittelbarkeit; dieſe Allgemeinheit iſt daher in einzelner Geſtalt wirklich; der Begriff, deſſen Realität die Form unmittelbarer Objectivität hat. Das Individuum iſt daher an ſich zwar Gattung, aber es iſt die Gattung nicht für ſich; was für es iſt, iſt nur erſt ein anderes lebendiges Individuum; der von ſich unterſchiedene Begriff hat zum Gegenſtande, mit dem er identiſch iſt, nicht ſich als Begriff, ſondern einen Begriff, der als Lebendiges zugleich äußerliche Objectivität für ihn hat, eine Form, die daher unmittelbar gegenſeitig iſt.

Die Identität mit dem andern, die Allgemeinheit des Individuums iſt ſomit nur erſt innerliche oder ſubjective; es hat daher das Verlangen, dieſelbe zu ſetzen und ſich als Allgemeines zu realiſiren. Dieſer Trieb der Gattung aber kann ſich nur realiſiren durch Aufheben der noch gegen einander beſonderen, einzelnen Individualitäten. Zunächſt inſofern es dieſe ſind, welche an ſich allgemein die Spannung ihres Verlangens befriedigen und in ihre Gattungsallgemeinheit ſich auflöſen, ſo iſt ihre realiſirte Identität die negative Einheit der aus der Entzweiung ſich in ſich reflectirenden Gattung. Sie iſt inſofern die Individualität des Lebens ſelbſt, nicht mehr aus ſeinem Begriffe, ſondern aus der wirklichen Idee erzeugt. Zunächſt iſt ſie ſelbſt nur der Begriff, der erſt ſich zu objectiviren hat, aber der wirkliche Begriff; — der Keim eines lebendigen Individuums. In ihm iſt es für die gemeine Wahrnehmung vorhanden, was der Begriff iſt, und daß der ſubjective Begriff äußerliche Wirklichkeit hat. Denn der Keim des Lebendigen iſt die vollſtändige Concretion der Individualität, in welcher alle ſeine verſchiedenen Seiten, Eigenſchaften und gegliederte Unterſchiede in ihrer ganzen Beſtimmtheit enthalten und die zunächſt immaterielle, ſubjective Totalität unentwickelt, einfach und nichtſinnlich iſt; der Keim iſt ſo das ganze Lebendige in der innerlichen Form des Begriffes.

Die Reflexion der Gattung-in-ſich iſt nach dieſer Seite dieß, wodurch ſie Wirklichkeit erhält, indem das Moment der negativen Einheit und Individualität in ihr geſetzt wird — die Fortpflanzung der lebenden Geſchlechter. Die Idee, die als Leben noch in der Form der Unmittelbarkeit iſt, fällt inſofern in die Wirklichkeit zurück, und dieſe ihre Reflexion iſt nur die Wiederholung und der unendliche Progreß, in welchem ſie nicht aus der Endlichkeit ihrer Unmittelbarkeit heraustritt. Aber dieſe Rückkehr in ihren erſten Begriff hat auch die höhere Seite, daß die Idee nicht nur die Vermittelung ihrer Proceſſe innerhalb der Unmittelbarkeit durchlaufen, ſondern eben damit dieſe aufgehoben, und ſich dadurch in eine höhere Form ihres Daſeyns erhoben hat.

Der Proceß der Gattung nämlich, in welchem die einen Individuen ihre gleichgültige, unmittelbare Exiſtenz in einander aufheben und in dieſer negativen Einheit erſterben, hat ferner zur andern Seite ſeines Products die realiſirte Gattung, welche mit dem Begriffe ſich identiſch geſetzt hat. — In dem Gattungs-Proceß gehen die abgeſonderten Einzelnheiten des individuellen Lebens unter; die negatvie Identität, in der die Gattung in ſich zurückkehrt, iſt, wie einerſeits das Erzeugen der Einzelnheit, ſo andererſeits das Aufheben derſelben, iſt ſomit mit ſich zuſammengehende Gattung, die für ſich werdende Allgemeinheit der Idee. In der Begattung erſtirbt die Unmittelbarkeit der lebendigen Individualität; der Tod dieſes Lebens iſt das Hervorgehen des Geiſtes. Die Idee, die als Gattung an ſich iſt, iſt für ſich, indem ſie ihre Beſonderheit, welche die lebendigen Geſchlechter ausmachte, aufgehoben, und damit ſich eine Realität gegeben hat, welche ſelbſt einfache Allgemeinheit iſt; ſo iſt ſie die Idee, welche ſich zu ſich als Idee verhält, das Allgemeine, das die Allgemeinheit zu ſeiner Beſtimmtheit und Daſeyn hat; — die Idee des Erkennens.

Zweites Kapitel.
Die Idee des Erkennens.

Das Leben iſt die unmittelbare Idee, oder die Idee als ihr noch nicht an ſich ſelbſt realiſirter Begriff. In ihrem Urtheil iſt ſie das Erkennen überhaupt.

Der Begriff iſt als Begriff für ſich, inſofern er frei als abſtracte Allgemeinheit oder als Gattung exiſtirt. So iſt er ſeine reine Identität mit ſich, welche ſich ſo in ſich ſelbſt unterſcheidet, daß das Unterſchiedene nicht eine Objectivität, ſondern gleichfalls zur Subjectivität oder zur Form der einfachen Gleichheit mit ſich befreit, hiermit der Gegenſtand des Begriffes, der Begriff ſelbſt iſt. Seine Realität überhaupt iſt die Form ſeines Daſeyns; auf Beſtimmung dieſer Form kommt es an; auf ihr beruht der Unterſchied deſſen, was der Begriff an ſich, oder als ſubjectiver iſt, was er iſt in die Objectivität verſenkt, dann in der Idee des Lebens. In der letztern iſt er zwar von ſeiner äußerlichen Realität unterſchieden und für ſich geſetzt, doch dieß ſein Fürſichſeyn hat er nur als die Identität, welche eine Beziehung auf ſich als verſenkt in ſeine ihm unterworfene Objectivität oder auf ſich als inwohnende, ſubſtantielle Form iſt. Die Erhebung des Begriffs über das Leben iſt, daß ſeine Realität die zur Allgemeinheit befreite Begriffsform iſt. Durch dieſes Urtheil iſt die Idee verdoppelt, in den ſubjectiven Begriff, deſſen Realität er ſelbſt, und in den objectiven, der als Leben iſt. — Denken, Geiſt, Selbſtbewußtſeyn ſind Beſtimmungen der Idee, inſofern ſie ſich ſelbſt zum Gegenſtand hat, und ihr Daſeyn, d. i. die Beſtimmtheit ihres Seyns ihr eigener Unterſchied von ſich ſelbſt iſt.

Die Metaphyſik des Geiſtes, oder wie man ſonſt mehr geſprochen hat, der Seele, drehte ſich um die Beſtimmungen von Subſtanz, Einfachheit, Immaterialität; — Beſtimmungen, bei welchen die Vorſtellung des Geiſtes aus dem empiriſchen Bewußtſeyn als Subject zu Grunde gelegt, und nun gefragt wurde, was für Prädicate mit den Wahrnehmungen übereinſtimmen; — ein Verfahren, das nicht weiter gehen konnte, als das Verfahren der Phyſik, die Welt der Erſcheinung auf allgemeine Geſetze und Reflexions-Beſtimmungen zu bringen, da der Geiſt auch nur in ſeiner Erſcheinung zu Grunde lag; ja es mußte noch hinter der phyſikaliſchen Wiſſenſchaftlichkeit zurückbleiben, da der Geiſt nicht nur unendlich reicher als die Natur iſt, ſondern da auch die abſolute Einheit des Entgegengeſetzten im Begriffe ſein Weſen ausmacht, ſo zeigt er in ſeiner Erſcheinung und Beziehung auf die Aeußerlichkeit den Widerſpruch in ſeiner höchſten Beſtimmtheit auf, daher für jede der entgegengeſetzten Reflexions-Beſtimmungen eine Erfahrung angeführt, oder aus den Erfahrungen auf die entgegengeſetzten Beſtimmungen nach der Weiſe des formalen Schließens muß gekommen werden können. Weil die an der Erſcheinung unmittelbar ſich ergebenden Prädicate zunächſt noch der empiriſchen Pſychologie angehören, ſo bleiben eigentlich nur ganz dürftige Reflexions-Beſtimmungen für die metaphyſiſche Betrachtung übrig. — Kant in ſeiner Kritik der rationalen Seelenlehre hält dieſe Metaphyſik daran feſt, daß, inſofern ſie eine rationale Wiſſenſchaft ſeyn ſoll, durch das Mindeſte, was man von der Wahrnehmung zu der allgemeinen Vorſtellung des Selbſtbewußtſeyns hinzunähme, ſich jene Wiſſenſchaft in eine empiriſche verwandelte und ihre rationale Reinigkeit und Unabhängigkeit von aller Erfahrung verderbt würde. — Es bleibe ſomit nichts als die einfache, für ſich an Inhalt ganz leere, Vorſtellung: Ich, von der man nicht einmal ſagen kann, daß ſie ein Begriff ſey, ſondern ein bloßes Bewußtſeyn, das alle Begriffe begleitet. Durch dieſes Ich, oder auch Es (das Ding), welches denket, wird nun nach den weiteren kantiſchen Folgerungen nichts weiter als ein tranſcendentales Subject der Gedanken vorgeſtellt = x, welches nur durch die Gedanken, die ſeine Prädicate ſind, erkannt wird, und wovon wir, abgeſondert, niemals den mindeſten Begriff haben können; dieß Ich hat dabei, nach Kants eigenem Ausdruck, die Unbequemlichkeit, daß wir uns jederzeit ſeiner ſchon bedienen müſſen, um irgend etwas von ihm zu urtheilen; denn es iſt nicht ſowohl eine Vorſtellung, wodurch ein beſonderes Object unterſchieden wird, ſondern eine Form derſelben überhaupt, inſofern ſie Erkenntniß genannt werden ſoll. — Der Paralogismus, den die rationale Seelenlehre begehe, beſtehe nun darin, daß Modi des Selbſtbewußtſeyns im Denken zu Verſtandesbegriffen als von einem Objecte gemacht, daß jenes: Ich denke als ein denkendes Weſen, ein Ding-an-ſich genommen werde; auf welche Weiſe daraus, daß Ich im Bewußtſeyn immer als Subject und zwar als ſinguläres, bei aller Mannigfaltigkeit der Vorſtellung identiſches, und von ihr als äußerlicher mich unterſcheidendes vorkomme, unberechtigt abgeleitet wird, daß Ich eine Subſtanz, ferner ein qualitativ Einfaches, und ein Eins, und ein von den räumlichen und zeitlichen Dingen unabhängig Exiſtirendes ſey. —

Ich habe dieſe Darſtellung ausführlicher ausgezogen, weil ſich ſowohl die Natur der vormaligen Metaphyſik über die Seele, als beſonders auch der Kritik, wodurch ſie zu Grunde gegangen iſt, beſtimmt daraus erkennen läßt. — Jene ging darauf, das abſtracte Weſen der Seele zu beſtimmen; ſie ging dabei von der Wahrnehmung urſprünglich aus und verwandelte deren empiriſche Allgemeinheit und die an der Einzelnheit des Wirklichen überhaupt äußerliche Reflexions-Beſtimmung in die Form von den angeführten Beſtimmungen des Weſens. — Kant hat dabei überhaupt nur den Zuſtand der Metaphyſik ſeiner Zeit vor ſich, welche vornehmlich bei ſolchen abſtracten, einſeitigen Beſtimmungen ohne alle Dialektik ſtehen blieb; die wahrhaft ſpeculativen Ideen älterer Philoſophen über den Begriff des Geiſtes beachtete und unterſuchte er nicht. In ſeiner Kritik über jene Beſtimmungen folgte er nun ganz einfach der Humeſchen Manier des Skepticismus; daß er nämlich das feſthält, wie Ich im Selbſtbewußtſeyn erſcheint, wovon aber, da das Weſen deſſelben, — das Ding an ſich, erkannt werden ſolle, alles Empiriſche wegzulaſſen ſey; nun bleibe nichts übrig, als dieſe Erſcheinung des: Ich denke, das alle Vorſtellungen begleite, — wovon man nicht den geringſten Begriff habe. — Gewiß muß es zugegeben werden, daß man weder von Ich, noch von irgend Etwas, auch von dem Begriff ſelbſt den mindeſten Begriff hat, inſofern man nicht begreift, und nur bei der einfachen, firen Vorſtellung und dem Namen ſtehen bleibt. — Sonderbar iſt der Gedanke, — wenn es anders ein Gedanke genannt werden kann, — daß Ich mich des Ich ſchon bedienen müſſe, um von Ich zu urtheilen; das Ich, das ſich des Selbſtbewußtſeyns als eines Mittels bedient, um zu urtheilen, dieß iſt wohl ein x, von dem man, ſo wie vom Verhältniſſe ſolchen Bedienens, nicht den geringſten Begriff haben kann. Aber lächerlich iſt es wohl, dieſe Natur des Selbſtbewußtſeyns, daß Ich ſich ſelbſt denkt, daß Ich nicht gedacht werden kann, ohne daß es Ich iſt, welches denkt, — eine Unbequemlichkeit und als etwas Fehlerhaftes einen Cirkel zu nennen; — ein Verhältniß, wodurch ſich im unmittelbaren empiriſchen Selbſtbewußtſeyn die abſolute, ewige Natur deſſelben und des Begriffes offenbart, deswegen offenbart, weil das Selbſtbewußtſeyn eben der daſeyende, alſo empiriſch wahrnehmbare, reine Begriff, die abſolute Beziehung auf ſich ſelbſt iſt, welche als trennendes Urtheil ſich zum Gegenſtande macht und allein dieß iſt, ſich dadurch zum Cirkel zu machen. — Ein Stein hat jene Unbequemlichkeit nicht; wenn er gedacht oder wenn über ihn geurtheilt werden ſoll, ſo ſteht er ſich ſelbſt dabei nicht im Wege; — er iſt der Beſchwerlichkeit, ſich ſeiner ſelbſt zu dieſem Geſchäfte zu bedienen, enthoben; es iſt ein Anderes außer ihm, welches dieſe Mühe übernehmen muß.

Der Mangel, den dieſe barbariſch zu nennenden Vorſtellungen darein ſetzen, daß bei dem Denken des Ich daſſelbe als Subject nicht weggelaſſen werden könne, erſcheint dann umgekehrt auch ſo, daß Ich nur als Subject des Bewußtſeyns vorkomme, oder Ich mich nur als Subject eines Urtheils brauchen könne, und die Anſchauung fehle, wodurch es als ein Object gegeben würde; daß aber der Begriff eines Dings, das nur als Subject exiſtiren könne, noch gar keine objective Realität bei ſich führe. — Wenn zur Objectivität die äußerliche, in Zeit und Raum beſtimmte Anſchauung gefordert, und ſie es iſt, welche vermißt wird, ſo ſieht man wohl, daß unter Objectivität nur diejenige ſinnliche Realität gemeint iſt, über welche ſich erhoben zu haben Bedingung des Denkens und der Wahrheit iſt. Aber allerdings wenn Ich begrifflos als bloße einfache Vorſtellung nach der Weiſe genommen wird, wie wir im alltäglichen Bewußtſeyn Ich ausſprechen, ſo iſt es die abſtracte Beſtimmung, nicht die ſich ſelbſt zum Gegenſtand habende Beziehung ſeiner ſelbſt; — es iſt ſo nur Eins der Extreme, einſeitiges Subject ohne ſeine Objectivität, oder es wäre auch nur Object ohne Subjectivität, wenn nämlich die berührte Unbequemlichkeit hierbei nicht wäre, daß ſich von dem Ich als Object das denkende Subject nicht wegbringen läßt. Aber in der That findet dieſelbe Unbequemlichkeit auch bei der erſtern Beſtimmung, dem Ich als Subjecte, ſtatt; das Ich denkt etwas, ſich oder etwas Anderes. Dieſe Untrennbarkeit der zwei Formen, in denen es ſich ſelbſt entgegenſetzt, gehört zur eigenſten Natur ſeines Begriffs und des Begriffs ſelbſt; ſie iſt gerade das, was Kant abhalten will um nur die ſich in ſich nicht unterſcheidende, und ſomit ja nur die begriffloſe Vorſtellung feſt zu erhalten. Ein ſolches Begriffloſes darf ſich nun zwar wohl den abſtracten Reflexions-Beſtimmungen oder Kategorien der vorigen Metaphyſik gegenüberſtellen; — denn an Einſeitigkeit ſteht es auf gleicher Linie mit ihnen, obwohl dieſe doch ein Höheres des Gedankens ſind; dagegen erſcheint es deſto dürftiger und leerer gegen die tieferen Ideen älterer Philoſophie vom Begriff der Seele oder des Denkens, z. B. die wahrhaft ſpeculativen Ideen des Ariſtoteles. Wenn die kantiſche Philoſophie jene Reflexions-Beſtimmungen unterſuchte, ſo hätte ſie noch mehr die feſtgehaltene Abſtraction des leeren Ich, die vermeinte Idee des Dings-an-ſich unterſuchen müſſen, das ſich eben um ſeiner Abſtraction willen vielmehr als ein ganz Unwahres zeigt; die Erfahrung der beklagten Unbequemlichkeit iſt ſelbſt das empiriſche Factum, worin die Unwahrheit jener Abſtraction ſich ausſpricht.

Nur des Mendelsſohnſchen Beweiſes von der Beharrlichkeit der Seele erwähnt die Kantiſche Kritik der rationalen Pſychologie, und ich führe ihre Widerlegung deſſelben noch um der Merkwürdigkeit desjenigen willen an, was ihm entgegengeſtellt wird. Jener Beweis gründet ſich auf die Einfachheit der Seele, vermöge der ſie der Veränderung, des Uebergehens in ein Anderes in der Zeit nicht fähig ſey. Die qualitative Einfachheit iſt die oben betrachtete Form der Abſtraction überhaupt; als qualitative Beſtimmtheit iſt ſie in der Sphäre des Seyns unterſucht und bewieſen worden, daß das Qualitative als ſolche ſich abſtract auf ſich beziehende Beſtimmtheit vielmehr eben darum dialektiſch und nur das Uebergehen in ein Anderes iſt. Beim Begriffe aber wurde gezeigt, daß, wenn er in Beziehung auf Beharrlichkeit, Unzerſtörbarkeit, Unvergänglichkeit betrachtet wird, er vielmehr darum das An- und Fürſich-ſeyende und Ewige iſt, weil er nicht die abſtracte, ſondern concrete Einfachheit, nicht ſich auf ſich abſtract beziehendes Beſtimmtſeyn, ſondern die Einheit ſeiner ſelbſt und ſeines Andern iſt, in das er alſo nicht ſo übergehen kann, als ob er ſich darin veränderte, eben darum, weil das Andere, das Beſtimmtſeyn, er ſelbſt iſt, und er in dieſem Uebergehen daher nur zu ſich ſelbſt kommt. — Die Kantiſche Kritik ſetzt nun jener qualitativen Beſtimmung der Begriffseinheit die quantitative entgegen. Obgleich die Seele nicht ein mannigfaltiges Außereinander ſey und keine extenſive Größe enthalte, ſo habe das Bewußtſeyn doch einen Grad, und die Seele wie jedes Exiſtirende eine intenſive Größe; dadurch ſey aber die Möglichkeit des Uebergehens in Nichts durch das allmählige Verſchwinden geſetzt. — Was iſt nun dieſe Widerlegung anders, als die Anwendung einer Kategorie des Seyns, der intenſiven Größe, auf den Geiſt? — einer Beſtimmung, die keine Wahrheit an ſich hat, und im Begriffe vielmehr aufgehoben iſt.

Die Metaphyſik, — auch ſelbſt die, welche ſich auf fire Verſtandesbegriffe beſchränkte und ſich zum Speculativen, und zur Natur des Begriffes und der Idee nicht erhob, hatte zu ihrem Zwecke, die Wahrheit zu erkennen, und unterſuchte ihre Gegenſtände danach, ob ſie ein Wahrhaftes ſeyen oder nicht, Subſtanzen oder Phänomene. Der Sieg der Kantiſchen Kritik über dieſelbe beſteht aber vielmehr darin, die Unterſuchung, welche das Wahre zum Zwecke hat, und dieſen Zweck ſelbſt zu beſeitigen; ſie macht die Frage, die allein Intereſſe hat, gar nicht, ob ein beſtimmtes Subject, hier das abſtracte Ich der Vorſtellung, an und für ſich Wahrheit habe. Es heißt aber auf den Begriff und die Philoſophie Verzicht leiſten, wenn man bei der Erſcheinung und bei demjenigen ſtehen bleibt, was ſich im alltäglichen Bewußtſeyn für die bloße Vorſtellung ergiebt. Was darüber hinausgeht, heißt in der Kantiſchen Kritik etwas Ueberfliegendes, und zu dem die Vernunft keineswegs berechtigt ſey. In der That überfliegt der Begriff das Begriffloſe, und die nächſte Berechtigung, darüber hinauszugehen, iſt einestheils er ſelbſt, anderntheils nach der negativen Seite die Unwahrheit der Erſcheinung und der Vorſtellung, ſo wie ſolcher Abſtractionen, wie die Dinge-an-ſich und jenes Ich iſt, das ſich nicht Object ſeyn ſoll.

In dem Zuſammenhang dieſer logiſchen Darſtellung iſt es die Idee des Lebens, aus der die Idee des Geiſtes hervorgegangen, oder was daſſelbe iſt, als deren Wahrheit ſie ſich erwieſen hat. Als dieſes Reſultat hat dieſe Idee an und für ſich ſelbſt ihre Wahrheit, mit der dann auch das Empiriſche oder die Erſcheinung des Geiſtes verglichen werden mag, wie es damit übereinſtimme; das Empiriſche kann jedoch ſelbſt auch nur durch und aus der Idee gefaßt werden. Von dem Leben haben wir geſehen, daß es die Idee iſt, aber es hat ſich zugleich gezeigt, noch nicht die wahrhafte Darſtellung oder Art und Weiſe ihres Daſeyns zu ſeyn. Denn im Leben iſt die Realität der Idee als Einzelnheit, die Allgemeinheit oder die Gattung iſt das Innere; die Wahrheit des Lebens als abſolute negative Einheit iſt daher, die abſtracte, oder was daſſelbe iſt, die unmittelbare Einzelnheit aufzuheben, und als Identiſches mit ſich identiſch, als Gattung ſich ſelbſt gleich zu ſeyn. Dieſe Idee iſt nun der Geiſt. — Es kann aber hierüber noch bemerkt werden, daß er hier in derjenigen Form betrachtet wird, welche dieſer Idee als logiſch zukommt. Sie hat nämlich noch andere Geſtalten, die hier beiläufig angeführt werden können, in welchen ſie in den concreten Wiſſenſchaften des Geiſtes zu betrachten iſt, nämlich als Seele, Bewußtſeyn und Geiſt als ſolcher.

Der Name: Seele wurde ſonſt vom einzelnen endlichen Geiſte überhaupt gebraucht, und die rationale oder empiriſche Seelenlehre ſollte ſo viel bedeuten als Geiſteslehre. Bei dem Ausdruck: Seele ſchwebt die Vorſtellung vor, daß ſie ein Ding iſt, wie die anderen Dinge; man fragt nach ihrem Sitze, der räumlichen Beſtimmung, von der aus ihre Kräfte wirken; noch mehr danach, wie dieſes Ding unvergänglich ſey, den Bedingungen der Zeitlichkeit unterworfen, der Veränderung darin aber entnommen ſey. Das Syſtem der Monaden hebt die Materie zur Seelenhaftigkeit herauf; die Seele iſt in dieſer Vorſtellung ein Atom wie die Atome der Materie überhaupt; das Atom, das als Dunſt aus der Kaffeetaſſe aufſteige, ſey durch glückliche Umſtände fähig, ſich zur Seele zu entwickeln, nur die größere Dunkelheit ſeines Vorſtellens unterſcheide es von einem ſolchen Dinge, das als Seele erſcheint. — Der für ſich ſelbſt ſeyende Begriff iſt nothwendig auch in unmittelbarem Daſeyn; in dieſer ſubſtantiellen Identität mit dem Leben, in ſeinem Verſenktſeyn in ſeine Aeußerlichkeit iſt er in der Anthropologie zu betrachten. Aber auch ihr muß jene Metaphyſik fremd bleiben, worin dieſe Form der Unmittelbarkeit zu einem Seelending, zu einem Atom, den Atomen der Materie gleich wird. — Der Anthropologie muß nur die dunkle Region überlaſſen werden, worin der Geiſt unter, wie man es ſonſt nannte, ſideriſchen und terreſtriſchen Einflüſſen ſteht, als ein Naturgeiſt in der Sympathie mit der Natur lebt, und ihre Veränderungen in Träumen und Ahnungen gewahr wird, dem Gehirn, dem Herzen, den Ganglien, der Leber u. ſ. w. inwohnt, welcher letztern nach Plato der Gott, damit auch der unvernünftige Theil von ſeiner Güte bedacht und des Höhern theilhaftig ſey, die Gabe des Weiſſagens gegeben habe, über welche der ſelbſtbewußte Menſch erhoben ſey. Zu dieſer unvernünftigen Seite gehört ferner das Verhältniß des Vorſtellens und der höhern geiſtigen Thätigkeit, inſofern ſie im einzelnen Subjecte dem Spiele ganz zufälliger körperlicher Beſchaffenheit, äußerlicher Einflüſſe und einzelner Umſtände unterworfen iſt.

Dieſe unterſte der concreten Geſtalten, worin der Geiſt in die Materiatur verſenkt iſt, hat ihre unmittelbar höhere im Bewußtſeyn. In dieſer Form iſt der freie Begriff als fürſichſeyendes Ich zurückgezogen aus der Objectivität, aber ſich auf ſie als ſein Anderes, als gegenüberſtehenden Gegenſtand beziehend. Indem der Geiſt hier nicht mehr als Seele iſt, ſondern in der Gewißheit ſeiner ſelbſt die Unmittelbarkeit des Seyns vielmehr die Bedeutung eines Negativen für ihn hat, ſo iſt die Identität, in der er im Gegenſtändlichen mit ſich ſelbſt iſt, zugleich nur noch ein Scheinen, indem das Gegenſtändliche auch noch die Form eines Anſichſeyenden hat. Dieſe Stufe iſt der Gegenſtand der Phänomenologie des Geiſtes, — einer Wiſſenſchaft, welche zwiſchen der Wiſſenſchaft des Naturgeiſtes und des Geiſtes als ſolchen inne ſteht, und den für ſich ſeyenden Geiſt zugleich in ſeiner Beziehung auf ſein Anderes, welches hierdurch ſowohl, wie erinnert, als an ſich ſeyendes Object wie auch als negirtes beſtimmt iſt, — den Geiſt alſo als erſcheinend am Gegentheil ſeiner ſelbſt ſich darſtellend betrachtet.

Die höhere Wahrheit dieſer Form iſt aber der Geiſt für ſich, für welchen der dem Bewußtſeyn an ſich ſeyende Gegenſtand die Form ſeiner eigenen Beſtimmung, der Vorſtellung überhaupt hat; dieſer Geiſt, der auf die Beſtimmungen als auf ſeine eigenen, auf Gefühle, Vorſtellungen und Gedanken, thätig iſt, iſt inſofern in ſich und in ſeiner Form unendlich. Die Betrachtung dieſer Stufe gehört der eigentlichen Geiſteslehre an, die dasjenige umfaſſen würde, was Gegenſtand der gewöhnlich empiriſchen Pſychologie iſt, die aber, um die Wiſſenſchaft des Geiſtes zu ſeyn, nicht empiriſch zu Werke gehen, ſondern wiſſenſchaftlich gefaßt werden muß. — Der Geiſt iſt auf dieſer Stufe endlicher Geiſt, inſofern der Inhalt ſeiner Beſtimmtheit ein unmittelbarer gegebener iſt; die Wiſſenſchaft deſſelben hat den Gang darzuſtellen, worin er ſich von dieſer ſeiner Beſtimmtheit befreit, und zum Erfaſſen ſeiner Wahrheit, des unendlichen Geiſtes, fortgeht.

Die Idee des Geiſtes dagegen, welche logiſcher Gegenſtand iſt, ſteht ſchon innerhalb der reinen Wiſſenſchaft; ſie hat daher ihn nicht den Gang durchmachen zu ſehen, wie er mit der Natur, der unmittelbaren Beſtimmtheit und dem Stoffe oder der Vorſtellung, verwickelt iſt, was in jenen drei Wiſſenſchaften betrachtet wird; ſie hat dieſen Gang bereits hinter ſich, oder, was daſſelbe iſt, vielmehr vor ſich, — jenes inſofern die Logik, als die letzte Wiſſenſchaft, dieſes inſofern ſie als die erſte genommen wird, aus welcher die Idee erſt in die Natur übergeht. In der logiſchen Idee des Geiſtes iſt Ich daher ſogleich, wie es aus dem Begriffe der Natur als deren Wahrheit ſich gezeigt hat, der freie Begriff, der in ſeinem Urtheile ſich ſelbſt der Gegenſtand iſt, der Begriff als ſeine Idee. Aber auch in dieſer Geſtalt iſt die Idee noch nicht vollendet.

Indem ſie der zwar freie, ſich ſelbſt zum Gegenſtande habende Begriff iſt, ſo iſt ſie unmittelbar, eben darum weil ſie unmittelbar iſt, noch die Idee in ihrer Subjectivität, und damit in ihrer Endlichkeit überhaupt. Sie iſt der Zweck, der ſich realiſiren ſoll, oder es iſt die abſolute Idee ſelbſt noch in ihrer Erſcheinung. Was ſie ſucht, iſt das Wahre, dieſe Identität des Begriffs ſelbſt und der Realität, aber ſie ſucht es nur erſt; denn ſie iſt hier, wie ſie zuerſt iſt, noch ein Subjectives. Der Gegenſtand, der für den Begriff iſt, iſt daher hier zwar auch ein gegebener, aber er tritt nicht als einwirkendes Object, oder als Gegenſtand, wie er als ſolcher für ſich ſelbſt beſchaffen ſey, oder als Vorſtellung in das Subject ein, ſondern dieſes verwandelt ihn in eine Begriffsbeſtimmung; es iſt der Begriff, der im Gegenſtand ſich bethätigt, darin ſich auf ſich bezieht, und dadurch, daß er ſich an dem Objecte ſeine Realität giebt, Wahrheit findet.

Die Idee iſt alſo zunächſt das eine Extrem eines Schluſſes als der Begriff, der als Zweck zunächſt ſich ſelbſt zur ſubjectiven Realität hat; das andere Extrem iſt die Schranke des Subjectiven, die objective Welt. Die beiden Extreme ſind darin identiſch, daß ſie die Idee ſind; erſtlich iſt ihre Einheit die des Begriffs, welcher in dem einen nur für ſich, in dem andern nur an ſich iſt; zweitens iſt die Realität in dem einen abſtract, in dem andern in ihrer concreten Aeußerlichkeit. — Dieſe Einheit wird nun durch das Erkennen geſetzt; ſie iſt, weil es die ſubjective Idee iſt, die als Zweck von ſich ausgeht, zunächſt nur als Mitte. — Das Erkennende bezieht ſich durch die Beſtimmtheit ſeines Begriffs, nämlich das abſtracte Fürſichſeyn, zwar auf eine Außenwelt; aber in der abſoluten Gewißheit ſeiner ſelbſt, um die Realität ſeiner an ſich ſelbſt, dieſe formelle Wahrheit zur reellen Wahrheit zu erheben. Es hat an ſeinem Begriff die ganze Weſenheit der objectiven Welt; ſein Proceß iſt, den concreten Inhalt derſelben für ſich als identiſch mit dem Begriffe, und umgekehrt dieſen als identiſch mit der Objectivität zu ſetzen.

Unmittelbar iſt die Idee der Erſcheinung theoretiſche Idee, das Erkennen als ſolches. Denn unmittelbar hat die objective Welt die Form der Unmittelbarkeit oder des Seyns für den für ſich ſeyenden Begriff, ſo wie dieſer zuerſt ſich nur als der abſtracte noch in ihm eingeſchloſſene Begriff ſeiner ſelbſt iſt; er iſt daher nur als Form; ſeine Realität, die er an ihm ſelbſt hat, ſind nur ſeine einfachen Beſtimmungen von Allgemeinheit und Beſonderheit; die Einzelnheit aber oder die beſtimmte Beſtimmtheit, den Inhalt erhält dieſe Form von Außen.

A.
Die Idee des Wahren.

Die ſubjective Idee iſt zunächſt Trieb. Denn ſie iſt der Widerſpruch des Begriffs, ſich zum Gegenſtand zu haben und ſich die Realität zu ſeyn, ohne daß doch der Gegenſtand als Anderes gegen ihn Selbſtſtändiges wäre, oder ohne daß der Unterſchied ſeiner ſelbſt von ſich zugleich die weſentliche Beſtimmung der Verſchiedenheit und des gleichgültigen Daſeyns hätte. Der Trieb hat daher die Beſtimmtheit, ſeine eigene Subjectivität aufzuheben, ſeine erſt abſtracte Realität zur concreten zu machen, und ſie mit dem Inhalte der von ſeiner Subjectivität vorausgeſetzten Welt zu erfüllen. — Von der andern Seite beſtimmt er ſich hierdurch ſo: der Begriff iſt zwar die abſolute Gewißheit ſeiner ſelbſt; ſeinem Fürſichſeyn ſteht aber ſeine Vorausſetzung einer an ſich ſeyenden Welt gegenüber, deren gleichgültiges Anderſſeyn aber für die Gewißheit ſeiner ſelbſt den Werth nur eines Unweſentlichen hat; er iſt inſofern der Trieb, dieß Anderſſeyn aufzuheben, und in dem Objecte die Identität mit ſich ſelbſt anzuſchauen. Inſofern dieſe Reflexion-in-ſich der aufgehobene Gegenſatz und die geſetzte, für das Subject bewirkte Einzelnheit iſt, welche zunächſt als das vorausgeſetzte Anſichſeyn erſcheint, iſt es die aus dem Gegenſatz hergeſtellte Identität der Form mit ſich ſelbſt, — eine Identität, welche damit als gleichgültig gegen die Form in deren Unterſchiedenheit, beſtimmt und Inhalt iſt.

Dieſer Trieb iſt daher der Trieb der Wahrheit, inſofern ſie im Erkennen iſt, alſo der Wahrheit als theoretiſcher Idee, in ihrem eigentlichen Sinne. — Wenn die objective Wahrheit zwar die Idee ſelbſt iſt, als die dem Begriffe entſprechende Realität, und ein Gegenſtand inſofern an ihm Wahrheit haben kann oder nicht, ſo iſt dagegen der beſtimmtere Sinn der Wahrheit dieſer, daß ſie es für oder im ſubjectiven Begriff, im Wiſſen ſey. Sie iſt das Verhältniß des Begriffsurtheils, welches als das formelle Urtheil der Wahrheit ſich gezeigt hat; in demſelben iſt nämlich das Prädicat nicht nur die Objectivität des Begriffes, ſondern die beziehende Vergleichung des Begriffs der Sache und der Wirklichkeit derſelben. — Theoretiſch iſt dieſe Realiſirung des Begriffs, inſofern er als Form noch die Beſtimmung eines ſubjectiven, oder die Beſtimmung für das Subject hat, die ſeinige zu ſeyn. Weil das Erkennen die Idee als Zweck oder als ſubjective iſt, ſo iſt die Negation der als an ſich ſeyend vorausgeſetzten Welt die erſte; der Schlußſatz, worin das Objective in das Subjective geſetzt iſt, hat daher zunächſt auch nur die Bedeutung, daß das Anſichſeyende nur als ein Subjectives, oder in der Begriffsbeſtimmung nur geſetzt, darum aber nicht ſo an und für ſich ſey. Der Schlußſatz kommt inſofern nur zu einer neutralen Einheit, oder einer Syntheſis, d. h. einer Einheit von ſolchen, die urſprünglich geſchieden, nur äußerlich ſo verbunden ſeyen. — Indem daher in dieſem Erkennen der Begriff das Object als das ſeinige ſetzt, giebt ſich die Idee zunächſt nur einen Inhalt, deſſen Grundlage gegeben und an dem nur die Form der Aeußerlichkeit aufgehoben worden. Dieß Erkennen behält inſofern in ſeinem ausgeführten Zwecke noch ſeine Endlichkeit, es hat in ihm denſelben zugleich nicht erreicht, und iſt in ſeiner Wahrheit noch nicht zur Wahrheit gekommen. Denn inſofern im Reſultate der Inhalt noch die Beſtimmung eines gegebenen hat, ſo iſt das vorausgeſetzte Anſichſeyn gegen den Begriff nicht aufgehoben; die Einheit des Begriffs und der Realität, die Wahrheit, iſt ſomit ebenſo ſehr auch nicht darin enthalten. — Sonderbarer Weiſe iſt in neueren Zeiten dieſe Seite der Endlichkeit feſtgehalten und als das abſolute Verhältniß des Erkennens angenommen worden; — als ob das Endliche als ſolches das Abſolute ſeyn ſollte! Auf dieſem Standpuncte wird dem Objecte eine unbekannte Dingheit-an-ſich hinter dem Erkennen zugeſchrieben, und dieſelbe und damit auch die Wahrheit als ein abſolutes Jenſeits für das Erkennen betrachtet. Die Denkbeſtimmungen überhaupt, die Kategorien, die Reflexions-Beſtimmungen, ſo wie der formale Begriff und deſſen Momente erhalten darin die Stellung, nicht daß ſie an und für ſich endliche Beſtimmungen, ſondern daß ſie es in dem Sinne ſind, als ſie ein Subjectives gegen jene leere Dingheit-an-ſich ſind; dieß Verhältniß der Unwahrheit des Erkennens als das wahrhafte anzunehmen, iſt der zur allgemeinen Meinung neuerer Zeit gewordene Irrthum.

Aus dieſer Beſtimmung des endlichen Erkennens erhellt unmittelbar, daß es ein Widerſpruch iſt, der ſich ſelbſt aufhebt; — der Widerſpruch einer Wahrheit, die zugleich nicht Wahrheit ſeyn ſoll; — eines Erkennens deſſen, was iſt, welches zugleich das Ding-an-ſich nicht erkennt. In dem Zuſammenfallen dieſes Widerſpruchs fällt ſein Inhalt, das ſubjective Erkennen und das Ding-an-ſich zuſammen, d. h. erweiſt ſich als ein Unwahres. Aber das Erkennen hat durch ſeinen eigenen Gang ſeine Endlichkeit und damit ſeinen Widerſpruch aufzulöſen; jene Betrachtung, welche wir über daſſelbe machen, iſt eine äußerliche Reflexion; es iſt aber ſelbſt der Begriff, der ſich Zweck iſt, der alſo durch ſeine Realiſirung ſich ausführt, und eben in dieſer Ausführung ſeine Subjectivität und das vorausgeſetzte Anſichſeyn aufhebt. — Es iſt daher an ihm ſelbſt in ſeiner poſitiven Thätigkeit zu betrachten. Da dieſe Idee, wie gezeigt, der Trieb des Begriffes iſt, ſich für ſich ſelbſt zu realiſiren, ſo iſt ſeine Thätigkeit, das Object zu beſtimmen, und durch dieß Beſtimmen ſich in ihm identiſch auf ſich zu beziehen. Das Object iſt überhaupt das ſchlechthin Beſtimmbare, und in der Idee hat es dieſe weſentliche Seite, nicht an und für ſich gegen den Begriff zu ſeyn. Weil dieß Erkennen noch das endliche, nicht ſpeculative iſt, ſo hat die vorausgeſetzte Objectivität noch nicht die Geſtalt für daſſelbe, daß ſie ſchlechthin nur der Begriff an ihr ſelbſt iſt, und nichts Beſonderes für ſich gegen ihn enthält. Aber damit, daß ſie als ein an-ſich-ſeyendes Jenſeits gilt, hat ſie die Beſtimmung der Beſtimmbarkeit durch den Begriff darum weſentlich, weil die Idee der für ſich ſeyende Begriff und das ſchlechthin in ſich Unendliche iſt, worin das Object an ſich aufgehoben, und der Zweck nur noch iſt, es für ſich aufzuheben; das Object iſt daher zwar von der Idee des Erkennens als an ſich ſeyend vorausgeſetzt, aber weſentlich in dem Verhältniß, daß ſie ihrer ſelbſt und der Nichtigkeit dieſes Gegenſatzes gewiß, zu Realiſirung ihres Begriffes in ihm komme.

In dem Schluſſe, wodurch ſich die ſubjective Idee nun mit der Objectivität zuſammenſchließt, iſt die erſte Prämiſſe dieſelbe Form der unmittelbaren Bemächtigung und Beziehung des Begriffs auf das Object, als wir in der Zweckbeziehung ſahen. Die beſtimmende Thätigkeit des Begriffs auf das Object iſt eine unmittelbare Mittheilung und widerſtandsloſe Verbreitung ſeiner auf daſſelbe. Der Begriff bleibt hierin in der reinen Identität mit ſich ſelbſt; aber dieſe ſeine unmittelbare Reflexion-in-ſich hat ebenſo die Beſtimmung der objectiven Unmittelbarkeit; das was für ihn ſeine eigene Beſtimmung iſt, iſt ebenſo ſehr ein Seyn, denn es iſt die erſte Negation der Vorausſetzung. Die geſetzte Beſtimmung gilt daher ebenſo ſehr als eine nur gefundene Vorausſetzung, als ein Auffaſſen eines Gegebenen, worin die Thätigkeit des Begriffs vielmehr nur darin beſtehe, negativ gegen ſich ſelbſt zu ſeyn, ſich gegen das Vorhandene zurückzuhalten und paſſiv zu machen, damit daſſelbe nicht beſtimmt vom Subjecte, ſondern ſich, wie es in ſich ſelbſt iſt, zeigen könne.

Dieß Erkennen erſcheint daher in dieſer Prämiſſe nicht einmal als eine Anwendung der logiſchen Beſtimmungen, ſondern als ein Empfangen und Auffaſſen derſelben als Vorgefundener, und ſeine Thätigkeit erſcheint als darauf beſchränkt, nur ein ſubjectives Hinderniß, eine äußerliche Schaale von dem Gegenſtande zu entfernen. Dieß Erkennen iſt das Analytiſche.

a.
Das analytiſche Erkennen.

Den Unterſchied des analytiſchen und ſynthetiſchen Erkennens findet man zuweilen ſo angegeben, daß das eine vom Bekannten zum Unbekannten, das andere vom Unbekannten zum Bekannten fortgehe. Es wird aber, wenn man dieſen Unterſchied näher betrachtet, ſchwer ſeyn, in ihm einen beſtimmten Gedanken, viel weniger einen Begriff zu entdecken. Man kann ſagen, das Erkennen fange überhaupt mit der Unbekanntſchaft an, denn etwas, womit man ſchon bekannt iſt, lernt man nicht kennen. Umgekehrt auch fängt es mit dem Bekannten an; dieß iſt ein tautologiſcher Satz; — das, womit es anfängt, was es alſo wirklich erkennt, iſt eben dadurch ein Bekanntes; was noch nicht erkannt worden, und erſt ſpäter erkannt werden ſoll, iſt noch ein Unbekanntes. Man muß inſofern ſagen, daß das Erkennen, wenn es einmal angefangen hat, immer vom Bekannten zum Unbekannten fortgehe.

Das Unterſcheidende des analytiſchen Erkennens hat ſich bereits dahin beſtimmt, daß ihm als der erſten Prämiſſe des ganzen Schluſſes die Vermittelung noch nicht angehört, ſondern daß es die unmittelbare, das Anderſſeyn noch nicht enthaltende Mittheilung des Begriffes iſt, worin die Thätigkeit ſich ihrer Negativität entäußert. Jene Unmittelbarkeit der Beziehung iſt jedoch darum ſelbſt Vermittelung, denn ſie iſt die negative Beziehung des Begriffs auf das Object, die ſich aber ſelbſt vernichtet und ſich dadurch einfach und identiſch macht. Dieſe Reflexion-in-ſich iſt nur ein Subjectives, weil in ihrer Vermittelung der Unterſchied nur noch als der vorausgeſetzte anſichſeyende, als Verſchiedenheit des Objects in ſich, vorhanden iſt. Die Beſtimmung, die daher durch dieſe Beziehung zu Stande kommt, iſt die Form einer Identität, der abſtracten Allgemeinheit. Das analytiſche Erkennen hat daher überhaupt dieſe Identität zu ſeinem Princip und der Uebergang in Anderes, die Verknüpfung Verſchiedener iſt aus ihm ſelbſt, aus ſeiner Thätigkeit ausgeſchloſſen.

Das analytiſche Erkennen nun näher betrachtet, ſo wird von einem vorausgeſetzten, ſomit einzelnen, concreten Gegenſtande angefangen, er ſey nun ein für die Vorſtehung ſchon fertiger oder er ſey eine Aufgabe, nämlich nur in ſeinen Umſtänden und Bedingungen gegeben, aus ihnen noch nicht für ſich herausgehoben und in einfacher Selbſtſtändigkeit dargeſtellt. Die Analyſe deſſelben kann nun nicht darin beſtehen, daß er bloß in die beſonderen Vorſtellungen, die er enthalten kann, aufgelöſt werde; eine ſolche Auflöſung und das Auffaſſen derſelben iſt ein Geſchäft, das nicht zum Erkennen gehörte, ſondern nur eine nähere Kenntniß, eine Beſtimmung innerhalb der Sphäre des Vorſtellens beträfe. Die Analyſe, da ſie den Begriff zum Grunde hat, hat zu ihren Producten weſentlich die Begriffsbeſtimmungen, und zwar als ſolche, welche unmittelbar in dem Gegenſtande enthalten ſind. Es hat ſich aus der Natur der Idee des Erkennens ergeben, daß die Thätigkeit des ſubjectiven Begriffs von der einen Seite nur als Entwickelung deſſen, was im Objecte ſchon iſt, angeſehen werden muß, weil das Object ſelbſt nichts als die Totalität des Begriffs iſt. Es iſt ebenſo einſeitig, die Analyſe ſo vorzuſtellen, als ob im Gegenſtande nichts ſey, was nicht in ihn hineingelegt werde, als es einſeitig iſt, zu meinen, die ſich ergebenden Beſtimmungen werden nur aus ihm herausgenommen. Jene Vorſtellung ſpricht bekanntlich der ſubjective Idealismus aus, der in der Analyſe die Thätigkeit des Erkennens allein für ein einſeitiges Setzen nimmt, jenſeits deſſen das Ding-an-ſich verborgen bleibt; die andere Vorſtellung gehört dem ſogenannten Realismus an, der den ſubjectiven Begriff als eine leere Identität erfaßt, welche die Gedankenbeſtimmungen von Außen in ſich aufnehme. — Da das analytiſche Erkennen, die Verwandlung des gegebenen Stoffes in logiſche Beſtimmungen, ſich gezeigt hat, beides in Einem zu ſeyn, ein Setzen, welches ſich ebenſo unmittelbar als Vorausſetzen beſtimmt, ſo kann um des letztern willen das Logiſche als ein im Gegenſtande Fertiges, ſo wie wegen des erſtern als Product einer bloß ſubjectiven Thätigkeit erſcheinen. Aber beide Momente ſind nicht zu trennen; das Logiſche iſt in ſeiner abſtracten Form, in welche es die Analyſe heraushebt, allerdings nur im Erkennen vorhanden, ſo wie es umgekehrt nicht nur ein Geſetztes, ſondern ein An-ſich-ſeyendes iſt.

Inſofern nun das analytiſche Erkennen die aufgezeigte Verwandlung iſt, geht es durch keine weiteren Mittelglieder hindurch, ſondern die Beſtimmung iſt inſofern unmittelbar und hat eben dieſen Sinn, dem Gegenſtand eigen und an ſich anzugehören, daher ohne ſubjective Vermittelung aus ihm aufgefaßt zu ſeyn. — Aber das Erkennen ſoll ferner auch ein Fortgehen, eine Entwickelung von Unterſchieden ſeyn. Weil es aber nach der Beſtimmung, die es hier hat, begrifflos und undialektiſch iſt, hat es einen gegebenen Unterſchied, und ſein Fortgehen geſchieht allein an den Beſtimmungen des Stoffes. Nur inſofern ſcheint es ein immanentes Fortgehen zu haben, als die abgeleiteten Gedankenbeſtimmungen von Neuem analyſirt werden können, inſofern ſie noch ein Concretes ſind; das Höchſte und Letzte dieſes Analyſirens iſt das abſtracte höchſte Weſen, — oder die abſtracte ſubjective Identität, und ihr gegenüber die Verſchiedenheit. Dieſes Fortgehen iſt jedoch nichts Anderes, als nur die Wiederholung des einen urſprünglichen Thuns der Analyſe, nämlich die Wiederbeſtimmung des ſchon in die abſtracte Begriffsform Aufgenommenen als eines Concreten, und hierauf die Analyſe deſſelben, dann von Neuem die Beſtimmung des aus ihr hervorgehenden Abſtracten als eines Concreten und ſofort. — Die Gedankenbeſtimmungen ſcheinen aber in ihnen ſelbſt auch einen Uebergang zu enthalten. Wenn der Gegenſtand als Ganzes beſtimmt worden, ſo wird davon allerdings zur andern Beſtimmung: des Theils; von der Urſache zur andern Beſtimmung der Wirkung u. ſ. f. fortgegangen. Aber dieß iſt hier inſofern kein Fortgehen, als Ganzes und Theile, Urſache und Wirkung, Verhältniſſe ſind, und zwar für dieſes formale Erkennen ſo fertige Verhältniſſe, daß die eine Beſtimmung an die andere weſentlich geknüpft vorgefunden wird. Der Gegenſtand, der als Urſache oder als Theil beſtimmt worden, iſt damit durch das ganze Verhältniß, ſchon durch beide Seiten deſſelben beſtimmt. Ob es ſchon an ſich etwas Synthetiſches iſt, ſo iſt dieſer Zuſammenhang für das analytiſche Erkennen ebenſo ſehr nur ein Gegebenes, als anderer Zuſammenhang ſeines Stoffes, und gehört daher nicht ſeinem eigenthümlichen Geſchäfte an. Ob ſolcher Zuſammenhang ſonſt als ein Prioriſches oder Apoſterioriſches beſtimmt werde, dieß iſt dabei gleichgültig, inſofern er als ein vorgefundener gefaßt wird, oder wie man es auch genannt hat, als eine Thatſache des Bewußtſeyns, daß mit der Beſtimmung: Ganzes die Beſtimmung: Theil verknüpft ſey und ſo fort. Indem Kant die tiefe Bemerkung von ſynthetiſchen Grundſätzen a priori aufgeſtellt und als deren Wurzel die Einheit des Selbſtbewußtſeyns, als die Identität des Begriffes mit ſich, erkannt hat, nimmt er doch den beſtimmten Zuſammenhang, die Verhältnißbegriffe und ſynthetiſchen Grundſätze ſelbſt, von der formalen Logik als gegeben auf; die Deduction derſelben hätte die Darſtellung des Uebergangs jener einfachen Einheit des Selbſtbewußtſeyns in dieſe ihre Beſtimmungen und Unterſchiede ſeyn müſſen; aber die Aufzeigung dieſes wahrhaft ſynthetiſchen Fortgehens, des ſich ſelbſt producirenden Begriffs, hat Kant ſich erſpart, zu leiſten.

Bekanntlich wird die Arithmetik und die allgemeineren Wiſſenſchaften der discreten Größe vorzugsweiſe analytiſche Wiſſenſchaft und Analyſis genannt. Die Erkenntnißweiſe derſelben iſt in der That am immanenteſten analytiſch und es iſt kürzlich zu betrachten, worauf ſich dieß gründet. — Das ſonſtige analytiſche Erkennen fängt von einem concreten Stoffe an, der eine zufällige Mannigfaltigkeit an ſich hat; aller Unterſchied des Inhalts und das Fortgehen zu weiterem Inhalt hängt von demſelben ab. Der arithmetiſche und algebraiſche Stoff dagegen iſt ein ſchon ganz abſtract und unbeſtimmt Gemachtes, an dem alle Eigenthümlichkeit des Verhältniſſes getilgt, dem ſomit nun jede Beſtimmung und Verknüpfung ein Aeußerliches iſt. Ein ſolches iſt das Princip der discreten Größe, das Eins. Dieß verhältnißloſe Atome kann zu einer Vielheit vermehrt und äußerlich zu einer Anzahl beſtimmt und vereinigt werden, dieſes Vermehren und Begrenzen iſt ein leeres Fortgehen und Beſtimmen, welches bei demſelben Princip des abſtracten Eins ſtehen bleibt. Wie die Zahlen ferner zuſammengefaßt und getrennt werden, hängt allein von dem Setzen des Erkennenden ab. Die Größe iſt überhaupt die Kategorie, innerhalb welcher dieſe Beſtimmungen gemacht werden; — was die gleichgültig gewordene Beſtimmtheit iſt, ſo daß der Gegenſtand keine Beſtimmtheit hat, welche ihm immanent, alſo dem Erkennen gegeben wäre. Inſofern ſich das Erkennen zunächſt eine zufällige Verſchiedenheit von Zahlen gegeben hat, ſo machen ſie nun den Stoff für eine weitere Bearbeitung und mannigfaltige Verhältniſſe aus. Solche Verhältniſſe, deren Erfindung und Bearbeitung, ſcheinen zwar nichts dem analytiſchen Erkennen Immanentes, ſondern ein Zufälliges und Gegebenes zu ſeyn; wie denn auch dieſe Verhältniſſe und die ſich auf ſie beziehenden Operationen gewöhnlich nacheinander, als verſchiedene ohne Bemerkung eines innern Zuſammenhanges vorgetragen werden. Allein es iſt leicht, ein fortleitendes Princip zu erkennen, und zwar iſt es das Immanente der analytiſchen Identität, die am Verſchiedenen als Gleichheit erſcheint; der Fortſchritt iſt die Reduction des Ungleichen auf immer größere Gleichheit. Um ein Spiel an den erſten Elementen zu geben, ſo iſt die Addition das Zuſammenfaſſen ganz zufällig ungleicher Zahlen, die Multiplication dagegen von gleichen, worauf noch das Verhältniß der Gleichheit von der Anzahl und der Einheit folgt, und das Potenzen-Verhältniß eintritt.

Weil nun die Beſtimmtheit des Gegenſtandes und der Verhältniſſe eine geſetzte iſt, ſo iſt die weitere Operation mit ihnen auch ganz analytiſch, und die analytiſche Wiſſenſchaft hat daher nicht ſowohl Lehrſätze, als Aufgaben. Der analytiſche Lehrſatz enthält die Aufgabe ſchon für ſich ſelbſt als gelöſt, und der ganz äußerliche Unterſchied, der den beiden Seiten, die er gleich ſetzt, zukommt, iſt ſomit unweſentlich, daß ein ſolcher Lehrſatz als eine triviale Identität erſcheinen würde. Kant hat zwar den Satz 5+7=12 für einen ſynthetiſchen Satz erklärt, weil auf einer Seite Daſſelbe, in der Form von Mehreren, von 5 und 7, auf der anderen in der Form von Einem, von 12, dargeſtellt iſt. Allein wenn das Analytiſche nicht das ganz abſtract Identiſche und Tautologiſche 12=12 bedeuten und ein Fortgang in demſelben überhaupt ſeyn ſoll, ſo muß irgend ein Unterſchied vorhanden ſeyn, jedoch ein ſolcher, der ſich auf keine Qualität, keine Beſtimmtheit der Reflexion und noch weniger des Begriffs gründet. 5+7 und 12 ſind durchaus ganz derſelbe Inhalt; in jener Seite iſt auch die Forderung ausgedrückt, daß 5 und 7 in Einen Ausdruck zuſammengefaßt, das heißt, daß wie fünf ein Zuſammengezähltes iſt, wobei das Abbrechen ganz willkürlich war, und ebenſo gut weiter gezählt werden konnte, nun auf dieſelbe Weiſe fortgezählt werden ſoll mit der Beſtimmung, daß die hinzuzuſetzenden Eins ſieben ſeyn ſollen. Das 12 iſt alſo ein Reſultat von 5 und 7 und von einer Operation, welche ſchon geſetzt ihrer Natur nach auch ein ganz äußerliches, gedankenloſes Thun iſt, daß es daher auch eine Maſchine verrichten kann. Hier iſt im Geringſten kein Uebergang zu einem Andern; es iſt ein bloßes Fortſetzen, d. h. Wiederholen derſelben Operation, durch welche 5 und 7 entſtanden iſt.

Der Beweis eines ſolchen Lehrſatzes, — einen ſolchen erforderte er, wenn er ein ſynthetiſcher Satz wäre — würde nur in der Operation des durch 7 beſtimmten Fortzählens von 5 an, und in dem Erkennen der Uebereinſtimmung dieſes Fortgezählten mit dem beſtehen, was man ſonſt 12 nennt, und was wieder weiter nichts, als eben jenes beſtimmte Fortzählen ſelbſt iſt. Statt der Form der Lehrſätze wählt man daher ſogleich die Form der Aufgabe, der Forderung der Operation, nämlich das Ausſprechen nur der Einen Seite von der Gleichung, die den Lehrſatz ausmachen würde, und deren andere Seite nun gefunden werden ſoll. Die Aufgabe enthält den Inhalt, und giebt die beſtimmte Operation an, die mit ihm vorgenommen werden ſoll. Die Operation iſt durch keinen ſpröden, mit ſpecifiſchen Verhältniſſen begabten Stoff beſchränkt, ſondern ein äußerliches, ſubjectives Thun, deſſen Beſtimmungen der Stoff gleichgültig annimmt, an welchem ſie geſetzt werden. Der ganze Unterſchied der in der Aufgabe gemachten Bedingungen und des Reſultates in der Auflöſung iſt nur der, daß in dieſem wirklich auf die beſtimmte Weiſe vereinigt oder getrennt iſt, wie in jener angegeben war.

Es iſt daher ein höchſt überflüſſiges Gerüſte, hier die Form der geometriſchen Methode, welche ſich auf ſynthetiſche Sätze bezieht, anzuwenden und der Aufgabe außer der Auflöſung auch noch einen Beweis folgen zu laſſen. Er kann nichts als die Tautologie ausdrücken, daß die Auflöſung richtig iſt, weil man operirt hat, wie aufgegeben war. Wenn die Aufgabe iſt, man ſoll mehrere Zahlen addiren; ſo iſt die Auflöſung: man addire ſie; der Beweis zeigt, daß die Auflöſung richtig iſt, darum weil aufgegeben war zu addiren, und man addirt hat. Wenn die Aufgabe zuſammengeſetztere Beſtimmungen und Operationen, z. B. etwa Decimal-Zahlen zu multipliciren enthält, und die Auflöſung giebt nichts, als das mechaniſche Verfahren an, ſo wird wohl ein Beweis nöthig; dieſer aber kann weiter nichts ſeyn, als die Analyſe jener Beſtimmungen und der Operation, woraus die Auflöſung von ſelbſt hervorgeht. Durch dieſe Abſonderung der Auflöſung als eines mechaniſchen Verfahrens, und des Beweiſes als der Rückerinnerung an die Natur des zu behandelnden Gegenſtandes und der Operation ſelbſt, geht gerade der Vortheil der analytiſchen Aufgabe verloren, daß nämlich die Conſtruction unmittelbar aus der Aufgabe abgeleitet, und daher an und für ſich als verſtändig dargeſtellt werden kann; auf die andere Weiſe wird der Conſtruction ausdrücklich ein Mangel gegeben, welcher der ſynthetiſchen Methode eigen iſt. — In der höhern Analyſis, wo mit dem Potenzen-Verhältniſſe vornehmlich qualitative und von Begriffsbeſtimmtheiten abhängende Verhältniſſe der discreten Größen eintreten, enthalten die Aufgaben und Lehrſätze allerdings wohl ſynthetiſche Beſtimmungen; es müſſen daſelbſt andere Beſtimmungen und Verhältniſſe zu Mittelgliedern genommen werden, als unmittelbar durch die Aufgabe oder den Lehrſatz angegeben ſind. Uebrigens müſſen auch dieſe zu Hülfe genommenen Beſtimmungen von der Art ſeyn, daß ſie in der Berückſichtigung und Entwickelung einer Seite der Aufgabe oder des Lehrſatzes gegründet ſind; das ſynihetiſche Ausſehen kommt allein daher, daß die Aufgabe oder der Lehrſatz dieſe Seite nicht ſelbſt ſchon nahmhaft macht. — Die Aufgabe, z. B. die Summe der Potenzen der Wurzeln einer Gleichung zu finden, wird durch die Betrachtung und dann Verknüpfung der Functionen gelöſt, welche die Coefficienten der Gleichung von den Wurzeln ſind. Die hier zu Hülfe genommene Beſtimmung der Functionen der Coefficienten und deren Verknüpfung iſt nicht in der Aufgabe ſchon ausgedrückt, übrigens iſt die Entwickelung ſelbſt ganz analytiſch. So iſt die Auflöſung der Gleichung xm — 1=0 mit Hülfe der Sinus, auch die immanente bekanntlich durch Gauß gefundene algebraiſche Auflöſung mit Hülfe der Betrachtung des Reſiduums von xm-1 — 1 durch m dividirt, und der ſogenannten primitiven Wurzeln, — eine der wichtigſten Erweiterungen der Analyſis der neueren Zeit, — eine ſynthetiſche Auflöſung, weil die zu Hülfe genommenen Beſtimmungen, die Sinus oder die Betrachtung der Reſiduen, nicht eine Beſtimmung der Aufgabe ſelbſt iſt.

Ueber die Natur der Analyſis, welche ſogenannte unendliche Differenzen veränderlicher Größen betrachtet, der Differential- und Integral-Rechnung, iſt im erſten Theile dieſer Logik ausführlicher gehandelt worden. Daſelbſt wurde gezeigt, daß hier eine qualitative Größenbeſtimmung zu Grunde liegt, welche allein durch den Begriff gefaßt werden kann. Der Uebergang zu derſelben von der Größe als ſolcher iſt nicht mehr analytiſch; die Mathematik hat daher bis dieſen Tag nicht dahin kommen können, die Operationen, welche auf jenem Uebergange beruhen, durch ſich ſelbſt, d. h. auf mathematiſche Weiſe, zu rechtfertigen, weil er nicht mathematiſcher Natur iſt. Leibnitz, dem der Ruhm zugeſchrieben wird, die Rechnung mit den unendlichen Differenzen zu einem Calcul geſchaffen zu haben, hat, wie ebendaſelbſt angeführt worden, den Uebergang auf eine Art gemacht, welche die unzulänglichſte, ebenſo völlig begrifflos als unmathematiſch, iſt; den Uebergang aber einmal vorausgeſetzt, — und er iſt im gegenwärtigen Stande der Wiſſenſchaft mehr nicht als eine Vorausſetzung, — ſo iſt der weitere Verfolg allerdings nur eine Reihe gewöhnlicher analytiſcher Operationen.

Es iſt erinnert worden, daß die Analyſis ſynthetiſch wird, inſofern ſie auf Beſtimmungen kommt, welche nicht mehr durch die Aufgaben ſelbſt geſetzt ſind. Der allgemeine Uebergang aber vom analytiſchen zum ſynthetiſchen Erkennen liegt in dem nothwendigen Uebergange von der Form der Unmittelbarkeit zur Vermittelung, der abſtracten Identität zum Unterſchiede. Das Analytiſche bleibt in ſeiner Thätigkeit bei den Beſtimmungen überhaupt ſtehen, inſofern ſie ſich auf ſich ſelbſt beziehen; durch ihre Beſtimmtheit aber ſind ſie weſentlich auch von dieſer Natur, daß ſie ſich auf ein Anderes beziehen. Es iſt ſchon erinnert worden, daß wenn das analytiſche Erkennen auch an Verhältniſſen fortgeht, die nicht ein äußerlich gegebener Stoff, ſondern Gedankenbeſtimmungen ſind, ſo bleibt es doch analytiſch, inſofern für daſſelbe auch dieſe Verhältniſſe gegebene ſind. Weil aber die abſtracte Identität, welche dieß Erkennen allein als das ſeinige weiß, weſentlich Identität des Unterſchiedenen iſt, ſo muß ſie auch als ſolche die ſeinige ſeyn, und für den ſubjectiven Begriff auch der Zuſammenhang als durch ihn geſetzt und mit ihm identiſch werden.

b.
Das ſynthetiſche Erkennen.

Das analytiſche Erkennen iſt die erſte Prämiſſe des ganzen Schluſſes, — die unmittelbare Beziehung des Begriffs auf das Object, die Identität iſt daher die Beſtimmung, welche es als die ſeinige erkennt, und es iſt nur das Auffaſſen deſſen, was iſt. Das ſynthetiſche Erkennen geht auf das Begreifen deſſen, was iſt, das heißt, die Mannigfaltigkeit von Beſtimmungen in ihrer Einheit zu faſſen. Es iſt daher die zweite Prämiſſe des Schluſſes, in welchem das Verſchiedene als ſolches bezogen wird. Sein Ziel iſt deswegen die Nothwendigkeit überhaupt. — Die Verſchiedenen, welche verbunden ſind, ſind es theils in einem Verhältniſſe; in ſolchem ſind ſie ebenſo wohl bezogen, als gleichgültig und ſelbſtſtändig gegeneinander; theils aber ſind ſie im Begriffe verknüpft, dieſer iſt ihre einfache, aber beſtimmte Einheit. Inſofern nun das ſynthetiſche Erkennen zunächſt von der abſtracten Identität zum Verhältniſſe, oder vom Seyn zur Reflexion übergeht, ſo iſt es nicht die abſolute Reflexion des Begriffes, welche der Begriff in ſeinem Gegenſtande erkennt; die Realität, welche er ſich giebt, iſt die nächſte Stufe, nämlich die angegebene Identität der Verſchiedenen als ſolcher, die daher zugleich noch innere und nur Nothwendigkeit, nicht die ſubjective, für ſich ſelbſt ſeyende, daher noch nicht der Begriff als ſolcher iſt. Das ſynthetiſche Erkennen hat daher wohl auch die Begriffsbeſtimmungen zu ſeinem Inhalt, das Object wird in denſelben geſetzt; aber ſie ſtehen erſt im Verhältniſſe zu einander, oder ſind in unmittelbarer Einheit, aber damit eben nicht in derjenigen, wodurch der Begriff als Subject iſt.

Dieß macht die Endlichkeit dieſes Erkennens aus; weil dieſe reelle Seite der Idee in ihm noch die Identität als innere hat, ſo ſind deren Beſtimmungen ſich noch als äußerliche; da ſie nicht als Subjectivität iſt, ſo fehlt dem Eigenen, das der Begriff in ſeinem Gegenſtande hat, noch die Einzelnheit, und es iſt zwar nicht mehr die abſtracte, ſondern die beſtimmte Form, alſo das Beſondere des Begriffes, was ihm im Objecte entſpricht, aber das Einzelne deſſelben iſt noch ein gegebener Inhalt. Dieß Erkennen verwandelt die objective Welt daher zwar in Begriffe, aber giebt ihr nur die Form nach den Begriffsbeſtimmungen, und muß das Object nach ſeiner Einzelnheit, der beſtimmten Beſtimmtheit, finden; es iſt noch nicht ſelbſt beſtimmend. Ebenſo findet es Sätze und Geſetze, und beweiſt deren Nothwendigkeit, aber nicht als eine Nothwendigkeit der Sache an und für ſich ſelbſt, d. i. aus dem Begriffe, ſondern des Erkennens, das an den gegebenen Beſtimmungen, den Unterſchieden der Erſcheinung fortgeht, und für ſich den Satz als Einheit und Verhältniß, oder aus der Erſcheinung deren Grund erkennt.

Die näheren Momente des ſynthetiſchen Erkennens ſind nun zu betrachten.

1.
Die Definition.

Das Erſte iſt, daß die noch gegebene Objectivität in die einfache, als erſte Form, ſomit die Form des Begriffes verwandelt wird; die Momente dieſes Auffaſſens ſind daher keine anderen, als die Momente des Begriffs; die Allgemeinheit, Beſonderheit und Einzelnheit. — Das Einzelne iſt das Object ſelbſt als unmittelbare Vorſtellung, dasjenige, was definirt werden ſoll. Das Allgemeine des Objects deſſelben hat ſich in der Beſtimmung des objectiven Urtheils, oder des Urtheils der Nothwendigkeit, als die Gattung, und zwar als die nächſte ergeben, das Allgemeine nämlich mit dieſer Beſtimmtheit, welche zugleich Princip für den Unterſchied des Beſondern iſt. Dieſen Unterſchied hat der Gegenſtand an der ſpecifiſchen Differenz, welche ihn zu der beſtimmten Art macht, und welche ſeine Disjunction gegen die übrigen Arten begründet.

Die Definition, indem ſie auf dieſe Weiſe den Gegenſtand auf ſeinen Begriff zurückführt, ſtreift ſeine Aeußerlichkeiten, welche zur Exiſtenz erforderlich ſind, ab; ſie abſtrahirt von dem, was zum Begriffe in ſeiner Realiſation hinzukommt, wodurch er erſtlich zur Idee, und zweitens zur äußerlichen Exiſtenz heraustritt. Die Beſchreibung iſt für die Vorſtellung und nimmt dieſen weitern der Realität angehörigen Inhalt auf. Die Definition reducirt aber dieſen Reichthum der mannigfaltigen Beſtimmungen des angeſchauten Daſeyns auf die einfachſten Momente; welches die Form dieſer einfachen Elemente, und wie ſie gegen einander beſtimmt iſt, dieß iſt in dem Begriff enthalten. Der Gegenſtand wird hiermit, wie angegeben, als Allgemeines gefaßt, welches zugleich weſentlich Beſtimmtes iſt. Der Gegenſtand ſelbſt iſt das Dritte, das Einzelne, in welchem die Gattung und die Beſonderung in Eins geſetzt iſt, und ein Unmittelbares, welches außer dem Begriffe, da er noch nicht ſelbſtbeſtimmend iſt, geſetzt iſt.

In jenen Beſtimmungen, dem Formunterſchiede der Definition, findet der Begriff ſich ſelbſt, und hat darin die ihm entſprechende Realität. Aber weil die Reflexion der Begriffs-Momente in ſich ſelbſt, die Einzelnheit, in dieſer Realität noch nicht enthalten, weil ſomit das Object, inſofern es im Erkennen iſt, noch nicht als ein ſubjectives beſtimmt iſt, ſo iſt das Erkennen dagegen ein ſubjectives und hat einen äußerlichen Anfang, oder wegen ſeines äußerlichen Anfangs am Einzelnen iſt es ein ſubjectives. Der Inhalt des Begriffs iſt daher ein Gegebenes und ein Zufälliges. Der concrete Begriff ſelbſt iſt damit ein Zufälliges nach der gedoppelten Seite, einmal nach ſeinem Inhalte überhaupt, das andere Mal danach, welche Inhaltsbeſtimmungen von den mannigfaltigen Qualitäten, die der Gegenſtand im äußerlichen Daſeyn hat, für den Begriff ausgewählt werden, und die Momente deſſelben ausmachen ſollen.

Die letztere Rückſicht bedarf näherer Betrachtung. Es iſt nämlich, da die Einzelnheit als das an und für ſich Beſtimmtſeyn außer der eigenthümlichen Begriffsbeſtimmung des ſynthetiſchen Erkennens liegt, kein Princip vorhanden, welche Seiten des Gegenſtandes als zu ſeiner Begriffsbeſtimmung und welche nur zu der äußerlichen Realität gehörig angeſehen werden ſollen. Dieß macht eine Schwierigkeit bei den Definitionen aus, die für dieſes Erkennen nicht zu beſeitigen iſt. Doch muß dabei ein Unterſchied gemacht werden. — Vor’s Erſte von Producten der ſelbſtbewußten Zweckmäßigkeit läßt ſich leicht die Definition auffinden, denn der Zweck, für welchen ſie dienen ſollen, iſt eine Beſtimmung, die aus dem ſubjectiven Entſchluſſe erzeugt iſt, und die weſentliche Beſonderung, die Form des Exiſtirenden ausmacht, auf welche es hier allein ankommt. Die ſonſtige Natur ſeines Materials oder andere äußere Eigenſchaften ſind, inſofern ſie dem Zweck entſprechen, in ſeiner Beſtimmung enthalten, die übrigen ſind dafür unweſentlich.

Zweitens die geometriſchen Gegenſtände ſind abſtracte Raumbeſtimmungen; die zum Grunde liegende Abſtraction, der ſogenannte abſolute Raum, hat alle weiteren concreten Beſtimmungen verloren, und hat nun ferner nur ſolche Geſtalten und Figurationen, als in ihm geſetzt werden; ſie ſind daher weſentlich nur, was ſie ſeyn ſollen; ihre Begriffsbeſtimmung überhaupt, und näher die ſpecifiſche Differenz hat an ihnen ihre einfache ungehinderte Realität; ſie ſind inſofern daſſelbe, was die Producte der äußern Zweckmäßigkeit, wie ſie auch mit den arithmetiſchen Gegenſtänden darin übereinkommen, in welchen gleichfalls nur die Beſtimmung zum Grunde liegt, die in ihnen geſetzt worden. — Der Raum hat zwar noch weitere Beſtimmungen, die Dreiheit ſeiner Dimenſionen, ſeine Continuität und Theilbarkeit, welche nicht durch die äußerliche Beſtimmung an ihm erſt geſetzt werden. Dieſe gehören aber zu dem aufgenommenen Material, und ſind unmittelbare Vorausſetzungen; erſt die Verknüpfung und Verwickelung jener ſubjectiven Beſtimmungen mit dieſer eigenthümlichen Natur ihres Bodens, in welchen ſie eingetragen worden, bringt ſynthetiſche Verhältniſſe und Geſetze hervor. — Bei den Zahlbeſtimmungen, da ihnen das einfache Princip des Eins zu Grunde liegt, iſt die Verküpfung und weitere Beſtimmung ganz nur ein Geſetztes, die Beſtimmungen hingegen im Raume, der für ſich ein continuirliches Außereinander iſt, verlaufen ſich noch weiter, und haben eine von ihrem Begriffe verſchiedene Realität, die aber nicht mehr zur unmittelbaren Definition gehört.

Drittens aber ſieht es mit den Definitionen concreter Objecte der Natur ſowohl als auch des Geiſtes ganz anders aus. Solche Gegenſtände ſind überhaupt für die Vorſtellung Dinge von vielen Eigenſchaften. Es kommt hier zunächſt darauf an, aufzufaſſen, was ihre nächſte Gattung, und dann, was ihre ſpecifiſche Differenz iſt. Es iſt daher zu beſtimmen, welche der vielen Eigenſchaften dem Gegenſtande als Gattung, und welche ihm als Art zukomme, ferner welche unter dieſen Eigenſchaften die weſentliche ſey; und zu dem Letztern gehört, zu erkennen, in welchem Zuſammenhange ſie mit einander ſtehen, ob die eine ſchon mit der andern geſetzt ſey. Dafür aber iſt kein anderes Kriterium noch vorhanden, als das Daſeyn ſelbſt. — Die Weſentlichkeit der Eigenſchaft iſt für die Definition, worin ſie als einfache, unentwickelte Beſtimmtheit geſetzt ſeyn ſoll, ihre Allgemeinheit. Dieſe aber iſt im Daſeyn die bloß empiriſche; — Allgemeinheit in der Zeit, ob die Eigenſchaft dauernd iſt, während die anderen ſich als vergänglich in dem Beſtehen des Ganzen zeigen; — oder eine Allgemeinheit, die aus Vergleichung mit anderen concreten Ganzen hervorgeht, und inſofern nicht über die Gemeinſchaftlichkeit hinauskommt. Wenn nun die Vergleichung den totalen Habitus, wie er ſich empiriſch darbietet, als gemeinſchaftliche Grundlage angiebt, ſo hat die Reflexion denſelben in eine einfache Gedankenbeſtimmung zuſammenzubringen, und den einfachen Charakter ſolcher Totalität aufzufaſſen. Aber die Beglaubigung, daß eine Gedankenbeſtimmung oder eine einzelne der unmittelbaren Eigenſchaften das einfache und beſtimmte Weſen des Gegenſtandes ausmachte, kann nur eine Ableitung ſolcher Beſtimmung aus der concreten Beſchaffenheit ſeyn. Dieß erforderte aber eine Analyſe, welche die unmittelbaren Beſchaffenheiten in Gedanken verwandelt, und das Concrete derſelben auf ein Einfaches zurückführt; eine Analyſe, die höher iſt als die betrachtete, weil ſie nicht abſtrahirend ſeyn, ſondern in dem Allgemeinen das Beſtimmte des Concreten noch erhalten, daſſelbe vereinigen und von der einfachen Gedankenbeſtimmung abhängig zeigen ſollte.

Die Beziehungen der mannigfaltigen Beſtimmungen des unmittelbaren Daſeyns auf den einfachen Begriff wären aber Lehrſätze, die des Beweiſes bedürften. Die Definition aber als der erſte, noch unentwickelte Begriff, indem ſie die einfache Beſtimmtheit des Gegenſtandes auffaſſen, und dieß Auffaſſen etwas Unmittelbares ſeyn ſoll, kann dazu nur eine ſeiner unmittelbaren ſogenannten Eigenſchaften, — eine Beſtimmung des ſinnlichen Daſeyns oder der Vorſtellung, gebrauchen; ihre durch die Abſtraction geſchehene Vereinzelung macht dann die Einfachheit aus, und für die Allgemeinheit und Weſentlichkeit iſt der Begriff an die empiriſche Allgemeinheit, das Beharren unter veränderten Umſtänden und die Reflexion verwieſen, die im äußerlichen Daſeyn und in der Vorſtellung, d. h. da die Begriffsbeſtimmung ſucht, wo ſie nicht zu finden iſt. — Das Definiren thut daher auch auf eigentliche Begriffsbeſtimmungen, die weſentlich die Principien der Gegenſtände wären, von ſelbſt Verzicht, und begnügt ſich mit Merkmalen, d. i. Beſtimmungen, bei denen die Weſentlichkeit für den Gegenſtand ſelbſt gleichgültig iſt, und die vielmehr nur den Zweck haben, daß ſie für eine äußere Reflexion Merkzeichen ſind. — Eine ſolche einzelne, äußerliche Beſtimmtheit ſteht mit der concreten Totalität und mit der Natur ihres Begriffs zu ſehr in Unangemeſſenheit, als daß ſie für ſich gewählt und dafür genommen werden könnte, daß ein concretes Ganzes ſeinen wahrhaften Ausdruck und Beſtimmung in ihr hätte. — Nach Blumenbachs Bemerkung z. B. iſt das Ohrläppchen etwas, das allen anderen Thieren fehlt, das alſo nach den gewöhnlichen Redensarten von gemeinſamen und unterſcheidenden Merkmalen mit allem Recht als der diſtinctive Charakter in der Definition des phyſiſchen Menſchen gebraucht werden könnte. Aber wie unangemeſſen zeigt ſich ſogleich eine ſolche ganz äußerliche Beſtimmung mit der Vorſtellung des totalen Habitus des phyſiſchen Menſchen, und mit der Forderung, daß die Begriffsbeſtimmung etwas Weſentliches ſeyn ſoll! Es iſt etwas ganz Zufälliges, wenn die in die Definition aufgenommenen Merkmale nur ſolche reine Nothbehelfe ſind, oder aber ſich der Natur eines Princips mehr nähern. Es iſt ihnen um ihrer Aeußerlichkeit willen auch anzuſehen, daß von ihnen in der Begriffserkenntniß nicht angefangen worden iſt; vielmehr iſt ein dunkles Gefühl, ein unbeſtimmter aber tieferer Sinn, eine Ahnung des Weſentlichen, der Erfindung der Gattungen in der Natur und im Geiſte vorangegangen, und dann erſt für den Verſtand eine beſtimmte Aeußerlichkeit aufgeſucht worden. — Der Begriff, indem er im Daſeyn in die Aeußerlichkeit getreten iſt, iſt er in ſeine Unterſchiede entfaltet, und kann nicht an eine einzelne ſolcher Eigenſchaften ſchlechthin gebunden ſeyn. Die Eigenſchaften als die Aeußerlichkeit des Dinges ſind ſich ſelbſt äußerlich; es iſt in der Sphäre der Erſcheinung bei dem Dinge von vielen Eigenſchaften aufgezeigt worden, daß ſie deswegen weſentlich ſogar zu ſelbſtſtändigen Materien werden; der Geiſt wird, von demſelben Standpuncte der Erſcheinung aus betrachtet, zu einem Aggregate von vielen ſelbſtſtändigen Kräften. Die einzelne Eigenſchaft oder Kraft hört durch dieſen Standpunct ſelbſt, wo ſie gleichgültig gegen die andern geſetzt wird, auf, charakteriſirendes Princip zu ſeyn, womit die Beſtimmtheit, als Beſtimmtheit des Begriffs, überhaupt verſchwindet.

Noch tritt an den concreten Dingen neben der Verſchiedenheit der Eigenſchaften gegeneinander der Unterſchied zwiſchen Begriff und ſeiner Verwirklichung ein. Der Begriff in der Natur und im Geiſte hat eine äußerliche Darſtellung, worin ſeine Beſtimmtheit ſich als Abhängigkeit von Aeußerem, Vergänglichkeit und Unangemeſſenheit zeigt. Etwas Wirkliches zeigt daher wohl an ſich, was es ſeyn ſoll, aber es kann auch nach dem negativen Begriffsurtheil ebenſo ſehr zeigen, daß ſeine Wirklichkeit dieſem Begriffe nur unvollſtändig entſpricht, daß ſie ſchlecht iſt. Indem die Definition nun in einer unmittelbaren Eigenſchaft die Beſtimmtheit des Begriffes angeben ſoll, ſo giebt es keine Eigenſchaft, gegen welche nicht eine Inſtanz beigebracht werden könne, in der der ganze Habitus zwar das zu definirende Concrete erkennen läßt, die Eigenſchaft aber, welche für deſſen Charakter genommen wird, ſich unreif oder verkümmert zeigt. In einer ſchlechten Pflanze, einer ſchlechten Thiergattung, einem verächtlichen Menſchen, einem ſchlechten Staate ſind Seiten der Exiſtenz mangelhaft oder ganz obliterirt, welche ſonſt für die Definition als das Unterſcheidende und die weſentliche Beſtimmtheit in der Exiſtenz eines ſolchen Concreten genommen werden konnten. Eine ſchlechte Pflanze, Thier u. ſ. f. bleibt aber immer noch eine Pflanze, Thier u. ſ. f. Soll daher auch das Schlechte in die Definition aufgenommen ſeyn, ſo entgehen dem empiriſchen Herumſuchen alle Eigenſchaften, welche es als weſentlich anſehen wollte, durch die Inſtanzen von Mißgeburten, denen dieſelben fehlen, z. B. die Weſentlichkeit des Gehirns für den phyſiſchen Menſchen, durch die Inſtanz der Akephalen, die Weſentlichkeit des Schutzes von Leben und Eigenthum für den Staat, durch die Inſtanz despotiſcher Staaten und tyranniſcher Regierungen. — Wenn gegen die Inſtanz der Begriff behauptet, und ſie an demſelben gemeſſen für ein ſchlechtes Exemplar ausgegeben wird, ſo hat er ſeine Beglaubigung nicht mehr an der Erſcheinung. Die Selbſtſtändigkeit des Begriffes iſt aber dem Sinne der Definition zuwider, welche der unmittelbare Begriff ſeyn ſoll, daher ihre Beſtimmungen für die Gegenſtände nur aus der Unmittelbarkeit des Daſeyns aufnehmen und ſich nur an dem Vorgefundenen rechtfertigen kann. — Ob ihr Inhalt an und für ſich Wahrheit oder Zufälligkeit ſey, dieß liegt außer ihrer Sphäre; die formelle Wahrheit aber, die Uebereinſtimmung des in der Definition ſubjectiv geſetzten Begriffs und eines außer ihm wirklichen Gegenſtandes kann darum nicht ausgemacht werden, weil der einzelne Gegenſtand auch ſchlecht ſeyn kann.

Der Inhalt der Definition iſt überhaupt aus dem unmittelbaren Daſeyn genommen, und weil er unmittelbar iſt, hat er keine Rechtfertigung; die Frage nach deſſen Nothwendigkeit iſt durch den Urſprung beſeitigt; darin, daß ſie den Begriff als ein bloß Unmittelbares ausſpricht, iſt darauf Verzicht gethan, ihn ſelbſt zu begreifen. Sie ſtellt daher nichts dar als die Formbeſtimmung des Begriffs an einem gegebenen Inhalt, ohne die Reflexion des Begriffes in ſich ſelbſt, d. h. ohne ſein Fürſichſeyn.

Aber die Unmittelbarkeit überhaupt geht nur aus der Vermittelung hervor, ſie muß daher zu dieſer übergehen. Oder die Inhaltsbeſtimmtheit, welche die Definition enthält, iſt darum, weil ſie Beſtimmtheit iſt, nicht nur ein Unmittelbares, ſondern durch ihre andere Vermitteltes; die Definition kann daher ihren Gegenſtand nur durch die entgegengeſetzte Beſtimmung faſſen, und muß daher zur Eintheilung übergehen.

2.
Die Eintheilung.

Das Allgemeine muß ſich beſondern; inſofern liegt die Nothwendigkeit der Eintheilung in dem Allgemeinen. Indem aber die Definition ſchon ſelbſt mit dem Beſondern anfängt, ſo liegt ihre Nothwendigkeit, zur Eintheilung überzugehen, im Beſondern, das für ſich auf ein anderes Beſonderes hinweiſt. Umgekehrt ſcheidet ſich eben darin das Beſondere, indem die Beſtimmtheit im Bedürfniſſe ihres Unterſchiedes von der ihr andern feſtgehalten wird, von dem Allgemeinen ab; dieſes wird hiermit für die Eintheilung vorausgeſetzt. Der Gang iſt daher zwar dieſer, daß der einzelne Inhalt der Definition durch die Beſonderheit zum Extrem der Allgemeinheit aufſteigt, aber dieſe muß nunmehr als die objective Grundlage angenommen werden, und von ihr aus ſtellt ſich die Eintheilung als Disjunction des Allgemeinen, als des Erſten, dar.

Hiermit iſt ein Uebergang eingetreten, der, da er vom Allgemeinen zum Beſondern geſchieht, durch die Form des Begriffs beſtimmt iſt. Die Definition für ſich iſt etwas Einzelnes; eine Mehrheit von Definitionen gehört der Mehrheit der Gegenſtände an. Der dem Begriff angehörige Fortgang vom Allgemeinen zum Beſondern iſt Grundlage und Möglichkeit einer ſynthetiſchen Wiſſenſchaft, eines Syſtems und ſyſtematiſchen Erkennens.

Die erſte Erforderniß hierfür iſt, wie gezeigt, daß der Anfang mit dem Gegenſtande in der Form eines Allgemeinen gemacht werde. Wenn in der Wirklichkeit, es ſey der Natur oder des Geiſtes, die concrete Einzelnheit dem ſubjectiven, natürlichen Erkennen als das Erſte gegeben iſt, ſo muß dagegen in dem Erkennen, das wenigſtens inſofern ein Begreifen iſt, als es die Form des Begriffes zur Grundlage hat, das Einfache, von dem Concreten Ausgeſchiedene das Erſte ſeyn, weil der Gegenſtand nur in dieſer Form die Form des ſich auf ſich beziehenden Allgemeinen und des dem Begriffe nach Unmittelbaren hat. Gegen dieſen Gang im Wiſſenſchaftlichen kann etwa gemeint werden, weil das Anſchauen leichter ſey als das Erkennen, ſo ſey auch das Anſchaubare, alſo die concrete Wirklichkeit, zum Anfang der Wiſſenſchaft zu machen, und dieſer Gang ſey naturgemäßer als der, welcher vom Gegenſtand in ſeiner Abſtraction beginnt, und von da umgekehrt zu deſſen Beſonderung und concreten Vereinzelung fortgeht. — Indem aber erkannt werden ſoll, ſo iſt die Vergleichung mit der Anſchauung bereits entſchieden und aufgegeben; und es kann nur die Frage ſeyn, was innerhalb des Erkennens das Erſte und wie die Folge beſchaffen ſeyn ſoll; es wird nicht mehr ein naturgemäßer, ſondern ein erkenntnißgemäßer Weg verlangt. — Wenn bloß nach der Leichtigkeit gefragt wird, ſo erhellt ohnehin von ſelbſt, daß es dem Erkennen leichter iſt, die abſtracte einfache Gedankenbeſtimmung zu faſſen, als das Concrete, welches eine vielfache Verknüpfung von ſolchen Gedankenbeſtimmungen und deren Verhältniſſen iſt; und in dieſer Art, nicht mehr wie es in der Anſchauung iſt, ſoll es aufgefaßt werden. An und für ſich iſt das Allgemeine das erſte Begriffs-Moment, weil es das Einfache iſt, und das Beſondere erſt das nachfolgende, weil es das Vermittelte iſt; und umgekehrt iſt das Einfache das Allgemeinere, und das Concrete als das an ſich Unterſchiedene, hiermit Vermittelte, dasjenige, das den Uebergang von einem Erſten ſchon vorausſetzt. — Dieſe Bemerkung betrifft nicht nur die Ordnung des Ganges in den beſtimmten Formen von Definitionen, Eintheilungen und Sätzen, ſondern auch die Ordnung des Erkennens im Allgemeinen, und bloß in Rückſicht auf den Unterſchied von Abſtractem und Concretem überhaupt. — Daher wird auch z. B. beim Leſenlernen vernünftigerweiſe nicht mit dem Leſen ganzer Worte oder auch der Sylben der Anfang gemacht, ſondern mit den Elementen der Wörter und Sylben, und den Zeichen der abſtracten Töne; in der Buchſtabenſchrift iſt die Analyſe des concreten Wortes in ſeine abſtracten Töne und deren Zeichen ſchon vollbracht, das Leſenlernen wird ebendadurch eine erſte Beſchäftigung mit abſtracten Gegenſtänden. In der Geometrie iſt nicht der Anfang mit einer concreten Raumgeſtalt, ſondern mit dem Puncte und der Linie und dann weiter mit ebenen Figuren zu machen, und unter dieſen nicht mit Polygonen, ſondern mit dem Dreiecke, unter den krummen Linien mit dem Kreiſe. In der Phyſik ſind die einzelnen Natureigenſchaften oder Materien von ihren mannigfaltigen Verwickelungen, in denen ſie ſich in concreter Wirklichkeit befinden, zu befreien, und mit den einfachen, nothwendigen Bedingungen darzuſtellen; auch ſie, wie die Raumfiguren, ſind ein Anſchaubares, aber ihre Anſchauung iſt ſo vorzubereiten, daß ſie zuerſt von allen Modificationen durch Umſtände, die ihrer eigenen Beſtimmtheit äußerlich ſind, befreit erſcheinen und feſtgehalten werden. Magnetismus, Electricität, Gasarten u. ſ. f. ſind ſolche Gegenſtände, deren Erkenntniß allein dadurch ihre Beſtimmtheit erhält, daß ſie aus den concreten Zuſtänden, in denen ſie an der Wirklichkeit erſcheinen, herausgenommen, aufgefaßt werden. Das Experiment ſtellt ſie für die Anſchauung freilich in einem concreten Falle dar; aber theils muß es, um wiſſenſchaftlich zu ſeyn, nur die nothwendigen Bedingungen dazu nehmen, theils ſich vervielfältigen, um das untrennbare Concrete dieſer Bedingungen als unweſentlich zu zeigen, dadurch daß ſie in einer andern concreten Geſtalt und wieder in anderer erſcheinen, hiermit für die Erkenntniß nur ihre abſtracte Form übrig bleibt. — Um noch eines Beiſpiels zu erwähnen, ſo konnte es als naturgemäß und ſinnreich erſcheinen, die Farbe zuerſt in der concreten Erſcheinung des animaliſchen ſubjectiven Sinnes, alsdann außer dem Subject als eine geſpenſtartige, ſchwebende Erſcheinung, und endlich in äußerlicher Wirklichkeit an Objecten fixirt, zu betrachten. Allein für das Erkennen iſt die allgemeine, und hiermit wahrhaft erſte Form, die mittlere unter den genannten, wie die Farbe auf der Schwebe zwiſchen der Subjectivität und Objectivität als das bekannte Spectrum ſteht, noch ohne alle Verwickelung mit ſubjectiven und objectiven Umſtänden. Letztere ſind für die reine Betrachtung der Natur dieſes Gegenſtandes zunächſt nur ſtörend, weil ſie als wirkende Urſachen ſich verhalten und es daher unentſchieden machen, ob die beſtimmten Veränderungen, Uebergänge und Verhältniſſe der Farbe in deren eigener ſpecifiſchen Natur gegründet, oder vielmehr der krankhaften ſpecifiſchen Beſchaffenheit jener Umſtände, den geſunden und krankhaften beſonderen Affectionen und Wirkungen der Organe des Subjects, oder den chemiſchen, vegetabiliſchen, animaliſchen Kräften der Objecte zuzuſchreiben ſind. — Mehrere und andere Beiſpiele könnten aus der Erkenntniß der organiſchen Natur und der Welt des Geiſtes angeführt werden; allenthalben muß das Abſtracte den Anfang und das Element ausmachen, in welchem und von welchem aus ſich die Beſonderheiten und die reichen Geſtalten des Concreten ausbreiten.

Bei der Eintheilung oder dem Beſondern tritt nun zwar eigentlich der Unterſchied deſſelben von dem Allgemeinen ein, aber dieß Allgemeine iſt ſchon ſelbſt ein Beſtimmtes, und damit nur ein Glied einer Eintheilung. Es giebt daher ein höheres Allgemeines für daſſelbe; für dieß aber von neuem ein höheres, und ſo zunächſt fort ins Unendliche. Für das hier betrachtete Erkennen iſt keine immanente Grenze, da es vom Gegebenen ausgeht, und die Form der abſtracten Allgemeinheit ſeinem Erſten eigenthümlich iſt. Irgend ein Gegenſtand alſo, welcher eine elementariſche Allgemeinheit zu haben ſcheint, wird zum Gegenſtande einer beſtimmten Wiſſenſchaft gemacht, und iſt ein abſoluter Anfang inſofern, als die Bekanntſchaft der Vorſtellung mit ihm vorausgeſetzt wird, und er für ſich als keiner Ableitung bedürftig genommen wird. Die Definition nimmt ihn als einen unmittelbaren.

Der weitere Fortgang von ihm iſt zunächſt die Eintheilung. Für dieſen Fortgang würde nur ein immanentes Princip, d. h. ein Anfang aus dem Allgemeinen und dem Begriffe erfordert; das hier betrachtete Erkennen ermangelt aber eines ſolchen, weil es nur der Formbeſtimmung des Begriffes ohne ihre Reflexion-in-ſich nachgeht, daher die Inhaltsbeſtimmtheit aus dem Gegebenen nimmt. Für das Beſondere, das in der Eintheilung eintritt, iſt kein eigener Grund vorhanden, weder in Anſehung deſſen, was den Eintheilungsgrund ausmachen, noch in Anſehung des beſtimmten Verhältniſſes, das die Glieder der Disjunction zu einander haben ſollen. Das Geſchäft des Erkennens kann daher in dieſer Rückſicht nur darin beſtehen, theils das im empiriſchen Stoffe aufgefundene Beſondere zu ordnen, theils auch allgemeine Beſtimmungen deſſelben durch die Vergleichung zu finden. Die letzteren gelten alsdann als Eintheilungsgründe, deren vielfältige ſeyn können, ſo wie auch der Eintheilungen ebenſo mannigfaltige danach Statt haben. Das Verhältniß der Glieder einer Eintheilung zu einander, der Arten, hat nur dieſe allgemeine Beſtimmung, daß ſie nach dem angenommenen Eintheilungsgrund beſtimmt gegen einander ſeyen; beruhte ihre Verſchiedenheit auf einer andern Rückſicht, ſo würden ſie nicht auf gleicher Linie einander coordinirt ſeyn.

Wegen des ermangelnden Princips des Fürſich-ſelbſt-Beſtimmtſeyns können die Geſetze für dieſes Eintheilungsgeſchäft nur in formellen, leeren Regeln beſtehen, die zu nichts führen. — So ſehen wir als Regel aufgeſtellt, daß die Eintheilung den Begriff erſchöpfen ſolle; aber in der That muß jedes einzelne Eintheilungsglied den Begriff erſchöpfen. Es iſt aber eigentlich die Beſtimmtheit deſſelben gemeint, welche erſchöpft werden ſoll; allein bei der empiriſchen, in ſich beſtimmungsloſen Mannigfaltigkeit der Arten trägt es zur Erſchöpfung des Begriffs nichts bei, ob deren mehr oder weniger vorgefunden werden; ob z. B. zu den 67 Arten von Papageyen noch ein Dutzend weiter aufgefunden werden, iſt für die Erſchöpfung der Gattung gleichgültig. Die Forderung der Erſchöpfung kann nur den tautologiſchen Satz bedeuten, daß alle Arten vollſtändig aufgeführt werden ſollen. — Bei der Erweiterung der empiriſchen Kenntniſſe kann es ſich nun ſehr wohl zutragen, daß ſich Arten finden, welche nicht unter die angenommene Beſtimmung der Gattung paſſen, weil dieſe häufig mehr nach einer dunkeln Vorſtellung des ganzen Habitus angenommen wird, als nach dem mehr oder weniger einzelnen Merkmal, welches ausdrücklich für ihre Beſtimmung dienen ſoll. — In ſolchem Falle müßte die Gattung geändert, und es müßte gerechtfertigt werden, daß eine andere Anzahl von Arten als Arten Einer neuen Gattung anzuſehen ſeyen, das heißt die Gattung beſtimmte ſich aus dem, was man aus irgend einer Rückſicht, die man als Einheit annehmen will, zuſammenſtellt; dieſe Rückſicht ſelbſt würde dabei der Eintheilungsgrund. Umgekehrt, wenn an der zuerſt angenommenen Beſtimmtheit als dem Eigenthümlichen der Gattung feſtgehalten wird, ſchlöſſe ſich jener Stoff, den man als Arten mit frühern in Eins zuſammenſtellen wollte, aus. Dieſes Treiben ohne Begriff, welches das eine Mal eine Beſtimmtheit als weſentliches Moment der Gattung annimmt, und die Beſonderen danach ihr unterſtellt oder davon ausſchließt, das andere Mal bei dem Beſonderen anfängt und in deſſen Zuſammenſtellung ſich wieder von einer andern Beſtimmtheit leiten läßt, giebt die Erſcheinung eines Spiels der Willkür, der es anheimgeſtellt ſey, welchen Theil oder welche Seite des Concreten ſie feſthalten, und hiernach ordnen will. — Die phyſiſche Natur bietet von ſelbſt eine ſolche Zufälligkeit in den Principien der Eintheilung dar; vermöge ihrer abhängigen, äußerlichen Wirklichkeit ſteht ſie in dem mannigfaltigen, für ſie gleichfalls gegebenen Zuſammenhange; daher ſich eine Menge Principien vorfinden, nach denen ſie ſich zu bequemen hat, in einer Reihe ihrer Formen alſo dem einen, in anderen Reihen aber anderen nachfolgt, und ebenſo wohl auch vermiſchte Zwitterweſen, die nach den verſchiedenen Seiten zugleich hingehen, hervorbringt. Hierdurch geſchieht es, daß an einer Reihe von Naturdingen Merkmale als ſehr bezeichnend und weſentlich hervortreten, die an andern unſcheinbar und zwecklos werden, und damit das Feſthalten an einem Eintheilungs-Princip dieſer Art unmöglich wird.

Die allgemeine Beſtimmtheit der empiriſchen Arten kann nur dieſe ſeyn, daß ſie von einander verſchieden überhaupt ſind, ohne entgegengeſetzt zu ſeyn. Die Disjunction des Begriffs iſt früher in ihrer Beſtimmtheit aufgezeigt worden; wenn die Beſonderheit ohne die negative Einheit des Begriffs als eine unmittelbare und gegebene aufgenommen wird, ſo bleibt der Unterſchied nur bei der früher betrachteten Reflexions-Form der Verſchiedenheit überhaupt. Die Aeußerlichkeit, in welcher der Begriff in der Natur vornehmlich iſt, bringt die gänzliche Gleichgültigkeit des Unterſchiedes herein; eine häufige Beſtimmung für die Eintheilung wird daher von der Zahl hergenommen.

So zufällig das Beſondere hier gegen das Allgemeine und daher die Eintheilung überhaupt iſt, ſo kann es einem Inſtincte der Vernunft zugeſchrieben werden, wenn man Eintheilungsgründe und Eintheilungen in dieſem Erkennen findet, welche, ſo weit ſinnliche Eigenſchaften es zulaſſen, ſich dem Begriffe gemäßer zeigen. Z. B. bei den Thieren werden die Freßwerkzeuge, Zähne und Klauen, als ein weitdurchgreifender Eintheilungsgrund in den Syſtemen gebraucht; ſie werden zunächſt nur als Seiten genommen, an denen ſich die Merkmale für den ſubjectiven Behuf des Erkennens leichter auszeichnen laſſen. In der That liegt aber in jenen Organen nicht nur ein Unterſcheiden, das einer äußern Reflexion zukommt, ſondern ſie ſind der Lebenspunct der animaliſchen Individualität, wo ſie ſich ſelbſt von dem Andern der ihr äußerlichen Natur als ſich auf ſich beziehende und von der Continuität mit Anderem ausſcheidende Einzelnheit ſetzt. — Bei der Pflanze machen die Befruchtungstheile denjenigen höchſten Punct des vegetabiliſchen Lebens aus, wodurch ſie auf den Uebergang in die Geſchlechts-Differenz, und damit in die individuelle Einzelnheit hindeutet. Das Syſtem hat ſich daher mit Recht für einen zwar nicht aus-, doch weitreichenden Eintheilungsgrund an dieſen Punct gewendet, und dadurch eine Beſtimmtheit zu Grunde gelegt, welche nicht bloß eine Beſtimmtheit für die äußerliche Reflexion zur Vergleichung, ſondern die höchſte an und für ſich iſt, deren die Pflanze fähig iſt.

3.
Der Lehrſatz.

1. Die dritte Stufe dieſes nach den Begriffsbeſtimmungen fortſchreitenden Erkennens iſt der Uebergang der Beſonderheit in die Einzelnheit; dieſe macht den Inhalt des Lehrſatzes aus. Was hier alſo zu betrachten iſt, iſt die ſich auf ſich beziehende Beſtimmtheit, der Unterſchied des Gegenſtandes in ſich ſelbſt, und die Beziehung der unterſchiedenen Beſtimmtheiten auf einander. Die Definition enthält nur Eine Beſtimmtheit, die Eintheilung die Beſtimmtheit gegen andere; in der Vereinzelung iſt der Gegenſtand in ſich ſelbſt aus einander gegangen. Inſofern die Definition beim allgemeinen Begriffe ſtehen bleibt, ſo iſt dagegen in den Lehrſätzen der Gegenſtand in ſeiner Realität, in den Bedingungen und Formen ſeines reellen Daſeyns erkannt. Mit der Definition zuſammen ſtellt er daher die Idee dar, welche die Einheit des Begriffs und der Realität iſt. Aber das hier betrachtete, noch im Suchen begriffene Erkennen kommt zu dieſer Darſtellung inſofern nicht, als die Realität bei demſelben nicht aus dem Begriffe hervorgeht, alſo ihre Abhängigkeit hiervon und damit die Einheit ſelbſt nicht erkannt wird.

Der Lehrſatz nun nach der angegebenen Beſtimmung iſt das eigentlich Synthetiſche eines Gegenſtandes, inſofern die Verhältniſſe ſeiner Beſtimmtheiten nothwendig, das iſt, in der innern Identität des Begriffes gegründet ſind. Das Synthetiſche in der Definition und Eintheilung iſt eine äußerlich aufgenommene Verknüpfung; das Vorgefundene wird in die Form des Begriffes gebracht, aber als vorgefunden wird der ganze Inhalt nur monſtrirt; der Lehrſatz aber ſoll demonſtrirt werden. Da dieſes Erkennen den Inhalt ſeiner Definitionen und der Eintheilungsbeſtimmungen nicht deducirt, ſo ſcheint es, könnte es ſich auch das Beweiſen derjenigen Verhältniſſe erſparen, welche die Lehrſätze ausdrücken, und ſich in dieſer Rückſicht gleichfalls mit der Wahrnehmung begnügen. Allein wodurch ſich das Erkennen von der bloßen Wahrnehmung und der Vorſtellung unterſcheidet, iſt die Form des Begriffes überhaupt, die es dem Inhalte ertheilt; dieß wird in der Definition und Eintheilung geleiſtet; aber da der Inhalt des Lehrſatzes von dem Begriffs-Momente der Einzelnheit herkommt, ſo beſteht er in Realitäts-Beſtimmungen, welche nicht mehr bloß die einfachen und unmittelbaren Begriffsbeſtimmungen zu ihrem Verhältniſſe haben; in der Einzelnheit iſt der Begriff zum Anderſſeyn, zur Realität, wodurch er Idee wird, übergegangen. Die Syntheſis, die im Lehrſatze enthalten iſt, hat ſomit nicht mehr die Form des Begriffs zu ihrer Rechtfertigung; ſie iſt eine Verknüpfung als von Verſchiedenen; die noch nicht damit geſetzte Einheit iſt daher erſt aufzuzeigen, das Beweiſen wird alſo hier dieſem Erkennen ſelbſt nothwendig.

Zunächſt bietet ſich hierbei nun die Schwierigkeit dar, beſtimmt zu unterſcheiden, welche von den Beſtimmungen des Gegenſtandes in die Definitionen aufgenommen werden können, oder aber in die Lehrſätze zu verweiſen ſind. Es kann hierüber kein Princip vorhanden ſeyn; ein ſolches ſcheint etwa darin zu liegen, daß das, was einem Gegenſtande unmittelbar zukomme, der Definition angehöre, von dem Uebrigen aber als einem Vermittelten die Vermittelung erſt aufzuzeigen ſey. Allein der Inhalt der Definition iſt ein beſtimmter überhaupt, und dadurch ſelbſt weſentlich ein vermittelter; er hat nur eine ſubjective Unmittelbarkeit, das heißt, das Subject macht einen willkürlichen Anfang, und läßt einen Gegenſtand als Vorausſetzung gelten. Indem dieß nun ein in ſich concreter Gegenſtand überhaupt iſt, und auch eingetheilt werden muß, ſo ergiebt ſich eine Menge von Beſtimmungen, welche ihrer Natur nach vermittelte ſind, und nicht durch ein Princip, ſondern nur nach ſubjectiver Beſtimmung als unmittelbare und unerwieſene angenommen werden. — Auch bei Euklid, welcher von jeher als der Meiſter in dieſer ſynthetiſchen Art des Erkennens mit Recht anerkannt worden, findet ſich unter dem Namen eines Axioms eine Vorausſetzung über die Parallel-Linien, welche man für des Beweiſes bedürftig gehalten, und den Mangel auf verſchiedene Weiſe zu ergänzen verſucht hat. In manchen anderen Lehrſätzen hat man Vorausſetzungen zu entdecken geglaubt, welche nicht unmittelbar hätten angenommen werden ſollen, ſondern zu beweiſen geweſen wären. Was jenes Axiom über die Parallel-Linien betrifft, ſo läßt ſich darüber bemerken, daß wohl darin gerade der richtige Sinn Euklids zu erkennen iſt, der das Element, ſo wie die Natur ſeiner Wiſſenſchaft genau gewürdigt hatte; der Beweis jenes Axioms wäre aus dem Begriffe der Parallel-Linien zu führen geweſen; aber ſolches Beweiſen gehört ſo wenig in ſeine Wiſſenſchaft, als die Deduction ſeiner Definitionen, Axiome und überhaupt ſeines Gegenſtandes, des Raums ſelbſt und der nächſten Beſtimmungen deſſelben, der Dimenſionen; — weil eine ſolche Deduction nur aus dem Begriffe geführt werden kann, dieſer aber außerhalb des Eigenthümlichen der euklidiſchen Wiſſenſchaft liegt, ſo ſind es für dieſelbe nothwendig Vorausſetzungen, relative Erſte.

Die Axiome, um derſelben bei dieſer Gelegenheit zu erwähnen, gehören zu derſelben Klaſſe. Sie pflegen mit Unrecht gewöhnlich als abſolut-Erſte genommen zu werden, als ob ſie an und für ſich keine Beweiſes bedürften. Wäre dieß in der That der Fall, ſo würden ſie bloße Tautologien ſeyn, da nur in der abſtracten Identität keine Verſchiedenheit ſtattfindet, alſo auch keine Vermittelung erforderlich iſt. Sind die Axiome aber mehr als Tautologien, ſo ſind ſie Sätze aus irgend einer andern Wiſſenſchaft, weil ſie für diejenige Wiſſenſchaft, der ſie als Axiome dienen, Vorausſetzungen ſeyn ſollen. Sie ſind daher eigentlich Lehrſätze, und zwar meiſt aus der Logik. Die Axiome der Geometrie ſind dergleichen Lemmen, logiſche Sätze, die ſich übrigens den Tautologien darum nähern, weil ſie nur die Größe betreffen und daher die qualitativen Unterſchiede in ihnen ausgelöſcht ſind; von dem Haupt-Axiome, dem rein quantitativen Schluſſe iſt oben die Rede geweſen. — Die Axiome bedürfen daher, ſo gut als die Definitionen und Eintheilungen, an und für ſich betrachtet eines Beweiſes, und werden nur darum nicht zu Lehrſätzen gemacht, weil ſie als relativ erſte für einen gewiſſen Standpunct als Vorausſetzungen angenommen werden.

In Anſehung des Inhaltes der Lehrſätze iſt nun der nähere Unterſchied zu machen, daß da derſelbe in einer Beziehung von Beſtimmtheiten der Realität des Begriffes beſteht, dieſe Beziehungen mehr oder weniger unvollſtändige und einzelne Verhältniſſe des Gegenſtandes, oder aber ein ſolches Verhältniß ſeyn können, das den ganzen Inhalt der Realität befaßt, und deſſen beſtimmte Beziehung ausdrückt. Die Einheit der vollſtändigen Inhaltsbeſtimmtheiten iſt aber dem Begriffe gleich; ein Satz, der ſie enthält, iſt daher ſelbſt wieder die Definition, aber die nicht nur den unmittelbar aufgenommenen, ſondern den in ſeine beſtimmten, realen Unterſchiede entwickelten Begriff, oder das vollſtändige Daſeyn deſſelben ausdrückt. Beides zuſammen ſtellt daher die Idee dar.

Wenn man die Lehrſätze einer ſynthetiſchen Wiſſenſchaft, und namentlich der Geometrie, näher vergleicht, ſo wird ſich dieſer Unterſchied zeigen, daß einige ihrer Lehrſätze nur einzelne Verhältniſſe des Gegenſtandes enthalten, andere aber ſolche Verhältniſſe, in welchen die vollſtändige Beſtimmtheit des Gegenſtandes ausgedrückt iſt. Es iſt eine ſehr oberflächliche Anſicht, wenn die ſämmtlichen Sätze an Werth einander gleichgeachtet werden, weil überhaupt jeder eine Wahrheit enthalte, und im formellen Gange, im Zuſammenhange des Beweiſens, gleich weſentlich ſey. Der Unterſchied in Anſehung des Inhalts der Lehrſätze hängt mit dieſem Gange ſelbſt auf’s Engſte zuſammen; einige weitere Bemerkungen über den letztern werden dazu dienen, jenen Unterſchied wie die Natur des ſynthetiſchen Erkennens näher aufzuhellen. Zunächſt iſt von jeher an der euklidiſchen Geometrie, welche als Repräſentant der ſynthetiſchen Methode, wovon ſie das vollkommenſte Muſter liefert, als Beiſpiel dienen ſoll, die Anordnung in der Folge der Lehrſätze angerühmt worden, wodurch für jeden Lehrſatz diejenigen Sätze, die zu ſeiner Conſtruction und Beweis erforderlich ſind, ſich immer ſchon als früher bewieſen vorfinden. Dieſer Umſtand betrifft die formelle Conſequenz; ſo wichtig dieſe iſt, ſo betrifft er doch mehr die äußerliche Anordnung der Zweckmäßigkeit, und hat für ſich keine Beziehung auf den weſentlichen Unterſchied von Begriff und Idee, in dem ein höheres Princip der Nothwendigkeit des Fortgangs liegt. — Die Definitionen, mit welchen angefangen wird, faſſen nämlich den ſinnlichen Gegenſtand als unmittelbar gegeben auf, und beſtimmen ihn nach ſeiner nächſten Gattung und ſpecifiſchen Differenz; welches gleichfalls die einfachen, unmittelbaren Beſtimmtheiten des Begriffs, die Allgemeinheit und Beſonderheit ſind, deren Verhältniß weiter nicht entwickelt iſt. Die anfänglichen Lehrſätze nun können ſelbſt ſich an nichts als ſolche unmittelbare Beſtimmungen halten, wie die in den Definitionen enthaltenen ſind; ingleichen kann ihre gegenſeitige Abhängigkeit zunächſt nur dieß Allgemeine betreffen, daß die eine durch die andere beſtimmt überhaupt iſt. So betreffen die erſten Sätze Euklid’s über die Dreiecke nur die Congruenz, d. h. wie viele Stücke in einem Dreiecke beſtimmt ſeyn müſſen, damit auch die übrigen Stücke eines und deſſelben Dreiecks, oder das Ganze beſtimmt überhaupt ſey. Daß zwei Dreiecke mit einander verglichen und die Congruenz auf das Decken geſetzt wird, iſt ein Umweg, deſſen die Methode bedarf, die das ſinnliche Decken ſtatt des Gedankens: Beſtimmtſeyn, gebrauchen muß. Sonſt für ſich betrachtet, enthalten jene Lehrſätze ſelbſt zwei Theile, deren der eine als der Begriff, der andere als die Realität, als das jenen zur Realität Vollendende angeſehen werden kann. Das vollſtändig Beſtimmende nämlich, z. B. die zwei Seiten und der eingeſchloſſene Winkel, iſt bereits das ganze Dreieck für den Verſtand: es bedarf zur vollſtändigen Beſtimmtheit deſſelben nichts weiter; die übrigen zwei Winkel und die dritte Seite iſt der Ueberfluß der Realität über die Beſtimmtheit des Begriffs. Was jene Lehrſätze daher thun, iſt eigentlich dieß, daß ſie das ſinnliche Dreieck, das allerdings dreier Seiten und dreier Winkel bedarf, auf die einfachſten Bedingungen reduciren; die Definition hatte nur der drei Linien überhaupt erwähnt, welche die ebene Figur einſchließen und zu einem Dreieck machen; ein Lehrſatz enthält erſt ausdrücklich das Beſtimmtſeyn der Winkel durch das Beſtimmtſeyn der Seiten, ſo wie die übrigen Lehrſätze die Abhängigkeit anderer dreier Stücke von dreien ſolchen Stücken. — Die völlige Beſtimmtheit aber der Größe des Dreiecks nach ſeinen Seiten in ſich ſelbſt enthält der pythagoräiſche Lehrſatz; dieſer iſt erſt die Gleichung der Seiten des Dreiecks, da die vorhergehenden Seiten es nur im Allgemeinen zu einer Beſtimmtheit ſeiner Stücke gegeneinander, nicht zu einer Gleichung bringen. Dieſer Satz iſt daher die vollkommene, reelle Definition des Dreiecks, nämlich zunächſt des rechtwinklichten, des in ſeinen Unterſchieden einfachſten und daher regelmäßigſten. — Euklid ſchließt mit dieſem Satze das erſte Buch, indem er in der That eine erreichte vollkommene Beſtimmtheit iſt. So beſchließt er auch das zweite, nachdem er vorher die mit größerer Ungleichheit behafteten, nicht rechtwinklichten Dreiecke auf das Gleichförmige zurückgeführt hat, mit der Reduction des Rektangels auf das Quadrat, — einer Gleichung zwiſchen dem ſich ſelbſt Gleichen, dem Quadrat, mit dem in ſich Ungleichen, dem Rechteck; ſo macht die Hypotenuſe, die dem rechten Winkel, dem ſich ſelbſt Gleichen entſpricht, im pythagoräiſchen Lehrſatze die eine Seite der Gleichung aus, und die andere das ſich Ungleiche, nämlich die zwei Katheten. Jene Gleichung zwiſchen dem Quadrat und dem Rechteck liegt der zweiten Definition des Kreiſes zu Grunde, — die wieder der pythagoräiſche Lehrſatz iſt, nur inſofern die Katheten als veränderliche Größen angenommen werden; die erſte Gleichung des Kreiſes iſt in eben dem Verhältniſſe der ſinnlichen Beſtimmtheit zur Gleichung, als die zwei verſchiedenen Definitionen der Kegelſchnitte überhaupt zu einander ſind.

Dieſer wahrhafte ſynthetiſche Fortgang iſt ein Uebergang vom Allgemeinen zur Einzelnheit, nämlich zum an und für ſich Beſtimmten oder der Einheit des Gegenſtandes in ſich ſelbſt, inſofern dieſer in ſeine weſentlichen reellen Beſtimmtheiten aus einander gegangen und unterſchieden worden iſt. Der ganz unvollkommene, gewöhnliche Fortgang aber in anderen Wiſſenſchaften pflegt zu ſeyn, daß der Anfang zwar von einem Allgemeinen gemacht wird, die Vereinzelung und Concretion deſſelben aber nur eine Anwendung des Allgemeinen auf anders woher hereinkommenden Stoff iſt; das eigentliche Einzelne der Idee iſt auf dieſe Weiſe eine empiriſche Zuthat.

Von welchem unvollkommnern oder vollkommnern Inhalte nun auch der Lehrſatz ſey, ſo muß er bewieſen werden. Er iſt ein Verhältniß von reellen Beſtimmungen, die nicht das Verhältniß von Begriffsbeſtimmungen haben; wenn ſie dieſes haben, wie es in den Sätzen, welche wir die zweiten oder reellen Definitionen genannt haben, aufgezeigt werden kann, ſo ſind dieſe eben darum einerſeits Definitionen, aber weil ihr Inhalt zugleich aus Verhältniſſen reeller Beſtimmungen, nicht bloß in dem Verhältniſſe eines Allgemeinen und der einfachen Beſtimmtheit beſteht, ſind ſie im Vergleich mit ſolcher erſten Definition auch des Beweiſes bedürftig und fähig. Als reelle Beſtimmtheiten haben ſie die Form gleichgültig beſtehender und verſchiedener; ſie ſind daher nicht unmittelbar eins; es iſt deswegen ihre Vermittelung aufzuzeigen. Die unmittelbare Einheit in der erſten Definition iſt die, nach welcher das Beſondere im Allgemeinen iſt.

2. Die Vermittelung, die jetzt näher zu betrachten iſt, kann nun einfach ſeyn, oder durch mehrere Vermittelungen hindurch gehen. Die vermittelnden Glieder hängen mit den zu vermittelnden zuſammen; aber indem es nicht der Begriff iſt, aus welchem die Vermittelung und der Lehrſatz in dieſem Erkennen zurückgeführt wird, dem überhaupt der Uebergang ins Entgegengeſetzte fremd iſt, ſo müſſen die vermittelnden Beſtimmungen, ohne den Begriff des Zuſammenhangs, als ein vorläufiges Material zum Gerüſte des Beweiſes irgendwoher herbeigebracht werden. Dieſe Vorbereitung in die Conſtruction.

Unter den Beziehungen des Inhalts des Lehrſatzes, die ſehr mannigfaltig ſeyn können, müſſen nun nur diejenigen angeführt und vorſtellig gemacht werden, welche dem Beweiſe dienen. Dieſe Herbeiſchaffung des Materials hat erſt ihren Sinn in dieſem; an ihr ſelbſt erſcheint ſie als blind und ohne Begriff. Hintennach beim Beweiſe ſieht man wohl ein, daß es zweckmäßig war, an der geometriſchen Figur z. B. ſolche weitere Linien zu ziehen, als die Conſtruction angiebt; aber bei dieſer ſelbſt muß man blindlings gehorchen; für ſich iſt dieſe Operation daher ohne Verſtand, da der Zweck, der ſie leitet, noch nicht ausgeſprochen iſt. — Es iſt gleichgültig, ob es ein eigentlicher Lehrſatz oder eine Aufgabe iſt, zu deren Behuf ſie vorgenommen wird; ſo wie ſie zunächſt vor dem Beweis erſcheint, iſt ſie etwas aus der im Lehrſatze oder der Aufgabe gegebenen Beſtimmung nicht Abgeleitetes, daher ein ſinnloſes Thun für denjenigen, der den Zweck noch nicht kennt, immer aber ein nur von einem äußerlichen Zweck dirigirtes.

Dieſes zuerſt noch Geheime kommt im Beweiſe zum Vorſchein. Er enthält, wie angegeben, die Vermittelung deſſen, was im Lehrſatze als verbunden ausgeſprochen iſt; durch dieſe Vermittelung erſcheint dieſe Verknüpfung erſt als eine nothwendige. Wie die Conſtruction für ſich ohne die Subjectivität des Begriffes iſt, ſo iſt der Beweis ein ſubjectives Thun ohne Objectivität. Weil nämlich die Inhaltsbeſtimmungen des Lehrſatzes nicht zugleich als Begriffsbeſtimmungen geſetzt ſind, ſondern als gegebene gleichgültige Theile, die in mannigfaltigen äußerlichen Verhältniſſen zu einander ſtehen, ſo iſt es nun der formelle, äußerliche Begriff, in welchem ſich die Nothwendigkeit ergiebt. Der Beweis iſt nicht eine Genesis des Verhältniſſes, welches den Inhalt des Lehrſatzes ausmacht; die Nothwendigkeit iſt nur für die Einſicht, und der ganze Beweis zum ſubjectiven Behufe des Erkennens. Er iſt deswegen überhaupt eine äußerliche Reflexion, die von Außen nach Innen geht, d. h. aus äußerlichen Umſtänden auf die innere Beſchaffenheit des Verhältniſſes ſchließt. Die Umſtände, welche die Conſtruction dargeſtellt hat, ſind eine Folge der Natur des Gegenſtandes, hier werden ſie umgekehrt zum Grunde und zu den vermittelnden Verhältniſſen gemacht. Der Medius Terminus, das Dritte, worin die im Lehrſatze verbundenen ſich in ihrer Einheit darſtellen, und welches den Nerv des Beweiſes abgiebt, iſt deswegen nur ein ſolches, woran dieſe Verknüpfung erſcheint und äußerlich iſt. Weil die Folge, der dieſes Beweiſen nachgeht, vielmehr die umgekehrte der Natur der Sache iſt, ſo iſt das, was als Grund darin angeſehen wird, ein ſubjectiver Grund, woraus nur für das Erkennen die Natur der Sache hervorgeht.

Aus dem Bisherigen erhellt die nothwendige Grenze dieſes Erkennens, welche ſehr häufig verkannt worden iſt. Das glänzende Beiſpiel der ſynthetiſchen Methode iſt die geometriſche Wiſſenſchaft, — aber unpaſſender Weiſe iſt ſie auch auf andere Wiſſenſchaften, ſelbſt auf die Philoſophie angewendet worden. Die Geometrie iſt eine Wiſſenſchaft der Größe, daher iſt das formelle Schließen ihr auf’s Paſſendſte angehörig; da die bloß quantitative Beſtimmung in ihr betrachtet und von der qualitativen abſtrahirt wird, ſo kann ſie ſich innerhalb der formellen Identität, der begriffloſen Einheit halten, welche die Gleichheit iſt, und der äußerlichen abſtrahirenden Reflexion angehört. Der Gegenſtand, die Raumbeſtimmungen, ſind ſchon ſolche abſtracte Gegenſtände, die für den Zweck zubereitet worden, eine vollkommene endliche, äußerliche Beſtimmtheit zu haben. Dieſe Wiſſenſchaft hat durch ihren abſtracten Gegenſtand einerſeits das Erhabene, daß in dieſen leeren ſtillen Räumen die Farbe ausgelöſcht, ebenſo die anderen ſinnlichen Eigenſchaften verſchwunden ſind, daß ferner jedes andere Intereſſe darin ſchweigt, das an die lebendige Individualität näher anſpricht. Andererſeits iſt der abſtracte Gegenſtand noch der Raum, — ein unſinnlich Sinnliches; die Anſchauung iſt in ihre Abſtraction erhoben, er iſt eine Form der Anſchauung, aber iſt noch Anſchauung, — ein Sinnliches, das Außereinander der Sinnlichkeit ſelbſt; ihre reine Begriffloſigkeit. — Man hat in neueren Zeiten genug von der Vortrefflichkeit der Geometrie aus dieſer Seite ſprechen gehört; — man hat dieß, daß ſie ſinnliche Anſchauung zum Grunde liegen habe, für ihren höchſten Vorzug erklärt, und gemeint, ihre hohe Wiſſenſchaftlichkeit gründe ſich ſogar hierauf, und ihre Beweiſe beruhen auf der Anſchauung. Es iſt gegen dieſe Flachheit die flache Erinnerung zu machen nöthig, daß durch das Anſchauen keine Wiſſenſchaft zu Stande komme, ſondern allein durchs Denken. Die Anſchaulichkeit, welche die Geometrie durch ihren noch ſinnlichen Stoff hat, giebt ihr allein diejenige Seite der Evidenz, welche das Sinnliche überhaupt für den gedankenloſen Geiſt hat. Kläglicherweiſe daher hat man dieſe Sinnlichkeit des Stoffs ihr für einen Vorzug angerechnet, welche vielmehr die Niedrigkeit ihres Standpunkts bezeichnet. Nur der Abſtraction ihres ſinnlichen Gegenſtandes verdankt ſie ihre Fähigkeit zu einer höhern Wiſſenſchaftlichkeit, und den großen Vorzug vor denjenigen Sammlungen von Kenntniſſen, die man gleichfalls Wiſſenſchaften zu nennen beliebt, und die concretes, empfindbares Sinnliches zu ihrem Inhalte haben, und nur durch die Ordnung, die ſie hinein zu bringen ſuchen, eine ferne Ahnung und Anſpielung an die Forderungen des Begriffes zeigen.

Dadurch, daß der Raum der Geometrie die Abſtraction und Leere des Außereinanderſeyns iſt, iſt es nur möglich, daß in ſeine Unbeſtimmtheit die Figurationen ſo hineingezeichnet werden, daß ihre Beſtimmungen in feſter Ruhe außereinander verbleiben und keinen Uebergang in das Entgegengeſetzte in ſich haben. Ihre Wiſſenſchaft iſt dadurch einfache Wiſſenſchaft des Endlichen, das nach der Größe verglichen wird, und deſſen Einheit die äußerliche, die Gleichheit, iſt. Aber indem nun bei dieſem Figuriren zugleich von verſchiedenen Seiten und Principien ausgegangen wird, und die verſchiedenen Figuren für ſich entſtehen, ſo zeigt ſich bei ihrer Vergleichung doch auch die qualitative Ungleichheit und Incommenſurabilität. Die Geometrie wird an derſelben über die Endlichkeit, in der ſie ſo geregelt und ſicher fortſchritt, zur Unendlichkeit getrieben, — zum Gleichſetzen ſolcher, die qualitativ verſchieden ſind. Hier hört ihre Evidenz von der Seite auf, als ihr ſonſt die feſte Endlichkeit zu Grunde liegt, und ſie nichts mit dem Begriffe und deſſen Erſcheinung, jenem Uebergange, zu thun hat. Die endliche Wiſſenſchaft iſt hier an ihre Grenze gekommen, da die Nothwendigkeit und Vermittelung des Synthetiſchen nicht mehr nur in der poſitiven Identität, ſondern in der negativen gegründet iſt.

Wenn die Geometrie, wie die Algebra bei ihren abſtracten, bloß verſtändigen Gegenſtänden bald auf ihre Grenze ſtößt, ſo zeigt ſich die ſynthetiſche Methode für andere Wiſſenſchaften von Anfang an um ſo ungenügender, am ungenügendſten aber bei der Philoſophie. In Anſehung der Definition und Eintheilung hat ſich das Gehörige ſchon ergeben; hier wäre nur noch vom Lehrſatze und Beweiſe zu ſprechen, aber außer der Vorausſetzung der Definition und Eintheilung, die den Beweis ſchon fordert und vorausſetzt, beſteht ferner in der Stellung derſelben überhaupt zu den Lehrſätzen das Ungenügende. Dieſe Stellung iſt vornehmlich merkwürdig bei den Erfahrungswiſſenſchaften, wie z. B. die Phyſik, wenn ſie ſich die Form von ſynthetiſchen Wiſſenſchaften geben wollen. Der Weg iſt dann dieſer, daß die Reflexions-Beſtimmungen von beſonderen Kräften, oder ſonſt innerlichen und weſenhaften Formen, welche aus der Weiſe, die Erfahrung zu analyſiren, hervorgehen, und die ſich nur als Reſultate rechtfertigen können, an die Spitze geſtellt werden müſſen, um an denſelben die allgemeine Grundlage zu haben, welche nachher auf das Einzelne angewendet und in ihm aufgezeigt wird. Indem dieſe allgemeinen Grundlagen für ſich keinen Halt haben, ſo ſoll man ſie ſich einſtweilen gefallen laſſen; an den abgeleiteten Folgerungen aber merkt man erſt, daß dieſe den eigentlichen Grund jener Grundlagen ausmachen. Es zeigt ſich die ſogenannte Erklärung, und der Beweis des in Lehrſätze gebrachten Concreten theils als eine Tautologie, theils als eine Verwirrung des wahres Verhältniſſes, theils auch, daß dieſe Verwirrung dazu diente, die Täuſchung des Erkennens zu verſtecken, das Erfahrungen einſeitig aufgenommen hat, wodurch es allein ſeine einfachen Definitionen und Grundſätze erlangen konnte, und die Widerlegung aus der Erfahrung damit beſeitigt, daß es dieſe nicht in ihrer concreten Totalität, ſondern als Beiſpiel und zwar nach der für die Hypotheſen und Theorie brauchbaren Seite vornimmt und gelten läßt. In dieſer Unterordnung der concreten Erfahrung unter die vorausgeſetzten Beſtimmungen wird die Grundlage der Theorie verdunkelt und nur nach der Seite gezeigt, welche der Theorie gemäß iſt; ſo wie es überhaupt dadurch ſehr erſchwert wird, die concreten Wahrnehmungen unbefangen für ſich zu betrachten. Nur indem man den ganzen Verlauf auf den Kopf ſtellt, erhält das Ganze das rechte Verhältniß, worin ſich der Zuſammenhang von Grund und Folge, und die Richtigkeit der Umbildung der Wahrnehmung in Gedanken überſehen läßt. Eine der Hauptſchwierigkeiten beim Studium ſolcher Wiſſenſchaften iſt daher, in ſie hineinzukommen; was nur dadurch geſchehen kann, daß man ſich die Vorausſetzungen blindlings gefallen läßt, und ohne weiter einen Begriff, ſelbſt oft kaum eine beſtimmte Vorſtellung, höchſtens ein verworrenes Bild der Phantaſie davon ſich machen zu können, die Beſtimmungen von den angenommenen Kräften, Materien und deren hypothetiſchen Geſtaltungen, Richtungen und Drehungen vor der Hand ins Gedächtniß einprägt. Wenn man die Nothwendigkeit und den Begriff der Vorausſetzungen, um ſie anzunehmen und gelten zu laſſen, fordert, ſo iſt nicht über den Anfang hinauszukommen.

Ueber das Unpaſſende der Anwendung der ſynthetiſchen Methode auf die ſtreng analytiſche Wiſſenſchaft iſt oben die Gelegenheit geweſen, zu ſprechen. Durch Wolf iſt dieſe Anwendung auf alle mögliche Arten von Kenntniſſen ausgedehnt worden, die er zur Philoſophie und Mathematik zog, — Kenntniſſe, die zum Theil ganz analytiſcher Natur, zum Theil auch einer zufälligen, und bloß handwerkmäßigen Art ſind. Der Contraſt eines ſolchen leicht faßlichen, ſeiner Natur nach keiner ſtrengen und wiſſenſchaftlichen Behandlung fähigen Stoffes mit dem ſteifen wiſſenſchaftlichen Umwege und Ueberzuge hat für ſich ſelbſt das Ungeſchickte ſolcher Anwendung gezeigt und um den Credit gebracht *). Den Glauben an die Tauglichkeit und Weſentlichkeit dieſer Methode für eine wiſſenſchaftliche Strenge in der Philoſophie konnte jedoch jener Mißbrauch nicht benehmen; Spinoza’s Beiſpiel in Darſtellung ſeiner Philoſophie hat noch lange als ein Muſter gegolten. In der That aber iſt durch Kant und Jacobi die ganze Weiſe der vormaligen Metaphyſik und damit ihre Methode über den Haufen geworfen worden. Kant hat von dem Inhalte jener Metaphyſik nach ſeiner Weiſe gezeigt, daß derſelbe durch die ſtrenge Demonſtration auf Antinomien, deren übrige Beſchaffenheit an den gehörigen Orten beleuchtet worden iſt, führe; aber auf die Natur dieſes Demonſtrirens ſelbſt, das an einen endlichen Inhalt geknüpft iſt, hat er nicht reflectirt; das eine aber muß mit dem andern fallen. In ſeinen Anfangsgründen der Naturwiſſenſchaft hat er ſelbſt ein Beiſpiel gegeben, eine Wiſſenſchaft, welche er auf dieſe Weiſe der Philoſophie zu vindiciren gedachte, als eine Reflexions-Wiſſenſchaft und in der Methode derſelben zu behandeln. — Wenn Kant mehr der Materie nach die vormalige Metaphyſik angriff, ſo hat ſie Jacobi vornehmlich von Seiten ihrer Weiſe zu demonſtriren angegriffen, und den Punkt, worauf es ankommt, auf’s Lichteſte und Tiefſte herausgehoben, daß nämlich ſolche Methode der Demonſtration ſchlechthin in den Kreis der ſtarren Nothwendigkeit des Endlichen gebunden iſt, und die Freiheit, das iſt der Begriff, und damit Alles, was wahrhaft iſt, jenſeits derſelben liegt, und von ihr unerreichbar iſt. — Nach dem Kantiſchen Reſultate iſt es der eigenthümliche Stoff der Metaphyſik, der ſie in Widerſprüche führt, und das Unzureichende des Erkennens beſteht in ſeiner Subjectivität, nach dem Jacobiſchen iſt es die Methode und ganze Natur des Erkennens ſelbſt, das nur einen Zuſammenhang der Bedingtheit und Abhängigkeit erfaßt, und daher dem, was an und für ſich und das abſolut-Wahre iſt, ſich unangemeſſen zeigt. In der That, indem das Princip der Philoſophie der unendliche freie Begriff iſt, und aller ihr Inhalt allein auf demſelben beruht, ſo iſt die Methode der begriffloſen Endlichkeit nicht auf jenen paſſend. Die Syntheſe und Vermittlung dieſer Methode, das Beweiſen bringt es nicht weiter als zu einer der Freiheit gegenüberſtehenden Nothwendigkeit, — nämlich einer Identität des Abhängigen, welche nur an ſich iſt, es ſey, daß ſie als innerliche oder als äußerliche aufgefaßt werde, worin dasjenige, was die Realität daran ausmacht, das Unterſchiedene und in die Exiſtenz Getretene ſchlechthin ein ſelbſtſtändig-Verſchiedenes und daher Endliches bleibt. Darin kommt alſo dieſe Identität ſelbſt nicht zur Exiſtenz und bleibt das nur Innerliche, oder ſie iſt das nur Aeußerliche, indem ihr beſtimmter Inhalt ihr gegeben iſt; — in beiden Anſichten iſt ſie ein Abſtractes und hat die reelle Seite nicht an ihr ſelbſt, und iſt nicht als an und für ſich beſtimmte Identität geſetzt; der Begriff, um welchen es allein zu thun, und der das an und für ſich Unendliche iſt, iſt ſomit aus dieſem Erkennen ausgeſchloſſen.

*) Z. B. in Wolf’s Anfangsgründen der Baukunſt heißt der achte Lehrſatz: Ein Fenſter muß ſo breit ſeyn, daß zwei Perſonen gemächlich neben einander in demſelben liegen können.

Beweis: Denn man pflegt ſich öfters mit einer andern Perſon an das Fenſter zu legen, um ſich umzuſehen. Da nun der Baumeiſter den Hauptabſichten des Bauherrn in Allem ein Genüge thun ſoll (§. 1.), ſo muß er auch das Fenſter ſo breit machen, daß zwei Perſonen gemächlich neben einander in demſelben liegen können. Wie z. E.

Deſſelben Anfangsgründe der Fortifikation, der zweite Lehrſatz: Wenn der Feind in der Nähe campirt, und man vermuthet, er werde durch einen Succurs die Feſtung zu entſetzen ſuchen: ſo muß eine Circumvallations-Linie um die ganze Feſtung herumgezogen werden.

Beweis. Die Circumvallations-Linien hindern, daß Niemand in das Lager von Außen hineindringen kann (§. 311.). Diejenigen aber, welche die Feſtung entſetzen wollen, verlangen in das Lager von Außen hineinzudringen. Wenn man ſie alſo abhalten will, muß eine Circumvallations-Linie um das Lager gezogen werden. Derowegen wenn der Feind in der Nähe campiret, und man vermuthet, er werde durch Succurs die Feſtung zu entſetzen ſuchen, ſo muß das Lager in Circumvallations-Linien eingeſchloſſen werden. W. z. E.

In dem ſynthetiſchen Erkennen gelangt alſo die Idee nur inſoweit zu ihrem Zweck, daß der Begriff nach ſeinen Momenten der Identität und den realen Beſtimmungen, oder nach der Allgemeinheit und den beſonderen Unterſchieden, — ferner auch als Identität, welche Zuſammenhang und Abhängigkeit des Verſchiedenen iſt, — für den Begriff wird. Aber dieſer ſein Gegenſtand iſt ihm nicht angemeſſen; denn der Begriff wird nicht als Einheit ſeiner mit ſich ſelbſt in ſeinem Gegenſtande oder ſeiner Realität; in der Nothwendigkeit iſt ſeine Identität für ihn, in der aber nicht ſelbſt die Beſtimmtheit, ſondern als ein ihr äußerlicher, d. i. nicht durch den Begriff beſtimmter Stoff iſt, in welchem er alſo nicht ſich ſelbſt erkennt. Ueberhaupt iſt alſo der Begriff nicht für ſich, nach ſeiner Einheit nicht zugleich an und für ſich beſtimmt. Die Idee erreicht deswegen in dieſem Erkennen die Wahrheit noch nicht wegen der Unangemeſſenheit des Gegenſtandes zu dem ſubjectiven Begriffe. — Aber die Sphäre der Nothwendigkeit iſt die höchſte Spitze des Seyns und der Reflexion; ſie geht an und für ſich ſelbſt in die Freiheit des Begriffes, die innere Identität geht in ihre Manifeſtation, die der Begriff als Begriff iſt, über. Wie dieſer Uebergang aus der Sphäre der Nothwendigkeit in den Begriff an ſich geſchieht, iſt bei Betrachtung der erſtern gezeigt worden, ſo wie er auch als die Geneſis des Begriffs zu Anfang dieſes Buchs ſich dargeſtellt hat. Hier hat die Nothwendigkeit die Stellung, die Realität oder der Gegenſtand des Begriffes zu ſeyn, wie auch der Begriff, in den ſie übergeht, nunmehr als Gegenſtand deſſelben iſt. Aber der Uebergang ſelbſt iſt derſelbe. Er iſt auch hier nur erſt an ſich und liegt noch außer dem Erkennen in unſerer Reflexion, d. h. iſt deſſen noch innere Nothwendigkeit ſelbſt. Nur das Reſultat iſt für ihn. Die Idee, inſofern der Begriff nun für ſich der an und für ſich beſtimmte iſt, iſt die praktiſche Idee, das Handeln.

B.
Die Idee des Guten.

Indem der Begriff, welcher Gegenſtand ſeiner ſelbſt iſt, an und für ſich beſtimmt iſt, iſt das Subject ſich als Einzelnes beſtimmt. Er hat als Subjectives wieder die Vorausſetzung eines an ſich-ſeyenden Anderſſeyns; er iſt der Trieb, ſich zu realiſiren, der Zweck, der ſich durch ſich ſelbſt in der objectiven Welt Objectivität geben und ſich ausführen will. In der theoretiſchen Idee ſteht der ſubjective Begriff, als das Allgemeine, an- und für ſich Beſtimmungs-loſe, der objectiven Welt entgegen, aus der er ſich den beſtimmten Inhalt und die Erfüllung nimmt. In der praktiſchen Idee aber ſteht er als Wirkliches dem Wirklichen gegenüber; die Gewißheit ſeiner ſelbſt, die das Subject in ſeinem An- und Für-ſich-Beſtimmtſeyn hat, iſt aber eine Gewißheit ſeiner Wirklichkeit und der Unwirklichkeit der Welt; nicht nur das Anderſſeyn derſelben als abſtracte Allgemeinheit iſt ihm das Nichtige, ſondern deren Einzelnheit und die Beſtimmungen ihrer Einzelnheit. Die Objectivität hat das Subject hier ſich ſelbſt vindicirt; ſeine Beſtimmtheit in ſich iſt das Objective, denn es iſt die Allgemeinheit, welche ebenſo wohl ſchlechthin beſtimmt iſt; die vorhin objective Welt iſt dagegen nur noch ein Geſetztes, ein unmittelbar auf mancherlei Weiſe Beſtimmtes, aber das, weil es nur unmittelbar beſtimmt iſt, der Einheit des Begriffes in ſich entbehrt, und für ſich nichtig iſt.

Dieſe in dem Begriffe enthaltene, ihm gleiche, und die Forderung der einzelnen äußerlichen Wirklichkeit in ſich ſchließende Beſtimmtheit iſt das Gute. Es tritt mit der Würde auf, abſolut zu ſeyn, weil es die Totalität des Begriffes in ſich, das Objective zugleich in der Form der freien Einheit und Subjectivität iſt. Dieſe Idee iſt höher als die Idee des betrachteten Erkennens, denn ſie hat nicht nur die Würde des Allgemeinen, ſondern auch des ſchlechthin Wirklichen. — Sie iſt Trieb, inſofern dieſes Wirkliche noch ſubjectiv, ſich ſelbſt ſetzend iſt, nicht die Form zugleich der unmittelbaren Vorausſetzung hat; ihr Trieb, ſich zu realiſiren, iſt eigentlich nicht, ſich Objectivität zu geben, dieſe hat ſie an ſich ſelbſt, ſondern nur dieſe leere Form der Unmittelbarkeit. — Die Thätigkeit des Zwecks iſt daher nicht gegen ſich gerichtet, um eine gegebene Beſtimmung in ſich aufzunehmen und ſich zu eigen zu machen, ſondern vielmehr die eigene Beſtimmung zu ſetzen, und ſich vermittelſt des Aufhebens der Beſtimmungen der äußerlichen Welt die Realität in Form äußerlicher Wirklichkeit zu geben. — Die Willensidee hat als das Selbſtbeſtimmende für ſich den Inhalt in ſich ſelbſt. Dieſer iſt nun zwar beſtimmter Inhalt, und inſofern ein Endliches und Beſchränktes; die Selbſtbeſtimmung iſt weſentlich Beſonderung, da die Reflexion des Willens in ſich als negative Einheit überhaupt auch Einzelnheit im Sinne des Ausſchließens und des Vorausſetzens eines Andern iſt. Die Beſonderheit des Inhalts iſt jedoch zunächſt unendlich durch die Form des Begriffs, deſſen eigene Beſtimmtheit er iſt, und der in ihm die negative Identität ſeiner mit ſich ſelbſt, hiermit nicht nur ein Beſonderes, ſondern ſeine unendliche Einzelnheit hat. Die erwähnte Endlichkeit des Inhalts in der praktiſchen Idee iſt damit eins und daſſelbe, daß ſie zunächſt noch unausgeführte Idee iſt; der Begriff iſt für ihn das An- und Fürſichſeyende; er iſt hier die Idee in der Form der für ſich ſelbſt ſeyenden Objectivität; einestheils iſt das Subjective darum nicht mehr nur ein Geſetztes, Willkürliches oder Zufälliges, ſondern ein Abſolutes; aber anderntheils hat dieſe Form der Exiſtenz, das Fürſichſeyn, noch nicht auch die des Anſichſeyns. Was ſo der Form als ſolcher nach als Gegenſatz erſcheint, erſcheint an der zur einfachen Identität reflectirten Form des Begriffes, d. i. am Inhalt, als einfache Beſtimmtheit deſſelben; das Gute, ob zwar an und für ſich geltend, iſt dadurch irgend ein beſonderer Zweck, der aber durch die Realiſirung nicht erſt ſeine Wahrheit erhalten ſoll, ſondern ſchon für ſich das Wahre iſt.

Der Schluß der unmittelbaren Realiſirung ſelbſt bedarf hier keiner nähern Ausführung; er iſt ganz nur der oben betrachtete Schluß der äußerlichen Zweckmäßigkeit; nur der Inhalt macht den Unterſchied aus. In der äußerlichen als der formellen Zweckmäßigkeit war er ein unbeſtimmter endlicher Inhalt überhaupt, hier iſt er zwar auch ein endlicher, aber als ſolcher zugleich abſolut geltender. Aber in Anſehung des Schlußſatzes, des ausgeführten Zwecks, tritt ein weiterer Unterſchied ein. Der endliche Zweck kommt in ſeiner Realiſirung ebenſo ſehr nur bis zum Mittel; da er nicht in ſeinem Anfange ſchon an und für ſich beſtimmter Zweck iſt, bleibt er auch als ausgeführt ein ſolches, das nicht an und für ſich iſt. Iſt das Gute auch wieder als ein Endliches fixirt, und weſentlich ein ſolches, ſo kann es auch, ſeiner innerlichen Unendlichkeit unerachtet, dem Schickſale der Endlichkeit nicht entgehen; — ein Schickſal, das in mehreren Formen erſcheint. Das ausgeführte Gute iſt gut durch das, was es ſchon im ſubjectiven Zweck, in ſeiner Idee iſt; die Ausführung giebt ihm ein äußerliches Daſeyn; aber da dieß Daſeyn nur beſtimmt iſt als die an und für ſich nichtige Aeußerlichkeit, ſo hat das Gute in ihr nur ein zufälliges, zerſtörbares Daſeyn, nicht eine ſeiner Idee entſprechende Ausführung erreicht. — Ferner da es ſeinem Inhalte nach ein Beſchränktes iſt, ſo giebt es auch des Guten mehrerlei; das exiſtirende Gute iſt nicht nur der Zerſtörung durch äußerliche Zufälligkeit und durch das Böſe unterworfen, ſondern durch die Colliſion und den Widerſtreit des Guten ſelbſt. Von Seiten der ihm vorausgeſetzten objectiven Welt, in deren Vorausſetzung die Subjectivität und Endlichkeit des Guten beſteht, und die als eine andere ihren eigenen Gang geht, iſt ſelbſt die Ausführung des Guten Hinderniſſen, ja ſogar der Unmöglichkeit ausgeſetzt. Das Gute bleibt ſo ein Sollen; es iſt an und für ſich, aber das Seyn als die letzte, abſtracte Unmittelbarkeit bleibt gegen daſſelbe auch als ein Nichtſeyn beſtimmt. Die Idee des vollendeten Guten iſt zwar ein abſolutes Poſtulat, aber mehr nicht als ein Poſtulat, d. i. das Abſolute mit der Beſtimmtheit der Subjectivität behaftet. Es ſind noch die zwei Welten im Gegenſatze, die eine ein Reich der Subjectivität in den reinen Räumen des durchſichtigen Gedankens, die andere ein Reich der Objectivität in dem Elemente einer äußerlich mannigfaltigen Wirklichkeit, die ein unaufgeſchloſſenes Reich der Finſterniß iſt. Die vollſtändige Ausbildung des unaufgelöſten Widerſpruchs, jenes abſoluten Zwecks, dem die Schranke dieſer Wirklichkeit unüberwindlich gegenüberſteht, iſt in der Phänomenologie des Geiſtes S. 453 ff. näher betrachtet worden. — Indem die Idee das Moment der vollkommenen Beſtimmtheit in ſich enthält, ſo hat der andere Begriff, zu dem der Begriff ſich in ihr verhält, in ſeiner Subjectivität zugleich das Moment eines Objects; die Idee tritt daher hier in die Geſtalt des Selbſtbewußtſeyns, und trifft nach dieſer einen Seite mit deſſen Darſtellung zuſammen.

Was aber der praktiſchen Idee noch mangelt, iſt das Moment des eigentlichen Bewußtſeyns ſelbſt, das nämlich das Moment der Wirklichkeit im Begriffe für ſich die Beſtimmung des äußerlichen Seyns erreicht hätte. — Dieſer Mangel kann auch ſo betrachtet werden, daß der praktiſchen Idee noch das Moment der theoretiſchen fehlt. In der letztern nämlich ſteht auf der Seite des ſubjectiven, vom Begriffe in ſich angeſchaut werdenden Begriffs nur die Beſtimmung der Allgemeinheit; das Erkennen weiß ſich nur als Auffaſſen, als die für ſich ſelbſt unbeſtimmte Identität des Begriffs mit ſich ſelbſt; die Erfüllung, d. i. die an und für ſich beſtimmte Objectivität iſt ihr ein Gegebenes, und das wahrhaft-Seyende die unabhängig vom ſubjectiven Setzen vorhandene Wirklichkeit. Der praktiſchen Idee dagegen gilt dieſe Wirklichkeit, die ihr zugleich als unüberwindliche Schranke gegenüberſteht, als das an und für ſich Nichtige, das erſt ſeine wahrhafte Beſtimmung und einzigen Werth durch die Zwecke des Guten erhalten ſolle. Der Wille ſteht daher der Erreichung ſeines Ziels nur ſelbſt im Wege dadurch, daß er ſich von dem Erkennen trennt, und die äußerliche Wirklichkeit für ihn nicht die Form des wahrhaft-Seyenden erhält; die Idee des Guten kann daher ihre Ergänzung allein in der Idee des Wahren finden.

Sie macht aber dieſen Uebergang durch ſich ſelbſt. In dem Schluſſe des Handelns iſt die eine Prämiſſe die unmittelbare Beziehung des guten Zweckes auf die Wirklichkeit, deren er ſich bemächtigt und in der zweiten Prämiſſe als äußerliches Mittel gegen die äußerliche Wirklichkeit richtet. Das Gute iſt für den ſubjectiven Begriff das Objective; die Wirklichkeit in ihrem Daſeyn ſteht ihm nur inſofern als die unüberwindliche Schranke gegenüber, als ſie noch die Beſtimmung unmittelbaren Daſeyns, nicht eines Objectiven nach dem Sinne des An- und Fürſichſeyns hat; ſie iſt vielmehr entweder das Böſe oder Gleichgültige, nur Beſtimmbare, welches ſeinen Werth nicht in ſich ſelbſt hat. Dieſes abſtracte Seyn, das dem Guten in der zweiten Prämiſſe gegenüberſteht, hat aber die praktiſche Idee bereits ſelbſt aufgehoben; die erſte Prämiſſe ihres Handelns iſt die unmittelbare Objectivität des Begriffes, wonach der Zweck ohne allen Widerſtand ſich der Wirklichkeit mittheilt, und in einfacher, identiſcher Beziehung mit ihr iſt. Es ſind inſofern alſo nur die Gedanken ihrer beiden Prämiſſen zuſammen zu bringen. Zu dem, was in der erſten von dem objectiven Begriffe unmittelbar ſchon vollbracht iſt, kommt in der zweiten zunächſt nur dieß hinzu, daß es durch Vermittelung, hiermit für ihn geſetzt wird. Wie nun in der Zweckbeziehung überhaupt der angeführte Zweck zwar auch wieder nur ein Mittel, aber umgekehrt das Mittel auch der ausgeführte Zweck iſt, ſo iſt gleichfalls in dem Schluſſe des Guten die zweite Prämiſſe ſchon unmittelbar in der erſten an ſich vorhanden; allein dieſe Unmittelbarkeit iſt nicht hinreichend, und die zweite wird ſchon für das erſte poſtulirt; — die Ausführung des Guten gegen eine gegenüberſtehende andere Wirklichkeit iſt die Vermittelung, welche weſentlich für die unmittelbare Beziehung und das Verwirklichtſeyn des Guten nothwendig iſt. Denn ſie iſt nur die erſte Negation oder das Anderſſeyn des Begriffs, eine Objectivität, welche ein Verſenktſeyn des Begriffs in die Aeußerlichkeit wäre; die zweite iſt das Aufheben dieſes Anderſſeyns, wodurch die unmittelbare Ausführung des Zwecks erſt Wirklichkeit des Guten als des für ſich ſeyenden Begriffes wird, indem er darin identiſch mit ſich ſelbſt, nicht mit einem Andern, hiermit allein als freier geſetzt wird. Wenn nun der Zweck des Guten dadurch doch nicht ausgeführt ſeyn ſollte, ſo iſt dieß ein Rückfall des Begriffs in den Standpunct, den der Begriff vor ſeiner Thätigkeit hat, — den Standpunct der als nichtig beſtimmten und doch als reell vorausgeſetzten Wirklichkeit; — ein Rückfall, welcher zum Progreß in die ſchlechte Unendlichkeit wird, ſeinen Grund allein darin hat, daß in dem Aufheben jener abſtracten Realität dieß Aufheben ebenſo unmittelbar vergeſſen wird, oder daß vergeſſen wird, daß dieſe Realität vielmehr ſchon als die an und für ſich nichtige, nicht objective Wirklichkeit vorausgeſetzt iſt. Dieſe Wiederholung der Vorausſetzung des nicht ausgeführten Zweckes nach der wirklichen Ausführung des Zweckes beſtimmt ſich daher auch ſo, daß die ſubjective Haltung des objectiven Begriffes reproducirt und perennirend gemacht wird, womit die Endlichkeit des Guten ſeinem Inhalte, ſo wie ſeiner Form nach als die bleibende Wahrheit, ſo wie ſeine Verwirklichung ſchlechthin immer nur als ein einzelner Act, nicht als ein allgemeiner erſcheint. — In der That hat ſich dieſe Beſtimmtheit in der Verwirklichung des Guten aufgehoben; was den objectiven Begriff noch begrenzt, iſt ſeine eigene Anſicht von ſich, die durch die Reflexion auf das, was ſeine Verwirklichung an ſich iſt, verſchwindet; er ſteht nur ſich ſelbſt durch dieſe Anſicht im Wege, und hat ſich darüber nicht gegen eine äußere Wirklichkeit, ſondern gegen ſich ſelbſt zu richten.

Die Thätigkeit in der zweiten Prämiſſe nämlich, die nur ein einſeitiges Fürſichſeyn hervorbringt, daher das Product als ein Subjectives und Einzelnes erſcheint, darin ſomit die erſte Vorausſetzung wiederholt wird, — iſt in Wahrheit ebenſo ſehr das Setzen der an ſich ſeyenden-Identität des objectiven Begriffs und der unmittelbaren Wirklichkeit. Dieſe letztere iſt durch die Vorausſetzung beſtimmt, nur eine Realität der Erſcheinung zu haben, an und für ſich nichtig, und ſchlechthin vom objectiven Begriffe beſtimmbar zu ſeyn. Indem durch die Thätigkeit des objectiven Begriffs die äußere Wirklichkeit verändert, ihre Beſtimmung hiermit aufgehoben wird, ſo wird ihr eben dadurch die bloß erſcheinende Realität, äußerliche Beſtimmbarkeit und Nichtigkeit genommen, ſie wird hiermit geſetzt als an und für ſich ſeyend. Es wird darin die Vorausſetzung überhaupt aufgehoben, nämlich die Beſtimmung des Guten als eines bloß ſubjectiven und ſeinem Inhalte nach beſchränkten Zwecks, die Nothwendigkeit, ihn durch ſubjective Thätigkeit erſt zu realiſiren, und dieſe Thätigkeit ſelbſt. In dem Reſultate hebt die Vermittelung ſich ſelbſt auf, es iſt eine Unmittelbarkeit, welche nicht die Wiederherſtellung der Vorausſetzung, ſondern vielmehr deren Aufgehobenſeyn iſt. Die Idee des an und für ſich beſtimmten Begriffs iſt hiermit geſetzt, nicht mehr bloß im thätigen Subject, ſondern ebenſo ſehr als eine unmittelbare Wirklichkeit, und umgekehrt dieſe, wie ſie im Erkennen iſt, als wahrhaftſeyende Objectivität zu ſeyn. Die Einzelheit des Subjects, mit der es durch ſeine Vorausſetzung behaftet wurde, iſt mit dieſer verſchwunden; es iſt hiermit jetzt als freie, allgemeine Identität mit ſich ſelbſt, für welche die Objectivität des Begriffes ebenſo ſehr eine gegebene, unmittelbar für daſſelbe vorhandene iſt, als es ſich als den an und für ſich beſtimmten Begriff weiß. In dieſem Reſultate iſt hiermit das Erkennen hergeſtellt, und mit der praktiſchen Idee vereinigt, die vorgefundene Wirklichkeit iſt zugleich als der ausgeführte abſolute Zweck beſtimmt, aber nicht wie im ſuchenden Erkennen bloß als objective Welt ohne die Subjectivität des Begriffes, ſondern als objective Welt, deren innerer Grund und wirkliches Beſtehen der Begriff iſt. Dieß iſt die abſolute Idee.


Drittes Kapitel.
Die abſolute Idee.

Die abſolute Idee, wie ſie ſich ergeben hat, iſt die Identität der theoretiſchen und der praktiſchen, welche jede für ſich noch einſeitig, die Idee ſelbſt nur als ein geſuchtes Jenſeits und unerreichtes Ziel in ſich hat; — jede daher eine Syntheſe des Strebens iſt, die Idee ſowohl in ſich hat als auch nicht hat, von einem zum andern übergeht, aber beide Gedanken nicht zuſammenbringt, ſondern in deren Widerſpruche ſtehen bleibt. Die abſolute Idee als der vernünftige Begriff, der in ſeiner Realität nur mit ſich ſelbſt zuſammengeht, iſt um dieſer Unmittelbarkeit ſeiner objectiven Identität willen einerſeits die Rückkehr zum Leben; aber ſie hat dieſe Form ihrer Unmittelbarkeit ebenſo ſehr aufgehoben, und den höchſten Gegenſatz in ſich. Der Begriff iſt nicht nur Seele, ſondern freier ſubjectiver Begriff, der für ſich iſt und daher die Perſönlichkeit hat, — der praktiſche, an und für ſich beſtimmte, objective Begriff, der als Perſon undurchdringliche, atome Subjectivität iſt, — der aber ebenſo ſehr nicht ausſchließende Einzelnheit, ſondern für ſich Allgemeinheit und Erkennen iſt, und in ſeinem Andern ſeine eigene Objectivität zum Gegenſtande hat. Alles Uebrige iſt Irrthum, Trübheit, Meinung, Streben, Willkür und Vergänglichkeit; die abſolute Idee allein iſt Seyn, unvergängliches Leben, ſich wiſſende Wahrheit, und iſt alle Wahrheit.

Sie iſt der einzige Gegenſtand und Inhalt der Philoſophie. Indem ſie alle Beſtimmtheit in ſich enthält, und ihr Weſen dieß iſt, durch ihre Selbſtbeſtimmung oder Beſonderung zu ſich zurückzukehren, ſo hat ſie verſchiedene Geſtaltungen, und das Geſchäft der Philoſophie iſt, ſie in dieſen zu erkennen. Die Natur und der Geiſt ſind überhaupt unterſchiedene Weiſen, ihr Daſeyn darzuſtellen; Kunſt und Religion ihre verſchiedenen Weiſen, ſich zu erfaſſen und ein ſich angemeſſenes Daſeyn zu geben; die Philoſophie hat mit Kunſt und Religion denſelben Inhalt und denſelben Zweck; aber ſie iſt die höchſte Weiſe, die abſolute Idee zu erfaſſen, weil ihre Weiſe die höchſte, der Begriff, iſt. Sie faßt daher jene Geſtaltungen der reellen und ideellen Endlichkeit, ſo wie der Unendlichkeit und Heiligkeit in ſich, und begreift ſie und ſich ſelbſt. Die Ableitung und Erkenntniß dieſer beſonderen Weiſen iſt nun das fernere Geſchäft der beſonderen philoſophiſchen Wiſſenſchaften. Das Logiſche der abſoluten Idee kann auch eine Weiſe derſelben genannt werden; aber indem die Weiſe eine beſondere Art, eine Beſtimmtheit der Form bezeichnet, ſo iſt das Logiſche dagegen die allgemeine Weiſe, in der alle beſonderen aufgehoben und eingehüllt ſind. Die logiſche Idee iſt ſie ſelbſt in ihrem reinen Weſen, wie ſie in einfacher Identität in ihren Begriff eingeſchloſſen, und in das Scheinen in einer Formbeſtimmtheit noch nicht eingetreten iſt. Die Logik ſtellt daher die Selbſtbewegung der abſoluten Idee nur als das urſprüngliche Wort dar, das eine Aeußerung iſt, aber eine ſolche, die als Aeußeres unmittelbar wieder verſchwunden iſt, indem ſie iſt; die Idee iſt alſo nur in dieſer Selbſtbeſtimmung, ſich zu vernehmen, ſie iſt in dem reinen Gedanken, worin der Unterſchied noch kein Anderſſeyn, ſondern ſich vollkommen durchſichtig iſt und bleibt. — Die logiſche Idee hat ſomit ſich als die unendliche Form zu ihrem Inhalte; — die Form, welche inſofern den Gegenſatz zum Inhalt ausmacht, als dieſer die in ſich gegangene und in der Identität aufgehobene Formbeſtimmung ſo iſt, daß dieſe concrete Identität gegenüber der als Form entwickelten ſteht; er hat die Geſtalt eines Andern und Gegebenen gegen die Form, die als ſolche ſchlechthin in Beziehung ſteht, und deren Beſtimmtheit zugleich als Schein geſetzt iſt. — Die abſolute Idee ſelbſt hat näher nur dieß zu ihrem Inhalt, daß die Formbeſtimmung ihre eigene vollendete Totalität, der reine Begriff, iſt. Die Beſtimmtheit der Idee und der ganze Verlauf dieſer Beſtimmtheit nun hat den Gegenſtand der logiſchen Wiſſenſchaft ausgemacht, aus welchem Verlauf die abſolute Idee ſelbſt für ſich hervorgegangen iſt; für ſich aber hat ſie ſich als dieß gezeigt, daß die Beſtimmtheit nicht die Geſtalt eines Inhalts hat, ſondern ſchlechthin als Form, daß die Idee hiernach als die ſchlechthin allgemeine Idee iſt. Was alſo hier noch zu betrachten kommt, iſt ſomit nicht ein Inhalt als ſolcher, ſondern das Allgemeine ſeiner Form, — das iſt die Methode.

Die Methode kann zunächſt als die bloße Art und Weiſe des Erkennens erſcheinen, und ſie hat in der That die Natur einer ſolchen. Aber die Art und Weiſe iſt als Methode nicht nur eine an und für ſich beſtimmte Modalität des Seyns, ſondern als Modalität des Erkennens geſetzt als durch den Begriff beſtimmt, und als die Form, inſofern ſie die Seele aller Objectivität iſt, und aller ſonſt beſtimmte Inhalt ſeine Wahrheit allein in der Form hat. Wenn der Inhalt wieder der Methode als gegeben und als von eigenthümlicher Natur angenommen wird, ſo iſt ſie wie das Logiſche überhaupt in ſolcher Beſtimmung eine bloß äußerliche Form. Aber es kann hiergegen nicht nur auf den Grundbegriff vom Logiſchen ſich berufen werden, ſondern der ganze Verlauf deſſelben, worin alle Geſtalten eines gegebenen Inhalts und der Objecte vorgekommen ſind, hat ihren Uebergang und Unwahrheit gezeigt, und ſtatt daß ein gegebenes Object die Grundlage ſeyn könnte, zu der ſich die abſolute Form nur als äußerliche und zufällige Beſtimmung verhielte, hat ſich dieſe vielmehr als die abſolute Grundlage und letzte Wahrheit erwieſen. Die Methode iſt daraus als der ſich ſelbſt wiſſende, ſich als das Abſolute, ſowohl Subjective als Objective, zum Gegenſtande habende Begriff, ſomit als das reine Entſprechen des Begriffs und ſeiner Realität, als eine Exiſtenz, die er ſelbſt iſt, hervorgegangen.

Was hiermit als Methode hier zu betrachten iſt, iſt nur die Bewegung des Begriffs ſelbſt, deren Natur ſchon erkannt worden, aber erſtlich nunmehr mit der Bedeutung, daß der Begriff Alles, und ſeine Bewegung die allgemeine abſolute Thätigkeit, die ſelbſt beſtimmende und ſelbſt realiſirende Bewegung iſt. Die Methode iſt deswegen als die ohne Einſchränkung allgemeine, innerliche und äußerliche Weiſe, und als die ſchlechthin unendliche Kraft anzuerkennen, welcher kein Object, inſofern es ſich als ein Aeußerliches, der Vernunft fernes und von ihr unabhängiges präſentirt, Widerſtand leiſten, gegen ſie von einer beſondern Natur ſeyn, und von ihr nicht durchdrungen werden könnte. Sie iſt darum die Seele und Subſtanz, und irgend etwas iſt nur begriffen und in ſeiner Wahrheit gewußt, als es der Methode vollkommen unterworfen iſt; ſie iſt die eigene Methode jeder Sache ſelbſt, weil ihre Thätigkeit der Begriff iſt. Dieß iſt auch der wahrhaftere Sinn ihrer Allgemeinheit; nach der Reflexions-Allgemeinheit wird ſie nur als die Methode für Alles genommen; nach der Allgemeinheit der Idee aber iſt ſie ſowohl die Art und Weiſe des Erkennens, des ſubjectiv ſich wiſſenden Begriffs, als die objective Art und Weiſe, oder vielmehr die Subſtantialität der Dinge, — d. h. der Begriffe, inſofern ſie der Vorſtellung und der Reflexion zunächſt als Andere erſcheinen. Sie iſt darum die höchſte Kraft oder vielmehr die einzige und abſolute Kraft der Vernunft nicht nur, ſondern auch ihr höchſter und einziger Trieb, durch ſich ſelbſt in Allem ſich ſelbſt zu finden und zu erkennen. — Hiermit iſt zweitens auch der Unterſchied der Methode von dem Begriffe als ſolchem, das Beſondere derſelben, angegeben. Wie der Begriff für ſich betrachtet wurde, erſchien er in ſeiner Unmittelbarkeit; die Reflexion oder der ihn betrachtende Begriff fiel in unſer Wiſſen. Die Methode iſt dieß Wiſſen ſelbſt, für das er nicht nur als Gegenſtand, ſondern als deſſen eigenes, ſubjectives Thun iſt, als das Inſtrument und Mittel der erkennenden Thätigkeit, von ihr unterſchieden, aber als deren eigene Weſenheit. In dem ſuchenden Erkennen iſt die Methode gleichfalls als Werkzeug geſtellt, als ein auf der ſubjectiven Seite ſtehendes Mittel, wodurch ſie ſich auf das Object bezieht. Das Subject iſt in dieſem Schluſſe das eine und das Object das andere Extrem, und jenes ſchließt ſich durch ſeine Methode mit dieſem, aber darin für ſich nicht mit ſich ſelbſt zuſammen. Die Extreme bleiben verſchiedene, weil Subject, Methode und Object nicht als der eine identiſche Begriff geſetzt ſind, der Schluß iſt daher immer der formelle; die Prämiſſe, in welcher das Subject die Form als ſeine Methode auf ſeine Seite ſetzt, iſt eine unmittelbare Beſtimmung und enthält deswegen die Beſtimmungen der Form, wie wir geſehen, der Definition, Eintheilung u. ſ. f. als im Subjecte vorgefundene Thatſachen. Im wahrhaften Erkennen dagegen iſt die Methode nicht nur eine Menge gewiſſer Beſtimmungen, ſondern das An- und Für-ſich-Beſtimmtſeyn des Begriffs, der die Mitte nur darum iſt, weil er ebenſo ſehr die Bedeutung des Objectiven hat, das im Schlußſatze daher nicht nur eine äußere Beſtimmtheit durch die Methode erlangt, ſondern in ſeiner Identität mit dem ſubjectiven Begriffe geſetzt iſt.

1. Das, was die Methode hiermit ausmacht, ſind die Beſtimmungen des Begriffes ſelbſt und deren Beziehungen, die in der Bedeutung als Beſtimmungen der Methode nun zu betrachten ſind. — Es iſt dabei erſtens von dem Anfange anzufangen. Von demſelben iſt bereits bei dem Anfange der Logik ſelbſt, wie auch vorhin beim ſubjectiven Erkennen geſprochen und gezeigt worden, daß wenn er nicht willkürlich und mit einer kategoriſchen Bewußtloſigkeit gemacht wird, zwar viele Schwierigkeiten zu machen ſcheinen kann, jedoch von höchſt einfacher Natur iſt. Weil er der Anfang iſt, iſt ſein Inhalt ein Unmittelbares, aber ein ſolches, das den Sinn und die Form abſtracter Allgemeinheit hat. Er ſey ſonſt ein Inhalt des Seyns oder des Weſens oder des Begriffes, ſo iſt er inſofern ein Aufgenommenes, Vorgefundenes, Aſſertoriſches, als er ein Unmittelbares iſt. Vor’s Erſte aber iſt er nicht ein Unmittelbares der ſinnlichen Anſchauung oder der Vorſtellung, ſondern des Denkens, das man wegen ſeiner Unmittelbarkeit auch ein überſinnliches, innerliches Anſchauen nennen kann. Das Unmittelbare der ſinnlichen Anſchauung iſt ein Mannigfaltiges und Einzelnes. Das Erkennen iſt aber begreifendes Denken, ſein Anfang daher auch nur im Elemente des Denkens; ein Einfaches und Allgemeines. — Von dieſer Form iſt vorhin bei der Definition die Rede geweſen. Bei dem Anfang des endlichen Erkennens wird die Allgemeinheit als weſentliche Beſtimmung gleichfalls anerkannt, aber nur als Denk- und Begriffsbeſtimmung im Gegenſatze gegen das Seyn genommen. In der That iſt dieſe erſte Allgemeinheit eine unmittelbare, und hat darum ebenſo ſehr die Bedeutung des Seyns; denn das Seyn iſt eben dieſe abſtracte Beziehung auf ſich ſelbſt. Das Seyn bedarf keiner andern Ableitung, als ob es dem Abſtracten der Definition nur daraus zukomme, weil es aus der ſinnlichen Anſchauung oder ſonſt woher genommen ſey, und inſofern es monſtrirt werde. Dieſes Monſtriren und Herleiten betrifft eine Vermittelung, die mehr als ein bloßer Anfang iſt, und iſt eine ſolche Vermittelung, die nicht dem denkenden Begreifen gehört, ſondern die Erhebung der Vorſtellung, des empiriſchen und raiſonnirenden Bewußtſeyns, zu dem Standpuncte des Denkens iſt. Nach dem geläufigen Gegenſatze von Gedanken oder Begriff und Seyn erſcheint es als eine wichtige Wahrheit, daß jenem für ſich noch kein Seyn zukomme, und daß dieß einen eigenen, vom Gedanken ſelbſt unabhängigen Grund habe. Die einfache Beſtimmung von Seyn iſt aber ſo arm an ſich, daß ſchon darum nicht viel Aufhebens davon zu machen iſt; das Allgemeine iſt unmittelbar ſelbſt dieß Unmittelbare, weil es als Abſtractes auch nur die abſtracte Beziehung auf ſich iſt, die das Seyn iſt. In der That hat die Forderung, das Seyn aufzuzeigen, einen weitern innern Sinn, worin nicht bloß dieſe abſtracte Beſtimmung liegt, ſondern es iſt damit die Forderung der Realiſirung des Begriffs überhaupt gemeint, welche nicht im Anfange ſelbſt liegt, ſondern vielmehr das Ziel und Geſchäft der ganzen weitern Entwickelung des Erkennens iſt. Ferner indem der Inhalt des Anfangs durch das Monſtriren in der innern oder äußern Wahrnehmung gerechtfertigt und als etwas Wahres oder Richtiges beglaubigt werden ſoll, ſo iſt damit nicht mehr die Form der Allgemeinheit als ſolche gemeint, ſondern ihre Beſtimmtheit, wovon gleich zu ſprechen nothwendig iſt. Die Beglaubigung des beſtimmten Inhalts, mit dem der Anfang gemacht wird, ſcheint rückwärts deſſelben zu liegen; in der That aber iſt ſie als Vorwärtsgehen zu betrachten, wenn ſie nämlich zum begreifenden Erkennen gehört.

Der Anfang hat ſomit für die Methode keine andere Beſtimmtheit, als die, das Einfache und Allgemeine zu ſeyn; dieß iſt ſelbſt die Beſtimmtheit, wegen der er mangelhaft iſt. Die Allgemeinheit iſt der reine, einfache Begriff, und die Methode als das Bewußtſeyn deſſelben weiß, daß die Allgemeinheit nur Moment und der Begriff in ihr noch nicht an und für ſich beſtimmt iſt. Aber mit dieſem Bewußtſeyn, das den Anfang nur um der Methode willen weiter führen wollte, wäre dieſe ein Formelles, in äußerlicher Reflexion Geſetztes. Da ſie aber die objective, immanente Form iſt, ſo muß das Unmittelbare des Anfangs an ihm ſelbſt das Mangelhafte, und mit dem Triebe begabt ſeyn, ſich weiter zu führen. Das Allgemeine gilt aber in der abſoluten Methode nicht als bloß Abſtractes, ſondern als das objectiv-Allgemeine, d. h. das an ſich die concrete Totalität, aber die noch nicht geſetzt, noch nicht für ſich iſt. Selbſt das abſtracte Allgemeine als ſolches, im Begriffe, d. i. nach ſeiner Wahrheit betrachtet, iſt nicht nur das Einfache, ſondern als Abſtractes iſt es ſchon geſetzt als mit einer Negation behaftet. Es giebt deswegen auch, es ſey in der Wirklichkeit oder im Gedanken, kein ſo Einfaches und ſo Abſtractes, wie man es ſich gewöhnlich vorſtellt. Solches Einfache iſt eine bloße Meinung, die allein in der Bewußtloſigkeit deſſen, was in der That vorhanden iſt, ihren Grund hat. Vorhin wurde das Anfangende als das Unmittelbare beſtimmt; die Unmittelbarkeit des Allgemeinen iſt daſſelbe, was hier als das Anſichſeyn ohne Fürſichſeyn ausgedrückt iſt. — Man kann daher wohl ſagen, daß mit dem Abſoluten aller Anfang gemacht werden müſſe, ſo wie aller Fortgang nur die Darſtellung deſſelben iſt, inſofern das Anſichſeyende der Begriff iſt. Aber darum, weil es nur erſt an ſich iſt, iſt es ebenſo ſehr nicht das Abſolute, noch der geſetzte Begriff, auch nicht die Idee; denn dieſe ſind eben dieß, daß das Anſichſeyn nur ein abſtractes, einſeitiges Moment iſt. Der Fortgang iſt daher nicht eine Art von Ueberfluß; er wäre dieß, wenn das Anfangende in Wahrheit ſchon das Abſolute wäre; das Fortgehen beſteht vielmehr darin, daß das Allgemeine ſich ſelbſt beſtimmt, und für ſich das Allgemeine, d. i. ebenſo ſehr Einzelnes und Subject iſt. Nur in ſeiner Vollendung iſt es das Abſolute.

Es kann daran erinnert werden, daß der Anfang, der an ſich concrete Totalität iſt, als ſolcher auch frei ſeyn, und ſeine Unmittelbarkeit die Beſtimmung eines äußerlichen Daſeyns haben kann; der Keim des Lebendigen und der ſubjective Zweck überhaupt haben ſich als ſolche Anfänge gezeigt, beide ſind daher ſelbſt Triebe. Das Nicht-Geiſtige und Nicht-Lebendige dagegen iſt der concrete Begriff nur als reale Möglichkeit; die Urſache iſt die höchſte Stufe, in der der concrete Begriff als Anfang in der Sphäre der Nothwendigkeit ein unmittelbares Daſeyn hat; aber ſie iſt noch kein Subject, das als ſolches ſich auch in ſeiner wirklichen Realiſirung erhält. Die Sonne z. B. und überhaupt alles Nichtlebendige ſind beſtimmte Exiſtenzen, in welchen die reale Möglichkeit eine innere Totalität bleibt, und die Momente derſelben weder in ſubjectiver Form in ihnen geſetzt ſind, und inſofern ſie ſich realiſiren, eine Exiſtenz durch andere Körper-Individuen erlangen.

2. Die concrete Totalität, welche den Anfang macht, hat als ſolche in ihr ſelbſt den Anfang des Fortgehens und der Entwickelung. Sie iſt als Concretes in ſich unterſchieden; wegen ihrer erſten Unmittelbarkeit aber ſind die erſten Unterſchiedenen zunächſt Verſchiedene. Das Unmittelbare iſt aber als ſich auf ſich beziehende Allgemeinheit, als Subject, auch die Einheit dieſer Verſchiedenen. — Dieſe Reflexion iſt die erſte Stufe des Weitergehens, — das Hervortreten der Differenz, das Urtheil, das Beſtimmen überhaupt. Das Weſentliche iſt, daß die abſolute Methode die Beſtimmung des Allgemeinen in ihm ſelbſt findet und erkennt. Das verſtändige endliche Erkennen verfährt ſo dabei, daß es von dem Concreten das, was es bei dem abſtrahirenden Erzeugen jenes Allgemeinen weggelaſſen, nun ebenſo äußerlich wieder aufnimmt. Die abſolute Methode dagegen verhält ſich nicht als äußerliche Reflexion, ſondern nimmt das Beſtimmte aus ihrem Gegenſtande ſelbſt, da ſie ſelbſt deſſen immanentes Princip und Seele iſt. — Dieß iſt es, was Plato von dem Erkennen forderte, die Dinge an und für ſich ſelbſt zu betrachten, theils in ihrer Allgemeinheit, theils aber nicht von ihnen abzuirren, und nach Umſtänden, Exempeln und Vergleichungen zu greifen, ſondern ſie allein vor ſich zu haben, und was in ihnen immanent iſt, zum Bewußtſeyn zu bringen. — Die Methode des abſoluten Erkennens iſt inſofern analytiſch. Daß ſie die weitere Beſtimmung ihres anfänglichen Allgemeinen ganz allein in ihm findet, iſt die abſolute Objectivität des Begriffes, deren Gewißheit ſie iſt. — Sie iſt aber ebenſo ſehr ſynthetiſch, indem ihr Gegenſtand, unmittelbar als einfaches Allgemeines beſtimmt, durch die Beſtimmtheit, die er in ſeiner Unmittelbarkeit und Allgemeinheit ſelbſt hat, als ein Anderes ſich zeigt. Dieſe Beziehung eines Verſchiedenen, die er ſo in ſich iſt, iſt jedoch das nicht mehr, was als die Syntheſe beim endlichen Erkennen gemeint iſt; ſchon durch ſeine ebenſo ſehr analytiſche Beſtimmung überhaupt, daß ſie die Beziehung im Begriffe iſt, unterſcheidet ſie ſich völlig von dieſem Synthetiſchen.

Dieſes ſo ſehr ſynthetiſche als analytiſche Moment des Urtheils, wodurch das anfängliche Allgemeine aus ihm ſelbſt als das Andere ſeiner ſich beſtimmt, iſt das dialektiſche zu nennen. Die Dialektik iſt eine derjenigen alten Wiſſenſchaften, welche in der Metaphyſik der Modernen, und dann überhaupt durch die Popularphiloſophie, ſowohl der Alten als der Neuern, am meiſten verkannt worden. Von Plato ſagt Diogenes Laertius, wie Thales der Urheber der Natur-Philoſophie, Sokrates der Moral-Philoſophie, ſo ſey Plato der Urheber der dritten zur Philoſophie gehörigen Wiſſenſchaft, der Dialektik geweſen; — ein Verdienſt, das ihm vom Alterthume hiermit als das Höchſte angerechnet worden, das aber von ſolchen oft gänzlich unbeachtet bleibt, die ihn am meiſten im Munde führen. Man hat die Dialektik oft als eine Kunſt betrachtet, als ob ſie auf einem ſubjectiven Talente beruhe, und nicht der Objectivität des Begriffes angehöre. Welche Geſtalt und welches Reſultat ſie in der Kantiſchen Philoſophie erhalten, iſt an den beſtimmten Beiſpielen ihrer Anſicht ſchon gezeigt worden. Es iſt als ein unendlich wichtiger Schritt anzuſehen, daß die Dialektik wieder als der Vernunft nothwendig anerkannt worden, obgleich das entgegengeſetzte Reſultat gegen das, welches daraus hervorgegangen, gezogen werden muß.

Außerdem, daß die Dialektik gewöhnlich als etwas Zufälliges erſcheint, ſo pflegt ſie dieſe nähere Form zu haben, daß von irgend einem Gegenſtande, z. B. Welt, Bewegung, Punct u. ſ. f. gezeigt wird, es komme demſelben irgend eine Beſtimmung zu, z. B. nach der Ordnung der genannten Gegenſtände, Endlichkeit im Raume oder der Zeit, an dieſem Orte ſeyn, abſolute Negation des Raumes; aber ferner ebenſo nothwendig auch die entgegengeſetzte, z. B. Unendlichkeit im Raume und der Zeit, nicht an dieſem Orte ſeyn, Beziehung auf den Raum, ſomit Räumlichkeit. Die ältere eleatiſche Schule hat vornehmlich ihre Dialektik gegen die Bewegung angewendet, Plato häufig gegen die Vorſtellungen und Begriffe ſeiner Zeit, insbeſondere der Sophiſten, aber auch gegen die reinen Kategorien und Reflexions-Beſtimmungen; der gebildete ſpätere Scepticismus hat ſie nicht nur auf die unmittelbaren ſogenannten Thatſachen des Bewußtſeyns und Maximen des gemeinen Lebens, ſondern auch auf alle wiſſenſchaftlichen Begriffe ausgedehnt. Die Folgerung nun, die aus ſolcher Dialektik gezogen wird, iſt überhaupt der Widerſpruch und die Nichtigkeit der aufgeſtellten Behauptungen. Dieß kann aber in doppeltem Sinne ſtatt haben, — entweder im objectiven Sinne, daß der Gegenſtand, der ſolchermaßen ſich in ſich ſelbſt widerſpreche, ſich aufhebe und nichtig ſey; — dieß war z. B. die Folgerung der Eleaten, nach welcher z. B. der Welt, der Bewegung, dem Puncte die Wahrheit abgeſprochen wurde; — oder aber im ſubjectiven Sinne, daß das Erkennen mangelhaft ſey. Unter der letztern Folgerung wird nun entweder verſtanden, daß es nur dieſe Dialektik ſey, welche das Kunſtſtück eines falſchen Scheines vormache. Dieß iſt die gewöhnliche Anſicht des ſogenannten geſunden Menſchenverſtandes, der ſich an die ſinnliche Evidenz und die gewohnten Vorſtellungen und Ausſprüche hält, — zuweilen ruhiger, wie Diogenes der Hund, die Dialektik der Bewegung durch ein ſtummes Auf- und Abgehen in ihrer Blöße zeigt, oft aber in Harniſch darüber geräth, es ſey bloß als über eine Narrheit, oder wenn es ſittlich wichtige Gegenſtände betrifft, als über einen Frevel, der das weſentlich Feſte wankend zu machen ſuche, und dem Laſter Gründe an die Hand zu geben lehre, — eine Anſicht, die in der Sokratiſchen Dialektik gegen die ſophiſtiſche vorkommt, und ein Zorn, der umgekehrt wieder ſelbſt dem Sokrates das Leben gekoſtet hat. Die pöbelhafte Widerlegung, die, wie Diogenes that, dem Denken das ſinnliche Bewußtſeyn entgegengeſetzt, und in dieſem die Wahrheit zu haben meint, muß man ſich ſelbſt überlaſſen; inſofern die Dialektik aber ſittliche Beſtimmungen aufhebt, zur Vernunft das Vertrauen haben, daß ſie dieſelben, aber in ihrer Wahrheit und dem Bewußtſeyn ihres Rechts, aber auch ihrer Schranke, wieder herzuſtellen wiſſen werde. — Oder aber das Reſultat der ſubjectiven Nichtigkeit betrifft nicht die Dialektik ſelbſt, ſondern vielmehr das Erkennen, wogegen ſie gerichtet iſt; und im Sinne des Skepticismus, ingleichen der Kantiſchen Philoſophie, das Erkennen überhaupt.

Das Grundvorurtheil hierbei iſt, daß die Dialektik nur ein negatives Reſultat habe, was ſogleich ſeine nähere Beſtimmung erhalten wird. Zunächſt iſt über die angeführte Form, in der ſie zu erſcheinen pflegt, zu bemerken, daß ſie und ihr Reſultat nach derſelben den Gegenſtand, der vorgenommen wird, oder auch das ſubjective Erkennen betrifft, und dieſes oder den Gegenſtand für nichtig erklärt, dagegen die Beſtimmungen, welche an ihm als einem Dritten aufgezeigt werden, unbeachtet bleiben, und als für ſich gültig vorausgeſetzt ſind. Auf dieß unkritiſche Verfahren iſt es ein unendliches Verdienſt der kantiſchen Philoſophie, die Aufmerkſamkeit gezogen, und damit den Anſtoß zur Wiederherſtellung der Logik und Dialektik, in dem Sinne der Betrachtung der Denkbeſtimmungen an und für ſich, gegeben zu haben. Der Gegenſtand, wie er ohne das Denken und den Begriff iſt, iſt eine Vorſtellung oder auch ein Name; die Denk- und Begriffsbeſtimmungen ſind es, in denen er iſt, was er iſt. In der That kommt es daher auf ſie allein an; ſie ſind der wahrhafte Gegenſtand und Inhalt der Vernunft und ein ſolches, als man ſonſt unter Gegenſtand und Inhalt im Unterſchiede von ihnen verſteht, gilt nur durch ſie und in ihnen. Es muß daher nicht als die Schuld eines Gegenſtands oder des Erkennens genommen werden, daß ſie durch die Beſchaffenheit und eine äußerliche Verknüpfung ſich dialektiſch zeigen. Das eine und das andere wird auf dieſe Weiſe als ein Subject vorgeſtellt, in das die Beſtimmungen in Form von Prädicaten, Eigenſchaften, ſelbſtſtändigen Allgemeinen ſo gebracht ſeyen, daß ſie als feſt und für ſich richtig erſt durch die fremde und zufällige Verbindung in und von einem Dritten, in dialektiſche Verhältniſſe und in Widerſpruch geſetzt werden. Ein ſolches äußerliches und fixes Subject der Vorſtellung und des Verſtandes, ſo wie die abſtracten Beſtimmungen, ſtatt für Letzte, ſicher zu Grunde liegen bleibende angeſehen werden zu können, ſind vielmehr ſelbſt als ein Unmittelbares, eben ein ſolches Vorausgeſetztes und Anfangendes zu betrachten, das, wie vorhin gezeigt, an und für ſich ſelbſt der Dialektik unterliegen muß, weil es als Begriff an ſich zu nehmen iſt. So ſind alle als feſt angenommenen Gegenſätze, wie z. B. Endliches und Unendliches, Einzelnes und Allgemeines, nicht etwa durch eine äußerliche Verknüpfung in Widerſpruch, ſondern ſind, wie die Betrachtung ihrer Natur gezeigt, vielmehr an ſich und für ſich ſelbſt das Uebergehen; die Syntheſe und das Subject, an dem ſie erſcheinen, iſt das Product der eigenen Reflexion ihres Begriffs. Wenn die begriffloſe Betrachtung bei ihrem äußerlichen Verhältniſſe ſtehen bleibt, ſie iſolirt und als feſte Vorausſetzungen läßt, ſo iſt es vielmehr der Begriff, der ſie ſelbſt ins Auge faßt, als ihre Seele ſie bewegt und ihre Dialektik hervorthut.

Dieß iſt nun ſelbſt der vorhin bezeichnete Standpunct, nach welchem ein allgemeines Erſtes an und für ſich betrachtet ſich als das Andere ſeiner ſelbſt zeigt. Ganz allgemein aufgefaßt, kann dieſe Beſtimmung ſo genommen werden, daß hierin das zuerſt Unmittelbare hiermit als Vermitteltes, bezogen auf ein Anderes, oder daß das Allgemeine als ein Beſonderes iſt. Das Zweite, das hierdurch entſtanden, iſt ſomit das Negative des Erſten; und indem wir auf den weitern Verlauf zum Voraus Bedacht nehmen, das erſte Negative. Das Unmittelbare iſt nach dieſer negativen Seite in dem Andern untergegangen, aber das Andere iſt weſentlich nicht das leere Negative, das Nichts, das als das gewöhnliche Reſultat der Dialektik genommen wird, ſondern es iſt das Andere des Erſten, das Negative des Unmittelbaren; alſo iſt es beſtimmt als das Vermittelte, — enthält überhaupt die Beſtimmung des Erſten in ſich. Das Erſte iſt ſomit weſentlich auch im Andern aufbewahrt und erhalten. — Das Poſitive in ſeinem Negativen, dem Inhalt der Vorausſetzung, im Reſultate feſtzuhalten, dieß iſt das Wichtigſte im vernünftigen Erkennen; es gehört zugleich nur die einfachſte Reflexion dazu, um ſich von der abſoluten Wahrheit und Nothwendigkeit dieſes Erforderniſſes zu überzeugen, und was die Beiſpiele von Beweiſen hierzu betrifft, ſo beſteht die ganze Logik darin.

Was hiermit nunmehr vorhanden iſt, iſt das Vermittelte, zunächſt oder gleichfalls unmittelbar genommen auch eine einfache Beſtimmung, denn da das Erſte in ihm untergegangen, ſo iſt nur das Zweite vorhanden. Weil nun auch das Erſte im Zweiten enthalten, und dieſes die Wahrheit von jenem iſt, ſo kann dieſe Einheit als ein Satz ausgedrückt werden, worin das Unmittelbare als Subject, das Vermittelte aber als deſſen Prädicat geſtellt iſt, z. B. das Endliche iſt unendlich, Eins iſt Vieles, das Einzelne iſt das Allgemeine. Die inadäquate Form ſolcher Sätze und Urtheile aber fällt von ſelbſt in die Augen. Bei dem Urtheile iſt gezeigt worden, daß ſeine Form überhaupt, und am meiſten die unmittelbare des poſitiven Urtheils unfähig iſt, das Speculative und die Wahrheit in ſich zu faſſen. Die nächſte Ergänzung deſſelben, das negative Urtheil müßte wenigſtens ebenſo ſehr beigefügt werden. Im Urtheile hat das Erſte als Subject den Schein eines ſelbſtſtändigen Beſtehens, da es vielmehr in ſeinem Prädicate als ſeinem Andern aufgehoben iſt; dieſe Negation iſt in dem Inhalte jener Sätze wohl enthalten, aber ihre poſitive Form widerſpricht demſelben; es wird ſomit das nicht geſetzt, was darin enthalten iſt; was gerade die Abſicht, einen Satz zu gebrauchen, wäre.

Die zweite Beſtimmung, die negative oder vermittelte, iſt ferner zugleich die vermittelnde. Zunächſt kann ſie als einfache Beſtimmung genommen werden, aber ihrer Wahrheit nach iſt ſie eine Beziehung oder Verhältniß; denn ſie iſt das Negative, aber des Poſitiven, und ſchließt daſſelbe in ſich. Sie iſt alſo das Andere nicht als von einem, wogegen ſie gleichgültig iſt, ſo wäre ſie kein Anderes, noch eine Beziehung oder Verhältniß; — ſondern das Andere an ſich ſelbſt, das Andere eines Andern; darum ſchließt ſie ihr eigenes Anderes in ſich, und iſt ſomit als der Widerſpruch die geſetzte Dialektik ihrer ſelbſt. — Weil das Erſte oder Unmittelbare der Begriff an ſich, daher auch nur an ſich das Negative iſt, ſo beſteht das dialektiſche Moment bei ihm darin, daß der Unterſchied, den es an ſich enthält, in ihm geſetzt wird. Das Zweite hingegen iſt ſelbſt das Beſtimmte, der Unterſchied oder Verhältniß; das dialektiſche Moment beſteht bei ihm daher darin, die Einheit zu ſetzen, die in ihm enthalten iſt. — Wenn deswegen das Negative, Beſtimmte, das Verhältniß, Urtheil und alle unter dieß zweite Moment fallende Beſtimmungen, nicht für ſich ſelbſt ſchon als der Widerſpruch und als dialektiſch erſcheinen, ſo iſt es bloßer Mangel des Denkens, das ſeine Gedanken nicht zuſammenbringt. Denn das Material, die entgegengeſetzten Beſtimmungen in Einer Beziehung, ſind ſchon geſetzt, und für das Denken vorhanden. Das formelle Denken aber macht ſich die Identität zum Geſetze, läßt den widerſprechenden Inhalt, den es vor ſich hat, in die Sphäre der Vorſtellung, in Raum und Zeit herabfallen, worin das Widerſprechende im Neben- und Nach-einander außer einander gehalten wird, und ſo ohne die gegenſeitige Berührung vor das Bewußtſeyn tritt. Es macht ſich darüber den beſtimmten Grundſatz, daß der Widerſpruch nicht denkbar ſey; in der That aber iſt das Denken des Widerſpruchs das weſentliche Moment des Begriffes. Das formelle Denken denkt denſelben auch factiſch, nur ſieht es ſogleich von ihm weg, und geht von ihm in jenem Sagen nur zur abſtracten Negation über.

Die betrachtete Negativität macht nun den Wendungs-punct der Bewegung des Begriffes aus. Sie iſt der einfache Punct der negativen Beziehung auf ſich, der innerſte Quell aller Thätigkeit, lebendiger und geiſtiger Selbſtbewegung, die dialektiſche Seele, die alles Wahre an ihm ſelbſt hat, durch die es allein Wahres iſt; denn auf dieſer Subjectivität allein ruht das Aufheben des Gegenſatzes zwiſchen Begriff und Realität und die Einheit, welche die Wahrheit iſt. — Das zweite Negative, das Negative des Negativen, zu dem wir gekommen, iſt jenes Aufheben des Widerſpruches, aber iſt ſo wenig als der Widerſpruch ein Thun einer äußerlichen Reflexion, ſondern das innerſte, objectivſte Moment des Lebens und Geiſtes, wodurch ein Subject, Perſon, Freies iſt. — Die Beziehung des Negativen auf ſich ſelbſt iſt als die zweite Prämiſſe des ganzen Schluſſes zu betrachten. Die erſte kann man, wenn die Beſtimmungen von analytiſch und ſynthetiſch in ihrem Gegenſatze gebraucht werden, als das analytiſche Moment anſehen, indem das Unmittelbare ſich darin unmittelbar zu ſeinem Andern verhält, und daher in daſſelbe übergeht oder vielmehr übergegangen iſt; — obgleich dieſe Beziehung, wie ſchon erinnert, eben deswegen auch ſynthetiſch iſt, weil es ihr Anderes iſt, in welches ſie übergeht. Die hier betrachtete, zweite Prämiſſe kann als die ſynthetiſche beſtimmt werden, weil ſie die Beziehung des Unterſchiedenen als ſolchen auf ſein Unterſchiedenes iſt. — Wie die erſte das Moment der Allgemeinheit und der Mittheilung, ſo iſt die zweite durch die Einzelnheit beſtimmt, die zunächſt ausſchließend und als für ſich und verſchieden ſich auf das Andere bezieht. Als das Vermittelnde erſcheint das Negative, weil es ſich ſelbſt und das Unmittelbare in ſich ſchließt, deſſen Negation es iſt. Inſofern dieſe beiden Beſtimmungen nach irgend einem Verhältniſſe als äußerlich bezogen genommen werden, iſt es nur das vermittelnde Formelle; als die abſolute Negativität aber iſt das negative Moment der abſoluten Vermittelung die Einheit, welche die Subjectivität und Seele iſt.

In dieſem Wendepunct der Methode kehrt der Verlauf des Erkennens zugleich in ſich ſelbſt zurück. Dieſe Negativität iſt als der ſich aufhebende Widerſpruch die Herſtellung der erſten Unmittelbarkeit, der einfachen Allgemeinheit; denn unmittelbar iſt das Andere des Andern, das Negative des Negativen, das Poſitive, Identiſche, Allgemeine. Dieß zweite Unmittelbare iſt im ganzen Verlaufe, wenn man überhaupt zählen will, das Dritte zum erſten Unmittelbaren und zum Vermittelten. Es iſt aber auch das Dritte zum erſten oder formellen Negativen, und zur abſoluten Negativität oder dem zweiten Negativen; inſofern nun jenes erſte Negative ſchon der zweite Terminus iſt, ſo kann das als Drittes gezählte auch als Viertes gezählt, und ſtatt der Triplicität die abſtracte Form als eine Quadruplicität genommen werden; das Negative oder der Unterſchied iſt auf dieſe Weiſe als eine Zweiheit gezählt. — Das Dritte oder das Vierte iſt überhaupt die Einheit des erſten und zweiten Moments, des Unmittelbaren und des Vermittelten. — Daß es dieſe Einheit, ſo wie, daß die ganze Form der Methode eine Triplicität iſt, iſt zwar ganz nur die oberflächliche, äußerliche Seite der Weiſe des Erkennens; aber auch nur dieſe, und zwar in beſtimmterer Anwendung aufgezeigt zu haben, denn die abſtracte Zahlform ſelbſt iſt bekanntlich ſchon früh, aber ohne Begriff, und daher ohne Folge aufgeſtellt worden, — gleichfalls als ein unendliches Verdienſt der kantiſchen Philoſophie anzuſehen. Der Schluß, auch das Dreifache, iſt als die allgemeine Form der Vernunft immer erkannt worden, theils aber galt er überhaupt als eine ganz äußerliche, die Natur des Inhalts nicht beſtimmende Form, theils da er im formellen Sinne bloß in der verſtändigen Beſtimmung der Identität ſich verläuft, fehlt ihm das weſentliche, dialektiſche Moment, die Negativität; dieſes tritt aber in der Triplicität der Beſtimmungen ein, weil das Dritte die Einheit der zwei erſten Beſtimmungen iſt, dieſe aber, da ſie verſchiedene ſind, in Einheit nur als aufgehobene ſeyn können. — Der Formalismus hat ſich zwar der Triplicität gleichfalls bemächtigt, und ſich an das leere Schema derſelben gehalten; der ſeichte Unfug und das Kahle des modernen philoſophiſchen ſogenannten Conſtruirens, das in nichts beſteht, als jenes formelle Schema, ohne Begriff und immanente Beſtimmung überall anzuhängen, und zu einem äußerlichen Ordnen zu gebrauchen, hat jene Form langweilig und übel berüchtigt gemacht. Durch die Schaalheit dieſes Gebrauchs aber kann ſie an ihrem innern Werthe nicht verlieren, und es iſt immer hoch zu ſchätzen, daß zunächſt auch nur die unbegriffene Geſtalt des Vernünftigen aufgefunden worden.

Näher iſt nun das Dritte das Unmittelbare aber durch Aufhebung der Vermittelung, das Einfache durch Aufheben des Unterſchiedes, das Poſitive durch Aufheben des Negativen, der Begriff, der ſich durch das Anderſſeyn realiſirt, und durch Aufheben dieſer Realität mit ſich zuſammengegangen, und ſeine abſolute Realität, ſeine einfache Beziehung auf ſich hergeſtellt hat. Dieß Reſultat iſt daher die Wahrheit. Es iſt ebenſo ſehr Unmittelbarkeit als Vermittelung; — aber dieſe Formen des Urtheils: das Dritte iſt Unmittelbarkeit und Vermittelung, oder es iſt die Einheit derſelben, ſind nicht vermögend, es zu faſſen, weil es nicht ein ruhendes Drittes, ſondern eben als dieſe Einheit, die ſich mit ſich ſelbſt vermittelnde Bewegung und Thätigkeit iſt. — Wie das Anfangende das Allgemeine, ſo iſt das Reſultat das Einzelne, Concrete, Subject; was jenes an ſich, iſt dieſes nun ebenſo ſehr für ſich, das Allgemeine iſt im Subjecte geſetzt. Die beiden erſten Momente der Triplicität ſind die abſtracten, unwahren Momente, die eben darum dialektiſch ſind, und durch dieſe ihre Negativität ſich zum Subjecte machen. Der Begriff ſelbſt iſt, für uns zunächſt, ſowohl das an-ſich-ſeyende Allgemeine, als das für-ſich-ſeyende Negative, als auch das dritte an- und für-ſich-ſeyende, das Allgemeine, welches durch alle Momente des Schluſſes hindurchgeht; aber das Dritte iſt der Schlußſatz, in welchem er durch ſeine Negativität mit ſich ſelbſt vermittelt, hiermit für ſich als das Allgemeine und Identiſche ſeiner Momente geſetzt iſt.

Dieß Reſultat hat nun als das in ſich gegangene und mit ſich identiſche Ganze ſich die Form der Unmittelbarkeit wieder gegeben. Somit iſt es nun ſelbſt ein ſolches, wie das Anfangende ſich beſtimmt hatte. Als einfache Beziehung auf ſich iſt es ein Allgemeines, und die Negativität, welche die Dialektik und Vermittelung deſſelben ausmachte, iſt in dieſer Allgemeinheit gleichfalls in die einfache Beſtimmtheit zuſammengegangen, welche wieder ein Anfang ſeyn kann. Es kann zunächſt ſcheinen, daß dieß Erkennen des Reſultats eine Analyſe deſſelben ſeyn und daher diejenigen Beſtimmungen und deren Gang wieder auseinander legen müſſe, durch den es entſtanden und betrachtet worden iſt. Wenn aber die Behandlung des Gegenſtandes wirklich auf dieſe analytiſche Weiſe gemacht wird, ſo gehört ſie der oben betrachteten Stufe der Idee, dem ſuchenden Erkennen, an, das von ſeinem Gegenſtand nur angiebt, was iſt, ohne die Nothwendigkeit ſeiner concreten Identität und deren Begriff. Die Methode der Wahrheit aber, die den Gegenſtand begreift, iſt zwar, wie gezeigt, ſelbſt analytiſch, da ſie ſchlechthin im Begriffe bleibt, aber ſie iſt ebenſo ſehr ſynthetiſch, denn durch den Begriff wird der Gegenſtand dialektiſch und als anderer beſtimmt. Die Methode bleibt an der neuen Grundlage, die das Reſultat als der nunmehrige Gegenſtand ausmacht, dieſelbe, als bei dem vorhergehenden. Der Unterſchied betrifft allein das Verhältniß der Grundlage als ſolcher; ſie iſt dieß zwar jetzt gleichfalls, aber ihre Unmittelbarkeit iſt nur Form, weil ſie zugleich Reſultat war; ihre Beſtimmtheit als Inhalt iſt daher nicht mehr ein bloß Aufgenommenes, ſondern Abgeleitetes und Erwieſenes.

Hier iſt es erſt, wo der Inhalt des Erkennens als ſolcher in den Kreis der Betrachtung eintritt, weil er nun als abgeleiteter der Methode angehört. Die Methode ſelbſt erweitert ſich durch dieß Moment zu einem Syſteme. — Zunächſt mußte für ſie der Anfang in Anſehung des Inhalts ganz unbeſtimmt ſeyn; ſie erſcheint inſofern als die nur formelle Seele, für und durch welche der Anfang ganz allein nur ſeiner Form nach, nämlich als das Unmittelbare und Allgemeine beſtimmt war. Durch die aufgezeigte Bewegung hat der Gegenſtand eine Beſtimmtheit für ſich ſelbſt erhalten, die ein Inhalt iſt, weil die in die Einfachheit zuſammengegangene Negativität die aufgehobene Form iſt, und als einfache Beſtimmtheit, ihrer Entwickelung, zunächſt ihrem Gegenſatze ſelbſt gegen die Allgemeinheit, gegenüberſteht.

Indem nun dieſe Beſtimmtheit die nächſte Wahrheit des unbeſtimmten Anfangs iſt, ſo rügt ſie denſelben als etwas Unvollkommenes, ſo wie die Methode ſelbſt, die von demſelben ausgehend nur formell war. Dieß kann als die nunmehr beſtimmte Forderung ausgedrückt werden, daß der Anfang, weil er gegen die Beſtimmtheit des Reſultats ſelbſt ein Beſtimmtes iſt, nicht als Unmittelbares, ſondern als Vermitteltes und Abgeleitetes genommen werden ſoll; was als die Forderung des unendlichen rückwärts gehenden Progreſſes im Beweiſen und Ableiten erſcheinen kann; ſo wie aus dem neuen Anfang, der erhalten worden iſt, durch den Verlauf der Methode gleichfalls ein Reſultat hervorgeht, ſo daß der Fortgang ſich ebenſo vorwärts ins Unendliche fortwältzt.

Es iſt ſchon oft gezeigt worden, daß der unendliche Progreß überhaupt der begriffloſen Reflexion angehört; die abſolute Methode, die den Begriff zu ihrer Seele und Inhalt hat, kann nicht in denſelben führen. Zunächſt können ſchon ſolche Anfänge wie Seyn, Weſen, Allgemeinheit von der Art zu ſeyn ſcheinen, daß ſie die ganze Allgemeinheit und Inhaltsloſigkeit haben, welche für einen ganz formellen Anfang, wie er ſeyn ſoll, erfordert wird, und daher als abſolut erſte Anfänge keinen weitern Rückgang fordern und zulaſſen. Indem ſie reine Beziehungen auf ſich ſelbſt, Unmittelbare und Unbeſtimmte ſind, ſo haben ſie allerdings den Unterſchied nicht an ihnen, der an einem ſonſtigen Anfange ſogleich zwiſchen der Allgemeinheit ſeiner Form und ſeinem Inhalte geſetzt iſt. Aber die Unbeſtimmtheit, welche jene logiſchen Anfänge zu ihrem einzigen Inhalte haben, iſt es ſelbſt, was ihre Beſtimmtheit ausmacht, dieſe beſteht nämlich in ihrer Negativität als aufgehobener Vermittelung; die Beſonderheit von dieſer giebt auch ihrer Unbeſtimmtheit eine Beſonderheit, wodurch ſich Seyn, Weſen und Allgemeinheit von einander unterſcheiden. Die Beſtimmtheit nun, die ihnen zukommt, iſt ihre, wie ſie für ſich genommen werden, unmittelbare Beſtimmtheit, ſo gut als die irgend eines Inhalts, und bedarf daher einer Ableitung; für die Methode iſt es gleichgültig, ob die Beſtimmtheit als Beſtimmtheit der Form oder des Inhalts genommen werde. Es fängt deswegen in der That für die Methode keine neue Weiſe damit an, daß ſich durch das erſte ihrer Reſultate ein Inhalt beſtimmt habe; ſie bleibt hiermit nicht mehr noch weniger formell als vorher. Denn da ſie die abſolute Form, der ſich ſelbſt und Alles als Begriff wiſſende Begriff iſt, ſo iſt kein Inhalt, der ihr gegenüberträte, und ſie zur einſeitigen, äußerlichen Form beſtimmte. Wie daher die Inhaltsloſigkeit jener Anfänge ſie nicht zu abſoluten Anfängen macht, ſo iſt es aber auch nicht der Inhalt, der als ſolcher die Methode in den unendlichen Progreß vor- oder rückwärts führte. Von einer Seite iſt die Beſtimmtheit, welche ſie ſich in ihrem Reſultate erzeugt, das Moment, wodurch ſie die Vermittelung mit ſich iſt, und den unmittelbaren Anfang zu einem Vermittelten macht. Aber umgekehrt iſt es die Beſtimmtheit, durch welche ſich dieſe ihre Vermittelung verläuft; ſie geht durch einen Inhalt als durch ein ſcheinbares Andere ihrer ſelbſt, zu ihrem Anfange ſo zurück, daß ſie nicht bloß denſelben, aber als einen beſtimmten, wieder herſtellt, ſondern das Reſultat iſt ebenſo ſehr die aufgehobene Beſtimmtheit, ſomit auch die Wiederherſtellung der erſten Unbeſtimmtheit, in welcher ſie angefangen. Dieß leiſtet ſie als ein Syſtem der Totalität. In dieſer Beſtimmung iſt ſie noch zu betrachten.

Die Beſtimmtheit, welche Reſultat war, iſt, wie gezeigt worden, um der Form der Einfachheit willen, in welche ſie zuſammengegangen, ſelbſt ein neuer Anfang; indem er von ſeinem vorhergehenden durch eben dieſe Beſtimmtheit unterſchieden iſt, ſo wälzt ſich das Erkennen von Inhalt zu Inhalt fort. Vor’s Erſte beſtimmt ſich dieß Fortgehen dahin, daß es von einfachen Beſtimmtheiten beginnt, und die folgenden immer reicher und concreter werden. Denn das Reſultat enthält ſeinen Anfang, und deſſen Verlauf hat ihn um eine neue Beſtimmtheit bereichert. Das Allgemeine macht die Grundlage aus; der Fortgang iſt deswegen nicht als ein Fließen von einem Andern zu einem Andern zu nehmen. Der Begriff in der abſoluten Methode erhält ſich in ſeinem Anderſſeyn, das Allgemeine in ſeiner Beſonderung, in dem Urtheile und der Realität; es erhebt auf jede Stufe weiterer Beſtimmung die ganze Maſſe ſeines vorhergehenden Inhalts, und verliert durch ſein dialektiſches Fortgehen nicht nur nichts, noch läßt es etwas dahinten, ſondern trägt alles Erworbene mit ſich, und bereichert und verdichtet ſich in ſich.

Dieſe Erweiterung kann als das Moment des Inhalts und im Ganzen als die erſte Prämiſſe angeſehen werden; das Allgemeine iſt dem Reichthume des Inhalts mitgetheilt, unmittelbar in ihm erhalten. Aber das Verhältniß hat auch die zweite, negative oder dialektiſche Seite. Die Bereicherung geht an der Nothwendigkeit des Begriffes fort, ſie iſt von ihm gehalten, und jede Beſtimmung iſt eine Reflexion in ſich. Jede neue Stufe des Außerſichgehens, das heißt der weitern Beſtimmung, iſt auch ein In-ſich-gehen, und die größere Ausdehnung ebenſo ſehr höhere Intenſität. Das Reichſte iſt daher das Concreteſte und Subjectivſte, und das ſich in die einfachſte Tiefe Zurücknehmende das Mächtigſte und Uebergreifendſte. Die höchſte zugeſchärfteſte Spitze iſt die reine Perſönlichkeit, die allein durch die abſolute Dialektik, die ihre Natur iſt, ebenſo ſehr Alles in ſich befaßt und hält, weil ſie ſich zum Freiſten macht, — zur Einfachheit, welche die erſte Unmittelbarkeit und Allgemeinheit iſt.

Auf dieſe Weiſe iſt es, daß jeder Schritt des Fortgangs im Weiterbeſtimmen, indem er von dem unbeſtimmten Anfang ſich entfernt, auch eine Rückannäherung zu demſelben iſt, daß ſomit das, was zunächſt als verſchieden erſcheinen mag, das rückwärts gehende Begründen des Anfangs, und das vorwärts gehende Weiterbeſtimmen deſſelben in einander fällt und daſſelbe iſt. Die Methode, die ſich hiermit in einen Kreis ſchlingt, kann aber in einer zeitlichen Entwickelung es nicht anticipiren, daß der Anfang ſchon als ſolcher ein Abgeleitetes ſey; für ihn in ſeiner Unmittelbarkeit iſt es genügend, daß er einfache Allgemeinheit iſt. Inſofern er dieß iſt, hat er ſeine vollſtändige Bedingung; und es braucht nicht deprecirt zu werden, daß man ihn nur proviſoriſch und hypothetiſch gelten laſſen möge. Was man gegen ihn vorbringen möchte, — etwa von den Schranken der menſchlichen Erkenntniß, von dem Erforderuiß, ehe man an die Sache gehe, das Inſtrument des Erkennes kritiſch zu unterſuchen, — ſind ſelbſt Vorausſetzungen, die als concrete Beſtimmungen die Forderung ihrer Vermittelung und Begründung mit ſich führen. Da ſie hiermit formell nichts vor dem Anfange mit der Sache, gegen den ſie proteſtiren, voraus haben, und vielmehr wegen des concretern Inhalts einer Ableitung bedürftig ſind, ſo ſind ſie nur für eitle Anmaßungen zu nehmen, daß auf ſie vielmehr als etwas Anderes zu achten ſey. Sie haben einen unwahren Inhalt, indem ſie das als endlich und unwahr Bekannte zu einem Unumſtößlichen und Abſoluten machen, nämlich ein beſchränktes, als Form und Inſtrument gegen ſeinen Inhalt beſtimmtes Erkennen; dieſes unwahre Erkennen iſt ſelbſt auch die Form, das Begründen, das rückwärts geht. — Auch die Methode weiß den Anfang als ein Unvollkommenes, weil er Anfang iſt, aber zugleich dieß Unvollkommene überhaupt als ein Nothwendiges, weil die Wahrheit nur das Zu-ſich-ſelbſt-kommen durch die Negativität der Unmittelbarkeit iſt. Die Ungeduld, die über das Beſtimmte, es heiße Anfang, Object, Endliches, oder in welcher Form es ſonſt genommen werde, nur hinaus, und unmittelbar ſich im Abſoluten befinden will, hat als Erkenntniß nichts vor ſich, als das leere Negative, das abſtracte Unendliche; — oder ein gemeintes Abſolutes, das ein gemeintes iſt, weil es nicht geſetzt, nicht erfaßt iſt; erfaſſen läßt es ſich nur durch die Vermittelung des Erkennens, von der das Allgemeine und Unmittelbare ein Moment, die Wahrheit ſelbſt aber nur im ausgebreiteten Verlauf und im Ende iſt. Für das ſubjective Bedürfniß der Unbekanntſchaft und deren Ungeduld kann wohl eine Ueberſicht des Ganzen zum Voraus gegeben werden, — durch eine Eintheilung für die Reflexion, die von dem Allgemeinen nach der Weiſe des endlichen Erkennens das Beſondere als ein Vorhandenes und in der Wiſſenſchaft zu Erwartendes angiebt. Doch gewährt dieß mehr nicht als ein Bild der Vorſtellung; denn der wahrhafte Uebergang vom Allgemeinen zum Beſondern und zu dem an und für ſich beſtimmten Ganzen, worin jenes erſte Allgemeine ſelbſt nach ſeiner wahrhaften Beſtimmung wieder Moment iſt, iſt jener Weiſe der Eintheilung fremd, und iſt allein die Vermittelung der Wiſſenſchaft ſelbſt.

Vermöge der aufgezeigten Natur der Methode ſtellt ſich die Wiſſenſchaft als einen in ſich geſchlungenen Kreis dar, in deſſen Anfang, den einfachen Grund, die Vermittelung das Ende zurückſchlingt; dabei iſt dieſer Kreis ein Kreis von Kreiſen; denn jedes einzelne Glied, als Beſeeltes der Methode, iſt die Reflexion in-ſich, die, indem ſie in den Anfang zurückkehrt, zugleich der Anfang eines neuen Gliedes iſt. Bruchſtücke dieſer Kette ſind die einzelnen Wiſſenſchaften, deren jede ein Vor und ein Nach hat, — oder genauer geſprochen, nur das Vor hat, und in ihrem Schluſſe ſelbſt ihr Nach zeigt.

So iſt denn auch die Logik in der abſoluten Idee zu dieſer einfachen Einheit zurückgegangen, welche ihr Anfang iſt; die reine Unmittelbarkeit des Seyns, in dem zuerſt alle Beſtimmung als ausgelöſcht oder durch die Abſtraction weggelaſſen erſcheint, iſt die durch die Vermittelung, nämlich die Aufhebung der Vermittelung zu ihrer entſprechenden Gleichheit mit ſich gekommene Idee. Die Methode iſt der reine Begriff, der ſich nur zu ſich ſelbſt verhält; ſie iſt daher die einfache Beziehung auf ſich, welche Seyn iſt. Aber es iſt nun auch erfülltes Seyn, der ſich begreifende Begriff, das Seyn als die concrete, ebenſo ſchlechthin intenſive Totalität. — Es iſt von dieſer Idee zum Schluſſe nur noch dieß zu erwähnen, daß in ihr erſtlich die logiſche Wiſſenſchaft ihren eigenen Begriff erfaßt hat. Bei dem Seyn, dem Anfange ihres Inhalts erſcheint ihr Begriff als ein demſelben äußerliches Wiſſen in ſubjectiver Reflexion. In der Idee des abſoluten Erkennens aber iſt er zu ihrem eigenen Inhalte geworden. Sie iſt ſelbſt der reine Begriff, der ſich zum Gegenſtande hat, und der, indem er ſich als Gegenſtand die Totalität ſeiner Beſtimmungen durchläuft, ſich zum Ganzen ſeiner Realität, zum Syſteme der Wiſſenſchaft ausbildet, und damit ſchließt, dieß Begreifen ſeiner ſelbſt zu erfaſſen, ſomit ſeine Stellung als Inhalt und Gegenſtand aufzuheben, und den Begriff der Wiſſenſchaft zu erkennen. — Zweitens iſt dieſe Idee noch logiſch, ſie iſt in den reinen Gedanken eingeſchloſſen, die Wiſſenſchaft nur des göttlichen Begriffs. Die ſyſtematiſche Ausführung iſt zwar ſelbſt eine Realiſation, aber innerhalb derſelben Sphäre gehalten. Weil die reine Idee des Erkennens inſofern in die Subjectivität eingeſchloſſen iſt, iſt ſie Trieb, dieſe aufzuheben, und die reine Wahrheit wird als letztes Reſultat auch der Anfang einer andern Sphäre und Wiſſenſchaft. Dieſer Uebergang bedarf hier nur noch angedeutet zu werden.

Indem die Idee ſich nämlich als abſolute Einheit des reinen Begriffs und ſeiner Realität ſetzt, ſomit in die Unmittelbarkeit des Seyns zuſammennimmt, ſo iſt ſie als die Totalität in dieſer Form, — Natur. — Dieſe Beſtimmung iſt aber nicht ein Gewordenſeyn und Uebergang, wie, nach oben, der ſubjective Begriff in ſeiner Totalität zur Objectivität, auch der ſubjective Zweck zum Leben wird. Die reine Idee, in welcher die Beſtimmtheit oder Realität des Begriffes ſelbſt zum Begriffe erhoben iſt, iſt vielmehr abſolute Befreiung, für welche keine unmittelbare Beſtimmung mehr iſt, die nicht ebenſo ſehr geſetzt und der Begriff iſt; in dieſer Freiheit findet daher kein Uebergang ſtatt, das einfache Seyn, zu dem ſich die Idee beſtimmt, bleibt ihr vollkommen durchſichtig, und iſt der in ſeiner Beſtimmung bei ſich ſelbſt bleibende Begriff. Das Uebergehen iſt alſo hier vielmehr ſo zu faſſen, daß die Idee ſich ſelbſt frei entläßt, ihrer abſolut ſicher und in ſich ruhend. Um dieſer Freiheit willen iſt die Form ihrer Beſtimmtheit ebenſo ſchlechthin frei, — die abſolut für ſich ſelbſt ohne Subjectivität ſeyende Aeußerlichkeit des Raums und der Zeit. — Inſofern dieſe nur nach der abſtracten Unmittelbarkeit des Seyns iſt und vom Bewußtſeyn gefaßt wird, iſt ſie als bloße Objectivität und äußerliches Leben; aber in der Idee bleibt ſie an und für ſich die Totalität des Begriffs, und die Wiſſenſchaft im Verhältniſſe des göttlichen Erkennens zur Natur. Dieſer nächſte Entſchluß der reinen Idee, ſich als äußerliche Idee zu beſtimmen, ſetzt ſich aber damit nur die Vermittelung, aus welcher ſich der Begriff als freie aus der Aeußerlichkeit in ſich gegangene Exiſtenz emporhebt, in der Wiſſenſchaft des Geiſtes ſeine Befreiung durch ſich vollendet, und den höchſten Begriff ſeiner ſelbſt in der logiſchen Wiſſenſchaft, als dem ſich begreifenden reinen Begriffe, findet.

ヘーゲル『論理学』第2部 概念論(全集第5巻・1841年第2版〔無変更再版〕)

発行責任者(編者):飯島健二

発行:古典書房

制作協力:Claude(claude-sonnet-5-5)

初版発行日:2026年10月11日

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