Georg Wilhelm Friedrich Hegel’s
Herausgegeben von D. Leopold von Henning.
Erſter Theil.
Die objective Logik.
Zweite Abtheilung.
Die Lehre vom Weſen.
Zweite unveränderte Auflage.
Mit Königl. Württembergiſchem, Großherzogl. Heſſiſchem und der freien Stadt Frankfurt Privilegium gegen den Nachdruck und Nachdrucks-Verkauf.
Berlin, 1841.
Verlag von Duncker und Humblot.
このHTMLは、ゲオルク・ヴィルヘルム・フリードリヒ・ヘーゲル(G. W. F. Hegel)『論理学(Wiſſenſchaft der Logik)』第1部「客観的論理学」第2巻「本質論(Die Lehre vom Weſen)」のドイツ語本文を掲載したものです。底本は、ヘーゲル没後に刊行された全集(Werke)第4巻(初版1834年)の第2版、すなわち「1841年刊の無変更再版」(扉の表記は「Zweite unveränderte Auflage」)です(ベルリン、ドゥンカー・ウント・フンブロット書店、レオポルト・フォン・ヘニング編)。本文は1834年版と同一で、序文(Vorwort des Herausgebers)の日付も1834年5月3日のままです。
収録範囲は、編者序文(Vorwort des Herausgebers、頁V〜VIII、1834年5月3日付)と、第2書「本質論(Das Weſen)」の扉(印刷頁1)から、第1節「Das Weſen als Reflexion in ihm ſelbſt」、第2節「Die Erſcheinung」、第3節「Die Wirklichkeit」の全体を経て、第3節第3章「Das abſolute Verhältniß」の末尾(頁235)までです。底本の目次(Inhaltsanzeige)は書き起こしていませんが、本HTMLの目次は、その階層と頁番号を再現しています。第3巻「概念論」は含みません。第1巻「有論」は別のHTMLです。
底本(実物画像):Georg Wilhelm Friedrich Hegel’s Werke. Vollſtändige Ausgabe durch einen Verein von Freunden des Verewigten. Vierter Band. Zweite Auflage. Berlin: Duncker und Humblot, 1841.(扉は『論理学』の巻として「Erſter Theil. Die objective Logik. Zweite Abtheilung. Die Lehre vom Weſen」と記す。)スキャン画像は、ハノーファー工科大学図書館(TIB)のRetrodigitalisierungによる。
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Dem Verfaſſer der Wiſſenſchaft der Logik iſt es nicht vergönnt worden, die mit rüſtigem Eifer unternommene neue Durcharbeitung dieſes Werkes zu vollenden. Kaum hatte derſelbe die letzten Worte der Vorrede zum erſten Band der neuen Ausgabe niedergeſchrieben, als die Krankheit ihn ergriff, durch deren beklagenswerthen Ausgang ſeinem fernern Wirken für die durch ihn ſo mächtig geförderte Wiſſenſchaft ein unerwartetes Ziel geſetzt wurde. Während aus der Vergleichung der älteren mit der neuen Ausgabe des erſten Bandes dieſer Logik zu entnehmen iſt, wie ſehr auch die beiden andern Bände (welche gegenwärtig nach der in den Jahren 1813 und 1816 erſchienenen erſten Ausgabe wieder abgedruckt worden) unter der Hand ihres Verfaſſers an Strenge der dialektiſchen Durchführung, an Beſtimmtheit des Ausdrucks und an äußerer Zugänglichkeit noch würden gewonnen haben, ſo gereicht es uns zu nicht geringem Troſt, ſagen zu können, daß es dem verewigten großen Lehrer, der nicht ohne vieljährige Vorbereitung und im reifſten Mannesalter dieſe Arbeit unternommen, ſchon in der erſten Ausführung ein Werk aufzuſtellen gelungen iſt, dem, wie ſchon jetzt, ſo immer mehr von den künftigen Geſchlechtern der Ruhm eines auf ſicherem Fundament ruhenden und in allen Hauptpartieen mit Meiſterhand ausgeführten Organons der denkenden Erkenntniß wird zugeſtanden werden. — Wenn es übrigens nicht an ſolchen Freunden der Wahrheit fehlt, die mit der vollen Anerkennung deſſen, was hier geleiſtet worden, glauben zurückhalten zu müſſen, und überhaupt von einem fertigen Syſtem der Wahrheit nichts wiſſen wollen, weil nach ihrer Meinung einem ſolchen gegenüber für ſie und ihre Nachfolger nichts zu thun übrig bleiben würde (wobei ſie ſich auf einen bekannten Ausſpruch von Leſſing zu berufen pflegen), ſo können dieſe zu ihrer Beruhigung aus der begonnenen neuen Durcharbeitung dieſes Werkes zur Genüge entnehmen, was es mit dieſem bedenklichen Fertigſeyn der Wiſſenſchaft für eine Bewandtniß hat und wie dadurch neue Leiſtungen und Erfolge keineswegs ausgeſchloſſen werden. — Innerhalb welcher Grenzen unſer ſeliger Freund bei den Lehren vom Weſen und vom Begriff, welche den Inhalt des zweiten und dritten Theils ſeines vorliegenden Werkes bilden, deſſen neue Bearbeitung würde vorgenommen und welche neue Entwickelungen und Beſtimmungen derſelbe würde erhalten haben, ſolches iſt im Allgemeinen aus einer Vergleichung der betreffenden Abſchnitte ſeiner im Jahre 1830 in der dritten Ausgabe erſchienenen Encyclopädie der philoſophiſchen Wiſſenſchaften zu erſehen. Es ergiebt ſich aus einer ſolchen Vergleichung, wie der Verfaſſer, bei ſtrengem Feſthalten an den großen Grundgedanken ſeines Werkes, die nach ſeiner eigenen beſcheidenen Aeußerung als die gemeinſame Errungenſchaft ſeiner Vorgänger auf dem Gebiet der philoſophiſchen Erkenntniß zu betrachten ſind, und bei conſequenter Verfolgung der von ihm mit Recht als die einzig wahre erkannten Methode, es verſtanden hat, ſich die zur lebendigen Fortbildung der Wiſſenſchaft erforderliche Friſche und Beweglichkeit des Geiſtes zu erhalten. Mögen diejenigen, welche zur ferneren Pflege unſerer Wiſſenſchaft berufen ſind, in dieſem Beruf die Selbſtentäußerung, den Muth der Vernunft und den raſtlos vorwärts ſtrebenden Eifer des theuern Lehrers ſich ſtets zum Vorbild dienen laſſen, ſo wird über Erſtarrung der Wiſſenſchaft und über Hemmung ihrer fortſchreitenden Entwickelung keine begründete Klage geführt werden können.
Das Geſchäft des Herausgebers beim Wiederabdruck des vorliegenden Werkes hat der Natur der Sache nach in nichts Anderem als in ſorgfältiger Correctur entdeckter Druck- und Schreibfehler beſtehen können und hat derſelbe in letzterer Beziehung bei bedenklichen Stellen ſich durchaus nur ſolche Aenderungen erlaubt, zu denen er der Zuſtimmung des Verfaſſers, wenn ſolche einzuholen ihm wäre vergönnt geweſen, ſich völlig verſichert halten durfte.
Berlin, den 3. Mai 1834.
Die Wahrheit des Seyns iſt das Weſen.
Das Seyn iſt das Unmittelbare. Indem das Wiſſen das Wahre erkennen will, was das Seyn an und für ſich iſt, ſo bleibt es nicht beim Unmittelbaren und deſſen Beſtimmungen ſtehen, ſondern dringt durch daſſelbe hindurch, mit der Vorausſetzung, daß hinter dieſem Seyn noch etwas Anderes iſt, als das Seyn ſelbſt, daß dieſer Hintergrund die Wahrheit des Seyns ausmacht. Dieſe Erkenntniß iſt ein vermitteltes Wiſſen, denn ſie befindet ſich nicht unmittelbar beim und im Weſen, ſondern beginnt von einem Andern, dem Seyn, und hat einen vorläufigen Weg, den Weg des Hinausgehens über das Seyn oder vielmehr des Hineingehens in daſſelbe zu machen. Erſt indem das Wiſſen ſich aus dem unmittelbaren Seyn erinnert, durch dieſe Vermittelung findet es das Weſen. — Die Sprache hat im Zeitwort: Seyn, das Weſen in der vergangenen Zeit: geweſen, behalten; denn das Weſen iſt das vergangene, aber zeitlos vergangene Seyn.
Dieſe Bewegung, als Weg des Wiſſens vorgeſtellt, ſo erſcheint dieſer Anfang vom Seyn und der Fortgang, der es aufhebt und beim Weſen als einem Vermittelten anlangt, eine Thätigkeit des Erkennens zu ſeyn, die dem Seyn äußerlich ſey und deſſen eigene Natur nichts angehe.
Aber dieſer Gang iſt die Bewegung des Seyns ſelbſt. Es zeigte ſich an dieſem, daß es durch ſeine Natur ſich erinnert, und durch dieß Inſichgehen zum Weſen wird.
Wenn alſo das Abſolute zuerſt als Seyn beſtimmt war, ſo iſt es jetzt als Weſen beſtimmt. Das Erkennen kann überhaupt nicht bei dem mannigfaltigen Daſeyn, aber auch nicht bei dem Seyn, dem reinen Seyn, ſtehen bleiben; es dringt ſich unmittelbar die Reflexion auf, daß dieſes reine Seyn, die Negation alles Endlichen, eine Erinnerung und Bewegung vorausſetzt, welche das unmittelbare Daſeyn zum reinen Seyn gereinigt hat. Das Seyn wird hiernach als Weſen beſtimmt, als ein ſolches Seyn, an dem alles Beſtimmte und Endliche negirt iſt. So iſt es die beſtimmungsloſe, einfache Einheit, von der das Beſtimmte auf eine äußerliche Weiſe hinweggenommen worden; dieſer Einheit war das Beſtimmte ſelbſt ein Aeußerliches, und es bleibt ihr nach dieſem Wegnehmen noch gegenüber ſtehen; denn es iſt nicht an ſich, ſondern relativ, nur in Beziehung auf dieſe Einheit, aufgehoben worden. — Es wurde oben ſchon erinnert, daß wenn das reine Weſen als Inbegriff aller Realitäten beſtimmt wird, dieſe Realitäten gleichfalls der Natur der Beſtimmtheit, und der abſtrahirenden Reflexion unterliegen, und dieſer Inbegriff ſich zur leeren Einfachheit reducirt. Das Weſen iſt auf dieſe Weiſe nur Product, ein Gemachtes. Die äußerliche Negation, welche Abſtraction iſt, hebt die Beſtimmtheiten des Seyns nur hinweg von dem, was als Weſen übrig bleibt; es ſtellt ſie gleichſam immer nur an einen andern Ort, und läßt ſie als ſeyende vor wie nach. Das Weſen iſt aber auf dieſe Weiſe weder an ſich, noch für ſich ſelbſt; es iſt durch ein Anderes, die äußerliche, abſtrahirende Reflexion; und iſt für ein Anderes, nämlich für die Abſtraction und überhaupt für das ihm gegenüber ſtehen bleibende Seyende. In ſeiner Beſtimmung iſt es daher die in ſich todte, leere Beſtimmungsloſigkeit.
Das Weſen aber, wie es hier geworden iſt, iſt das, was es iſt, nicht durch eine ihm fremde Negativität, ſondern durch ſeine eigene, die unendliche Bewegung des Seyns. Es iſt An-und-Fürſichſeyn; abſolutes Anſichſeyn, indem es gleichgültig gegen alle Beſtimmtheit des Seyns iſt, das Andersſeyn und die Beziehung auf Anderes ſchlechthin aufgehoben worden iſt. Es iſt aber nicht nur dieß Anſichſeyn; als bloßes Anſichſeyn wäre es nur dieAbſtraction des reinen Weſens; ſondern es iſt ebenſo weſentlich Fürſichſeyn; es ſelbſt iſt dieſe Negativität, das ſich Aufheben des Andersſeyns und der Beſtimmtheit.
Das Weſen als die vollkommene Rückkehr des Seyns in ſich iſt ſo zunächſt das unbeſtimmte Weſen; die Beſtimmtheiten des Seyns ſind in ihm aufgehoben; es enthält ſie an ſich; aber nicht wie ſie an ihm geſetzt ſind. Das abſolute Weſen in dieſer Einfachheit mit ſich hat kein Daſeyn. Aber es muß zum Daſeyn übergehen; denn es iſt An-und-Fürſichſeyn, das heißt, es unterſcheidet die Beſtimmungen, welche es an ſich enthält; weil es Abſtoßen ſeiner von ſich oder Gleichgültigkeit gegen ſich, negative Beziehung auf ſich iſt, ſetzt es ſich ſomit ſich ſelbſt gegenüber, und iſt nur inſofern unendliches Fürſichſeyn als es die Einheit mit ſich in dieſem ſeinem Unterſchiede von ſich iſt. — Dieſes Beſtimmen iſt denn anderer Natur, als das Beſtimmen in der Sphäre des Seyns, und die Beſtimmungen des Weſens haben einen anderen Charakter als die Beſtimmtheiten des Seyns. Das Weſen iſt abſolute Einheit des An-und-Fürſichſeyns; ſein Beſtimmen bleibt daher innerhalb dieſer Einheit, und iſt kein Werden noch Uebergehen, ſo wie die Beſtimmungen ſelbſt nicht ein Anderes als Anderes, noch Beziehungen auf Anderes ſind; ſie ſind Selbſtſtändige, aber damit nur als ſolche, die in ihrer Einheit mit einander ſind. — Indem das Weſen zuerſt einfache Negativität iſt, ſo hat es nun die Beſtimmtheit, welche es nur an ſich enthält, in ſeiner Sphäre zu ſetzen, um ſich Daſeyn und dann ſein Fürſichſeyn zu geben.
Das Weſen iſt im Ganzen das, was die Quantität in der Sphäre des Seyns war; die abſolute Gleichgültigkeit gegen die Grenze. Die Quantität aber iſt dieſe Gleichgültigkeit in unmittelbarer Beſtimmung, und die Grenze an ihr unmittelbar äußerliche Beſtimmtheit, ſie geht ins Quantum über; die äußerliche Grenze iſt ihr nothwendig, und iſt an ihr ſeyend. Am Weſen hingegen iſt die Beſtimmtheit nicht; ſie iſt nur durch das Weſen ſelbſt geſetzt; nicht frei, ſondern nur in der Beziehung auf ſeine Einheit. — Die Negativität des Weſens iſt die Reflexion, und die Beſtimmungen reflectirte, durch das Weſen ſelbſt geſetzte und in ihm als aufgehobene bleibende.
Das Weſen ſteht zwiſchen Seyn und Begriff und macht die Mitte derſelben und ſeine Bewegung den Uebergang vom Seyn in den Begriff aus. Das Weſen iſt das An-und-Fürſichſeyn, aber daſſelbe in der Beſtimmung des Anſichſeyns; denn ſeine allgemeine Beſtimmung iſt, aus dem Seyn herzukommen, oder die erſte Negation des Seyns zu ſeyn. Seine Bewegung beſteht darin, die Negation oder Beſtimmung an ihm zu ſetzen, dadurch ſich Daſeyn zu geben, und das als unendliches Fürſichſeyn zu werden, was es an ſich iſt. So giebt es ſich ſein Daſeyn, das ſeinem Anſichſeyn gleich iſt, und wird der Begriff. Denn der Begriff iſt das Abſolute, wie es in ſeinem Daſeyn abſolut oder an und für ſich iſt. Das Daſeyn aber, das ſich das Weſen giebt, iſt noch nicht das Daſeyn, wie es an und für ſich iſt, ſondern wie das Weſen es ſich giebt, oder wie es geſetzt wird, daher noch von dem Daſeyn des Begriffs unterſchieden.
Das Weſen ſcheint zuerſt in ſich ſelbſt, oder iſt Reflexion; zweitens erſcheint es; drittens offenbart es ſich. Es ſetzt ſich in ſeiner Bewegung in folgende Beſtimmungen,
I. als einfaches, anſichſeyendes Weſen in ſeinen Beſtimmungen innerhalb ſeiner;
II. als heraustretend in das Daſeyn, oder nach ſeiner Exiſtenz und Erſcheinung;
III. als Weſen, das mit ſeiner Erſcheinung eins iſt, als Wirklichkeit.
Das Weſen kommt aus dem Seyn her; es iſt inſofern nicht unmittelbar an und für ſich, ſondern ein Reſultat jener Bewegung. Oder das Weſen zunächſt als ein unmittelbares genommen, ſo iſt es ein beſtimmtes Daſeyn, dem ein anderes gegenüber ſteht; es iſt nur weſentliches Daſeyn gegen unweſentliches. Das Weſen iſt aber das an und für ſich aufgehobene Seyn; es iſt nur Schein, was ihm gegenüber ſteht. Allein der Schein iſt das eigene Setzen des Weſens.
Das Weſen iſt erſtens Reflexion. Die Reflexion beſtimmt ſich; ihre Beſtimmungen ſind ein Geſetztſeyn, das zugleich Reflexion in ſich iſt; es ſind zweitens dieſe Reflexions-Beſtimmungen oder die Weſenheiten zu betrachten.
Drittens macht ſich das Weſen als die Reflexion des Beſtimmens in ſich ſelbſt, zum Grunde, und geht in die Exiſtenz und Erſcheinung über.
Das Weſen aus dem Seyn herkommend ſcheint demſelben gegenüber zu ſtehen; dieß unmittelbare Seyn iſt zunächſt das Unweſentliche.
Allein es iſt zweitens mehr als nur unweſentliches, es iſt weſenloſes Seyn, es iſt Schein.
Drittens dieſer Schein iſt nicht ein Aeußerliches, dem Weſen Anderes, ſondern er iſt ſein eigener Schein. Das Scheinen des Weſens in ihm ſelbſt iſt die Reflexion.
Das Weſen iſt das aufgehobene Seyn. Es iſt einfache Gleichheit mit ſich ſelbſt, aber inſofern es die Negation der Sphäre des Seyns überhaupt iſt. So hat das Weſen die Unmittelbarkeit ſich gegenüber, als eine ſolche, aus der es geworden iſt, und die ſich in dieſem Aufheben aufbewahrt und erhalten hat. Das Weſen ſelbſt iſt in dieſer Beſtimmung ſeyendes, unmittelbares Weſen, und das Seyn nur ein Negatives in Beziehung auf das Weſen, nicht an und für ſich ſelbſt, das Weſen alſo eine beſtimmte Negation. Seyn und Weſen verhalten ſich auf dieſe Weiſe wieder als Andere überhaupt zu einander, denn jedes hat ein Seyn, eine Unmittelbarkeit, die gegen einander gleichgültig ſind, und ſtehen dieſem Seyn nach in gleichem Werthe.
Zugleich aber iſt das Seyn im Gegenſatze gegen das Weſen, das Unweſentliche, es hat gegen daſſelbe die Beſtimmung des Aufgehobenen. Inſofern es ſich jedoch zum Weſen nur überhaupt als ein Anderes verhält, ſo iſt das Weſen nicht eigentlich Weſen, ſondern nur ein anders beſtimmtes Daſeyn, das Weſentliche.
Der Unterſchied von Weſentlichem und Unweſentlichem hat das Weſen in die Sphäre des Daſeyns zurückfallen laſſen; indem das Weſen, wie es zunächſt iſt, als unmittelbares ſeyendes, und damit nur als Anderes beſtimmt iſt gegen das Seyn. Die Sphäre des Daſeyns iſt damit zu Grunde gelegt, und daß das, was das Seyn in dieſem Daſeyn iſt, An-und-Fürſichſeyn iſt, iſt eine weitere dem Daſeyn ſelbſt äußerliche Beſtimmung; ſo wie umgekehrt das Weſen wohl das An-und-Fürſichſeyn iſt, aber nur gegen Anderes, in beſtimmter Rückſicht. — Inſofern daher an einem Daſeyn ein Weſentliches und ein Unweſentliches von einander unterſchieden werden, ſo iſt dieſer Unterſchied ein äußerliches Setzen, eine das Daſeyn ſelbſt nicht berührende Abſonderung eines Theils deſſelben, von einem andern Theile; eine Trennung, die in ein Drittes fällt. Es iſt dabei unbeſtimmt, was zum Weſentlichen oder Unweſentlichen gehört. Es iſt irgend eine äußerliche Rückſicht und Betrachtung, die ihn macht, und derſelbe Inhalt deswegen bald als weſentlich, bald als unweſentlich anzuſehen.
Genauer betrachtet, wird das Weſen zu einem nur Weſentlichen gegen ein Unweſentliches dadurch, daß das Weſen nur genommen iſt als aufgehobenes Seyn oder Daſeyn. Das Weſen iſt auf dieſe Weiſe nur die erſte oder die Negation, welche Beſtimmtheit iſt, durch welche das Seyn nur Daſeyn, oder das Daſeyn nur ein Anderes wird. Das Weſen aber iſt die abſolute Negativität des Seyns; es iſt das Seyn ſelbſt, aber nicht nur als ein Anderes beſtimmt, ſondern das Seyn, das ſich ſowohl als unmittelbares Seyn, wie auch als unmittelbare Negation, als Negation, die mit einem Andersſeyn behaftet iſt, aufgehoben hat. Das Seyn oder Daſeyn hat ſich ſomit nicht als Anderes, denn das Weſen iſt, erhalten, und das noch vom Weſen unterſchiedene Unmittelbare iſt nicht bloß ein unweſentliches Daſeyn, ſondern das an und für ſich nichtige Unmittelbare; es iſt nur ein Unweſen, der Schein.
1. Das Seyn iſt Schein. Das Seyn des Scheins beſteht allein in dem Aufgehobenſeyn des Seyns, in ſeiner Nichtigkeit; dieſe Nichtigkeit hat es im Weſen, und außer ſeiner Nichtigkeit, außer dem Weſen iſt er nicht. Er iſt das Negative geſetzt, als Negatives.
Der Schein iſt der ganze Reſt, der noch von der Sphäre des Seyns übrig geblieben iſt. Er ſcheint aber ſelbſt noch eine vom Weſen unabhängige unmittelbare Seite zu haben und ein Anderes deſſelben überhaupt zu ſeyn. Das Andere enthält überhaupt die zwei Momente des Daſeyns und des Nichtdaſeyns. Das Unweſentliche, indem es nicht mehr ein Seyn hat, ſo bleibt ihm vom Andersſeyn nur das reine Moment des Nichtdaſeyns, der Schein iſt dieß unmittelbare Nichtdaſeyn, ſo in der Beſtimmtheit des Seyns, daß es nur in der Beziehung auf Anderes, in ſeinem Nichtdaſeyn Daſeyn hat; das Unſelbſtſtändige, das nur in ſeiner Negation iſt. Es bleibt ihm alſo nur die reine Beſtimmtheit der Unmittelbarkeit, es iſt als die reflectirte Unmittelbarkeit, das iſt, welche nur vermittelſt ihrer Negation iſt, und die ihrer Vermittelung gegenüber nichts iſt, als die leere Beſtimmung der Unmittelbarkeit des Nichtdaſeyns.
— So iſt der Schein das Phänomen des Skepticismus oder auch die Erſcheinung des Idealismus eine ſolche Unmittelbarkeit, die kein Etwas oder kein Ding iſt, überhaupt nicht ein gleichgültiges Seyn, das außer ſeiner Beſtimmtheit und Beziehung auf das Subject wäre. Es iſt, erlaubte ſich der Skepticismus nicht zu ſagen; der neuere Idealismus erlaubte ſich nicht, die Erkenntniſſe, als ein Wiſſen vom Ding-an-ſich anzuſehen; jener Schein ſollte überhaupt keine Grundlage eines Seyns haben, in dieſe Erkenntniſſe ſollte nicht das Ding-an-ſich eintreten. Zugleich aber ließ der Skepticismus mannigfaltige Beſtimmungen ſeines Scheins zu, oder vielmehr ſein Schein hatte den ganzen mannigfaltigen Reichthum der Welt zum Inhalte. Ebenſo begreift die Erſcheinung des Idealismus den ganzen Umfang dieſer mannigfaltigen Beſtimmtheiten in ſich. Jener Schein und dieſe Erſcheinung ſind unmittelbar ſo mannigfaltig beſtimmt. Dieſem Inhalte mag alſo wohl kein Seyn, kein Ding, oder Ding-an-ſich zu Grunde liegen; er für ſich bleibt, wie er iſt; er iſt nur aus dem Seyn in den Schein überſetzt worden; ſo daß der Schein innerhalb ſeiner ſelbſt jene mannigfaltigen Beſtimmtheiten hat, welche unmittelbare, ſeyende, andere gegen einander ſind. Der Schein iſt alſo ſelbſt ein unmittelbar Beſtimmtes. Er kann dieſen oder jenen Inhalt haben; aber welchen er hat, iſt nicht durch ihn ſelbſt geſetzt, ſondern er hat ihn unmittelbar. Der leibnitziſche, oder kantiſche, fichteſche Idealismus, wie andere Formen deſſelben ſind ſo wenig als der Skepticismus über das Seyn als Beſtimmtheit, über dieſe Unmittelbarkeit, hinausgekommen. Der Skepticismus läßt ſich den Inhalt ſeines Scheins geben; es iſt unmittelbar für ihn, welchen Inhalt er haben ſoll. Die leibnitziſche Monade entwickelt aus ihr ſelbſt ihre Vorſtellungen; aber ſie iſt nicht die erzeugende und verbindende Kraft, ſondern ſie ſteigen in ihr als Blaſen auf; ſie ſind gleichgültig, unmittelbar gegen einander, und ſo gegen die Monade ſelbſt. Ebenſo iſt die kantiſche Erſcheinung ein gegebener Inhalt der Wahrnehmung, er ſetzt Affectionen voraus, Beſtimmungen des Subjects, welche gegen ſich ſelbſt und gegen daſſelbe unmittelbar ſind. Der unendliche Anſtoß des fichteſchen Idealismus mag wohl kein Ding-an-ſich zu Grunde liegen haben, ſo daß er rein eine Beſtimmtheit im Ich wird. Aber dieſe Beſtimmtheit iſt eine dem Ich, das ſie zu der ſeinigen macht und ihre Aeußerlichkeit aufhebt, zugleich unmittelbare, eine Schranke deſſelben, über die es hinausgehen kann, welche aber eine Seite der Gleichgültigkeit an ihr hat, nach der ſie ob zwar im Ich, ein unmittelbares Nichtſeyn deſſelben enthält. —
2. Der Schein alſo enthält eine unmittelbare Vorausſetzung, eine unabhängige Seite gegen das Weſen. Es iſt aber von ihm, inſofern er vom Weſen unterſchieden iſt, nicht zu zeigen, daß er ſich aufhebt und in daſſelbe zurückgeht; denn das Seyn iſt in ſeiner Totalität in das Weſen zurückgegangen; der Schein iſt das an ſich Nichtige; es iſt nur zu zeigen, daß die Beſtimmungen, die ihn vom Weſen unterſcheiden, Beſtimmungen des Weſens ſelbſt ſind, und ferner, daß dieſe Beſtimmtheit des Weſens, welche der Schein iſt, im Weſen ſelbſt aufgehoben iſt.
Es iſt die Unmittelbarkeit des Nichtſeyns, welche den Schein ausmacht; dieß Nichtſeyn aber iſt nichts Anderes als die Negativität des Weſens an ihm ſelbſt. Das Seyn iſt Nichtſeyn in dem Weſen. Seine Nichtigkeit an ſich iſt die negative Natur des Weſens ſelbſt. Die Unmittelbarkeit oder Gleichgültigkeit aber, welche dies Nichtſeyn enthält, iſt das eigene abſolute Anſichſeyn des Weſens. Die Negativität des Weſens iſt ſeine Gleichheit mit ſich ſelbſt, oder ſeine einfache Unmittelbarkeit und Gleichgültigkeit. Das Seyn hat ſich im Weſen erhalten, inſofern dieſes an ſeiner unendlichen Negativität dieſe Gleichheit mit ſich ſelbſt hat; hierdurch iſt das Weſen ſelbſt das Seyn. Die Unmittelbarkeit, welche die Beſtimmtheit am Scheine gegen das Weſen hat, iſt daher nichts Anderes, als die eigene Unmittelbarkeit des Weſens; aber nicht die ſeyende Unmittelbarkeit, ſondern die ſchlechthin vermittelte oder reflectirte Unmittelbarkeit, welche der Schein iſt; — das Seyn nicht als Seyn, ſondern nur als die Beſtimmtheit des Seyns, gegen die Vermittelung; das Seyn als Moment.
Dieſe beiden Momente, die Nichtigkeit aber als Beſtehen, und das Seyn aber als Moment, oder die an ſich ſeyende Negativität und die reflectirte Unmittelbarkeit, welche die Momente des Scheins ausmachen, ſind ſomit die Momente des Weſens ſelbſt: es iſt nicht ein Schein des Seyns am Weſen, oder ein Schein des Weſens am Seyn vorhanden, der Schein im Weſen iſt nicht der Schein eines Andern; ſondern er iſt der Schein an ſich, der Schein des Weſens ſelbſt.
Der Schein iſt das Weſen ſelbſt in der Beſtimmtheit des Seyns. Das, wodurch das Weſen einen Schein hat, iſt, daß es beſtimmt in ſich, und dadurch von ſeiner abſoluten Einheit unterſchieden iſt. Aber dieſe Beſtimmtheit iſt ebenſo ſchlechthin an ihr ſelbſt aufgehoben. Denn das Weſen iſt das Selbſtſtändige, das iſt als durch ſeine Negation, welche es ſelbſt iſt, ſich mit ſich vermittelnd; es iſt alſo die identiſche Einheit der abſoluten Negativität und der Unmittelbarkeit. — Die Negativität iſt die Negativität an ſich; ſie iſt ihre Beziehung auf ſich, ſo iſt ſie an ſich Unmittelbarkeit; aber ſie iſt negative Beziehung auf ſich, abſtoßendes Negiren ihrer ſelbſt, ſo iſt die an ſich ſeyende Unmittelbarkeit das Negative oder Beſtimmte gegen ſie. Aber dieſe Beſtimmtheit iſt ſelbſt die abſolute Negativität und dieß Beſtimmen, das unmittelbar als Beſtimmen das Aufheben ſeiner ſelbſt, Rückkehr in ſich iſt.
Der Schein iſt das Negative, das ein Seyn hat, aber in einem Andern, in ſeiner Negation; er iſt die Unſelbſtſtändigkeit, die an ihr ſelbſt aufgehoben und nichtig iſt. So iſt er das in ſich zurückgehende Negative, das Unſelbſtſtändige, als das an ihm Unſelbſtſtändige. Dieſe Beziehung des Negativen oder der Unſelbſtſtändigkeit auf ſich, iſt ſeine Unmittelbarkeit; ſie iſt ein Anderes als es ſelbſt; ſie iſt ſeine Beſtimmtheit gegen ſich, oder ſie iſt die Negation gegen das Negative. Aber die Negation gegen das Negative iſt die ſich nur auf ſich beziehende Negativität, das abſolute Aufheben der Beſtimmtheit ſelbſt.
Die Beſtimmtheit alſo, welche der Schein im Weſen iſt, iſt unendliche Beſtimmtheit; ſie iſt nur das mit ſich zuſammengehende Negative; ſie iſt ſo die Beſtimmtheit, die als ſolche die Selbſtſtändigkeit, und nicht beſtimmt iſt. — Umgekehrt die Selbſtſtändigkeit als ſich auf ſich beziehende Unmittelbarkeit iſt ebenſo ſchlechthin Beſtimmtheit und Moment und nur als ſich auf ſich beziehende Negativität. — Dieſe Negativität, die identiſch mit der Unmittelbarkeit, und ſo die Unmittelbarkeit, die identiſch mit der Negativität iſt, iſt das Weſen. Der Schein iſt alſo das Weſen ſelbſt, aber das Weſen in einer Beſtimmtheit, aber ſo, daß ſie nur ſein Moment iſt, und das Weſen iſt das Scheinen ſeiner in ſich ſelbſt.
In der Sphäre des Seyns entſteht dem Seyn als unmittelbarem, das Nichtſeyn gleichfalls als unmittelbares gegenüber, und ihre Wahrheit iſt das Werden. In der Sphäre des Weſens findet ſich zuerſt das Weſen und das Unweſentliche, dann das Weſen und der Schein gegenüber; das Unweſentliche und der Schein als Reſte des Seyns. Aber ſie beide, ſo wie der Unterſchied des Weſens von ihnen, beſtehen in weiter nichts, als darin, daß das Weſen zuerſt, als ein unmittelbares genommen wird, nicht wie es an ſich iſt, nämlich nicht als die Unmittelbarkeit, die als die reine Vermittelung oder als abſolute Negativität Unmittelbarkeit iſt. Jene erſte Unmittelbarkeit iſt ſomit nur die Beſtimmtheit der Unmittelbarkeit. Das Aufheben dieſer Beſtimmtheit des Weſens beſteht daher in nichts weiter, als in dem Aufzeigen, daß das Unweſentliche nur Schein, und daß das Weſen vielmehr den Schein in ſich ſelbſt enthält, als die unendliche Bewegung in ſich, welche ſeine Unmittelbarkeit, als die Negativität, und ſeine Negativität als die Unmittelbarkeit beſtimmt und ſo das Scheinen ſeiner in ſich ſelbſt iſt. Das Weſen in dieſer ſeiner Selbſtbewegung iſt die Reflexion.
Der Schein iſt daſſelbe, was die Reflexion iſt; aber er iſt die Reflexion als unmittelbare; für den in ſich gegangenen, hiermit ſeiner Unmittelbarkeit entfremdeten Schein, haben wir das Wort der fremden Sprache, die Reflexion.
Das Weſen iſt Reflexion; die Bewegung des Werdens und Uebergehens, das in ſich ſelbſt bleibt; worin das unterſchiedene ſchlechthin nur als das an ſich negative, als Schein beſtimmt iſt. — In dem Werden des Seyns liegt der Beſtimmtheit das Seyn zu Grunde, und ſie iſt Beziehung auf Anderes. Die reflectirende Bewegung hingegen iſt das Andere als die Negation an ſich, die nur als ſich auf ſich beziehende Negation ein Seyn hat. Oder indem dieſe Beziehung auf ſich eben dieß Negiren der Negation iſt, ſo iſt die Negation als Negation vorhanden, als ein ſolches, das ſein Seyn in ſeinem Negirtſeyn hat, als Schein. Das Andere iſt hier alſo nicht das Seyn mit der Negation oder Grenze, ſondern die Negation mit der Negation. Das Erſte aber gegen dieß Andere, das Unmittelbare oder Seyn, iſt nur dieſe Gleichheit ſelbſt der Negation mit ſich, die negirte Negation, die abſolute Negativität. Dieſe Gleichheit mit ſich oder Unmittelbarkeit iſt daher nicht ein Erſtes, von dem angefangen wird, und das in ſeine Negation überginge; noch iſt es ein ſeyendes Subſtrat, das ſich durch die Reflexion hindurch bewegte; ſondern die Unmittelbarkeit iſt nur dieſe Bewegung ſelbſt.
Das Werden im Weſen, ſeine reflectirende Bewegung, iſt daher die Bewegung von Nichts zu Nichts, und dadurch zu ſich ſelbſt zurück. Das Uebergehen oder Werden hebt in ſeinem Uebergehen ſich auf; das Andere, das in dieſem Uebergehen wird, iſt nicht das Nichtſeyn eines Seyns, ſondern das Nichts eines Nichts, und dieß, die Negation eines Nichts zu ſeyn, macht das Seyn aus. — Das Seyn iſt nur als die Bewegung des Nichts zu Nichts, ſo iſt es das Weſen; und dieſes hat nicht dieſe Bewegung in ſich, ſondern iſt ſie als der abſolute Schein ſelbſt, die reine Negativität, die nichts außer ihr hat, das ſie negirte, ſondern die nur ihr Negatives ſelbſt negirt, das nur in dieſem Negiren iſt.
Dieſe reine abſolute Reflexion, welche die Bewegung von Nichts zu Nichts iſt, beſtimmt ſich ſelbſt weiter.
Sie iſt erſtlich ſetzende Reflexion; ſie macht zweitens den Anfang von dem vorausgeſetzten Unmittelbaren, und iſt ſo äußerliche Reflexion.
Drittens aber hebt ſie dieſe Vorausſetzung auf, und indem ſie in dem Aufheben der Vorausſetzung zugleich vorausſetzend iſt, iſt ſie beſtimmende Reflexion.
Der Schein iſt das Nichtige oder Weſenloſe; aber das Nichtige oder Weſenloſe hat ſein Seyn nicht in einem Andern, in dem es ſcheint, ſondern ſein Seyn iſt ſeine eigene Gleichheit mit ſich; dieſer Wechſel des Negativen mit ſich ſelbſt hat ſich als die abſolute Reflexion des Weſens beſtimmt.
Dieſe ſich auf ſich beziehende Negativität iſt alſo das Negiren ihrer ſelbſt. Sie iſt ſomit überhaupt ſo ſehr aufgehobene Negativität, als ſie Negativität iſt. Oder ſie iſt ſelbſt das Negative und die einfache Gleichheit mit ſich oder Unmittelbarkeit. Sie beſteht alſo darin ſie ſelbſt und nicht ſie ſelbſt und zwar in Einer Einheit zu ſeyn. —
Zunächſt iſt die Reflexion die Bewegung des Nichts zu Nichts, ſomit die mit ſich ſelbſt zuſammengehende Negation. Dieſes Zuſammengehen mit ſich iſt überhaupt einfache Gleichheit mit ſich; die Unmittelbarkeit. Aber dieß Zuſammenfallen iſt nicht Uebergehen der Negation in die Gleichheit mit ſich als in ihr Andersſeyn, ſondern die Reflexion iſt Uebergehen als Aufheben des Uebergehens; denn ſie iſt unmittelbares Zuſammenfallen des Negativen mit ſich ſelbſt; ſo iſt dies Zuſammengehen erſtlich Gleichheit mit ſich, oder Unmittelbarkeit; aber zweitens iſt dieſe Unmittelbarkeit die Gleichheit des Negativen mit ſich, ſomit die ſich ſelbſt negirende Gleichheit; die Unmittelbarkeit, die an ſich das Negative, das Negative ihrer ſelbſt iſt, dieß zu ſeyn, was ſie nicht iſt.
Die Beziehung des Negativen auf ſich ſelbſt iſt alſo ſeine Rückkehr in ſich; ſie iſt Unmittelbarkeit, als das Aufheben des Negativen; aber Unmittelbarkeit ſchlechthin nur als dieſe Beziehung oder als Rückkehr aus einem, ſomit ſich ſelbſt aufhebende Unmittelbarkeit. — Dieß iſt das Geſetztſeyn; die Unmittelbarkeit rein nur als Beſtimmtheit oder als ſich reflectirend. Dieſe Unmittelbarkeit, die nur als Rückkehr des Negativen in ſich iſt, — iſt jene Unmittelbarkeit, welche die Beſtimmtheit des Scheins ausmacht, und von der vorhin die reflectirende Bewegung anzufangen ſchien. Statt von dieſer Unmittelbarkeit anfangen zu können, iſt dieſe vielmehr erſt als die Rückkehr, oder als die Reflexion ſelbſt. Die Reflexion iſt alſo die Bewegung, die, indem ſie die Rückkehr iſt, erſt darin das iſt, das anfängt oder das zurückkehrt.
Sie iſt Setzen, inſofern ſie die Unmittelbarkeit als ein Rückkehren iſt; es iſt nämlich nicht ein Anderes vorhanden, weder ein ſolches, aus dem ſie, noch in das ſie zurückkehrte; ſie iſt alſo nur als Rückkehren oder als das Negative ihrer ſelbſt. Aber ferner iſt dieſe Unmittelbarkeit die aufgehobene Negation und die aufgehobene Rückkehr in ſich. Die Reflexion iſt als Aufheben des Negativen, Aufheben ihres Anderen, der Unmittelbarkeit. Indem ſie alſo die Unmittelbarkeit als ein Rückkehren, Zuſammengehen des Negativen mit ſich ſelbſt iſt, ſo iſt ſie eben ſo Negation des Negativen als des Negativen. So iſt ſie Vorausſetzen. — Oder die Unmittelbarkeit iſt als Rückkehren nur das Negative ihrer ſelbſt, nur dieß, nicht Unmittelbarkeit zu ſeyn; aber die Reflexion iſt das Aufheben des Negativen ſeiner ſelbſt, ſie iſt Zuſammengehen mit ſich; ſie hebt alſo ihr Setzen auf, und indem ſie das Aufheben des Setzens in ihrem Setzen iſt, iſt ſie Vorausſetzen. In dem Vorausſetzen beſtimmt die Reflexion die Rückkehr in ſich, als das Negative ihrer ſelbſt, als dasjenige, deſſen Aufheben das Weſen iſt. Es iſt ſein Verhalten zu ſich ſelbſt; aber zu ſich als dem Negativen ſeiner; nur ſo iſt es die inſichbleibende, ſich auf ſich beziehende Negativität. Die Unmittelbarkeit kommt überhaupt nur als Rückkehr hervor und iſt dasjenige Negative, welches der Schein des Anfangs iſt, der durch die Rückkehr negirt wird. Die Rückkehr des Weſens iſt ſomit ſein ſich Abſtoßen von ſich ſelbſt. Oder die Reflexion in ſich iſt weſentlich das Vorausſetzen deſſen, aus dem ſie die Rückkehr iſt.
Es iſt das Aufheben ſeiner Gleichheit mit ſich, wodurch das Weſen erſt die Gleichheit mit ſich iſt. Es ſetzt ſich ſelbſt voraus, und das Aufheben dieſer Vorausſetzung iſt es ſelbſt; umgekehrt iſt dieß Aufheben ſeiner Vorausſetzung die Vorausſetzung ſelbſt. — Die Reflexion alſo findet ein Unmittelbares vor, über das ſie hinausgeht, und aus dem ſie die Rückkehr iſt. Aber dieſe Rückkehr iſt erſt das Vorausſetzen des Vorgefundenen. Dieß Vorgefundene wird nur darin, daß es verlaſſen wird; ſeine Unmittelbarkeit iſt die aufgehobene Unmittelbarkeit. — Die aufgehobene Unmittelbarkeit umgekehrt iſt die Rückkehr in ſich, das Ankommen des Weſens bei ſich, das einfache ſich ſelbſt gleiche Seyn. Damit iſt dieſes Ankommen bei ſich das Aufheben ſeiner und die von ſich ſelbſt abſtoßende, vorausſetzende Reflexion, und ihr Abſtoßen von ſich iſt das Ankommen bei ſich ſelbſt.
Die reflectirende Bewegung iſt ſomit, nach dem Betrachteten, als abſoluter Gegenſtoß in ſich ſelbſt zu nehmen. Denn die Vorausſetzung der Rückkehr in ſich, — das, woraus das Weſen herkommt und erſt als dieſes Zurückkommen iſt —, iſt nur in der Rückkehr ſelbſt. Das Hinausgehen über das Unmittelbare, von dem die Reflexion anfängt, iſt vielmehr erſt durch dieß Hinausgehen; und das Hinausgehen über das Unmittelbare iſt das Ankommen bei demſelben. Die Bewegung wendet ſich als Fortgehen unmittelbar in ihr ſelbſt um, und iſt nur ſo Selbſtbewegung, — Bewegung, die aus ſich kommt, inſofern die ſetzende Reflexion vorausſetzende, aber als vorausſetzende Reflexion ſchlechthin ſetzende iſt.
So iſt die Reflexion ſie ſelbſt, und ihr Nichtſeyn; und iſt nur ſie ſelbſt, indem ſie das Negative ihrer iſt, denn nur ſo iſt das Aufheben des Negativen zugleich als ein Zuſammengehen mit ſich.
Die Unmittelbarkeit, die ſie als Aufheben ſich vorausſetzt, iſt ſchlechthin nur als Geſetztſeyn, als an ſich aufgehobenes, das nicht verſchieden iſt, von der Rückkehr in ſich, und ſelbſt nur dieſes Rückkehren iſt. Aber es iſt zugleich beſtimmt als Negatives, als unmittelbar gegen eines, alſo gegen ein Anderes. So iſt die Reflexion beſtimmt; ſie iſt, indem ſie nach dieſer Beſtimmtheit eine Vorausſetzung hat, und von dem Unmittelbaren, als ihrem Anderem anfängt, äußere Reflexion.
Die Reflexion als abſolute Reflexion iſt das in ihm ſelbſt ſcheinende Weſen, und ſetzt ſich nur den Schein, das Geſetztſeyn, voraus; ſie iſt als vorausſetzende unmittelbar nur ſetzende Reflexion. Aber die äußerliche oder reale Reflexion ſetzt ſich als aufgehoben, als das Negative ihrer voraus. Sie iſt in dieſer Beſtimmung verdoppelt; das eine Mal als das Vorausgeſetzte, oder die Reflexion in ſich, die das Unmittelbare iſt. Das andere Mal iſt ſie die als negativ ſich auf ſich beziehende Reflexion; ſie bezieht ſich auf ſich als auf jenes ihr Nichtſeyn.
Die äußerliche Reflexion ſetzt alſo ein Seyn voraus, erſtens nicht in dem Sinne, daß ſeine Unmittelbarkeit nur Geſetztſeyn oder Moment iſt, ſondern vielmehr, daß dieſe Unmittelbarkeit die Beziehung auf ſich, und die Beſtimmtheit nur als Moment iſt. Sie bezieht ſich auf ihre Vorausſetzung ſo, daß dieſe das Negative der Reflexion iſt, aber ſo, daß dieſes Negative als Negatives aufgehoben iſt. — Die Reflexion in ihrem Setzen hebt unmittelbar ihr Setzen auf, ſo hat ſie eine unmittelbare Vorausſetzung. Sie findet alſo daſſelbe vor, als ein ſolches, von dem ſie anfängt, und von dem aus ſie erſt das Zurückgehen in ſich, das Negiren dieſes ihres Negativen iſt. Aber daß dieß Vorausgeſetzte ein Negatives oder Geſetztes iſt, geht daſſelbe nichts an; dieſe Beſtimmtheit gehört nur der ſetzenden Reflexion an, aber in dem Vorausſetzen iſt das Geſetztſeyn nur als aufgehobenes. Was die äußerliche Reflexion an dem Unmittelbaren beſtimmt und ſetzt, ſind inſofern demſelben äußerliche Beſtimmungen. — Sie war das Unendliche in der Sphäre des Seyns; das Endliche gilt als das Erſte, als das Reale, von ihm wird als dem zu Grunde liegenden und zu Grund liegen bleibenden angefangen, und das Unendliche iſt die gegenüberſtehende Reflexion in ſich.
Dieſe äußere Reflexion iſt der Schluß, in welchem die beiden Extreme, das Unmittelbare und die Reflexion in ſich, ſind; die Mitte deſſelben iſt die Beziehung beider, das beſtimmte Unmittelbare, ſo daß der eine Theil derſelben, die Unmittelbarkeit nur dem einen Extreme, die andere, die Beſtimmtheit oder Negation, nur dem anderen Extreme zukommt.
Aber das Thun der äußeren Reflexion näher betrachtet, ſo iſt ſie zweitens Setzen des Unmittelbaren, das inſofern das Negative oder Beſtimmte wird; aber ſie iſt unmittelbar auch das Aufheben dieſes ihres Setzens; denn ſie ſetzt das Unmittelbare voraus; ſie iſt im Negiren das Negiren dieſes ihres Negirens. Sie iſt aber unmittelbar damit ebenſo Setzen, Aufheben des ihr negativen Unmittelbaren, und dieſes, von dem ſie als von einem Fremden anzufangen ſchien, iſt erſt in dieſem ihrem Anfangen. Das Unmittelbare iſt auf dieſe Weiſe nicht nur an ſich, das hieße für uns oder in der äußeren Reflexion, daſſelbe, was die Reflexion iſt, ſondern es iſt geſetzt, daß es daſſelbe iſt. Es iſt nämlich durch die Reflexion als ihr Negatives oder als ihr Anderes beſtimmt, aber ſie iſt es ſelbſt, welche dieſes Beſtimmen negirt. — Es iſt damit die Aeußerlichkeit der Reflexion gegen das Unmittelbare aufgehoben; ihr ſich ſelbſt negirendes Setzen iſt das Zuſammengehen ihrer mit ihrem Negativen, mit dem Unmittelbaren und dieſes Zuſammengehen iſt die weſentliche Unmittelbarkeit ſelbſt. Es iſt alſo vorhanden, daß die äußere Reflexion nicht äußere, ſondern ebenſo ſehr immanente Reflexion der Unmittelbarkeit ſelbſt iſt; oder daß das, was durch die ſetzende Reflexion iſt, das an und für ſich ſeyende Weſen iſt. So iſt ſie beſtimmende Reflexion.
Anmerkung.
Die Reflexion wird gewöhnlicher Weiſe in ſubjectivem Sinne genommen, als die Bewegung der Urtheilskraft, die über eine gegebene unmittelbare Vorſtellung hinausgeht, und allgemeine Beſtimmungen für dieſelbe ſucht oder damit vergleicht. Kant ſetzt die reflectirende Urtheilskraft der beſtimmenden Urtheilskraft entgegen. (Kritik der Urtheilskraft. Einleit. S. XXIII. f.) Er definirt die Urtheilskraft überhaupt als das Vermögen, das Beſondere als enthalten unter dem Allgemeinen zu denken. Iſt das Allgemeine (die Regel, das Princip, das Geſetz) gegeben, ſo iſt die Urtheilskraft, welche das Beſondere darunter ſubſumirt, beſtimmend. Iſt aber nur das Beſondere gegeben, wozu ſie das Allgemeine finden ſoll, ſo iſt die Urtheilskraft bloß reflectirend. Die Reflexion iſt ſomit hier gleichfalls das Hinausgehen über ein Unmittelbares zum Allgemeinen. Das Unmittelbare wird theils erſt durch dieſe Beziehung deſſelben auf ſein Allgemeines beſtimmt als Beſonderes; für ſich iſt es nur ein Einzelnes, oder ein unmittelbares Seyendes. Theils aber iſt das, worauf es bezogen wird, ſein Allgemeines, ſeine Regel, Princip, Geſetz; überhaupt das in ſich reflectirte, ſich auf ſich ſelbſt beziehende, das Weſen oder das Weſentliche.
Es iſt aber hier nicht, weder von der Reflexion des Bewußtſeyns, noch von der beſtimmteren Reflexion des Verſtandes, die das Beſondere und Allgemeine zu ihren Beſtimmungen hat, ſondern von der Reflexion überhaupt die Rede. Jene Reflexion, der Kant das Aufſuchen des Allgemeinen zum gegebenen Beſonderen zuſchreibt, iſt, wie erhellt, gleichfalls nur die äußere Reflexion, die ſich auf das Unmittelbare als auf ein gegebenes bezieht. — Aber es liegt darin auch der Begriff der abſoluten Reflexion; denn das Allgemeine, das Princip oder Regel und Geſetz, zu dem ſie in in ihrem Beſtimmen fortgeht, gilt als das Weſen jenes Unmittelbaren, von dem angefangen wird, ſomit dieſes als ein Nichtiges, und die Rückkehr aus demſelben, das Beſtimmen der Reflexion, erſt als das Setzen des Unmittelbaren nach ſeinem wahrhaften Seyn; alſo das, was die Reflexion an ihm thut und die Beſtimmungen, die von ihr herkommen, nicht als ein jenem Unmittelbaren Aeußerliches, ſondern als deſſen eigentliches Seyn.
Die äußerliche Reflexion war auch gemeint, wenn der Reflexion überhaupt, wie es eine Zeitlang Ton in der neueren Philoſophie war, alles Ueble nachgeſagt und ſie mit ihrem Beſtimmen als der Antipode und Erbfeind der abſoluten Betrachtungsweiſe angeſehen wurde. In der That geht auch die denkende Reflexion, inſofern ſie ſich als äußerliche verhält, ſchlechthin von einem gegebenen, ihr fremden Unmittelbaren aus, und betrachtet ſich als ein bloß formelles Thun, das Inhalt und Stoff von außen empfange, und für ſich nur die durch ihn bedingte Bewegung ſey. — Ferner, wie ſich ſogleich bei der beſtimmenden Reflexion näher ergeben wird, ſind die reflectirten Beſtimmungen anderer Art, als die bloß unmittelbaren Beſtimmungen des Seyns. Letztere werden leichter als vorübergehende, bloß relative, in der Beziehung auf Anderes ſtehende zugegeben; aber die reflectirten Beſtimmungen haben die Form des An- und Fürſichſeyns; ſie machen ſich daher als die Weſentlichen geltend, und ſtatt übergehend in ihre entgegengeſetzten zu ſeyn, erſcheinen ſie vielmehr als abſolut, frei und gleichgültig gegen einander. Sie widerſetzen ſich daher hartnäckig ihrer Bewegung, das Seyn derſelben iſt ihre Identität mit ſich in ihrer Beſtimmtheit, nach welcher ſie, ob ſie ſich zwar gegenſeitig vorausſetzen, in dieſer Beziehung ſich ſchlechthin getrennt erhalten.
Die beſtimmende Reflexion iſt überhaupt die Einheit der ſetzenden und der äußeren Reflexion. Dieß iſt näher zu betrachten. —
1. Die äußere Reflexion fängt vom unmittelbaren Seyn an, die ſetzende vom Nichts. Die äußere Reflexion, die beſtimmend wird, ſetzt ein Anderes, aber das Weſen, an die Stelle des aufgehobenen Seyns; das Setzen ſetzt ſeine Beſtimmung nicht an die Stelle eines Andern; es hat keine Vorausſetzung. Aber deswegen iſt es nicht die vollendete, beſtimmende Reflexion; die Beſtimmung, die es ſetzt, iſt daher nur ein Geſetztes; es iſt Unmittelbares, aber nicht als ſich ſelbſt gleich, ſondern als ſich negirend, es hat abſolute Beziehung auf die Rückkehr in ſich, es iſt nur in der Reflexion in ſich, aber es iſt nicht dieſe Reflexion ſelbſt.
Das Geſetzte iſt daher ein Anderes, aber ſo, daß die Gleichheit der Reflexion mit ſich ſchlechthin erhalten iſt; denn das Geſetzte iſt nur als Aufgehobenes, als Beziehung auf die Rückkehr in ſich ſelbſt. — In der Sphäre des Seyns war das Daſeyn das Seyn, das die Negation an ihm hatte, und das Seyn der unmittelbare Boden und Element dieſer Negation, die daher ſelbſt die unmittelbare war. Dem Daſeyn entſpricht in der Sphäre des Weſens das Geſetztſeyn. Es iſt gleichfalls ein Daſeyn, aber ſein Boden iſt das Seyn, als Weſen oder als reine Negativität; es iſt eine Beſtimmtheit oder Negation nicht als ſeyend, ſondern unmittelbar als aufgehoben. Das Daſeyn iſt nur Geſetztſeyn; dieß iſt der Satz des Weſens vom Daſeyn. Das Geſetztſeyn ſteht einerſeits dem Daſeyn, andererſeits dem Weſen gegenüber, und iſt als die Mitte zu betrachten, welche das Daſeyn mit dem Weſen und umgekehrt das Weſen mit dem Daſeyn zuſammenſchließt. — Wenn man ſagt, eine Beſtimmung iſt nur ein Geſetztſeyn, ſo kann dieß daher den doppelten Sinn haben; ſie iſt dieß im Gegenſatze gegen das Daſeyn, oder gegen das Weſen. In jenem Sinne wird das Daſeyn für etwas Höheres genommen, als das Geſetztſeyn, und dieſes der äußern Reflexion, dem Subjectiven zugeſchrieben. In der That aber iſt das Geſetztſeyn das Höhere; denn als Geſetztſeyn iſt das Daſeyn, als das, was es an ſich iſt, als Negatives, ein ſchlechthin nur auf die Rückkehr in ſich bezogenes. Deswegen iſt das Geſetztſeyn nur ein Geſetztſeyn in Rückſicht auf das Weſen, als die Negation des Zurückgekehrtſeyns in ſich ſelbſt.
2. Das Geſetztſeyn iſt noch nicht Reflexions-Beſtimmung; es iſt nur Beſtimmtheit, als Negation überhaupt. Aber das Setzen iſt nun in Einheit mit der äußern Reflexion; dieſe iſt in dieſer Einheit abſolutes Vorausſetzen; das heißt, das Abſtoßen der Reflexion von ſich ſelbſt, oder Setzen der Beſtimmtheit als ihrer ſelbſt. Das Geſetztſeyn iſt daher als ſolches Negation; aber als vorausgeſetztes iſt ſie als in ſich reflectirte. So iſt das Geſetztſeyn Reflexions-Beſtimmung.
Die Reflexions-Beſtimmung iſt von der Beſtimmtheit des Seyns, der Qualität, unterſchieden; dieſe iſt unmittelbare Beziehung auf Anderes überhaupt; auch das Geſetztſeyn iſt Beziehung auf Anderes, aber auf das Reflectirtſeyn in ſich. Die Negation als Qualität iſt Negation als ſeyend; das Seyn macht ihren Grund und Element aus. Die Reflexionsbeſtimmung hingegen hat zu dieſem Grunde das Reflectirtſeyn in ſich ſelbſt. Das Geſetztſeyn firirt ſich zur Beſtimmung, eben darum, weil die Reflexion die Gleichheit mit ſich ſelbſt in ihrem Negirtſeyn iſt; ihr Negirtſeyn iſt daher ſelbſt Reflexion in ſich. Die Beſtimmung beſteht hier nicht durch das Seyn, ſondern durch ihre Gleichheit mit ſich. Weil das Seyn, das die Qualität trägt, das der Negation ungleiche iſt, ſo iſt die Qualität in ſich ſelbſt ungleich, daher übergehendes, im Andern verſchwindendes Moment. Hingegen die Reflexionsbeſtimmung iſt das Geſetztſeyn als Negation, Negation, die zu ihrem Grunde das Negirtſeyn hat, alſo ſich in ſich ſelbſt nicht ungleich iſt, ſomit weſentliche, nicht übergehende Beſtimmtheit. Die Sich-ſelbſt-Gleichheit der Reflexion, welche das Negative nur als Negatives, als Aufgehobenes oder Geſetztes hat, iſt es, welche demſelben Beſtehen giebt.
Um dieſer Reflexion in ſich willen erſcheinen die Reflexionsbeſtimmungen als freie, im Leeren ohne Anziehung oder Abſtoßung gegen einander ſchwebende Weſenheiten. In ihnen hat ſich die Beſtimmtheit durch die Beziehung auf ſich befeſtigt und unendlich firirt. Es iſt das Beſtimmte, das ſein Uebergehen und ſein bloßes Geſetztſeyn ſich unterworfen, oder ſeine Reflexion in Anderes in Reflexion in ſich umgebogen hat. Dieſe Beſtimmungen machen hierdurch den beſtimmten Schein aus, wie er im Weſen iſt, der weſentliche Schein. Aus dieſem Grunde iſt die beſtimmende Reflexion die außer ſich gekommene Reflexion; die Gleichheit des Weſens mit ſich ſelbſt iſt in die Negation verloren, die das Herrſchende iſt.
Es ſind alſo an der Reflexionsbeſtimmung zwei Seiten, die zunächſt ſich unterſcheiden. Erſtlich iſt ſie das Geſetztſeyn, die Negation als ſolche; zweitens iſt ſie die Reflexion in ſich. Nach dem Geſetztſeyn iſt ſie die Negation als Negation; dieß iſt ſomit bereits ihre Einheit mit ſich ſelbſt. Aber ſie iſt dieß nur erſt an ſich; oder ſie iſt das Unmittelbare als ſich an ihm aufhebend, als das Andere ſeiner ſelbſt. — Inſofern iſt die Reflexion in ſich bleibendes Beſtimmen. Das Weſen geht darin nicht außer ſich; die Unterſchiede ſind ſchlechthin geſetzt, in das Weſen zurückgenommen. Aber nach der andern Seite ſind ſie nicht geſetzte, ſondern in ſich ſelbſt reflectirt; die Negation als Negation, iſt in Gleichheit mit ihr ſelbſt, nicht in ihr Anderes, nicht in ihr Nichtſeyn reflectirt.
3. Indem nun die Reflexionsbeſtimmung ſowohl reflectirte Beziehung in ſich ſelbſt, als auch Geſetztſeyn iſt, ſo erhellt unmittelbar daraus ihre Natur näher. Als Geſetztſeyn nämlich iſt ſie die Negation als ſolche, ein Nichtſeyn gegen ein Anderes, nämlich gegen die abſolute Reflexion in ſich oder gegen das Weſen. Aber als Beziehung auf ſich iſt ſie in ſich reflectirt. — Dieſe ihre Reflexion und jenes Geſetztſeyn ſind verſchieden; ihr Geſetztſeyn iſt vielmehr ihr Aufgehobenſeyn; ihr Reflectirtſeyn in ſich aber iſt ihr Beſtehen. Inſofern es nun alſo das Geſetztſeyn iſt, das zugleich Reflexion in ſich ſelbſt iſt, ſo iſt die Reflexionsbeſtimmtheit die Beziehung auf ihr Andersſeyn an ihr ſelbſt. — Sie iſt nicht als eine ſeyende, ruhende Beſtimmtheit, welche bezogen würde auf ein Anderes, ſo daß das Bezogene und deſſen Beziehung verſchieden von einander ſind, jenes ein Inſichſeyendes, ein Etwas, welches ſein Anderes und ſeine Beziehung auf dieß Andere von ſich ausſchließt. Sondern die Reflexions-Beſtimmung iſt an ihr ſelbſt die beſtimmte Seite, und die Beziehung dieſer beſtimmten Seite als beſtimmter, das heißt, auf ihre Negation. — Die Qualität geht durch ihre Beziehung in Anderes über; in ihrer Beziehung beginnt ihre Veränderung. Die Reflexions-Beſtimmung hingegen hat ihr Andersſeyn in ſich zurückgenommen. Sie iſt Geſetztſeyn, Negation, welche aber die Beziehung auf Anderes in ſich zurückbeugt, und Negation, die ſich ſelbſt gleich, die Einheit ihrer ſelbſt und ihres Andern und nur dadurch Weſenheit iſt. Sie iſt alſo Geſetztſeyn, Negation, aber als Reflexion in ſich iſt ſie zugleich das Aufgehobenſeyn dieſes Geſetztſeyns, unendliche Beziehung auf ſich.
Die Reflexion iſt beſtimmte Reflexion; ſomit iſt das Weſen beſtimmtes Weſen, oder es iſt Weſenheit.
Die Reflexion iſt das Scheinen des Weſens in ſich ſelbſt. Das Weſen als unendliche Rückkehr in ſich iſt nicht unmittelbare, ſondern negative Einfachheit; es iſt eine Bewegung durch unterſchiedene Momente, abſolute Vermittelung mit ſich. Aber es ſcheint in dieſe ſeine Momente; ſie ſind daher ſelbſt in ſich reflectirte Beſtimmungen.
Das Weſen iſt zuerſt einfache Beziehung auf ſich ſelbſt; reine Identität. Dieß iſt ſeine Beſtimmung, nach der es vielmehr Beſtimmungsloſigkeit iſt.
Zweitens die eigentliche Beſtimmung iſt der Unterſchied; und zwar theils als äußerlicher oder gleichgültiger Unterſchied, die Verſchiedenheit überhaupt; theils aber als entgegengeſetzte Verſchiedenheit oder als Gegenſatz.
Drittens als Widerſpruch reflectirt ſich der Gegenſatz in ſich ſelbſt und geht in ſeinen Grund zurück.
Anmerkung.
Die Reflexions-Beſtimmungen pflegten ſonſt in die Form von Sätzen aufgenommen zu werden, worin von ihnen ausgeſagt wurde, daß ſie von Allem gelten. Dieſe Sätze galten als die allgemeinen Denkgeſetze, die allem Denken zum Grunde liegen, an ihnen ſelbſt abſolut und unbeweisbar ſeyen, aber von jedem Denken, wie es ihren Sinn faſſe, unmittelbar und unwiderſprochen als wahr anerkannt und angenommen werden.
So wird die weſentliche Beſtimmung der Identität in dem Satze ausgeſprochen: Alles iſt ſich ſelbſt gleich; A = A. Oder negativ: A kann nicht zugleich A und nicht A ſeyn.
Es iſt zunächſt nicht abzuſehen, warum nur dieſe einfachen Beſtimmungen der Reflexion in dieſe beſondere Form gefaßt werden ſollen, und nicht auch die andern Kategorien, wie alle Beſtimmtheiten der Sphäre des Seyns. Es ergäben ſich die Sätze z. B. Alles iſt, Alles hat ein Daſeyn u. ſ. f. oder Alles hat eine Qualität, Quantität u. ſ. w. Denn Seyn, Daſeyn u. ſ. f. ſind als logiſche Beſtimmungen überhaupt Prädicate von Allem. Die Kategorie iſt ihrer Etymologie und der Definition des Ariſtoteles nach, dasjenige, was von dem Seyenden geſagt, behauptet wird. — Allein eine Beſtimmtheit des Seyns iſt weſentlich ein Uebergehen ins Entgegengeſetzte; die negative einer jeden Beſtimmtheit iſt ſo nothwendig als ſie ſelbſt; als unmittelbaren Beſtimmtheiten ſteht jeder die andere unmittelbar gegenüber. Wenn dieſe Kategorien daher in ſolche Sätze gefaßt werden, ſo kommen ebenſo ſehr die entgegengeſetzten Sätze zum Vorſchein; beide bieten ſich mit gleicher Nothwendigkeit dar, und haben als unmittelbare Behauptungen wenigſtens gleiches Recht. Der eine erforderte dadurch einen Beweis gegen den andern, und dieſen Behauptungen könnte daher nicht mehr der Charakter von unmittelbar wahren und unwiderſprechlichen Sätzen des Denkens zukommen.
Die Reflexions-Beſtimmungen dagegen ſind nicht von qualitativer Art. Sie ſind ſich auf ſich beziehende und damit der Beſtimmtheit gegen Anderes zugleich entnommene Beſtimmungen. Ferner indem es Beſtimmtheiten ſind, welche Beziehungen an ſich ſelbſt ſind, ſo enthalten ſie inſofern die Form des Satzes ſchon in ſich. Denn der Satz unterſcheidet ſich vom Urtheil vornehmlich dadurch, daß in jenem der Inhalt die Beziehung ſelbſt ausmacht, oder daß er eine beſtimmte Beziehung iſt. Das Urtheil dagegen verlegt den Inhalt in das Prädicat, als eine allgemeine Beſtimmtheit, die für ſich und von ihrer Beziehung, der einfachen Copula, unterſchieden iſt. Wenn ein Satz in ein Urtheil verwandelt werden ſoll, ſo wird der beſtimmte Inhalt, wenn er z. B. in einem Zeitworte liegt, in ein Particip verwandelt, um auf dieſe Art die Beſtimmung ſelbſt und ihre Beziehung auf ein Subject zu trennen. Den Reflexions-Beſtimmungen dagegen als in ſich reflectirtem Geſetztſeyn liegt die Form des Satzes ſelbſt nahe. — Allein indem ſie als allgemeine Denkgeſetze ausgeſprochen werden, ſo bedürfen ſie noch eines Subjects ihrer Beziehung, und dieß Subject iſt: Alles; oder ein A, was ebenſo viel als Alles und Jedes Seyn bedeutet.
Einestheils iſt dieſe Form von Sätzen etwas Ueberflüſſiges; die Reflexions-Beſtimmungen ſind an und für ſich zu betrachten. Ferner haben dieſe Sätze die ſchiefe Seite, das Seyn, Alles Etwas, zum Subjecte zu haben. Sie erwecken damit das Seyn wieder, und ſprechen die Reflexions-Beſtimmungen, die Identität u. ſ. f. von dem Etwas als eine Qualität aus, die es an ihm habe; nicht in ſpeculativem Sinne, ſondern daß Etwas als Subject in einer ſolchen Qualität bleibe als ſeyendes, nicht daß es in die Identität u. ſ. f. als in ſeine Wahrheit und ſein Weſen übergegangen ſey.
Endlich aber haben die Reflexions-Beſtimmungen zwar die Form ſich ſelbſt gleich und daher unbezogen auf Anderes und ohne Entgegenſetzung zu ſeyn; aber wie ſich aus ihrer näheren Betrachtung ergeben wird, — oder wie unmittelbar an ihnen, als der Identität, der Verſchiedenheit, der Entgegenſetzung erhellt — ſind ſie beſtimmte gegen einander, ſie ſind alſo durch ihre Form der Reflexion, dem Uebergehen und dem Widerſpruche nicht entnommen. Die mehrern Sätze, die als abſolute Denkgeſetze aufgeſtellt werden, ſind daher, näher betrachtet, einander entgegengeſetzt, ſie widerſprechen einander und heben ſich gegenſeitig auf. — Wenn Alles identiſch mit ſich iſt, ſo iſt es nicht verſchieden, nicht entgegengeſetzt, hat keinen Grund. Oder wenn angenommen wird, es giebt nicht zwei gleiche Dinge, d. h. Alles iſt von einander verſchieden, ſo iſt A nicht gleich A, ſo iſt A auch nicht entgegengeſetzt u. ſ. f. Die Annahme eines jeden von dieſen Sätzen läßt die Annahme der andern nicht zu. — Die gedankenloſe Betrachtung derſelben zählt ſie nach einander auf, ſo daß ſie in keiner Beziehung auf einander erſcheinen; ſie hat bloß ihr Reflectirtſeyn in ſich im Sinne, ohne ihr anderes Moment, das Geſetztſeyn oder ihre Beſtimmtheit als ſolche zu beachten, welche ſie in den Uebergang und in ihre Negation fortreißt.
1. Das Weſen iſt die einfache Unmittelbarkeit als aufgehobene Unmittelbarkeit. Seine Negativität iſt ſein Seyn; es iſt ſich ſelbſt gleich in ſeiner abſoluten Negativität, durch die das Andersſeyn und die Beziehung auf Anderes ſchlechthin an ſich ſelbſt in die reine Sichſelbſtgleichheit verſchwunden iſt. Das Weſen iſt alſo einfache Identität mit ſich.
Dieſe Identität mit ſich iſt die Unmittelbarkeit der Reflexion. Sie iſt nicht diejenige Gleichheit mit ſich, welche das Seyn oder auch das Nichts iſt, ſondern die Gleichheit mit ſich, welche als ſich zur Einheit herſtellende iſt, nicht ein Wiederherſtellen aus einem Andern, ſondern dieß reine Herſtellen aus und in ſich ſelbſt; die weſentliche Identität. Sie iſt inſofern nicht abſtracte Identität, oder nicht durch ein relatives Negiren entſtanden, das außerhalb ihrer vorgegangen wäre, und das Unterſchiedene nur von ihr abgetrennt, übrigens aber daſſelbe außer ihr als ſeyend gelaſſen hätte, vor wie nach. Sondern das Seyn und alle Beſtimmtheit des Seyns hat ſich nicht relativ, ſondern an ſich ſelbſt aufgehoben; und dieſe einfache Negativität, des Seyns an ſich, iſt die Identität ſelbſt.
Sie iſt inſofern noch überhaupt daſſelbe, als das Weſen.
Anmerkung 1.
Das Denken, das ſich in der äußern Reflexion hält, und von keinem andern Denken weiß, als der äußern Reflexion, kommt nicht dazu, die Identität wie ſie ſo eben gefaßt worden iſt, oder das Weſen, was daſſelbe iſt, zu erkennen. Solches Denken hat immer nur die abſtracte Identität vor ſich, und außer und neben derſelben den Unterſchied. Es meint, die Vernunft ſey weiter nichts als ein Webſtuhl, auf dem ſie den Zettel, etwa die Identität, und dann den Eintrag, den Unterſchied, äußerlich mit einander verbinde und verſchlinge; oder auch wieder analyſirend jetzt die Identität beſonders herausziehe, und dann auch wieder den Unterſchied daneben erhalte, jetzt ein Gleichſetzen, und dann auch wieder ein Ungleichſetzen ſey; — ein Gleichſetzen, indem man vom Unterſchiede, — ein Ungleichſetzen, indem man vom Gleichſetzen abſtrahire. — Man muß dieſe Verſicherungen und Meinungen von dem, was die Vernunft thue, ganz bei Seite geſtellt laſſen, indem ſie gewiſſermaßen bloß hiſtoriſche ſind, und vielmehr die Betrachtung von Allem, was iſt, an ihm ſelbſt zeigt, daß es in ſeiner Gleichheit mit ſich ſich ungleich und widerſprechend, und in ſeiner Verſchiedenheit, in ſeinem Widerſpruche, mit ſich identiſch, und an ihm ſelbſt, dieſe Bewegung des Uebergehens einer dieſer Beſtimmungen in die andere iſt, und dieß darum, weil jede an ihr ſelbſt das Gegentheil ihrer ſelbſt iſt. Der Begriff der Identität, einfache ſich auf ſich beziehende Negativität zu ſeyn, iſt nicht ein Product der äußern Reflexion, ſondern hat ſich an dem Seyn ſelbſt ergeben. Da hingegen jene Identität, die außer dem Unterſchied, und der Unterſchied, der außer der Identität ſey, Producte der äußern Reflexion und der Abſtraction ſind, die ſich willkürlicher Weiſe auf dieſem Puncte der gleichgültigen Verſchiedenheit feſthält.
2. Dieſe Identität iſt zunächſt das Weſen ſelbſt, noch keine Beſtimmung deſſelben; die ganze Reflexion, nicht ein unterſchiedenes Moment derſelben. Als abſolute Negation iſt ſie die Negation, die unmittelbar ſich ſelbſt negirt; ein Nichtſeyn und Unterſchied, der in ſeinem Entſtehen verſchwindet, oder ein Unterſcheiden, wodurch nichts unterſchieden wird, ſondern das unmittelbar in ſich ſelbſt zuſammenfällt. Das Unterſcheiden iſt das Setzen des Nichtſeyns, als des Nichtſeyns des Andern. Aber das Nichtſeyn des Andern iſt Aufheben des Andern, und ſomit des Unterſcheidens ſelbſt. So iſt aber das Unterſcheiden hier vorhanden, als ſich auf ſich beziehende Negativität, als ein Nichtſeyn, das das Nichtſeyn ſeiner ſelbſt iſt; ein Nichtſeyn, das ſein Nichtſeyn nicht an einem Andern, ſondern an ſich ſelbſt hat. Es iſt alſo der ſich auf ſich beziehende, der reflectirte Unterſchied vorhanden, oder reine, abſolute Unterſchied.
Oder die Identität iſt die Reflexion in ſich ſelbſt, welche dieß nur iſt, als innerliches Abſtoßen, und dieß Abſtoßen iſt es als Reflexion in ſich, unmittelbar ſich in ſich zurücknehmendes Abſtoßen. Sie iſt ſomit die Identität als der mit ſich identiſche Unterſchied. Der Unterſchied iſt aber nur identiſch mit ſich, inſofern er nicht die Identität, ſondern abſolute Nichtidentität iſt. Abſolut aber iſt die Nichtidentität, inſofern ſie nichts von ihr Anderes enthält, ſondern nur ſich ſelbſt, das heißt, inſofern ſie abſolute Identität mit ſich iſt.
Die Identität iſt alſo an ihr ſelbſt abſolute Nichtidentität. Aber ſie iſt auch die Beſtimmung der Identität dagegen. Denn als Reflexion in ſich ſetzt ſie ſich als ihr eigenes Nichtſeyn; ſie iſt das Ganze, aber als Reflexion ſetzt ſie ſich als ihr eigenes Moment, als Geſetztſeyn, aus welchem ſie die Rückkehr in ſich iſt. So als ihr Moment iſt ſie erſt die Identität als ſolche als Beſtimmung der einfachen Gleichheit mit ſich ſelbſt, gegen den abſoluten Unterſchied.
Anmerkung 2.
Ich werde in dieſer Anmerkung die Identität als den Satz der Identität näher betrachten, der als das erſte Denkgeſetz aufgeführt zu werden pflegt.
Dieſer Satz in ſeinem poſitiven Ausdrucke A = A iſt zunächſt nichts weiter, als der Ausdruck der leeren Tautologie. Es iſt daher richtig bemerkt worden, daß dieſes Denkgeſetz ohne Inhalt ſey und nicht weiter führe. So iſt die leere Identität, an welcher diejenigen feſthangen bleiben, welche ſie als ſolche für etwas Wahres nehmen und immer vorzubringen pflegen, die Identität ſey nicht die Verſchiedenheit, ſondern die Identität und die Verſchiedenheit ſeyen verſchieden. Sie ſehen nicht, daß ſie ſchon hierin ſelbſt ſagen, daß die Identität ein Verſchiedenes iſt; denn ſie ſagen, die Identität ſey verſchieden von der Verſchiedenheit; indem dieß zugleich als die Natur der Identität zugegeben werden muß, ſo liegt darin, daß die Identität nicht äußerlich, ſondern an ihr ſelbſt, in ihrer Natur dieß ſey, verſchieden zu ſeyn. — Ferner aber, indem ſie an dieſer unbewegten Identität feſthalten, welche ihren Gegenſatz an der Verſchiedenheit hat, ſo ſehen ſie nicht, daß ſie hiermit dieſelbe zu einer einſeitigen Beſtimmtheit machen, die als ſolche keine Wahrheit hat. Es wird zugegeben, daß der Satz der Identität nur eine einſeitige Beſtimmtheit ausdrücke, daß er nur die formelle eine abſtracte, unvollſtänſtändige Wahrheit enthalte. — In dieſem richtigen Urtheil liegt aber unmittelbar, daß die Wahrheit nur in der Einheit der Identität mit der Verſchiedenheit vollſtändig iſt, und ſomit nur in dieſer Einheit beſtehe. Indem behauptet wird, daß jene Identität unvollkommen iſt, ſo ſchwebt dieſe Totalität, an der gemeſſen die Identität unvollkommen iſt, als das Vollkommene dem Gedanken vor; indem aber auf der andern Seite die Identität als abſolut getrennt von der Verſchiedenheit feſtgehalten und in dieſer Trennung als ein Weſentliches, Geltendes, Wahres genommen wird, ſo iſt in dieſen widerſtreitenden Behauptungen nichts zu ſehen, als der Mangel, dieſe Gedanken, daß die Identität als abſtracte weſentlich, und daß ſie als ſolche ebenſo unvollkommen iſt, zuſammenzubringen; der Mangel des Bewußtſeyns über die negative Bewegung, als welche in dieſen Behauptungen die Identität ſelbſt dargeſtellt wird. — Oder indem ſich ſo ausgedrückt wird, die Identität ſey weſentliche Identität als Trennung von der Verſchiedenheit, oder in der Trennung von der Verſchiedenheit, ſo iſt dieß unmittelbar die ausgeſprochene Wahrheit derſelben, daß ſie darin beſteht, Trennung als ſolche zu ſeyn, oder in der Trennung weſentlich, das iſt, nichts für ſich, ſondern Moment der Trennung zu ſeyn.
Was nun die ſonſtige Beglaubigung der abſoluten Wahrheit des Satzes der Identität betrifft, ſo wird ſie inſofern auf die Erfahrung gegründet, als ſich auf die Erfahrung jedes Bewußtſeyns berufen wird, daß es, wie man ihm dieſen Satz, A iſt A, ein Baum iſt ein Baum, ausſpreche, es denſelben unmittelbar zugebe und darin befriedigt ſey, daß der Satz als unmittelbar klar durch ſich ſelbſt, keiner andern Begründung und Beweiſes bedürfe.
Einestheils iſt dieſe Berufung auf die Erfahrung, daß allgemein jedes Bewußtſeyn ihn anerkenne, bloße Redensart. Denn man will nicht ſagen, daß man das Experiment mit dem abſtracten Satze A = A an jedem Bewußtſeyn gemacht habe. Es iſt inſofern weiter nicht Ernſt mit jener Berufung auf wirklich gemachte Erfahrung, ſondern ſie iſt nur die Verſicherung, daß wenn man die Erfahrung machte, ſich das Reſultat des allgemeinen Anerkennens ergeben würde. — Wäre aber nicht der abſtracte Satz als ſolcher, ſondern der Satz in concreter Anwendung gemeint, aus der jener erſt entwickelt werden ſollte, ſo beſtünde die Behauptung von ſeiner Allgemeinheit und Unmittelbarkeit darin, daß jedes Bewußtſeyn, und ſelbſt in jeder ſeiner Aeußerungen ihn zu Grunde lege, oder daß er implicite in jeder liege. Allein das Concrete und die Anwendung iſt ja eben die Beziehung des einfachen Identiſchen auf ein von ihm verſchiedenes Mannigfaltiges. Als Satz ausgedrückt, wäre das Concrete zunächſt ein ſynthetiſcher Satz. Aus dem Concreten ſelbſt oder ſeinem ſynthetiſchen Satze würde die Abſtraction den Satz der Identität wohl durch Analyſe herausbringen können; aber in der That hätte ſie die Erfahrung nicht gelaſſen, wie ſie iſt, ſondern verändert; denn die Erfahrung enthielt vielmehr die Identität in Einheit mit der Verſchiedenheit, und iſt die unmittelbare Widerlegung von der Behauptung, daß die abſtracte Identität als ſolche etwas Wahres ſey, denn das gerade Gegentheil, nämlich die Identität nur vereinigt mit der Verſchiedenheit, kommt in jeder Erfahrung vor.
Auf der andern Seite wird aber auch die Erfahrung mit dem reinen Satze der Identität, nur zu oft, gemacht, und es zeigt ſich in dieſer Erfahrung klar genug, wie die Wahrheit, die er enthält, angeſehen wird. Wenn nämlich z. B. auf die Frage: was iſt eine Pflanze? die Antwort gegeben wird: eine Pflanze iſt — eine Pflanze, ſo wird die Wahrheit eines ſolchen Satzes von der ganzen Geſellſchaft, an der ſie erprobt wird, zugleich zugegeben, und zugleich ebenſo einſtimmig geſagt werden, daß damit Nichts geſagt iſt. Wenn einer den Mund aufthut, und anzugeben verſpricht, was Gott ſey, nämlich Gott ſey — Gott, ſo findet ſich die Erwartung getäuſcht, denn ſie ſah einer verſchiedenen Beſtimmung entgegen; und wenn dieſer Satz abſolute Wahrheit iſt, wird ſolche abſolute Rednerei ſehr gering geachtet; es wird nichts für langweiliger und läſtiger gehalten werden, als eine nur daſſelbe wiederkäuende Unterhaltung, als ſolches Reden, das doch Wahrheit ſeyn ſoll.
Näher dieſe Wirkung der Langeweile bei ſolcher Wahrheit betrachtet, ſo macht der Anfang: die Pflanze iſt, — Anſtalten, etwas zu ſagen, eine weitere Beſtimmung vorzubringen. Indem aber nur daſſelbe wiederkehrt, ſo iſt vielmehr das Gegentheil geſchehen, es iſt Nichts herausgekommen. Solches identiſche Reden widerſpricht ſich alſo ſelbſt. Die Identität, ſtatt an ihr die Wahrheit und abſolute Wahrheit zu ſeyn, iſt daher vielmehr das Gegentheil; ſtatt das unbewegte Einfache zu ſeyn, iſt ſie das Hinausgehen über ſich in die Auflöſung ihrer ſelbſt.
Es liegt alſo in der Form des Satzes, in der die Identität ausgedrückt iſt, mehr als die einfache, abſtracte Identität; es liegt dieſe reine Bewegung der Reflexion darin, in der das Andere nur als Schein, als unmittelbares Verſchwinden auftritt; A iſt, iſt ein Beginnen, dem ein Verſchiedenes vorſchwebt, zu dem hinausgegangen werde; aber es kommt nicht zu dem Verſchiedenen; A iſt — A; die Verſchiedenheit iſt nur ein Verſchwinden; die Bewegung geht in ſich ſelbſt zurück. — Die Form des Satzes kann als die verborgene Nothwendigkeit angeſehen werden, noch das Mehr jener Bewegung zu der abſtracten Identität hinzuzufügen. — So kommt auch ein A, oder eine Pflanze oder ſonſt ein Subſtrat hinzu, das als ein unnützer Inhalt keine Bedeutung hat; aber er macht die Verſchiedenheit aus, die ſich zufälliger Weiſe beizugeſellen ſcheint. Wenn ſtatt des A und jedes andern Subſtrats die Identität ſelbſt genommen wird, — die Identität iſt die Identität, — ſo iſt ebenſo zugegeben, daß ſtatt dieſer gleichfalls jedes andere Subſtrat genommen werden könne. Wenn ſich daher einmal darauf berufen werden ſoll, was die Erſcheinung zeigt, ſo zeigt ſie dieß, daß in dem Ausdrucke der Identität auch unmittelbar die Verſchiedenheit vorkommt; — oder beſtimmter nach dem Obigen, daß dieſe Identität das Nichts, daß ſie die Negativität, der abſolute Unterſchied von ſich ſelbſt iſt.
Der andere Ausdruck des Satzes der Identität: A kann nicht zugleich A und Nicht-A ſeyn, hat negative Form; er heißt der Satz des Widerſpruchs. Es pflegt darüber, wie die Form der Negation, wodurch ſich dieſer Satz vom vorigen unterſcheidet, an die Identität komme, keine Rechtfertigung gegeben zu werden. — Dieſe Form liegt aber darin, daß die Identität als die reine Bewegung der Reflexion, die einfache Negativität iſt, welche der angeführte zweite Ausdruck des Satzes entwickelter enthält. Es iſt A ausgeſprochen und ein Nicht-A das Rein-Andere des A, aber es zeigt ſich nur, um zu verſchwinden. Die Identität iſt alſo in dieſem Satze ausgedrückt, — als Negation der Negation. A und Nicht-A ſind unterſchieden, dieſe unterſchiedenen ſind auf ein und daſſelbe A bezogen. Die Identität iſt alſo als dieſe Unterſchiedenheit in Einer Beziehung oder als der einfache Unterſchied an ihnen ſelbſt hier dargeſtellt.
Es erhellt hieraus, daß der Satz der Identität ſelbſt und noch mehr der Satz des Widerſpruchs nicht bloß analytiſcher, ſondern ſynthetiſcher Natur iſt. Denn der letztere enthält in ſeinem Ausdrucke nicht nur die leere, einfache Gleichheit mit ſich, ſondern nicht allein das Andere derſelben überhaupt, ſondern ſogar die abſolute Ungleichheit, den Widerſpruch an ſich. Der Satz der Identität ſelbſt aber enthält, wie an ihm gezeigt wurde, die Reflexions-Bewegung, die Identität als Verſchwinden des Andersſeyns.
Was ſich alſo aus dieſer Betrachtung ergiebt, iſt, daß erſtens der Satz der Identität oder des Widerſpruchs, wie er nur die abſtracte Identität im Gegenſatz gegen den Unterſchied, als Wahres ausdrücken ſoll, kein Denkgeſetz, ſondern vielmehr das Gegentheil davon iſt; zweitens, daß dieſe Sätze mehr, als mit ihnen gemeint wird, nämlich dieſes Gegentheil, den abſoluten Unterſchied ſelbſt, enthalten.
Der Unterſchied iſt die Negativität, welche die Reflexion in ſich hat; das Nichts, das durch das identiſche Sprechen geſagt wird; das weſentliche Moment der Identität ſelbſt, die zugleich als Negativität ihrer ſelbſt, ſich beſtimmt und unterſchieden vom Unterſchied iſt.
1. Dieſer Unterſchied iſt der Unterſchied an und für ſich, der abſolute Unterſchied, der Unterſchied des Weſens. — Er iſt der Unterſchied an und für ſich, nicht Unterſchied durch ein Aeußerliches, ſondern ſich auf ſich beziehender, alſo einfacher Unterſchied. — Es iſt weſentlich, den abſoluten Unterſchied als einfachen zu faſſen. Im abſoluten Unterſchiede des A und Nicht-A von einander iſt es das einfache Nicht, was als ſolches denſelben ausmacht. Der Unterſchied ſelbſt iſt ein einfacher Begriff. Darin, drückt man ſich aus, ſind zwei Dinge unterſchieden, daß ſie ꝛc. — Darin, das heißt, in einer und derſelben Rückſicht, in demſelben Beſtimmungsgrunde. Er iſt der Unterſchied der Reflexion, nicht das Andersſeyn des Daſeyns. Ein Daſeyn und ein anderes Daſeyn ſind geſetzt als außereinanderfallend, jedes der gegen einander beſtimmten Daſeyn hat ein unmittelbares Seyn für ſich. Das Andere des Weſens dagegen iſt das Andere an und für ſich, nicht das Andere als eines andern außer ihm Befindlichen; die einfache Beſtimmtheit an ſich. Auch in der Sphäre des Daſeyns erwies ſich das Andersſeyn und die Beſtimmtheit von dieſer Natur, einfache Beſtimmtheit, identiſcher Gegenſatz zu ſeyn; aber dieſe Identität zeigte ſich nur als das Uebergehen einer Beſtimmtheit in die andere. Hier in der Sphäre der Reflexion tritt der Unterſchied als reflectirter auf, der ſo geſetzt iſt, wie er an ſich iſt.
2. Der Unterſchied an ſich iſt der ſich auf ſich beziehende Unterſchied; ſo iſt er die Negativität ſeiner ſelbſt, der Unterſchied nicht von einem Andern, ſondern ſeiner von ſich ſelbſt; er iſt nicht er ſelbſt, ſondern ſein Anderes. Das Unterſchiedene aber vom Unterſchiede iſt die Identität. Er iſt alſo er ſelbſt und die Identität. Beide zuſammen machen den Unterſchied aus; er iſt das Ganze und ſein Moment. — Es kann ebenſo geſagt werden, der Unterſchied als einfacher iſt kein Unterſchied; er iſt dieß erſt in Beziehung auf die Identität; aber vielmehr enthält er als Unterſchied ebenſo ſie und dieſe Beziehung ſelbſt. — Der Unterſchied iſt das Ganze und ſein eigenes Moment; wie die Identität ebenſo ſehr ihr Ganzes und ihr Moment iſt. — Dieß iſt als die weſentliche Natur der Reflexion und als beſtimmter Urgrund aller Thätigkeit und Selbſtbewegung zu betrachten. — Unterſchied wie die Identität machen ſich zum Momente oder zum Geſetztſeyn, weil ſie als Reflexion die negative Beziehung auf ſich ſelbſt ſind.
Der Unterſchied, ſo als Einheit ſeiner und der Identität, iſt an ſich ſelbſt beſtimmter Unterſchied. Er iſt nicht Uebergehen in ein Anderes, nicht Beziehung auf Anderes außer ihm; er hat ſein Anderes, die Identität an ihm ſelbſt; ſo wie dieſe, indem ſie in die Beſtimmung des Unterſchieds getreten, nicht in ihn als ihr Anderes ſich verloren hat, ſondern in ihm ſich erhält, ſeine Reflexion in ſich und ſein Moment iſt.
3. Der Unterſchied hat die beiden Momente, Identität und Unterſchied; beide ſind ſo ein Geſetztſeyn, Beſtimmtheit. Aber in dieſem Geſetztſeyn iſt jedes Beziehung auf ſich. Das eine, die Identität iſt unmittelbar ſelbſt das Moment der Reflexion in ſich; ebenſo iſt aber das Andere der Unterſchied, Unterſchied an ſich, der reflectirte Unterſchied. Der Unterſchied, indem er zwei ſolche Momente hat, die ſelbſt die Reflexionen in ſich ſind, iſt Verſchiedenheit.
1. Die Identität zerfällt an ihr ſelbſt in Verſchiedenheit, weil ſie als abſoluter Unterſchied in ſich ſelbſt, ſich als das Negative ihrer ſetzt, und dieſe ihre Momente, ſie ſelbſt und das Negative ihrer, Reflexionen in ſich, identiſch mit ſich ſind; oder eben weil ſie ihr Negiren unmittelbar ſelbſt aufhebt, und in ihrer Beſtimmung in ſich reflectirt iſt. Das Unterſchiedene beſteht als gegeneinander gleichgültig verſchiedenes, weil es identiſch mit ſich iſt, weil die Identität ſeinen Boden und Element ausmacht; oder das Verſchiedene iſt das, was es iſt, eben nur in ſeinem Gegentheile, der Identität.
Die Verſchiedenheit macht das Andersſeyn als ſolches der Reflexion aus. Das Andere des Daſeyns hat das unmittelbare Seyn zu ſeinem Grunde, in welchem das Negative beſteht. In der Reflexion aber macht die Identität mit ſich, die reflectirte Unmittelbarkeit, das Beſtehen des Negativen und die Gleichgültigkeit deſſelben aus.
Die Momente des Unterſchiedes ſind die Identität und der Unterſchied ſelbſt. Verſchiedene ſind ſie als in ſich ſelbſt reflectirte, ſich auf ſich beziehende; ſo ſind ſie in der Beſtimmung der Identität Beziehungen nur auf ſich; die Identität iſt nicht bezogen auf den Unterſchied, noch iſt der Unterſchied bezogen auf die Identität; indem ſo jedes dieſer Momente nur auf ſich bezogen iſt, ſind ſie nicht beſtimmt gegen einander. — Weil ſie nun auf dieſe Weiſe nicht an ihnen ſelbſt unterſchiedene ſind, ſo iſt der Unterſchied ihnen äußerlich. Die Verſchiedenen verhalten ſich alſo nicht als Identität und Unterſchied zu einander, ſondern nur als Verſchiedene überhaupt, die gleichgültig gegen einander und gegen ihre Beſtimmtheit ſind.
2. In der Verſchiedenheit, als der Gleichgültigkeit des Unterſchieds, iſt ſich überhaupt die Reflexion äußerlich geworden; der Unterſchied iſt nur ein Geſetztſeyn oder als aufgehobener, aber er iſt ſelbſt die ganze Reflexion. — Dieß näher betrachtet, ſo ſind beide, die Identität und der Unterſchied, wie ſich ſo eben beſtimmt hat, Reflexionen; jedes Einheit ſeiner ſelbſt und ſeines Andern; jedes iſt das Ganze. Damit aber iſt die Beſtimmtheit, nur Identität oder nur Unterſchied zu ſeyn, ein Aufgehobenes. Sie ſind darum keine Qualitäten, weil ihre Beſtimmtheit durch die Reflexion in ſich zugleich nur als Negation iſt. Es iſt alſo dieß Gedoppelte vorhanden, die Reflexion in ſich als ſolche, und die Beſtimmtheit als Negation, oder das Geſetztſeyn. Das Geſetztſeyn iſt die ſich äußerliche Reflexion; es iſt die Negation als Negation; hiemit an ſich zwar die ſich auf ſich beziehende Negation und Reflexion in ſich; aber nur an ſich; es iſt die Beziehung darauf als auf ein Aeußerliches.
Die Reflexion an ſich und die äußere Reflexion, ſind ſomit die zwei Beſtimmungen, in die ſich die Momente des Unterſchiedes, Identität und Unterſchied, ſetzten. Sie ſind dieſe Momente ſelbſt, inſofern ſie ſich nunmehr beſtimmt haben. — Die Reflexion an ſich iſt die Identität, aber beſtimmt, gleichgültig gegen den Unterſchied zu ſeyn; nicht den Unterſchied gar nicht zu haben, ſondern ſich als mit ſich identiſch gegen ihn zu verhalten; ſie iſt die Verſchiedenheit. Es iſt die Identität, die ſich ſo in ſich reflectirt hat, daß ſie eigentlich die Eine Reflexion der beiden Momente in ſich iſt, beide ſind Reflexionen in ſich. Die Identität iſt dieſe eine Reflexion beider, die den Unterſchied nur als einen gleichgültigen an ihr hat, und Verſchiedenheit überhaupt iſt. — Die äußere Reflexion dagegen iſt der beſtimmte Unterſchied derſelben nicht als abſolute Reflexion in ſich, ſondern als Beſtimmung, wogegen die an ſich ſeyende Reflexion gleichgültig iſt; ſeine beiden Momente, die Identität und der Unterſchied ſelbſt, ſind ſo äußerlich geſetzte, nicht an und für ſich ſeyende Beſtimmungen.
Dieſe äußerliche Identität nun iſt die Gleichheit, und der äußerliche Unterſchied die Ungleichheit. — Die Gleichheit iſt zwar Identität, aber nur als ein Geſetztſeyn, eine Identität, die nicht an und für ſich iſt. — Ebenſo die Ungleichheit iſt Unterſchied, aber als ein äußerlicher, der nicht an und für ſich der Unterſchied des Ungleichen ſelbſt iſt. Ob Etwas einem andern Etwas gleich iſt oder nicht, geht weder das eine noch das andere an; jedes derſelben iſt nur auf ſich bezogen; iſt an und für ſich ſelbſt was es iſt; die Identität oder Nichtidentität als Gleichheit und Ungleichheit iſt die Rückſicht eines Dritten, die außer ihnen fällt.
3. Die äußere Reflexion bezieht das Verſchiedene auf die Gleichheit und Ungleichheit. Dieſe Beziehung, das Vergleichen, geht von der Gleichheit zur Ungleichheit, und von dieſer zu jener herüber und hinüber. Aber dieſes herüber- und hinübergehende Beziehen der Gleichheit und Ungleichheit iſt dieſen Beſtimmungen ſelbſt äußerlich; auch werden ſie nicht auf einander, ſondern jede für ſich nur auf ein Drittes bezogen. Jede tritt in dieſer Abwechſelung unmittelbar für ſich hervor. — Die äußerliche Reflexion iſt als ſolche ſich ſelbſt äußerlich; der beſtimmte Unterſchied iſt der negirte abſolute Unterſchied; er iſt ſomit nicht einfach, nicht die Reflexion in ſich, ſondern dieſe hat er außer ihm; ſeine Momente fallen daher aus einander, und beziehen ſich auch als gegen einander äußerliche, auf die ihnen gegenüber ſtehende Reflexion in ſich.
An der ſich entfremdeten Reflexion kommen alſo die Gleichheit und Ungleichheit als gegen einander ſelbſt unbezogene hervor, und ſie trennt ſie, indem ſie ſie auf ein und daſſelbe bezieht, durch die Inſoferns, Seiten und Rückſichten. Die Verſchiedenen, die das eine und daſſelbe ſind, worauf beide, die Gleichheit und Ungleichheit, bezogen werden, ſind alſo nach der einen Seite einander gleich, nach der andern Seite aber ungleich, und inſofern ſie gleich ſind, inſofern ſind ſie nicht ungleich. Die Gleichheit bezieht ſich nur auf ſich, und die Ungleichheit iſt ebenſo nur Ungleichheit.
Durch dieſe ihre Trennung von einander aber heben ſie ſich nur auf. Gerade, was den Widerſpruch und die Auflöſung von ihnen abhalten ſoll, daß nämlich Etwas einem Andern in einer Rückſicht gleich, in einer andern aber ungleich ſey; — dieß Auseinanderhalten der Gleichheit und Ungleichheit iſt ihre Zerſtörung. Denn beide ſind Beſtimmungen des Unterſchiedes; ſie ſind Beziehungen auf einander, das Eine, zu ſeyn, was das Andere nicht iſt; gleich iſt nicht ungleich, und ungleich iſt nicht gleich; und beide haben weſentlich dieſe Beziehung, und außer ihr keine Bedeutung; als Beſtimmungen des Unterſchiedes iſt jedes das, was es iſt, als unterſchieden von ſeinem Andern. Durch ihre Gleichgültigkeit aber gegen einander iſt die Gleichheit nur bezogen auf ſich, die Ungleichheit iſt ebenſo eine eigene Rückſicht und Reflexion für ſich; jede iſt ſomit ſich ſelbſt gleich; der Unterſchied iſt verſchwunden, da ſie keine Beſtimmtheit gegen einander haben; oder jede iſt hiermit nur Gleichheit.
Dieſe gleichgültige Rückſicht, oder der äußerliche Unterſchied hebt ſomit ſich ſelbſt auf, und iſt die Negativität ſeiner an ſich ſelbſt. Er iſt diejenige Negativität, welche in dem Vergleichen dem Vergleichenden zukommt. Das Vergleichende geht von der Gleichheit zur Ungleichheit, und von dieſer zu jener zurück; läßt alſo das Eine im Andern verſchwinden, und iſt in der That die negative Einheit beider. Sie iſt zunächſt jenſeits des Verglichenen ſo wie jenſeits der Momente der Vergleichung, als ein ſubjectives, außerhalb ihrer fallendes Thun. Aber dieſe negative Einheit iſt in der That die Natur der Gleichheit und Ungleichheit ſelbſt, wie ſich ergeben hat. Eben die ſelbſtſtändige Rückſicht, die eine jede iſt, iſt vielmehr die ihre Unterſchiedenheit und damit ſie ſelbſt aufhebende Beziehung auf ſich.
Nach dieſer Seite, als Momente der äußern Reflexion und als ſich ſelbſt äußerlich, verſchwinden die Gleichheit und Ungleichheit in ihre Gleichheit zuſammen. Aber dieſe ihre negative Einheit iſt ferner auch an ihnen geſetzt; ſie haben nämlich die an ſich ſeyende Reflexion außer ihnen, oder ſind die Gleichheit und Ungleichheit eines Dritten, eines Andern als ſie ſelbſt ſind. So iſt das Gleiche nicht das Gleiche ſeiner ſelbſt, und das Ungleiche als das Ungleiche nicht ſeiner ſelbſt, ſondern eines ihm Ungleichen, iſt ſelbſt das Gleiche. Das Gleiche und das Ungleiche iſt alſo das Ungleiche ſeiner ſelbſt. Jedes iſt ſomit dieſe Reflexion, die Gleichheit, daß ſie ſie ſelbſt und die Ungleichheit, die Ungleichheit, daß ſie ſie ſelbſt und die Gleichheit iſt.
Gleichheit und Ungleichheit machten die Seite des Geſetztſeyns, gegen das Verglichene oder das Verſchiedene aus, das ſich als die an ſich ſeyende Reflexion gegen ſie beſtimmt hatte. Aber dieſes hat damit ſeine Beſtimmtheit gegen ſie ebenfalls verloren. Eben die Gleichheit und die Ungleichheit, die Beſtimmun gen der äußerlichen Reflexion, ſind die nur an ſich ſeyende Reflexion, welche das Verſchiedene als ſolches ſeyn ſollte, ſein nur unbeſtimmter Unterſchied. Die an ſich ſeyende Reflexion iſt die Beziehung auf ſich ohne Negation, die abſtracte Identität mit ſich; damit eben das Geſetztſeyn ſelbſt. — Das bloß Verſchiedene geht alſo durch das Geſetztſeyn über in die negative Reflexion. Das Verſchiedene iſt der bloß geſetzte Unterſchied, alſo der Unterſchied, der keiner iſt, alſo die Negation ſeiner an ihm ſelbſt. So die Gleichheit und Ungleichheit ſelbſt, das Geſetztſeyn, geht durch die Gleichgültigkeit oder die die an ſich ſeyende Reflexion zurück in die negative Einheit mit ſich; in die Reflexion, welche der Unterſchied der Gleichheit und Ungleichheit an ſich ſelbſt iſt. Die Verſchiedenheit, deren gleichgültige Seiten ebenſo ſehr ſchlechthin nur Momente als Einer negativen Einheit ſind, iſt der Gegenſatz.
Anmerkung.
Die Verſchiedenheit wird, wie die Identität, in einem eigenen Satze ausgedrückt. Uebrigens bleiben dieſe beiden Sätze in der gleichgültigen Verſchiedenheit gegeneinander gehalten, ſo daß jeder für ſich gilt ohne Rückſicht auf den andern.
Alle Dinge ſind verſchieden, oder: Es giebt nicht zwei Dinge, die einander gleich ſind. — Dieſer Satz iſt in der That dem Satze der Identität entgegengeſetzt, denn er ſagt aus: A iſt ein Verſchiedenes, alſo A iſt auch nicht A; oder A iſt in einem andern ungleich, ſo iſt es nicht A überhaupt, ſondern vielmehr ein beſtimmtes A. An die Stelle des A im identiſchen Satze kann jedes andere Subſtrat geſetzt, aber A als Ungleiches nicht mehr mit jedem andern vertauſcht werden. Es ſoll zwar nicht ein Verſchiedenes von ſich, ſondern nur von Anderem ſeyn; aber dieſe Verſchiedenheit iſt ſeine eigene Beſtimmung. Als mit ſich identiſches A iſt es das Unbeſtimmte; aber als Beſtimmtes iſt es das Gegentheil hievon, es hat nicht mehr nur die Identität mit ſich, ſondern auch eine Negation, ſomit eine Verſchiedenheit ſeiner ſelbſt von ſich an ihm.
Daß alle Dinge verſchieden ſind von einander, iſt ein ſehr überflüſſiger Satz, denn im Plural der Dinge liegt unmittelbar die Mehrheit und die ganz unbeſtimmte Verſchiedenheit. — Der Satz aber: es giebt nicht zwei Dinge, die einander vollkommen gleich ſind, drückt mehr, nämlich die beſtimmte Verſchiedenheit aus. Zwei Dinge ſind nicht bloß zwei; die numeriſche Vielheit iſt nur die Einerleiheit, ſondern ſie ſind durch eine Beſtimmung verſchieden. Der Satz, daß es nicht zwei Dinge giebt, die einander gleich ſind, fällt dem Vorſtellen, — auch nach der Anekdote, an einem Hofe auf, wo ihn Leibnitz vorgebracht und die Damen veranlaßt haben ſoll, unter Baumblättern zu ſuchen, ob ſie nicht zwei gleiche finden. — Glückliche Zeiten für die Metaphyſik, wo man ſich am Hofe mit ihr beſchäftigte, und wo es keiner anderen Anſtrengung bedurfte, ihre Sätze zu prüfen, als Baumblätter zu vergleichen! — Der Grund, daß jener Satz auffallend iſt, liegt in dem Geſagten, daß zwei oder die numeriſche Mehrheit noch keine beſtimmte Verſchiedenheit enthält, und daß die Verſchiedenheit als ſolche in ihrer Abſtraction zunächſt gleichgültig gegen die Gleichheit und Ungleichheit iſt. Das Vorſtellen, indem es auch zur Beſtimmung übergeht, nimmt dieſe Momente ſelbſt als gegen einander gleichgültige auf, ſo daß das eine oder das andere, die bloße Gleichheit der Dinge ohne die Ungleichheit zur Beſtimmung hinreiche, oder daß die Dinge verſchieden ſeyen, wenn ſie auch nur numeriſche Viele, verſchiedene überhaupt, nicht ungleiche ſind. Der Satz der Verſchiedenheit hingegen drückt aus, daß die Dinge durch die Ungleichheit von einander verſchieden ſind, daß ihnen die Beſtimmung der Ungleichheit ſo ſehr zukomme als die der Gleichheit, denn erſt beide zuſammen machen den beſtimmten Unterſchied aus.
Dieſer Satz nun, daß allen Dingen die Beſtimmung der Ungleichheit zukommt, bedürfte eines Beweiſes; er kann nicht als unmittelbarer Satz aufgeſtellt werden, denn die gewöhnliche Weiſe des Erkennens ſelbſt fordert für die Verknüpfung verſchiedener Beſtimmungen in einem ſynthetiſchen Satze einen Beweis oder das Aufzeigen eines Dritten, worin ſie vermittelt ſind. Dieſer Beweis müßte den Uebergang der Identität in die Verſchiedenheit, und dann den Uebergang dieſer in die beſtimmte Verſchiedenheit, in die Ungleichheit darthun. Dieß pflegt aber nicht geleiſtet zu werden; es ergab ſich darin, daß die Verſchiedenheit oder der äußerliche Unterſchied, in Wahrheit in ſich reflectirter, Unterſchied an ihm ſelbſt iſt, daß das gleichgültige Beſtehen des Verſchiedenen das bloße Geſetztſeyn, und damit nicht äußerlicher, gleichgültiger Unterſchied, ſondern Eine Beziehung der beiden Momente iſt.
Es liegt darin auch die Auflöſung und Nichtigkeit des Satzes der Verſchiedenheit. Zwei Dinge ſind vollkommen gleich; ſo ſind ſie gleich und ungleich zugleich; gleich ſchon darin, daß ſie Dinge oder zwei überhaupt ſind, denn jedes iſt ein Ding und ein Eins ſo gut als das andere, jedes alſo daſſelbe, was das andere; ungleich aber ſind ſie durch die Annahme. Es iſt ſomit die Beſtimmung vorhanden, daß beide Momente, die Gleichheit und die Ungleichheit, in Einem und demſelben verſchieden, oder daß der außereinanderfallende Unterſchied zugleich eine und dieſelbe Beziehung iſt. Somit iſt ſie in Entgegenſetzung übergegangen.
Das Zugleich der beiden Prädicate wird zwar durch das Inſofern aus einander gehalten; daß zwei Dinge inſofern ſie gleich, inſofern nicht ungleich, oder nach einer Seite und Rückſicht gleich, nach der andern Seite und Rückſicht aber ungleich ſind. Damit wird die Einheit der Gleichheit und Ungleichheit aus dem Dinge entfernt, und was ſeine eigene, und die Reflexion der Gleichheit und Ungleichheit an ſich wäre, als eine dem Dinge äußerliche Reflexion, feſtgehalten. Dieſe iſt es aber ſomit, die in einer und derſelben Thätigkeit die zwei Seiten der Gleichheit und Ungleichheit unterſcheidet, ſomit in Einer Thätigkeit beide enthält, die eine in die andere ſcheinen läßt und reflectirt. — Die gewöhnliche Zärtlichkeit für die Dinge aber, die nur dafür ſorgt, daß dieſe ſich nicht widerſprechen, vergißt hier wie ſonſt, daß damit der Widerſpruch nicht aufgelöſt, ſondern nur anderswohin, in die ſubjective oder äußere Reflexion überhaupt geſchoben wird, und daß dieſe in der That die beiden Momente, welche durch dieſe Entfernung und Verſetzung als bloßes Geſetztſeyn ausgeſprochen werden, als aufgehobene und auf einander bezogene in Einer Einheit enthält.
Im Gegenſatze iſt die beſtimmte Reflexion, der Unterſchied vollendet. Er iſt die Einheit der Identität und der Verſchiedenheit; ſeine Momente ſind in Einer Identität verſchiedene; ſo ſind ſie entgegengeſetzte.
Die Identität und der Unterſchied ſind die Momente des Unterſchiedes innerhalb ſeiner ſelbſt gehalten; ſie ſind reflectirte Momente ſeiner Einheit. Gleichheit und Ungleichheit aber ſind die entäußerte Reflexion; ihre Identität mit ſich iſt nicht nur die Gleichgültigkeit eines jeden gegen das von ihm Unterſchiedene, ſondern gegen das An-und-Fürſichſeyn, als ſolches; eine Identität mit ſich gegen die in ſich reflectirte; ſie iſt alſo die nicht in ſich reflectirte Unmittelbarkeit. Das Geſetztſeyn der Seiten der äußerlichen Reflexion iſt daher ein Seyn, ſo wie ihr Nichtgeſetztſeyn ein Nichtſeyn.
Die Momente des Gegenſatzes näher betrachtet, ſo ſind ſie das in ſich reflectirte Geſetztſeyn oder Beſtimmung überhaupt. Das Geſetztſeyn iſt die Gleichheit und Ungleichheit; ſie beide in ſich reflectirt machen die Beſtimmungen des Gegenſatzes aus. Ihre Reflexion in ſich beſteht darin, daß jedes am ihm ſelbſt die Einheit der Gleichheit und Ungleichheit iſt. Die Gleichheit iſt nur in der Reflexion, welche nach der Ungleichheit vergleicht, ſomit durch ihr anderes gleichgültiges Moment vermittelt; ebenſo die Ungleichheit iſt nur in derſelben reflectirenden Beziehung, in welcher die Gleichheit iſt. — Jedes dieſer Momente iſt alſo in ſeiner Beſtimmtheit das Ganze. Es iſt das Ganze, inſofern es auch ſein anderes Moment enthält; aber dieß ſein anderes iſt ein gleichgültig ſeyendes, ſo enthält jedes die Beziehung auf ſein Nichtſeyn, und iſt nur die Reflexion in ſich oder das Ganze als ſich weſentlich auf ſein Nichtſeyn beziehend.
Dieſe in ſich reflectirte Gleichheit mit ſich, die in ihr ſelbſt die Beziehung auf die Ungleichheit enthält, iſt das Poſitive; ſo die Ungleichheit, die in ihr ſelbſt die Beziehung auf ihr Nichtſeyn, die Gleichheit enthält, iſt das Negative. — Oder beide ſind das Geſetztſeyn; inſofern nun die unterſchiedene Beſtimmtheit als unterſchiedene beſtimmte Beziehung des Geſetztſeyns auf ſich genommen wird, ſo iſt der Gegenſatz einestheils das Geſetztſeyn in ſeine Gleichheit mit ſich reflectirt; anderntheils daſſelbe in ſeine Ungleichheit mit ſich reflectirt; das Poſitive und Negative. — Das Poſitive iſt das Geſetztſeyn als in die Gleichheit mit ſich reflectirt; aber das Reflectirte iſt das Geſetztſeyn, das iſt, die Negation als Negation, ſo hat dieſe Reflexion in ſich die Beziehung auf das Andere zu ihrer Beſtimmung. Das Negative iſt das Geſetztſeyn als in die Ungleichheit reflectirt; aber das Geſetztſeyn iſt die Ungleichheit ſelbſt, ſo iſt dieſe Reflexion ſomit die Identität der Ungleichheit mit ſich ſelbſt und abſolute Beziehung auf ſich. — Beide alſo, das in die Gleichheit mit ſich reflectirte Geſetztſeyn hat die Ungleichheit, und das in die Ungleichheit mit ſich reflectirte Geſetztſeyn hat auch die Gleichheit an ihm.
Das Poſitive und das Negative ſind ſo die ſelbſtſtändig gewordenen Seiten des Gegenſatzes. Sie ſind ſelbſtſtändig, indem ſie die Reflexion des Ganzen in ſich ſind, und ſie gehören dem Gegenſatze an, inſofern es die Beſtimmtheit iſt, die als Ganzes in ſich reflectirt iſt. Um ihrer Selbſtſtändigkeit willen machen ſie den an ſich beſtimmten Gegenſatz aus. Jedes iſt es ſelbſt und ſein Anderes, dadurch hat jedes ſeine Beſtimmtheit nicht an einem Andern, ſondern an ihm ſelbſt. — Jedes bezieht ſich auf ſich ſelbſt, nur als ſich beziehend auf ſein Anderes. Dieß hat die doppelte Seite; jedes iſt Beziehung auf ſein Nichtſeyn als Aufheben dieſes Andersſeyns in ſich; ſo iſt ſein Nichtſeyn nur ein Moment in ihm. Aber anderntheils iſt hier das Geſetztſeyn ein Seyn, ein gleichgültiges Beſtehen geworden; das Andere ſeiner, das jedes enthält, iſt daher auch das Nichtſeyn deſſen, in welchem es nur als Moment enthalten ſeyn ſoll. Jedes iſt daher nur, inſofern ſein Nichtſeyn iſt, und zwar in einer identiſchen Beziehung.
Die Beſtimmungen, welche das Poſitive und Negative conſtituiren, beſtehen alſo darin, daß das Poſitive und das Negative erſtens abſolute Momente des Gegenſatzes ſind; ihr Beſtehen iſt untrennbar Eine Reflexion; es iſt Eine Vermittelung, in welcher jedes durch das Nichtſeyn ſeines Andern, damit durch ſein Anderes oder ſein eigenes Nichtſeyn iſt. — So ſind ſie Entgegengeſetzte überhaupt; oder jedes iſt nur das Entgegengeſetzte des Andern, das eine iſt noch nicht poſitiv, und das andere noch nicht negativ, ſondern beide ſind negativ gegen einander. Jedes iſt ſo überhaupt erſtens inſofern das Andere iſt; es iſt durch das Andere, durch ſein eigenes Nichtſeyn, das, was es iſt; es iſt nur Geſetztſeyn; zweitens es iſt inſofern das Andere nicht iſt; es iſt durch das Nichtſeyn des Anderen das, was es iſt; es iſt Reflexion in ſich. — Dieſes Beides iſt aber die eine Vermittelung des Gegenſatzes überhaupt, in der ſie überhaupt nur Geſetzte ſind.
Aber ferner dieß bloße Geſetztſeyn iſt in ſich reflectirt überhaupt; das Poſitive und Negative iſt nach dieſem Momente der äußern Reflexion gleichgültig gegen jene erſte Identität, worin ſie nur Momente ſind; oder indem jene erſte Reflexion die eigene Reflexion des Poſitiven und Negativen in ſich ſelbſt, jedes ſein Geſetztſeyn an ihm ſelbſt iſt, ſo iſt jedes gleichgültig gegen dieſe ſeine Reflexion in ſein Nichtſeyn, gegen ſein eigenes Geſetztſeyn. Die beiden Seiten ſind ſo bloß verſchiedene, und inſofern ihre Beſtimmtheit, poſitiv und negativ zu ſeyn, ihr Geſetztſeyn gegen einander ausmacht, ſo iſt jede nicht an ihr ſelbſt ſo beſtimmt, ſondern iſt nur Beſtimmtheit überhaupt; jeder Seite kommt daher zwar eine der Beſtimmtheiten von Poſitivem und Negativem zu; aber ſie können verwechſelt werden, und jede Seite iſt von der Art, daß ſie ebenſo gut als poſitiv wie als negativ genommen werden kann.
Aber das Poſitive und Negative iſt drittens nicht nur ein Geſetztes, noch bloß ein Gleichgültiges, ſondern ihr Geſetztſeyn oder die Beziehung auf das Andere in einer Einheit, die nicht ſie ſelbſt ſind, iſt in jedes zurückgenommen. Jedes iſt an ihm ſelbſt poſitiv und negativ; das Poſitive und Negative iſt die Reflexions-Beſtimmung an und für ſich; erſt in dieſer Reflexion des Entgegengeſetzten in ſich iſt es poſitiv und negativ. Das Poſitive hat die Beziehung auf das Andere, in der die Beſtimmtheit des Poſitiven iſt, an ihm ſelbſt; ebenſo das Negative iſt nicht Negatives als gegen ein Anderes, ſondern hat die Beſtimmtheit, wodurch es negativ iſt, gleichfalls in ihm ſelbſt.
So iſt jedes Selbſtſtändige für ſich ſeyende Einheit mit ſich. Das Poſitive iſt wohl ein Geſetztſeyn, aber ſo daß für es das Geſetztſeyn nur Geſetztſeyn, als aufgehobenes iſt. Es iſt das Nichtentgegengeſetzte; der aufgehobene Gegenſatz, aber als Seite des Gegenſatzes ſelbſt. — Als poſitiv iſt zwar Etwas beſtimmt in Beziehung auf ein Andersſeyn, aber ſo daß ſeine Natur dieß iſt, nicht ein Geſetztes zu ſeyn; es iſt die das Andersſeyn negirende Reflexion in ſich. Aber das Andere ſeiner, das Negative, iſt ſelbſt nicht mehr Geſetztſeyn oder Moment, ſondern ein ſelbſtſtändiges Seyn; ſo iſt die negirende Reflexion des Poſitiven in ſich beſtimmt, dieß ſein Nichtſeyn von ſich auszuſchließen.
So das Negative als abſolute Reflexion iſt nicht das unmittelbare Negative, ſondern daſſelbe als aufgehobenes Geſetztſeyn; das Negative an und für ſich, das poſitiv auf ſich ſelbſt beruht. Als Reflexion in ſich negirt es ſeine Beziehung auf Anderes; ſein Anderes iſt das Poſitive, ein ſelbſtſtändiges Seyn; — ſeine negative Beziehung darauf iſt daher, es aus ſich auszuſchließen. Das Negative iſt das für ſich beſtehende Entgegengeſetzte, gegen das Poſitive, das die Beſtimmung des aufgehobenen Gegenſatzes iſt; der auf ſich beruhende ganze Gegenſatz, entgegengeſetzt dem mit ſich identiſchen Geſetztſeyn.
Das Poſitive und Negative iſt hiermit nicht nur an ſich poſitiv und negativ, ſondern an und für ſich. An ſich ſind ſie es, inſofern von ihrer ausſchließenden Beziehung auf Anderes abſtrahirt, und ſie nur nach ihrer Beſtimmung genommen werden. An ſich iſt etwas poſitiv oder negativ, indem es nicht bloß gegen Anderes ſo beſtimmt ſeyn ſoll. Aber das Poſitive oder Negative nicht als Geſetztſeyn und damit nicht als Entgegengeſetztes, iſt es jedes das Unmittelbare, Seyn und Nichtſeyn. Das Poſitive und Negative ſind aber die Momente des Gegenſatzes, das Anſichſeyn derſelben macht nur die Form ihres Reflectirtſeyns in ſich aus. Es iſt etwas an ſich poſitiv, außer der Beziehung auf das Negative; und es iſt etwas an ſich negativ, außer der Beziehung auf das Negative; in dieſer Beſtimmung wird bloß an dem abſtracten Momente dieſes Reflectirtſeyns feſtgehalten. Allein das anſichſeyende Poſitive oder Negative heißt weſentlich, daß entgegengeſetzt zu ſeyn, nicht bloß Moment ſey, noch der Vergleichung angehöre, ſondern die eigene Beſtimmung der Seiten des Gegenſatzes iſt. An ſich poſitiv oder negativ ſind ſie alſo nicht außer der Beziehung auf Anderes, ſondern daß dieſe Beziehung, und zwar als ausſchließende, die Beſtimmung oder das Anſichſeyn derſelben ausmacht; hierin ſind ſie es alſo zugleich an und für ſich.
Anmerkung.
Es iſt hier der Begriff des Poſitiven und Negativen anzuführen, wie er in der Arithmetik vorkommt. Er wird darin als bekannt vorausgeſetzt; weil er aber nicht in ſeinem beſtimmten Unterſchiede aufgefaßt wird, entgeht er nicht unauflösbaren Schwierigkeiten und Verwickelungen. Es haben ſich ſo eben die beiden realen Beſtimmungen des Poſitiven und Negativen ergeben, — außer dem einfachen Begriffe ihrer Entgegenſetzung, — daß nämlich das erſtemal ein nur verſchiedenes, unmittelbares Daſeyn zu Grunde liegt, deſſen einfache Reflexion in ſich unterſchieden wird von ſeinem Geſetztſeyn, der Entgegenſetzung ſelbſt. Dieſe gilt daher nur als nicht an und für ſich ſeyend, und dem Verſchiedenen zwar zukommend, ſo daß jedes ein Entgegengeſetztes überhaupt iſt, aber auch gleichgültig dagegen für ſich beſteht, und es einerlei iſt, welches der beiden entgegengeſetzten Verſchiedenen als poſitiv oder als negativ betrachtet werde. — Das anderemal aber iſt das Poſitive das an ſich ſelbſt Poſitive, das Negative das an ſich ſelbſt Negative, ſo daß das Verſchiedene nicht gleichgültig dagegen, ſondern dieß ſeine Beſtimmung an und für ſich iſt. — Dieſe beiden Formen des Poſitiven und Negativen kommen gleich in den erſten Beſtimmungen vor, in denen ſie in der Arithmetik gebraucht werden.
Das + a und — a ſind zuerſt entgegengeſetzte Größen überhaupt; a iſt die beiden zum Grunde liegende, anſichſeyende Einheit, das gegen die Entgegenſetzung ſelbſt Gleichgültige, das hier ohne weitern Begriff als todte Grundlage dient. Das — a iſt zwar als das Negative, das + a als das Poſitive bezeichnet, aber das eine iſt ſo gut ein Entgegengeſetztes als das andere.
Ferner iſt a nicht nur die einfache zum Grunde liegende Einheit, ſondern als + a und — a iſt ſie die Reflexion dieſer Entgegengeſetzten in ſich; es ſind zwei verſchiedene a vorhanden und es iſt gleichgültig, welches von beiden man als das poſitive oder negative bezeichnen will; beide haben ein beſonderes Beſtehen und ſind poſitiv.
Nach jener erſten Seite iſt + y — y = 0; oder in — 8 + 3, ſind die 3 poſitiven, negative im 8. Die Entgegengeſetzten heben ſich in ihrer Verbindung auf. Eine Stunde Wegs nach Oſten gemacht, und ebenſo viel zurück nach Weſten hebt den erſtgemachten Weg auf; ſo viel Schulden, um ſo viel weniger Vermögen, und ſo viel Vermögen vorhanden iſt, ſo viel hebt ſich von den Schulden auf. Die Stunde Wegs nach Oſten iſt zugleich nicht der poſitive Weg an ſich, noch der nach Weſten der negative Weg; ſondern dieſe Richtungen ſind gleichgültig gegen dieſe Beſtimmtheit des Gegenſatzes; nur eine dritte außer ihnen fallende Rückſicht macht die eine zur poſitiven, die andere zur negativen. So auch die Schulden ſind nicht an und für ſich das Negative; ſie ſind es nur in Beziehung auf den Schuldner; für den Gläubiger ſind ſie ſein poſitives Vermögen; ſie ſind eine Summe Geld, oder was es ſey von einem gewiſſen Werth, das nach außerhalb ſeiner fallenden Rückſichten Schulden oder Vermögen iſt.
Die Entgegengeſetzten heben ſich zwar in ihrer Beziehung auf, ſo daß das Reſultat gleich Null iſt; aber es iſt in ihnen auch ihre identiſche Beziehung vorhanden, die gegen den Gegenſatz ſelbſt gleichgültig iſt; ſo machen ſie Eines aus. Wie ſo eben von der Summe Geld erinnert worden, die nur Eine Summe iſt, oder das a, das nur Ein a iſt im + a und — a; auch der Weg, der nur Ein Stück Wegs iſt, nicht zwei Wege, deren einer nach Oſten, der andere nach Weſten ginge. So auch eine Ordinate y, die daſſelbe iſt, auf dieſer oder jener Seite der Axe genommen; inſofern iſt + y — y = y; ſie iſt nur die Ordinate, es iſt nur Eine Beſtimmung und Geſetz derſelben.
Ferner aber ſind die Entgegengeſetzten nicht nur Ein Gleichgültiges, ſondern auch zwei Gleichgültige. Sie ſind nämlich als Entgegengeſetzte auch in ſich Reflectirte, und beſtehen ſo als Verſchiedene.
So ſind in — 8 + 3 überhaupt eilf Einheiten vorhanden; + y, — y, ſind Ordinaten auf der entgegengeſetzten Seite der Axe, wo jede ein gegen dieſe Grenze und gegen ihren Gegenſatz gleichgültiges Daſeyn iſt; ſo iſt + y — y = 2 y. — Auch der nach Oſten und nach Weſten zurückgelegte Weg iſt die Summe einer zweifachen Bemühung, oder die Summe von zwei Zeitperioden. Ebenſo iſt in der Staatsökonomie ein Quantum von Geld, oder von Werth, nicht nur dieß Eine Quantum als Mittel der Subſiſtenz, ſondern es iſt ein verdoppeltes; es iſt Mittel der Subſiſtenz ſowohl für den Gläubiger als den Schuldner. Das Staatsvermögen berechnet ſich nicht bloß als Summe des baaren Geldes und des ſonſtigen Werthes von den Immobilien und Mobilien, der im Staate vorhanden iſt, noch weniger aber als Summe, die übrig bliebe nach Abzug des paſſiven Vermögens vom activen, ſondern das Capital, wenn ſeine active und paſſive Beſtimmung ſich auch zur Null reducirten, bleibt erſtens poſitives Capital; als + a — a = a; aber zweitens indem es auf vielfältige Weiſe paſſives, verliehenes und wieder verliehenes iſt, iſt es dadurch ein ſehr vervielfältigtes Mittel.
Nicht nur aber ſind die entgegengeſetzten Größen einerſeits bloß entgegengeſetzte überhaupt, andererſeits reale oder gleichgültige. Sondern ob zwar das Quantum ſelbſt das gleichgültig begrenzte Seyn iſt, ſo kommt doch an ihm auch das an ſich Poſitive und das an ſich Negative vor. Das a z. B., inſofern es kein Zeichen hat, gilt dafür, daß es als poſitives zu nehmen ſey, wenn es zu bezeichnen iſt. Wenn es nur überhaupt ein entgegengeſetztes werden ſollte, ſo könnte es ebenſo gut als — a genommen werden. Aber das poſitive Zeichen wird ihm unmittelbar gegeben, weil das Poſitive für ſich die eigenthümliche Bedeutung des Unmittelbaren, als mit ſich identiſchen, gegen die Entgegenſetzung hat.
Ferner indem poſitive und negative Größen addirt oder ſubtrahirt werden, gelten ſie als ſolche, die für ſich poſitiv und negativ ſeyen, und es nicht bloß durch die Beziehung des Addirens oder Subtrahirens, auf dieſe äußerliche Weiſe werden. In 8 — (— 3) heißt das erſte Minus entgegengeſetzt gegen 8, das zweite Minus aber (— 3) gilt als entgegengeſetztes an ſich, außer dieſer Beziehung.
Näher tritt dieß bei der Multiplication und Diviſion hervor; hier iſt das Poſitive weſentlich als das Nichtentgegengeſetzte, das Negative hingegen als das Entgegengeſetzte zu nehmen, nicht beide Beſtimmungen auf gleiche Weiſe nur als Entgegengeſetzte überhaupt. Indem die Lehrbücher in den Beweiſen, wie ſich die Zeichen in dieſen beiden Rechnungsarten verhalten, bei dem Begriffe der entgegengeſetzten Größen überhaupt ſtehen bleiben, ſo ſind dieſe Beweiſe unvollſtändig und verwickeln ſich in Widerſprüche. — Plus und Minus erhalten aber bei der Multiplication und Diviſion die beſtimmtere Bedeutung von Poſitivem und Negativem an ſich, weil das Verhältniß der Factoren, Einheit und Anzahl gegen einander zu ſeyn, nicht ein bloßes Verhältniß des Mehrens und Minderns iſt, wie bei dem Addiren und Subtrahiren, ſondern ein qualitatives; womit auch Plus und Minus die qualitative Bedeutung des Poſitiven und Negativen erhält. — Ohne dieſe Beſtimmung und bloß aus dem Begriffe entgegengeſetzter Größen kann leicht die ſchiefe Folgerung gezogen werden, daß wenn — a . + a = — a² iſt, umgekehrt + a . — a = + a² gebe. Indem der eine Factor die Anzahl und der andere die Einheit, und zwar die erſtere wie gewöhnlich der voranſtehende bedeutet, ſo unterſcheiden ſich die beiden Ausdrücke — a . + a und + a . — a dadurch, daß im erſtern + a die Einheit und — a die Anzahl, und im andern es umgekehrt iſt. Es pflegt nun beim erſtern geſagt zu werden, wenn ich + a nehmen ſoll — a mal, ſo nehme ich + a nicht bloß a mal, ſondern zugleich auf die ihm entgegengeſetzte Weiſe, + a mal — a; alſo da es Plus iſt, ſo habe ich es negativ zu nehmen, und das Product iſt — a². — Wenn aber im zweiten Falle — a zu nehmen iſt + a mal, ſo ſoll — a gleichfalls nicht — a mal genommen werden, ſondern in der ihm entgegengeſetzten Beſtimmung nämlich + a mal. Nach dem Räſonnement des erſten Falles folgt alſo, daß das Product + a² ſeyn müſſe. Ebenſo bei der Diviſion.
Dieſe Conſequenz iſt nothwendig, inſofern Plus und Minus nur als entgegengeſetzte Größen überhaupt genommen werden; dem Minus wird im erſten Falle die Kraft zugeſchrieben, das Plus zu verändern; aber im andern ſollte Plus nicht dieſelbe Kraft über Minus haben, ungeachtet es ſo gut eine entgegengeſetzte Größebeſtimmung iſt, als dieſes. In der That hat Plus dieſe Kraft nicht, denn es iſt hier nach ſeiner qualitativen Beſtimmung gegen Minus zu nehmen, indem die Factoren ein qualitatives Verhältniß zu einander haben. Inſofern iſt alſo das Negative hier das an ſich Entgegengeſetzte als ſolches, das Poſitive aber iſt das Unbeſtimmte, Gleichgültige überhaupt; es iſt wohl auch das Negative, aber des Andern, nicht an ihm ſelbſt. — Eine Beſtimmung als Negation kommt alſo allein durch das Negative herein, nicht durch das Poſitive.
So iſt denn auch — a . — a = + a², darum weil das negative a nicht bloß auf die entgegengeſetzte Weiſe, (ſo würde es zu nehmen ſeyn, mit — a multiplicirt) ſondern weil es negativ genommen werden ſoll. Die Negation der Negation aber iſt das Poſitive.
1. Der Unterſchied überhaupt enthält ſeine beiden Seiten als Momente; in der Verſchiedenheit fallen ſie gleichgültig auseinander; im Gegenſatze als ſolchem ſind ſie Seiten des Unterſchiedes, eines nur durchs andere beſtimmt, ſomit nur Momente; aber ſie ſind ebenſo ſehr beſtimmt an ihnen ſelbſt, gleichgültig gegen einander und ſich gegenſeitig ausſchließend; die ſelbſtſtändigen Reflexions-Beſtimmungen.
Die eine iſt das Poſitive, die andere das Negative, aber jene als das an ihm ſelbſt Poſitive, dieſe als das an ihm ſelbſt Negative. Die gleichgültige Selbſtſtändigkeit für ſich hat jedes dadurch, daß es die Beziehung auf ſein anderes Moment an ihm ſelbſt hat; ſo iſt es der ganze in ſich geſchloſſene Gegenſatz. — Als dieſes Ganze iſt jedes vermittelt durch ſein Anderes mit ſich, und enthält daſſelbe. Aber es iſt ferner durch das Nichtſeyn ſeines Andern mit ſich vermittelt; ſo iſt es für ſich ſeyende Einheit und ſchließt das Andere aus ſich aus.
Indem die ſelbſtſtändige Reflexions-Beſtimmung in derſelben Rückſicht, als ſie die andere enthält, und dadurch ſelbſtſtändig iſt, die andere ausſchließt, ſo ſchließt ſie in ihrer Selbſtſtändigkeit ihre eigene Selbſtſtändigkeit aus ſich aus; denn dieſe beſteht darin, die ihr andere Beſtimmung in ſich zu enthalten und dadurch allein nicht Beziehung auf ein Aeußerliches zu ſeyn; aber ebenſo ſehr unmittelbar darin, ſie ſelbſt zu ſeyn und die ihr negative Beſtimmung von ſich auszuſchließen. Sie iſt ſo der Widerſpruch.
Der Unterſchied überhaupt iſt ſchon der Widerſpruch an ſich; denn er iſt die Einheit von ſolchen, die nur ſind, inſofern ſie nicht eins ſind, — und die Trennung ſolcher, die nur ſind als in derſelben Beziehung getrennte. Das Poſitive und Negative aber ſind der geſetzte Widerſpruch, weil ſie als negative Einheiten ſelbſt das Setzen ihrer, und darin jedes das Aufheben ſeiner und das Setzen ſeines Gegentheils iſt. — Sie machen die beſtimmende Reflexion als ausſchließende aus; weil das Ausſchließen Ein Unterſcheiden, und jedes der Unterſchiedenen als Ausſchließendes ſelbſt das ganze Ausſchließen iſt, ſo ſchließt jedes in ihm ſelbſt ſich aus.
Die beiden ſelbſtſtändigen Reflexions-Beſtimmungen für ſich betrachtet, ſo iſt das Poſitive das Geſetztſeyn als in die Gleichheit mit ſich reflectirt; das Geſetztſeyn, das nicht Beziehung auf ein Anderes iſt, das Beſtehen alſo, inſofern das Geſetztſeyn aufgehoben und ausgeſchloſſen iſt. Damit aber macht ſich das Poſitive zur Beziehung eines Nichtſeyns, — zu einem Geſetztſeyn. — So iſt es der Widerſpruch, daß es als das Setzen der Identität mit ſich durch Ausſchließen des Negativen ſich ſelbſt zum Negativen von einem macht, alſo zu dem Andern, das es von ſich ausſchließt. Dieſes iſt als Ausgeſchloſſenes frei von dem Ausſchließenden geſetzt; hiermit als in ſich reflectirt und ſelbſt ausſchließend. So iſt die ausſchließende Reflexion Setzen des Poſitiven, als ausſchließend das Andere, ſo daß dieß Setzen unmittelbar das Setzen ſeines Andern, es ausſchließenden, iſt.
Dieß iſt der abſolute Widerſpruch des Poſitiven, aber er iſt unmittelbar der abſolute Widerſpruch des Negativen; das Setzen beider iſt Eine Reflexion. — Das Negative für ſich betrachtet gegen das Poſitive iſt das Geſetztſeyn als in die Ungleichheit mit ſich reflectirt, das Negative als Negatives. Aber das Negative iſt ſelbſt das Ungleiche, das Nichtſeyn eines Andern; ſomit iſt die Reflexion in ſeine Ungleichheit vielmehr ſeine Beziehung auf ſich ſelbſt. — Die Negation überhaupt iſt das Negative als Qualität, oder unmittelbare Beſtimmtheit; das Negative aber als Negatives, iſt es bezogen auf das Negative ſeiner, auf ſein Anderes. Wird dieß Negative nur als identiſch mit dem erſten genommen, ſo iſt es, wie auch das erſtere, nur unmittelbar; ſie werden ſo nicht genommen als Andere gegen einander, ſomit nicht als Negative; das Negative iſt überhaupt nicht ein Unmittelbares. — Indem nun ferner aber ebenſo ſehr jedes daſſelbe iſt, was das Andere, ſo iſt dieſe Beziehung der Ungleichen ebenſo ſehr ihre identiſche Beziehung.
Dieß iſt alſo derſelbe Widerſpruch, der das Poſitive iſt, nämlich Geſetztſeyn oder Negation, als Beziehung auf ſich. Aber das Poſitive iſt nur an ſich dieſer Widerſpruch; das Negative dagegen der geſetzte Widerſpruch; denn in ſeiner Reflexion in ſich, an und für ſich Negatives oder als Negatives identiſch mit ſich zu ſeyn, hat es die Beſtimmung, daß es Nichtidentiſches, Ausſchließen der Identität ſey. Es iſt dieß, gegen die Identität identiſch mit ſich zu ſeyn, hiermit durch ſeine ausſchließende Reflexion ſich ſelbſt von ſich auszuſchließen.
Das Negative iſt alſo die ganze, als Entgegenſetzung auf ſich beruhende Entgegenſetzung, der abſolute ſich nicht auf Anderes beziehende Unterſchied; er ſchließt als Entgegenſetzung die Identität von ſich aus; aber ſomit ſich ſelbſt, denn als Beziehung auf ſich beſtimmt er ſich als die Identität ſelbſt, die er ausſchließt.
In der ſich ſelbſt ausſchließenden Reflexion, die betrachtet wurde, hebt das Poſitive und das Negative jedes in ſeiner Selbſtſtändigkeit ſich ſelbſt auf; jedes iſt ſchlechthin das Uebergehen oder vielmehr das ſich Ueberſetzen ſeiner in ſein Gegentheil. Dieß raſtloſe Verſchwinden der Entgegengeſetzten in ihnen ſelbſt iſt die nächſte Einheit, welche durch den Widerſpruch zu Stande kommt; ſie iſt die Null.
Der Widerſpruch enthält aber nicht bloß das Negative, ſondern auch das Poſitive; oder die ſich ſelbſt ausſchließende Reflexion iſt zugleich ſetzende Reflexion; das Reſultat des Widerſpruchs iſt nicht nur Null. — Das Poſitive und Negative machen das Geſetztſeyn der Selbſtſtändigkeit aus; die Negation ihrer durch ſie ſelbſt hebt das Geſetztſeyn der Selbſtſtändigkeit auf. Dieß iſt es, was in Wahrheit im Widerſpruche zu Grund geht.
Die Reflexion in ſich, wodurch die Seiten des Gegenſatzes ſich zu ſelbſtſtändigen Beziehungen auf ſich machen, iſt zunächſt ihre Selbſtſtändigkeit als unterſchiedener Momente; ſie ſind ſo nur an ſich dieſe Selbſtſtändigkeit, denn ſie ſind noch entgegengeſetzte, und daß ſie es an ſich ſind, macht ihr Geſetztſeyn aus. Aber ihre ausſchließende Reflexion hebt dieß Geſetztſeyn auf, macht ſie zu fürſichſeyenden Selbſtſtändigen, zu ſolchen, die nicht nur an ſich, ſondern durch ihre negative Beziehung auf ihr Anderes ſelbſtſtändig ſind; ihre Selbſtſtändigkeit iſt auf dieſe Weiſe auch geſetzt. Aber ferner machen ſie ſich durch dieß ihr Setzen zu einem Geſetztſeyn. Sie richten ſich zu Grunde, indem ſie ſich beſtimmen als das mit ſich Identiſche, aber darin vielmehr als das Negative, als ein mit ſich Identiſches, das Beziehung auf Anderes iſt.
Allein dieſe ausſchließende Reflexion iſt näher betrachtet nicht nur dieſe formelle Beſtimmung. Sie iſt anſichſeyende Selbſtſtändigkeit, und iſt das Aufheben dieſes Geſetztſeyns und durch dieß Aufheben erſt fürſichſeyende und in der That ſelbſtſtändige Einheit. Durch das Aufheben des Andersſeyns oder Geſetztſeyns iſt zwar wieder das Geſetztſeyn, das Negative eines Anderen, vorhanden. Aber in der That iſt dieſe Negation nicht wieder nur erſte unmittelbare Beziehung auf Anderes, nicht Geſetztſeyn als aufgehobene Unmittelbarkeit, ſondern als aufgehobenes Geſetztſeyn. Die ausſchließende Reflexion der Selbſtſtändigkeit, indem ſie ausſchließend iſt, macht ſich zum Geſetztſeyn, aber iſt ebenſo ſehr Aufheben ihres Geſetztſeyns. Sie iſt aufhebende Beziehung auf ſich; ſie hebt darin erſtens das Negative auf und zweitens ſetzt ſie ſich als Negatives, und dieß iſt erſt dasjenige Negative, das ſie aufhebt; im Aufheben des Negativen ſetzt und hebt ſie zugleich es auf. Die ausſchließende Beſtimmung ſelbſt iſt auf dieſe Weiſe ſich das Andere, deſſen Negation ſie iſt; das Aufheben dieſes Geſetztſeyns iſt daher nicht wieder Geſetztſeyn als das Negative eines Anderen, ſondern iſt das Zuſammengehen mit ſich ſelbſt, das poſitive Einheit mit ſich iſt. Die Selbſtſtändigkeit iſt ſo durch ihre eigene Negation in ſich zurückkehrende Einheit, indem ſie durch die Negation ihres Geſetztſeyns in ſich zurückkehrt. Sie iſt die Einheit des Weſens, durch die Negation nicht eines Andern, ſondern ihrer ſelbſt identiſch mit ſich zu ſeyn.
3. Nach dieſer poſitiven Seite, daß die Selbſtſtändigkeit im Gegenſatze als ausſchließende Reflexion ſich zum Geſetztſeyn macht, und es ebenſo ſehr aufhebt, Geſetztſeyn zu ſeyn, iſt der Gegenſatz nicht nur zu Grunde, ſondern in ſeinen Grund zurückgegangen. — Die ausſchließende Reflexion des ſelbſtſtändigen Gegenſatzes macht ihn zu einem Negativen, nur Geſetzten; ſie ſetzt dadurch ihre zunächſt ſelbſtſtändigen Beſtimmungen, das Poſitive und Negative, zu ſolchen herab, welche nur Beſtimmungen ſind; und indem ſo das Geſetztſeyn zum Geſetztſeyn gemacht wird, iſt es überhaupt in ſeine Einheit mit ſich zurückgekehrt; es iſt das einfache Weſen, aber das Weſen als Grund. Durch das Aufheben der ſich an ſich ſelbſt widerſprechenden Beſtimmungen des Weſens iſt dieſes wiederhergeſtellt, jedoch mit der Beſtimmung, ausſchließende Reflexions-Einheit zu ſeyn, — einfache Einheit, welche ſich ſelbſt als Negatives beſtimmt, aber in dieſem Geſetztſeyn unmittelbar ſich ſelbſt gleich und mit ſich zuſammengegangen iſt.
Zunächſt geht alſo der ſelbſtſtändige Gegenſatz durch ſeinen Widerſpruch in den Grund zurück; jener iſt das Erſte, Unmittelbare, von dem angefangen wird, und der aufgehobene Gegenſatz oder das aufgehobene Geſetztſeyn iſt ſelbſt ein Geſetztſeyn. Somit iſt das Weſen als Grund ein Geſetztſeyn, ein Gewordenes. Aber umgekehrt hat ſich nur dieß geſetzt, daß der Gegenſatz oder das Geſetztſeyn ein Aufgehobenes, nur als Geſetztſeyn iſt. Das Weſen iſt alſo als Grund ſo ausſchließende Reflexion, daß es ſich ſelbſt zum Geſetztſeyn macht, daß der Gegenſatz, von dem vorhin der Anfang gemacht wurde und der das Unmittelbare war, die nur geſetzte, beſtimmte Selbſtſtändigkeit des Weſens iſt, und daß er nur das ſich an ihm ſelbſt Aufhebende, das Weſen aber das in ſeiner Beſtimmtheit in ſich Reflectirte iſt. Das Weſen ſchließt als Grund ſich von ſich ſelbſt aus, es ſetzt ſich; ſein Geſetztſeyn, — welches das Ausgeſchloſſene iſt, — iſt nur als Geſetztſeyn, als Identität des Negativen mit ſich ſelbſt. Dieß Selbſtſtändige iſt das Negative, geſetzt als Negatives; ein ſich ſelbſt Widerſprechendes, das daher unmittelbar im Weſen als ſeinem Grunde bleibt.
Der aufgelöſte Widerſpruch iſt alſo der Grund, das Weſen als Einheit des Poſitiven und Negativen. Im Gegenſatze iſt die Beſtimmung zur Selbſtſtändigkeit gediehen; der Grund aber iſt dieſe vollendete Selbſtſtändigkeit; das Negative iſt in ihm ſelbſtſtändiges Weſen, aber als Negatives; ſo iſt er ebenſo ſehr das Poſitive als das in dieſer Negativität mit ſich Identiſche. Der Gegenſatz und ſein Widerſpruch iſt daher im Grunde ſo ſehr aufgehoben, als erhalten. Der Grund iſt das Weſen als die poſitive Identität mit ſich; aber die ſich zugleich als die Negativität auf ſich bezieht, ſich alſo beſtimmt und zum ausgeſchloſſenen Geſetztſeyn macht; dieß Geſetztſeyn aber iſt das ganze ſelbſtſtändige Weſen, und das Weſen iſt Grund, als in dieſer ſeiner Negation identiſch mit ſich ſelbſt und poſitiv. Der ſich widerſprechende ſelbſtſtändige Gegenſatz war alſo bereits ſelbſt der Grund; es kam nur die Beſtimmung der Einheit mit ſich ſelbſt hinzu, welche dadurch hervortritt, daß die ſelbſtſtändigen Entgegengeſetzten jedes ſich ſelbſt aufhebt und ſich zu dem Andern ſeiner macht, ſomit zu Grunde geht, aber darin zugleich nur mit ſich ſelbſt zuſammengeht, alſo in ſeinem Untergange, das iſt, in ſeinem Geſetztſeyn oder in der Negation vielmehr erſt das in ſich reflectirte, mit ſich identiſche Weſen iſt.
Anmerkung 1.
Das Poſitive und Negative iſt daſſelbe. Dieſer Ausdruck gehört der äußern Reflexion an, inſofern ſie mit dieſen beiden Beſtimmungen eine Vergleichung anſtellt. Es iſt aber nicht eine äußere Vergleichung, welche zwiſchen denſelben, ebenſo wenig als zwiſchen andern Kategorien anzuſtellen iſt, ſondern ſie ſind an ihnen ſelbſt zu betrachten, d. h. es iſt zu betrachten, was ihre eigene Reflexion iſt. An dieſer aber hat es ſich gezeigt, daß jedes weſentlich das Scheinen ſeiner im Andern und ſelbſt das Setzen ſeiner als des Andern iſt.
Das Vorſtellen, inſofern es das Poſitive und Negative nicht betrachtet, wie ſie an und für ſich ſind, kann aber allerdings an das Vergleichen verwieſen werden, um das Haltloſe dieſer Unterſchiedenen, die von ihm als feſt einander gegenüber angenommen ſind, aufmerkſam zu werden. Eine geringe Erfahrung in dem reflectirenden Denken wird es ſchon wahrnehmen, daß wenn etwas als poſitiv beſtimmt worden, indem man nun von dieſer Grundlage weiter geht, ſich daſſelbe unmittelbar unter der Hand in Negatives verkehrt hat, und umgekehrt das negative Beſtimmte in Poſitives, daß das reflectirende Denken ſich in dieſen Beſtimmungen verwirrt und ſich widerſprechend wird. Die Unbekanntſchaft mit der Natur derſelben iſt der Meinung, dieſe Verwirrung ſey etwas Unrechtes, das nicht geſchehen ſoll und ſchreibt ſie einem ſubjectiven Fehler zu. Dieſes Uebergehen bleibt in der That auch bloße Verwirrung, inſofern das Bewußtſeyn über die Nothwendigkeit der Verwandelung nicht vorhanden iſt. — Es iſt aber, auch für die äußere Reflexion, eine einfache Betrachtung, daß für’s Erſte das Poſitive nicht ein unmittelbar Identiſches iſt, ſondern theils ein Entgegengeſetztes gegen das Negative, und daß es nur in dieſer Beziehung Bedeutung hat, alſo das Negative ſelbſt in ſeinem Begriffe liegt, theils aber, daß es an ihm ſelbſt die ſich auf ſich beziehende Negation des bloßen Geſetztſeyns oder des Negativen, alſo ſelbſt die abſolute Negation in ſich iſt. — Ebenſo das Negative, das dem Poſitiven gegenüber ſteht, hat nur Sinn in dieſer Beziehung auf dieß ſein Anderes; es enthält alſo daſſelbe in ſeinem Begriffe. Das Negative hat aber auch ohne Beziehung auf das Poſitive ein eigenes Beſtehen; es iſt mit ſich identiſch; ſo iſt es aber ſelbſt das, was das Poſitive ſeyn ſollte.
Vornehmlich wird der Gegenſatz vom Poſitiven und Negativen in dem Sinne genommen, daß jenes (ob es gleich ſeinem Namen nach das Ponirtſeyn, Geſetztſeyn ausdrückt) ein Objectives ſeyn ſoll, dieſes aber ein Subjectives, welches nur einer äußern Reflexion angehöre, das an und für ſich ſeyende Objective nichts angehe, und ganz und gar nicht für daſſelbe vorhanden ſey. In der That, wenn das Negative nichts Anderes als die Abſtraction einer ſubjectiven Willkür oder eine Beſtimmung einer äußerlichen Vergleichung ausdrückt, ſo iſt es freilich für das objective Poſitive nicht vorhanden, d. h. dieſes iſt nicht an ihm ſelbſt auf eine ſolche leere Abſtraction bezogen; aber dann iſt ihm die Beſtimmung, daß es ein Poſitives ſey, gleichfalls nur äußerlich. — So gilt, um ein Beiſpiel von dem fixen Gegenſatze dieſer Reflexions-Beſtimmungen anzuführen, das Licht überhaupt für das nur Poſitive, die Finſterniß aber für das nur Negative. Aber das Licht hat in ſeiner unendlichen Expanſion und der Kraft ſeiner ausſchließenden und belebenden Wirkſamkeit weſentlich die Natur abſoluter Negativität. Die Finſterniß dagegen, als Unmannigfaltiges oder der ſich nicht ſelbſt in ſich unterſcheidende Schooß der Erzeugung, iſt das einfache mit ſich Identiſche, das Poſitive. Sie wird als das nur Negative in dem Sinne genommen, daß ſie als bloße Abweſenheit des Lichts für daſſelbe ganz und gar nicht vorhanden ſey, — ſo daß dieſes, indem es ſich auf ſie bezieht, ſich nicht auf ein Anderes, ſondern rein auf ſich ſelbſt beziehen, alſo dieſe nur vor ihm verſchwinden ſoll. Aber bekanntlich wird das Licht durch die Finſterniß zum Grau getrübt; und außer dieſer bloß quantitativen Veränderung erleidet es auch die qualitative, durch die Beziehung darauf zur Farbe beſtimmt zu werden. — So iſt z. B. auch die Tugend nicht ohne Kampf; ſie iſt vielmehr der höchſte, vollendete Kampf; ſo iſt ſie nicht nur das Poſitive, ſondern abſolute Negativität; ſie iſt auch nicht nur in Vergleichung mit dem Laſter Tugend, ſondern iſt an ihr ſelbſt Entgegenſetzung und Bekämpfung. Oder das Laſter iſt nicht nur der Mangel der Tugend, — auch die Unſchuld iſt dieſer Mangel, — und nicht nur für eine äußere Reflexion von der Tugend unterſchieden, ſondern an ſich ſelbſt ihr entgegengeſetzt, es iſt böſe. Das Böſe beſteht in dem Beruhen auf ſich, gegen das Gute; es iſt die poſitive Negativität. Die Unſchuld aber, als Mangel ſowohl des Guten als des Böſen, iſt gleichgültig gegen beide Beſtimmungen, weder poſitiv noch negativ. Aber zugleich iſt dieſer Mangel auch als Beſtimmtheit zu nehmen, und einerſeits iſt ſie als die poſitive Natur von Etwas zu betrachten, als ſie ſich andererſeits auf ein Entgegengeſetztes bezieht, und alle Naturen aus ihrer Unſchuld, aus ihrer gleichgültigen Identität mit ſich, heraustreten, ſich durch ſich ſelbſt auf ihr Anderes beziehen und dadurch zu Grunde richten, oder, im poſitiven Sinne, in ihren Grund zurückgehen. — Auch die Wahrheit iſt das Poſitive als das mit dem Objecte übereinſtimmende Wiſſen, aber ſie iſt nur dieſe Gleichheit mit ſich, inſofern das Wiſſen ſich negativ gegen das Andere verhalten, das Object durchdrungen und die Negation, die es iſt, aufgehoben hat. Der Irrthum iſt ein Poſitives, als eine Meinung des nicht an und für ſich ſeyenden, die ſich weiß und behauptet. Die Unwiſſenheit aber iſt entweder das gegen Wahrheit und Irrthum Gleichgültige, ſomit weder als poſitiv noch als negativ beſtimmt und die Beſtimmung derſelben als ein Mangel gehört der äußeren Reflexion an, oder aber als objectiv, als eigene Beſtimmung einer Natur, iſt ſie der Trieb, der gegen ſich gerichtet iſt; ein Negatives, das eine poſitive Richtung in ſich enthält. — Es iſt eine der wichtigſten Erkenntniſſe, dieſe Natur der betrachteten Reflexions-Beſtimmungen, daß ihre Wahrheit nur in ihrer Beziehung auf einander, und damit darin beſteht, daß jede in ihrem Begriffe ſelbſt die andere enthält, einzuſehen und feſtzuhalten; ohne dieſe Erkenntniß läßt ſich eigentlich kein Schritt in der Philoſophie thun.
Anmerkung 2.
Die Beſtimmung der Entgegenſetzung iſt gleichfalls zu einem Satze gemacht worden, dem ſogenannten Satze des ausgeſchloſſenen Dritten.
Etwas iſt entweder A oder Nicht-A; es giebt kein Drittes.
Dieſer Satz enthält zuerſt, daß Alles ein Entgegengeſetztes iſt, ein entweder als poſitiv oder als negativ Beſtimmtes. — Ein wichtiger Satz, der darin ſeine Nothwendigkeit hat, daß die Identität in Verſchiedenheit und dieſe in Entgegenſetzung übergeht. Allein er pflegt nicht in dieſem Sinne verſtanden zu werden, ſondern ſoll gewöhnlich ſo viel heißen, daß einem Dinge von allen Prädicaten entweder dieſes Prädicat ſelbſt oder ſein Nichtſeyn zukomme. Das Entgegengeſetzte bedeutet hier bloß den Mangel oder vielmehr die Unbeſtimmtheit; und der Satz iſt ſo unbedeutend, daß es nicht der Mühe werth iſt, ihn zu ſagen. Wenn die Beſtimmungen ſüß, grün, viereckig genommen, — und es ſollen alle Prädicate genommen werden — und nun vom Geiſte geſagt wird, er ſey entweder ſüß oder nicht ſüß, grün oder nicht grün u. ſ. f., ſo iſt dieß eine Trivialität, die zu nichts führt. Die Beſtimmtheit, das Prädicat, wird auf Etwas bezogen; das Etwas iſt beſtimmt, ſagt der Satz aus; nun ſoll er weſentlich dieß enthalten, daß die Beſtimmtheit ſich näher beſtimme, zur Beſtimmtheit an ſich, zur Entgegenſetzung werde. Statt deſſen geht er aber in jenem trivialen Sinne von der Beſtimmtheit nur über zu ihrem Nichtſeyn überhaupt, zurück zur Unbeſtimmtheit.
Der Satz des ausgeſchloſſenen Dritten unterſcheidet ſich ferner vom oben betrachteten Satze der Identität oder des Widerſpruchs, der ſo hieß: es giebt nicht Etwas, das zugleich A und Nicht-A iſt. Er enthält, daß es nicht Etwas gebe, welches weder A noch Nicht-A, daß es nicht ein Drittes gebe, das gegen den Gegenſatz gleichgültig ſey. In der That aber giebt es in dieſem Satze ſelbſt das Dritte, das gleichgültig gegen den Gegenſatz iſt, nämlich A ſelbſt iſt darin vorhanden. Dieß A iſt weder +A noch —A, und ebenſo wohl auch +A als —A. — Das Etwas das entweder +A oder Nicht-A ſeyn ſollte, iſt hiemit auf +A ſowohl als Nicht-A bezogen; und wieder, indem es auf A bezogen iſt, ſolle es nicht auf Nicht-A bezogen ſeyn, ſo wie nicht auf A, indem es auf Nicht-A bezogen iſt. Das Etwas ſelbſt iſt alſo das Dritte, welches ausgeſchloſſen ſeyn ſollte. Indem die entgegengeſetzten Beſtimmungen, im Etwas ebenſo ſehr geſetzt als in dieſem Setzen aufgehobene ſind, ſo iſt das Dritte, das hier die Geſtalt eines todten Etwas hat, tiefer genommen, die Einheit der Reflexion, in welche, als in den Grund die Entgegenſetzung zurückgeht.
Anmerkung 3.
Wenn nun die erſten Reflexions-Beſtimmungen, die Identität, die Verſchiedenheit und die Entgegenſetzung, in einem Satze aufgeſtellt worden, ſo ſollte noch vielmehr diejenige, in welche ſie als in ihre Wahrheit übergehen, nämlich der Widerſpruch, in einen Satz gefaßt und geſagt werden: Alle Dinge ſind an ſich ſelbſt widerſprechend, und zwar in dem Sinne, daß dieſer Satz gegen die übrigen vielmehr die Wahrheit und das Weſen der Dinge ausdrücke. — Der Widerſpruch, der an der Entgegenſetzung hervortritt, iſt nur das entwickelte Nichts, das in der Identität enthalten iſt, und in dem Ausdrucke vorkam, daß der Satz der Identität Nichts ſage. Dieſe Negation beſtimmt ſich weiter zur Verſchiedenheit und zur Entgegenſetzung, welche nun der geſetzte Widerſpruch iſt.
Es iſt aber eines der Grundvorurtheile der bisherigen Logik und des gewöhnlichen Vorſtellens, als ob der Widerſpruch nicht eine ſo weſenhafte und immanente Beſtimmung ſey, als die Identität; ja wenn von Rangordnung die Rede, und beide Beſtimmungen als getrennte feſtzuhalten wären, ſo wäre der Widerſpruch für das Tiefere und Weſenhaftere zu nehmen. Denn die Identität ihm gegenüber iſt nur die Beſtimmung des einfachen Unmittelbaren, des todten Seyns; er aber iſt die Wurzel aller Bewegung und Lebendigkeit; nur inſofern etwas in ſich ſelbſt einen Widerſpruch hat, bewegt es ſich, hat Trieb und Thätigkeit.
Der Widerſpruch wird gewöhnlich für's erſte von den Dingen, von dem Seyenden und Wahren überhaupt, entfernt; es wird behauptet, daß es nichts Widerſprechendes gebe. Er wird für's andere dagegen in die ſubjective Reflexion geſchoben, die durch ihre Beziehung und Vergleichung ihn erſt ſetze. Aber auch in dieſer Reflexion ſey er nicht eigentlich vorhanden, denn das Widerſprechende könne nicht vorgeſtellt noch gedacht werden. Er gilt überhaupt, ſey es am Wirklichen oder in der denkenden Reflexion, für eine Zufälligkeit, gleichſam für eine Abnormität und vorübergehenden Krankheits-Paroxysmus.
Was nun die Behauptung betrifft, daß es den Widerſpruch nicht gebe, daß er nicht ein Vorhandenes ſey, ſo brauchen wir uns um eine ſolche Verſicherung nicht zu bekümmern; eine abſolute Beſtimmung des Weſens muß ſich in aller Erfahrung finden, in allem Wirklichen wie in jedem Begriffe. Oben beim Unendlichen, das der Widerſpruch iſt, wie er in der Sphäre des Seyns ſich zeigt, iſt das Gleiche bereits erinnert worden. Die gemeine Erfahrung aber ſpricht es ſelbſt aus, daß es wenigſtens eine Menge widerſprechender Dinge, widerſprechender Einrichtungen u. ſ. f. gebe, deren Widerſpruch nicht bloß in einer äußerlichen Reflexion, ſondern in ihnen ſelbſt vorhanden iſt. Er iſt aber ferner nicht bloß als eine Abnormität zu nehmen, die nur hier und da vorkäme, ſondern iſt das Negative in ſeiner weſenhaften Beſtimmung, das Princip aller Selbſtbewegung, die in nichts weiter beſteht, als in einer Darſtellung deſſelben. Die äußerliche ſinnliche Bewegung ſelbſt iſt ſein unmittelbares Daſeyn. Es bewegt ſich etwas nur, nicht indem es in dieſem Jetzt hier iſt, und in einem andern Jetzt dort, ſondern indem es in einem und demſelben Jetzt hier und nicht hier, indem es in dieſem Hier zugleich iſt und nicht iſt. Man muß den alten Dialektikern die Widerſprüche zugeben, die ſie in der Bewegung aufzeigen, aber daraus folgt nicht, daß darum die Bewegung nicht iſt, ſondern vielmehr, daß die Bewegung der daſeyende Widerſpruch ſelbſt iſt.
Ebenſo iſt die innere, die eigentliche Selbſtbewegung, der Trieb überhaupt (Appetit oder Niſus der Monade, die Entelechie des abſolut einfachen Weſens) nichts Anderes, als daß Etwas in ſich ſelbſt, und der Mangel, das Negative ſeiner ſelbſt, in einer und derſelben Rückſicht iſt. Die abſtracte Identität mit ſich iſt noch keine Lebendigkeit, ſondern daß das Poſitive an ſich ſelbſt die Negativität iſt, dadurch geht es außer ſich und ſetzt ſich in Veränderung. Etwas iſt alſo lebendig, nur inſofern es den Widerſpruch in ſich enthält, und zwar dieſe Kraft iſt, den Widerſpruch in ſich zu faſſen und auszuhalten. Wenn aber ein Exiſtirendes nicht in ſeiner poſitiven Beſtimmung zugleich über ſeine negative überzugreifen und eine in der andern feſtzuhalten, den Widerſpruch nicht in ihm ſelbſt zu haben vermag, ſo iſt es nicht die lebendige Einheit ſelbſt, nicht Grund, ſondern geht in dem Widerſpruche zu Grunde. — Das ſpeculative Denken beſteht nur darin, daß das Denken den Widerſpruch und in ihm ſich ſelbſt feſthält, nicht aber daß es ſich, wie es dem Vorſtellen geht, von ihm beherrſchen und durch ihn ſich ſeine Beſtimmungen nur in andere oder in Nichts auflöſen läßt.
Wenn in der Bewegung, dem Triebe und dergleichen der Widerſpruch in die Einfachheit dieſer Beſtimmungen für das Vorſtellen verhüllt iſt, ſo ſtellt ſich hingegen in den Verhältnißbeſtimmungen der Widerſpruch unmittelbar dar. Die trivialſten Beiſpiele, von Oben und Unten, Rechts und Links, Vater und Sohn und ſo fort ins Unendliche, enthalten alle den Gegenſatz in Einem. Oben iſt, was nicht Unten iſt; Oben iſt beſtimmt nur dieß, nicht Unten zu ſeyn, und iſt nur, inſofern ein Unten iſt; und umgekehrt; in der einen Beſtimmung liegt ihr Gegentheil. Vater iſt das Andere des Sohnes, und Sohn das Andere des Vaters, und jedes iſt nur als dieß Andere des Andern; und zugleich iſt die eine Beſtimmung nur in Beziehung auf die andere; ihr Seyn iſt Ein Beſtehen. Der Vater iſt außer der Beziehung auf Sohn auch etwas für ſich; aber ſo iſt er nicht Vater, ſondern ein Mann überhaupt; wie oben und Unten, Rechts und Links auch in ſich reflectirte, außer der Beziehung etwas ſind; aber nur Orte überhaupt. — Die Entgegengeſetzten enthalten inſofern den Widerſpruch, als ſie in derſelben Rückſicht ſich negativ auf einander beziehende oder ſich gegenſeitig aufhebende und gegen einander gleichgültige ſind. Die Vorſtellung, indem ſie zum Momente der Gleichgültigkeit der Beſtimmungen übergeht, vergißt darin ihre negative Einheit und behält ſie ſomit nur als Verſchiedene überhaupt, in welcher Beſtimmung Rechts nicht mehr Rechts, Links nicht mehr Links u. ſ. f. iſt. Indem ſie aber Rechts und Links in der That vor ſich hat, ſo hat ſie dieſe Beſtimmungen vor ſich als ſich negirend, die eine in der andern, und in dieſer Einheit zugleich ſich nicht negirend, ſondern jede gleichgültig für ſich ſeyend.
Das Vorſtellen hat daher wohl allenthalben den Widerſpruch zu ſeinem Inhalte, kommt aber nicht zum Bewußtſeyn deſſelben; es bleibt äußerliche Reflexion, die von der Gleichheit zur Ungleichheit, oder von der negativen Beziehung zum Reflectirtſeyn der Unterſchiedenen in ſich, übergeht. Sie hält dieſe beiden Beſtimmungen einander äußerlich gegenüber und hat nur ſie, nicht aber das Uebergehen, welches das Weſentliche iſt, und den Widerſpruch enthält, im Sinne. — Die geiſtreiche Reflexion, um dieſe hier zu erwähnen, beſteht dagegen im Auffaſſen und Ausſprechen des Widerſpruchs. Ob ſie zwar den Begriff der Dinge und ihrer Verhältniſſe nicht ausdrückt und nur Vorſtellungsbeſtimmungen zu ihrem Material und Inhalt hat, ſo bringt ſie dieſelben in eine Beziehung, die ihren Widerſpruch enthält und durch dieſen hindurch ihren Begriff ſcheinen läßt. — Die denkende Vernunft aber ſpitzt, ſo zu ſagen, den abgeſtumpften Unterſchied des Verſchiedenen, die bloße Mannigfaltigkeit der Vorſtellung, zum weſentlichen Unterſchiede, zum Gegenſatze, zu. Die Mannigfaltigen werden erſt, auf die Spitze des Widerſpruchs getrieben, regſam und lebendig gegen einander, und erhalten in ihm die Negativität, welche die inwohnende Pulſation der Selbſtbewegung und Lebendigkeit iſt.
Es iſt ſchon über den ontologiſchen Beweis vom Daſeyn Gottes erinnert worden, daß die darin zu Grunde gelegte Beſtimmung der Inbegriff aller Realitäten iſt. Von dieſer Beſtimmung pflegt zuerſt gezeigt zu werden, daß ſie möglich ſey, weil ſie keinen Widerſpruch enthalte, indem die Realität nur als Realität ohne Schranken genommen werde. Es wurde erinnert, daß damit jener Inbegriff zum einfachen unbeſtimmten Seyn, oder wenn die Realitäten in der That als mehrere Beſtimmte genommen werden, zum Inbegriff aller Negationen wird. Näher den Unterſchied der Realität genommen, ſo wird er aus der Verſchiedenheit zum Gegenſatze und damit zum Widerſpruch, und der Inbegriff aller Realitäten überhaupt zum abſoluten Widerſpruch in ſich ſelbſt. Der gewöhnliche Horror, den das vorſtellende, nicht ſpeculative Denken, wie die Natur vor dem Vacuum, vor dem Widerſpruche hat, verwirft dieſe Conſequenz; denn es bleibt bei der einſeitigen Betrachtung der Auflöſung des Widerſpruchs in Nichts ſtehen, und erkennt die poſitive Seite deſſelben nicht, nach welcher er abſolute Thätigkeit, und abſoluter Grund wird.
Es iſt überhaupt aus der Betrachtung der Natur des Widerſpruchs hervorgegangen, daß es für ſich noch, ſo zu ſagen, kein Schaden, Mangel oder Fehler einer Sache iſt, wenn an ihr ein Widerſpruch aufgezeigt werden kann. Vielmehr jede Beſtimmung, jedes Concrete, jeder Begriff iſt weſentlich eine Einheit unterſchiedener und unterſcheidbarer Momente, die durch den beſtimmten, weſentlichen Unterſchied in widerſprechende übergehen. Dieſes Widerſprechende löſt ſich allerdings in Nichts auf, es geht in ſeine negative Einheit zurück. Das Ding, das Subject, der Begriff iſt nun eben dieſe negative Einheit ſelbſt; es iſt ein an ſich ſelbſt Widerſprechendes, aber ebenſo ſehr der aufgelöſte Widerſpruch; es iſt der Grund, der ſeine Beſtimmungen enthält und trägt. Das Ding, das Subject, oder der Begriff, iſt als in ſeiner Sphäre in ſich reflectirt, ſein aufgelöſter Widerſpruch, aber ſeine ganze Sphäre iſt auch wieder eine beſtimmte, verſchiedene; ſo iſt ſie eine endliche, und dieß heißt eine widerſprechende. Von dieſem höhern Widerſpruche iſt nicht ſie ſelbſt die Auflöſung; ſondern hat eine höhere Sphäre zu ihrer negativen Einheit, zu ihrem Grunde. Die endlichen Dinge in ihrer gleichgültigen Mannigfaltigkeit ſind daher überhaupt dieß, widerſprechend an ſich ſelbſt, in ſich gebrochen zu ſeyn und in ihren Grund zurückzugehen. — Wie weiterhin betrachtet werden wird, ſo beſteht der wahre Schluß von einem Endlichen und Zufälligen auf ein abſolut-nothwendiges Weſen nicht darin, daß von dem Endlichen und Zufälligen als dem zum Grunde liegenden und liegen bleibenden Seyn, ſondern daß, was auch unmittelbar in der Zufälligkeit liegt, von einem nur fallenden, ſich an ſich ſelbſt widerſprechendem Seyn aus, auf ein abſolut Nothwendiges geſchloſſen, oder daß vielmehr aufgezeigt wird, das zufällige Seyn gehe an ſich ſelbſt in ſeinen Grund zurück, worin es ſich aufhebt, — ferner daß es durch dieß Zurückgehen den Grund nur ſo ſetze, daß es ſich ſelbſt vielmehr zum Geſetzten macht. Im gewöhnlichen Schließen erſcheint das Seyn des Endlichen als Grund des Abſoluten; darum weil Endliches iſt, iſt das Abſolute. Die Wahrheit aber iſt, daß darum weil das Endliche der an ſich ſelbſt widerſprechende Gegenſatz, weil es nicht iſt, das Abſolute iſt. In jenem Sinne lautet der Satz des Schluſſes ſo: Das Seyn des Endlichen iſt das Seyn des Abſoluten; in dieſem Sinne aber ſo: Das Nichtſeyn des Endlichen iſt das Seyn des Abſoluten.
Das Weſen beſtimmt ſich ſelbſt als Grund.
Wie das Nichts zuerſt mit dem Seyn in einfacher unmittelbarer Einheit, ſo iſt auch hier zuerſt die einfache Identität des Weſens mit ſeiner abſoluten Negativität in unmittelbarer Einheit. Das Weſen iſt nur dieſe ſeine Negativität, welche die reine Reflexion iſt. Es iſt dieſe reine Negativität als die Rückkehr des Seyns in ſich; ſo iſt es an ſich oder für uns beſtimmt, als der Grund, in dem ſich das Seyn auflöſt. Aber dieſe Beſtimmtheit iſt nicht durch es ſelbſt geſetzt; oder es iſt nicht Grund, eben inſofern es dieſe ſeine Beſtimmtheit nicht ſelbſt geſetzt hat. Seine Reflexion aber beſteht darin, ſich als das, was es an ſich iſt, als Negatives zu ſetzen und ſich zu beſtimmen. Das Poſitive und Negative machen die weſenhafte Beſtimmung aus, in die es als in ſeine Negation verloren iſt. Dieſe ſelbſtſtändigen Reflexions-Beſtimmungen heben ſich auf, und die zu Grunde gegangene Beſtimmung iſt die wahrhafte Beſtimmung des Weſens.
Der Grund iſt daher ſelbſt eine der Reflexions-Beſtimmungen des Weſens, aber die letzte, vielmehr nur die Beſtimmung, daß ſie aufgehobene Beſtimmung iſt. Die Reflexions-Beſtimmung, indem ſie zu Grunde geht, erhält ihre wahrhafte Bedeutung, der abſolute Gegenſtoß ihrer in ſich ſelbſt zu ſeyn, nämlich daß das Geſetztſeyn, das dem Weſen zukommt, nur als aufgehobenes Geſetztſeyn iſt, und umgekehrt, daß nur das ſich aufhebende Geſetztſetzn das Geſetztſeyn des Weſens iſt. Das Weſen, indem es ſich als Grund beſtimmt, beſtimmt ſich als das Nichtbeſtimmte, und nur das Aufheben ſeines Beſtimmtſeyns iſt ſein Beſtimmen. — In dieſem Beſtimmtſeyn als dem ſich ſelbſt aufhebenden iſt es nicht aus Anderem herkommendes, ſondern in ſeiner Negativität mit ſich identiſches Weſen.
Inſofern von der Beſtimmung aus, als dem Erſten, Unmittelbaren zum Grunde fortgegangen wird, (durch die Natur der Beſtimmung ſelbſt, die durch ſich zu Grunde geht,) ſo iſt der Grund zunächſt ein durch jenes Erſte Beſtimmtes. Allein dieß Beſtimmen iſt einestheils als Aufheben des Beſtimmens die nur wiederhergeſtellte, gereinigte oder geoffenbarte Identität des Weſens, — welche die Reflexions-Beſtimmung an ſich iſt; — anderntheils iſt dieſe negirende Bewegung als Beſtimmen erſt das Setzen jener Reflexions-Beſtimmtheit, welche als die unmittelbare erſchien, die aber nur von der ſich ſelbſt ausſchließenden Reflexion des Grundes geſetzt und hierin als nur Geſetztes oder Aufgehobenes geſetzt iſt. — So kommt das Weſen, indem es ſich als Grund beſtimmt, nur aus ſich her. Als Grund alſo ſetzt es ſich als Weſen, und daß es ſich als Weſen ſetzt, darin beſteht ſein Beſtimmen. Dieß Setzen iſt die Reflexion des Weſens, die in ihrem Beſtimmen ſich ſelbſt aufhebt, nach jener Seite Setzen, nach dieſer das Setzen des Weſens, ſomit beides in einem Thun iſt.
Die Reflexion iſt die reine Vermittelung überhaupt, der Grund iſt die reale Vermittelung des Weſens mit ſich. Jene, die Bewegung des Nichts durch Nichts zu ſich ſelbſt zurück, iſt das Scheinen ſeiner in einem Andern; aber weil der Gegenſatz in dieſer Reflexion noch keine Selbſtſtändigkeit hat, ſo iſt weder jenes Erſte, das Scheinende, ein Poſitives, noch das Andere, in dem es ſcheint, ein Negatives. Beide ſind Subſtrate, eigentlich nur der Einbildungskraft; ſie ſind noch nicht ſich auf ſich ſelbſt Beziehende. Die reine Vermittelung iſt nur reine Beziehung, ohne Bezogene. Die beſtimmende Reflexion ſetzt zwar ſolche, die identiſch mit ſich, aber zugleich nur beſtimmte Beziehungen ſind. Der Grund dagegen iſt die reale Vermittelung, weil er die Reflexion als aufgehobene Reflexion enthält; er iſt das durch ſein Nichtſeyn in ſich zurückkehrende und ſich ſetzende Weſen. Nach dieſem Momente der aufgehobenen Reflexion erhält das Geſetzte die Beſtimmung der Unmittelbarkeit, eines ſolchen, das außer der Beziehung oder ſeinem Scheine identiſch mit ſich iſt. Dieß Unmittelbare iſt das durch das Weſen wiederhergeſtellte Seyn; das Nichtſeyn der Reflexion, durch das das Weſen ſich vermittelt. In ſich kehrt das Weſen zurück als negirendes; es giebt ſich alſo in ſeiner Rückkehr in ſich, die Beſtimmtheit, die eben darum das mit ſich identiſche Negative, das aufgehobene Geſetztſeyn, und ſomit ebenſo ſehr ſeyendes, als die Identität des Weſens mit ſich als Grund iſt.
Der Grund iſt zuerſt abſoluter Grund, in dem das Weſen zunächſt als Grundlage überhaupt für die Grundbeziehung iſt; näher beſtimmt er ſich aber als Form und Materie, und giebt ſich einen Inhalt.
Zweitens iſt er beſtimmter Grund, als Grund von einem beſtimmten Inhalt; indem die Grundbeziehung ſich in ihrer Realiſirung überhaupt äußerlich wird, geht ſie in die bedingende Vermittelung über.
Drittens, der Grund ſetzt eine Bedingung voraus; aber die Bedingung ſetzt ebenſo ſehr den Grund voraus; das Unbedingte iſt ihre Einheit, die Sache an ſich, die durch die Vermittelung der bedingenden Beziehung in die Exiſtenz übergeht.
Anmerkung.
Der Grund iſt, wie die andern Reflexions-Beſtimmungen, in einem Satze ausgedrückt worden: Alles hat ſeinen zureichenden Grund. — Dieß heißt im Allgemeinen nichts Anderes, als was iſt, iſt nicht als ſeyendes Unmittelbares, ſondern als Geſetztes zu betrachten; es iſt nicht bei dem unmittelbaren Daſeyn oder bei der Beſtimmtheit überhaupt ſtehen zu bleiben, ſondern davon zurückzugehen in ſeinen Grund, in welcher Reflexion es als Aufgehobenes und in ſeinem An- und Fürſichſeyn iſt. In dem Satze des Grundes wird alſo die Weſentlichkeit der Reflexion in ſich gegen das bloße Seyn ausgeſprochen. — Daß der Grund zureichend ſey, iſt eigentlich ſehr überflüſſig hinzuzuſetzen, denn es verſteht ſich von ſelbſt; das, für was der Grund nicht zureicht, hätte keinen Grund, aber Alles ſoll einen Grund haben. Allein Leibnitz, dem das Princip des zureichenden Grundes vornehmlich am Herzen lag, und der es ſogar zum Grundſatz ſeiner ganzen Philoſophie machte, verband damit einen tiefern Sinn und wichtigern Begriff, als gewöhnlich damit verbunden wird, indem man nur bei dem unmittelbaren Ausdruck ſtehen bleibt; obgleich der Satz auch nur in dieſem Sinne ſchon für wichtig anzuſehen iſt, daß nämlich das Seyn als ſolches in ſeiner Unmittelbarkeit für das Unwahre und weſentlich für ein Geſetztes, der Grund aber für das wahrhafte Unmittelbare erklärt wird. Leibnitz aber ſtellte das Zureichende des Grundes vornehmlich der Cauſalität in ihrem ſtrengen Sinne, als der mechaniſchen Wirkungsweiſe, entgegen. Indem dieſe eine äußerliche ihrem Inhalte nach auf Eine Beſtimmtheit beſchränkte Thätigkeit überhaupt iſt, ſo treten die durch ſie geſetzten Beſtimmungen äußerlich und zufällig in eine Verbindung; die Theilbeſtimmungen werden durch ihre Urſachen begriffen; aber die Beziehung derſelben, welche das Weſentliche einer Exiſtenz ausmacht, iſt nicht in den Urſachen des Mechanismus enthalten. Dieſe Beziehung, das Ganze als weſentliche Einheit, liegt nur im Begriffe, im Zwecke. Für dieſe Einheit ſind die mechaniſchen Urſachen nicht zureichend, weil ihnen nicht der Zweck, als die Einheit der Beſtimmungen, zu Grunde liegt. Unter dem zureichenden Grunde hat Leibnitz daher einen ſolchen verſtanden, der auch für dieſe Einheit zureichte, daher nicht die bloßen Urſachen, ſondern die Endurſachen in ſich begriffe. Dieſe Beſtimmung des Grundes gehört aber noch nicht hierher; der teleologiſche Grund iſt ein Eigenthum des Begriffs und der Vermittelung durch denſelben, welche die Vernunft iſt.
Die Reflexions-Beſtimmung, inſofern ſie in den Grund zurückgeht, iſt ein erſtes, ein unmittelbares Daſeyn überhaupt, von dem angefangen wird. Aber das Daſeyn hat nur noch die Bedeutung des Geſetztſeyns und ſetzt weſentlich einen Grund voraus; in dem Sinne, daß es ihn vielmehr nicht ſetzt; daß dieß Setzen ein Aufheben ſeiner ſelbſt, das Unmittelbare vielmehr das Geſetzte und der Grund das Nichtgeſetzte iſt. Wie es ſich ergeben hat, iſt dieß Vorausſetzen, das auf das Setzende rückſchlagende Setzen, der Grund iſt als das aufgehobene Beſtimmtſeyn nicht das Unbeſtimmte, ſondern das durch ſich ſelbſt beſtimmte Weſen, aber als unbeſtimmt oder als aufgehobenes Geſetztſeyn Beſtimmtes. Er iſt das Weſen, das in ſeiner Negativität mit ſich identiſch iſt.
Die Beſtimmtheit des Weſens als Grund wird hiermit die gedoppelte, des Grundes und des Begründeten. Sie iſt erſtens das Weſen als Grund, beſtimmt das Weſen zu ſeyn gegen das Geſetztſeyn, als Nichtgeſetztſeyn. Zweitens iſt ſie das Begründete, das Unmittelbare, das aber nicht an und für ſich iſt, das Geſetztſeyn als Geſetztſeyn. Dieſes iſt ſomit gleichfalls mit ſich identiſch, aber die Identität des Negativen mit ſich. Das mit ſich identiſche Negative und das mit ſich identiſche Poſitive iſt nun eine und dieſelbe Identität. Denn der Grund iſt Identität des Poſitiven oder ſelbſt auch des Geſetztſeyns mit ſich; das Begründete iſt das Geſetztſeyn als Geſetztſeyn, dieſe ſeine Reflexion in ſich aber iſt die Identität des Grundes. — Dieſe einfache Identität iſt alſo nicht ſelbſt der Grund, denn der Grund iſt das Weſen geſetzt, als das Nichtgeſetzte gegen das Geſetztſeyn. Sie iſt, als die Einheit dieſer beſtimmten Identität (des Grundes) und der negativen Identität (des Begründeten), das Weſen überhaupt, unterſchieden von ſeiner Vermittelung.
Dieſe Vermittelung, mit den vorhergehenden Reflexionen verglichen, aus denen ſie herkommt, iſt erſtlich nicht die reine Reflexion, als welche nicht vom Weſen unterſchieden iſt, und das Negative, damit auch die Selbſtſtändigkeit der Beſtimmungen, noch nicht an ihr hat. Im Grunde als der aufgehobenen Reflexion aber haben dieſe Beſtimmungen ein Beſtehen. — Auch iſt ſie nicht die beſtimmende Reflexion, deren Beſtimmungen weſentliche Selbſtſtändigkeit haben; denn dieſe iſt im Grunde zu Grunde gegangen, in deſſen Einheit ſind ſie nur geſetzte. — Dieſe Vermittelung des Grundes iſt daher die Einheit der reinen und der beſtimmenden Reflexion; ihre Beſtimmungen oder das Geſetzte hat Beſtehen, und umgekehrt das Beſtehen derſelben iſt ein Geſetztes. Weil dieß ihr Beſtehen ſelbſt ein Geſetztes iſt oder Beſtimmtheit hat, ſo ſind ſie ſomit von ihrer einfachen Identität unterſchieden, und machen die Form aus gegen das Weſen.
Das Weſen hat eine Form und Beſtimmungen derſelben. Erſt als Grund hat es eine feſte Unmittelbarkeit oder iſt Subſtrat. Das Weſen als ſolches iſt eins mit ſeiner Reflexion, und ununterſchieden ihre Bewegung ſelbſt. Es iſt daher nicht das Weſen, welches ſie durchläuft; auch iſt es nicht dasjenige, von dem ſie als von einem Erſten anfängt. Dieſer Umſtand erſchwert die Darſtellung der Reflexion überhaupt; denn man kann eigentlich nicht ſagen, das Weſen geht in ſich ſelbſt zurück, das Weſen ſcheint in ſich, weil es nicht vor oder in ſeiner Bewegung iſt, und dieſe keine Grundlage hat, an der ſie ſich verläuft. Ein Bezogenes tritt erſt im Grund nach dem Momente der aufgehobenen Reflexion hervor. Das Weſen als das bezogene Subſtrat aber iſt das beſtimmte Weſen; um dieſes Geſetztſeyns willen hat es weſentlich die Form an ihm. — Die Formbeſtimmungen dagegen ſind nun die Beſtimmungen als an dem Weſen; es liegt ihnen zu Grunde als das Unbeſtimmte, das in ſeiner Beſtimmung gleichgültig gegen ſie iſt; ſie haben an ihm ihre Reflexion in ſich. Die Reflexions-Beſtimmungen ſollten ihr Beſtehen an ihnen ſelbſt haben und ſelbſtſtändig ſeyn; aber ihre Selbſtſtändigkeit iſt ihre Auflöſung; ſo haben ſie dieſelbe an einem Andern; aber dieſe Auflöſung iſt ſelbſt dieſe Identität mit ſich oder der Grund des Beſtehens, den ſie ſich geben.
Der Form gehört überhaupt alles Beſtimmte an; es iſt Formbeſtimmung, inſofern es ein Geſetztes, hiermit von einem ſolchen, deſſen Form es iſt, Unterſchiedenes iſt; die Beſtimmtheit als Qualität iſt eins mit ihrem Subſtrat, dem Seyn; das Seyn iſt das unmittelbar Beſtimmte, das von ſeiner Beſtimmtheit noch nicht unterſchieden, — oder das in ihr noch nicht in ſich reflectirt, ſo wie dieſe daher eine ſeyende, noch nicht eine geſetzte iſt. Die Formbeſtimmungen des Weſens ſind ferner als die Reflexions-Beſtimmtheiten, ihrer nähern Beſtimmtheit nach, die oben betrachteten Momente der Reflexion. Die Identität und der Unterſchied, dieſer theils als Verſchiedenheit, theils als Gegenſatz. Ferner aber gehört auch die Grundbeziehung dazu, inſofern ſie zwar die aufgehobene Reflexions-Beſtimmung aber dadurch das Weſen zugleich als Geſetztes iſt. Dagegen gehört zur Form nicht die Identität, welche der Grund in ſich hat, nämlich daß das Geſetztſeyn als aufgehobenes und das Geſetztſeyn als ſolches, — der Grund und das Begründete, — Eine Reflexion iſt, welche das Weſen als einfache Grundlage ausmacht, die das Beſtehen der Form iſt. Allein dieß Beſtehen iſt im Grunde geſetzt; oder dieß Weſen iſt ſelbſt weſentlich als beſtimmtes; ſomit es iſt auch wieder das Moment der Grundbeziehung und Form. — Dieß iſt die abſolute Wechſelbeziehung der Form und des Weſens, daß dieſes einfache Einheit des Grundes und des Begründeten, darin aber eben ſelbſt beſtimmt oder Negatives iſt, und ſich als Grundlage von der Form unterſcheidet, aber ſo zugleich ſelbſt Grund und Moment der Fom wird.
Die Form iſt daher das vollendete Ganze der Reflexion; ſie enthält auch dieſe Beſtimmung derſelben, aufgehobene zu ſeyn; daher iſt ſie ebenſo ſehr als ſie eine Einheit ihres Beſtimmens iſt, auch bezogen auf ihr Aufgehobenſeyn, auf ein Anderes, das nicht ſelbſt Form, ſondern an dem ſie ſey. Als die weſentliche ſich auf ſich ſelbſt beziehende Negativität, gegen dieß einfache Negative iſt ſie das Setzende und Beſtimmende; das einfache Weſen hingegen iſt die unbeſtimmte und unthätige Grundlage, an welcher die Formbeſtimmungen das Beſtehen oder die Reflexion in ſich haben. — Bei dieſer Unterſcheidung des Weſens und der Form pflegt die äußere Reflexion ſtehen zu bleiben; ſie iſt nothwendig, aber dieſes Unterſcheiden ſelbſt iſt ihre Einheit, ſo wie dieſe Grundeinheit das von ſich abſtoßende und zum Geſetztſeyn machende Weſen iſt. Die Form iſt die abſolute Negativität ſelbſt, oder die negative abſolute Identität mit ſich, wodurch eben das Weſen nicht Seyn, ſondern Weſen iſt. Dieſe Identität abſtract genommen, iſt das Weſen gegen die Form; ſo wie die Negativität abſtract genommen als das Geſetztſeyn, die einzelne Formbeſtimmung iſt. Die Beſtimmung aber, wie ſie ſich gezeigt hat, iſt in ihrer Wahrheit, die totale ſich auf ſich beziehende Negativität, die ſomit als dieſe Identität das einfache Weſen an ihr ſelbſt iſt. Die Form hat daher an ihrer eigenen Identität das Weſen; wie das Weſen an ſeiner negativen Natur die abſolute Form. Es kann alſo nicht gefragt werden, wie die Form zum Weſen hinzukomme, denn ſie iſt nur das Scheinen deſſelben in ſich ſelbſt, die eigene ihm inwohnende Reflexion. Die Form ebenſo an ihr ſelbſt iſt die in ſich zurückkehrende Reflexion, oder das identiſche Weſen; in ihrem Beſtimmen macht ſie die Beſtimmung zum Geſetztſeyn als Geſetztſeyn. — Sie beſtimmt alſo nicht das Weſen, als ob ſie wahrhaft vorausgeſetzt, getrennt vom Weſen ſey, denn ſo iſt ſie die unweſentliche, raſtlos zu Grunde gehende Reflexions-Beſtimmung, hiermit iſt ſie ſo ſelbſt vielmehr der Grund ihres Aufhebens oder die identiſche Beziehung ihrer Beſtimmungen. Die Form beſtimmt das Weſen, heißt alſo, die Form in ihrem Unterſcheiden hebt dieß Unterſcheiden ſelbſt auf, und iſt die Identität mit ſich, welche das Weſen als das Beſtehen der Beſtimmung iſt; ſie iſt der Widerſpruch in ihrem Geſetztſeyn aufgehoben zu ſeyn und an dieſem Aufgehobenſeyn das Beſtehen zu haben; ſomit der Grund, als das im Beſtimmt- oder Negirtſeyn mit ſich identiſche Weſen.
Dieſe Unterſchiede, der Form und des Weſens, ſind daher nur Momente der einfachen Formbeziehung ſelbſt. Aber ſie ſind näher zu betrachten und feſtzuhalten. Die beſtimmende Form bezieht ſich auf ſich als aufgehobenes Geſetztſeyn, ſie bezieht ſich damit auf ihre Identität als auf ein Anderes. Sie ſetzt ſich als aufgehoben; ſie ſetzt damit ihre Identität voraus; das Weſen iſt nach dieſem Momente das Unbeſtimmte, dem die Form ein Anderes iſt. So iſt es nicht das Weſen, das die abſolute Reflexion an ihm ſelbſt iſt, ſondern beſtimmt als die formloſe Identität; es iſt die Materie.
Das Weſen wird zur Materie, indem ſeine Reflexion ſich beſtimmt, zu demſelben als zu dem formloſen Unbeſtimmten ſich zu verhalten. Die Materie iſt alſo die einfache unterſchiedsloſe Identität, welche das Weſen iſt, mit der Beſtimmung das Andere der Form zu ſeyn. Sie iſt daher die eigentliche Grundlage oder Subſtrat der Form, weil ſie die Reflexion in ſich der Formbeſtimmungen oder das Selbſtſtändige ausmacht, auf das ſie ſich als auf ihr poſitives Beſtehen beziehen.
Wenn von allen Beſtimmungen, aller Form eines Etwas abſtrahirt wird, ſo bleibt die unbeſtimmte Materie übrig. Die Materie iſt ein ſchlechthin Abſtractes. (— Man kann die Materie nicht ſehen, fühlen u. ſ. f. — was man ſieht, fühlt, iſt eine beſtimmte Materie, d. h. eine Einheit der Materie und der Form.) Dieſe Abſtraction, aus der die Materie hervorgeht, iſt aber nicht nur ein äußerliches Wegnehmen und Aufheben der Form, ſondern die Form reducirt ſich durch ſich ſelbſt, wie ſich ergeben hat, zu dieſer einfachen Identität.
Ferner ſetzt die Form eine Materie voraus, auf welche ſie ſich bezieht. Aber darum finden ſich beide nicht äußerlich und zufällig einander gegenüber; weder die Materie noch die Form iſt aus ſich ſelbſt, oder in anderer Sprache ewig. Die Materie iſt das gegen die Form Gleichgültige, aber dieſe Gleichgültigkeit iſt die Beſtimmtheit der Identität mit ſich, in welche als in ihre Grundlage die Form zurückgeht. Die Form ſetzt die Materie voraus; eben darin, daß ſie ſich als Aufgehobenes ſetzt, ſomit ſich auf dieſe ihre Identität als auf ein Anderes bezieht. Umgekehrt iſt die Form von der Materie vorausgeſetzt; denn dieſe iſt nicht das einfache Weſen, das unmittelbar ſelbſt die abſolute Reflexion iſt, ſondern daſſelbe beſtimmt als das Poſitive, nämlich das nur iſt, als aufgehobene Negation. — Aber von der andern Seite weil die Form ſich nur als Materie ſetzt, inſofern ſie ſich ſelbſt aufhebt, ſomit dieſelbe vorausſetzt, iſt die Materie auch beſtimmt als grundloſes Beſtehen. Ebenſo iſt die Materie nicht beſtimmt als der Grund der Form; ſondern, indem die Materie ſich ſetzt als die abſtracte Identität der aufgehobenen Formbeſtimmung, iſt ſie nicht die Identität als Grund, und die Form inſofern gegen ſie grundlos. Form und Materie ſind ſomit beſtimmt, die eine wie die andere, nicht geſetzt durch einander, nicht Grund von einander zu ſeyn. Die Materie iſt vielmehr die Identität des Grundes und des Begründeten, als Grundlage, welche dieſer Formbeziehung gegenüber ſteht. Dieſe ihre gemeinſchaftliche Beſtimmung der Gleichgültigkeit iſt die Beſtimmung der Materie als ſolcher, und macht auch die Beziehung beider aufeinander aus. Ebenſo die Beſtimmung der Form, die Beziehung als unterſchiedener zu ſeyn, iſt auch das andere Moment des Verhaltens beider zu einander. — Die Materie, das als gleichgültig Beſtimmte, iſt das Paſſive gegen die Form als Thätiges. Dieſe iſt als das ſich auf ſich beziehende Negative der Widerſpruch in ſich ſelbſt, das ſich Auflöſende, ſich von ſich Abſtoßende und Beſtimmende. Sie bezieht ſich auf die Materie, und ſie iſt geſetzt, ſich auf dieß ihr Beſtehen als auf ein Anderes zu beziehen. Die Materie hingegen iſt geſetzt, ſich nur auf ſich ſelbſt zu beziehen, und gleichgültig gegen Anderes zu ſeyn; aber ſie bezieht ſich an ſich auf die Form; denn ſie enthält die aufgehobene Negativität, und iſt nur Materie durch dieſe Beſtimmung. Sie bezieht ſich auf ſie nur darum als auf ein Anderes, weil die Form nicht an ihr geſetzt, weil ſie dieſelbe nur an ſich iſt. Sie enthält die Form in ſich verſchloſſen, und iſt die abſolute Empfänglichkeit für ſie, nur darum weil ſie dieſelbe abſolut in ihr hat, weil dieß ihre an ſich ſeyende Beſtimmung iſt. Die Materie muß daher formirt werden, und die Form muß ſich materialiſiren, ſich an der Materie die Identität mit ſich oder das Beſtehen geben.
2. Die Form beſtimmt daher die Materie, und die Materie wird von der Form beſtimmt. — Weil die Form ſelbſt die abſolute Identität mit ſich iſt, alſo die Materie in ſich enthält; ebenſo weil die Materie in ihrer reinen Abſtraction oder abſoluten Negativität die Form in ihr ſelbſt hat, ſo iſt die Thätigkeit der Form auf die Materie, und das Beſtimmtwerden dieſer durch jene vielmehr nur das Aufheben des Scheines ihrer Gleichgültigkeit und Unterſchiedenheit. Dieſe Beziehung des Beſtimmens iſt ſo die Vermittelung jeder der beiden mit ſich durch ihr eigenes Nichtſeyn, — aber dieſe beiden Vermittelungen ſind Eine Bewegung und die Wiederherſtellung ihrer urſprünglichen Identität; — die Erinnerung ihrer Entäußerung.
Zuerſt ſetzen Form und Materie ſich gegenſeitig voraus. Wie ſich ergeben hat, heißt dieß ſo viel, die eine weſentliche Einheit iſt negative Beziehung auf ſich ſelbſt, ſo entzweit ſie ſich in die weſentliche Identität beſtimmt als die gleichgültige Grundlage, und in den weſentlichen Unterſchied oder Negativität, als die beſtimmende Form. Jene Einheit des Weſens und der Form, die ſich als Form und Materie gegenüberſetzen, iſt der abſolute Grund, der ſich beſtimmt. Indem ſie ſich zu einem Verſchiedenen macht, wird die Beziehung um der zu Grunde liegenden Identität der Verſchiedenen willen zur gegenſeitigen Vorausſetzung.
Zweitens, die Form als ſelbſtſtändig iſt ohnehin der ſich ſelbſt aufhebende Widerſpruch; aber ſie iſt auch als ſolcher geſetzt, denn ſie iſt zugleich ſelbſtſtändig und zugleich weſentlich auf ein Anderes bezogen; — ſie hebt ſich ſomit auf. Da ſie ſelbſt zweiſeitig iſt, ſo hat auch dieß Aufheben die gedoppelte Seite, erſtlich, ſie hebt ihre Selbſtſtändigkeit auf, ſie macht ſich zu einem Geſetzten, zu einem, das an einem Andern iſt, und dieß ihr Anderes iſt die Materie. Zweitens ſie hebt ihre Beſtimmtheit gegen die Materie, ihre Beziehung auf dieſelbe, ſomit ihr Geſetztſeyn auf, und giebt ſich dadurch Beſtehen. Indem ſie ihr Geſetztſeyn aufhebt, ſo iſt dieſe ihre Reflexion die eigene Identität, in welche ſie übergeht; indem ſie aber dieſe Identität zugleich entäußert und als Materie ſich gegenüberſetzt, ſo iſt jene Reflexion des Geſetztſeyns in ſich als Vereinigung mit einer Materie, an der ſie Beſtehen erhält; ſie geht alſo in dieſer Vereinigung ebenſo ſehr mit der Materie als einem Andern, — nach der erſten Seite, daß ſie ſich zu einem Geſetzten macht, — als auch darin mit ihrer eigenen Identität zuſammen.
Die Thätigkeit der Form alſo, wodurch die Materie beſtimmt wird, beſteht in einem negativen Verhalten der Form gegen ſich ſelbſt. Aber umgekehrt verhält ſie ſich damit auch nega tiv gegen die Materie; allein dieß Beſtimmtwerden der Materie iſt ebenſo ſehr die eigene Bewegung der Form ſelbſt. Dieſe iſt frei von der Materie, aber ſie hebt dieſe ihre Selbſtſtändigkeit auf; aber ihre Selbſtſtändigkeit iſt die Materie ſelbſt, denn an dieſer hat ſie ihre weſentliche Identität. Indem ſie ſich alſo zum Geſetzten macht, ſo iſt dieß ein und daſſelbe, daß ſie die Materie zu einem Beſtimmten macht. — Aber von der andern Seite betrachtet, iſt die eigene Identität der Form zugleich ſich entäußert, und die Materie ihr Anderes; inſofern wird die Materie auch nicht beſtimmt, dadurch, daß die Form ihre eigene Selbſtſtändigkeit aufhebt. Allein die Materie iſt nur ſelbſtſtändig der Form gegenüber; indem das Negative ſich aufhebt, hebt ſich auch das Poſitive auf. Indem die Form alſo ſich aufhebt, ſo fällt auch die Beſtimmtheit der Materie weg, welche ſie gegen die Form hat, nämlich das unbeſtimmte Beſtehen zu ſeyn.
Dieß, was als Thätigkeit der Form erſcheint, iſt ferner ebenſo ſehr die eigene Bewegung der Materie ſelbſt. Die anſichſeyende Beſtimmung oder das Sollen der Materie iſt ihre abſolute Negativität. Durch dieſe bezieht ſich die Materie ſchlechthin nicht nur auf die Form als auf ein Anderes, ſondern dieſes Aeußere iſt die Form, welche ſie ſelbſt als verſchloſſen in ſich enthält. Die Materie iſt derſelbe Widerſpruch an ſich, welchen die Form enthält, und dieſer Widerſpruch iſt wie ſeine Auflöſung, nur Einer. Die Materie iſt aber in ſich ſelbſt widerſprechend, weil ſie als die unbeſtimmte Identität mit ſich zugleich die abſolute Negativität iſt; ſie hebt ſich daher an ihr ſelbſt auf, und ihre Identität zerfällt in ihrer Negativität, und dieſe erhält an jener ihr Beſtehen. Indem alſo die Materie von der Form als von einem Aeußern beſtimmt wird, ſo erreicht damit ſie ihre Beſtimmung, und die Aeußerlichkeit des Verhaltens ſowohl für die Form als für die Materie beſteht darin, daß jede oder vielmehr ihre urſprüngliche Einheit in ihrem Setzen zugleich vorausſetzend iſt; wodurch die Beziehung auf ſich zugleich Beziehung auf ſich als Aufgehobenes oder Beziehung auf ſein Anderes iſt.
Drittens, durch die Bewegung der Form und Materie iſt ihre urſprüngliche Einheit einerſeits hergeſtellt, andererſeits nunmehr eine geſetzte. Die Materie beſtimmt ebenſowohl ſich ſelbſt, als dieß Beſtimmen ein für ſie äußerliches Thun der Form iſt; umgekehrt die Form beſtimmt ebenſo ſehr nur ſich oder hat die Materie, die von ihr beſtimmt wird, an ihr ſelbſt, als ſie in ihrem Beſtimmen ſich gegen ein Anderes verhält; und Beides, das Thun der Form und die Bewegung der Materie iſt daſſelbe, nur daß jenes ein Thun iſt, d. h. die Negativität als geſetzte, dieß aber Bewegung oder Werden, die Negativität als anſichſeyende Beſtimmung. Das Reſultat iſt daher die Einheit des Anſichſeyns und des Geſetztſeyns. Die Materie iſt als ſolche beſtimmt, oder hat nothwendig eine Form, und die Form iſt ſchlechthin materielle, beſtehende Form.
Die Form, inſofern ſie eine Materie als das ihr Andere vorausſetzt, iſt endlich. Sie iſt nicht Grund, ſondern nur das Thätige. Ebenſo iſt die Materie, inſofern ſie die Form als ihr Nichtſeyn vorausſetzt, die endliche Materie, ſie iſt ebenſo wenig Grund ihrer Einheit mit der Form, ſondern nur die Grundlage für die Form. Aber ſowohl dieſe endliche Materie als die endliche Form hat keine Wahrheit; jede bezieht ſich auf die andere, oder nur ihre Einheit iſt ihre Wahrheit. In dieſe Einheit gehen dieſe beiden Beſtimmungen zurück, und heben darin ihre Selbſtſtändigkeit auf; ſie erweiſt ſich damit als ihr Grund. Die Materie iſt daher nur inſofern Grund ihrer Formbeſtimmung, als ſie nicht Materie als Materie, ſondern die abſolute Einheit des Weſens und der Form iſt; ebenſo die Form iſt nur Grund des Beſtehens ihrer Beſtimmungen, inſofern ſie dieſelbe eine Einheit iſt. Aber dieſe eine Einheit als die abſolute Negativität und beſtimmter als ausſchließende Einheit iſt in ihrer Reflexion vorausſetzend; oder es iſt Ein Thun, im Setzen ſich als Geſetztes in der Einheit zu erhalten und ſich von ſich ſelbſt abzuſtoßen, ſich auf ſich als ſich, und ſich auf ſich als auf ein Anderes zu beziehen. Oder das Beſtimmtwerden der Materie durch die Form iſt die Vermittelung des Weſens als Grund mit ſich in einer Einheit, durch ſich ſelbſt und durch die Negation ſeiner ſelbſt.
Die formirte Materie oder die Beſtehen habende Form iſt nun nicht nur jene abſolute Einheit des Grundes mit ſich, ſondern auch die geſetzte Einheit. Die betrachtete Bewegung iſt es, in welcher der abſolute Grund ſeine Momente zugleich als ſich aufhebende und ſomit als geſetzte dargeſtellt hat. Oder die wiederhergeſtellte Einheit hat in ihrem Zuſammengehen mit ſich, ſich ebenſo ſehr von ſich ſelbſt abgeſtoßen und ſich beſtimmt; denn ihre Einheit iſt als durch Negation zu Stande gekommen, auch negative Einheit. Sie iſt daher die Einheit der Form und der Materie, als ihre Grundlage, aber als ihre beſtimmte Grundlage, welche formirte Materie, aber gegen Form und Materie zugleich als gegen aufgehobene und unweſentliche gleichgültig iſt. Sie iſt der Inhalt. —
Die Form ſteht zuerſt dem Weſen gegenüber; ſo iſt ſie Grundbeziehung überhaupt, und ihre Beſtimmungen, der Grund und das Begründete. Alsdann ſteht ſie der Materie gegenüber; ſo iſt ſie beſtimmende Reflexion und ihre Beſtimmungen ſind die Reflexions-Beſtimmung ſelbſt und das Beſtehen derſelben. Endlich ſteht ſie dem Inhalte gegenüber; ſo ſind ihre Beſtimmungen wieder ſie ſelbſt und die Materie. Was vorher das mit ſich Identiſche war, zuerſt der Grund, dann das Beſtehen überhaupt, und zuletzt die Materie tritt unter die Herrſchaft der Form und iſt wieder eine ihrer Beſtimmungen.
Der Inhalt hat erſtlich eine Form und eine Materie, die ihm angehören und weſentlich ſind; er iſt ihre Einheit. Aber indem dieſe Einheit zugleich beſtimmte oder geſetzte Einheit iſt, ſo ſteht er der Form gegenüber; dieſe macht das Geſetztſeyn aus, und iſt gegen ihn das Unweſentliche. Er iſt daher gleichgültig gegen ſie; ſie begreift ſowohl die Form als ſolche, als auch die Materie; und er hat alſo eine Form und eine Materie, deren Grundlage er ausmacht, und die ihm als bloßes Geſetztſeyn ſind.
Der Inhalt iſt zweitens das in Form und Materie Identiſche, ſo daß dieſe nur gleichgültige äußerliche Beſtimmungen wären. Sie ſind das Geſetztſeyn überhaupt, das aber in dem Inhalte in ſeine Einheit oder ſeinen Grund zurückgegangen iſt. Die Identität des Inhalts mit ſich ſelbſt iſt daher das eine Mal jene gegen die Form gleichgültige Identität; das andere Mal aber iſt ſie die Identität des Grundes. Der Grund iſt in dem Inhalte zunächſt verſchwunden; der Inhalt aber iſt zugleich die negative Reflexion der Formbeſtimmungen in ſich; ſeine Einheit, welche zunächſt nur die gegen die Form gleichgültige iſt, iſt daher auch die formelle Einheit oder die Grundbeziehung als ſolche. Der Inhalt hat daher dieſe zu ſeiner weſentlichen Form und der Grund umgekehrt hat einen Inhalt.
Der Inhalt des Grundes iſt alſo der in ſeine Einheit mit ſich zurückgekehrte Grund; der Grund iſt zunächſt das Weſen, das in ſeinem Geſetztſeyn mit ſich identiſch iſt; als verſchieden und gleichgültig gegen ſein Geſetztſeyn iſt es die unbeſtimmte, die Materie; aber als Inhalt iſt es zugleich die formirte Identität, und dieſe Form wird darum Grundbeziehung, weil die Beſtimmungen ihres Gegenſatzes im Inhalte auch als negirte geſetzt ſind. — Der Inhalt iſt ferner beſtimmt an ihm ſelbſt; nicht nur wie die Materie als das Gleichgültige überhaupt, ſondern als die formirte Materie, ſo daß die Beſtimmungen der Form ein materielles, gleichgültiges Beſtehen haben. Einerſeits iſt der Inhalt die weſentliche Identität des Grundes mit ſich in ſeinem Geſetztſeyn, andererſeits die geſetzte Identität gegen die Grundbeziehung; dieß Geſetztſeyn, das als Formbeſtimmung an dieſer Identität iſt, iſt dem freien Geſetztſeyn, das heißt, der Form als ganzer Beziehung von Grund und Begründetem, gegenüber; dieſe Form iſt das totale in ſich zurückkehrende Geſetztſeyn; jene daher nur das Geſetztſeyn als unmittelbares, die Beſtimmtheit als ſolche.
Der Grund hat ſich damit überhaupt zum beſtimmten Grunde gemacht, und die Beſtimmtheit ſelbſt iſt die gedoppelte: erſtens der Form und zweitens des Inhalts. Jene iſt ſeine Beſtimmtheit, dem Inhalte überhaupt äußerlich zu ſeyn, der gegen dieſe Beziehung gleichgültig iſt. Dieſe iſt die Beſtimmtheit des Inhalts, den der Grund hat.
Der Grund hat einen beſtimmten Inhalt. Die Beſtimmtheit des Inhalts iſt, wie ſich ergeben, die Grundlage für die Form; das einfache Unmittelbare gegen die Vermittelung der Form. Der Grund iſt negativ ſich auf ſich beziehende Identität, welche ſich dadurch zum Geſetztſeyn macht; ſie bezieht ſich negativ auf ſich, indem ſie identiſch in dieſer ihrer Negativität mit ſich iſt; dieſe Identität iſt die Grundlage oder der Inhalt, der auf dieſe Weiſe die gleichgültige oder poſitive Einheit der Grundbeziehung ausmacht, und das Vermittelnde derſelben iſt.
In dieſem Inhalt iſt zunächſt die Beſtimmtheit des Grundes und des Begründeten gegen einander verſchwunden. Die Vermittelung iſt aber ferner negative Einheit. Das Negative als an jener gleichgültigen Grundlage iſt die unmittelbare Beſtimmtheit derſelben, wodurch der Grund einen beſtimmten Inhalt hat. Alsdann aber iſt das Negative die negative Beziehung der Form auf ſich ſelbſt. Das Geſetzte einerſeits hebt ſich ſelbſt auf und geht in ſeinen Grund zurück; der Grund aber, die weſentliche Selbſtſtändigkeit, bezieht ſich negativ auf ſich ſelbſt und macht ſich zum Geſetzten. Dieſe negative Vermittelung des Grundes und des Begründeten iſt die eigenthümliche Vermittelung der Form als ſolcher, die formelle Vermittelung. Die beiden Seiten der Form nun, weil die eine in die andere übergeht, ſetzen ſich damit gemeinſchaftlich in Einer Identität als aufgehobene; ſie ſetzen dieſelbe hierdurch zugleich voraus. Sie iſt der beſtimmte Inhalt, auf den ſich alſo die formelle Vermittelung als auf das poſitive Vermittelnde durch ſich ſelbſt bezieht. Er iſt das Identiſche beider, und indem ſie unterſchieden, jedes aber in ſeinem Unterſchiede die Beziehung auf das Andere iſt, iſt er das Beſtehen derſelben, eines Jeden als das Ganze ſelbſt.
Hiernach ergiebt ſich, daß im beſtimmten Grunde dieß vorhanden iſt; erſtens, ein beſtimmter Inhalt wird nach zwei Seiten betrachtet, das eine Mal, inſofern er als Grund, das andere Mal, inſofern er als Begründetes geſetzt iſt. Er ſelbſt iſt gleichgültig gegen dieſe Form; er iſt in beiden überhaupt nur Eine Beſtimmung. Zweitens iſt der Grund ſelbſt ſo ſehr Moment der Form als das durch ihn geſetzte; dieß iſt ihre Identität der Form nach. Es iſt gleichgültig, welche von beiden Beſtimmungen zum Erſten gemacht wird, von dem als dem Geſetzten zum Andern als zum Grunde, oder von dem als dem Grunde zum Andern als zum Geſetzten übergegangen wird. Das Begründete für ſich betrachtet, iſt das Aufheben ſeiner ſelbſt; damit macht es ſich einerſeits zum Geſetzten, und iſt zugleich Setzen des Grundes. Dieſelbe Bewegung iſt der Grund als ſolcher, er macht ſich zum Geſetzten, dadurch wird er Grund von etwas, das heißt, darin iſt er ſowohl als Geſetztes, wie auch erſt als Grund vorhanden. Daß ein Grund iſt, davon iſt das Geſetzte der Grund, und umgekehrt iſt hiermit der Grund Geſetztes. Die Vermittelung fängt ebenſo ſehr von dem Einen als von dem Andern an, jede Seite iſt ſo ſehr Grund als Geſetztes, und jede die ganze Vermittelung oder die ganze Form. — Dieſe ganze Form iſt ferner als das mit ſich Identiſche die Grundlage der Beſtimmungen, welche die beiden Seiten des Grundes und des Begründeten ſind, Form und Inhalt ſind ſo ſelbſt eine und dieſelbe Identität.
Um dieſer Identität des Grundes und Begründeten willen, ſowohl dem Inhalte als der Form nach, iſt der Grund zureichend (das Zureichende auf dieß Verhältniß eingeſchränkt); es iſt nichts im Grunde, was nicht im Begründeten iſt, ſo wie nichts im Begründeten, was nicht im Grunde iſt. Wenn nach einem Grunde gefragt wird, will man dieſelbe Beſtimmung, die der Inhalt iſt, doppelt ſehen, das eine Mal in der Form des Geſetzten, das andere Mal in der des in ſich reflectirten Daſeyns, der Weſentlichkeit.
Inſofern nun im beſtimmten Grunde Grund und Begründetes beide die ganze Form, und ihr Inhalt zwar ein beſtimmter, aber einer und derſelbe iſt, ſo iſt der Grund in ſeinen beiden Seiten noch nicht real beſtimmt, ſie haben keinen verſchiedenen Inhalt; die Beſtimmtheit iſt erſt einfache, noch nicht an die Seiten übergegangene Beſtimmtheit; es iſt der beſtimmte Grund erſt in ſeiner reinen Form, der formelle Grund, vorhanden. — Weil der Inhalt nur dieſe einfache Beſtimmtheit iſt, die nicht die Form der Grundbeziehung an ihr ſelbſt hat, ſo iſt ſie der mit ſich identiſche Inhalt, gegen die Form gleichgültig und dieſe ihm äußerlich; er iſt ein Anderes als ſie.
Anmerkung.
Wenn die Reflexion über beſtimmte Gründe ſich an diejenige Form des Grundes hält, welche ſich hier ergeben hat, ſo bleibt die Angabe eines Grundes ein bloßer Formalismus und leere Tautologie, welche denſelben Inhalt in der Form der Reflexion in ſich, der Weſentlichkeit, ausdrückt, der ſchon in der Form des unmittelbaren, als geſetzt betrachteten Daſeyns vorhanden iſt. Ein ſolches Angeben von Gründen iſt deswegen von derſelben Leerheit begleitet, als das Reden nach dem Satze der Identität. Die Wiſſenſchaften, vornehmlich die phyſikaliſchen, ſind mit den Tautologieen dieſer Art angefüllt, welche gleichſam ein Vorrecht der Wiſſenſchaft ausmachen. — Es wird z. B. als der Grund, daß die Planeten ſich um die Sonne bewegen, die anziehende Kraft der Erde und Sonne gegen einander angegeben. Es iſt damit dem Inhalt nach nichts Anderes ausgeſprochen, als was das Phänomen, nämlich die Beziehung dieſer Körper auf einander in ihrer Bewegung, enthält, nur in der Form von in ſich reflectirter Beſtimmung, von Kraft. Wenn danach gefragt wird, was die anziehende Kraft für eine Kraft ſey, ſo iſt die Antwort, daß ſie die Kraft iſt, welche macht, daß ſich die Erde um die Sonne bewegt; das heißt, ſie hat durchaus denſelben Inhalt, als das Daſeyn, deſſen Grund ſie ſeyn ſoll; die Beziehung der Erde und der Sonne in Rückſicht der Bewegung iſt die identiſche Grundlage des Grundes und des Begründeten. — Wenn eine Kryſtalliſations-Form dadurch erklärt wird, daß ſie ihren Grund in dem beſondern Arrangement habe, in das die Molecules zu einander treten, ſo iſt die daſeyende Kryſtalliſation dieß Arrangement ſelbſt, welches als Grund ausgedrückt wird. Im gewöhnlichen Leben gelten dieſe Aetiologien, auf welche die Wiſſenſchaften das Privilegium haben, für das, was ſie ſind, für ein tautologiſches, leeres Gerede. Wenn auf die Frage, warum dieſer Menſch in die Stadt reiſe, der Grund angegeben wird, weil in der Stadt ſich eine anziehende Kraft befinde, die ihn dahin treibe, ſo gilt dieſe Art des Antwortens für abgeſchmackt, die in den Wiſſenſchaften ſanctionirt iſt. — Leibnitz warf der newtoniſchen anziehenden Kraft vor, daß ſie eine ſolche verborgene Qualität ſey, als die Scholaſtiker zum Behuf des Erklärens gebrauchten. Man müßte ihr eher das Gegentheil zum Vorwurf machen, daß ſie eine zu bekannte Qualität ſey; denn ſie hat keinen anderen Inhalt, als die Erſcheinung ſelbſt. — Wodurch ſich dieſe Erklärungsweiſe eben empfiehlt, iſt ihre große Deutlichkeit und Begreiflichkeit; denn es iſt nichts deutlicher und begreiflicher, als daß z. E. eine Pflanze ihren Grund in einer vegetativen, d. h. Pflanzen hervorbringenden Kraft habe. — Eine occulte Qualität könnte ſie nur in dem Sinne genannt werden, als der Grund einen andern Inhalt haben ſoll, als das zu Erklärende; ein ſolcher iſt nicht angegeben; inſofern iſt jene zum Erklären gebrauchte Kraft allerdings ein verborgener Grund, als ein Grund, wie er gefordert wird, nicht angegeben iſt. Es wird durch dieſen Formalismus ſo wenig etwas erklärt, als die Natur einer Pflanze erkannt wird, wenn ich ſage, daß ſie eine Pflanze iſt; bei aller Deutlichkeit dieſes Satzes, oder daß ſie ihren Grund in einer Pflanzen hervorbringenden Kraft habe, kann man dieß deswegen eine ſehr occulte Erklärungsweiſe nennen.
Zweitens, der Form nach, kommen in dieſer Erklärungsweiſe die beiden entgegengeſetzten Richtungen der Grundbeziehung vor, ohne in ihrem beſtimmten Verhältniſſe erkannt zu ſeyn. Der Grund iſt einestheils Grund, als die in ſich reflectirte Inhaltsbeſtimmung des Daſeyns, das er begründet, anderntheils iſt er das Geſetzte. Er iſt das, woraus das Daſeyn begriffen werden ſoll; umgekehrt aber wird von dieſem auf ihn geſchloſſen und er aus dem Daſeyn begriffen. Das Hauptgeſchäft dieſer Reflexion beſteht nämlich darin, aus dem Daſeyn die Gründe zu finden, das heißt, das unmittelbare Daſeyn in die Form des Reflectirtſeyns umzuſetzen; der Grund, ſtatt an und für ſich und ſelbſtſtändig zu ſeyn, iſt ſomit vielmehr das Geſetzte und Abgeleitete. Weil er nun durch dieß Verfahren nach dem Phänomen eingerichtet iſt, und ſeine Beſtimmungen auf dieſem beruhen, ſo fließt dieſes freilich ganz glatt und mit günſtigem Winde aus ſeinem Grunde aus. Aber die Erkenntniß iſt hierdurch nicht vom Flecke gekommen; ſie treibt ſich in einem Unterſchiede der Form herum, den dieß Verfahren ſelbſt umkehrt und aufhebt. Eine der Hauptſchwierigkeiten, ſich in die Wiſſenſchaften einzuſtudiren, worin dieß Verfahren herrſchend iſt, beruht deswegen auf dieſer Verkehrtheit der Stellung, das als Grund vorauszuſchicken, was in der That abgeleitet iſt, und indem zu den Folgen fortgegangen wird, in ihnen in der That erſt den Grund jener ſeyn ſollenden Gründe anzugeben. Es wird in der Darſtellung mit den Gründen angefangen, ſie werden als Principien und erſte Begriffe in die Luft hingeſtellt; ſie ſind einfache Beſtimmungen, ohne alle Nothwendigkeit an und für ſich ſelbſt; das Folgende ſoll auf ſie gegründet werden. Wer daher in dergleichen Wiſſenſchaften eindringen will, muß damit anfangen, ſich jene Gründe zu inculciren; ein Geſchäft, das der Vernunft ſauer ankommt, weil ſie Grundloſes als Grundlage gelten laſſen ſoll. Am beſten kommt derjenige fort, der ſich ohne vieles Nachdenken die Principien als gegebene gefallen läßt, und ſie von nun an als Grundregeln ſeines Verſtandes gebraucht. Ohne dieſe Methode kann man den Anfang nicht gewinnen; ebenſo wenig läßt ſich ohne ſie ein Fortgang machen. Dieſer aber hindert ſich nun dadurch, daß in ihnen der Gegenſtoß der Methode zum Vorſchein kommt, die im Folgenden das Abgeleitete aufzeigen will, das aber in der That erſt die Gründe zu jenen Vorausſetzungen enthält. Ferner weil das Folgende ſich als das Daſeyn zeigt, aus welchem der Grund abgeleitet wurde, ſo giebt dieß Verhältniß, in dem das Phänomen aufgeführt wird, ein Mißtrauen gegen die Darſtellung deſſelben; denn es zeigt ſich nicht in ſeiner Unmittelbarkeit ausgedrückt, ſondern als Beleg des Grundes. Weil aber dieſer hinwieder aus jenem hergeleitet iſt, verlangt man es vielmehr in ſeiner Unmittelbarkeit zu ſehen, um den Grund aus ihm beurtheilen zu können. Man weiß daher in ſolcher Darſtellung, worin das eigentlich Begründende als Abgeleitetes vorkommt, nicht, weder wie man mit dem Grunde, noch wie man mit dem Phänomen daran iſt. Die Ungewißheit wird dadurch vermehrt, beſonders wenn der Vortrag nicht ſtreng conſequent, ſondern mehr ehrlich iſt, daß ſich allenthalben Spuren und Umſtände des Phänomens verrathen, die auf Mehreres und oft ganz Anderes hindeuten, als bloß in den Principien enthalten iſt. Die Verwirrung wird endlich noch größer, indem reflectirte, und bloß hypothetiſche Beſtimmungen mit unmittelbaren Beſtimmungen des Phänomens ſelbſt vermiſcht werden, wenn jene auf eine Art ausgeſprochen ſind, als ob ſie der unmittelbaren Erfahrung angehörten. So kann wohl mancher, der mit ehrlichem Glauben zu dieſen Wiſſenſchaften hinzutritt, der Meinung ſeyn, die Molecules, die leeren Zwiſchenräume, die Fliehkraft, der Aether, der vereinzelte Lichtſtrahl, die elektriſche, magnetiſche Materie und noch eine Menge dergleichen ſeyen Dinge oder Verhältniſſe, die, nach der Art, wie von ihnen als unmittelbaren Daſeynsbeſtimmungen geſprochen wird, in der That in der Wahrnehmung vorhanden ſeyen. Sie dienen als erſte Gründe für Anderes, werden als Wirklichkeiten ausgeſprochen, und zuverſichtlich angewendet; man läßt ſie auf ’guten Glauben hin dafür gelten, ehe man inne wird, daß ſie vielmehr aus dem, was ſie begründen ſollen, geſchloſſene Beſtimmungen, von einer unkritiſchen Reflexion abgeleitete Hypotheſen und Erdichtungen ſind. In der That befindet man ſich in einer Art von Herenkreiſe, worin Beſtimmungen des Daſeyns und Beſtimmungen der Reflexion, Grund und Begründetes, Phänomene und Phantome in unausgeſchiedener Geſellſchaft durch einander laufen und gleichen Rang mit einander genießen.
Bei dem formellen Geſchäfte dieſer Erklärungsweiſe aus Gründen, hört man zugleich auch wieder, alles Erklärens aus den wohlbekannten Kräften und Materien ungeachtet, ſagen, daß wir das innere Weſen dieſer Kräfte und Materien ſelbſt nicht kennen. Es iſt hierin nur das Geſtändniß zu ſehen, daß dieſes Begründen ſich ſelbſt völlig ungenügend iſt; daß es ſelbſt etwas ganz Anderes fordere, als ſolche Gründe. Es iſt dann nur nicht abzuſehen, wozu ſich denn dieſe Bemühung mit dieſem Erklären gemacht, warum nicht das Andere geſucht, oder jenes Erklären wenigſtens bei Seite gethan, und bei den einfachen Thatſachen ſtehen geblieben wird.
Die Beſtimmtheit des Grundes iſt, wie ſich gezeigt hat, einestheils Beſtimmtheit der Grundlage oder Inhaltsbeſtimmung; anderntheils das Andersſeyn in der Grundbeziehung ſelbſt, nämlich die Unterſchiedenheit ihres Inhalts und der Form; die Beziehung von Grund und Begründetem verläuft ſich als eine äußerliche Form an dem Inhalt, der gegen dieſe Beſtimmungen gleichgültig iſt. — In der That aber ſind beide einander nicht äußerlich; denn der Inhalt iſt dieß, die Identität des Grundes mit ſich ſelbſt im Begründeten, und des Begründeten im Grunde zu ſeyn. Die Seite des Grundes hat ſich gezeigt, ſelbſt ein Geſetztes, und die Seite des Begründeten, ſelbſt Grund zu ſeyn; jede iſt an ihr ſelbſt dieſe Identität des Ganzen. Weil ſie aber zugleich der Form angehören und ihre beſtimmte Unterſchiedenheit ausmachen, ſo iſt jede in ihrer Beſtimmtheit die Identität des Ganzen mit ſich. Jede hat ſomit einen gegen die andere verſchiedenen Inhalt. — Oder von Seite des Inhalts betrachtet, weil er die Identität als der Grundbeziehung mit ſich iſt, hat er weſentlich dieſen Formunterſchied an ihm ſelbſt, und iſt als Grund ein anderer, denn als Begründetes.
Darin nun, daß Grund und Begründetes einen verſchiedenen Inhalt haben, hat die Grundbeziehung aufgehört, eine formale zu ſeyn; der Rückgang in den Grund, und das Hervorgehen aus ihm zum Geſetzten iſt nicht mehr die Tautologie; der Grund iſt realiſirt. Man verlangt daher, wenn man nach einem Grunde fragt, eigentlich für den Grund eine andere Inhaltsbeſtimmung als diejenige iſt, nach deren Grund man fragt.
Dieſe Beziehung beſtimmt ſich nun weiter. Inſofern nämlich ihre beiden Seiten verſchiedener Inhalt ſind, ſind ſie gleichgültig gegen einander; jede iſt eine unmittelbare mit ſich identiſche Beſtimmung. Ferner als Grund und Begründetes auf einander bezogen, iſt der Grund das in dem Andern als in ſeinem Geſetztſeyn in ſich Reflectirte; der Inhalt alſo, welchen die Seite des Grundes hat, iſt ebenſo im Begründeten; dieſes als das Geſetzte hat nur in jenem ſeine Identität mit ſich und ſein Beſtehen. Außer dieſem Inhalte des Grundes hat aber das Begründete nunmehr auch ſeinen eigenthümlichen, und iſt ſomit die Einheit von einem zweifachen Inhalt. Dieſe nun iſt zwar als Einheit unterſchiedener deren negative Einheit, aber weil es gegen einander gleichgültige Inhaltsbeſtimmungen ſind, iſt ſie nur ihre leere, an ihr ſelbſt inhaltsloſe Beziehung, nicht ihre Vermittelung; ein Eins oder Etwas als äußerliche Verknüpfung derſelben.
Es iſt alſo in der realen Grundbeziehung das Doppelte vorhanden, einmal die Inhaltsbeſtimmung, welche Grund iſt, in dem Geſetztſeyn mit ſich ſelbſt continuirt, ſo daß ſie das einfach Identiſche des Grundes und Begründeten ausmacht; das Begründete enthält ſo den Grund vollkommen in ſich, ihre Beziehung iſt unterſchiedsloſe weſentliche Gediegenheit. Was im Begründeten zu dieſem einfachen Weſen noch hinzukommt, iſt daher nur eine unweſentliche Form, äußerliche Inhaltsbeſtimmungen, die als ſolche vom Grunde frei, und eine unmittelbare Mannigfaltigkeit ſind. Von dieſem Unweſentlichen iſt alſo jenes Weſentliche nicht der Grund, noch iſt es Grund von der Beziehung beider aufeinander in dem Begründeten. Es iſt ein poſitiv Identiſches, das dem Begründeten inwohnt, aber ſich darin in keinen Formunterſchied ſetzt, ſondern als ſich auf ſich ſelbſt beziehender Inhalt gleichgültige poſitive Grundlage iſt. Für’s andere iſt das mit dieſer Grundlage im Etwas Verknüpfte ein gleichgültiger Inhalt, aber als die unweſentliche Seite. Die Hauptſache iſt die Beziehung der Grundlage und der unweſentlichen Mannigfaltigkeit. Dieſe Beziehung aber, weil die bezogenen Beſtimmungen gleichgültiger Inhalt ſind, iſt auch nicht Grund; eine iſt zwar als weſentlicher, das Andere nur als unweſentlicher oder geſetzter Inhalt beſtimmt, aber als ſich auf ſich beziehender Inhalt iſt beiden dieſe Form äußerlich. Das Eins des Etwas, das ihre Beziehung ausmacht, iſt deswegen nicht Formbeziehung, ſondern nur ein äußerliches Band, das den unweſentlichen mannigfaltigen Inhalt nicht als geſetzten enthält; es iſt alſo gleichfalls nur Grundlage.
Der Grund, wie er als realer ſich beſtimmt, zerfällt hiermit um der Inhaltsverſchiedenheit willen, die ſeine Realität ausmacht, in äußerliche Beſtimmungen. Die beiden Beziehungen, der weſentliche Inhalt, als die einfache unmittelbare Identität des Grundes und des Begründeten; und dann das Etwas, als die Beziehung des unterſchiedenen Inhalts, ſind zwei verſchiedene Grundlagen; die mit ſich identiſche Form des Grundes, daß Daſſelbe das eine Mal als Weſentliches, das andere Mal als Geſetztes ſey, iſt verſchwunden; die Grundbeziehung iſt ſo ſich ſelbſt äußerlich geworden.
Es iſt daher nun ein äußerlicher Grund, welcher verſchiedenen Inhalt in Verknüpfung bringt und es beſtimmt, welcher der Grund und welcher das durch ihn Geſetzte ſey; in dem beiderſeitigen Inhalte ſelbſt liegt dieſe Beſtimmung nicht. Der reale Grund iſt daher Beziehung auf Anderes, einerſeits des Inhalts auf andern Inhalt, andererſeits der Grundbeziehung ſelbſt (der Form) auf Anderes, nämlich auf ein Unmittelbares, nicht durch ſie Geſetztes.
Anmerkung.
Die formelle Grundbeziehung enthält nur Einen Inhalt für Grund und Begründetes, in dieſer Identität liegt ihre Nothwendigkeit, aber zugleich ihre Tautologie. Der reale Grund enthält einen verſchiedenen Inhalt, damit tritt aber die Zufälligkeit und Aeußerlichkeit der Grundbeziehung ein. Einerſeits iſt dasjenige, was als das Weſentliche und deswegen als die Grundbeſtimmung betrachtet wird, nicht Grund der anderen Beſtimmungen, die mit ihr verknüpft ſind. Andererſeits iſt es auch unbeſtimmt, welche von mehreren Inhaltsbeſtimmungen eines concreten Dinges als die weſentliche und als Grund angenommen werden ſoll; die Wahl iſt daher zwiſchen ihnen frei. So iſt in erſterer Rückſicht z. B. der Grund eines Hauſes die Unterlage deſſelben; wodurch dieſe Grund iſt, iſt die der ſinnlichen Materie inwohnende Schwere, das ſowohl in dem Grunde als dem begründeten Hauſe ſchlechthin Identiſche. Daß an der ſchweren Materie nun ein ſolcher Unterſchied iſt, wie der einer Unterlage und einer davon unterſchiedenen Modification, wodurch ſie eine Wohnung ausmacht, iſt dem Schweren ſelbſt vollkommen gleichgültig, ſeine Beziehung auf die anderen Inhaltsbeſtimmungen des Zwecks, der Einrichtung des Hauſes u. ſ. f. iſt ihm äußerlich; es iſt daher wohl Grundlage, aber nicht Grund derſelben. Die Schwere iſt ſo ſehr als Grund, daß ein Haus ſteht, auch Grund, daß ein Stein fällt; der Stein hat dieſen Grund, die Schwere in ſich; aber daß er eine weitere Inhaltsbeſtimmung hat, wodurch er nicht bloß ein Schweres, ſondern Stein iſt, iſt der Schwere äußerlich; es iſt ferner durch ein Anderes geſetzt, daß er von dem Körper vorher entfernt worden ſey, auf welchen er fällt, wie auch die Zeit und der Raum und deren Beziehung, die Bewegung, ein anderer Inhalt als die Schwere ſind, und ohne ſie (wie man zu ſprechen pflegt) vorgeſtellt werden können, folglich nicht weſentlich durch ſie geſetzt ſind. — Sie ſind auch ſo ſehr Grund, daß ein Projectil die dem Fallen entgegengeſetzte Wurfbewegung macht. — Aus der Verſchiedenheit der Beſtimmungen, deren Grund ſie iſt, erhellt, daß ein Anderes zugleich erfordert wird, welches ſie zum Grunde dieſer oder einer andern Beſtimmung macht. —
Wenn von der Natur geſagt wird, daß ſie der Grund der Welt iſt, ſo iſt das, was Natur genannt wird, einerſeits eins mit der Welt, und die Welt nichts als die Natur ſelbſt. Aber ſie ſind auch unterſchieden, ſo daß die Natur mehr das Unbeſtimmte, oder wenigſtens nur das in den allgemeinen Unterſchieden, welche Geſetze ſind, beſtimmte, mit ſich identiſche Weſen der Welt iſt, und zur Natur, um Welt zu ſeyn, noch eine Mannigfaltigkeit von Beſtimmungen äußerlich hinzukommt. Dieſe aber haben ihren Grund nicht in der Natur als ſolcher, ſie iſt vielmehr das gegen ſie als Zufälligkeiten Gleichgültige. — Es iſt daſſelbe Verhältniß, wenn Gott als Grund der Natur beſtimmt wird. Als Grund iſt er ihr Weſen, ſie enthält es in ihr und iſt ein identiſches mit ihm; aber ſie hat noch eine weitere Mannigfaltigkeit, die von dem Grunde ſelbſt unterſchieden iſt; ſie iſt das Dritte, worin dieſes beides Verſchiedene verknüpft iſt; jener Grund iſt weder Grund der von ihm verſchiedenen Mannigfaltigkeit noch ſeiner Verknüpfung mit ihr. Die Natur wird daher nicht aus Gott als dem Grunde erkannt, denn ſo wäre er nur ihr allgemeines Weſen, der ſie nicht, wie ſie beſtimmtes Weſen und Natur iſt, enthält.
Das Angeben von realen Gründen wird alſo um dieſer Inhaltsverſchiedenheit des Grundes oder eigentlich der Grundlage und deſſen, was mit ihm im Begründeten verbunden iſt, ebenſo ſehr ein Formalismus, als der formale Grund ſelbſt. In dieſem iſt der mit ſich identiſche Inhalt gleichgültig gegen die Form; im realen Grunde findet dieß gleichfalls Statt. Dadurch iſt nun ferner der Fall, daß er es nicht an ihm ſelbſt enthält, welche der mannigfaltigen Beſtimmungen als die weſentliche genommen werden ſoll. Etwas iſt ein Concretes von ſolchen mannigfaltigen Beſtimmungen, die ſich gleich beſtändig und bleibend an ihm zeigen. Die eine kann daher ſo ſehr wie die andere als Grund beſtimmt werden; nämlich als die weſentliche, in Vergleichung mit welcher alsdann die andere nur ein Geſetztes ſey. Es verbindet ſich damit das vorhin Erwähnte, daß, wenn eine Beſtimmung vorhanden iſt, die in einem Falle als Grund einer andern angeſehen wird, daraus nicht folgt, daß dieſe andere in einem andern Falle oder überhaupt mit ihr geſetzt ſey. — Die Strafe z. B. hat die mannigfaltigen Beſtimmungen, daß ſie Wiedervergeltung, ferner abſchreckendes Beiſpiel, daß ſie ein vom Geſetz zur Abſchreckung Angedrohtes, auch ein den Verbrecher zur Beſinnung und Beſſerung Bringendes iſt. Jede dieſer verſchiedenen Beſtimmungen iſt als Grund der Strafe betrachtet worden, weil jede eine weſentliche Beſtimmung iſt, und dadurch die anderen als von ihr unterſchieden, gegen ſie nur als Zufälliges beſtimmt werden. Diejenige aber, die als Grund angenommen wird, iſt noch nicht die ganze Strafe ſelbſt; dieſes Concrete enthält auch jene anderen, die mit ihr darin nur verknüpft ſind, ohne daß ſie in ihr ihren Grund hätten. — Oder ein Beamter hat Amts-Geſchicklichkeit, ſteht als Individuum in Verwandtſchaft, hat dieſe und jene Bekanntſchaft, einen beſondern Charakter, war in dieſen und jenen Umſtänden und Gelegenheiten, ſich zu zeigen u. ſ. f. Es kann jede dieſer Eigenſchaften Grund ſeyn, oder als ſolcher angeſehen werden, daß er dieß Amt hat; ſie ſind ein verſchiedener Inhalt, der in einem Dritten verbunden iſt; die Form, als das Weſentliche und als das Geſetzte gegeneinander beſtimmt zu ſeyn, iſt demſelben äußerlich. Jede dieſer Eigenſchaften iſt dem Beamten weſentlich, weil er durch ſie das beſtimmte Individuum iſt, welches er iſt; inſofern das Amt als eine äußerliche geſetzte Beſtimmung betrachtet werden kann, kann jede gegen dieſes als Grund beſtimmt, aber auch ſelbſt umgekehrt können jene als geſetzte, und das Amt als Grund derſelben angeſehen werden. Wie ſie ſich wirklich, d. h. im einzelnen Fall, verhalten, dieß iſt eine der Grundbeziehung und dem Inhalte ſelbſt äußerliche Beſtimmung; es iſt ein Drittes, was ihnen die Form von Grund und Begründetem ertheilt.
So kann überhaupt jedes Daſeyn mancherlei Gründe haben, jede ſeiner Inhaltsbeſtimmungen durchdringt als mit ſich identiſch das concrete Ganze, und läßt ſich daher als weſentlich betrachten; den mancherlei Rückſichten, d. h. Beſtimmungen, die außer der Sache ſelbſt liegen, iſt um der Zufälligkeit der Verknüpfungsweiſe Thür und Thor unendlich aufgethan. — Ob ein Grund dieſe oder jene Folge habe, iſt deswegen ebenſo zufällig. Die moraliſchen Beweggründe z. B. ſind weſentliche Beſtimmungen der ſittlichen Natur, aber das, was aus ihnen folgt, iſt zugleich eine von ihnen verſchiedene Aeußerlichkeit, die aus ihnen folgt, und auch nicht folgt; erſt durch ein Drittes kommt ſie zu ihnen hinzu. Genauer iſt dieß ſo zu nehmen, daß es der moraliſchen Beſtimmung, wenn ſie Grund iſt, nicht zufällig ſey, eine Folge oder ein Begründetes zu haben, aber ob ſie überhaupt zum Grund gemacht werde oder nicht. Allein da auch wieder der Inhalt, der ihre Folge iſt, wenn ſie zum Grund gemacht worden, die Natur der Aeußerlichkeit hat, kann er unmittelbar durch eine andere Aeußerlichkeit aufgehoben werden. Aus einem moraliſchen Beweggrunde kann alſo eine Handlung hervorgehen oder auch nicht. Umgekehrt kann eine Handlung mancherlei Gründe haben; ſie enthält als ein Concretes mannigfaltige weſentliche Beſtimmungen, deren jede deswegen als Grund angegeben werden kann. Das Aufſuchen und Angeben von Gründen, worin vornehmlich das Räſonnement beſteht, iſt darum ein endloſes Herumtreiben, das keine letzte Beſtimmung enthält; es kann von allem und jeden einer und mehrere gute Gründe angegeben werden, ſo wie von ſeinem Entgegengeſetzten, und es können eine Menge Gründe vorhanden ſeyn, ohne daß aus ihnen etwas erfolgt. Was Sokrates und Plato Sophiſterei nennen, iſt nichts Anderes als das Räſonnement aus Gründen; Plato ſetzt demſelben die Betrachtung der Idee, d. h. der Sache an und für ſich ſelbſt, oder in ihrem Begriffe entgegen. Die Gründe ſind nur von weſentlichen Inhaltsbeſtimmungen, Verhältniſſen und Rückſichten genommen, deren jede Sache, gerade wie auch ihr Gegentheil, mehrere hat; in ihrer Form der Weſentlichkeit gilt die eine ſo gut als die andere; weil ſie nicht den ganzen Umfang der Sache enthält, iſt ſie einſeitiger Grund, deren die anderen beſonderen Seiten wieder beſondere haben, und wovon keiner die Sache, welche ihre Verknüpfung ausmacht und ſie alle enthält, erſchöpft; keiner iſt zureichender Grund, d. h. der Begriff.
1. Im realen Grunde ſind der Grund als Inhalt, und als Beziehung, nur Grundlagen. Jener iſt nur geſetzt als weſentlich und als Grund; die Beziehung iſt das Etwas des Begründeten, als das unbeſtimmte Subſtrat eines verſchiedenen Inhalts, eine Verknüpfung deſſelben, die nicht ſeine eigene Reflexion, ſondern eine äußerliche und ſomit nur eine geſetzte iſt. Die reale Grundbeziehung iſt daher vielmehr der Grund als aufgehobener; ſie macht ſomit vielmehr die Seite des Begründeten oder des Geſetztſeyns aus. Als Geſetztſeyn aber iſt nun der Grund ſelbſt in ſeinen Grund zurückgegangen; er iſt nun ein Begründetes, das einen andern Grund hat. Dieſer beſtimmt ſich hierdurch ſo, daß er erſtlich das mit dem realen Grunde als ſeinem Begründeten Identiſche iſt; beide Seiten haben nach dieſer Beſtimmung einen und denſelben Inhalt; die zwei Inhaltsbeſtimmungen und deren Verknüpfung im Etwas befinden ſich gleichfalls im neuen Grunde. Aber zweitens der neue Grund, in welchen ſich jene nur geſetzte äußerliche Verknüpfung aufgehoben hat, iſt als ihre Reflexion in ſich die abſolute Beziehung der zwei Inhaltsbeſtimmungen.
Dadurch, daß der reale Grund ſelbſt in ſeinen Grund zurückgegangen iſt, ſtellt ſich an ihm die Identität des Grundes und Begründeten, oder der formelle Grund wieder her. Die entſtandene Grundbeziehung iſt darum die vollſtändige, die den formellen und realen Grund zugleich in ſich enthält und die im letztern gegen einander unmittelbaren Inhaltsbeſtimmungen vermittelt.
2. Die Grundbeziehung hat ſich hiermit folgendermaßen näher beſtimmt. Erſtens Etwas hat einen Grund; es enthält die Inhaltsbeſtimmung, welche der Grund iſt, und noch eine zweite als durch ihn geſetzte. Aber als gleichgültiger Inhalt iſt die eine nicht an ihr ſelbſt Grund, die andere nicht an ihr ſelbſt das Begründete von jener, ſondern dieſe Beziehung iſt in der Unmittelbarkeit des Inhalts als eine aufgehobene oder geſetzte, und hat als ſolche in einer andern ihren Grund. Dieſe zweite Beziehung als nur der Form nach unterſchieden, hat denſelben Inhalt als die erſtere, nämlich die beiden Inhaltsbeſtimmungen, iſt aber die unmittelbare Verknüpfung derſelben. Indem jedoch das Verknüpfte überhaupt verſchiedener Inhalt, ſomit gegen einander gleichgültige Beſtimmung iſt, iſt ſie nicht ihre wahrhaft abſolute Beziehung, daß die eine der Beſtimmungen das im Geſetztſeyn mit ſich Identiſche, die andere nur dieß Geſetztſeyn deſſelben Identiſchen wäre; ſondern ein Etwas trägt ſie und macht ihre nicht reflectirte, ſondern nur unmittelbare Beziehung aus, welche daher nur relativer Grund gegen die Verknüpfung im andern Etwas iſt. Die beiden Etwas ſind alſo die zwei unterſchiedenen Beziehungen von Inhalt, die ſich ergeben haben. Sie ſtehen in der identiſchen Grundbeziehung der Form; ſie ſind ein und derſelbe ganze Inhalt, nämlich die zwei Inhaltsbeſtimmungen und deren Beziehung; unterſchieden ſind ſie nur durch die Art dieſer Beziehung, die in dem einen unmittelbare, in dem andern geſetzte Beziehung iſt; wodurch ſich das eine von dem Andern nur der Form nach als Grund und Begründetes unterſcheidet. — Zweitens iſt dieſe Grundbeziehung nicht nur formell, ſondern auch real. Der formelle Grund geht in den realen über, wie ſich gezeigt hat; die Momente der Form reflectiren ſich in ſich ſelbſt; ſie ſind ein ſelbſtſtändiger Inhalt, und die Grundbeziehung enthält auch einen eigenthümlichen Inhalt als Grund und einen als Begründetes. Der Inhalt macht zuerſt die unmittelbare Identität der beiden Seiten des formellen Grundes aus, ſo haben ſie einen und denſelben Inhalt. Aber er hat auch die Form an ihm ſelbſt und iſt ſo gedoppelter Inhalt, der ſich als Grund und Begründetes verhält. Die eine der zwei Inhaltsbeſtimmungen der beiden Etwas iſt daher beſtimmt, als ihnen nicht bloß gemeinſchaftlich nach äußerer Vergleichung, ſondern ihr identiſches Subſtrat und die Grundlage ihrer Beziehung zu ſeyn. Gegen die andere Inhaltsbeſtimmung iſt ſie die weſentliche und Grund derſelben als der geſetzten, nämlich in dem Etwas, deſſen Beziehung die begründete iſt. Im erſten Etwas, das die Grundbeziehung iſt, iſt auch dieſe zweite Inhaltsbeſtimmung unmittelbar und an ſich mit der erſten verknüpft. Das andere Etwas aber enthält nur die eine an ſich als das, worin es mit dem erſten Etwas unmittelbar identiſch iſt, die andere aber als die in ihm geſetzte. Die erſtere Inhaltsbeſtimmung iſt Grund derſelben dadurch, daß ſie in dem erſten Etwas urſprünglich mit der andern Inhaltsbeſtimmung verknüpft iſt.
Die Grundbeziehung der Inhaltsbeſtimmungen im zweiten Etwas iſt ſo durch die erſte an ſich ſeyende Beziehung des erſten Etwas vermittelt. Der Schluß iſt, weil in einem Etwas die Beſtimmung B mit der Beſtimmung A an ſich verknüpft iſt, ſo iſt im zweiten Etwas, dem nur die eine Beſtimmung A unmittelbar zukommt, auch B damit verknüpft. Im zweiten Etwas iſt nicht nur dieſe zweite Beſtimmung mittelbar, ſondern auch daß ſeine unmittelbare Grund iſt, iſt vermittelt, nämlich durch ihre urſprüngliche Beziehung auf B im erſten Etwas. Dieſe Beziehung iſt ſomit Grund des Grundes A, und die ganze Grundbeziehung iſt im zweiten Etwas als Geſetztes oder Begründetes.
3. Der reale Grund zeigt ſich als die ſich äußerliche Reflexion des Grundes; die vollſtändige Vermittelung deſſelben iſt die Wiederherſtellung ſeiner Identität mit ſich. Aber indem dieſe dadurch zugleich die Aeußerlichkeit des realen Grundes erhalten hat, ſo iſt die formelle Grundbeziehung in dieſer Einheit ihrer ſelbſt und des realen Grundes ebenſo ſehr ſich ſetzender, als ſich aufhebender Grund; die Grundbeziehung vermittelt ſich durch ihre Negation mit ſich. Erſtlich iſt der Grund als die urſprüngliche Beziehung, Beziehung von unmittelbaren Inhaltsbeſtimmungen. Die Grundbeziehung hat als weſentliche Form zu ihren Seiten ſolche, welche aufgehobene oder Momente ſind. Daher als Form unmittelbarer Beſtimmungen iſt ſie die mit ſich identiſche Beziehung zugleich als Beziehung ihrer Negation; ſomit iſt ſie Grund nicht an und für ſich ſelbſt, ſondern als Beziehung auf die aufgehobene Grundbeziehung. — Zweitens die aufgehobene Beziehung oder das Unmittelbare, das in der urſprünglichen und der geſetzten Beziehung die identiſche Grundlage iſt, iſt realer Grund gleichfalls nicht an und für ſich ſelbſt, ſondern es iſt durch jene urſprüngliche Verknüpfung geſetzt, daß es Grund ſey. —
Die Grundbeziehung in ihrer Totalität iſt ſomit weſentlich vorausſetzende Reflexion; der formelle Grund ſetzt die unmittelbare Inhaltsbeſtimmung voraus, und dieſe als realer Grund ſetzt die Form voraus. Der Grund iſt alſo die Form als unmittelbare Verknüpfung; aber ſo, daß ſie ſich von ſich ſelbſt abſtößt, und die Unmittelbarkeit vielmehr vorausſetzt, ſich darin auf ſich als auf ein Anderes bezieht. Dieſes Unmittelbare iſt die Inhaltsbeſtimmung, der einfache Grund; aber er iſt als dieß, nämlich als Grund, ebenſo von ſich abgeſtoßen und bezieht ſich auf ſich gleichfalls als auf ein Anderes. — So hat ſich die totale Grundbeziehung zur bedingenden Vermittelung beſtimmt.
1. Der Grund iſt das Unmittelbare, und das Begründete das Vermittelte. Aber er iſt ſetzende Reflexion, als ſolche macht er ſich zum Geſetztſeyn, und iſt vorausſetzende Reflexion, ſo bezieht er ſich auf ſich als auf ein Aufgehobenes, auf ein Unmittelbares, wodurch er ſelbſt vermittelt iſt. Dieſe Vermittelung, als Fortgehen vom Unmittelbaren zum Grunde, iſt nicht eine äußere Reflexion, ſondern, wie ſich ergeben, das eigne Thun des Grundes, oder was daſſelbe iſt, die Grundbeziehung iſt als Reflexion in die Identität mit ſich ebenſo weſentlich ſich entäußernde Reflexion. Das Unmittelbare, auf das der Grund ſich als auf ſeine weſentliche Vorausſetzung bezieht, iſt die Bedingung; der reale Grund iſt daher weſentlich bedingt. Die Beſtimmtheit, die er enthält, iſt das Andersſeyn ſeiner ſelbſt.
Die Bedingung iſt alſo erſtens ein unmittelbares, mannigfaltiges Daſeyn. Zweitens iſt dieſes Daſeyn bezogen auf ein Anderes, auf Etwas, das Grund iſt, nicht dieſes Daſeyns, ſondern in anderer Rückſicht; denn das Daſeyn ſelbſt iſt unmittelbar und ohne Grund. Nach jener Beziehung iſt es ein Geſetztes; das unmittelbare Daſeyn ſoll als Bedingung nicht für ſich, ſondern für Anderes ſeyn. Aber zugleich iſt dieß, daß es ſo für Anderes iſt, ſelbſt nur ein Geſetztſeyn; daß es ein Geſetztes iſt, iſt in ſeiner Unmittelbarkeit aufgehoben, und ein Daſeyn iſt dagegen, Bedingung zu ſeyn, gleichgültig. Drittens iſt die Bedingung ſo ein Unmittelbares, daß ſie die Vorausſetzung des Grundes ausmacht. Sie iſt in dieſer Beſtimmung die in die Identität mit ſich zurückgegangene Formbeziehung des Grundes, hiermit der Inhalt deſſelben. Aber der Inhalt als ſolcher iſt nur die gleichgültige Einheit des Grundes, als in der Form; ohne Form kein Inhalt. Er befreit ſich noch von derſelben, indem die Grundbeziehung im vollſtändigen Grunde zu einer gegen ihre Identität äußerlichen Beziehung wird; wodurch der Inhalt die Unmittelbarkeit erhält. Inſofern daher die Bedingung das iſt, worin die Grundbeziehung ihre Identität mit ſich hat, macht ſie ſeinen Inhalt aus; aber weil er das gegen dieſe Form Gleichgültige iſt, iſt er nur an ſich ihr Inhalt, ein ſolches, das erſt Inhalt werden ſoll, hiermit das Material für den Grund ausmacht. Als Bedingung geſetzt, hat das Daſeyn nach dem zweiten Momente die Beſtimmung, ſeine gleichgültige Unmittelbarkeit zu verlieren und Moment eines Andern zu werden. Durch ſeine Unmittelbarkeit iſt es gleichgültig gegen dieſe Beziehung; inſofern es aber in dieſelbe tritt, macht es das Anſichſeyn des Grundes aus, und iſt das Unbedingte für denſelben. Um Bedingung zu ſeyn, hat es am Grunde ſeine Vorausſetzung, und iſt ſelbſt bedingt; aber dieſe Beſtimmung iſt ihm äußerlich.
2. Etwas iſt nicht durch ſeine Bedingung; ſeine Bedingung iſt nicht ſein Grund. Sie iſt das Moment der unbedingten Unmittelbarkeit für den Grund, aber iſt nicht ſelbſt die Bewegung und das Setzen, das ſich negativ auf ſich bezieht, und ſich zum Geſetztſeyn macht. Der Bedingung ſteht daher die Grundbeziehung gegenüber. Etwas hat außer ſeiner Bedingung auch einen Grund. — Dieſer iſt die leere Bewegung der Reflexion, weil ſie die Unmittelbarkeit als ihre Vorausſetzung außer ihr hat. Sie iſt aber die ganze Form und das ſelbſtſtändige Vermitteln; denn die Bedingung iſt nicht ihr Grund. Indem dieſes Vermitteln ſich als Setzen auf ſich bezieht, iſt es nach dieſer Seite gleichfalls ein Unmittelbares und Unbedingtes; es ſetzt ſich zwar voraus, aber als entäußertes oder aufgehobenes Setzen; das was es hingegen ſeiner Beſtimmung nach iſt, iſt es an und für ſich ſelbſt. — Inſofern ſo die Grundbeziehung ſelbſtſtändige Beziehung auf ſich iſt und die Identität der Reflexion an ihr ſelbſt hat, hat ſie einen eigenthümlichen Inhalt, gegen den Inhalt der Bedingung. Jener iſt Inhalt des Grundes und darum weſentlich formirt; dieſer hingegen iſt nur unmittelbares Material, dem die Beziehung auf den Grund zugleich ebenſo äußerlich iſt, als es auch das Anſichſeyn deſſelben ausmacht; es iſt ſomit eine Vermiſchung von ſelbſtſtändigem Inhalt, der keine Beziehung auf den Inhalt der Grundbeſtimmung hat, und von ſolchem, der in ſie eingeht, und als ihr Material, Moment derſelben werden ſoll.
3. Die beiden Seiten des Ganzen, Bedingung und Grund, ſind alſo einerſeits gleichgültige und unbedingte gegen einander; das eine als das Unbezogene, dem die Beziehung, in welcher es Bedingung iſt, äußerlich iſt; das Andere als die Beziehung oder Form, für welche das beſtimmte Daſeyn der Bedingung nur als Material iſt, als ein Paſſives, deſſen Form, die es für ſich an ihm hat, eine unweſentliche iſt. Ferner ſind auch beide vermittelte. Die Bedingung iſt das Anſichſeyn des Grundes; ſie iſt ſo ſehr weſentliches Moment der Grundbeziehung, daß ſie die einfache Identität deſſelben mit ſich iſt. Aber dieß iſt auch aufgehoben; dieß Anſichſeyn iſt nur ein geſetztes; das unmittelbare Daſeyn iſt gleichgültig dagegen Bedingung zu ſeyn. Daß die Bedingung des Anſichſeyns für den Grund iſt, macht alſo ihre Seite aus, nach welcher ſie eine vermittelte iſt. Ebenſo die Grundbeziehung hat in ihrer Selbſtſtändigkeit auch eine Vorausſetzung, und ihr Anſichſeyn außer ſich. — Somit iſt jede der beiden Seiten der Widerſpruch der gleichgültigen Unmittelbarkeit und der weſentlichen Vermittelung, Beides in Einer Beziehung; — oder der Widerſpruch des ſelbſtſtändigen Beſtehens und der Beſtimmung, nur Moment zu ſeyn.
Die beiden relativ-Unbedingten ſcheinen zunächſt, jedes in das andere; die Bedingung als Unmittelbares in die Formbeziehung des Grundes, und dieſe in das unmittelbare Daſeyn als ſein Geſetztſeyn; aber jedes iſt außer dieſem Scheine ſeines Andern an ihm ſelbſtſtändig und hat ſeinen eigenthümlichen Inhalt.
Zuerſt iſt die Bedingung unmittelbares Daſeyn; ſeine Form hat die zwei Momente, das Geſetztſeyn, nach welchem es als Bedingung Material und Moment des Grundes iſt; — und das Anſichſeyn, nach welchem es die Weſentlichkeit des Grundes oder ſeine einfache Reflexion in ſich ausmacht. Beide Seiten der Form ſind dem unmittelbaren Daſeyn äußerlich; denn es iſt die aufgehobene Grundbeziehung. — Aber erſtens iſt das Daſeyn an ihm ſelbſt nur dieß, in ſeiner Unmittelbarkeit ſich aufzuheben und zu Grunde zu gehen. Das Seyn iſt überhaupt nur das Werden zum Weſen; es iſt ſeine weſentliche Natur ſich zum Geſetzten und zur Identität zu machen, die durch die Negation ihrer das Unmittelbare iſt. Die Formbeſtimmungen alſo, des Geſetztſeyns und des mit ſich identiſchen Anſichſeyns, die Form, wodurch das unmittelbare Daſeyn Bedingung iſt, ſind ihm daher nicht äußerlich, ſondern es iſt dieſe Reflexion ſelbſt. Zweitens, als Bedingung iſt das Seyn nun auch als das geſetzt, was es weſentlich iſt; nämlich als Moment, ſomit eines Andern, und zugleich als das Anſichſeyn gleichfalls eines Andern; es iſt an ſich aber nur durch die Negation ſeiner, nämlich durch den Grund und durch deſſen ſich aufhebende und damit vorausſetzende Reflexion; das Anſichſeyn des Seyns iſt ſomit nur ein Geſetztes. Dieß Anſichſeyn der Bedingung hat die zwei Seiten, einerſeits ihre Weſentlichkeit als des Grundes, andererſeits aber die Unmittelbarkeit ihres Daſeyns zu ſeyn. Oder vielmehr Beides iſt daſſelbe. Das Daſeyn iſt ein Unmittelbares, aber die Unmittelbarkeit iſt weſentlich das Vermittelte, nämlich durch den ſich ſelbſt aufhebenden Grund. Als dieſe durch das ſich aufhebende Vermitteln vermittelte Unmittelbarkeit iſt es das zugleich, das Anſichſeyn des Grundes, und das Unbedingte deſſelben; aber dieß Anſichſeyn iſt zugleich ſelbſt wieder ebenſo ſehr nur Moment oder Geſetztſeyn, denn es iſt vermittelt. — Die Bedingung iſt daher die ganze Form der Grundbeziehung; ſie iſt das vorausgeſetzte Anſichſeyn derſelben, aber damit ſelbſt ein Geſetztſeyn, und ihre Unmittelbarkeit dieß, ſich zum Geſetztſeyn zu machen; ſich ſomit von ſich ſelbſt ſo abzuſtoßen, daß ſie ſowohl zu Grunde geht, als ſie Grund iſt, der ſich zum Geſetztſeyn macht und hiermit auch zum Begründeten; und Beides iſt ein und daſſelbe.
Ebenſo iſt an dem bedingten Grunde das Anſichſeyn nicht nur als Scheinen eines Andern an ihm. Er iſt die ſelbſtſtändige, das heißt, die ſich auf ſich beziehende Reflexion des Setzens; und hiermit das mit ſich Identiſche, oder iſt in ihm ſelbſt ſein Anſichſeyn, und ſein Inhalt. Aber zugleich iſt er vorausſetzende Reflexion; er bezieht ſich negativ auf ſich ſelbſt, und ſetzt ſich ſein Anſichſeyn als ihm Anderes entgegen, und die Bedingung ſowohl nach ihrem Momente des Anſichſeyns als des unmittelbaren Daſeyns iſt das eigene Moment der Grundbeziehung; das unmittelbare Daſeyn iſt weſentlich nur durch ſeinen Grund, und iſt das Moment ſeiner als Vorausſetzens. Dieſer iſt daher ebenſo das Ganze ſelbſt.
Es iſt ſomit überhaupt nur Ein Ganzes der Form vorhanden; aber ebenſo ſehr nur Ein Ganzes des Inhalts. Denn der eigenthümliche Inhalt der Bedingung iſt nur weſentlicher Inhalt, inſofern er die Identität der Reflexion mit ſich in der Form, oder als dieß unmittelbare Daſeyn an ihm ſelbſt die Grundbeziehung iſt. Dieſes iſt ferner nur Bedingung durch die vorausſetzende Reflexion des Grundes; es iſt deſſen Identität mit ſich ſelbſt, oder ſein Inhalt, dem er ſich gegenüber ſetzt. Das Daſeyn iſt daher nicht bloß formloſes Material für die Grundbeziehung, ſondern weil es an ihm ſelbſt dieſe Form hat, iſt es formirte Materie, und als zugleich das in der Identität mit ihr gegen ſie Gleichgültige iſt es Inhalt. Es iſt endlich derſelbe Inhalt, den der Grund hat, denn es iſt eben Inhalt als das in der Formbeziehung mit ſich Identiſche.
Die beiden Seiten des Ganzen, Bedingung und Grund, ſind alſo Eine weſentliche Einheit; ſowohl als Inhalt, wie als Form. Sie gehen durch ſich ſelbſt in einander über, oder indem ſie Reflexionen ſind, ſo ſetzen ſie ſich ſelbſt als aufgehobene, beziehen ſich auf dieſe ihre Negation und ſetzen ſich gegenſeitig voraus. Aber dieß iſt zugleich nur Eine Reflexion beider, ihr Vorausſetzen daher auch nur eines; die Gegenſeitigkeit deſſelben geht vielmehr darein über, daß ſie ihre Eine Identität als ihr Beſtehen und ihre Grundlage vorausſetzen. Dieſe, der eine Inhalt und Formeinheit beider, iſt das wahrhaft Unbedingte; die Sache an ſich ſelbſt. — Die Bedingung iſt, wie ſich oben ergeben hat, nur das relativ-Unbedingte. Man pflegt ſie daher ſelbſt als ein Bedingtes zu betrachten, und nach einer neuen Bedingung zu fragen, womit der gewöhnliche Progreß ins Unendliche von Bedingung zu Bedingung eingeleitet iſt. Warum wird nun bei einer Bedingung nach einer neuen Bedingung gefragt, das heißt, warum wird ſie als Bedingtes angenommen? Weil ſie irgend ein endliches Daſeyn iſt. Aber dieß iſt eine weitere Beſtimmung der Bedingung, die nicht in ihrem Begriffe liegt. Allein die Bedingung als ſolche iſt darum ein Bedingtes, weil ſie das geſetzte Anſichſeyn iſt; ſie iſt daher im abſolut Unbedingten aufgehoben.
Dieſes nun enthält die beiden Seiten, die Bedingung und den Grund, als ſeine Momente in ſich; es iſt die Einheit, in welche ſie zurückgegangen ſind. Sie beide zuſammen machen die Form oder das Geſetztſeyn deſſelben aus. Die unbedingte Sache iſt Bedingung beider, aber die abſolute, das heißt, die Bedingung, welche ſelbſt Grund iſt. — Als Grund iſt ſie nun die negative Identität, die ſich in jene beiden Momente abgeſtoßen hat; — erſtens in die Geſtalt der aufgehobenen Grundbeziehung, einer unmittelbaren, einheitsloſen, ſich ſelbſt äußerlichen Mannigfaltigkeit, welche ſich auf den Grund als ein ihr Anderes bezieht, und zugleich das Anſichſeyn deſſelben ausmacht; zweitens, in die Geſtalt einer innerlichen, einfachen Form, welche Grund iſt, aber ſich auf das mit ſich identiſche Unmittelbare als auf ein Anderes bezieht, und daſſelbe als Bedingung, d. h. dieß ihr Anſich als ihr eigenes Moment beſtimmt. — Dieſe beiden Seiten ſetzen die Totalität ſo voraus, daß ſie das Setzende derſelben iſt. Umgekehrt, weil ſie die Totalität vorausſetzen, ſo ſcheint dieſe auch wieder durch jene bedingt zu ſeyn, und die Sache aus ihrer Bedingung und aus ihrem Grunde zu entſpringen. Aber indem dieſe beiden Seiten ſich als das Identiſche gezeigt haben, ſo iſt das Verhältniß von Bedingung und Grund verſchwunden, ſie ſind zu einem Scheine herabgeſetzt; das abſolut Unbedingte iſt in ſeiner Bewegung des Setzens und Vorausſetzens nur die Bewegung, in welcher dieſer Schein ſich aufhebt. Es iſt das Thun der Sache, ſich zu bedingen, und ihren Bedingungen ſich als Grund gegenüber zu ſtellen; ihre Beziehung als der Bedingungen und des Grundes iſt aber ein Scheinen in ſich, und ihr Verhalten zu ihnen ihr Zuſammengehen mit ſich ſelbſt.
Das abſolut Unbedingte iſt der abſolute mit ſeiner Bedingung identiſche Grund; die unmittelbare Sache, als die wahrhaft weſenhafte. Als Grund bezieht ſie ſich negativ auf ſich ſelbſt, macht ſich zum Geſetztſeyn, aber zum Geſetztſeyn, das die in ihren Seiten vollſtändige Reflexion, und die in ihnen mit ſich identiſche Formbeziehung iſt, wie ſich ihr Begriff ergeben hat. Dieß Geſetztſeyn iſt daher erſtlich der aufgehobene Grund, die Sache als das reflexionsloſe Unmittelbare; die Seite der Bedingungen. Dieſe iſt die Totalität der Beſtimmungen der Sache, — die Sache ſelbſt, aber in die Aeußerlichkeit des Seyns hinausgeworfen; der wiederhergeſtellte Kreis des Seyns. In der Bedingung entläßt das Weſen die Einheit ſeiner Reflexion-in-ſich als eine Unmittelbarkeit, die aber nunmehr die Beſtimmung hat, bedingende Vorausſetzung zu ſeyn, und weſentlich nur eine ſeiner Seiten auszumachen. Die Bedingungen ſind darum der ganze Inhalt der Sache, weil ſie das Unbedingte in der Form des formloſen Seyns ſind. Sie haben aber um dieſer Form willen auch noch eine andere Geſtalt, als die Beſtimmungen des Inhalts, wie er in der Sache als ſolcher iſt. Sie erſcheinen als eine einheitsloſe Mannigfaltigkeit, vermiſcht mit Außerweſentlichem und anderen Umſtänden, die zu dem Kreiſe des Daſeyns, inſofern es die Bedingungen dieſer beſtimmten Sache ausmacht, nicht gehören. — Für die abſolute uneingeſchränkte Sache iſt die Sphäre des Seyns ſelbſt die Bedingung. Der Grund, der in ſich zurückgeht, ſetzt ſie als die erſte Unmittelbarkeit, worauf er ſich als auf ſein Unbedingtes bezieht. Dieſe Unmittelbarkeit als die aufgehobene Reflexion iſt die Reflexion in dem Elemente des Seyns; das alſo ſich als ſolches zu einem Ganzen ausbildet; die Form wuchert als Beſtimmtheit des Seyns fort, und erſcheint ſo als ein mannigfaltiger von der Reflexions-Beſtimmung verſchiedener, und gegen ſie gleichgültiger Inhalt. Das Unweſentliche, welches die Sphäre des Seyns an ihr hat, und was ſie, inſofern ſie Bedingung iſt, abſtreift, iſt die Beſtimmtheit der Unmittelbarkeit, in welche die Formeinheit verſenkt iſt. Dieſe Formeinheit, als die Beziehung des Seyns, iſt an ihm zunächſt als das Werden, — das Uebergehen einer Beſtimmtheit des Seyns in eine andere. Aber das Werden des Seyns iſt ferner Werden zum Weſen und das Zurückgehen in den Grund. Das Daſeyn alſo, welches die Bedingungen ausmacht, wird in Wahrheit nicht von einem Andern als Bedingung beſtimmt und als Material gebraucht; ſondern es macht ſich durch ſich ſelbſt zum Momente eines Andern. — Sein Werden iſt ferner nicht ein Anfangen von ſich als dem wahrhaft Erſten und Unmittelbaren; ſondern ſeine Unmittelbarkeit iſt nur das Vorausgeſetzte; und die Bewegung ſeines Werdens iſt das Thun der Reflexion ſelbſt. Die Wahrheit des Daſeyns iſt daher Bedingung zu ſeyn; ſeine Unmittelbarkeit iſt allein durch die Reflexion der Grundbeziehung, welche ſich ſelbſt als aufgehobene ſetzt. Das Werden iſt ſomit wie die Unmittelbarkeit nur der Schein des Unbedingten, indem dieſes ſich ſelbſt vorausſetzt, und darin ſeine Form hat; und die Unmittelbarkeit des Seyns iſt daher weſentlich nur Moment der Form.
Die andere Seite dieſes Scheinens des Unbedingten iſt die Grundbeziehung als ſolche, als Form beſtimmt gegen die Unmittelbarkeit der Bedingungen und des Inhalts. Aber ſie iſt die Form der abſoluten Sache, welche die Einheit ihrer Form mit ſich ſelbſt oder ihren Inhalt an ihr ſelbſt hat, und indem ſie ihn zur Bedingung beſtimmt, in dieſem Setzen ſelbſt ſeine Verſchiedenheit aufhebt und ihn zum Momente macht; ſo wie ſie umgekehrt ſich als weſenloſer Form in dieſer Identität mit ſich die Unmittelbarkeit des Beſtehens giebt. Die Reflexion des Grundes hebt die Unmittelbarkeit der Bedingungen auf, und bezieht ſie zu Momenten in der Einheit der Sache; aber die Bedingungen ſind das von der unbedingten Sache ſelbſt Vorausgeſetzte, ſie hebt damit alſo ihr eigenes Setzen auf; oder ihr Setzen macht ſich ſomit unmittelbar ſelbſt ebenſo ſehr zum Werden. — Beides iſt daher Eine Einheit; die Bewegung der Bedingungen an ihnen ſelbſt iſt Werden, Zurückgehen in den Grund und Setzen des Grundes; aber der Grund als geſetzter, das heißt als aufgehobener, iſt das Unmittelbare. Der Grund bezieht ſich negativ auf ſich ſelbſt, macht ſich zum Geſetztſeyn und begründet die Bedingungen; aber darin, daß ſo das unmittelbare Daſeyn als ein Geſetztes beſtimmt iſt, hebt der Grund es auf und macht ſich erſt zum Grunde. — Dieſe Reflexion alſo iſt die Vermittelung der unbedingten Sache durch ihre Negation mit ſich. Oder vielmehr die Reflexion des Unbedingten iſt zuerſt Vorausſetzen, aber dieß Aufheben ihrer ſelbſt iſt unmittelbar beſtimmendes Setzen; zweitens iſt ſie darin unmittelbar Aufheben des Vorausgeſetzten und Beſtimmen aus ſich; ſomit iſt dieß Beſtimmen wieder Aufheben des Setzens und iſt das Werden an ſich ſelbſt. Darin iſt die Vermittelung, als Rückkehr zu ſich durch die Negation, verſchwunden; ſie iſt einfache in ſich ſcheinende Reflexion, und grundloſes abſolutes Werden. Die Bewegung der Sache, durch ihre Bedingungen einerſeits und andererſeits durch ihren Grund geſetzt zu werden, iſt nur das Verſchwinden des Scheins der Vermittelung. Das Geſetztwerden der Sache iſt hiermit ein Hervortreten, das einfache ſich Herausſtellen in die Exiſtenz; reine Bewegung der Sache zu ſich ſelbſt.
Wenn alle Bedingungen einer Sache vorhanden ſind, ſo tritt ſie in die Exiſtenz. Die Sache iſt, eh’ ſie exiſtirt; und zwar iſt ſie erſtens als Weſen, oder als Unbedingtes; zweitens hat ſie Daſeyn, oder iſt beſtimmt, und dieß auf die betrachtete gedoppelte Weiſe, einerſeits in ihren Bedingungen, andererſeits in ihrem Grunde. In jenen hat ſie ſich die Form des äußerlichen, grundloſen Seyns gegeben, weil ſie als abſolute Reflexion die negative Beziehung auf ſich iſt und ſich zu ihrer Vorausſetzung macht. Dieß vorausgeſetzte Unbedingte iſt daher das grundloſe Unmittelbare, deſſen Seyn nichts iſt, denn als Grundloſes da zu ſeyn. Wenn alſo alle Bedingungen der Sache vorhanden ſind, das heißt, wenn die Totalität der Sache als grundloſes Unmittelbares geſetzt iſt, ſo erinnert ſich dieſe zerſtreute Mannigfaltigkeit an ihr ſelbſt. — Die ganze Sache muß in ihren Bedingungen da ſeyn, oder es gehören alle Bedingungen zu ihrer Exiſtenz; denn Alle machen die Reflexion aus; oder das Daſeyn, weil es Bedingung iſt, iſt durch die Form beſtimmt, ſeine Beſtimmungen ſind daher Reflexions-Beſtimmungen und mit einer weſentlich die anderen geſetzt. — Die Erinnerung der Bedingungen iſt zunächſt das zu Grunde gehen des unmittelbaren Daſeyns, und das Werden des Grundes. Aber damit iſt der Grund ein geſetzter, d. h. er iſt, ſo ſehr er als Grund iſt, ſo ſehr als Grund aufgehoben, und unmittelbares Seyn. Wenn alſo alle Bedingungen der Sache vorhanden ſind, ſo heben ſie ſich als unmittelbares Daſeyn und Vorausſetzung und ebenſo ſehr hebt ſich der Grund auf. Der Grund zeigt ſich nur, als ein Schein, der unmittelbar verſchwindet; dieß Hervortreten iſt ſomit die tautologiſche Bewegung der Sache zu ſich, und ihre Vermittelung durch die Bedingungen und durch den Grund iſt das Verſchwinden beider. Das Hervortreten in die Exiſtenz iſt daher ſo unmittelbar, daß es nur durch das Verſchwinden der Vermittelung vermittelt iſt.
Die Sache geht aus dem Grunde hervor. Sie wird nicht durch ihn ſo begründet oder geſetzt, daß er noch unten bliebe, ſondern das Setzen iſt die Herausbewegung des Grundes zu ſich ſelbſt, und das einfache Verſchwinden deſſelben. Er erhält durch die Vereinigung mit den Bedingungen die äußerliche Unmittelbarkeit und das Moment des Seyns. Aber er erhält ſie nicht als ein Aeußerliches noch durch eine äußerliche Beziehung; ſondern als Grund macht er ſich zum Geſetztſeyn, ſeine einfache Weſentlichkeit geht im Geſetztſeyn mit ſich zuſammen, und iſt in dieſem Aufheben ſeiner ſelbſt das Verſchwinden ſeines Unterſchiedes von ſeinem Geſetztſeyn, ſomit einfache weſentliche Unmittelbarkeit. Er bleibt alſo nicht als ein Verſchiedenes vom Begründeten zurück, ſondern die Wahrheit des Begründens iſt, daß der Grund darin mit ſich ſelbſt ſich vereint und ſomit ſeine Reflexion in Anderes ſeine Reflexion in ſich ſelbſt iſt. Die Sache iſt hiermit ebenſo, wie ſie das Unbedingte iſt, auch das Grundloſe, und tritt aus dem Grunde nur inſofern er zu Grunde gegangen und keiner iſt, aus dem Grundloſen, d. h. aus der eigenen weſentlichen Negativität oder reinen Form hervor.
Dieſe durch Grund und Bedingung vermittelte, und durch das Aufheben der Vermittelung mit ſich identiſche Unmittelbarkeit iſt die Exiſtenz.
Das Weſen muß erſcheinen.
Das Seyn iſt die abſolute Abſtraction; dieſe Negativität iſt ihm nicht ein Aeußerliches, ſondern es iſt Seyn und ſonſt nichts als Seyn, nur als dieſe abſolute Negativität. Um derſelben willen iſt Seyn nur als ſich aufhebendes Seyn, und iſt Weſen. Das Weſen aber iſt als die einfache Gleichheit mit ſich umgekehrt ebenfalls Seyn. Die Lehre vom Seyn enthält den erſten Satz: Das Seyn iſt Weſen. Der zweite Satz: Das Weſen iſt Seyn, macht den Inhalt des erſten Abſchnittes der Lehre vom Weſen aus. Dieſes Seyn aber, zu dem das Weſen ſich macht, iſt das weſentliche Seyn, die Exiſtenz; ein Herausgegangenſeyn aus der Negativität und Innerlichkeit.
So erſcheint das Weſen. Die Reflexion iſt das Scheinen des Weſens in ihm ſelbſt. Die Beſtimmungen derſelben ſind in die Einheit eingeſchloſſen ſchlechthin nur als geſetzte, aufgehobene; oder ſie iſt das in ſeinem Geſetztſeyn unmittelbar mit ſich identiſche Weſen. Indem dieſes aber Grund iſt, beſtimmt es ſich real, durch ſeine ſich ſelbſt aufhebende oder in ſich zurückkehrende Reflexion; indem weiter dieſe Beſtimmung oder das Andersſeyn der Grundbeziehung ſich in der Reflexion des Grundes aufhebt und Exiſtenz wird, ſo haben die Formbeſtimmungen hieran ein Element des ſelbſtſtändigen Beſtehens. Ihr Schein vervollſtändigt ſich zur Erſcheinung.
Die zur Unmittelbarkeit fortgegangene Weſenheit iſt zunächſt Exiſtenz, und Exiſtirendes oder Ding; als ununterſchiedene Einheit des Weſens mit ſeiner Unmittelbarkeit. Das Ding enthält zwar die Reflexion, aber ihre Negativität iſt in ſeiner Unmittelbarkeit zunächſt erloſchen; allein weil ſein Grund weſentlich die Reflexion iſt, hebt ſich ſeine Unmittelbarkeit auf; es macht ſich zu einem Geſetztſeyn.
So iſt es zweitens Erſcheinung. Die Erſcheinung iſt das, was das Ding an ſich iſt, oder ſeine Wahrheit. Dieſe nur geſetzte, in das Andersſeyn reflectirte Exiſtenz iſt aber ebenſo das Hinausgehen über ſich in ihrer Unendlichkeit; der Welt der Erſcheinung ſtellt ſich die in ſich reflectirte, an ſich ſeyende Welt gegenüber.
Aber das erſcheinende und das weſentliche Seyn ſtehen ſchlechthin in Beziehung auf einander. So iſt die Exiſtenz drittens weſentliches Verhältniß; das Erſcheinende zeigt das Weſentliche, und dieſes iſt in ſeiner Erſcheinung. — Das Verhältniß iſt die noch unvollkommene Vereinigung der Reflexion in das Andersſeyn und der Reflexion in ſich; die vollkommene Durchdringung beider iſt die Wirklichkeit.
Wie der Satz des Grundes ausdrückt: Alles was iſt, hat einen Grund, oder iſt ein Geſetztes, ein Vermitteltes; ſo müßte auch ein Satz der Exiſtenz aufgeſtellt und ſo ausgedrückt werden: Alles, was iſt, exiſtirt. Die Wahrheit des Seyns iſt nicht ein erſtes Unmittelbares, ſondern das in die Unmittelbarkeit hervorgegangene Weſen zu ſeyn.
Wenn aber ferner auch geſagt wurde, was exiſtirt, hat einen Grund und iſt bedingt, ſo müßte auch ebenſo geſagt werden: es hat keinen Grund und iſt unbedingt. Denn die Exiſtenz iſt die aus dem Aufheben der durch Grund und Bedingung beziehenden Vermittelung hervorgegangene Unmittelbarkeit, die im Hervorgehen eben dieß Hervorgehen ſelbſt aufhebt.
Inſofern die Beweiſe von der Exiſtenz Gottes hier erwähnt werden können, iſt zum voraus zu erinnern, daß es außer dem unmittelbaren Seyn erſtens, und zweitens der Exiſtenz, dem Seyn, das aus dem Weſen hervorgeht, noch ein ferneres Seyn giebt, welche aus dem Begriffe hervorgeht, die Objectivität. — Das Beweiſen iſt überhaupt die vermittelte Erkenntniß. Die verſchiedenen Arten des Seyns fordern oder enthalten ihre eigene Art der Vermittelung; ſo wird auch die Natur des Beweiſens in Anſehung einer jeden verſchieden. Der ontologiſche Beweis will vom Begriffe ausgehen; er legt den Inbegriff aller Realitäten zu Grunde, und ſubſumirt alsdann auch die Exiſtenz unter die Realität. Er iſt alſo die Vermittelung, welche Schluß iſt, und die hier noch nicht zu betrachten iſt. Es iſt bereits oben auf das, was Kant hiergegen erinnert, Rückſicht genommen und bemerkt worden, daß Kant unter Exiſtenz das beſtimmte Daſeyn verſteht, wodurch etwas in den Context der geſammten Erfahrung, d. h. in die Beſtimmung eines Andersſeyns und in die Beziehung auf Anderes tritt. So iſt als Exiſtirendes Etwas vermittelt durch Anderes, und die Exiſtenz überhaupt die Seite ſeiner Vermittelung. Nun liegt in dem, was Kant den Begriff nennt, nämlich in Etwas, inſofern es als nur einfach auf ſich bezogen genommen wird, oder in der Vorſtellung als ſolcher, nicht ſeine Vermittelung; in der abſtracten Identität mit ſich iſt die Entgegenſetzung weggelaſſen. Der ontologiſche Beweis hätte nun darzuſtellen, daß der abſolute Begriff, nämlich der Begriff Gottes, zum beſtimmten Daſeyn, zur Vermittelung komme, oder wie das einfache Weſen ſich mit der Vermittelung vermittle. Dieß geſchieht durch die angegebene Subſumtion der Exiſtenz unter ihr Allgemeines, nämlich die Realität, welche als das Mittlere zwiſchen Gott in ſeinem Begriffe einerſeits, und zwiſchen der Exiſtenz andererſeits angenommen wird. — Von dieſer Vermittelung, inſofern ſie die Form des Schluſſes hat, iſt, wie geſagt, hier nicht die Rede. Wie aber jene Vermittelung des Weſens mit der Exiſtenz in Wahrheit beſchaffen iſt, dieß hat die bisherige Darſtellung enthalten. Die Natur des Beweiſens ſelbſt iſt in der Lehre von der Erkenntniß zu betrachten. Hier iſt nur anzugeben, was ſich auf die Natur der Vermittelung überhaupt bezieht.
Die Beweiſe vom Daſeyn Gottes geben einen Grund für dieſes Daſeyn an. Er ſoll nicht ein objectiver Grund des Daſeyns Gottes ſeyn; denn dieſes iſt an und für ſich ſelbſt. So iſt er bloß ein Grund für die Erkenntniß. Damit giebt er ſich zugleich für ein ſolches aus, das in dem Gegenſtande, der zunächſt als begründet dadurch erſcheint, verſchwindet. Der Grund nun, der von der Zufälligkeit der Welt hergenommen iſt, enthält den Rückgang derſelben in das abſolute Weſen; denn das Zufällige iſt das an ſich ſelbſt Grundloſe, und ſich Aufhebende. Das abſolute Weſen geht ſomit in dieſer Weiſe in der That aus dem Grundloſen hervor; der Grund hebt ſich ſelbſt auf, ſomit verſchwindet auch der Schein des Verhältniſſes, das Gott gegeben wurde, ein in einem Andern Begründetes zu ſeyn. Dieſe Vermittelung iſt hiermit die wahrhafte. Allein jene beweiſende Reflexion kennt dieſe Natur in ihrer Vermittelung nicht; ſie nimmt ſich einerſeits für ein bloß Subjectives, und entfernt hiermit ihre Vermittelung von Gott ſelbſt, anderntheils aber erkennt ſie deswegen nicht die vermittelnde Bewegung, daß und wie ſie im Weſen ſelbſt iſt. Ihr wahrhaftes Verhältniß beſteht darin, daß ſie Beides in Einem iſt, die Vermittelung als ſolche, aber zugleich allerdings eine ſubjective, äußerliche, nämlich die ſich äußerliche Vermittelung, welche ſich an ihr ſelbſt wieder aufhebt. In jener Darſtellung aber erhält die Exiſtenz das ſchiefe Verhältniß, nur als Vermitteltes oder Geſetztes zu erſcheinen.
So kann auf der andern Seite die Exiſtenz auch nicht bloß als Unmittelbares betrachtet werden. In der Beſtimmung einer Unmittelbarkeit genommen, iſt das Auffaſſen der Exiſtenz Gottes, für etwas Unbeweisbares, und das Wiſſen von ihr als ein nur unmittelbares Bewußtſeyn, als ein Glauben ausgedrückt worden. Das Wiſſen ſoll zu dieſem Reſultate kommen, daß es Nichts weiß, das heißt, daß es ſeine vermittelnde Bewegung und die in ihr vorkommenden Beſtimmungen ſelbſt wieder aufgiebt. Dieß hat ſich auch im Vorhergehenden ergeben; allein es iſt hinzuzuſetzen, daß die Reflexion, indem ſie mit dem Aufheben ihrer ſelbſt endigt, darum nicht das Nichts zum Reſultat hat, ſo daß nun das poſitive Wiſſen vom Weſen als unmittelbare Beziehung auf daſſelbe, von jenem Reſultate getrennt und ein eigenes Hervorgehen, ein nur von ſich anfangender Act wäre; ſondern dieß Ende ſelbſt, dieß zu Grunde gehen der Vermittelung, iſt zugleich der Grund, aus dem das Unmittelbare hervorgeht. Die Sprache vereinigt, wie oben bemerkt, die Bedeutung dieſes Untergangs und des Grundes; man ſagt, das Weſen Gottes ſey der Abgrund für die endliche Vernunft. Er iſt es in der That, inſofern ſie darin ihre Endlichkeit aufgiebt und ihre vermittelnde Bewegung verſenkt; aber dieſer Abgrund, der negative Grund, iſt zugleich der poſitive des Hervorgehens des Seyenden, des an ſich ſelbſt unmittelbaren Weſens; die Vermittelung iſt weſentliches Moment. Die Vermittelung durch den Grund hebt ſich auf, läßt aber nicht den Grund unten, ſo daß das aus ihm Hervorgehende ein Geſetztes wäre, das ſein Weſen anderswo, nämlich im Grunde hätte, ſondern dieſer Grund iſt als Abgrund die verſchwundene Vermittelung; und umgekehrt iſt nur die verſchwundene Vermittelung zugleich der Grund, und nur durch dieſe Negation das ſich ſelbſt Gleiche und Unmittelbare.
So iſt die Exiſtenz hier nicht als ein Prädicat oder als Beſtimmung des Weſens zu nehmen, daß ein Satz davon hieße: Das Weſen exiſtirt, oder hat Exiſtenz; — ſondern das Weſen iſt in die Exiſtenz übergegangen; die Exiſtenz iſt ſeine abſolute Entäußerung, jenſeits deren es nicht zurückgeblieben iſt. Der Satz alſo hieße: Das Weſen iſt die Exiſtenz; es iſt nicht von ſeiner Exiſtenz unterſchieden. — Das Weſen iſt in die Exiſtenz übergegangen, inſofern das Weſen als Grund ſich von ſich als dem Begründeten nicht mehr unterſcheidet, oder jener Grund ſich aufgehoben hat. Aber dieſe Negation iſt ebenſo weſentlich ſeine Poſition, oder ſchlechthin poſitive Continuität mit ſich ſelbſt; die Exiſtenz iſt die Reflexion des Grundes in ſich; ſeine in ſeiner Negation zu Stande gekommene Identität mit ſich ſelbſt, alſo die Vermittelung, die ſich mit ſich identiſch geſetzt hat, und dadurch Unmittelbarkeit iſt.
Weil nun die Exiſtenz weſentlich die mit ſich identiſche Vermittelung iſt, ſo hat ſie die Beſtimmungen der Vermittelung an ihr, aber ſo, daß ſie zugleich in ſich reflectirte ſind, und das weſentliche und unmittelbare Beſtehen haben. Als die durch Aufheben ſich ſetzende Unmittelbarkeit iſt die Exiſtenz negative Einheit und Inſichſeyn; ſie beſtimmt ſich daher unmittelbar als ein Exiſtirendes und als Ding.
Die Exiſtenz als Exiſtirendes iſt geſetzt in der Form der negativen Einheit, welche ſie weſentlich iſt. Aber dieſe negative Einheit iſt zunächſt nur unmittelbare Beſtimmung, ſomit das Eins des Etwas überhaupt. Das exiſtirende Etwas iſt aber unterſchieden von dem ſeyenden Etwas. Jenes iſt weſentlich eine ſolche Unmittelbarkeit, die durch die Reflexion der Vermittelung in ſich ſelbſt entſtanden iſt. So iſt das exiſtirende Etwas ein Ding.
Das Ding wird von ſeiner Exiſtenz unterſchieden, wie das Etwas von ſeinem Seyn unterſchieden werden kann. Das Ding und das Exiſtirende iſt unmittelbar eins und daſſelbe. Aber weil die Exiſtenz nicht die erſte Unmittelbarkeit des Seyns iſt, ſondern das Moment der Vermittelung an ihr ſelbſt hat, ſo iſt ihre Beſtimmung zum Dinge und die Unterſcheidung beider nicht ein Uebergang, ſondern eigentlich eine Analyſe; und die Exiſtenz als ſolche enthält dieſe Unterſcheidung ſelbſt in dem Momente ihrer Vermittelung; den Unterſchied von Ding-an-ſich, und von äußerlicher Exiſtenz.
1. Das Ding an ſich iſt das Exiſtirende als das durch die aufgehobene Vermittelung vorhandene, weſentliche Unmittelbare. Darin iſt dem Ding an ſich die Vermittelung ebenſo weſentlich; aber dieſer Unterſchied in dieſer erſten oder unmittelbaren Exiſtenz fällt in gleichgültige Beſtimmungen auseinander. Die eine Seite, nämlich die Vermittelung des Dinges iſt ſeine nicht reflectirte Unmittelbarkeit; alſo ſein Seyn überhaupt, das, weil es zugleich als Vermittelung beſtimmt iſt, ein ſich ſelbſt anderes, in ſich mannigfaltiges und äußerliches Daſeyn iſt. Es iſt aber nicht nur Daſeyn, ſondern in Beziehung auf die aufgehobene Vermittelung und weſentliche Unmittelbarkeit; es iſt daher das Daſeyn als Unweſentliches, als Geſetztſeyn. — (Wenn das Ding von ſeiner Exiſtenz unterſchieden wird, ſo iſt es das Mögliche, das Ding der Vorſtellung, oder das Gedankending, welches als ſolches nicht zugleich exiſtiren ſoll. Die Beſtimmung der Möglichkeit und der Gegenſatz des Dings gegen ſeine Exiſtenz iſt jedoch ſpäter.) — Aber das Ding-an-ſich und ſein vermitteltes Seyn ſind beide in der Exiſtenz enthalten, und beide ſelbſt Exiſtenzen; das Ding-an-ſich exiſtirt, und iſt die weſentliche, das vermittelte Seyn aber die unweſentliche Exiſtenz des Dinges.
Das Ding an ſich, als das einfache Reflectirt-ſeyn der Exiſtenz in ſich, iſt nicht der Grund des unweſentlichen Daſeyns; es iſt die unbewegte, unbeſtimmte Einheit, weil es eben die Beſtimmung hat, die aufgehobene Vermittelung zu ſeyn, und daher nur die Grundlage deſſelben. Darum fällt auch die Reflexion als das ſich durch Anderes vermittelnde Daſeyn außer dem Dinge-an-ſich. Dieſes ſoll keine beſtimmte Mannigfaltigkeit an ihm ſelbſt haben; und erhält ſie deswegen erſt an die äußerliche Reflexion gebracht; aber bleibt gleichgültig dagegen. (— Das Ding-an-ſich hat Farbe erſt an das Auge gebracht, Geruch an die Naſe u. ſ. f.) Seine Verſchiedenheit ſind Rückſichten, welche ein Anderes nimmt, beſtimmte Beziehungen, die ſich dieſes auf das Ding-an-ſich giebt, und die nicht eigene Beſtimmungen deſſelben ſind.
2. Dieß Andere iſt nun die Reflexion, welche beſtimmt als äußerlich erſtens ſich ſelbſt äußerlich, und die beſtimmte Mannigfaltigkeit iſt. Alsdann iſt ſie dem weſentlich Exiſtirenden äußerlich, und bezieht ſich darauf als auf ſeine abſolute Vorausſetzung. Dieſe beiden Momente der äußerlichen Reflexion aber, ihre eigene Mannigfaltigkeit und ihre Beziehung auf das ihr andere Ding-an-ſich, ſind ein und daſſelbe. Denn dieſe Exiſtenz iſt nur äußerlich, inſofern ſie ſich auf die weſentliche Identität als auf ein Anderes bezieht. Die Mannigfaltigkeit hat daher nicht jenſeits des Dinges-an-ſich ein eigenes ſelbſtſtändiges Beſtehen, ſondern iſt erſt als Schein gegen dieſes, in ihrer nothwendigen Beziehung darauf, als der ſich an ihm brechende Reflex. Die Verſchiedenheit iſt alſo vorhanden, als die Beziehung eines Andern auf das Ding-an-ſich; aber dieſes Andere iſt nichts für ſich Beſtehendes, ſondern iſt erſt als Beziehung auf das Ding-an-ſich; zugleich aber iſt es nur als das Abſtoßen von dieſem; es iſt ſo der haltloſe Gegenſatz ſeiner in ſich ſelbſt.
Dem Ding-an-ſich nun, da es die weſentliche Identität der Exiſtenz iſt, kommt daher dieſe weſenloſe Reflexion nicht zu, ſondern ſie fällt ihm äußerlich in ſich ſelbſt zuſammen. Sie geht zu Grunde, und wird damit ſelbſt zur weſentlichen Identität oder zum Ding-an-ſich. — Dieß kann auch ſo betrachtet werden: Die weſenloſe Exiſtenz hat am Ding-an-ſich ihre Reflexion in ſich; ſie bezieht ſich darauf zunächſt als auf ihr Anderes; aber als das Andere gegen das, was an ſich iſt, iſt ſie nur das Aufheben ihrer ſelbſt, und das Werden zum An-ſich-ſeyn. Das Ding-an-ſich iſt ſomit identiſch mit der äußerlichen Exiſtenz.
Dieß ſtellt ſich am Ding-an-ſich ſo dar. Das Ding-an-ſich iſt die ſich auf ſich beziehende, weſentliche Exiſtenz; es iſt nur inſofern die Identität mit ſich, als es die Negativität der Reflexion in ſich ſelbſt enthält; das was als ihm äußerliche Exiſtenz erſchien, iſt daher Moment in ihm ſelbſt. Es iſt deswegen auch ſich von ſich abſtoßendes Ding-an-ſich, das ſich alſo zu ſich als zu einem Andern verhält. Somit ſind nun mehrere Dinge-an-ſich vorhanden, die in der Beziehung der äußerlichen Reflexion auf einander ſtehen. Dieſe unweſentliche Exiſtenz iſt ihr Verhältniß zu einander als zu anderen; aber ſie iſt ihnen ferner ſelbſt weſentlich — oder dieſe unweſentliche Exiſtenz, indem ſie in ſich zuſammenfällt, iſt Ding-an-ſich; aber ein anderes, als jenes erſte; denn jenes erſte iſt unmittelbare Weſentlichkeit, dieſes aber das aus der unweſentlichen Exiſtenz hervorgehende. Allein dieſes andere Ding-an-ſich iſt nur ein Anderes überhaupt; denn als mit ſich identiſches Ding hat es weiter keine Beſtimmtheit gegen das erſte; es iſt die Reflexion der unweſentlichen Exiſtenz in ſich wie das erſte. Die Beſtimmtheit der verſchiedenen Dinge-an-ſich gegen einander fällt daher in die äußerliche Reflexion.
3. Dieſe äußerliche Reflexion iſt nunmehr ein Verhalten der Dinge-an-ſich zu einander, ihre gegenſeitige Vermittelung als anderer. Die Dinge-an-ſich ſind ſo die Extreme eines Schluſſes, deſſen Mitte ihre äußerliche Exiſtenz ausmacht, die Exiſtenz, durch welche ſie andere für einander und unterſchiedene ſind. Dieſer ihr Unterſchied fällt nur in ihre Beziehung; ſie ſchicken gleichſam nur von ihrer Oberfläche Beſtimmungen in die Beziehung, gegen welche ſie als abſolut in ſich reflectirte gleichgültig bleiben. — Dieſes Verhältniß macht nun die Totalität der Exiſtenz aus. Das Ding-an-ſich ſteht in Beziehung auf eine ihm äußerliche Reflexion, worin es mannigfaltige Beſtimmungen hat; es iſt dieß das Abſtoßen ſeiner von ſich ſelbſt in ein anderes Ding-an-ſich; dieß Abſtoßen iſt der Gegenſtoß ſeiner in ſich ſelbſt, indem jedes nur ein Anderes iſt als ſich aus dem Andern wiederſcheinend; es hat ſein Geſetztſeyn nicht an ihm ſelbſt, ſondern an dem Andern, iſt beſtimmt nur durch die Beſtimmtheit des Andern; dieß Andere iſt ebenſo beſtimmt nur durch die Beſtimmtheit des erſten. Aber die beiden Dinge-an-ſich, da ſie hiermit nicht die Verſchiedenheit an ihnen ſelbſt haben, ſondern jedes nur an dem andern, ſind keine unterſchiedene; das Ding-an-ſich verhält ſich, indem es ſich auf das andere Extrem als ein anderes Ding-an-ſich verhalten ſoll, zu einem von ihm Ununterſchiedenen, und die äußerliche Reflexion, welche die vermittelnde Beziehung zwiſchen Extremen ausmachen ſollte, iſt ein Verhalten des Dings-an-ſich nur zu ſich ſelbſt, oder weſentlich ſeine Reflexion in ſich; ſie iſt ſomit an ſich ſeyende Beſtimmtheit, oder die Beſtimmtheit des Dings-an-ſich. Dieſes hat dieſelbe alſo nicht in einer ihm äußerlichen Beziehung auf ein anderes Ding-an-ſich, und des Anderen auf es; die Beſtimmtheit iſt nicht nur eine Oberfläche deſſelben, ſondern iſt die weſentliche Vermittelung ſeiner mit ſich als mit einem Andern. — Die beiden Dinge-an-ſich, welche die Extreme der Beziehung ausmachen ſollen, indem ſie an ſich keine Beſtimmtheit gegen einander haben ſollen, fallen in der That in eins zuſammen; es iſt nur Ein Ding-an-ſich, das in der äußerlichen Reflexion ſich zu ſich ſelbſt verhält, und es iſt deſſen eigene Beziehung auf ſich als auf ein Anderes, was deſſen Beſtimmtheit ausmacht.
Dieſe Beſtimmtheit des Dings-an-ſich iſt die Eigenſchaft des Dings.
Die Qualität iſt die unmittelbare Beſtimmtheit des Etwas; das Negative ſelbſt, wodurch das Seyn Etwas iſt. So iſt die Eigenſchaft des Dings die Negativität der Reflexion, wodurch die Exiſtenz überhaupt ein Exiſtirendes, und als einfache Identität mit ſich, Ding-an-ſich iſt. Die Negativität der Reflexion, die aufgehobene Vermittelung, iſt aber weſentlich ſelbſt Vermittelung, und Beziehung, nicht auf ein Anderes überhaupt, wie die Qualität als die nicht reflectirte Beſtimmtheit; ſondern Beziehung auf ſich als auf ein Anderes; oder Vermittelung, die unmittelbar ebenſo ſehr Identität mit ſich iſt. Das abſtracte Ding an-ſich iſt ſelbſt dieß aus Anderem in ſich zurückkehrende Verhalten; es iſt dadurch an ſich ſelbſt beſtimmt; aber ſeine Beſtimmtheit iſt Beſchaffenheit, die als ſolche ſelbſt Beſtimmung iſt, und als Verhalten zu Anderem nicht in das Andersſeyn übergeht und der Veränderung entnommen iſt.
Ein Ding hat Eigenſchaften; ſie ſind erſtlich ſeine beſtimmten Beziehungen auf Anderes; die Eigenſchaft iſt nur vorhanden als eine Weiſe des Verhaltens zu einander; ſie iſt daher die äußerliche Reflexion, und die Seite des Geſetztſeyns des Dings. Aber zweitens iſt das Ding in dieſem Geſetztſeyn an ſich; es erhält ſich, in der Beziehung auf Anderes; es iſt alſo allerdings nur eine Oberfläche, mit der die Exiſtenz ſich dem Werden des Seyns und der Veränderung preisgiebt; die Eigenſchaft verliert ſich darin nicht. Ein Ding hat die Eigenſchaft, dieß oder jenes im Andern zu bewirken und auf eine eigenthümliche Weiſe ſich in ſeiner Beziehung zu äußern. Es beweiſt dieſe Eigenſchaft nur unter der Bedingung einer entſprechenden Beſchaffenheit des anderen Dinges, aber ſie iſt ihm zugleich eigenthümlich und ſeine mit ſich identiſche Grundlage; — dieſe reflectirte Qualität heißt darum Eigenſchaft. Es geht darin in eine Aeußerlichkeit über, aber die Eigenſchaft erhält ſich darin. Das Ding wird durch ſeine Eigenſchaften Urſache, und die Urſache iſt dieß, als Wirkung ſich zu erhalten. Jedoch iſt hier das Ding nur erſt das ruhige Ding von vielen Eigenſchaften; noch nicht als wirkliche Urſache beſtimmt; es iſt nur erſt die anſichſeyende, noch nicht ſelbſt die ſetzende Reflexion ſeiner Beſtimmungen.
Das Ding-an-ſich iſt alſo, wie ſich ergeben hat, weſentlich nicht nur ſo Ding-an-ſich, daß ſeine Eigenſchaften Geſetztſeyn einer äußerlichen Reflexion ſind, ſondern ſie ſind ſeine eigenen Beſtimmungen, durch die es ſich auf beſtimmte Weiſe verhält; es iſt nicht eine jenſeits ſeiner äußerlichen Exiſtenz befindliche beſtimmungsloſe Grundlage; ſondern iſt in ſeinen Eigenſchaften, als Grund vorhanden, das heißt, die Identität mit ſich in ſeinem Geſetztſeyn; aber zugleich als bedingter Grund; das heißt, ſein Geſetztſeyn iſt ebenſo ſehr ſich äußerliche Reflexion; es iſt nur inſofern in ſich reflectirt und an ſich, inſofern es äußerlich iſt. — Durch die Exiſtenz tritt das Ding-an-ſich in äußerliche Beziehungen; und die Exiſtenz beſteht in dieſer Aeußerlichkeit; ſie iſt die Unmittelbarkeit des Seyns, und das Ding dadurch der Veränderung unterworfen; aber ſie iſt auch die reflectirte Unmittelbarkeit des Grundes, das Ding ſomit an ſich in ſeiner Veränderung. — Dieſe Erwähnung der Grundbeziehung iſt jedoch hier nicht ſo zu nehmen, daß das Ding überhaupt als Grund ſeiner Eigenſchaften beſtimmt ſey; die Dingheit ſelbſt iſt als ſolche die Grundbeſtimmung, die Eigenſchaft iſt nicht von ihrem Grunde unterſchieden, noch macht ſie bloß das Geſetztſeyn aus, ſondern iſt der in ſeine Aeußerlichkeit übergegangene, und damit wahrhaft in ſich reflectirte Grund; die Eigenſchaft ſelbſt als ſolche iſt der Grund, an ſich ſeyendes Geſetztſeyn, oder er macht die Form ihrer Identität mit ſich aus; ihre Beſtimmtheit iſt die ſich äußerliche Reflexion des Grundes; und das Ganze der in ſeinem Abſtoßen und Beſtimmen, in ſeiner äußerlichen Unmittelbarkeit ſich auf ſich beziehende Grund. — Das Ding-an-ſich exiſtirt alſo weſentlich, und daß es exiſtirt, heißt umgekehrt, die Exiſtenz iſt als äußerliche Unmittelbarkeit zugleich Anſichſeyn.
Anmerkung.
Es iſt ſchon oben (1. Thl. 1. Abth. S. 120) bei dem Momente des Daſeyns, dem Anſichſeyn, des Dings-an-ſich erwähnt, und dabei bemerkt worden, daß das Ding-an-ſich als ſolches, nichts Anderes, als die leere Abſtraction von aller Beſtimmtheit iſt, von dem man allerdings nichts wiſſen kann, eben darum weil es die Abſtraction von aller Beſtimmung ſeyn ſoll. — Nachdem ſo das Ding-an-ſich als das Unbeſtimmte vorausgeſetzt wird, ſo fällt alle Beſtimmung außerhalb deſſelben, in eine ihm fremde Reflexion, gegen welche es gleichgültig iſt. Dem transcendentalen Idealismus iſt dieſe äußerliche Reflexion das Bewußtſeyn. Indem dieſes philoſophiſche Syſtem alle Beſtimmtheit der Dinge ſowohl der Form als dem Inhalte nach in das Bewußtſeyn verlegt, ſo fällt es nach dieſem Standpunkt in mich, in das Subject, daß ich die Baumblätter nicht als ſchwarz, ſondern als grün, die Sonne rund und nicht viereckig ſehe, den Zucker ſüß und nicht bitter ſchmecke; daß ich den erſten und zweiten Schlag einer Uhr als ſuccedirend, und nicht neben einander, noch den erſten als Urſache, auch nicht als Wirkung des zweiten beſtimme u. ſ. f. — Dieſer grellen Darſtellung des ſubjectiven Idealismus widerſpricht unmittelbar das Bewußtſeyn der Freiheit, nach welchem Ich mich vielmehr als das Allgemeine und Unbeſtimmte weiß, jene mannigfaltigen und nothwendigen Beſtimmungen von mir abtrenne und ſie als ein für mich Aeußerliches nur den Dingen Zukommendes erkenne. — Ich iſt in dieſem Bewußtſeyn ſeiner Freiheit ſich diejenige wahrhafte in ſich reflectirte Identität, welche das Ding-an-ſich ſeyn ſollte. — Anderwärts habe ich gezeigt, daß jener transcendentale Idealismus über die Beſchränktheit des Ich durch das Object, überhaupt über die endliche Welt nicht hinauskommt, ſondern allein die Form der Schranke, die ihm ein Abſolutes bleibt, ändert, indem er ſie nämlich nur aus der objectiven Geſtalt in die ſubjective überſetzt, und dasjenige zu Beſtimmtheiten des Ich und einem in dieſem als einem Dinge vorgehenden wilden Wechſel derſelben macht, was das gewöhnliche Bewußtſeyn als eine ihm nur äußerlichen Dingen angehörige Mannigfaltigkeit und Veränderung weiß. — In der gegenwärtigen Betrachtung ſteht nur das Ding-an-ſich und die ihm zunächſt äußerliche Reflexion gegenüber; dieſe hat ſich noch nicht als Bewußtſeyn beſtimmt; wie auch das Ding-an-ſich nicht als Ich. Aus der Natur des Dinges-an-ſich und der äußerlichen Reflexion hat ſich ergeben, daß dieſes Aeußerliche ſelbſt ſich zum Dinge-an-ſich beſtimmt, oder umgekehrt zur eigenen Beſtimmung jenes erſten Dinges-an-ſich wird. Das Weſentliche der Unzulänglichkeit des Standpuncts, auf dem jene Philoſophie ſtehen bleibt, beſteht nun darin, daß ſie an dem abſtracten Dinge-an-ſich als einer letzten Beſtimmung feſt hält und die Reflexion, oder die Beſtimmtheit und Mannigfaltigkeit der Eigenſchaften dem Dinge-an-ſich gegenüber ſtellt, indem in der That das Ding-an-ſich weſentlich jene äußerliche Reflexion an ihm ſelbſt hat, und ſich zu einem mit eigenen Beſtimmungen, mit Eigenſchaften begabten beſtimmt, wodurch ſich die Abſtraction des Dinges, reines Ding-an-ſich zu ſeyn, als eine unwahre Beſtimmung erweiſt.
Das Ding-an-ſich exiſtirt weſentlich; die äußerliche Unmittelbarkeit und die Beſtimmtheit gehört zu ſeinem Anſichſeyn, oder zu ſeiner Reflexion-in-ſich. Das Ding an-ſich iſt dadurch ein Ding, das Eigenſchaften hat, und es ſind dadurch mehrere Dinge, die nicht durch eine ihnen fremde Rückſicht, ſondern ſich durch ſich ſelbſt von einander unterſcheiden. Dieſe mehrern verſchiedenen Dinge ſtehen in weſentlicher Wechſelwirkung durch ihre Eigenſchaften; die Eigenſchaft iſt dieſe Wechſelbeziehung ſelbſt, und das Ding iſt nichts außer derſelben; die gegenſeitige Beſtimmung, die Mitte der Dinge-an-ſich, die als Extreme gleichgültig gegen dieſe ihre Beziehung bleiben ſollten, iſt ſelbſt die mit ſich identiſche Reflexion und das Ding-an-ſich, das jene Extreme ſeyn ſollten. Die Dingheit iſt damit zur Form der unbeſtimmten Identität mit ſich herabgeſetzt, die ihre Weſentlichkeit nur in ihrer Eigenſchaft hat. Wenn daher von einem Dinge oder von Dingen überhaupt ohne die beſtimmte Eigenſchaft die Rede iſt, ſo iſt ihr Unterſchied ein bloß gleichgültiger, quantitativer. Daſſelbe, was als ein Ding betrachtet wird, kann ebenſo ſehr zu mehrern Dingen gemacht, oder als mehrere Dinge betrachtet werden; es iſt eine äußerliche Trennung oder Vereinigung. — Ein Buch iſt ein Ding, und jedes ſeiner Blätter iſt auch ein Ding, und ebenſo jedes Stückchen ſeiner Blätter und ſofort ins Unendliche. Die Beſtimmtheit, wodurch ein Ding nur dieſes Ding iſt, liegt allein in ſeinen Eigenſchaften. Es unterſcheidet ſich durch ſie von andern Dingen, weil die Eigenſchaft die negative Reflexion und das Unterſcheiden iſt; das Ding hat daher nur in ſeiner Eigenſchaft den Unterſchied ſeiner von andern, an ihm ſelbſt. Sie iſt der in ſich reflectirte Unterſchied, wodurch das Ding in ſeinem Geſetztſeyn, d. h. in ſeiner Beziehung auf Anderes zugleich gleichgültig gegen das Andere und gegen ſeine Beziehung iſt. Dem Dinge ohne ſeine Eigenſchaften bleibt deswegen nichts als das abſtracte An-ſich-ſeyn, ein unweſentlicher Umfang und äußerliches Zuſammenfaſſen. Das wahrhafte Anſichſeyn iſt das Anſichſeyn in ſeinem Geſetztſeyn; dieſes iſt die Eigenſchaft. Damit iſt die Dingheit in die Eigenſchaft übergegangen.
Das Ding ſollte ſich als an-ſich-ſeyendes Extrem gegen die Eigenſchaft verhalten und dieſe die Mitte zwiſchen den in Beziehung ſtehenden Dingen ausmachen. Allein dieſe Beziehung iſt das, worin die Dinge ſich als die ſich von ſich ſelbſt abſtoßende Reflexion begegnen, worin ſie unterſchieden und bezogen ſind. Dieſer ihr Unterſchied und ihre Beziehung iſt Eine Reflexion und Eine Continuität derſelben. Die Dinge ſelbſt fallen hiermit nur in dieſe Continuität, welche die Eigenſchaft iſt und verſchwinden als beſtehende Extreme, die außer dieſer Eigenſchaft eine Exiſtenz hätten.
Die Eigenſchaft, welche die Beziehung der ſelbſtſtändigen Extreme ausmachen ſollte, iſt daher das Selbſtſtändige ſelbſt. Die Dinge dagegen ſind das Unweſentliche. Sie ſind ein Weſentliches nur als die, als ſich unterſcheidend ſich auf ſich beziehende Reflexion; aber dieß iſt die Eigenſchaft. Dieſe iſt alſo nicht die im Dinge aufgehobene, oder ſein bloßes Moment; ſondern das Ding iſt in Wahrheit nur jener unweſentliche Umfang, der zwar negative Einheit iſt, aber nur wie das Eins des Etwas, nämlich ein unmittelbares Eins. Wenn vorhin das Ding als unweſentlicher Umfang inſofern beſtimmt wurde, als es durch eine äußerliche Abſtraction, welche die Eigenſchaft von demſelben wegläßt, dazu gemacht werde, ſo iſt nunmehr dieſe Abſtraction durch das Uebergehen des Dings-an-ſich in die Eigenſchaft ſelbſt geſchehen, aber mit umgekehrtem Werthe, ſo daß wenn jenem Abſtrahiren das abſtracte Ding ohne ſeine Eigenſchaft noch als das Weſentliche, die Eigenſchaft aber als eine äußerliche Beſtimmung vorſchwebt, hier das Ding als ſolches ſich durch ſich ſelbſt zu einer gleichgültigen äußerlichen Form der Eigenſchaft beſtimmt. — Dieſe iſt ſomit nunmehr befreit von der unbeſtimmten und kraftloſen Verbindung, die das Eins des Dinges iſt; ſie iſt das, was das Beſtehen deſſelben ausmacht; eine ſelbſtſtändige Materie. — Indem ſie einfache Continuität mit ſich iſt, hat ſie die Form zunächſt nur als Verſchiedenheit an ihr; es giebt daher mannigfaltige dergleichen ſelbſtſtändige Materien und das Ding beſteht aus ihnen.
Der Uebergang der Eigenſchaft in eine Materie oder in einen ſelbſtſtändigen Stoff iſt der bekannte Uebergang, den an der ſinnlichen Materie die Chemie macht, indem ſie die Eigenſchaften der Farbe, des Geruchs, des Geſchmacks u. ſ. f. als Lichtſtoff, Färbeſtoff, Riechſtoff, ſauren, bittern u. ſ. f. Stoff darzuſtellen ſucht oder andere wie den Wärmeſtoff, die elektriſche, magnetiſche Materie geradezu nur annimmt, und damit die Eigenſchaften in ihrer Wahrhaftigkeit zu handhaben überzeugt iſt. — Ebenſo geläufig iſt der Ausdruck, daß die Dinge aus verſchiedenen Materien oder Stoffen beſtehen. Man hütet ſich, dieſe Materien oder Stoffe Dinge zu nennen; ob man wohl auch einräumen wird, daß z. B. ein Pigment ein Ding iſt; ich weiß aber nicht, ob z. B. auch der Lichtſtoff, der Wärmeſtoff, oder die elektriſche Materie u. ſ. f. Dinge genannt werden. Man unterſcheidet die Dinge und ihre Beſtandtheile, ohne genau anzugeben, ob dieſe und in wie weit ſie auch Dinge, oder etwa nur Halbdinge ſeyen; aber Exiſtirende überhaupt ſind ſie wenigſtens.
Die Nothwendigkeit, von den Eigenſchaften zu Materien überzugehen, oder daß die Eigenſchaften in Wahrheit Materien ſind, hat ſich daraus ergeben, daß ſie das Weſentliche und damit das wahrhaft Selbſtſtändige der Dinge ſind. — Zugleich aber macht die Reflexion der Eigenſchaft in ſich nur die eine Seite der ganzen Reflexion aus; nämlich das Aufheben des Unterſchieds und die Continuität der Eigenſchaft, die eine Exiſtenz für Anderes ſeyn ſollte, mit ſich ſelbſt. Die Dingheit, als die negative Reflexion in ſich, und das ſich von Anderem abſtoßende Unterſcheiden iſt dadurch zu einem unweſentlichen Momente herabgeſetzt; zugleich aber hat es ſich damit weiter beſtimmt. Dieß negative Moment hat ſich erſtens erhalten; denn die Eigenſchaft iſt nur inſofern mit ſich continuirlich und ſelbſtſtändige Materie geworden, als ſich der Unterſchied der Dinge aufgehoben hat; die Continuität der Eigenſchaft in das Andersſeyn enthält alſo ſelbſt das Moment des Negativen, und ihre Selbſtſtändigkeit iſt zugleich als dieſe negative Einheit das wiederhergeſtellte Etwas der Dingheit; die negative Selbſtſtändigkeit gegen die poſitive des Stoffes. Zweitens iſt hierdurch das Ding aus ſeiner Unbeſtimmtheit zur vollkommenen Beſtimmtheit gediehen. Als Ding an ſich iſt es die abſtracte Identität, die einfach negative Exiſtenz, oder ſie beſtimmt als das Unbeſtimmte; alsdann iſt es beſtimmt durch ſeine Eigenſchaften, durch welche es ſich von andern unterſcheidet ſoll; aber indem es durch die Eigenſchaft vielmehr continuirlich mit andern iſt, ſo hebt ſich dieſer unvollkommene Unterſchied auf; das Ding iſt dadurch in ſich zurückgegangen und nun beſtimmt als beſtimmt; es iſt an ſich beſtimmt oder dieſes Ding. —
Aber drittens iſt dieſe Rückkehr in ſich zwar die ſich auf ſich beziehende Beſtimmung; aber ſie iſt zugleich unweſentlich; das mit ſich continuirliche Beſtehen macht die ſelbſtſtändige Materie aus, in welcher der Unterſchied der Dinge, ihre an und für ſich ſeyende Beſtimmtheit aufgehoben und ein Aeußerliches iſt. Das Ding als dieſes iſt alſo zwar vollkommene Beſtimmtheit, aber es iſt dieß die Beſtimmtheit im Elemente der Unweſentlichkeit.
Dieß von Seite der Bewegung der Eigenſchaft aus betrachtet, ergiebt ſich ſo. Die Eigenſchaft iſt nicht nur äußerliche Beſtimmung, ſondern an ſich ſeyende Exiſtenz. Dieſe Einheit der Aeußerlichkeit und Weſentlichkeit ſtößt ſich, weil ſie die Reflexion-in-ſich und die Reflexion in Anderes enthält, von ſich ſelbſt ab, und iſt einerſeits die Beſtimmung als einfaches ſich identiſch auf ſich beziehendes Selbſtſtändiges, in welchem die negative Einheit, das Eins des Dinges ein Aufgehobenes iſt; — andererſeits dieſe Beſtimmung gegen Anderes, aber ebenfalls als in ſich reflectirtes, an ſich beſtimmtes Eins; die Materien alſo, und dieſes Ding. Dieß ſind die zwei Momente der mit ſich identiſchen Aeußerlichkeit, oder der in ſich reflectirten Eigenſchaft. — Die Eigenſchaft war das, wodurch ſich die Dinge unterſcheiden ſollten; indem ſie ſich von dieſer ihrer negativen Seite, einem Andern zu inhäriren, befreit hat, ſo iſt damit auch das Ding von ſeinem Beſtimmtſeyn durch andere Dinge befreit worden, und aus der Beziehung auf Anderes in ſich zurückgegangen; aber es iſt zugleich nur das ſich Anderes gewordene Ding-an-ſich; weil die mannigfaltigen Eigenſchaften ihrerſeits ſelbſtſtändig, hierin alſo ihre negative Beziehung in dem Eins des Dinges nur eine aufgehobene gewordene iſt; es iſt darum die mit ſich identiſche Negation nur gegen die poſitive Continuität des Stoffes.
Das Dieſe macht alſo ſo die vollkommene Beſtimmtheit des Dinges aus, daß ſie zugleich eine äußerliche iſt. Das Ding beſteht aus ſelbſtſtändigen Materien, die gegen ihre Beziehung im Dinge gleichgültig ſind. Dieſe Beziehung iſt daher nur eine unweſentliche Verknüpfung derſelben, und der Unterſchied eines Dinges von anderen beruht darauf, ob mehrere der beſonderen Materien und in welcher Menge ſie ſich in ihm befinden. Sie gehen über dieſes Ding hinaus, continuiren ſich in andere, und dieſem Dinge anzugehören, iſt keine Schranke derſelben. Ebenſo wenig ſind ſie ferner eine Beſchränkung für einander, weil ihre negative Beziehung nur das kraftloſe Dieſe iſt. Sie heben ſich daher, indem ſie in ihm verbunden werden, nicht auf; ſie ſind als Selbſtſtändige undurchdringlich für einander; beziehen ſich in ihrer Beſtimmtheit nur auf ſich, und ſind eine gegen einander gleichgültige Mannigfaltigkeit des Beſtehens; ſie ſind nur einer quantitativen Grenze fähig. — Das Ding als dieſes iſt dieſe ihre bloß quantitative Beziehung, eine bloße Sammlung, das Auch derſelben. Es beſteht aus irgend einem Quantum von einem Stoffe, auch aus dem eines andern, auch anderen; dieſen Zuſammenhang, keinen Zuſammenhang zu haben, macht allein das Ding aus.
Dieſes Ding, wie es ſich beſtimmt hat, als der bloß quantitative Zuſammenhang der freien Stoffe, iſt das ſchlechthin veränderliche. Seine Veränderung beſteht darin, daß eine oder mehrere Materien aus der Sammlung ausgeſchieden oder zu dieſem Auch hinzugefügt werden, oder daß ihr Mengenverhältniß zu einander verändert wird. Das Entſtehen und Vergehen dieſes Dings iſt die äußerliche Auflöſung ſolcher äußerlichen Verbindung, oder die Verbindung ſolcher, denen es gleichgültig iſt, verbunden zu ſeyn oder nicht. Die Stoffe circuliren aus dieſem Dinge unaufgehalten hinaus oder herein; es ſelbſt iſt die abſolute Poroſität ohne eigenes Maaß oder Form.
So iſt das Ding in ſeiner abſoluten Beſtimmtheit, wodurch es dieſes iſt, das ſchlechthin auflöſbare. Dieſe Auflöſung iſt ein äußerliches Beſtimmtwerden, ſo wie auch das Seyn deſſelben; aber ſeine Auflöſung und die Aeußerlichkeit ſeines Seyns iſt das Weſentliche dieſes Seyns; es iſt nur das Auch; es beſteht nur in dieſer Aeußerlichkeit. Aber es beſteht auch aus ſeinen Materien, und nicht nur das abſtracte Dieſes als ſolches, ſondern das ganze dieſe Ding iſt die Auflöſung ſeiner ſelbſt. Das Ding iſt nämlich beſtimmt als eine äußerliche Sammlung ſelbſtſtändiger Materien; dieſe Materien ſind nicht Dinge, ſie haben nicht die negative Selbſtſtändigkeit; ſondern ſind die Eigenſchaften als das Selbſtſtändige, nämlich das Beſtimmtſeyn, das als ſolches in ſich reflectirt iſt. Die Materien ſind daher zwar einfach und beziehen ſich nur auf ſich ſelbſt; aber ihr Inhalt iſt eine Beſtimmtheit; die Reflexion-in-ſich iſt nur die Form dieſes Inhalts, der nicht als ſolcher in ſich reflectirt iſt, ſondern nach ſeiner Beſtimmtheit ſich auf Anderes bezieht. Das Ding iſt daher nicht nur das Auch derſelben, — die Beziehung derſelben als gegen einander gleichgültiger, ſondern ebenſo ſehr ihre negative Beziehung; — um ihrer Beſtimmtheit ſind die Materien ſelbſt dieſe ihre negative Reflexion; welche die Punctualität des Dinges iſt. Die eine Materie iſt nicht, was die andere iſt, nach der Beſtimmtheit ihres Inhalts gegen einander; und die eine iſt nicht, inſofern die andere iſt, nach ihrer Selbſtſtändigkeit.
Das Ding iſt daher ſo die Beziehung der Materien, aus denen es beſteht, auf einander, daß in ihm die eine und die andere auch beſtehen, aber daß darin zugleich die eine nicht beſteht, inſofern die andere beſteht. Inſofern alſo die eine Materie in dem Dinge iſt, ſo iſt die andere dadurch aufgehoben; aber das Ding iſt zugleich das Auch, oder das Beſtehen der anderen. In dem Beſtehen der einen Materie beſteht daher die andere nicht, und ebenſo ſehr beſteht ſie auch in der erſtern; und ſo gegenſeitig alle dieſe verſchiedenen Materien. Indem alſo in derſelben Rückſicht, als die eine beſteht, auch die anderen beſtehen, welches Eine Beſtehen derſelben die Punctualität oder negative Einheit des Dings iſt, ſo durchdringen ſie ſich ſchlechthin; und indem das Ding zugleich nur das Auch derſelben, und die Materien in ihre Beſtimmtheit reflectirt ſind, ſo ſind ſie gleichgültig gegen einander, und berühren ſich in ihrer Durchdringung nicht. Die Materien ſind daher weſentlich porös, ſo daß die eine beſteht in den Poren oder in dem Nichtbeſtehen der anderen; aber dieſe anderen ſind ſelbſt porös; in ihren Poren oder ihrem Nichtbeſtehen beſteht auch die erſte, und alle die übrigen; ihr Beſtehen iſt zugleich ihr Aufgehobenſeyn, und das Beſtehen von anderen; und dieß Beſtehen der anderen iſt ebenſo ſehr dieſer ihr Aufgehobenſeyn und das Beſtehen der erſtern und auf gleiche Weiſe aller anderen. Das Ding iſt daher die ſich widerſprechende Vermittelung des ſelbſtſtändigen Beſtehens mit ſich durch ſein Gegentheil, nämlich durch ſeine Negation, oder einer ſelbſtſtändigen Materie durch das Beſtehen und Nichtbeſtehen einer andern. — Die Exiſtenz hat in dieſem Dinge ihre Vollſtändigkeit erreicht, nämlich in Einem an ſich ſeyendes Seyn oder ſelbſtſtändiges Beſtehen, und unweſentliche Exiſtenz zu ſeyn; die Wahrheit der Exiſtenz iſt daher, ihr Anſichſeyn in der Unweſentlichkeit, oder ihr Beſtehen in einem Andern und zwar dem abſolut Andern, oder zu ihrer Grundlage ihre Nichtigkeit zu haben. Sie iſt daher Erſcheinung.
Anmerkung.
Es iſt eine der geläufigſten Beſtimmungen des Vorſtellens, daß ein Ding aus vielen ſelbſtſtändigen Materien beſtehe. Einerſeits wird das Ding betrachtet, daß es Eigenſchaften habe, deren Beſtehen das Ding iſt. Andererſeits aber werden dieſe verſchiedenen Beſtimmungen als Materien genommen, deren Beſtehen nicht das Ding iſt, ſondern umgekehrt beſteht das Ding aus ihnen; es ſelbſt iſt nur ihre äußerliche Verbindung und quantitative Grenze. Beides, die Eigenſchaften und die Materien, ſind dieſelben Inhaltsbeſtimmungen, nur daß ſie dort Momente, in ihre negative Einheit als in eine von ihnen ſelbſt unterſchiedene Grundlage, die Dingheit, reflectirte ſind, hier ſelbſtſtändige verſchiedene, deren jedes in ſeine eigene Einheit mit ſich reflectirt iſt. Dieſe Materien nun beſtimmen ſich ferner als ſelbſtſtändiges Beſtehen; aber ſie ſind auch zuſammen in einem Dinge. Dieſes Ding hat die zwei Beſtimmungen, erſtlich dieſes zu ſeyn, und zweitens das Auch zu ſeyn. Das Auch iſt dasjenige, was in der äußeren Anſchauung als Raumausdehnung vorkommt; Dieſes aber, die negative Einheit, iſt die Punctualität des Dinges. Die Materien ſind zuſammen in der Punctualität, und ihr Auch oder die Ausdehnung iſt allenthalben dieſe Punctualität; denn das Auch als Dingheit iſt weſentlich auch als negative Einheit beſtimmt. Wo daher die eine dieſer Materien iſt, in einem und demſelben Puncte iſt die andere; das Ding hat nicht an einem andern Orte ſeine Farbe, an einem andern ſeinen Riechſtoff, an einem dritten ſeinen Wärmeſtoff u. ſ. f., ſondern in dem Puncte, in dem es warm iſt, iſt es auch farbig, ſauer, elektriſch u. ſ. w. Weil nun dieſe Stoffe nicht außer einander, ſondern in Einem Dieſen ſind, werden ſie als porös angenommen, ſo daß die eine in den Zwiſchenräumen der anderen exiſtirt. Diejenige, die ſich in den Zwiſchenräumen der anderen befindet, iſt aber auch ſelbſt porös; in ihren Poren exiſtirt daher umgekehrt die andere; aber nicht nur dieſe, ſondern auch die dritte, zehnte u. ſ. f. Alle ſind porös und in den Zwiſchenräumen einer jeden befinden ſich alle anderen, wie ſie ſich mit den übrigen in dieſen Poren einer jeden befindet. Sie ſind daher eine Menge, die ſich ſo gegenſeitig durchdringt, daß die durchdringenden von den anderen ebenſo durchdrungen werden, daß ſomit jede ihr eigenes Durchdrungenſeyn wieder durchdringt. Jede iſt als ihre Negation geſetzt, und dieſe Negation iſt das Beſtehen einer anderen; aber dieß Beſtehen iſt ebenſo ſehr die Negation dieſer andern und das Beſtehen der erſten.
Die Ausrede, durch welche das Vorſtellen den Widerſpruch des ſelbſtſtändigen Beſtehens der mehreren Materien in Einem, oder die Gleichgültigkeit derſelben gegen einander in ihrer Durchdringung abhält, pflegt bekanntlich die Kleinheit der Theile und der Poren zu ſeyn. Wo der Unterſchied-an-ſich, der Widerſpruch und die Negation der Negation eintritt, überhaupt wo begriffen werden ſoll, läßt das Vorſtellen ſich in den äußerlichen, den quantitativen Unterſchied herunterfallen; in Anſehung des Entſtehens und Vergehens nimmt es ſeine Zuflucht zur Allmähligkeit und in Anſehung des Seyns zur Kleinheit, worin das Verſchwindende zum Unbemerkbaren, der Widerſpruch zu einer Verwirrung herabgeſetzt, und das wahre Verhältniß in ein unbeſtimmtes Vorſtellen hinübergeſpielt wird, deſſen Trübheit das ſich Aufhebende rettet.
Näher aber dieſe Trübheit beleuchtet, ſo zeigt ſie ſich als der Widerſpruch, theils als der ſubjective des Vorſtellens, theils als der objective des Gegenſtands; das Vorſtellen ſelbſt enthält vollſtändig die Elemente deſſelben. Was es nämlich erſtlich ſelbſt thut, iſt der Widerſpruch, ſich an die Wahrnehmung halten und Dinge des Daſeyns vor ſich haben zu wollen, und andererſeits dem Nichtwahrnehmbaren, durch die Reflexion Beſtimmten, ſinnliches Daſeyn zuzuſchreiben; — die kleinen Theile und Poren ſollen zugleich ein ſinnliches Daſeyn ſeyn und es wird von ihrem Geſetztſeyn als von derſelben Weiſe der Realität geſprochen, — welche der Farbe, Wärme u. ſ. f. zukommt. Wenn ferner das Vorſtellen dieſen gegenſtändlichen Nebel, die Poren und die kleinen Theilchen, näher betrachtete, ſo erkennte es darin nicht nur eine Materie und auch deren Negation, ſo daß hier die Materie, und daneben ihre Negation, der Porus, und neben dieſem wieder Materie und ſo fort ſich befände, ſondern daß es in dieſem Dinge 1) die ſelbſtſtändige Materie, 2) ihre Negation oder Poroſität und die andere ſelbſtſtändige Materie in einem und demſelben Puncte hat, daß dieſe Poroſität und das ſelbſtſtändige Beſtehen der Materien in einander als in Einem eine gegenſeitige Negation und Durchdringen des Durchdringens iſt. — Die neueren Darſtellungen der Phyſik über die Verbreitung des Waſſerdampfes in der atmoſphäriſchen Luft und der Gasarten durch einander, heben eine Seite des Begriffs, der ſich hier über die Natur des Dinges ergeben hat, beſtimmter heraus. Sie zeigen nämlich, daß z. B. ein gewiſſes Volumen ebenſo viel Waſſerdampf aufnimmt, es ſey leer von atmoſphäriſcher Luft oder damit erfüllt; auch daß die Gasarten ſo ſich in einander verbreiten, daß jede für die andere ſo gut als ein Vacuum iſt, wenigſtens daß ſie in keiner chemiſchen Verbindung miteinander ſind, jedes ununterbrochen durch das andere mit ſich continuirlich bleibt und ſich in ſeiner Durchdringung mit den anderen, gleichgültig gegen ſie erhält. — Aber das weitere Moment im Begriffe des Dinges iſt, daß im Dieſen die eine Materie ſich befindet, wo die andere, und das Durchdringende in demſelben Puncte auch durchdrungen iſt, oder das Selbſtſtändige unmittelbar die Selbſtſtändigkeit eines Andern iſt. Dieß iſt widerſprechend; aber das Ding iſt nichts Anderes als dieſer Widerſpruch ſelbſt; darum iſt es Erſcheinung.
Eine ähnliche Bewandtniß, als es mit dieſen Materien hat, hat es im Geiſtigen mit der Vorſtellung der Seelenkräfte oder Seelenvermögen. Der Geiſt iſt in viel tieferem Sinne dieſes, die negative Einheit, in welcher ſich ſeine Beſtimmungen durchdringen. Aber als Seele vorgeſtellt, pflegt er häufig als ein Ding genommen zu werden. Wie man den Menſchen überhaupt aus Seele und Leib beſtehen läßt, deren jedes als ein Selbſtſtändiges für ſich gilt, ſo läßt man die Seele aus ſogenannten Seelenkräften beſtehen, deren jede eine für ſich beſtehende Selbſtſtändigkeit hat, oder eine unmittelbare für ſich nach ihrer Beſtimmtheit wirkende Thätigkeit iſt. Man ſtellt ſich ſo vor, daß hier der Verſtand, hier die Einbildungskraft für ſich wirke, daß man den Verſtand, das Gedächtniß, u. ſ. f. jede für ſich cultivire, und einſtweilen die anderen Kräfte in Unthätigkeit linker Hand liegen laſſe, bis die Reihe vielleicht, vielleicht auch nicht an ſie komme. Indem ſie in das materiell-einfache Seelending verlegt werden, welches als einfach immateriell ſey, ſo werden die Vermögen zwar nicht als beſondere Materien vorgeſtellt; aber als Kräfte werden ſie gleich indifferent gegen einander angenommen, als jene Materien. Aber der Geiſt iſt nicht jener Widerſpruch, welcher das Ding iſt, das ſich auflöſt und in Erſcheinung übergeht; ſondern er iſt ſchon an ihm ſelbſt der in ſeine abſolute Einheit nämlich den Begriff, zurückgegangene Widerſpruch, worin die Unterſchiede nicht mehr als ſelbſtſtändige, ſondern nur als beſondere Momente im Subjecte, der einfachen Individualität, zu denken ſind.
Die Exiſtenz iſt die Unmittelbarkeit des Seyns, zu der ſich das Weſen wieder hergeſtellt hat. Dieſe Unmittelbarkeit iſt an ſich die Reflexion des Weſens in ſich. Das Weſen iſt als Exiſtenz aus ſeinem Grunde herausgetreten, der ſelbſt in ſie übergegangen iſt. Die Exiſtenz iſt dieſe reflectirte Unmittelbarkeit, inſofern ſie an ihr ſelbſt die abſolute Negativität iſt. Sie iſt nunmehr auch als dieß geſetzt, indem ſie ſich als Erſcheinung beſtimmt hat.
Die Erſcheinung iſt daher zunächſt das Weſen in ſeiner Exiſtenz; das Weſen iſt unmittelbar an ihr vorhanden. Daß ſie nicht als unmittelbare, ſondern die reflectirte Exiſtenz iſt, dieß macht das Moment des Weſens an ihr aus; oder die Exiſtenz als weſentliche Exiſtenz iſt Erſcheinung.
Es iſt etwas nur Erſcheinung, — in dem Sinne, daß die Exiſtenz als ſolche nur ein Geſetztes, nicht an- und für-ſich-Seyendes iſt. Dieß macht ihre Weſentlichkeit aus, an ihr ſelbſt die Negativität der Reflexion, die Natur des Weſens, zu haben. Es iſt dieß nicht eine fremde, äußerliche Reflexion, welcher das Weſen zugehörte, und die durch Vergleichung deſſelben mit der Exiſtenz dieſe für Erſcheinung erklärte. Sondern, wie ſich ergeben hat, iſt dieſe Weſentlichkeit der Exiſtenz, Erſcheinung zu ſeyn, die eigene Wahrheit der Exiſtenz. Die Reflexion, wodurch ſie dieß iſt, gehört ihr ſelbſt an.
Wenn aber geſagt wird, Etwas ſey nur Erſcheinung in dem Sinne, als ob dagegen die unmittelbare Exiſtenz die Wahrheit wäre; ſo iſt vielmehr die Erſcheinung die höhere Wahrheit; denn ſie iſt die Exiſtenz wie ſie als weſentliche, da hingegen die Exiſtenz die noch weſenloſe Erſcheinung iſt; weil ſie nur das eine Moment der Erſcheinung, nämlich die Exiſtenz als unmittelbare, noch nicht ihre negative Reflexion, an ihr hat. Wenn die Erſcheinung weſenlos genannt wird, ſo wird an das Moment ihrer Negativität ſo gedacht, als ob das Unmittelbare dagegen das Poſitive und Wahrhafte wäre; aber vielmehr enthält dieß Unmittelbare die weſentliche Wahrheit noch nicht an ihm. Die Exiſtenz hört vielmehr auf, weſenlos zu ſeyn, darin, daß ſie in Erſcheinung übergeht.
Das Weſen ſcheint zunächſt in ihm ſelbſt, in ſeiner einfachen Identität; ſo iſt es die abſtracte Reflexion, die reine Bewegung von Nichts durch Nichts zu ſich ſelbſt zurück. Das Weſen erſcheint, ſo iſt es nunmehr realer Schein, indem die Momente des Scheins Exiſtenz haben. Die Erſcheinung iſt, wie ſich ergeben hat, das Ding als die negative Vermittelung ſeiner mit ſich ſelbſt; die Unterſchiede, welche es enthält, ſind ſelbſtſtändige Materien, die der Widerſpruch ſind, ein unmittelbares Beſtehen zu ſeyn, und zugleich nur in fremder Selbſtſtändigkeit, alſo in der Negation der eigenen ihr Beſtehen zu haben, und wieder eben darum auch nur in der Negation jener fremden oder in der Negation ihrer eigenen Negation. Der Schein iſt dieſelbe Vermittelung, aber ſeine haltloſen Momente haben in der Erſcheinung die Geſtalt unmittelbarer Selbſtſtändigkeit. Dagegen iſt die unmittelbare Selbſtſtändigkeit, die der Exiſtenz zukommt, ihrerſeits zum Momente herabgeſetzt. Die Erſcheinung iſt daher Einheit des Scheins und der Exiſtenz.
Die Erſcheinung beſtimmt ſich nun näher. Sie iſt die weſentliche Exiſtenz; die Weſentlichkeit derſelben unterſcheidet ſich von ihr als unweſentlicher und dieſe beiden Seiten treten in Beziehung mit einander. — Sie iſt daher zuerſt einfache Identität mit ſich, die zugleich verſchiedene Inhaltsbeſtimmungen enthält, welche ſowohl ſelbſt als deren Beziehung das im Wechſel der Erſcheinung ſich gleich Bleibende iſt; das Geſetz der Erſcheinung.
Zweitens aber geht das in ſeiner Verſchiedenheit einfache Geſetz in den Gegenſatz über; das Weſentliche der Erſcheinung wird ihr ſelbſt entgegengeſetzt, und der erſcheinenden Welt tritt die an ſich ſeyende Welt gegenüber.
Drittens geht dieſer Gegenſatz in ſeinen Grund zurück; das Anſichſeyende iſt in der Erſcheinung und umgekehrt iſt das Erſcheinende beſtimmt als in ſein Anſichſeyn aufgenommen; die Erſcheinung wird Verhältniß.
1. Die Erſcheinung iſt das Exiſtirende, vermittelt durch ſeine Negation, welche ſein Beſtehen ausmacht. Dieſe ſeine Negation iſt zwar ein anderes Selbſtſtändiges; aber dieß iſt ebenſo weſentlich ein aufgehobenes. Das Exiſtirende iſt daher die Rückkehr ſeiner in ſich ſelbſt durch ſeine Negation und durch die Negation dieſer ſeiner Negation; es hat alſo weſentliche Selbſtſtändigkeit; ſo wie es gleich unmittelbar ſchlechthin Geſetztſeyn iſt, das einen Grund und ein Anderes zu ſeinem Beſtehen hat. — Für’s Erſte iſt alſo die Erſcheinung die Exiſtenz zugleich mit ihrer Weſentlichkeit, das Geſetztſeyn mit ſeinem Grunde; aber dieſer Grund iſt die Negation; und das andere Selbſtſtändige, der Grund des erſten, iſt gleichfalls nur ein Geſetztſeyn. Oder das Exiſtirende iſt als Erſcheinendes in ein Anderes reflectirt und hat es zu ſeinem Grunde, welches ſelbſt nur dieß iſt, in ein Anderes reflectirt zu ſeyn. Die weſentliche Selbſtſtändigkeit, die ihm zukommt, weil es Rückkehr in ſich ſelbſt iſt, iſt um der Negativität der Momente willen, die Rückkehr des Nichts durch Nichts durch ſich ſelbſt zurück; die Selbſtſtändigkeit des Exiſtirenden iſt daher nur der weſentliche Schein. Der Zuſammenhang des ſich gegenſeitig begründenden Exiſtirenden beſteht darum in dieſer gegenſeitigen Negation, daß das Beſtehen des Einen nicht das Beſtehen des Andern, ſondern deſſen Geſetztſeyn iſt, welche Beziehung des Geſetztſeyns allein ihr Beſtehen ausmacht. Der Grund iſt vorhanden, wie er in ſeiner Wahrheit iſt, nämlich ein Erſtes zu ſeyn, das nur ein Vorausgeſetztes iſt.
Dieß macht nun die negative Seite der Erſcheinung aus. Aber in dieſer negativen Vermittelung iſt unmittelbar die poſitive Identität des Exiſtirenden mit ſich enthalten. Denn es iſt nicht Geſetztſeyn gegen einen weſentlichen Grund, oder iſt nicht der Schein an einem Selbſtſtändigen; ſondern iſt Geſetztſeyn, das ſich auf ein Geſetztſeyn bezieht, oder iſt ein Schein nur in einem Scheine. Es bezieht ſich in dieſer ſeiner Negation oder in ſeinem Andern, das ſelbſt ein Aufgehobenes iſt, auf ſich ſelbſt; iſt alſo mit ſich identiſche oder poſitive Weſentlichkeit. — Dieſes Identiſche iſt nicht die Unmittelbarkeit, die der Exiſtenz als ſolcher zukommt, und nur das Unweſentliche iſt, ſein Beſtehen in einem Andern zu haben. Sondern es iſt der weſentliche Inhalt der Erſcheinung, welcher zwei Seiten hat, erſtens in der Form des Geſetztſeyns oder der äußerlichen Unmittelbarkeit, zweitens das Geſetztſeyn als mit ſich Identiſches zu ſeyn. Nach der erſten Seite iſt er als ein Daſeyn, aber als ein zufälliges, unweſentliches, das nach ſeiner Unmittelbarkeit dem Uebergehen, Entſtehen und Vergehen unterworfen iſt. Nach der andern Seite iſt er die einfache jenem Wechſel entnommene Inhaltsbeſtimmung, das Bleibende deſſelben.
Außerdem, daß dieſer Inhalt überhaupt das Einfache des Vergänglichen iſt, iſt er auch beſtimmter, in ſich verſchiedener Inhalt. Er iſt die Reflexion der Erſcheinung, des negativen Daſeyns, in ſich, enthält alſo die Beſtimmtheit weſentlich. Die Erſcheinung aber iſt die ſeyende vielfache Verſchiedenheit, die ſich in unweſentlicher Mannigfaltigkeit herumwirft; ihr reflectirter Inhalt dagegen iſt ihre Mannigfaltigkeit auf den einfachen Unterſchied reducirt. Der beſtimmte weſentliche Inhalt iſt nämlich näher nicht nur beſtimmt überhaupt, ſondern als das Weſentliche der Erſcheinung die vollſtändige Beſtimmtheit; eines und ſein Anderes. In der Erſcheinung hat jedes dieſer beiden ſein Beſtehen ſo in dem Andern, daß es zugleich nur in deſſen Nichtbeſtehen iſt. Dieſer Widerſpruch hebt ſich auf; und die Reflexion deſſelben in ſich iſt die Identität ihres beiderſeitigen Beſtehens, daß das Geſetztſeyn des Einen auch das Geſetztſeyn des Anderen iſt. Sie machen Ein Beſtehen aus, zugleich als verſchiedener, gegen einander gleichgültiger Inhalt. In der weſentlichen Seite der Erſcheinung iſt ſomit das Negative des unweſentlichen Inhalts, ſich aufzuheben, in die Identität zurückgegangen; er iſt ein gleichgültiges Beſtehen, welches nicht das Aufgehobenſeyn, ſondern vielmehr das Beſtehen des Andern iſt.
Dieſe Einheit iſt das Geſetz der Erſcheinung.
2. Das Geſetz iſt alſo das Poſitive der Vermittelung des Erſcheinenden. Die Erſcheinung iſt zunächſt die Exiſtenz als die negative Vermittelung mit ſich, ſo daß das Exiſtirende durch ſein eigenes Nichtbeſtehen, durch ein Anderes, und wieder durch das Nichtbeſtehen dieſes Andern mit ſich vermittelt iſt. Darin iſt enthalten erſtens das bloße Scheinen und das Verſchwinden beider, die unweſentliche Erſcheinung; zweitens auch das Bleiben oder das Geſetz; denn jedes der beiden exiſtirt in jenem Aufheben des Andern; und ihr Geſetztſeyn als ihre Negativität iſt zugleich das identiſche, poſitive Geſetztſeyn beider.
Dieß bleibende Beſtehen, welches die Erſcheinung im Geſetze hat, iſt ſomit, wie es ſich beſtimmt hat, erſtlich entgegengeſetzt der Unmittelbarkeit des Seyns, welche die Exiſtenz hat. Dieſe Unmittelbarkeit iſt zwar an ſich die reflectirte, nämlich der in ſich zurückgegangene Grund; aber in der Erſcheinung iſt nun dieſe einfache Unmittelbarkeit von der reflectirten unterſchieden, welche im Dinge erſt ſich zu trennen anfingen. Das exiſtirende Ding iſt in ſeiner Auflöſung dieſer Gegenſatz geworden; das Poſitive ſeiner Auflöſung iſt jene Identität des Erſcheinenden als Geſetztſeyns mit ſich in ſeinem andern Geſetztſeyn. — Zweitens iſt dieſe reflectirte Unmittelbarkeit ſelbſt beſtimmt als das Geſetztſeyn gegen die ſeyende Unmittelbarkeit der Exiſtenz. Dieß Geſetztſeyn iſt nunmehr das Weſentliche, und wahrhaft Poſitive. Der deutſche Ausdruck Geſetz enthält dieſe Beſtimmung gleichfalls. In dieſem Geſetztſeyn liegt die weſentliche Beziehung der beiden Seiten des Unterſchiedes, die das Geſetz enthält; ſie ſind verſchiedener gegen einander unmittelbarer Inhalt und ſind dieß als die Reflexion des der Erſcheinung angehörigen, verſchwindenden Inhalts. Als weſentliche Verſchiedenheit ſind die Verſchiedenen einfache ſich auf ſich beziehende Inhaltsbeſtimmungen. Aber ebenſo ſehr iſt keine für ſich unmittelbar, ſondern jede iſt weſentlich Geſetztſeyn, oder iſt nur, inſofern die andere iſt.
Drittens Erſcheinung und Geſetz haben einen und denſelben Inhalt. Das Geſetz iſt die Reflexion der Erſcheinung in die Identität mit ſich; ſo ſteht die Erſcheinung als das nichtige Unmittelbare dem Inſichreflectirten gegenüber, und ſie ſind nach dieſer Form unterſchieden. Aber die Reflexion der Erſcheinung, wodurch dieſer Unterſchied iſt, iſt auch die weſentliche Identität der Erſcheinung ſelbſt und ihrer Reflexion, was überhaupt die Natur der Reflexion iſt; ſie iſt das im Geſetztſeyn Identiſche mit ſich, und gleichgültig gegen jenen Unterſchied, welcher die Form oder das Geſetztſeyn iſt; alſo ein Inhalt, der ſich aus der Erſcheinung in das Geſetz continuirt, der Inhalt des Geſetzes, und der Erſcheinung.
Dieſer Inhalt macht hiermit die Grundlage der Erſcheinung aus; das Geſetz iſt dieſe Grundlage ſelbſt, die Erſcheinung iſt derſelbe Inhalt, aber enthält noch mehr, nämlich den unweſentlichen Inhalt ihres unmittelbaren Seyns. Auch die Formbeſtimmung, wodurch die Erſcheinung als ſolche von dem Geſetze unterſchieden iſt, iſt nämlich ein Inhalt und gleichfalls ein vom Inhalte des Geſetzes unterſchiedener. Denn die Exiſtenz iſt als Unmittelbarkeit überhaupt gleichfalls ein mit ſich Identiſches der Materie und Form, das gegen ſeine Formbeſtimmungen gleichgültig und daher Inhalt iſt; ſie iſt die Dingheit mit ihren Eigenſchaften und Materien. Aber ſie iſt der Inhalt, deſſen ſelbſtſtändige Unmittelbarkeit zugleich nur als ein Nichtbeſtehen iſt. Die Identität deſſelben mit ſich in dieſem ſeinem Nichtbeſtehen aber iſt der andere, weſentliche Inhalt. Dieſe Identität, die Grundlage der Erſcheinung, welche das Geſetz ausmacht, iſt ihr eigenes Moment; es iſt die poſitive Seite der Weſentlichkeit, wodurch die Exiſtenz Erſcheinung iſt.
Das Geſetz iſt daher nicht jenſeits der Erſcheinung, ſondern in ihr unmittelbar gegenwärtig; das Reich der Geſetze iſt das ruhige Abbild der exiſtirenden oder erſcheinenden Welt. Aber vielmehr iſt beides Eine Totalität, und die exiſtirende Welt iſt ſelbſt das Reich der Geſetze, das als das einfache Identiſche, zugleich als in dem Geſetztſeyn oder in der ſich ſelbſtauflöſenden Selbſtſtändigkeit der Exiſtenz identiſch mit ſich iſt. Die Exiſtenz geht in das Geſetz als in ſeinen Grund zurück; die Erſcheinung enthält dieß Beides, den einfachen Grund, und die auflöſende Bewegung des erſcheinenden Univerſums, deren Weſentlichkeit er iſt.
3. Das Geſetz iſt alſo die weſentliche Erſcheinung; es iſt die Reflexion derſelben in ſich in ihrem Geſetztſeyn, der identiſche Inhalt ſeiner und der unweſentlichen Exiſtenz. Erſtlich iſt nun dieſe Identität des Geſetzes mit ſeiner Exiſtenz nur erſt die unmittelbare, einfache Identität, und das Geſetz iſt gleichgültig gegen ſeine Exiſtenz; die Erſcheinung hat noch einen anderen Inhalt gegen den Inhalt des Geſetzes. Jener iſt zwar der unweſentliche, und das Zurückgehen in dieſen; aber für das Geſetz iſt er ein Erſtes, das nicht durch dieſes geſetzt iſt; er iſt daher als Inhalt äußerlich mit dem Geſetze verbunden. Die Erſcheinung iſt eine Menge näherer Beſtimmungen, die dem Dieſen oder dem Concreten angehören und nicht im Geſetze enthalten, ſondern durch ein Anderes beſtimmt ſind. — Zweitens das, was die Erſcheinung von dem Geſetze Verſchiedenes enthält, beſtimmte ſich als ein Poſitives oder als ein anderer Inhalt; aber es iſt weſentlich ein Negatives; es iſt die Form und ihre Bewegung als ſolche, die der Erſcheinung zukommt. Das Reich der Geſetze iſt der ruhige Inhalt der Erſcheinung; dieſe iſt derſelbe aber ſich im unruhigen Wechſel und als die Reflexion in Anderes darſtellend. Sie iſt das Geſetz als die negative ſich ſchlechthin verändernde Exiſtenz, die Bewegung des Uebergehens in das Entgegengeſetzte, des ſich Aufhebens und des Zurückgehens in die Einheit. Dieſe Seite der unruhigen Form oder der Negativität enthält das Geſetz nicht; die Erſcheinung iſt daher gegen das Geſetz die Totalität, denn ſie enthält das Geſetz, aber auch noch mehr, nämlich das Moment der ſich ſelbſt bewegenden Form. — Dieſer Mangel iſt drittens am Geſetze ſo vorhanden, daß deſſen Inhalt nur erſt ein verſchiedener, damit ein gegen ſich gleichgültiger iſt; daher die Identität ſeiner Seiten mit einander nur erſt eine unmittelbare und damit innere, oder noch nicht nothwendige iſt. Im Geſetze ſind zwei Inhaltsbeſtimmungen als weſentlich verbunden (z. B. im Geſetze der Bewegung des Falls die Raumgröße und die Zeitgröße; die durchloſſenen Räume verhalten ſich wie die Quadrate der verfloſſenen Zeiten); ſie ſind verbunden; dieſe Beziehung iſt nur erſt eine unmittelbare. Sie iſt daher gleichfalls nur erſt eine geſetzte, wie in der Erſcheinung das Unmittelbare überhaupt die Bedeutung des Geſetztſeyns erhalten hat. Die weſentliche Einheit der beiden Seiten des Geſetzes wäre ihre Negativität, daß nämlich die eine an ihr ſelbſt ihre andere enthielte; aber dieſe weſentliche Einheit iſt noch nicht am Geſetze hervorgetreten. (— So iſt es nicht im Begriffe des im Falle durchloſſenen Raumes enthalten, daß ihm die Zeit als Quadrat entſpricht. Weil der Fall eine ſinnliche Bewegung iſt, iſt er die Beziehung von Zeit und Raum; aber erſtens liegt es in der Beſtimmung der Zeit ſelbſt nicht, — d. h. wie die Zeit nach ihrer Vorſtellung genommen wird, daß ſie ſich auf den Raum bezieht, und umgekehrt; man ſagt, man könne ſich die Zeit ſehr wohl ohne den Raum und den Raum ohne die Zeit vorſtellen; das Eine tritt alſo äußerlich zu dem Andern hinzu, welche äußerliche Beziehung die Bewegung iſt. Zweitens iſt die nähere Beſtimmung gleichgültig, nach welchen Größen ſich in der Bewegung Raum und Zeit zu einander verhalten. Das Geſetz hierüber wird aus der Erfahrung erkannt; inſofern iſt es nur unmittelbar; es erfordert noch einen Beweis, d. h. eine Vermittelung, für das Erkennen, daß das Geſetz nicht nur Statt hat, ſondern nothwendig iſt; dieſen Beweis und ſeine objective Nothwendigkeit enthält das Geſetz als ſolches nicht. —) Das Geſetz iſt daher nur die poſitive Weſentlichkeit der Erſcheinung, nicht ihre negative, nach welcher die Inhaltsbeſtimmungen Momente der Form ſind, als ſolche in ihr Anderes übergehen, und an ihnen ſelbſt ebenſo ſehr nicht ſie, ſondern ihr Anderes ſind. Im Geſetze iſt alſo zwar das Geſetztſeyn der einen Seite deſſelben das Geſetztſeyn der andern; aber ihr Inhalt iſt gleichgültig gegen dieſe Beziehung, er enthält nicht an ihm ſelbſt dieß Geſetztſeyn. Das Geſetz iſt daher wohl die weſentliche Form, aber noch nicht die in ihre Seiten als Inhalt reflectirte, reale Form.
1. Die exiſtirende Welt erhebt ſich ruhig zu einem Reiche von Geſetzen; der nichtige Inhalt ihres mannigfaltigen Daſeyns hat in einem Andern ſein Beſtehen; ſein Beſtehen iſt daher ſeine Auflöſung. Aber in dieſem Andern geht das Erſcheinende auch mit ſich ſelbſt zuſammen; ſo iſt die Erſcheinung in ihrem Wandel auch ein Bleiben, und ihr Geſetztſeyn iſt Geſetz. Das Geſetz iſt dieſe einfache Identität der Erſcheinung mit ſich; daher die Grundlage, nicht der Grund derſelben; denn es iſt nicht die negative Einheit der Erſcheinung; ſondern als ihre einfache Identität, die unmittelbare als abſtracte Einheit, neben welcher daher auch der andere Inhalt derſelben Statt hat. Der Inhalt iſt dieſer, hängt in ſich zuſammen, oder hat ſeine negative Reflexion innerhalb ſeiner ſelbſt. Er iſt in ein Anderes reflectirt; dieß Andere iſt ſelbſt eine Exiſtenz der Erſcheinung; die erſcheinenden Dinge haben ihre Gründe und Bedingungen an andern erſcheinenden Dingen.
In der That aber iſt das Geſetz auch das Andere der Erſcheinung als ſolcher, und ihre negative Reflexion als in ihr Anderes. Der Inhalt der Erſcheinung, der vom Inhalt des Geſetzes verſchieden iſt, iſt das Exiſtirende, das ſeine Negativität zu ſeinem Grunde hat oder in ſein Nichtſeyn reflectirt iſt. Aber dieß Andere, das auch ein Exiſtirendes iſt, iſt gleichfalls ein ſolches in ſein Nichtſeyn Reflectirtes; es iſt alſo daſſelbe, und das Erſcheinende iſt darin in der That nicht in ein Anderes, ſondern in ſich reflectirt; eben dieſe Reflexion des Geſetztſeyns in ſich iſt das Geſetz. Aber als Erſcheinendes iſt es weſentlich in ſein Nichtſeyn reflectirt, oder ſeine Identität iſt ſelbſt weſentlich ebenſo ſehr ſeine Negativität und ſein Anderes. Die Reflexion-in-ſich der Erſcheinung, das Geſetz, iſt alſo auch nicht nur ihre identiſche Grundlage, ſondern ſie hat an ihm ihren Gegenſatz, und es iſt ihre negative Einheit.
Dadurch hat ſich nun die Beſtimmung des Geſetzes an ihm ſelbſt verändert. Zunächſt iſt es nur ein verſchiedener Inhalt, und die formale Reflexion des Geſetztſeyns in ſich, ſo daß das Geſetztſeyn der einen ſeiner Seiten das Geſetztſeyn der andern iſt. Weil es aber auch die negative Reflexion in ſich iſt, ſo verhalten ſich ſeine Seiten nicht nur als verſchiedene, ſondern als negativ ſich auf einander beziehende. — Oder das Geſetz bloß für ſich betrachtet, ſo ſind die Seiten ſeines Inhalts gleichgültige gegen einander; aber ebenſo ſehr ſind ſie durch ihre Identität aufgehobene; das Geſetztſeyn der einen iſt das Geſetztſeyn der andern; alſo iſt das Beſtehen einer jeden auch das Nichtbeſtehen ihrer ſelbſt. Dieß Geſetztſeyn der einen in der andern iſt ihre negative Einheit und jedes iſt nicht nur das Geſetztſeyn ihrer, ſondern auch der andern, oder jede iſt ſelbſt dieſe negative Einheit. Die poſitive Identität, welche ſie im Geſetze als ſolchem haben, iſt nur erſt ihre innere Einheit, welche des Beweiſes und der Vermittelung bedarf, weil dieſe negative Einheit noch nicht an ihnen geſetzt iſt. Aber indem die verſchiedenen Seiten des Geſetzes nunmehr beſtimmt ſind, als in ihrer negativen Einheit verſchiedene zu ſeyn, oder als ſolche, deren jedes ſein Anderes an ihm ſelbſt enthält und zugleich als Selbſtſtändiges dieß ſein Andersſeyn von ſich abſtößt, ſo iſt die Identität des Geſetzes nunmehr auch eine geſetzte und reale.
Damit hat alſo das Geſetz das mangelnde Moment der negativen Form ſeiner Seiten gleichfalls erhalten; das Moment, das vorhin noch der Erſcheinung angehörte; die Exiſtenz iſt ſomit vollſtändig in ſich zurückgegangen, und hat ſich in ihr abſolutes an- und fürſichſeyendes Andersſeyn reflectirt. Das, was vorher Geſetz war, iſt daher nicht mehr nur Eine Seite des Ganzen, deſſen andere die Erſcheinung als ſolche war, ſondern iſt ſelbſt das Ganze. Sie iſt die weſentliche Totalität der Erſcheinung, ſo daß ſie nun auch das Moment der Unweſentlichkeit, das noch dieſer zukam, enthält; aber als die reflectirte, an ſich ſeyende Unweſentlichkeit, d. h. als die weſentliche Negativität. — Das Geſetz iſt als unmittelbarer Inhalt, beſtimmt überhaupt, unterſchieden von andern Geſetzen, und es giebt deren eine unbeſtimmbare Menge. Aber indem es die weſentliche Negativität nun an ihm ſelbſt hat, enthält es nicht mehr eine ſolche nur gleichgültige, zufällige Inhaltsbeſtimmung; ſondern ſein Inhalt iſt alle Beſtimmtheit überhaupt, in weſentlicher ſich zur Totalität machenden Beziehung. So iſt die in ſich reflectirte Erſcheinung nun eine Welt, die ſich als an und für ſich ſeyende über der erſcheinenden Welt aufthut.
Das Reich der Geſetze enthält nur den einfachen, wandelloſen aber verſchiedenen Inhalt der exiſtirenden Welt. Indem es nun aber die totale Reflexion von dieſer iſt, enthält es auch das Moment ihrer weſenloſen Mannigfaltigkeit. Dieſes Moment der Veränderlichkeit und Veränderung als in ſich Reflectirtes, Weſentliches, iſt die abſolute Negativität oder die Form überhaupt als ſolche, deren Momente aber in der an- und für-ſich-ſeyenden Welt die Realität ſelbſtſtändiger, aber reflectirter Exiſtenz haben; ſo wie umgekehrt dieſe reflectirte Selbſtſtändigkeit nunmehr die Form an ihr ſelbſt hat, und dadurch ihr Inhalt nicht ein bloß mannigfaltiger, ſondern ein weſentlich mit ſich zuſammenhängender iſt.
— Dieſe an und für ſich ſeyende Welt heißt auch die überſinnliche Welt; inſofern die exiſtirende Welt als ſinnliche, nämlich als ſolche beſtimmt wird, die für die Anſchauung, das unmittelbare Verhalten des Bewußtſeyns, iſt. — Die überſinnliche Welt hat gleichfalls Unmittelbarkeit, Exiſtenz, aber reflectirte, weſentliche Exiſtenz. Das Weſen hat noch kein Daſeyn; aber es iſt, und in tieferem Sinne, als das Seyn; das Ding iſt der Beginn der reflectirten Exiſtenz; es iſt eine Unmittelbarkeit, die noch nicht geſetzt iſt, als weſentliche oder reflectirte; es iſt aber in Wahrheit nicht ein ſeyendes Unmittelbares. Die Dinge erſt, als Dinge einer andern, überſinnlichen Welt ſind geſetzt, erſtens als wahrhafte Exiſtenzen, und zweitens als das Wahre gegen das Seyende; — in ihnen iſt es anerkannt, daß es ein von dem unmittelbaren Seyn unterſchiedenes Seyn giebt, das wahrhafte Exiſtenz iſt. Einestheils iſt in dieſer Beſtimmung die ſinnliche Vorſtellung überwunden, welche nur dem unmittelbaren Seyn des Gefühls und der Anſchauung Exiſtenz zuſchreibt; anderntheils aber auch die bewußtloſe Reflexion, welche zwar die Vorſtellung von Dingen, Kräften, Innerlichem und ſo fort hat, ohne zu wiſſen, daß ſolche Beſtimmungen nicht ſinnliche oder ſeyende Unmittelbarkeiten, ſondern reflectirte Exiſtenzen ſind.
2. Die an und für ſich ſeyende Welt iſt die Totalität der Exiſtenz; es iſt nichts Anderes außer ihr. Indem ſie aber an ihr ſelbſt die abſolute Negativität oder Form iſt, ſo iſt ihre Reflexion-in-ſich, negative Beziehung auf ſich. Sie enthält den Gegenſatz, und ſtößt ſich ab in ſich als die weſentliche Welt, und in ſich als die Welt des Andersſeyns oder die Welt der Erſcheinung. So iſt ſie darum, weil ſie die Totalität iſt, auch nur als eine Seite derſelben, und macht in dieſer Beſtimmung eine gegen die Welt der Erſcheinung verſchiedene Selbſtſtändigkeit aus. Die erſcheinende Welt hat an der weſentlichen Welt ihre negative Einheit, in der ſie zu Grunde und in die ſie als in ihren Grund zurückgeht. Ferner iſt die weſentliche Welt auch der ſetzende Grund der erſcheinenden Welt; denn, die abſolute Form in ihrer Weſentlichkeit enthaltend, hebt ſich ihre Identität mit ſich auf, macht ſich zum Geſetztſeyn und iſt als dieſe geſetzte Unmittelbarkeit die erſcheinende Welt.
Sie iſt ferner nicht nur überhaupt Grund der erſcheinenden Welt, ſondern ihr beſtimmter Grund. Schon als das Reich der Geſetze iſt ſie mannigfaltiger Inhalt, und zwar der weſentliche der erſcheinenden Welt, und als inhaltsvoller Grund, der beſtimmte Grund der andern, aber nur dieſem Inhalt nach; denn die erſcheinende Welt hatte noch mannigfaltigen anderen Inhalt als jenes Reich, weil ihr noch das negative Moment eigenthümlich zukam. Aber indem das Reich der Geſetze dieß Moment nun gleichfalls an ihm hat, ſo iſt es die Totalität des Inhalts der erſcheinenden Welt und der Grund aller ihrer Mannigfaltigkeit. Aber ſie iſt zugleich das Negative derſelben, ſo iſt ſie die derſelben entgegengeſetzte Welt. — Nämlich in der Identität beider Welten, und indem die eine der Form nach beſtimmt iſt als die weſentliche und die andere als dieſelbe aber als geſetzte und unweſentliche, hat ſich zwar die Grundbeziehung wieder hergeſtellt; aber zugleich als die Grundbeziehung der Erſcheinung, nämlich als Beziehung nicht eines identiſchen Inhalts, noch auch eines bloß verſchiedenen, wie das Geſetz iſt, ſondern als totale Beziehung, oder als negative Identität und weſentliche Beziehung des Inhalts als entgegengeſetzten. — Das Reich der Geſetze iſt nicht nur dieß, daß das Geſetztſeyn eines Inhalts das Geſetztſeyn eines Andern iſt, ſondern dieſe Identität iſt weſentlich, wie ſich ergeben hat, auch negative Einheit; jede der beiden Seiten des Geſetzes iſt in der negativen Einheit an ihr ſelbſt ihr anderer Inhalt; das Andere iſt daher nicht unbeſtimmt ein Anderes überhaupt, ſondern es iſt ihr Anderes, oder es enthält gleichfalls die Inhaltsbeſtimmung von jener; ſo ſind die beiden Seiten entgegengeſetzte. Indem das Reich der Geſetze nun dieß negative Moment und den Gegenſatz an ihm hat, und ſich ſomit als die Totalität, von ſich ſelbſt in eine an und für ſich ſeyende und eine erſcheinende Welt abſtößt, ſo iſt die Identität beider die weſentliche Beziehung der Entgegenſetzung. — Die Grundbeziehung als ſolche iſt der in ſeinem Widerſpruch zu Grunde gegangene Gegenſatz; und die Exiſtenz der mit ſich ſelbſt zuſammengehende Grund. Aber die Exiſtenz wird zur Erſcheinung; der Grund iſt in der Exiſtenz aufgehoben; er ſtellt ſich als Rückkehr der Erſcheinung in ſich, wieder her; aber zugleich als aufgehobener, nämlich als Grundbeziehung entgegengeſetzter Beſtimmungen; die Identität ſolcher aber iſt weſentlich Werden und Uebergehen, nicht mehr die Grundbeziehung als ſolche.
Die an und für ſich ſeyende Welt iſt alſo ſelbſt eine in ſich in die Totalität des mannigfaltigen Inhalts unterſchiedene Welt; ſie iſt identiſch mit der erſcheinenden oder geſetzten, inſofern Grund derſelben, aber identiſcher Zuſammenhang iſt zugleich als Entgegenſetzung beſtimmt, weil die Form der erſcheinenden Welt die Reflexion in ihr Andersſeyn iſt, ſie alſo in der an und für ſich ſeyenden Welt wahrhaft ſo in ſich ſelbſt zurückgegangen iſt, als dieſe ihre entgegengeſetzte iſt. Die Beziehung iſt alſo beſtimmt dieſe, daß die an und für ſich ſeyende Welt die verkehrte der erſcheinenden iſt.
Die an und für ſich ſeyende Welt iſt der beſtimmte Grund der erſcheinenden Welt, und iſt dieß nur, inſofern ſie an ihr ſelbſt das negative Moment und damit die Totalität der Inhaltsbeſtimmungen und ihrer Veränderungen iſt, welche der erſcheinenden Welt entſpricht, aber zugleich ihre durchaus entgegengeſetzte Seite ausmacht. Beide Welten verhalten ſich alſo ſo zu einander, daß was in der erſcheinenden Welt poſitiv, in der an und für ſich ſeyenden Welt negativ, umgekehrt was in jener negativ, in dieſer poſitiv iſt. Der Nordpol in der erſcheinenden Welt, iſt an und für ſich der Südpol, und umgekehrt; die poſitive Elektricität iſt an ſich negative u. ſ. f. Was im erſcheinenden Daſeyn böſe, Unglück u. ſ. f. iſt, iſt an und für ſich gut und ein Glück.*)
In der That iſt gerade in dieſem Gegenſatz beider Welten ihr Unterſchied verſchwunden, und was an und für ſich ſeyende Welt ſeyn ſollte, iſt ſelbſt erſcheinende Welt, und dieſe umgekehrt an ihr ſelbſt weſentliche Welt. — Die erſcheinende Welt iſt zunächſt beſtimmt als die Reflexion in das Andersſeyn, ſo daß ihre Beſtimmungen und Exiſtenzen in einem Andern ihren Grund und Beſtehen haben; aber indem dieß Andere gleichfalls ein ſolches in ein anderes Reflectirtes iſt, ſo beziehen ſie ſich darin nur auf ein ſich aufhebendes Anderes, ſomit auf ſich ſelbſt; die erſcheinende Welt iſt hiermit an ihr ſelbſt ſich ſelbſt gleiches Geſetz. — Umgekehrt die an und für ſich ſeyende Welt iſt zunächſt der mit ſich identiſche, dem Andersſeyn und Wechſel entnommene Inhalt; aber dieſer, als vollſtändige Reflexion der erſcheinenden Welt in ſich ſelbſt, oder weil ſeine Verſchiedenheit in ſich reflectirter und abſoluter Unterſchied iſt, ſo enthält er das negative Moment und die Beziehung auf ſich als auf das Andersſeyn; er wird dadurch ſich ſelbſt entgegengeſetzter, ſich verkehrender, weſenloſer Inhalt. Ferner hat dieſer Inhalt der an und für ſich ſeyenden Welt damit auch die Form unmittelbarer Exiſtenz erhalten. Denn ſie iſt zunächſt Grund der erſcheinenden; aber indem ſie die Entgegenſetzung an ihr ſelbſt hat, iſt ſie ebenſo ſehr aufgehobener Grund und unmittelbare Exiſtenz.
*) Vergl. Phänomenologie des Geiſtes. S. 121 ff.
Die erſcheinende und die weſentliche Welt ſind hiermit jede an ihr ſelbſt die Totalität der mit ſich identiſchen Reflexion und der Reflexion-in-Anderes, oder des An-und-für-ſich-ſeyns und des Erſcheinens. Sie ſind beide die ſelbſtſtändigen Ganzen der Exiſtenz; die eine ſollte nur die reflectirte Exiſtenz, die andere die unmittelbare Exiſtenz ſeyn; aber jede continuirt ſich in ihrer andern und iſt daher an ihr ſelbſt die Identität dieſer beiden Momente. Was alſo vorhanden iſt, iſt dieſe Totalität, welche ſich von ſich ſelbſt in zwei Totalitäten abſtößt, die eine die reflectirte Totalität, und die andere die unmittelbare. Beide ſind erſtlich Selbſtſtändige, aber ſie ſind dieß nur als Totalitäten, und dieß ſind ſie inſofern, daß jede weſentlich das Moment der andern an ihr hat. Die unterſchiedene Selbſtſtändigkeit einer jeden, der als unmittelbar und der als reflectirt beſtimmten, iſt daher nunmehr ſo geſetzt, nur als weſentliche Beziehung auf die andere zu ſeyn, und ihre Selbſtſtändigkeit in dieſer Einheit beider zu haben.
Es wurde vom Geſetz der Erſcheinung ausgegangen; dieſes iſt die Identität eines verſchiedenen Inhalts mit einem anderen Inhalte, ſo daß das Geſetztſeyn des einen das Geſetztſeyn des andern iſt. Im Geſetze iſt noch dieſer Unterſchied vorhanden, daß die Identität ſeiner Seiten nur erſt eine innere iſt, und dieſe Seiten ſie noch nicht an ihnen ſelbſt haben; damit iſt einestheils jene Identität nicht realiſirt; der Inhalt des Geſetzes iſt nicht als identiſcher, ſondern ein gleichgültiger, verſchiedener Inhalt; — anderntheils iſt er damit nur an ſich ſo beſtimmt, daß das Geſetztſeyn des einen das Geſetztſeyn des andern iſt; dieß iſt noch nicht an ihm vorhanden. Nunmehr aber iſt das Geſetz realiſirt; ſeine innere Identität iſt zugleich daſeyende, und umgekehrt iſt der Inhalt des Geſetzes in die Idealität erhoben; denn er iſt an ihm ſelbſt aufgehobener, in ſich reflectirter, indem jede Seite an ihr ihre andere hat, und damit wahrhaft mit ihr und mit ſich identiſch iſt.
So iſt das Geſetz weſentliches Verhältniß. Die Wahrheit der unweſentlichen Welt iſt zunächſt eine ihr andere an und für ſich ſeyende Welt; aber dieſe iſt die Totalität, indem ſie, ſie ſelbſt und jene erſte iſt; ſo ſind beide unmittelbare Exiſtenzen und damit Reflexionen in ihr Andersſeyn, als auch eben damit wahrhaft in ſich reflectirte. Welt drückt überhaupt die formloſe Totalität der Mannigfaltigkeit aus; dieſe Welt, ſowohl als weſentliche wie als erſcheinende iſt zu Grunde gegangen, indem die Mannigfaltigkeit aufgehört hat, eine bloß verſchiedene zu ſeyn; ſo iſt ſie noch Totalität oder Univerſum, aber als weſentliches Verhältniß. Es ſind zwei Totalitäten des Inhalts in der Erſcheinung entſtanden; zunächſt ſind ſie als gleichgültige Selbſtſtändige gegen einander beſtimmt und haben zwar die Form jede an ihr ſelbſt, aber nicht gegen einander; dieſe aber hat ſich auch als ihre Beziehung gezeigt, und das weſentliche Verhältniß iſt die Vollendung ihrer Formeinheit.
Die Wahrheit der Erſcheinung iſt das weſentliche Verhältniß. Sein Inhalt hat unmittelbare Selbſtſtändigkeit, und zwar die ſeyende Unmittelbarkeit, und die reflectirte Unmittelbarkeit oder die mit ſich identiſche Reflexion. Zugleich iſt er in dieſer Selbſtſtändigkeit ein relativer, ſchlechthin nur als Reflexion in ſein Anderes, oder als Einheit der Beziehung mit ſeinem Andern. In dieſer Einheit iſt der ſelbſtſtändige Inhalt ein Geſetztes, Aufgehobenes; aber eben dieſe Einheit macht ſeine Weſentlichkeit und Selbſtſtändigkeit aus; dieſe Reflexion in Anderes iſt Reflexion in ſich ſelbſt. Das Verhältniß hat Seiten, weil es Reflexion in Anderes iſt; ſo hat es den Unterſchied ſeiner ſelbſt an ihm; und die Seiten ſind ſelbſtſtändiges Beſtehen, indem ſie in ihrer gleichgültigen Verſchiedenheit gegen einander, in ſich ſelbſt gebrochen ſind, ſo daß das Beſtehen einer jeden, ebenſo ſehr nur ſeine Bedeutung in der Beziehung auf die andere oder in ihrer negativen Einheit hat.
Das weſentliche Verhältniß iſt daher zwar noch nicht das wahrhafte Dritte zum Weſen und zur Exiſtenz; aber enthält bereits die beſtimmte Vereinigung beider. Das Weſen iſt in ihm ſo realiſirt, daß es ſelbſtſtändig-exiſtirende zu ſeinem Beſtehen hat; und dieſe ſind aus ihrer Gleichgültigkeit in ihre weſentliche Einheit zurückgegangen, ſo daß ſie nur dieſe zu ihrem Beſtehen haben. Die Reflexions-Beſtimmungen des Poſitiven und Negativen ſind gleichfalls in ſich reflectirte nur als reflectirt in ihr Entgegengeſetztes; aber ſie haben keine andere Beſtimmung als dieſe ihre negative Einheit; das weſentliche Verhältniß hingegen hat ſolche zu ſeinen Seiten, welche als ſelbſtſtändige Totalitäten geſetzt ſind. Es iſt dieſelbe Entgegenſetzung als die des Poſitiven und Negativen; aber zugleich als eine verkehrte Welt. Die Seite des weſentlichen Verhältniſſes iſt eine Totalität, die aber als weſentlich ein Entgegengeſetztes, ein Jenſeits ſeiner hat; es iſt nur Erſcheinung; ſeine Exiſtenz iſt vielmehr nicht die ſeinige, ſondern die ſeines Andern. Es iſt daher ein in ſich ſelbſt Gebrochenes; aber dieß ſein Aufgehobenſeyn beſteht darin, daß es die Einheit ſeiner ſelbſt und ſeines Andern, alſo ein Ganzes iſt, und eben darum hat es ſelbſtſtändige Exiſtenz und iſt weſentliche Reflexion in ſich.
Dieß iſt der Begriff des Verhältniſſes. Zunächſt aber iſt die Identität, die es enthält, noch nicht vollkommen; die Totalität, welche jedes Relative an ihm ſelbſt iſt, iſt erſt ein Inneres; die Seite des Verhältniſſes iſt zunächſt geſetzt in einer der Beſtimmungen der negativen Einheit; die eigene Selbſtſtändigkeit jeder der beiden Seiten iſt dasjenige, was die Form des Verhältniſſes ausmacht. Seine Identität iſt daher nur eine Beziehung, außerhalb welcher ihre Selbſtſtändigkeit fällt; nämlich in die Seiten; es iſt noch nicht die reflectirte Einheit jener Identität und der ſelbſtſtändigen Exiſtenzen vorhanden, noch nicht die Subſtanz. — Der Begriff des Verhältniſſes hat ſich daher zwar ergeben, Einheit der reflectirten und der unmittelbaren Selbſtſtändigkeit zu ſeyn. Aber zuerſt iſt dieſer Begriff ſelbſt noch unmittelbar, ſeine Momente daher unmittelbare gegen einander, und die Einheit deren weſentliche Beziehung, die erſt dann die wahrhafte, dem Begriff entſprechende Einheit iſt, inſofern ſie ſich realiſirt, nämlich durch ihre Bewegung als jene Einheit geſetzt hat.
Das weſentliche Verhältniß iſt daher unmittelbar das Verhältniß des Ganzen und der Theile; — die Beziehung der reflectirten und der unmittelbaren Selbſtſtändigkeit, ſo daß beide zugleich nur ſind als ſich gegenſeitig bedingend und vorausſetzend.
In dieſem Verhältniſſe iſt noch keine der Seiten als Moment der andern geſetzt, ihre Identität iſt daher ſelbſt eine Seite; oder ſie iſt nicht ihre negative Einheit. Es geht darum zweitens darein über, daß die eine Moment der andern und in ihr als in ihrem Grunde, dem wahrhaft Selbſtſtändigen von beiden, iſt; — Verhältniß der Kraft und ihrer Aeußerung.
Drittens hebt ſich die noch vorhandene Ungleichheit dieſer Beziehung auf, und das letzte Verhältniß iſt das des Innern und Aeußern. — In dieſem ganz formell gewordenen Unterſchiede geht das Verhältniß ſelbſt zu Grunde, und die Subſtanz oder das Wirkliche tritt hervor, als die abſolute Einheit der unmittelbaren und der reflectirten Exiſtenz.
Das weſentliche Verhältniß enthält erſtens die in ſich reflectirte Selbſtſtändigkeit der Exiſtenz; ſo iſt es die einfache Form, deren Beſtimmungen zwar auch Exiſtenzen, aber zugleich geſetzte, Momente in der Einheit gehalten ſind. Dieſe in ſich reflectirte Selbſtſtändigkeit iſt zugleich Reflexion in ihr Entgegengeſetztes, nämlich die unmittelbare Selbſtſtändigkeit; und ihr Beſtehen iſt weſentlich ebenſo ſehr als es eigene Selbſtſtändigkeit iſt, dieſe Identität mit ſeinem Entgegengeſetzten. — Eben damit iſt auch unmittelbar zweitens die andere Seite geſetzt; die unmittelbare Selbſtſtändigkeit, welche als das Andere beſtimmt, eine vielfache Mannigfaltigkeit in ſich iſt, aber ſo daß dieſe Mannigfaltigkeit weſentlich auch die Beziehung der anderen Seite, die Einheit der reflectirten Selbſtſtändigkeit an ihr hat. Jene Seite, das Ganze, iſt die Selbſtſtändigkeit, welche die an und für ſich ſeyende Welt ausmachte; die andere Seite, die Theile, iſt die unmittelbare Exiſtenz, welche die erſcheinende Welt war. Im Verhältniſſe des Ganzen und der Theile ſind die beiden Seiten dieſe Selbſtſtändigkeiten, aber ſo daß jede die andere in ihr ſcheinen hat, und nur iſt zugleich als dieſe Identität beider. Weil nun das weſentliche Verhältniß nur erſt das erſte, unmittelbare iſt, ſo iſt die negative Einheit und die poſitive Selbſtſtändigkeit durch das Auch verbunden; beide Seiten ſind zwar als Momente geſetzt, aber ebenſo ſehr als exiſtirende Selbſtſtändigkeiten. — Daß beide als Momente geſetzt ſind, dieß iſt daher ſo vertheilt, daß erſtens das Ganze, die reflectirte Selbſtſtändigkeit, als Exiſtirendes und in ihr die andere, die unmittelbare als Moment iſt; — hier macht das Ganze die Einheit beider Seiten, die Grundlage aus, und die unmittelbare Exiſtenz iſt als Geſetztſeyn. — Umgekehrt iſt auf der anderen Seite, nämlich der Seite der Theile, die unmittelbare, in ſich mannigfaltige Exiſtenz, die ſelbſtſtändige Grundlage; die reflectirte Einheit dagegen, das Ganze iſt nur äußerliche Beziehung.
2. Dieß Verhältniß enthält ſomit die Selbſtſtändigkeit der Seiten, und ebenſo ſehr ihr Aufgehobenſeyn, und beides ſchlechthin in Einer Beziehung. Das Ganze iſt das Selbſtſtändige, die Theile ſind nur Momente dieſer Einheit; aber ebenſo ſehr ſind ſie auch das Selbſtſtändige, und ihre reflectirte Einheit nur ein Moment; und jedes iſt in ſeiner Selbſtſtändigkeit ſchlechthin das Relative eines Andern. Dieß Verhältniß iſt daher der unmittelbare Widerſpruch an ihm ſelbſt, und hebt ſich auf.
Dieß näher betrachtet, ſo iſt das Ganze die reflectirte Einheit, welche ſelbſtſtändiges Beſtehen für ſich hat; aber dieß ihr Beſtehen iſt ebenſo ſehr von ihr abgeſtoßen; das Ganze iſt als die negative Einheit, negative Beziehung auf ſich ſelbſt; ſo iſt ſie ſich entäußert; ſie hat ihr Beſtehen an ihrem Entgegengeſetzten, der mannigfaltigen Unmittelbarkeit, den Theilen. Das Ganze beſteht daher aus den Theilen; ſo daß es nicht etwas iſt ohne ſie. Es iſt alſo das ganze Verhältniß und die ſelbſtſtändige Totalität; aber gerade aus demſelben Grunde iſt es nur ein Relatives, denn was es zur Totalität macht, iſt vielmehr ſein Anderes, die Theile; und es hat nicht an ſich ſelbſt, ſondern an ſeinem Andern ſein Beſtehen.
So ſind die Theile gleichfalls das ganze Verhältniß. Sie ſind die unmittelbare Selbſtſtändigkeit gegen die reflectirte, und beſtehen nicht im Ganzen, ſondern ſind für ſich. Sie haben ferner dieß Ganze als ihr Moment an ihnen; es macht ihre Beziehung aus; ohne Ganzes giebt es keine Theile. Aber weil ſie das Selbſtſtändige ſind, ſo iſt dieſe Beziehung nur ein äußerliches Moment, gegen welches ſie an und für ſich gleichgültig ſind. Zugleich aber fallen die Theile als mannigfaltige Exiſtenz in ſich ſelbſt zuſammen, denn dieſe iſt das reflexionsloſe Seyn; ſie haben ihre Selbſtſtändigkeit nur in der reflectirten Einheit, welche ſowohl dieſe Einheit als auch die exiſtirende Mannigfaltigkeit iſt; das heißt, ſie haben Selbſtſtändigkeit nur im Ganzen, das aber zugleich die den Theilen andere Selbſtſtändigkeit iſt.
Das Ganze und die Theile bedingen ſich daher gegenſeitig; aber das hier betrachtete Verhältniß ſteht zugleich höher, als die Beziehung des Bedingten und der Bedingung auf einander, wie ſie ſich oben beſtimmt hatte. Dieſe Beziehung iſt hier realiſirt: nämlich es iſt geſetzt, daß die Bedingung ſo die weſentliche Selbſtſtändigkeit des Bedingten iſt, daß ſie durch dieſes vorausgeſetzt wird. Die Bedingung als ſolche iſt nur das Unmittelbare, und nur an ſich vorausgeſetzt. Das Ganze aber iſt die Bedingung zwar der Theile, aber es enthält zugleich unmittelbar ſelbſt, daß auch es nur iſt, inſofern es die Theile zur Vorausſetzung hat. Indem ſo beide Seiten des Verhältniſſes geſetzt ſind als ſich gegenſeitig bedingend, iſt jede eine unmittelbare Selbſtſtändigkeit an ihr ſelbſt, aber ihre Selbſtſtändigkeit iſt ebenſo ſehr vermittelt oder geſetzt durch die andere. Das ganze Verhältniß iſt durch dieſe Gegenſeitigkeit die Rückkehr des Bedingens in ſich ſelbſt, das nicht Relative, das Unbedingte.
Indem nun die Seiten des Verhältniſſes jede nicht in ihr ſelbſt ihre Selbſtſtändigkeit, ſondern in ihrer andern hat, ſo iſt nur Eine Identität beider vorhanden, in welcher beide nur Momente ſind; aber indem jede an ihr ſelbſt ſelbſtſtändig iſt, ſo ſind ſie zwei ſelbſtſtändige Exiſtenzen, die gegen einander gleichgültig ſind.
Nach der erſten Rückſicht, der weſentlichen Identität dieſer Seiten, iſt das Ganze den Theilen und die Theile dem Ganzen gleich. Es iſt nichts im Ganzen, was nicht in den Theilen, und nichts in den Theilen, was nicht im Ganzen iſt. Das Ganze iſt nicht abſtracte Einheit, ſondern die Einheit als einer verſchiedenen Mannigfaltigkeit; dieſe Einheit aber als das, worin das Mannigfaltige ſich auf einander bezieht, iſt die Beſtimmtheit deſſelben, wodurch es Theil iſt. Das Verhältniß hat alſo eine untrennbare Identität, und nur Eine Selbſtſtändigkeit.
Aber ferner iſt das Ganze den Theilen gleich; allein nicht denſelben als Theilen; das Ganze iſt die reflectirte Einheit, die Theile aber machen das beſtimmte Moment oder das Andersſeyn der Einheit aus, und ſind das verſchiedene Mannigfaltige. Das Ganze iſt ihnen nicht gleich als dieſem ſelbſtſtändigen Verſchiedenen, ſondern als ihnen zuſammen. Dieß ihr Zuſammen aber iſt nichts Anderes, als ihre Einheit, das Ganze als ſolches. Das Ganze iſt alſo in den Theilen nur ſich ſelbſt gleich, und die Gleichheit deſſelben und der Theile drückt nur die Tautologie aus, daß das Ganze als Ganzes nicht den Theilen, ſondern dem Ganzen gleich iſt.
Umgekehrt ſind die Theile dem Ganzen gleich; aber weil ſie das Moment des Andersſeyn an ihnen ſelbſt ſind, ſo ſind ſie ihm nicht gleich als der Einheit, ſondern ſo daß eine ſeiner mannigfaltigen Beſtimmungen auf den Theil kommt, oder daß ſie ihm als Manigfaltigem gleich ſind; das heißt, ſie ſind ihm als getheiltem Ganzen d. i. als den Theilen gleich. Es iſt hiermit dieſelbe Tautologie vorhanden, daß die Theile als Theile nicht dem Ganzen als ſolchem, ſondern in ihm ſich ſelbſt, den Theilen, gleich ſind.
Das Ganze und die Theile fallen auf dieſe Weiſe gleichgültig aus einander; jede dieſer Seiten bezieht ſich nur auf ſich. Aber ſo aus einander gehalten zerſtören ſie ſich ſelbſt. Das Ganze, das gleichgültig iſt gegen die Theile, iſt die abſtracte, in ſich nicht unterſchiedene Identität; dieſe iſt Ganzes nur als in ſich ſelbſt unterſchieden, und zwar ſo in ſich unterſchieden, daß dieſe mannigfaltigen Beſtimmungen in ſich reflectirt ſind und unmittelbare Selbſtſtändigkeit haben. Und die Reflexionsidentität hat ſich durch ihre Bewegung gezeigt, dieſe Reflexion in ihr Anderes zu ihrer Wahrheit zu haben. — Ebenſo ſind die Theile als gleichgültig gegen die Einheit des Ganzen, nur das unbezogene Mannigfaltige, das in ſich Andere, welches als ſolches das Andere ſeiner ſelbſt und ſich nur Aufhebende iſt. — Dieſe Beziehung-auf-ſich jeder der beiden Seiten iſt ihre Selbſtſtändigkeit; aber dieſe ihre Selbſtſtändigkeit, die jede für ſich hat, iſt vielmehr die Negation ihrer ſelbſt. Jede hat daher ihre Selbſtſtändigkeit nicht an ihr ſelbſt, ſondern an der andern; dieſe andere, die das Beſtehen ausmacht, iſt ihr vorausgeſetztes Unmittelbare, das Erſtes und ihr Anfang ſeyn ſoll; aber dieſes Erſte einer jeden iſt ſelbſt nur ein ſolches, das nicht Erſtes iſt, ſondern an dem Andern ſeinen Anfang hat.
Die Wahrheit des Verhältniſſes beſteht alſo in der Vermittelung; ſein Weſen iſt die negative Einheit, in welcher ebenſo wohl die reflectirte als die ſeyende Unmittelbarkeit aufgehoben ſind. Das Verhältniß iſt der Widerſpruch, der in ſeinen Grund zurückgeht, in die Einheit, welche als rückkehrend die reflectirte Einheit iſt, aber indem dieſe ebenſo ſehr ſich als aufgehobene geſetzt hat, bezieht ſie ſich negativ auf ſich ſelbſt, hebt ſich auf, und macht ſich zur ſeyenden Unmittelbarkeit. Aber dieſe ihre negative Beziehung, inſofern ſie ein Erſtes und Unmittelbares iſt, iſt nur vermittelt durch ihr Anderes, und ebenſo ſehr ein Geſetztes. Dieß Andere, die ſeyende Unmittelbarkeit, iſt ebenſo ſehr nur als aufgehobene; ihre Selbſtſtändigkeit iſt ein Erſtes, aber nur um zu verſchwinden, und hat ein Daſeyn, das geſetzt und vermittelt iſt.
In dieſer Beſtimmung iſt das Verhältniß nicht mehr das des Ganzen und der Theile; die Unmittelbarkeit, welche ſeine Seiten hatten, iſt in Geſetztſeyn und Vermittelung übergegangen; es iſt jede geſetzt, inſofern ſie unmittelbar iſt, als ſich aufhebend und in die andere übergehend; und inſofern ſie ſelbſt negative Beziehung iſt, zugleich durch die andere als durch ihr Poſitives bedingt zu ſeyn; wie auch ihr unmittelbares Uebergehen ebenſo ſehr ein Vermitteltes iſt, ein Aufheben nämlich, das durch die andere geſetzt wird. — So iſt das Verhältniß des Ganzen und der Theile in das Verhältniß der Kraft und ihrer Aeußerung übergegangen.
Anmerkung.
Es iſt oben die Antinomie der unendlichen Theilbarkeit der Materie, beim Begriffe der Quantität betrachtet worden. Die Quantität iſt die Einheit der Continuität und der Discretion; ſie enthält im ſelbſtſtändigen Eins ſein Zuſammengefloſſenſeyn mit andern, und in dieſer ſich ohne Unterbrechung fortſetzenden Identität mit ſich ebenſo die Negation derſelben. Indem die unmittelbare Beziehung dieſer Momente der Quantität, als das weſentliche Verhältniß des Ganzen und der Theile, des Eins der Quantität als Theil, die Continuität deſſelben aber als Ganzes, das zuſammengeſetzt iſt aus Theilen, ausgedrückt wird, ſo beſteht die Antinomie in dem Widerſpruche, der am Verhältniſſe des Ganzen und der Theile vorgekommen und aufgelöſt worden iſt. — Ganzes und Theile ſind nämlich ebenſo weſentlich auf einander bezogen und machen nur Eine Identität aus, als ſie gleichgültig gegen einander ſind und ſelbſtſtändiges Beſtehen haben. Das Verhältniß iſt daher dieſe Antinomie, daß das Eine Moment, darin, daß es ſich vom andern befreit, unmittelbar das andere herbeiführt.
Das Exiſtirende alſo als Ganzes beſtimmt, ſo hat es Theile, und die Theile machen ſein Beſtehen aus; die Einheit des Ganzen iſt nur eine geſetzte Beziehung, eine äußere Zuſammenſetzung, welche das ſelbſtſtändig Exiſtirende nichts angeht. Inſofern dieſes nun Theil iſt, ſo iſt es nicht Ganzes, nicht Zuſammengeſetztes, ſomit Einfaches. Aber indem ihm die Beziehung auf ein Ganzes äußerlich iſt, ſo geht ſie daſſelbe nichts an; das Selbſtſtändige iſt ſomit auch nicht an ſich Theil; denn Theil iſt es nur durch jene Beziehung. Aber indem es nun nicht Theil iſt, ſo iſt es Ganzes, denn es iſt nur dieß Verhältniß von Ganzem und von Theilen vorhanden; und das Selbſtſtändige iſt eins von beiden. Indem es aber Ganzes iſt, ſo iſt es wieder zuſammengeſetzt; es beſteht wieder aus Theilen und ſo fort ins Unendliche. — Dieſe Unendlichkeit beſteht in nichts Anderem als in der perennirenden Abwechſelung der beiden Beſtimmungen des Verhältniſſes, in deren jeder die andere unmittelbar entſteht, ſo daß das Geſetztſeyn jeder das Verſchwinden ihrer ſelbſt iſt. Die Materie als Ganzes beſtimmt, ſo beſteht ſie aus Theilen und an dieſen wird das Ganze zur unweſentlichen Beziehung und verſchwindet. Der Theil aber ſo für ſich, iſt er auch nicht Theil, ſondern das Ganze. — Die Antinomie dieſes Schluſſes ganz nahe zuſammengerückt, iſt eigentlich dieſe: Weil das Ganze nicht das Selbſtſtändige iſt, iſt der Theil das Selbſtſtändige; aber weil er nur ohne das Ganze ſelbſtſtändig iſt, ſo iſt er ſelbſtſtändig, nicht als Theil, ſondern vielmehr als Ganzes. Die Unendlichkeit des Progreſſes, der entſteht, iſt die Unfähigkeit, die beiden Gedanken zuſammen zu bringen, welche dieſe Vermittelung enthält, daß nämlich jede der beiden Beſtimmungen durch ihre Selbſtſtändigkeit und Trennung von der andern, in Unſelbſtſtändigkeit und in die andere übergeht.
Die Kraft iſt die negative Einheit, in welche ſich der Widerſpruch des Ganzen und der Theile aufgelöſt hat, die Wahrheit jenes erſten Verhältniſſes. Das Ganze und die Theile iſt das gedankenloſe Verhältniß, auf welches die Vorſtellung zunächſt verfällt; oder objectiv iſt es das todte, mechaniſche Aggregat, das zwar Formbeſtimmungen hat, wodurch die Mannigfaltigkeit ſeiner ſelbſtſtändigen Materie in einer Einheit bezogen wird, welche aber derſelben äußerlich iſt. — Das Verhältniß der Kraft aber iſt die höhere Rückkehr in ſich, worin die Einheit des Ganzen, welche die Beziehung des ſelbſtſtändigen Andersſeyns ausmachte, aufhört, dieſer Mannigfaltigkeit ein Aeußerliches und Gleichgültiges zu ſeyn.
Wie ſich das weſentliche Verhältniß nunmehr beſtimmt hat, ſind die unmittelbare und die reflectirte Selbſtſtändigkeit in derſelben als aufgehobene oder als Momente geſetzt, die im vorhergehenden Verhältniſſe für ſich beſtehende Seiten oder Extreme waren. Es iſt darin enthalten erſtens, daß die reflectirte Einheit, und ihr unmittelbares Daſeyn, inſofern beide erſte und unmittelbare ſind, ſich an ſich ſelbſt aufheben und in ihr Anderes übergehen; jene, die Kraft, geht in ihre Aeußerung über, und das Aeußerliche iſt ein Verſchwindendes, das in die Kraft, als in ihren Grund zurückgeht, und nur iſt, als von derſelben getragen und geſetzt. Zweitens iſt dieß Uebergehen nicht nur ein Werden und Verſchwinden, ſondern es iſt negative Beziehung auf ſich, oder das ſeine Beſtimmung Aendernde iſt darin zugleich in ſich reflectirt und erhält ſich; die Bewegung der Kraft iſt nicht ſo ſehr ein Uebergehen, als daß ſie ſich ſelbſt über ſetzt, und in dieſer durch ſie ſelbſt geſetzten Veränderung bleibt, was ſie iſt. — Drittens iſt dieſe reflectirte, ſich auf ſich beziehende Einheit ſelbſt auch aufgehoben und Moment; ſie iſt vermittelt durch ihr Anderes, und hat daſſelbe zur Bedingung; ihre negative Beziehung auf ſich, die Erſtes iſt und die Bewegung ihres Uebergehens aus ſich anfängt, hat ebenſo ſehr eine Vorausſetzung, von der ſie ſollicitirt wird, und ein Anderes, von der ſie anfängt.
In ihren näheren Beſtimmungen betrachtet, hat erſtens die Kraft das Moment der ſeyenden Unmittelbarkeit an ihr; ſie ſelbſt iſt dagegen beſtimmt als die negative Einheit. Aber dieſe in der Beſtimmung des unmittelbaren Seyns iſt ein exiſtirendes Etwas. Dieß Etwas erſcheint, weil es die negative Einheit als Unmittelbares iſt, als das Erſte, die Kraft dagegen, weil ſie das Reflectirte iſt, als das Geſetztſeyn, und inſofern als angehörig dem exiſtirenden Dinge oder einer Materie. Nicht daß ſie die Form dieſes Dings und das Ding durch ſie beſtimmt wäre; ſondern das Ding iſt als Unmittelbares gleichgültig gegen ſie. — Es liegt in ihm nach dieſer Beſtimmung kein Grund, eine Kraft zu haben; die Kraft hingegen als die Seite des Geſetztſeyns hat weſentlich das Ding zu ſeiner Vorausſetzung. Wenn daher gefragt wird, wie das Ding oder die Materie dazu komme, eine Kraft zu haben, ſo erſcheint dieſe als äußerlich damit verbunden und dem Dinge durch eine fremde Gewalt eingedrückt.
Als dieß unmittelbare Beſtehen iſt die Kraft eine ruhige Beſtimmtheit des Dings überhaupt; nicht ein ſich Aeußerndes, ſondern unmittelbar ein Aeußerliches. So wird die Kraft auch als Materie bezeichnet, und ſtatt magnetiſcher, elektriſcher u. ſ. f. Kraft eine magnetiſche, elektriſche u. ſ. f. Materie angenommen; oder ſtatt der berühmten anziehenden Kraft ein feiner Aether, der Alles zuſammenhalte. — Es ſind die Materien, in welche ſich die unthätige, kraftloſe negative Einheit des Dings auflöſt, und die oben betrachtet wurden.
Aber die Kraft enthält die unmittelbare Exiſtenz, als Moment, als ein ſolches, das zwar Bedingung iſt, aber übergeht und ſich aufhebt; alſo nicht als ein exiſtirendes Ding. Sie iſt ferner nicht die Negation als Beſtimmtheit, ſondern negative, ſich in ſich reflectirende Einheit. Das Ding, an dem die Kraft ſeyn ſollte, hat ſomit hier keine Bedeutung mehr; ſie ſelbſt iſt vielmehr Setzen der Aeußerlichkeit, welche als Exiſtenz erſcheint. Sie iſt alſo auch nicht bloß eine beſtimmte Materie; ſolche Selbſtſtändigkeit iſt längſt in das Geſetztſeyn und in die Erſcheinung übergegangen.
Zweitens, die Kraft iſt die Einheit des reflectirten und des unmittelbaren Beſtehens, oder der Formeinheit und der äußerlichen Selbſtſtändigkeit. Sie iſt beides in Einem; ſie iſt die Berührung ſolcher, deren das Eine iſt, inſofern das Andere nicht iſt; die mit ſich identiſche poſitive, und die negirte Reflexion. Die Kraft iſt ſo der ſich von ſich ſelbſt abſtoßende Widerſpruch; ſie iſt thätig; oder ſie iſt die ſich auf ſich beziehende negative Einheit, in welcher die reflectirte Unmittelbarkeit oder das weſentliche Inſichſeyn geſetzt iſt, nur als Aufgehobenes oder Moment zu ſeyn, ſomit inſofern ſie ſich von der unmittelbaren Exiſtenz unterſcheidet, in dieſe überzugehen. Die Kraft alſo als die Beſtimmung der reflectirten Einheit des Ganzen iſt geſetzt, als zur exiſtirenden äußerlichen Mannigfaltigkeit aus ſich ſelbſt zu werden.
Aber drittens iſt die Kraft nur erſt anſichſeyende und unmittelbare Thätigkeit; ſie iſt die reflectirte Einheit, und ebenſo weſentlich die Negation derſelben; indem ſie von dieſer verſchieden, aber nur als die Identität ihrer ſelbſt und ihrer Negation iſt, ſo iſt ſie auf dieſe, als eine ihr äußerliche Unmittelbarkeit weſentlich bezogen und hat dieſelbe zur Vorausſetzung und Bedingung.
Dieſe Vorausſetzung nun iſt nicht ein ihr gegenüber ſich befindliches Ding; dieſe gleichgültige Selbſtſtändigkeit iſt in der Kraft aufgehoben; als ihre Bedingung iſt es ein ihr anderes Selbſtſtändiges. Weil es aber nicht Ding iſt, ſondern die ſelbſtſtändige Unmittelbarkeit hier ſich zugleich als ſich auf ſich ſelbſt beziehende negative Einheit beſtimmt hat, ſo iſt es ſelbſt Kraft. — Die Thätigkeit der Kraft iſt durch ſich ſelbſt als durch das ſich Andere, durch eine Kraft bedingt.
Die Kraft iſt auf dieſe Weiſe Verhältniß, in welchem jede Seite daſſelbe iſt als die andere. Es ſind Kräfte, die im Verhältniſſe ſtehen, und zwar weſentlich ſich auf einander beziehen. — Sie ſind ferner zunächſt nur verſchiedene überhaupt; die Einheit ihres Verhältniſſes iſt nur erſt die innere an ſich ſeyende Einheit. Das Bedingtſeyn durch eine andere Kraft iſt ſo an ſich das Thun der Kraft ſelbſt; oder ſie iſt inſofern erſt vorausſetzendes, ſich nur negativ auf ſich beziehendes Thun; dieſe andere Kraft liegt noch jenſeits ihrer ſetzenden Thätigkeit, nämlich der in ihrem Beſtimmen unmittelbar in ſich zurückkehrenden Reflexion.
Die Kraft iſt bedingt, weil das Moment der unmittelbaren Exiſtenz, das ſie enthält, nur als ein Geſetztes, — aber weil es zugleich Unmittelbares iſt, ein Vorausgeſetztes iſt, in welchem die Kraft ſich ſelbſt negirt. Die für die Kraft vorhandene Aeußerlichkeit iſt daher ihre eigene vorausſetzende Thätigkeit ſelbſt, welche zunächſt als eine andere Kraft geſetzt iſt.
Dieſes Vorausſetzen iſt ferner gegenſeitig. Jede der beiden Kräfte enthält die in ſich reflectirte Einheit als aufgehoben, und iſt daher vorausſetzend; ſie ſetzt ſich ſelbſt als äußerlich; dieß Moment der Aeußerlichkeit iſt ihr eigenes; aber weil ſie ebenſo ſehr in ſich reflectirte Einheit iſt, ſetzt ſie zugleich dieſe ihre Aeußerlichkeit nicht in ihr ſelbſt, ſondern als eine andere Kraft.
Aber das Aeußerliche als ſolches iſt das ſich ſelbſt aufhebende; ferner die ſich auf ſich reflectirende Thätigkeit iſt weſentlich bezogen auf jenes Aeußerliche als auf das ihr Andere, aber ebenſo ſehr als auf ein an ſich Nichtiges und mit ihr Identiſches. Da die vorausſetzende Thätigkeit ebenſo ſehr Reflexion in ſich iſt, iſt ſie das Aufheben jener ihrer Negation, und ſetzt dieſelbe als ſich ſelbſt oder als ihr Aeußerliches. So iſt die Kraft als bedingend, gegenſeitig ein Anſtoß für die andere Kraft, gegen den ſie thätig iſt. Ihr Verhalten iſt nicht die Paſſivität des Beſtimmtwerdens, ſo daß dadurch etwas Anderes in ſie käme; ſondern der Anſtoß ſollicitirt ſie nur. Sie iſt an ihr ſelbſt die Negativität ihrer, das Abſtoßen ihrer von ſich iſt ihr eigenes Setzen. Ihr Thun beſteht alſo darin, dieß aufzuheben, daß jener Anſtoß ein Aeußerliches ſey; ſie macht es zu einem bloßen Anſtoß und ſetzt es als das eigene Abſtoßen ihrer ſelbſt von ſich, als ihre eigene Aeußerung.
Die ſich äußernde Kraft iſt alſo daſſelbe, was zuerſt nur die vorausſetzende Thätigkeit war; nämlich ſich äußerlich machend; aber die Kraft als ſich äußernd iſt zugleich die Aeußerlichkeit negirende und ſie als die ihrige ſetzende Thätigkeit. Inſofern nun in dieſer Betrachtung von der Kraft angefangen wird, als ſie die negative Einheit ihrer ſelbſt und damit vorausſetzende Reflexion iſt, ſo iſt es daſſelbe, als wenn in der Aeußerung der Kraft vom ſollicitirenden Anſtoße angefangen wird. Die Kraft iſt ſo in ihrem Begriffe zuerſt beſtimmt als ſich aufhebende Identität, und in ihrer Realität, die eine der beiden Kräfte als ſollicitirend und die andere als ſollicitirt werdend. Aber der Begriff der Kraft iſt überhaupt die Identität der ſetzenden und vorausſetzenden Reflexion oder der reflectirten und der unmittelbaren Einheit, und jede dieſer Beſtimmungen ſchlechthin nur Moment, in Einheit, und ſomit als vermittelt durch die andere. Aber ebenſo iſt keine Beſtimmung an den beiden in Wechſelbeziehung ſtehenden Kräften vorhanden, welche die ſollicitirende oder die ſollicitirt werdende ſey, oder vielmehr jeder kommen auf gleiche Weiſe beide Formbeſtimmungen zu. Aber dieſe Identität iſt nicht nur eine äußerliche der Vergleichung, ſondern eine weſentliche Einheit derſelben.
Die eine Kraft nämlich iſt zunächſt beſtimmt als ſollicitirende, und die andere als ſollicitirt-werdende; dieſe Formbeſtimmungen erſcheinen auf dieſe Weiſe als unmittelbare, an ſich vorhandene Unterſchiede der beiden Kräfte. Aber ſie ſind weſentlich vermittelt. Die eine Kraft wird ſollicitirt; dieſer Anſtoß iſt eine in ſie von außen geſetzte Beſtimmung. Aber die Kraft iſt ſelbſt das Vorausſetzende; ſie iſt weſentlich ſich in ſich reflectirend und es aufhebend, daß der Anſtoß ein Aeußerliches ſey. Daß ſie ſollicitirt wird, iſt daher ihr eigenes Thun, oder es iſt durch ſie ſelbſt beſtimmt, daß die andere Kraft eine andere überhaupt und die ſollicitirende iſt. Die ſollicitirende bezieht ſich auf ihre andere negativ, ſo daß ſie die Aeußerlichkeit derſelben aufhebt, ſie iſt inſofern ſetzend; aber ſie iſt dieß nur durch die Vorausſetzung, ſich eine andere gegenüber zu haben; das iſt, ſie iſt ſollicitirend ſelbſt nur, inſofern ſie eine Aeußerlichkeit an ihr hat, ſomit inſofern ſie ſollicitirt wird. Oder ſie iſt ſollicitirend nur inſofern als ſie dazu ſollicitirt wird, ſollicitirend zu ſeyn. Somit wird umgekehrt die erſte ſollicitirt, nur inſofern als ſie ſelbſt die andere dazu ſollicitirt, ſie, nämlich die erſtere, zu ſollicitiren. Jede von beiden erhält alſo den Anſtoß von der anderen; aber der Anſtoß, den ſie als thätige giebt, beſteht darin, daß ſie von der anderen einen Anſtoß erhalte; der Anſtoß, den ſie erhält, iſt von ihr ſelbſt ſollicitirt. Beides, der gegebene und der empfangene Anſtoß, oder die thätige Aeußerung und die paſſive Aeußerlichkeit iſt daher nicht ein Unmittelbares, ſondern vermittelt, und zwar iſt jede der beiden Kräfte hiermit ſelbſt die Beſtimmtheit, welche die andere gegen ſie hat, iſt vermittelt durch die andere, und dieß vermittelnde Andere iſt wieder ihr eigenes beſtimmendes Setzen.
So iſt alſo dieß, daß auf die Kraft ein Anſtoß durch eine andere Kraft geſchieht, daß ſie ſich inſofern paſſiv verhält, aber hinwieder von dieſer Paſſivität in die Activität übergeht, — der Rückgang der Kraft in ſie ſelbſt. Sie äußert ſich. Die Aeußerung iſt Reaction in dem Sinne, daß ſie die Aeußerlichkeit als ihr eigenes Moment ſetzt, und ſomit es aufhebt, daß ſie durch eine andere Kraft ſollicitirt worden ſei. Beides iſt daher eines, die Aeußerung der Kraft, wodurch ſie ſich durch ihre negative Thätigkeit auf ſich ſelbſt ein Daſeyn-für-Anderes giebt, und die unendliche Rückkehr in dieſer Aeußerlichkeit auf ſich ſelbſt, ſo daß ſie darin ſich nur auf ſich bezieht. Die vorausſetzende Reflexion, welcher das Bedingtſeyn und der Anſtoß angehört, iſt daher unmittelbar auch die in ſich zurückkehrende Reflexion, und die Thätigkeit iſt weſentlich reagirende, gegen ſich. Das Setzen des Anſtoßes oder Aeußerlichen iſt ſelbſt das Aufheben deſſelben, und umgekehrt iſt das Aufheben des Anſtoßes das Setzen der Aeußerlichkeit.
Die Kraft iſt endlich, inſofern ihre Momente noch die Form der Unmittelbarkeit haben; ihre vorausſetzende und ihre ſich auf ſich beziehende Reflexion ſind in dieſer Beſtimmung unterſchieden; jene erſcheint als eine für ſich beſtehende äußerliche Kraft, und die andere in der Beziehung auf ſie als paſſiv. Die Kraft iſt ſo der Form nach bedingt, und dem Inhalte nach gleichfalls beſchränkt; denn eine Beſtimmtheit der Form nach enthält auch eine Beſchränkung des Inhalts. Aber die Thätigkeit der Kraft beſteht darin, ſich zu äußern; das heißt, wie ſich ergeben hat, die Aeußerlichkeit aufzuheben und ſie als das zu beſtimmen, worin ſie identiſch mit ſich iſt. Was alſo die Kraft in Wahrheit äußert, iſt dieß, daß ihre Beziehung auf Anderes ihre Beziehung auf ſich ſelbſt iſt, daß ihre Paſſivität in ihrer Activität ſelbſt beſteht. Der Anſtoß, wodurch ſie zur Thätigkeit ſollicitirt wird, iſt ihr eigenes Sollicitiren; die Aeußerlichkeit, welche an ſie kommt, iſt kein Unmittelbares, ſondern ein durch ſie Vermitteltes; ſo wie ihre eigene weſentliche Identität mit ſich, nicht unmittelbar, ſondern durch ihre Negation vermittelt iſt; oder die Kraft äußert dieß, daß ihre Aeußerlichkeit identiſch iſt mit ihrer Innerlichkeit.
1. Das Verhältniß des Ganzen und der Theile iſt das unmittelbare; die reflectirte und die ſeyende Unmittelbarkeit haben daher in ihm jede eine eigene Selbſtſtändigkeit; aber indem ſie im weſentlichen Verhältniſſe ſtehen, ſo iſt ihre Selbſtſtändigkeit nur ihre negative Einheit. Dieß iſt nun in der Aeußerung der Kraft geſetzt; die reflectirte Einheit iſt weſentlich das Anderswerden als Ueberſetzen ihrer ſelbſt in die Aeußerlichkeit; aber dieſe iſt ebenſo unmittelbar in jene zurückgenommen; der Unterſchied der ſelbſtſtändigen Kräfte hebt ſich auf; die Aeußerung der Kraft iſt nur eine Vermittelung der reflectirten Einheit mit ſich ſelbſt. Es iſt nur ein leerer durchſichtiger Unterſchied, der Schein, vorhanden, aber dieſer Schein iſt die Vermittelung, welche das ſelbſtſtändige Beſtehen ſelbſt iſt. Es ſind nicht nur entgegengeſetzte Beſtimmungen, die ſich an ihnen ſelbſt aufheben, und ihre Bewegung nicht nur ein Uebergehen, ſondern theils iſt die Unmittelbarkeit, von der angefangen und ins Andersſeyn übergegangen wurde, ſelbſt nur als geſetzte, theils iſt dadurch jede der Beſtimmungen in ihrer Unmittelbarkeit ſchon die Einheit mit ihrer andern und das Uebergehen dadurch ſchlechthin ebenſo ſehr die ſich ſetzende Rückkehr in ſich.
Das Innere iſt als die Form der reflectirten Unmittelbarkeit oder des Weſens gegen das Aeußere als die Form des Seyns beſtimmt, aber beide ſind nur Eine Identität. — Dieſe Identität iſt erſtens die gediegene Einheit beider als inhaltsvolle Grundlage, oder die abſolute Sache, an der die beiden Beſtimmungen gleichgültige, äußerliche Momente ſind. Inſofern iſt ſie Inhalt und die Totalität, welche das Innere iſt, das ebenſo ſehr äußerlich wird, aber darin nicht ein Gewordenes oder Uebergegangenes, ſondern ſich ſelbſt gleich iſt. Das Aeußere iſt nach dieſer Beſtimmung dem Innern, dem Inhalte nach nicht nur gleich, ſondern beide ſind nur Eine Sache. — Aber dieſe Sache als einfache Identität mit ſich iſt verſchieden von ihren Formbeſtimmungen, oder dieſe ſind ihr äußerlich; ſie iſt inſofern ſelbſt ein Inneres, das von ihrer Aeußerlichkeit verſchieden iſt. Dieſe Aeußerlichkeit aber beſteht darin, daß die beiden Beſtimmungen ſelbſt, nämlich das Innere und Aeußere, ſie ausmachen. Aber die Sache iſt ſelbſt nichts Anderes, als die Einheit beider. Somit ſind beide Seiten dem Inhalte nach wieder daſſelbe. Aber in der Sache ſind ſie als ſich durchdringende Identität, als inhaltsvolle Grundlage. Aber in der Aeußerlichkeit, als Formen der Sache, ſind ſie gegen jene Identität und ſomit beide gegeneinander gleichgültig.
2. Sie ſind auf dieſe Weiſe die verſchiedenen Formbeſtimmungen, welche nicht an ihnen ſelbſt, ſondern an einem Andern eine identiſche Grundlage haben; Reflexions-Beſtimmungen, die für ſich ſind; das Innere als die Form der Reflexion-in-ſich, der Weſentlichkeit; das Aeußere aber als die Form der in Anderes reflectirten Unmittelbarkeit, oder der Unweſentlichkeit. Allein die Natur des Verhältniſſes hat gezeigt, daß dieſe Beſtimmungen ſchlechthin nur eine Identität ausmachen. Die Kraft iſt in ihrer Aeußerung dieß, daß das vorausſetzende und das in ſich zurückkehrende Beſtimmen eines und daſſelbe iſt. Inſofern daher Inneres und Aeußeres als Formbeſtimmungen betrachtet worden, ſo ſind ſie erſtlich nur die einfache Form ſelbſt, und zweitens, weil ſie darin zugleich als entgegengeſetzte beſtimmt ſind, ſo iſt ihre Einheit die reine abſtracte Vermittelung, in welcher die eine unmittelbar die andere, und darum die andere iſt, weil ſie die eine iſt. So iſt das Innere unmittelbar nur das Aeußere, und es iſt darum die Beſtimmtheit der Aeußerlichkeit, weil es das Innere iſt; umgekehrt das Aeußere iſt nur ein Inneres, weil es nur ein Aeußeres iſt. — Indem nämlich dieſe Formeinheit ihre beiden Beſtimmungen als entgegengeſetzte enthält, iſt ihre Identität nur dieß Uebergehen; und darin nur die andere von beiden, nicht ihre inhaltsvolle Identität. Oder dieß Feſthalten der Form iſt überhaupt die Seite der Beſtimmtheit. Was nach derſelben geſetzt iſt, iſt nicht die reale Totalität des Ganzen, ſondern die Totalität oder die Sache ſelbſt nur in der Beſtimmtheit der Form; weil dieſe die ſchlechthin zuſammengebundene Einheit beider entgegengeſetzter Beſtimmungen iſt, ſo iſt, indem die eine zuerſt genommen wird, — und es iſt gleichgültig, welche es ſey, von der Grundlage oder Sache zu ſagen, daß ſie darum ebenſo weſentlich in der andern Beſtimmtheit, aber gleichfalls nur in der andern iſt; ſo wie zuerſt geſagt wurde, daß ſie nur in der erſtern iſt. —
So iſt Etwas, das nur erſt ein Inneres iſt, eben darum nur ein Aeußeres. Oder umgekehrt, etwas das nur ein Aeußeres iſt, iſt eben darum nur ein Inneres. Oder indem das Innere als Weſen, das Aeußere aber als Seyn beſtimmt iſt, ſo iſt eine Sache, inſofern ſie nur in ihrem Weſen iſt, eben darum nur ein unmittelbares Seyn; oder eine Sache, welche nur iſt, iſt eben darum nur erſt noch in ihrem Weſen. — Das Aeußere und Innere ſind die Beſtimmtheit ſo geſetzt, daß jede dieſer beiden Beſtimmungen nicht nur die andere vorausſetzt und in ſie als in ihre Wahrheit übergeht, ſondern daß ſie, inſofern ſie dieſe Wahrheit der andern iſt, als Beſtimmtheit geſetzt bleibt, und auf die Totalität beider hinweiſt. — Das Innere iſt ſomit die Vollendung des Weſens der Form nach. Das Weſen, indem es nämlich als Inneres beſtimmt iſt, enthält es, daß es mangelhaft und nur iſt, als Beziehung auf ſein Anderes, das Aeußere; aber dieſes iſt ebenſo nicht nur Seyn oder auch Exiſtenz, ſondern als auf das Weſen oder das Innere ſich beziehend. Aber es iſt nicht nur die Beziehung beider auf einander, ſondern die beſtimmte der abſoluten Form, daß jedes unmittelbar ſein Gegentheil iſt, und ihre gemeinſchaftliche Beziehung auf ihr Drittes oder vielmehr auf ihre Einheit vorhanden. Ihre Vermittelung entbehrt aber noch dieſer ſie beide enthaltenden identiſchen Grundlage; ihre Beziehung iſt deswegen die unmittelbare Umkehrung des Einen in das Andere; und dieſe negative Einheit, die ſie zuſammenknüpft, iſt der einfache, inhaltsloſe Punct.
Anmerkung.
Die Bewegung des Weſens iſt überhaupt das Werden zum Begriffe. In dem Verhältniſſe des Innern und Aeußern tritt das weſentliche Moment deſſelben hervor, daß nämlich ſeine Beſtimmungen geſetzt ſind, ſo in der negativen Einheit zu ſeyn, daß jede unmittelbar nicht nur als ihre andere, ſondern auch als die Totalität des Ganzen iſt. Aber dieſe Totalität iſt im Begriffe als ſolchem das Allgemeine; — eine Grundlage, die im Verhältniß des Innern und Aeußern noch nicht vorhanden iſt. — In der negativen Identität des Innern und Aeußern, welche die unmittelbare Umkehrung der einen dieſer Beſtimmungen in die andere iſt, fehlt auch diejenige Grundlage, welche vorhin die Sache genannt wurde. —
Die unvermittelte Identität der Form, wie ſie hier noch ohne die inhaltsvolle Bewegung der Sache ſelbſt geſetzt iſt, iſt ſehr wichtig bemerkt zu werden. Sie kommt in der Sache vor, wie dieſe in ihrem Anfange iſt. So iſt das reine Seyn unmittelbar das Nichts. Ueberhaupt iſt alles Reale in ſeinem Anfange eine ſolche nur unmittelbare Identität; denn in ſeinem Anfange hat es die Momente noch nicht entgegengeſetzt und entwickelt, einerſeits aus der Aeußerlichkeit ſich noch nicht erinnert, andererſeits ſich aus der Innerlichkeit durch ſeine Thätigkeit noch nicht entäußert und hervorgebracht; es iſt daher nur das Innere als Beſtimmtheit gegen das Aeußere, und nur das Aeußere als Beſtimmtheit gegen das Innere. Somit iſt es theils nur ein unmittelbares Seyn; theils inſofern es ebenſo ſehr die Negativität iſt, welche die Thätigkeit der Entwickelung werden ſoll, iſt es als ſolches weſentlich erſt nur ein Inneres. — In aller natürlichen, wiſſenſchaftlichen und geiſtigen Entwickelung überhaupt bietet ſich dieß dar, und es iſt weſentlich dieß zu erkennen, daß das Erſte, indem Etwas nur erſt innerlich oder auch in ſeinem Begriffe iſt, eben darum nur ſein unmittelbares, paſſives Daſeyn iſt. So — um gleich das nächſte Beiſpiel zu nehmen, — iſt das hier betrachtete weſentliche Verhältniß, eh es ſich durch die Vermittelung, das Verhältniß der Kraft, hindurch bewegt und realiſirt hat, nur das Verhältniß an ſich, ſein Begriff, oder erſt innerlich. Deswegen aber iſt es nur das äußerliche, unmittelbare Verhältniß; das Verhältniß des Ganzen und der Theile, in welchem die Seiten ein gleichgültiges Beſtehen gegen einander haben. Ihre Identität iſt an ihnen ſelbſt noch nicht; ſie iſt erſt innerlich, und deswegen fallen ſie auseinander, haben ein unmittelbares, äußerliches Beſtehen. — So iſt die Sphäre des Seyns überhaupt nur erſt das ſchlechthin noch Innere, und deswegen iſt ſie die Sphäre der ſeyenden Unmittelbarkeit oder der Aeußerlichkeit. — Das Weſen iſt nur erſt das Innere; darum wird es auch für eine ganz äußerliche, ſyſtemloſe Gemeinſchaftlichkeit genommen; man ſagt, das Schulweſen, Zeitungsweſen, und verſteht darunter ein Gemeinſchaftliches, das durch äußeres Zuſammennehmen von exiſtirenden Gegenſtänden, inſofern ſie ohne alle weſentliche Verbindung, ohne Organiſation, gemacht iſt. — Oder an concreten Gegenſtänden, ſo iſt der Keim der Pflanze, das Kind, nur erſt innere Pflanze, innerlicher Menſch. Aber darum iſt die Pflanze oder der Menſch als Keim ein Unmittelbares, ein Aeußeres, das ſich noch nicht die negative Beziehung auf ſich ſelbſt gegeben hat, ein Paſſives, dem Andersſeyn Preisgegebenes. — So iſt auch Gott in ſeinem unmittelbaren Begriffe nicht Geiſt; der Geiſt iſt nicht das Unmittelbare, der Vermittelung Entgegengeſetzte, ſondern vielmehr das ſeine Unmittelbarkeit ewig ſetzende und ewig aus ihr in ſich zurückkehrende Weſen. Unmittelbar iſt daher Gott nur die Natur. Oder die Natur iſt nur der innere, nicht als Geiſt wirkliche und damit nicht der wahrhafte Gott. — Oder Gott iſt im Denken, als erſtem Denken, nur das reine Seyn, oder auch das Weſen, das abſtracte Abſolute; nicht aber Gott als abſoluter Geiſt, als welcher allein die wahrhafte Natur Gottes iſt.
3. Die erſte der betrachteten Identitäten des Innern und Aeußern iſt die gegen den Unterſchied dieſer Beſtimmungen als gegen eine ihr äußere Form gleichgültige Grundlage, oder ſie als Inhalt. Die zweite iſt die unvermittelte Identität ihres Unterſchiedes, die unmittelbare Umkehrung jeder in ihre entgegengeſetzte; — oder ſie als reine Form. Aber dieſe beiden Identitäten ſind nur die Seiten Einer Totalität; oder ſie ſelbſt iſt nur die Umkehrung der einen in die andere. Die Totalität als Grundlage und Inhalt iſt dieſe in ſich reflectirte Unmittelbarkeit nur durch die vorausſetzende Reflexion der Form, die ihren Unterſchied aufhebt, und ſich als gleichgültige Identität, als reflectirte Einheit gegen ihn ſetzt. Oder der Inhalt iſt die Form ſelbſt, inſofern ſie ſich als Verſchiedenheit beſtimmt, und ſich ſelbſt zu einer ihrer Seiten, als Aeußerlichkeit, zu der andern aber als in ſich reflectirte Unmittelbarkeit oder zum Innern macht.
Dadurch ſind alſo umgekehrt die Unterſchiede der Form, das Innere und das Aeußere, jedes an ihm ſelbſt geſetzt als die Totalität ſeiner und ſeines Andern; das Innere iſt als einfache in ſich reflectirte Identität, das Unmittelbare und daher ſo ſehr Seyn und Aeußerlichkeit, als Weſen; und das Aeußere iſt als das mannigfaltige, beſtimmte Seyn nur Aeußeres, d. h. geſetzt als unweſentlich und in ſeinen Grund zurückgegangen, ſomit als Inneres. Dieſes Uebergehen beider in einander iſt ihre unmittelbare Identität als Grundlage; aber es iſt auch ihre vermittelte Identität; nämlich jedes iſt eben durch ſein Anderes, was es an ſich iſt, die Totalität des Verhältniſſes. Oder umgekehrt die Beſtimmtheit einer jeden Seite iſt dadurch, daß ſie an ihr die Totalität iſt, mit der andern Beſtimmtheit vermittelt; die Totalität vermittelt ſich ſo durch die Form oder die Beſtimmtheit mit ſich ſelbſt, und die Beſtimmtheit vermittelt ſich durch ihre einfache Identität mit ſich.
Was Etwas iſt, das iſt es daher ganz in ſeiner Aeußerlichkeit; ſeine Aeußerlichkeit iſt ſeine Totalität, ſie iſt ebenſo ſehr ſeine in ſich reflectirte Einheit. Seine Erſcheinung iſt nicht nur die Reflexion in Anderes, ſondern in ſich, und ſeine Aeußerlichkeit daher die Aeußerung deſſen, was es an ſich iſt; und indem ſo ſein Inhalt und ſeine Form ſchlechthin identiſch ſind, ſo iſt es nichts an und für ſich als dieß, ſich zu äußern. Es iſt das Offenbaren ſeines Weſens, ſo daß dieß Weſen eben nur darin beſteht, das ſich Offenbarende zu ſeyn.
Das weſentliche Verhältniß hat ſich in dieſer Identität der Erſcheinung mit dem Innern oder dem Weſen zur Wirklichkeit beſtimmt.
Die Wirklichkeit iſt die Einheit des Weſens und der Exiſtenz; in ihr hat das geſtaltloſe Weſen und die haltloſe Erſcheinung; — oder das beſtimmungsloſe Beſtehen und die beſtandloſe Mannigfaltigkeit ihre Wahrheit. Die Exiſtenz iſt zwar die aus dem Grunde hervorgegangene Unmittelbarkeit, aber ſie hat die Form noch nicht an ihr geſetzt; indem ſie ſich beſtimmt und formirt, iſt ſie die Erſcheinung; und indem ſich dieß nur als Reflexion-in-Anderes beſtimmte Beſtehen zur Reflexion-in-ſich fortbildet, wird es zu zwei Welten, zwei Totalitäten des Inhalts, deren die eine als in ſich, die andere als in Anderes reflectirte beſtimmt iſt. Das weſentliche Verhältniß aber ſtellt ihre Formbeziehung dar, deren Vollendung das Verhältniß des Innern und Aeußern iſt, daß der Inhalt beider nur Eine identiſche Grundlage und ebenſo ſehr nur Eine Identität der Form iſt. — Dadurch daß ſich auch dieſe Identität in Anſehung der Form ergeben hat, iſt die Formbeſtimmung ihrer Verſchiedenheit aufgehoben und es iſt geſetzt, daß ſie Eine abſolute Totalität ſind.
Dieſe Einheit des Innern und Aeußern iſt die abſolute Wirklichkeit. Dieſe Wirklichkeit aber iſt zunächſt das Abſolute als ſolches; — inſofern ſie als Einheit geſetzt iſt, in der ſich die Form aufgehoben, und zu dem leeren oder äußern Unterſchiede eines Aeußern und Innern gemacht hat. Die Reflexion verhält ſich gegen dieß Abſolute als äußerliche, welche es vielmehr nur betrachtet, als daß ſie ſeine eigene Bewegung wäre. Indem ſie aber weſentlich dieß iſt, iſt ſie als ſeine negative Rückkehr in ſich.
Zweitens die eigentliche Wirklichkeit. Wirklichkeit, Möglichkeit und Nothwendigkeit machen die formellen Momente des Abſoluten, oder die Reflexion deſſelben aus.
Drittens die Einheit des Abſoluten und ſeiner Reflexion iſt das abſolute Verhältniß, oder vielmehr das Abſolute als Verhältniß zu ſich ſelbſt; Subſtanz.
Die einfache gediegene Identität des Abſoluten iſt unbeſtimmt, oder in ihr hat ſich vielmehr alle Beſtimmtheit des Weſens und der Exiſtenz, oder des Seyns überhaupt ſowohl als der Reflexion aufgelöſt. Inſofern fällt das Beſtimmen deſſen, was das Abſolute ſey, negativ aus, und das Abſolute ſelbſt erſcheint nur als die Negation aller Prädicate und als das Leere. Aber indem es ebenſo ſehr als die Poſition aller Prädicate ausgeſprochen werden muß, erſcheint es als der formellſte Widerſpruch. Inſofern jenes Negiren und dieſes Setzen, der äußern Reflexion angehört, ſo iſt es eine formelle unſyſtematiſche Dialektik, die mit leichter Mühe die mancherlei Beſtimmungen hierher und dorther aufgreift, und mit ebenſo leichter Mühe einerſeits ihre Endlichkeit und bloße Relativität aufzeigt, als andererſeits, indem es ihr als die Totalität vorſchwebt, auch das Inwohnen aller Beſtimmungen von ihm ausſpricht, — ohne dieſe Poſitionen und jene Negationen zu einer wahrhaften Einheit erheben zu können. — Es ſoll aber dargeſtellt werden, was das Abſolute iſt; aber dieß Darſtellen kann nicht ein Beſtimmen noch äußere Reflexion ſeyn, wodurch Beſtimmungen deſſelben würden, ſondern es iſt die Auslegung und zwar die eigene Auslegung des Abſoluten, und nur ein Zeigen deſſen was es iſt.
Das Abſolute iſt nicht nur das Seyn, noch auch das Weſen. Jene iſt die erſte unreflectirte Unmittelbarkeit, dieſe die reflectirte; jedes iſt ferner Totalität an ihm ſelbſt; aber eine beſtimmte. Am Weſen tritt das Seyn als Exiſtenz hervor; und die Beziehung von Seyn und Weſen hat ſich bis zum Verhältniſſe des Innern und Aeußern fortgebildet. Das Innere iſt das Weſen aber als die Totalität, welche weſentlich die Beſtimmung hat, auf das Seyn bezogen und unmittelbar Seyn zu ſeyn. Das Aeußere iſt das Seyn, aber mit der weſentlichen Beſtimmung, auf die Reflexion bezogen unmittelbar ebenſo verhältnißloſe Identität mit dem Weſen zu ſeyn. Das Abſolute ſelbſt iſt die abſolute Einheit beider; es iſt dasjenige, was überhaupt den Grund des weſentlichen Verhältniſſes ausmacht, das als Verhältniß nur noch nicht in dieſe ſeine Identität zurückgegangen, und deſſen Grund noch nicht geſetzt iſt.
Hieraus ergiebt ſich, daß die Beſtimmung des Abſoluten iſt, die abſolute Form zu ſeyn, aber zugleich nicht als die Identität, deren Momente nur einfache Beſtimmtheiten ſind; — ſondern die Identität, deren Momente jedes an ihm ſelbſt die Totalität, und ſomit als gleichgültig gegen die Form, der vollſtändige Inhalt des Ganzen iſt. Aber umgekehrt iſt das Abſolute ſo der abſolute Inhalt, daß der Inhalt, der als ſolcher gleichgültige Mannigfaltigkeit iſt, die negative Formbeziehung an ihm hat, wodurch ſeine Mannigfaltigkeit nur Eine gediegene Identität iſt.
Die Identität des Abſoluten iſt ſomit dadurch die abſolute, daß jeder ſeiner Theile ſelbſt das Ganze oder jede Beſtimmtheit die Totalität iſt, d. h. daß die Beſtimmtheit überhaupt ein ſchlechthin durchſichtiger Schein, ein in ſeinem Geſetztſeyn verſchwundener Unterſchied geworden iſt. Weſen, Exiſtenz, an ſich ſeyende Welt, Ganzes, Theile, Kraft, — dieſe reflectirten Beſtimmungen erſcheinen dem Vorſtellen als an und für ſich geltendes, wahres Seyn, das Abſolute aber iſt gegen ſie der Grund, in dem ſie untergegangen ſind. — Weil nun im Abſoluten die Form nur die einfache Identität mit ſich iſt, ſo beſtimmt ſich das Abſolute nicht; denn die Beſtimmung iſt ein Formunterſchied, der zunächſt als ſolcher gilt. Weil es aber zugleich allen Unterſchied und Formbeſtimmung überhaupt enthält, oder weil es ſelbſt die abſolute Form und Reflexion iſt, ſo muß auch die Verſchiedenheit des Inhalts an ihm hervortreten. Aber das Abſolute ſelbſt iſt die abſolute Identität; dieß iſt ſeine Beſtimmung, indem alle Mannigfaltigkeit der an ſich ſeyenden und der erſcheinenden Welt, oder der innerlichen und äußerlichen Totalität in ihm aufgehoben iſt. — In ihm ſelbſt iſt kein Werden, denn es iſt nicht das Seyn, noch iſt es das ſich reflectirende Beſtimmen; denn es iſt nicht das ſich nur in ſich beſtimmende Weſen; es iſt auch nicht ein ſich Aeußern; denn es iſt als die Identität des Innern und Aeußern. — Aber ſo ſteht die Bewegung der Reflexion ſeiner abſoluten Identität gegenüber. Sie iſt in dieſer aufgehoben, ſo iſt ſie nur deren Inneres, hiermit aber iſt ſie ihr äußerlich. — Sie beſteht daher zunächſt nur darin, ihr Thun im Abſoluten aufzuheben. Sie iſt das Jenſeits der mannigfaltigen Unterſchiede und Beſtimmungen und deren Bewegung, welches dem Abſoluten im Rücken liegt; ſie iſt daher zwar das Aufnehmen derſelben, aber zugleich ihr Untergehen; ſo iſt ſie die negative Auslegung des Abſoluten, die vorhin erwähnt wurde. — In ihrer wahrhaften Darſtellung iſt dieſe Auslegung das bisherige Ganze der logiſchen Bewegung der Sphäre des Seyns und des Weſens, deren Inhalt nicht von außen als ein gegebener und zufälliger aufgerafft, noch durch eine ihm äußere Reflexion in den Abgrund des Abſoluten verſenkt worden, ſondern ſich an ihm durch ſeine innere Nothwendigkeit beſtimmt und als eigenes Werden des Seyns, und als Reflexion des Weſens in das Abſolute als in ſeinen Grund zurückgegangen iſt.
Dieſe Auslegung hat aber ſelbſt zugleich eine poſitive Seite; inſofern nämlich das Endliche darin, daß es zu Grunde geht, dieſe Natur beweiſt, auf das Abſolute bezogen zu ſeyn, oder das Abſolute an ihm ſelbſt zu enthalten. Aber dieſe Seite iſt nicht ſo ſehr die poſitive Auslegung des Abſoluten ſelbſt, als vielmehr die Auslegung der Beſtimmungen, daß ſie nämlich das Abſolute zu ihrem Abgrunde, aber auch zu ihrem Grunde haben, oder daß das, was ihnen, dem Schein, ein Beſtehen giebt, das Abſolute ſelbſt iſt. — Der Schein iſt nicht das Nichts, ſondern er iſt Reflexion, Beziehung auf das Abſolute; oder er iſt Schein, inſofern das Abſolute in ihm ſcheint. Dieſe poſitive Auslegung hält ſo noch das Endliche vor ſeinem Verſchwinden auf, und betrachtet es als einen Ausdruck und Abbild des Abſoluten. Aber die Durchſichtigkeit des Endlichen, das nur das Abſolute durch ſich hindurchblicken läßt, endigt in gänzliches Verſchwinden; denn es iſt nichts am Endlichen, was ihm einen Unterſchied gegen das Abſolute erhalten könnte; es iſt ein Medium, das von dem, was durch es ſcheint, abſorbirt wird.
Dieſe poſitive Auslegung des Abſoluten iſt daher ſelbſt nur ein Scheinen; denn das wahrhaft Poſitive, was ſie und der ausgelegte Inhalt enthält, iſt das Abſolute ſelbſt. Was für weitere Beſtimmungen vorkommen, die Form, worin das Abſolute ſcheint, iſt ein Nichtiges, das die Auslegung von außenher aufnimmt, und woran ſie einen Anfang zu ihrem Thun gewinnt. Eine ſolche Beſtimmung hat nicht im Abſoluten ihren Anfang, ſondern nur ihr Ende. Dieſes Auslegen iſt daher zwar abſolutes Thun durch ſeine Beziehung auf das Abſolute, in das es zurückgeht, aber nicht nach ſeinem Ausgangspuncte, der eine dem Abſoluten äußerliche Beſtimmung iſt.
In der That aber iſt das Auslegen des Abſoluten ſein eigenes Thun, und das bei ſich anfängt, wie es bei ſich ankommt. Das Abſolute, nur als abſolute Identität, iſt es beſtimmt; nämlich als Identiſches; es iſt durch die Reflexion ſo geſetzt, gegen die Entgegenſetzung und Mannigfaltigkeit; oder es iſt nur das Negative der Reflexion und des Beſtimmens überhaupt. — Nicht nur jenes Auslegen des Abſoluten iſt daher ein Unvollkommenes, ſondern auch dieß Abſolute ſelbſt, bei welchem nur angekommen wird. Oder jenes Abſolute, das nur als abſolute Identität iſt, iſt nur das Abſolute einer äußern Reflexion. Es iſt daher nicht das Abſolut-Abſolute, ſondern das Abſolute in einer Beſtimmtheit, oder es iſt Attribut.
Aber das Abſolute iſt nicht nur Attribut, weil es Gegenſtand einer äußern Reflexion und ſomit ein durch ſie Beſtimmtes iſt. — Oder die Reflexion iſt nicht nur ihm äußerlich; ſondern unmittelbar, darum weil ſie ihm äußerlich iſt, iſt ſie ihm innerlich. Das Abſolute iſt nur das Abſolute, weil es nicht die abſtracte Identität, ſondern die Identität des Seyns und Weſens, oder die Identität des Innern und Aeußern iſt. Es iſt alſo ſelbſt die abſolute Form, welche es in ſich ſcheinen macht, und es zum Attribut beſtimmt.
Der Ausdruck, der gebraucht worden iſt: das Abſolut-Abſolute, bezeichnet das in ſeiner Form in ſich zurückgekehrte Abſolute, oder deſſen Form ſeinem Inhalte gleich iſt. Das Attribut iſt das nur relative Abſolute, eine Verknüpfung, welche nichts Anderes bedeutet, als das Abſolute in einer Formbeſtimmung. Die Form iſt nämlich zuerſt vor ihrer vollendeten Auslegung nur erſt innerlich, oder was daſſelbe iſt, nur äußerlich, überhaupt zuerſt beſtimmte Form oder Negation überhaupt. Aber weil ſie zugleich als Form des Abſoluten iſt, ſo iſt das Attribut der ganze Inhalt des Abſoluten; es iſt die Totalität, welche früher als eine Welt erſchien, oder als eine der Seiten des weſentlichen Verhältniſſes, deren jede ſelbſt das Ganze iſt. Aber die beiden Welten, die erſcheinende und die an und für ſich ſeyende, ſollten jede in ihrem Weſen einander entgegengeſetzt ſeyn. Die eine Seite des weſentlichen Verhältniſſes war zwar der andern gleich; das Ganze ſo viel als die Theile; die Aeußerung der Kraft derſelbe Inhalt, als dieſe ſelbſt, und das Aeußere überhaupt daſſelbe was das Innere. Aber zugleich ſollten dieſe Seiten jede noch ein eigenes unmittelbares Beſtehen haben, die eine als die ſeyende, die andere als die reflectirte Unmittelbarkeit. Im Abſoluten dagegen ſind dieſe unterſchiedenen Unmittelbarkeiten zum Scheine herabgeſetzt, und die Totalität, welche das Attribut iſt, iſt geſetzt als ſein wahres und einziges Beſtehen; die Beſtimmung aber, in der es iſt, als das unweſentliche.
Das Abſolute iſt darum Attribut, weil es als einfache abſolute Identität in der Beſtimmung der Identität iſt; an die Beſtimmung überhaupt können nun andere Beſtimmungen angeknüpft werden, z. B. auch daß mehrere Attribute ſeyen. Aber weil die abſolute Identität nur dieſe Bedeutung hat, nicht nur daß alle Beſtimmungen aufgehoben ſind, ſondern daß ſie auch die Reflexion iſt, die ſich ſelbſt aufgehoben hat, ſo ſind an ihr alle Beſtimmungen geſetzt als aufgehobene. Oder die Totalität iſt geſetzt als die abſolute, oder das Attribut hat das Abſolute zu ſeinem Inhalt und Beſtehen; ſeine Formbeſtimmung, wodurch es Attribut iſt, iſt daher auch geſetzt, unmittelbar als bloßer Schein; das Negative als Negatives. Der poſitive Schein, den die Auslegung ſich durch das Attribut giebt, indem ſie das Endliche in ſeiner Schranke nicht als ein an und für ſich Seyendes nimmt, ſondern ſein Beſtehen in das Abſolute auflöſt und es zum Attribut erweitert, hebt dieß ſelbſt auf, daß es Attribut ſey; ſie verſenkt daſſelbe und ihr unterſcheidendes Thun in das einfache Abſolute.
Aber indem die Reflexion von ihrem Unterſcheiden ſo nur zur Identität des Abſoluten zurückkehrt, iſt ſie zugleich nicht aus ihrer Aeußerlichkeit heraus und zum wahrhaften Abſoluten gekommen. Sie hat nur die unbeſtimmte, abſtracte Identität erreicht; das heißt, diejenige, welche in der Beſtimmtheit der Identität iſt. — Oder die Reflexion, indem ſie als innere Form das Abſolute zum Attribut beſtimmt, ſo iſt dieſes Beſtimmen ein noch von der Aeußerlichkeit Verſchiedenes; die innere Beſtimmung durchdringt das Abſolute nicht; ſeine Aeußerung iſt, als ein bloß Geſetztes am Abſoluten zu verſchwinden.
Die Form alſo, ſie werde als äußere oder innere genommen, wodurch das Abſolute Attribut wäre, iſt zugleich geſetzt, ein an ſich ſelbſt Nichtiges, ein äußerlicher Schein, oder bloße Art und Weiſe zu ſeyn.
Das Attribut iſt erſtlich das Abſolute als in der einfachen Identität mit ſich. Zweitens iſt es Negation, und dieſe als Negation iſt die formelle Reflexion-in-ſich. Dieſe beiden Seiten machen zunächſt die zwei Extreme des Attributs aus, deren Mitte es ſelbſt iſt, indem es ſowohl das Abſolute als die Beſtimmtheit iſt. — Das zweite dieſer Extreme iſt das Negative als Negatives, die dem Abſoluten äußerliche Reflexion. — Oder inſofern es als das Innere des Abſoluten genommen wird, und ſeine eigene Beſtimmung es iſt, ſich als Modus zu ſetzen, ſo iſt er das Außerſichſeyn des Abſoluten, der Verluſt ſeiner in die Veränderlichkeit und Zufälligkeit des Seyns, ſein Uebergegangenſeyn ins Entgegengeſetzte ohne Rückkehr in ſich; die totalitätsloſe Mannigfaltigkeit der Form und Inhaltsbeſtimmungen. —
Der Modus, die Aeußerlichkeit des Abſoluten, iſt aber nicht nur dieß, ſondern die als Aeußerlichkeit geſetzte Aeußerlichkeit, eine bloße Art und Weiſe; ſomit der Schein als Schein, oder die Reflexion der Form in ſich; ſomit die Identität mit ſich, welche das Abſolute iſt. In der That iſt alſo erſt im Modus das Abſolute als abſolute Identität geſetzt; es iſt nur, was es iſt, nämlich Identität mit ſich, als ſich auf ſich beziehende Negativität, als Scheinen, das als Scheinen geſetzt iſt.
Inſofern daher die Auslegung des Abſoluten von ſeiner abſoluten Identität anfängt, und zu dem Attribute und von da zum Modus übergeht, ſo hat ſie darin vollſtändig ihre Momente durchloſſen. Aber erſtlich iſt ſie darin nicht ein bloß negatives Verhalten gegen dieſe Beſtimmungen, ſondern dieß ihr Thun iſt die reflectirende Bewegung ſelbſt, als welche das Abſolute nur wahrhaft die abſolute Identität iſt. — Zweitens hat ſie es dabei nicht bloß mit Aeußerlichem zu thun, und der Modus iſt nicht nur die äußerſte Aeußerlichkeit, ſondern weil er der Schein als Schein iſt, ſo iſt er die Rückkehr in ſich, die ſich ſelbſt auflöſende Reflexion, als welche das Abſolute abſolutes Seyn iſt. — Drittens ſcheint die auslegende Reflexion von ihren eigenen Beſtimmungen und von Aeußerlichem anzufangen, die Modos oder auch die Beſtimmungen des Attributs, als ſonſt außer dem Abſoluten vorgefundene aufzunehmen, und ihr Thun darin zu beſtehen, daß ſie dieſelben in die indifferente Identität nur zurückführt. In der That aber hat ſie an dem Abſoluten ſelbſt die Beſtimmtheit, von der ſie anfängt. Denn das Abſolute als erſte indifferente Identität iſt ſelbſt nur das beſtimmte Abſolute, oder Attribut, weil es das unbewegte, noch unreflectirte Abſolute iſt. Dieſe Beſtimmtheit, weil ſie Beſtimmtheit iſt, gehört der reflectirenden Bewegung an; nur durch ſie iſt es beſtimmt als das erſte Identiſche, ebenſo nur durch ſie hat es die abſolute Form, und iſt nicht das ſich Gleichſeyende, ſondern das ſich ſelbſt Gleichſetzende.
Die wahrhafte Bedeutung des Modus iſt daher, daß er die reflectirende eigene Bewegung des Abſoluten iſt; ein Beſtimmen, aber nicht, wodurch es ein Anderes würde, ſondern nur deſſen, was es ſchon iſt; die durchſichtige Aeußerlichkeit, welche das Zeigen ſeiner ſelbſt iſt; eine Bewegung aus ſich heraus; aber ſo, daß dieß Seyn-nach-Außen ebenſo ſehr die Innerlichkeit ſelbſt iſt; und damit ebenſo ſehr ein Setzen, das nicht bloß Geſetztſeyn, ſondern abſolutes Seyn iſt.
Wenn daher nach einem Inhalt der Auslegung gefragt wird, was denn das Abſolute zeige? ſo iſt der Unterſchied von Form und Inhalt im Abſoluten ohnehin aufgelöſt. Oder eben dieß iſt der Inhalt des Abſoluten, ſich zu manifeſtiren. Das Abſolute iſt die abſolute Form, welche als die Entzweiung ihrer ſchlechthin identiſch mit ſich iſt, das Negative als Negatives; oder das mit ſich zuſammengeht, und nur ſo die abſolute Identität mit ſich iſt, die ebenſo ſehr gleichgültig gegen ihre Unterſchiede, oder abſoluter Inhalt iſt; der Inhalt iſt daher nur dieſe Auslegung ſelbſt.
Das Abſolute als dieſe ſich ſelbſt tragende Bewegung der Auslegung, als Art und Weiſe, welche ſeine abſolute Identität mit ſich ſelbſt iſt, iſt Aeußerung, nicht eines Innern, nicht gegen ein Anderes, ſondern iſt nur als abſolutes ſich für ſich ſelbſt Manifeſtiren; es iſt ſo Wirklichkeit.
Anmerkung.
Dem Begriffe des Abſoluten und dem Verhältniſſe der Reflexion zu demſelben, wie es ſich hier dargeſtellt hat, entſpricht der Begriff der ſpinoziſtiſchen Subſtanz. Der Spinozismus iſt darin eine mangelhafte Philoſophie, daß die Reflexion und deren mannigfaltiges Beſtimmen ein äußerliches Denken iſt. — Die Subſtanz dieſes Syſtems iſt Eine Subſtanz, Eine untrennbare Totalität; es giebt keine Beſtimmtheit, die nicht in dieſem Abſoluten enthalten und aufgelöſt wäre; und es iſt wichtig genug, das Alles, was dem natürlichen Vorſtellen oder dem beſtimmenden Verſtande als Selbſtſtändiges erſcheint und vorſchwebt, in jenem nothwendigen Begriffe gänzlich zu einem bloßen Geſetztſeyn herabgeſetzt iſt. — Die Beſtimmtheit iſt Negation, iſt das abſolute Princip der ſpinoziſtiſchen Philoſophie; dieſe wahrhafte und einfache Einſicht begründet die abſolute Einheit der Subſtanz. Aber Spinoza bleibt bei der Negation als Beſtimmtheit oder Qualität ſtehen; er geht nicht zur Erkenntniß derſelben als abſoluter, das heißt, ſich negirender Negation fort; ſomit enthält ſeine Subſtanz nicht ſelbſt die abſolute Form, und das Erkennen derſelben iſt kein immanentes Erkennen. Zwar iſt die Subſtanz abſolute Einheit des Denkens und Seyns oder der Ausdehnung; ſie enthält alſo das Denken ſelbſt, aber nur in ſeiner Einheit mit der Ausdehnung; das heißt nicht als ſich von der Ausdehnung trennend, ſomit überhaupt nicht als Beſtimmen und Formiren, noch auch als die zurückkehrende und aus ſich ſelbſt anfangende Bewegung. Theils fehlt dadurch der Subſtanz das Princip der Perſönlichkeit, — ein Mangel, welcher vornehmlich gegen das ſpinoziſtiſche Syſtem empört hat; — theils iſt das Erkennen die äußerliche Reflexion, welche das, was als Endliches erſcheint, die Beſtimmtheit des Attributs und den Modus, wie auch überhaupt ſich ſelbſt, nicht aus der Subſtanz begreift und ableitet, ſondern als ein äußerlicher Verſtand thätig iſt, die Beſtimmungen als gegebene aufnimmt, und ſie auf das Abſolute zurückführt, nicht aber von dieſem ihre Anfänge hernimmt.
Die Begriffe, die Spinoza von der Subſtanz giebt, ſind die Begriffe der Urſache ſeiner ſelbſt, — daß ſie das iſt, deſſen Weſen die Exiſtenz in ſich ſchließe; — daß der Begriff des Abſoluten nicht des Begriffs eines Andern bedürfe, von dem er gebildet werden müſſe; — dieſe Begriffe, ſo tief und richtig ſie ſind, ſind Definitionen, welche vorne in der Wiſſenſchaft unmittelbar angenommen werden. Mathematik und andere untergeordnete Wiſſenſchaften müſſen mit einem Vorausgeſetzten anfangen, das ihr Element und poſitive Grundlage ausmacht. Aber das Abſolute kann nicht ein Erſtes, Unmittelbares ſeyn, ſondern das Abſolute iſt weſentlich ſein Reſultat.
Nach der Definition des Abſoluten tritt bei Spinoza ferner die Definition des Attributs auf; und wird als dasjenige beſtimmt, wie der Verſtand deſſen Weſen begreift. Außerdem daß der Verſtand ſeiner Natur nach als ſpäter angenommen wird, als das Attribut, — denn Spinoza beſtimmt ihn als Modus, — ſo wird das Attribut, die Beſtimmung als Beſtimmung des Abſoluten, von einem Andern, dem Verſtande, abhängig gemacht, welches der Subſtanz gegenüber äußerlich und unmittelbar auftritt.
Die Attribute beſtimmt Spinoza ferner als unendlich; und zwar unendlich auch im Sinne einer unendlichen Vielheit. Es kommen zwar weiterhin nur die zwei vor, — Denken und Ausdehnung, und es iſt nicht gezeigt, wie die unendliche Vielheit ſich nothwendig nur auf den Gegenſatz und zwar dieſen beſtimmten, des Denkens und der Ausdehnung, reducirt. — Dieſe beiden Attribute ſind deswegen empiriſch aufgenommen. Denken und Seyn ſtellen das Abſolute in einer Determination vor, das Abſolute ſelbſt iſt ihre abſolute Einheit, ſo daß ſie nur unweſentliche Formen ſind, die Ordnung der Dinge dieſelbe iſt, als die der Vorſtellungen oder Gedanken, und das Eine Abſolute nur von der äußerlichen Reflexion, einem Modus, unter jenen beiden Beſtimmungen, das eine Mal als eine Totalität von Vorſtellungen, das andere Mal als eine Totalität von Dingen und deren Veränderungen betrachtet wird. Wie es dieſe äußere Reflexion iſt, welche jenen Unterſchied macht, ſo iſt ſie es auch, die ihn in die abſolute Identität zurückführt und verſenkt. Dieſe ganze Bewegung aber geht außer dem Abſoluten vor. Zwar iſt dieſes ſelbſt auch das Denken, und ſofern dieſe Bewegung nur im Abſoluten; aber, wie bemerkt, iſt ſie im Abſoluten nur als Einheit mit der Ausdehnung, ſomit nicht als dieſe Bewegung, welche weſentlich auch das Moment der Entgegenſetzung iſt. — Spinoza macht die erhabene Forderung an das Denken, Alles unter der Geſtalt der Ewigkeit, sub specie aeterni, zu betrachten, das heißt, wie es im Abſoluten iſt. Aber in jenem Abſoluten, das nur die unbewegte Identität iſt, iſt das Attribut, wie der Modus, nur als verſchwindend, nicht als werdend, ſo daß hiermit auch jenes Verſchwinden ſeinen poſitiven Anfang nur von Außen nimmt.
Das Dritte, der Modus, iſt bei Spinoza Affection der Subſtanz, die beſtimmte Beſtimmtheit, was in einem Andern iſt, und durch dieß Andere gefaßt wird. Die Attribute haben eigentlich nur die unbeſtimmte Verſchiedenheit zu ihrer Beſtimmung; jedes ſoll die Totalität der Subſtanz ausdrücken und aus ſich ſelbſt begriffen werden; inſofern es aber das Abſolute als beſtimmt iſt, ſo enthält es das Andersſeyn, und iſt nicht nur aus ſich ſelbſt zu begreifen. In dem Modus iſt daher erſt eigentlich die Beſtimmung des Attributs geſetzt. Dieß Dritte bleibt ferner bloßer Modus, einerſeits iſt er unmittelbar Gegebenes, andererſeits wird ſeine Nichtigkeit nicht als Reflexion in ſich erkannt. — Die ſpinoziſtiſche Auslegung des Abſoluten iſt daher inſofern wohl vollſtändig, als ſie von dem Abſoluten anfängt, hierauf das Attribut folgen läßt und mit dem Modus endigt; aber dieſe drei werden nur nach einander ohne innere Folge der Entwickelung aufgezählt, und das Dritte iſt nicht die Negation als Negation, nicht ſich negativ auf ſich beziehende Negation, wodurch ſie an ihr ſelbſt die Rückkehr in die erſte Identität und dieſe wahrhafte Identität wäre. Es fehlt daher die Nothwendigkeit des Fortgangs des Abſoluten zur Unweſentlichkeit, ſo wie ihre Auflöſung an und für ſich ſelbſt in die Identität; oder es mangelt ſowohl das Werden der Identität als ihrer Beſtimmungen.
Auf gleiche Weiſe iſt in der orientaliſchen Vorſtellung der Emanation das Abſolute das ſich ſelbſt erleuchtende Licht. Allein es erleuchtet ſich nicht nur, ſondern ſtrömt auch aus. Seine Ausſtrömungen ſind Entfernungen von ſeiner ungetrübten Klarheit; die folgenden Ausgeburten ſind unvollkommener als die vorhergehenden, aus denen ſie entſtehen. Das Ausſtrömen iſt nur als ein Geſchehen genommen, das Werden nur als ein fortgehender Verluſt. So verdunkelt ſich das Seyn immer mehr, und die Nacht, das Negative, iſt das Letzte der Linie, das nicht in das erſte Licht zuerſt kehrt.
Der Mangel der Reflexion in ſich, den die ſpinoziſtiſche Auslegung des Abſoluten wie die Emanationslehre an ihr hat, iſt in dem Begriffe der leibnitziſchen Monade ergänzt. — Der Einſeitigkeit eines philoſophiſchen Princips pflegt ſich die entgegengeſetzte gegenüber zu ſtellen, und, wie in Allem, die Totalität wenigſtens als eine zerſtreute Vollſtändigkeit vorhanden zu ſeyn. — Die Monade iſt nur Eins, ein in ſich reflectirtes Negatives; ſie iſt die Totalität des Inhalts der Welt; das verſchiedene Mannigfaltige iſt in ihr nicht nur verſchwunden, ſondern auf negative Weiſe aufbewahrt; die ſpinoziſtiſche Subſtanz iſt die Einheit alles Inhalts; aber dieſer mannigfaltige Inhalt der Welt iſt nicht als ſolcher in ihr, ſondern in der ihr äußerlichen Reflexion. Die Monade iſt daher weſentlich vorſtellend; ſie hat aber, ob ſie wohl eine endliche iſt, keine Paſſivität; ſondern die Veränderungen und Beſtimmungen in ihr ſind Manifeſtationen ihrer in ihr ſelbſt. Sie iſt Entelechie; das Offenbaren iſt ihr eigenes Thun. — Dabei iſt die Monade auch beſtimmt, von anderen unterſchieden; die Beſtimmtheit fällt in den beſondern Inhalt und die Art und Weiſe der Manifeſtation. Die Monade iſt daher an ſich, ihrer Subſtanz nach, die Totalität, nicht in ihrer Manifeſtation. Dieſe Beſchränkung der Monade fällt nothwendig nicht in die ſich ſelbſt ſetzende oder vorſtellende Monade, ſondern in ihr Anſichſeyn, oder iſt abſolute Grenze, eine Prädeſtination, welche durch ein anderes Weſen, als ſie iſt, geſetzt wird. Ferner da Begrenzte nur ſind, als ſich auf andere Begrenzte beziehend, die Monade aber zugleich ein in ſich geſchloſſenes Abſolutes iſt, ſo fällt die Harmonie dieſer Begrenzungen, nämlich die Beziehung der Monaden auf einander, außer ihnen und iſt gleichfalls von einem andern Weſen oder an ſich-präſtabilirt.
Es erhellt, daß durch das Princip der Reflexion-in-ſich, welches die Grundbeſtimmung der Monade ausmacht, zwar das Andersſeyn und die Einwirkung von außen überhaupt entfernt iſt, und die Veränderungen der Monade ihr eigenes Setzen ſind, — daß aber auf der andern Seite die Paſſivität durch Anderes nur in eine abſolute Schranke, in eine Schranke des Anſichſeyns verwandelt iſt. Leibnitz ſchreibt den Monaden eine gewiſſe Vollendung in ſich zu, eine Art von Selbſtſtändigkeit; ſie ſind geſchaffene Weſen. — Näher ihre Schranke betrachtet, ſo ergiebt ſich aus dieſer Darſtellung, daß die Manifeſtation ihrer ſelbſt, die ihnen zukommt, die Totalität der Form iſt. Er iſt ein höchſt wichtiger Begriff, daß die Veränderungen der Monade als paſſivitätsloſe Actionen, als Manifeſtationen ihrer ſelbſt vorgeſtellt, und das Princip der Reflexion in ſich, oder der Individuation als weſentlich hervorſteht. Ferner iſt es nothwendig, die Endlichkeit darin beſtehen zu laſſen, daß der Inhalt oder die Subſtanz von der Form unterſchieden, und dann weiter jene beſchränkt, dieſe aber unendlich iſt. Aber nun wäre im Begriffe der abſoluten Monade nicht nur jene abſolute Einheit der Form und des Inhalts, ſondern auch die Natur der Reflexion, als die ſich auf ſich ſelbſt beziehende Negativität ſich von ſich abzuſtoßen, wodurch ſie ſetzend und ſchaffend iſt, zu finden. Es iſt zwar im leibnitziſchen Syſteme das Weitere gleichfalls vorhanden, daß Gott die Quelle der Exiſtenz und des Weſens der Monaden iſt, d. h. daß jene abſoluten Schranken im Anſichſeyn der Monaden nicht an und für ſich ſeyende ſind, ſondern im Abſoluten verſchwinden. Aber es zeigen ſich in dieſen Beſtimmungen nur die gewöhnlichen Vorſtellungen, die ohne philoſophiſche Entwickelung gelaſſen und nicht zu ſpeculativen Begriffen erhoben ſind. So erhält das Princip der Individuation ſeine tiefere Ausführung nicht; die Begriffe über die Unterſcheidungen der verſchiedenen endlichen Monaden, und über ihr Verhältniß zu ihrem Abſoluten, entſpringen nicht aus dieſem Weſen ſelbſt oder nicht auf abſolute Weiſe, ſondern gehören der räſonnirenden, dogmatiſchen Reflexion an, und ſind daher zu keiner innern Cohärenz gediehen.
Das Abſolute iſt die Einheit des Innern und Aeußern als erſte, anſichſeyende Einheit. Die Auslegung erſchien als äußere Reflexion, die auf ihrer Seite das Unmittelbare als ein Vorgefundenes hat, aber zugleich die Bewegung und Beziehung deſſelben auf das Abſolute iſt, und als ſolche es in dieſes zurückführt, und als eine bloße Art und Weiſe beſtimmt. Aber dieſe Art und Weiſe iſt die Beſtimmung des Abſoluten ſelbſt, nämlich ſeine erſte Identität oder ſeine bloß an ſich ſeyende Einheit. Und zwar wird durch dieſe Reflexion nicht nur jenes erſte Anſichſeyn geſetzt als weſenloſe Beſtimmung, ſondern weil ſie negative Beziehung auf ſich iſt, wird erſt durch ſie jener Modus. Dieſe Reflexion, als ſich ſelbſt in ihren Beſtimmungen aufhebend, und überhaupt als die in ſich zurückkehrende Bewegung, iſt erſt wahrhaft abſolute Identität, und zugleich iſt ſie das Beſtimmen des Abſoluten oder die Modalität deſſelben. Der Modus iſt daher die Aeußerlichkeit des Abſoluten, aber ebenſo ſehr nur als deſſen Reflexion in ſich; — oder er iſt die eigene Manifeſtation deſſelben, ſo daß dieſe Aeußerung ſeine Reflexion-in-ſich und damit ſein An-und-für-ſich-ſeyn iſt.
So als die Manifeſtation, daß es ſonſt nichts iſt und keinen Inhalt hat, als die Manifeſtation ſeiner zu ſeyn, iſt das Abſolute die abſolute Form. Die Wirklichkeit iſt als dieſe reflectirte Abſolutheit zu nehmen. Das Seyn iſt noch nicht wirklich: es iſt die erſte Unmittelbarkeit; ſeine Reflexion iſt daher Werden und Uebergehen in Anderes; oder ſeine Unmittelbarkeit iſt nicht An-und-für-ſich-ſeyn. Die Wirklichkeit ſteht auch höher als die Exiſtenz. Dieſe iſt zwar die aus dem Grunde und den Bedingungen, oder aus dem Weſen und deſſen Reflexion hervorgegangene Unmittelbarkeit. Sie iſt daher an ſich das, was die Wirklichkeit iſt, reale Reflexion, aber iſt noch nicht die geſetzte Einheit der Reflexion und der Unmittelbarkeit. Die Exiſtenz geht daher in Erſcheinung über, indem ſie die Reflexion, welche ſie enthält, entwickelt. Sie iſt der zu Grunde gegangene Grund; ihre Beſtimmung iſt die Wiederherſtellung deſſelben, ſo wird ſie weſentliches Verhältniß, und ihre letzte Reflexion iſt, daß ihre Unmittelbarkeit geſetzt iſt als die Reflexion-in-ſich, und umgekehrt; dieſe Einheit, in welcher Exiſtenz oder Unmittelbarkeit, und das Anſichſeyn, der Grund oder das Reflectirte ſchlechthin Momente ſind, iſt nun die Wirklichkeit. Das Wirkliche iſt darum Manifeſtation, es wird durch ſeine Aeußerlichkeit nicht in die Sphäre der Veränderung gezogen, noch iſt es Scheinen ſeiner in einem Andern, ſondern es manifeſtirt ſich; das heißt, es iſt in ſeiner Aeußerlichkeit es ſelbſt, und iſt nur in ihr, nämlich nur als ſich von ſich unterſcheidende und beſtimmende Bewegung, es ſelbſt.
In der Wirklichkeit nun als dieſer abſoluten Form ſind die Momente nur als aufgehobene oder formelle noch nicht realiſirt; ihre Verſchiedenheit gehört ſo zunächſt der äußern Reflexion an und iſt nicht als Inhalt beſtimmt.
Die Wirklichkeit als ſelbſt unmittelbare Formeinheit des Innern und Aeußern iſt damit in der Beſtimmung der Unmittelbarkeit gegen die Beſtimmung der Reflexion in ſich; oder ſie iſt eine Wirklichkeit gegen eine Möglichkeit. Die Beziehung beider auf einander iſt das Dritte, das Wirkliche beſtimmt ebenſo ſehr als in ſich reflectirtes Seyn, und dieſes zugleich als unmittelbar exiſtirendes. Dieſes Dritte iſt die Nothwendigkeit.
Aber zunächſt, indem Wirkliches und Mögliches formelle Unterſchiede ſind, iſt ihre Beziehung gleichfalls nur formell, und beſteht nur darin, daß das Eine wie das Andere ein Geſetztſeyn iſt, oder in der Zufälligkeit.
Damit nun, daß in der Zufälligkeit das Wirkliche wie das Mögliche das Geſetztſeyn iſt, haben ſie die Beſtimmung an ihnen erhalten; es wird dadurch zweitens die reale Wirklichkeit; womit ebenſo reale Möglichkeit und die relative Nothwendigkeit hervorgeht.
Die Reflexion der relativen Nothwendigkeit in ſich giebt drittens die abſolute Nothwendigkeit, welche abſolute Möglichkeit und Wirklichkeit iſt.
1. Die Wirklichkeit iſt formell, inſofern ſie als erſte Wirklichkeit nur unmittelbare, unreflectirte Wirklichkeit, ſomit nur in dieſer Formbeſtimmung, aber nicht als Totalität der Form iſt. Sie iſt ſo weiter nichts als ein Seyn oder Exiſtenz überhaupt. Aber weil ſie weſentlich nicht bloße unmittelbare Exiſtenz, ſondern, als Formeinheit des Anſichſeyns oder der Innerlichkeit und der Aeußerlichkeit iſt, ſo enthält ſie unmittelbar das Anſichſeyn oder die Möglichkeit. Was wirklich iſt, iſt möglich.
2. Dieſe Möglichkeit iſt die in ſich reflectirte Wirklichkeit. Aber dieß ſelbſt erſte Reflectirtſeyn iſt ebenfalls das Formelle, und hiermit überhaupt nur die Beſtimmung der Identität mit ſich oder des Anſichſeyns überhaupt.
Weil aber die Beſtimmung hier Totalität der Form iſt, iſt dieſes Anſichſeyn, beſtimmt als Aufgehobenes, oder als weſentlich nur in Beziehung auf die Wirklichkeit; als das Negative von dieſer, geſetzt als Negatives. Die Möglichkeit enthält daher die zwei Momente; erſtlich das poſitive, daß es ein Reflectirtſeyn in ſich ſelbſt iſt; aber indem es in der abſoluten Form herabgeſetzt iſt zu einem Momente, ſo gilt das Reflectirtſeyn-in-ſich nicht mehr als Weſen, ſondern hat zweitens die negative Bedeutung, daß die Möglichkeit ein Mangelhaftes iſt, auf ein Anderes, die Wirklichkeit, hinweiſt, und an dieſer ſich ergänzt.
Nach der erſten, der bloß poſitiven Seite iſt die Möglichkeit alſo die bloße Formbeſtimmung der Identität mit ſich, oder die Form der Weſentlichkeit. So iſt ſie der verhältnißloſe, unbeſtimmte Behälter für Alles überhaupt. — Im Sinne dieſer formellen Möglichkeit iſt Alles möglich, was ſich nicht widerſpricht; das Reich der Möglichkeit iſt daher die grenzenloſe Mannigfaltigkeit. Aber jedes Mannigfaltige iſt in ſich und gegen Anderes beſtimmt und hat die Negation an ihm; überhaupt geht die gleichgültige Verſchiedenheit in die Entgegenſetzung über; die Entgegenſetzung aber iſt der Widerſpruch. Daher iſt Alles ebenſo ſehr ein Widerſprechendes und daher Unmögliches.
— Dieß bloß formelle von Etwas Ausſagen, — es iſt möglich, — iſt daher ebenſo flach und leer, als der Satz des Widerſpruchs und jeder in ihn aufgenommene Inhalt, A iſt möglich, heißt ſo viel als A iſt A. Inſofern man ſich nicht auf die Entwickelung des Inhalts einläßt, ſo hat dieſer die Form der Einfachheit; erſt durch die Auflöſung deſſelben in ſeine Beſtimmungen kommt der Unterſchied an ihm hervor. Indem man ſich an jene einfache Form hält, ſo bleibt der Inhalt ein mit ſich Identiſches und daher ein Mögliches. Es iſt aber damit ebenſo Nichts geſagt, als mit dem formellen identiſchen Satze.
Das Mögliche enthält jedoch mehr, als der bloß identiſche Satz. Das Mögliche iſt das reflectirte In-ſich-reflectirtſeyn; oder das Identiſche ſchlechthin als Moment der Totalität, ſomit auch beſtimmt, nicht an ſich zu ſeyn; es hat daher die zweite Beſtimmung, nur ein Mögliches zu ſeyn, und das Sollen der Totalität der Form. Die Möglichkeit ohne dieſes Sollen iſt die Weſentlichkeit als ſolche; aber die abſolute Form enthält dieß, daß das Weſen ſelbſt nur Moment, und ohne Seyn ſeine Wahrheit nicht hat. Die Möglichkeit iſt dieſe bloße Weſentlichkeit, ſo geſetzt, daß ſie nur Moment und der abſoluten Form nicht gemäß iſt. Sie iſt das Anſichſeyn, beſtimmt, als nur ein Geſetztes; oder ebenſo ſehr als nicht an ſich zu ſeyn. — Die Möglichkeit iſt daher an ihr ſelbſt auch der Widerſpruch, oder ſie iſt die Unmöglichkeit.
Zunächſt drückt ſich dieß ſo aus, daß die Möglichkeit als aufgehoben geſetzte Formbeſtimmung einen Inhalt überhaupt an ihr hat. Dieſer iſt als möglich ein Anſichſeyn, das zugleich ein aufgehobenes oder ein Andersſeyn iſt. Weil er alſo nur ein möglicher iſt, iſt ebenſo ſehr ein anderer und ſein Gegentheil möglich. A iſt A; ebenſo — A iſt — A. Dieſe beiden Sätze drücken jeder die Möglichkeit ſeiner Inhaltsbeſtimmung aus. Aber als dieſe identiſchen Sätze ſind ſie gleichgültig gegen einander; es iſt mit dem einen nicht geſetzt, daß auch der andere hinzukomme. Die Möglichkeit iſt die vergleichende Beziehung beider; ſie enthält es in ihrer Beſtimmung, als eine Reflexion der Totalität, daß auch das Gegentheil möglich ſey. Sie iſt daher der beziehende Grund, daß darum, weil A = A, auch — A = — A iſt; in dem möglichen A iſt auch das mögliche Nicht-A enthalten, und dieſe Beziehung ſelbſt iſt es, welche beide als mögliche beſtimmt.
Als dieſe Beziehung aber, daß in dem einen Möglichen auch ſein Anderes enthalten iſt, iſt ſie der Widerſpruch, der ſich aufhebt. Da ſie nun ihrer Beſtimmung nach das Reflectirte, und wie ſich gezeigt hat, das ſich aufhebende Reflectirte iſt, ſo iſt ſie ſomit auch das Unmittelbare, und damit wird ſie Wirklichkeit.
3. Dieſe Wirklichkeit iſt nicht die erſte, ſondern die reflectirte, geſetzt als Einheit ihrer ſelbſt und der Möglichkeit. Das Wirkliche als ſolches iſt möglich; es iſt in unmittelbarer poſitiver Identität mit der Möglichkeit; aber dieſe hat ſich beſtimmt als nur Möglichkeit; ſomit iſt auch das Wirkliche beſtimmt als nur ein Mögliches. Und unmittelbar, darum weil die Möglichkeit in der Wirklichkeit unmittelbar enthalten iſt, iſt ſie darin als aufgehobene, als nur Möglichkeit. Umgekehrt die Wirklichkeit, die in Einheit iſt mit der Möglichkeit, iſt nur die aufgehobene Unmittelbarkeit; — oder darum weil die formelle Wirklichkeit nur unmittelbare erſte iſt, iſt ſie nur Moment, nur aufgehobene Wirklichkeit, oder nur Möglichkeit.
Hiermit iſt zugleich näher die Beſtimmung ausgedrückt, inwiefern die Möglichkeit Wirklichkeit iſt. Die Möglichkeit iſt nämlich noch nicht alle Wirklichkeit, von der realen und abſoluten Wirklichkeit iſt noch nicht die Rede geweſen; — ſie iſt nur erſt diejenige, welche zuerſt vorkam, nämlich die formelle, die ſich beſtimmt hat, nur Möglichkeit zu ſeyn, alſo die formelle Wirklichkeit, welche nur Seyn oder Exiſtenz überhaupt iſt. Alles Mögliche hat daher überhaupt ein Seyn oder eine Exiſtenz.
Dieſe Einheit der Möglichkeit und Wirklichkeit iſt die Zufälligkeit. — Das Zufällige iſt ein Wirkliches, das zugleich nur als möglich beſtimmt, deſſen Anderes oder Gegentheil ebenſo ſehr iſt. Dieſe Wirklichkeit iſt daher bloßes Seyn oder Exiſtenz, aber in ſeiner Wahrheit geſetzt, den Werth eines Geſetztſeyns oder der Möglichkeit zu haben. Umgekehrt iſt die Möglichkeit als die Reflexion-in-ſich oder das Anſichſeyn geſetzt als Geſetztſeyn; was möglich iſt, iſt ein Wirkliches in dieſem Sinne der Wirklichkeit; es hat nur ſo viel Werth als die zufällige Wirklichkeit; es iſt ſelbſt ein Zufälliges.
Das Zufällige bietet daher die zwei Seiten dar; erſtens inſofern es die Möglichkeit unmittelbar an ihm hat, oder, was daſſelbe iſt, inſofern ſie in ihm aufgehoben iſt, iſt es nicht Geſetztſeyn noch vermittelt, ſondern unmittelbare Wirklichkeit; es hat keinen Grund. — Weil auch dem Möglichen dieſe unmittelbare Wirklichkeit zukommt, ſo iſt es ſo ſehr als das Wirkliche beſtimmt als zufällig, und ebenfalls ein Grundloſes.
Das Zufällige iſt aber zweitens das Wirkliche als ein nur Mögliches oder als ein Geſetztſein; ſo auch das Mögliche iſt als formelles An-ſich-ſeyn nur Geſetztſeyn. Somit iſt Beides nicht an und für ſich ſelbſt, ſondern hat ſeine wahrhafte Reflexion-in-ſich in einem Andern, oder es hat einen Grund.
Das Zufällige hat alſo darum keinen Grund, weil es zufällig iſt; und ebenſo wohl hat es einen Grund, darum weil es zufällig iſt.
Es iſt das geſetzte, unvermittelte Umſchlagen des Innern und Aeußern, oder des In-ſich-reflectirt-ſeyns und des Seyns in einander; geſetzt dadurch daß Möglichkeit und Wirklichkeit, jede an ihr ſelbſt dieſe Beſtimmung hat, dadurch daß ſie Momente der abſoluten Form ſind. — So iſt die Wirklichkeit in ihrer unmittelbaren Einheit mit der Möglichkeit nur die Exiſtenz und beſtimmt als Grundloſes, das nur ein Geſetztes oder nur Mögliches iſt; — oder als reflectirt und beſtimmt gegen die Möglichkeit, ſo iſt ſie von der Möglichkeit, von dem In-ſich-reflectirt-ſeyn getrennt, und ſomit ebenſo unmittelbar auch nur ein Mögliches. — Ebenſo die Möglichkeit, als einfaches Anſichſeyn, iſt es ein Unmittelbares, nur ein Seyendes überhaupt; oder entgegengeſetzt gegen die Wirklichkeit, ebenſo ein Wirklichkeits-loſes Anſichſeyn, nur ein Mögliches, aber eben darum wieder nur eine nicht in ſich reflectirte Exiſtenz überhaupt.
Dieſe abſolute Unruhe des Werdens dieſer beiden Beſtimmungen iſt die Zufälligkeit. Aber darum weil jede unmittelbar in die entgegengeſetzte umſchlägt, ſo geht ſie in dieſer ebenſo ſchlechthin mit ſich ſelbſt zuſammen, und dieſe Identität derſelben einer in der andern iſt die Nothwendigkeit.
Das Nothwendige iſt ein Wirkliches; ſo iſt es als Unmittelbares, Grundloſes; es hat aber ebenſo ſehr ſeine Wirklichkeit durch ein Anderes oder in ſeinem Grunde, aber iſt zugleich das Geſetztſeyn dieſes Grundes und die Reflexion deſſelben in ſich; die Möglichkeit des Nothwendigen iſt eine aufgehobene. Das Zufällige iſt alſo nothwendig, darum weil das Wirkliche als Mögliches beſtimmt, damit ſeine Unmittelbarkeit aufgehoben und in Grund oder Anſichſeyn, und in Begründetes abgeſtoßen iſt, als auch weil dieſe ſeine Möglichkeit, die Grundbeziehung, ſchlechthin aufgehoben und als Seyn geſetzt iſt. Das Nothwendige iſt, und dieß Seyende iſt ſelbſt das Nothwendige. Zugleich iſt es an ſich; dieſe Reflexion-in-ſich iſt ein Anderes als jene Unmittelbarkeit des Seyns; und die Nothwendigkeit des Seyenden iſt ein Anderes. Das Seyende ſelbſt iſt ſo nicht das Nothwendige; aber dieſes Anſichſeyn iſt ſelbſt nur Geſetztſeyn, es iſt aufgehoben und ſelbſt unmittelbar. So iſt die Wirklichkeit in ihrem Unterſchiedenen, der Möglichkeit, identiſch mit ſich ſelbſt. Als dieſe Identität iſt ſie Nothwendigkeit.
1. Die Nothwendigkeit, die ſich ergeben hat, iſt formell, weil ihre Momente formell ſind, nämlich einfache Beſtimmungen, die nur als unmittelbare Einheit, oder als unmittelbares Umſchlagen des Einen in das Andere Totalität ſind, und ſomit nicht die Geſtalt der Selbſtſtändigkeit haben. — In dieſer formellen Nothwendigkeit iſt daher die Einheit zunächſt einfach und gegen ihre Unterſchiede gleichgültig. Als unmittelbare Einheit der Formbeſtimmungen iſt dieſe Nothwendigkeit Wirklichkeit; aber eine ſolche, die, weil ihre Einheit nunmehr beſtimmt iſt als gleichgültig gegen den Unterſchied der Formbeſtimmungen, nämlich ihrer ſelbſt und der Möglichkeit, einen Inhalt hat. Dieſer als gleichgültige Identität enthält auch die Form als gleichgültige, d. h. als bloß verſchiedene Beſtimmungen, und iſt mannigfaltiger Inhalt überhaupt. Dieſe Wirklichkeit iſt reale Wirklichkeit.
Die reale Wirklichkeit als ſolche iſt zunächſt das Ding von vielen Eigenſchaften, die exiſtirende Welt; aber ſie iſt nicht die Exiſtenz, welche ſich in Erſcheinung auflöſt, ſondern als Wirklichkeit iſt ſie zugleich Anſichſeyn und Reflexion-in-ſich; ſie erhält ſich in der Mannigfaltigkeit der bloßen Exiſtenz; ihre Aeußerlichkeit iſt innerliches Verhalten nur zu ſich ſelbſt. Was wirklich iſt, kann wirken; ſeine Wirklichkeit giebt Etwas kund durch das, was es hervorbringt. Sein Verhalten zu Anderem iſt die Manifeſtation ſeiner, weder ein Uebergehen, ſo bezieht das ſeyende Etwas ſich auf Anderes; — noch ein Erſcheinen, ſo iſt das Ding nur im Verhältniß zu andern, iſt ein Selbſtſtändiges, das aber ſeine Reflexion-in-ſich, ſeine beſtimmte Weſentlichkeit in einem andern Selbſtſtändigen hat.
Die reale Wirklichkeit hat nun gleichfalls die Möglichkeit unmittelbar an ihr ſelbſt. Sie enthält das Moment des Anſichſeyns; aber als nur erſt die unmittelbare Einheit iſt ſie in einer der Beſtimmungen der Form, hiermit als das Seyende von dem Anſichſeyn oder der Möglichkeit unterſchieden.
2. Dieſe Möglichkeit als das Anſichſeyn der realen Wirklichkeit iſt ſelbſt reale Möglichkeit, zunächſt das inhaltsvolle Anſichſeyn. — Die formelle Möglichkeit iſt die Reflexion-in-ſich nur als die abſtracte Identität, daß Etwas ſich in ſich nicht widerſpreche. Inſofern man ſich aber auf die Beſtimmungen, Umſtände, Bedingungen einer Sache einläßt, um daraus ihre Möglichkeit zu erkennen, bleibt man nicht mehr bei der formellen ſtehen, ſondern betrachtet ihre reale Möglichkeit.
Dieſe reale Möglichkeit iſt ſelbſt unmittelbare Exiſtenz, nicht mehr aber darum, weil die Möglichkeit als ſolche, als formelles Moment, unmittelbar ihr Gegentheil, eine nicht reflectirte Wirklichkeit iſt; ſondern weil ſie reale Möglichkeit iſt, hat ſie ſogleich dieſe Beſtimmung an ihr ſelbſt. Die reale Möglichkeit einer Sache iſt daher die daſeyende Mannigfaltigkeit von Umſtänden, die ſich auf ſie beziehen.
Dieſe Mannigfaltigkeit des Daſeyns iſt alſo zwar ſowohl Möglichkeit als Wirklichkeit, aber ihre Identität iſt nur erſt der Inhalt, der gegen dieſe Formbeſtimmungen gleichgültig iſt; ſie machen daher die Form aus beſtimmt gegen ihre Identität. — Oder die unmittelbare reale Wirklichkeit, darum weil ſie unmittelbare iſt, iſt gegen ihre Möglichkeit beſtimmt; als dieſe beſtimmte, ſomit reflectirte iſt ſie die reale Möglichkeit. Dieſe iſt nun zwar das geſetzte Ganze der Form, aber der Form in ihrer Beſtimmtheit, nämlich der Wirklichkeit als formeller oder unmittelbaren, und ebenſo der Möglichkeit, als des abſtracten Anſichſeyns. Dieſe Wirklichkeit, welche die Möglichkeit einer Sache ausmacht, iſt daher nicht ihre eigene Möglichkeit, ſondern das Anſichſeyn eines andern Wirklichen; ſie ſelbſt iſt die Wirklichkeit, die aufgehoben werden ſoll, die Möglichkeit als nur Möglichkeit. — So macht die reale Möglichkeit das Ganze von Bedingungen aus, eine nicht in ſich reflectirte, zerſtreute Wirklichkeit, welche aber beſtimmt iſt, das Anſichſeyn aber eines Andern zu ſeyn und in ſich zurückgehen zu ſollen.
Was real möglich iſt, iſt alſo nach ſeinem Anſichſeyn ein formelles Identiſches, das nach ſeiner einfachen Inhaltsbeſtimmung ſich nicht widerſpricht; aber auch nach ſeinen entwickelten und unterſchiedenen Umſtänden und allem, womit es im Zuſammenhange ſteht, muß es als das mit ſich Identiſche ſich nicht widerſprechen. Aber zweitens weil es in ſich mannigfaltig und mit Anderem in mannigfaltigem Zuſammenhange iſt, die Verſchiedenheit aber an ſich ſelbſt in Entgegenſetzung übergeht, iſt es ein Widerſprechendes. Wenn von einer Möglichkeit die Rede iſt und deren Widerſpruch aufgezeigt werden ſoll, ſo hat man ſich nur an die Mannigfaltigkeit, die ſie als Inhalt oder als ihre bedingte Exiſtenz enthält, zu halten; woraus ſich leicht ihr Widerſpruch auffinden läßt. — Dieß iſt aber nicht ein Widerſpruch der Vergleichung, ſondern die mannigfaltige Exiſtenz iſt an ſich ſelbſt dieß, ſich aufzuheben und zu Grunde zu gehen; und hat darin weſentlich die Beſtimmung, nur ein Mögliches zu ſeyn, an ihr ſelbſt. — Wenn alle Bedingungen einer Sache vollſtändig vorhanden ſind, ſo tritt ſie in Wirklichkeit; — die Vollſtändigkeit der Bedingungen iſt die Totalität als am Inhalte, und die Sache ſelbſt iſt dieſer Inhalt beſtimmt ebenſo ein Wirkliches als Mögliches zu ſeyn. In der Sphäre des bedingten Grundes haben die Bedingungen die Form, nämlich den Grund oder die für ſich ſeyende Reflexion, außer ihnen, welche ſie zu Momenten der Sache bezieht und die Exiſtenz an ihnen hervorbringt. Hier hingegen iſt die unmittelbare Wirklichkeit nicht durch eine vorausſetzende Reflexion beſtimmt, Bedingung zu ſeyn, ſondern es iſt geſetzt, daß ſie ſelbſt die Möglichkeit iſt.
In der ſich aufhebenden realen Möglichkeit iſt es nun ein Gedoppeltes, das aufgehoben wird; denn ſie iſt ſelbſt das Gedoppelte, Wirklichkeit und Möglichkeit zu ſeyn. 1) Die Wirklichkeit iſt die formelle, oder eine Exiſtenz, die als ſelbſtſtändige unmittelbare erſchien, und durch ihr Aufheben zum reflectirten Seyn, zum Moment eines Andern wird, und ſomit das Anſichſeyn an ihr erhält. 2) Jene Exiſtenz war auch beſtimmt als Möglichkeit oder als das Anſichſeyn aber eines Andern. Indem es ſich alſo aufhebt, ſo wird auch dieß Anſichſeyn aufgehoben und geht in Wirklichkeit über. — Dieſe Bewegung der ſich ſelbſt aufhebenden realen Möglichkeit bringt alſo dieſelben ſchon vorhandenen Momente hervor, nur jedes aus dem andern werdend; ſie iſt daher in dieſer Negation auch nicht ein Uebergehen, ſondern ein Zuſammengehen mit ſich ſelbſt. — Nach der formellen Möglichkeit war darum, weil etwas möglich war, auch nicht es ſelbſt, ſondern ſein Anderes möglich. Die reale Möglichkeit hat nicht mehr ein ſolches Anderes ſich gegenüber, denn ſie iſt real, inſofern ſie ſelbſt auch die Wirklichkeit iſt. Indem ſich alſo die unmittelbare Exiſtenz derſelben, der Kreis der Bedingungen, aufhebt, ſo macht ſie ſich zum Anſichſeyn, welches ſie ſelbſt ſchon iſt, nämlich als das Anſichſeyn eines Andern. Und indem umgekehrt dadurch zugleich ihr Moment des Anſichſeyns ſich aufhebt, wird ſie zur Wirklichkeit, alſo zu dem Momente, das ſie gleichfalls ſelbſt ſchon iſt. — Was verſchwindet, iſt damit dieß, daß die Wirklichkeit beſtimmt war, als die Möglichkeit oder das Anſichſeyn eines Andern, und umgekehrt die Möglichkeit als eine Wirklichkeit, die nicht diejenige iſt, deren Möglichkeit ſie iſt.
3. Die Negation der realen Möglichkeit iſt ſomit ihre Identität mit ſich; indem ſie ſo in ihrem Aufheben der Gegenſtoß dieſes Aufhebens in ſich ſelbſt iſt, iſt ſie die reale Nothwendigkeit.
Was nothwendig iſt, kann nicht anders ſeyn; aber wohl was überhaupt möglich iſt; denn die Möglichkeit iſt das Anſichſeyn, das nur Geſetztſeyn, und daher weſentlich Andersſeyn iſt. Die formelle Möglichkeit iſt dieſe Identität als Uebergehen in ſchlechthin Anderes; die reale aber, weil ſie das andere Moment, die Wirklichkeit, an ihr hat, iſt ſchon ſelbſt die Nothwendigkeit. Was daher real möglich iſt, das kann nicht mehr anders ſeyn; unter dieſen Bedingungen und Umſtänden kann nicht etwas Anderes erfolgen. Reale Möglichkeit und die Nothwendigkeit ſind daher nur ſcheinbar unterſchieden; dieſe iſt eine Identität, die nicht erſt wird, ſondern ſchon vorausgeſetzt iſt und zu Grunde liegt. Die reale Nothwendigkeit iſt daher inhaltsvolle Beziehung; denn der Inhalt iſt jene anſichſeyende Identität, die gegen die Formunterſchiede gleichgültig iſt.
Dieſe Nothwendigkeit aber iſt zugleich relativ. — Sie hat nämlich eine Vorausſetzung, von der ſie anfängt, ſie hat an dem Zufälligen ihren Ausgangspunkt. Das reale Wirkliche als ſolches iſt nämlich das beſtimmte Wirkliche, und hat zunächſt ſeine Beſtimmtheit als unmittelbares Seyn darin, daß es eine Mannigfaltigkeit exiſtirender Umſtände iſt; aber dieß unmittelbare Seyn als Beſtimmtheit, iſt es auch das Negative ſeiner, iſt Anſichſeyn oder Möglichkeit; ſo iſt es reale Möglichkeit. Als dieſe Einheit der beiden Momente iſt ſie die Totalität der Form, aber die ſich noch äußerliche Totalität; ſie iſt ſo Einheit der Möglichkeit und Wirklichkeit, daß 1) die mannigfaltige Exiſtenz unmittelbar oder poſitiv die Möglichkeit iſt; — ein Mögliches, mit ſich Identiſches überhaupt, darum weil ſie ein Wirkliches iſt; 2) inſofern dieſe Möglichkeit der Exiſtenz geſetzt iſt, iſt ſie beſtimmt als nur Möglichkeit, als unmittelbares Umſchlagen der Wirklichkeit in ihr Gegentheil, — oder als Zufälligkeit. Daher iſt dieſe Möglichkeit, welche die unmittelbare Wirklichkeit, indem ſie Bedingung iſt, an ihr hat, nur das Anſichſeyn als die Möglichkeit eines Andern. Dadurch daß, wie gezeigt, dieß Andersſeyn ſich aufhebt und dieß Geſetztſeyn ſelbſt geſetzt wird, wird die reale Möglichkeit zwar Nothwendigkeit; aber dieſe fängt ſomit von jener noch nicht in ſich reflectirten Einheit des Möglichen und Wirklichen an; — dieſes Vorausſetzen und die in ſich zurückkehrende Bewegung iſt noch getrennt; — oder die Nothwendigkeit hat ſich noch nicht aus ſich ſelbſt zur Zufälligkeit beſtimmt.
Die Relativität der realen Nothwendigkeit ſtellt ſich an dem Inhalte ſo dar, daß er nur erſt die gegen die Form gleichgültige Identität, daher von ihr unterſchieden und ein beſtimmter Inhalt überhaupt iſt. Das real Nothwendige iſt deswegen irgend eine beſchränkte Wirklichkeit, die um dieſer Beſchränktheit willen in anderer Rückſicht auch nur ein Zufälliges iſt.
In der That iſt ſomit die reale Nothwendigkeit an ſich auch Zufälligkeit. — Dieß erſcheint zunächſt ſo, daß das real Nothwendige, der Form nach, zwar ein Nothwendiges, aber dem Inhalte nach ein Beſchränktes ſey, und durch ihn ſeine Zufälligkeit habe. Allein auch in der Form der realen Nothwendigkeit iſt die Zufälligkeit enthalten; denn wie ſich gezeigt, iſt die reale Möglichkeit nur an ſich das Nothwendige, geſetzt aber iſt ſie als das Andersſeyn der Wirklichkeit und Möglichkeit gegen einander. Die reale Nothwendigkeit enthält daher die Zufälligkeit; ſie iſt die Rückkehr in-ſich aus jenem unruhigen Andersſeyn der Wirklichkeit und Möglichkeit gegen einander, aber nicht aus ſich ſelbſt zu ſich.
An ſich iſt alſo hier die Einheit der Nothwendigkeit und Zufälligkeit vorhanden; dieſe Einheit iſt die abſolute Wirklichkeit zu nennen.
Die reale Nothwendigkeit iſt beſtimmte Nothwendigkeit; die formelle hat noch keinen Inhalt und Beſtimmtheit an ihr. Die Beſtimmtheit der Nothwendigkeit beſteht darin, daß ſie ihre Negation, die Zufälligkeit, an ihr hat. So hat ſie ſich ergeben.
Dieſe Beſtimmtheit aber in ihrer erſten Einfachheit iſt Wirklichkeit; die beſtimmte Nothwendigkeit iſt daher unmittelbar wirkliche Nothwendigkeit. Dieſe Wirklichkeit, die ſelbſt als ſolche nothwendig iſt, indem ſie nämlich die Nothwendigkeit als ihr Anſichſeyn enthält, iſt abſolute Wirklichkeit; — Wirklichkeit, die nicht mehr anders ſeyn kann, denn ihr Anſichſeyn iſt nicht die Möglichkeit, ſondern die Nothwendigkeit ſelbſt.
Aber damit iſt dieſe Wirklichkeit, weil ſie geſetzt iſt, abſolut, das heißt, ſelbſt die Einheit ihrer und der Möglichkeit zu ſeyn, nur eine leere Beſtimmung; oder ſie iſt Zufälligkeit. — Dieß Leere ihrer Beſtimmung macht ſie zu einer bloßen Möglichkeit, zu einem, das ebenſo ſehr auch anders ſeyn und als Mögliches beſtimmt werden kann. Dieſe Möglichkeit aber iſt ſelbſt die abſolute; denn ſie iſt eben die Möglichkeit, ebenſo ſehr als Möglichkeit wie als Wirklichkeit beſtimmt zu werden. Damit, daß ſie dieſe Gleichgültigkeit gegen ſich ſelbſt iſt, iſt ſie geſetzt als leere, zufällige Beſtimmung.
So enthält die reale Nothwendigkeit nicht nur an ſich die Zufälligkeit, ſondern dieſe wird auch an ihr; aber dieß Werden als die Aeußerlichkeit iſt ſelbſt nur das Anſichſeyn derſelben, weil es nur ein unmittelbares Beſtimmtſeyn iſt. Aber es iſt nicht nur dieß, ſondern ihr eigenes Werden, — oder die Vorausſetzung, welche ſie hatte, iſt ihr eigenes Setzen. Denn als reale Nothwendigkeit iſt ſie das Aufgehobenſeyn der Wirklichkeit in der Möglichkeit und umgekehrt; — indem ſie dieß einfache Umſchlagen des einen dieſer Momente in das andere iſt, iſt ſie auch ihre einfache poſitive Einheit, indem jedes, wie ſich zeigte, in dem andern nur mit ſich ſelbſt zuſammengeht. So iſt ſie aber die Wirklichkeit; jedoch eine ſolche, die nur iſt, als dieſes einfache Zuſammengehen der Form mit ſich ſelbſt. Ihr negatives Setzen jener Momente iſt dadurch ſelbſt das Vorausſetzen, oder Setzen ihrer ſelbſt als aufgehobener oder der Unmittelbarkeit.
Eben darin aber iſt dieſe Wirklichkeit beſtimmt als Negatives; ſie iſt ein Zuſammengehen aus der Wirklichkeit, welche reale Möglichkeit war, mit ſich; alſo wird dieſe neue Wirklichkeit nur aus ihrem Anſichſeyn, aus der Negation ihrer ſelbſt. — Damit iſt ſie zugleich unmittelbar als Möglichkeit beſtimmt, als Vermitteltes durch ihre Negation. Dieſe Möglichkeit aber iſt ſomit unmittelbar nichts als dieß Vermitteln, in welchem das Anſichſeyn, nämlich ſie ſelbſt, und die Unmittelbarkeit, beide auf gleiche Weiſe Geſetztſeyn ſind. — So iſt es die Nothwendigkeit, welche ebenſo ſehr Aufheben dieſes Geſetztſeyns oder Setzen der Unmittelbarkeit, und des Anſichſeyns, ſo wie eben darin Beſtimmen dieſes Aufhebens als Geſetztſeyns iſt. Sie iſt daher es ſelbſt, welche ſich als Zufälligkeit beſtimmt; — in ihrem Seyn ſich von ſich abſtößt, in dieſem Abſtoßen ſelbſt nur in ſich zurückgekehrt iſt, und in dieſer Rückkehr als ihrem Seyn ſich von ſich ſelbſt abgeſtoßen hat.
So hat die Form in ihrer Realiſirung alle ihre Unterſchiede durchdrungen und ſich durchſichtig gemacht, und iſt als abſolute Nothwendigkeit nur dieſe einfache Identität des Seyns in ſeiner Negation oder in dem Weſen mit ſich ſelbſt. — Der Unterſchied von dem Inhalte und der Form ſelbſt iſt ebenſo verſchwunden; denn jene Einheit der Möglichkeit in der Wirklichkeit und umgekehrt iſt die in ihrer Beſtimmtheit oder im Geſetztſeyn gegen ſich ſelbſt gleichgültige Form, die inhaltsvolle Sache, an der ſich die Form der Nothwendigkeit äußerlich verlief. Aber ſo iſt ſie dieſe reflektirte Identität beider Beſtimmungen, als gegen ſie gleichgültig, ſomit die Formbeſtimmung des Anſichſeyns gegen das Geſetztſeyn, und dieſe Möglichkeit macht die Beſchränktheit des Inhalts aus, den die reale Nothwendigkeit hatte. Die Auflöſung dieſes Unterſchieds aber iſt die abſolute Nothwendigkeit, deren Inhalt dieſer in ihr ſich durchdringende Unterſchied iſt.
Die abſolute Nothwendigkeit iſt alſo die Wahrheit, in welche Wirklichkeit und Möglichkeit überhaupt, ſo wie die formelle und reale Nothwendigkeit zurückgeht. — Sie iſt, wie ſich ergeben hat, das Seyn, das in ſeiner Negation, im Weſen, ſich auf ſich bezieht und Seyn iſt. Sie iſt ebenſo ſehr einfache Unmittelbarkeit oder reines Seyn, als einfache Reflexion-in-ſich, oder reines Weſen; ſie iſt dieß, daß dieß Beides ein und daſſelbe iſt. — Das ſchlechthin Nothwendige iſt nur, weil es iſt; es hat ſonſt keine Bedingung, noch Grund. — Es iſt aber ebenſo reines Weſen, ſein Seyn iſt die einfache Reflexion-in-ſich; es iſt, weil es iſt. Als Reflexion hat es Grund und Bedingung, aber es hat nur ſich zum Grunde und Bedingung. Es iſt Anſichſeyn, aber ſein Anſichſeyn iſt ſeine Unmittelbarkeit, ſeine Möglichkeit iſt ſeine Wirklichkeit. — Es iſt alſo, weil es iſt; als das Zuſammengehen des Seyns mit ſich iſt es Weſen; aber weil dieß Einfache ebenſo die unmittelbare Einfachheit iſt, iſt es Seyn.
Die abſolute Nothwendigkeit iſt ſo die Reflexion oder Form des Abſoluten; Einheit des Seyns und Weſens, einfache Unmittelbarkeit, welche abſolute Negativität iſt. Einerſeits ſind ihre Unterſchiede daher nicht als Reflexions-Beſtimmungen, ſondern als ſeyende Mannigfaltigkeit, als unterſchiedene Wirklichkeit, welche die Geſtalt von ſelbſtſtändigen Anderen gegen einander hat. Andererſeits da ihre Beziehung die abſolute Identität iſt, iſt ſie das abſolute Umkehren ihrer Wirklichkeit in ihre Möglichkeit und ihrer Möglichkeit in Wirklichkeit. — Die abſolute Nothwendigkeit iſt daher blind. Einerſeits haben die unterſchiedenen, welche als Wirklichkeit und als die Möglichkeit beſtimmt ſind, die Geſtalt der Reflexion-in-ſich als des Seyns; ſie ſind daher beide als freie Wirklichkeiten, deren keins im Andern ſcheint, keins eine Spur ſeiner Beziehung auf das Andere an ihm zeigen will; in ſich gegründet iſt jedes das Nothwendige an ihm ſelbſt. Die Nothwendigkeit als Weſen iſt in dieſem Seyn verſchloſſen; die Berührung dieſer Wirklichkeiten durch einander erſcheint daher als eine leere Aeußerlichkeit; die Wirklichkeit des einen in dem Andern iſt die nur Möglichkeit, die Zufälligkeit. Denn das Seyn iſt geſetzt als abſolut nothwendig, als die Vermittelung-mit-ſich, welche abſolute Negation der Vermittelung-durch-Anderes iſt, oder als Seyn, das nur mit dem Seyn identiſch iſt; ein Anderes, das im Seyn Wirklichkeit hat, iſt daher als ſchlechthin nur Mögliches, leeres Geſetztſeyn beſtimmt.
Aber dieſe Zufälligkeit iſt vielmehr die abſolute Nothwendigkeit; ſie iſt das Weſen jener freien, an ſich nothwendigen Wirklichkeiten. Dieſes Weſen iſt das Lichtſcheue, weil an dieſen Wirklichkeiten kein Scheinen, kein Reſler iſt, weil ſie nur rein in ſich gegründet, für ſich geſtaltet ſind, ſich nur ſich ſelbſt manifeſtiren, — weil ſie nur Seyn ſind. — Aber ihr Weſen wird an ihnen hervorbrechen und offenbaren, was es iſt und was ſie ſind. Die Einfachheit ihres Seyns, ihres Beruhens auf ſich, iſt die abſolute Negativität; ſie iſt die Freiheit ihrer ſcheinloſen Unmittelbarkeit. Dieſes Negative bricht an ihnen hervor, weil das Seyn durch dieß ſein Weſen der Widerſpruch mit ſich ſelbſt iſt; — und zwar gegen dieß Seyn in der Form des Seyns, alſo als die Negation jener Wirklichkeiten, welche abſolut verſchieden iſt von ihrem Seyn, als ihr Nichts, als ein ebenſo freies Andersſeyn gegen ſie, als ihr Seyn es iſt. — Jedoch war es an ihnen nicht zu verkennen. Sie ſind in ihrer auf ſich beruhenden Geſtaltung gleichgültig gegen die Form, ein Inhalt, damit unterſchiedene Wirklichkeiten und ein beſtimmter Inhalt; dieſer iſt das Maal, das die Nothwendigkeit, indem ſie, welche abſolute Rückkehr in ſich ſelbſt in ihrer Beſtimmung iſt, dieſelben frei als abſolut wirkliche entließ, — ihnen aufdrückte, worauf ſie als den Zeugen ihres Rechts ſich beruft, und an dem ſie ergriffen nun untergehen. Dieſe Manifeſtation deſſen, was die Beſtimmtheit in Wahrheit iſt, negative Beziehung auf ſich ſelbſt, iſt blinder Untergang im Andersſeyn; das hervorbrechende Scheinen oder die Reflexion iſt an den Seyenden als Werden oder Uebergehen des Seyns in Nichts. Aber das Seyn iſt umgekehrt ebenſo ſehr Weſen, und das Werden iſt Reflexion oder Scheinen. So iſt die Aeußerlichkeit ihre Innerlichkeit, ihre Beziehung iſt abſolute Identität; und das Uebergehen des Wirklichen in Mögliches, des Seyns in Nichts ein Zuſammengehen mit ſich ſelbſt; die Zufälligkeit iſt abſolute Nothwendigkeit, ſie ſelbſt iſt das Vorausſetzen jener erſten abſoluten Wirklichkeit.
Dieſe Identität des Seyns in ſeiner Negation mit ſich ſelbſt, iſt ſie nun Subſtanz. Sie iſt dieſe Einheit als in ihrer Negation oder als in der Zufälligkeit; ſo iſt ſie die Subſtanz als Verhältniß zu ſich ſelbſt. Das blinde Uebergehen der Nothwendigkeit iſt vielmehr die eigene Auslegung des Abſoluten, die Bewegung deſſelben in ſich, welches in ſeiner Entäußerung vielmehr ſich ſelbſt zeigt.
Die abſolute Nothwendigkeit iſt nicht ſowohl das Nothwendige, noch weniger ein Nothwendiges, ſondern Nothwendigkeit; — Seyn ſchlechthin als Reflexion. Sie iſt Verhältniß, weil ſie Unterſchieden iſt, deſſen Momente ſelbſt ihre ganze Totalität ſind, die alſo abſolut beſtehen, ſo daß dieß aber nur Ein Beſtehen und der Unterſchied nur der Schein des Auslegens, und dieſer das Abſolute ſelbſt iſt. — Das Weſen als ſolches iſt die Reflexion oder das Scheinen; das Weſen als abſolutes Verhältniß aber iſt der als Schein geſetzte Schein, der als dieß Beziehen auf ſich die abſolute Wirklichkeit iſt. — Das Abſolute, zuerſt von der äußern Reflexion ausgelegt, legt nun als abſolute Form oder als Nothwendigkeit, ſich ſelbſt aus; dieß Auslegen ſeiner ſelbſt iſt ſein Sich-ſelbſt-ſetzen, und es iſt nur dieß Sich-ſetzen. — Wie das Licht der Natur nicht Etwas, noch Ding, ſondern ſein Seyn nur ſein Scheinen iſt, ſo iſt die Manifeſtation die ſich ſelbſt gleiche abſolute Wirklichkeit.
Die Seiten des abſoluten Verhältniſſes ſind daher keine Attribute. Im Attribute ſcheint das Abſolute nur in einem ſeiner Momente, als einem vorausgeſetzten und von der äußern Reflexion aufgenommenen. Die Auslegerin des Abſoluten aber iſt die abſolute Nothwendigkeit, die identiſch mit ſich iſt, als ſich ſelbſt beſtimmend. Da ſie das Scheinen iſt, das als Schein geſetzt iſt, ſo ſind die Seiten dieſes Verhältniſſes Totalitäten, weil ſie als Schein ſind; denn als Schein ſind die Unterſchiede ſie ſelbſt und ihr Entgegengeſetztes, oder das Ganze; — umgekehrt ſind ſie ſo Schein, weil ſie Totalitäten ſind. Dieß Unterſcheiden oder Scheinen des Abſoluten iſt ſo nur das identiſche Setzen ſeiner ſelbſt.
Dieß Verhältniß in ſeinem unmittelbaren Begriff iſt das Verhältniß der Subſtanz und der Accidenzen, das unmittelbare Verſchwinden und Werden des abſoluten Scheines in ſich ſelbſt. Indem die Subſtanz ſich zum Fürſichſeyn gegen ein Anderes beſtimmt, oder das abſolute Verhältniß als reales, iſt das Verhältniß der Cauſalität. Endlich indem dieſes als ſich auf ſich Beziehendes in Wechſelwirkung übergeht, ſo iſt damit das abſolute Verhältniß nach den Beſtimmungen, welche es enthält, auch geſetzt; dieſe geſetzte Einheit ſeiner in ſeinen Beſtimmungen, die als das Ganze ſelbſt und damit ebenſo ſehr als Beſtimmungen geſetzt ſind, iſt alsdann der Begriff.
Die abſolute Nothwendigkeit iſt abſolutes Verhältniß, weil ſie nicht das Seyn als ſolches iſt, ſondern das Seyn, das iſt, weil es iſt, das Seyn als die abſolute Vermittelung ſeiner mit ſich ſelbſt. Dieſes Seyn iſt die Subſtanz; als die letzte Einheit des Weſens und Seyns iſt ſie das Seyn in allem Seyn; weder das unreflectirte Unmittelbare, noch auch ein abſtractes, hinter der Exiſtenz und Erſcheinung ſtehendes, ſondern die unmittelbare Wirklichkeit ſelbſt, und dieſe als abſolutes Reflectirtſeyn in ſich, als an und fürſichſeyendes Beſtehen. — Die Subſtanz als dieſe Einheit des Seyns und der Reflexion iſt weſentlich das Scheinen und Geſetztſeyn ihrer. Das Scheinen iſt das ſich auf ſich beziehende Scheinen, ſo iſt es; dieß Seyn iſt die Subſtanz als ſolche. Umgekehrt iſt dieſes Seyn nur das mit ſich identiſche Geſetztſeyn, ſo iſt es ſcheinende Totalität, die Accidentalität.
Dieß Scheinen iſt die Identität als der Form; — die Einheit der Möglichkeit und Wirklichkeit. Sie iſt erſtlich Werden, die Zufälligkeit als die Sphäre des Entſtehens und Vergehens; denn nach der Beſtimmung der Unmittelbarkeit iſt die Beziehung der Möglichkeit und Wirklichkeit unmittelbares Umſchlagen derſelben als Seyender in einander, eines jeden als in ſein ihm nur Anderes. — Aber weil das Seyn Schein iſt, ſo iſt die Beziehung derſelben auch als identiſcher oder ſcheinender an einander, Reflexion. Die Bewegung der Accidentalität ſtellt daher an jedem ihrer Momente das Scheinen der Kategorien des Seyns und der Reflexions-Beſtimmungen des Weſens in einander dar. — Das unmittelbare Etwas hat einen Inhalt; ſeine Unmittelbarkeit iſt zugleich reflectirte Gleichgültigkeit gegen die Form. Dieſer Inhalt iſt beſtimmt, und indem dieß Beſtimmtheit des Seyns iſt, geht das Etwas über ein Anderes. Aber die Qualität iſt auch Beſtimmtheit der Reflexion; ſo iſt ſie gleichgültige Verſchiedenheit. Aber dieſe begeiſtet ſich zur Entgegenſetzung, und geht in den Grund zurück, der das Nichts, aber auch Reflexion-in-ſich iſt. Dieſe hebt ſich auf; aber ſie iſt ſelbſt reflectirtes Anſichſeyn, ſo iſt ſie Möglichkeit und dieß Anſichſeyn iſt in ſeinem Uebergehen, das ebenſo ſehr Reflexion-in-ſich iſt, das nothwendige Wirkliche.
Dieſe Bewegung der Accidentalität iſt die Actuoſität der Subſtanz, als ruhiges Hervorgehen ihrer ſelbſt. Sie iſt nicht thätig gegen Etwas, ſondern nur gegen ſich als einfaches widerſtandloſes Element. Das Aufheben eines Vorausgeſetzten iſt der verſchwindende Schein; erſt in dem das Unmittelbare aufhebenden Thun wird dieß Unmittelbare ſelbſt, oder iſt jenes Scheinen; das Anfangen von ſich ſelbſt iſt erſt das Setzen dieſes Selbſts, von dem das Anfangen iſt.
Die Subſtanz als dieſe Identität des Scheinens iſt die Totalität des Ganzen, und begreift die Accidentalität in ſich, und die Accidentalität iſt die ganze Subſtanz ſelbſt. Der Unterſchied ihrer in die einfache Identität des Seyns, und in den Wechſel der Accidenzen an derſelben iſt eine Form ihres Scheins. Jenes iſt die formloſe Subſtanz des Vorſtellens, dem der Schein ſich nicht als Schein beſtimmt hat, ſondern das als an einem Abſoluten an ſolcher unbeſtimmten Identität feſthält, die keine Wahrheit hat, nur die Beſtimmtheit der unmittelbaren Wirklichkeit oder ebenſo des Anſichſeyns oder der Möglichkeit iſt; — Formbeſtimmungen, welche in die Accidentalität fallen. —
Die andere Beſtimmung, der Wechſel der Accidenzen, iſt die abſolute Formeinheit der Accidentalität, die Subſtanz als die abſolute Macht. — Das Vergehen der Accidenz iſt Zurückgehen ihrer als Wirklichkeit in ſich als in ihr Anſichſeyn oder in ihre Möglichkeit, aber dieß ihr Anſichſeyn iſt ſelbſt nur ein Geſetztſeyn; daher iſt es auch Wirklichkeit, und weil dieſe Formbeſtimmungen ebenſo ſehr Inhaltsbeſtimmungen ſind, iſt dieß Mögliche auch dem Inhalte nach ein anders beſtimmtes Wirkliches. Die Subſtanz manifeſtirt ſich durch die Wirklichkeit mit ihrem Inhalte, in die ſie das Mögliche überſetzt, als ſchaffende, durch die Möglichkeit, in die ſie das Wirkliche zurückführt, als zerſtörende Macht. Aber beides iſt identiſch; das Schaffen zerſtörend; die Zerſtörung ſchaffend; denn das Negative und Poſitive, die Möglichkeit und Wirklichkeit ſind in der ſubſtantiellen Nothwendigkeit abſolut vereint.
Die Accidenzen als ſolche, — und es ſind mehrere, indem die Mehrheit eine der Beſtimmungen des Seyns iſt, — haben keine Macht über einander. Sie ſind das ſeyende oder für ſich ſeyende Etwas, exiſtirende Dinge von mannigfaltigen Eigenſchaften, oder Ganze, die aus Theilen beſtehen, ſelbſtſtändige Theile, Kräfte, die der Sollicitation durch einander bedürfen und einander zur Bedingung haben. Inſofern ein ſolches Accidentelles über ein Anderes eine Macht auszuüben ſcheint, iſt es die Macht der Subſtanz, welche beide in ſich begreift, als Negativität einen ungleichen Werth ſetzt, das eine als Vergehendes, das Andere mit anderem Inhalte und als Entſtehendes, oder jenes in ſeine Möglichkeit, dieſes daran in Wirklichkeit übergehend beſtimmt; — ewig ſich in dieſe Unterſchiede der Form und des Inhalts entzweit und ewig ſich von dieſer Einſeitigkeit reinigt, aber in dieſer Reinigung ſelbſt in die Beſtimmung und Entzweiung zurückgefallen iſt. — Eine Accidenz vertreibt alſo eine andere nur darum, weil ihr eigenes Subſiſtiren dieſe Totalität der Form und des Inhalts ſelbſt iſt, in der ſie wie ihre andere ebenſo ſehr untergeht.
Um dieſer unmittelbaren Identität und Gegenwart der Subſtanz in den Accidenzen willen iſt noch kein realer Unterſchied vorhanden. In dieſer erſten Beſtimmung iſt die Subſtanz noch nicht nach ihrem ganzen Begriffe manifeſtirt. Wenn die Subſtanz als das mit ſich identiſche An- und Fürſichſeyn von ihr ſelbſt als Totalität der Accidenzen unterſchieden wird, ſo iſt ſie als Macht das Vermittelnde. Dieſe iſt die Nothwendigkeit, das in der Negativität der Accidenzen poſitive Beharren derſelben, und ihr bloßes Geſetztſeyn in ihrem Beſtehen; dieſe Mitte iſt ſomit Einheit der Subſtantialität und Accidentalität ſelbſt, und ihre Extreme haben kein eigenthümliches Beſtehen. Die Subſtantialität iſt daher nur das Verhältniß als unmittelbar verſchwindend, ſie bezieht ſich auf ſich nicht als Negatives, iſt als die unmittelbare Einheit der Macht mit ſich ſelbſt in der Form nur ihrer Identität, nicht ihres negativen Weſens; nur das eine Moment, nämlich das Negative oder der Unterſchied, iſt das ſchlechthin verſchwindende, nicht aber das andere, das Identiſche. — Dieß iſt auch ſo zu betrachten. Der Schein oder die Accidentalität iſt an ſich wohl Subſtanz durch die Macht, aber er iſt nicht ſo geſetzt als dieſer mit ſich identiſche Schein; ſo hat die Subſtanz nur die Accidentalität zu ihrer Geſtalt oder Geſetztſeyn, nicht ſich ſelbſt; iſt nicht Subſtanz als Subſtanz. Das Subſtantialitäts-Verhältniß iſt alſo zunächſt ſie nur, daß ſie ſich als formelle Macht offenbart, deren Unterſchiede nicht ſubſtantiell ſind; ſie iſt in der That nur als Inneres der Accidenzen, und dieſe ſind nur an der Subſtanz. Oder dieß Verhältniß iſt nur die ſcheinende Totalität als Werden; aber ſie iſt ebenſo ſehr Reflexion; die Accidentalität, die an ſich Subſtanz iſt, iſt eben darum auch geſetzt als ſolche; ſo iſt ſie beſtimmt als ſich auf ſich beziehende Negativität, gegen ſich, beſtimmt als ſich auf ſich beziehende einfache Identität mit ſich; und iſt für-ſich-ſeyende, mächtige Subſtanz. So geht das Subſtantialitäts-Verhältniß in das Cauſalitäts-Verhältniß über.
Die Subſtanz iſt Macht, und in ſich reflectirte nicht bloß übergehende, ſondern die Beſtimmungen ſetzende und von ſich unterſcheidende Macht. Als in ihrem Beſtimmen ſich auf ſich ſelbſt beziehend iſt ſie ſelbſt das, was ſie als Negatives ſetzt oder zum Geſetztſeyn macht. Dieſes iſt ſomit überhaupt die aufgehobene Subſtantialität, das nur Geſetzte, die Wirkung; die für ſich ſeyende Subſtanz aber iſt die Urſache.
Dieß Cauſalitäts-Verhältniß iſt zunächſt nur dieß Verhältniß von Urſache und Wirkung; ſo iſt es das formelle Cauſalitäts-Verhältniß.
1. Die Urſache iſt das Urſprüngliche gegen die Wirkung. — Die Subſtanz iſt als Macht das Scheinen, oder hat Accidentalität. Aber ſie iſt als Macht ebenſo ſehr Reflexion-in-ſich in ihrem Scheine; ſo legt ſie ihr Uebergehen aus, und dieß Scheinen iſt beſtimmt als Schein, oder die Accidenz iſt geſetzt als das, daß ſie nur ein Geſetztes ſey. — Die Subſtanz geht aber in ihrem Beſtimmen nicht von der Accidentalität aus, als ob dieſe voraus ein Anderes wäre, und nun erſt als Beſtimmtheit geſetzt würde, ſondern beides iſt Eine Actuoſität. Die Subſtanz als Macht beſtimmt ſich; aber dieß Beſtimmen iſt unmittelbar ſelbſt das Aufheben des Beſtimmens und die Rückkehr. Sie beſtimmt ſich, — ſie, das Beſtimmende iſt ſo das Unmittelbare, und das ſelbſt ſchon Beſtimmte; — indem ſie ſich beſtimmt, ſetzt ſie alſo dieß ſchon Beſtimmte als beſtimmt; hat ſo das Geſetztſeyn aufgehoben, und iſt in ſich zurückgekehrt. — Umgekehrt iſt dieſe Rückkehr, weil ſie die negative Beziehung der Subſtanz auf ſich iſt, ſelbſt ein Beſtimmen oder Abſtoßen ihrer von ſich; durch dieſe Rückkehr wird das Beſtimmte, von dem ſie anzufangen und es als vorgefundenes Beſtimmtes nun als ſolches zu ſetzen ſcheint. — So iſt die abſolute Actuoſität Urſache; — die Macht der Subſtanz in ihrer Wahrheit als Manifeſtation, die das, was an ſich iſt, die Accidenz, die das Geſetztſeyn iſt, unmittelbar im Werden derſelben auch auslegt, ſie ſetzt als Geſetztſeyn; die Wirkung. — Dieſe iſt alſo erſtlich daſſelbe, was die Accidentalität des Subſtantialitäts-Verhältniſſes iſt, nämlich die Subſtanz als Geſetztſeyn; aber zweitens iſt die Accidenz als ſolche ſubſtantiell nur durch ihr Verſchwinden, als Uebergehendes; als Wirkung aber iſt ſie das Geſetztſeyn als mit ſich identiſch; die Urſache iſt in der Wirkung als ganze Subſtanz manifeſtirt, nämlich als an dem Geſetztſeyn ſelbſt als ſolchem in ſich reflectirt.
2. Dieſem in ſich reflectirten Geſetztſeyn, dem Beſtimmten als Beſtimmten, ſteht die Subſtanz als nicht geſetztes Urſprüngliches gegenüber. Weil ſie als abſolute Macht Rückkehr in ſich, aber dieſe Rückkehr ſelbſt Beſtimmen iſt, ſo iſt ſie nicht mehr bloß das An-ſich ihrer Accidenz, ſondern iſt auch geſetzt als dieß Anſichſeyn. Die Subſtanz hat daher erſt als Urſache Wirklichkeit. Aber dieſe Wirklichkeit, daß ihr Anſichſeyn, ihre Beſtimmtheit im Subſtantialitäts-Verhältniſſe, nunmehr als Beſtimmtheit geſetzt iſt, iſt die Wirkung; die Subſtanz hat daher die Wirklichkeit, die ſie als Urſache hat, nur in ihrer Wirkung. — Dieß iſt die Nothwendigkeit, welche die Urſache iſt. — Sie iſt die wirkliche Subſtanz, weil die Subſtanz als Macht ſich ſelbſt beſtimmt; aber iſt zugleich Urſache, weil ſie dieſe Beſtimmtheit auslegt oder als Geſetztſeyn ſetzt; ſo ſetzt ſie ihre Wirklichkeit als das Geſetztſeyn oder als die Wirkung. Dieſe iſt das Andere der Urſache, das Geſetztſeyn gegen das Urſprüngliche und durch dieſes vermittelt. Aber die Urſache hebt als Nothwendigkeit ebenſo dieß ihr Vermitteln auf, und iſt in dem Beſtimmen ihrer ſelbſt als das urſprünglich ſich auf ſich Beziehende gegen das Vermittelte die Rückkehr in-ſich; denn das Geſetztſeyn iſt als Geſetztſeyn beſtimmt, ſomit identiſch mit ſich; die Urſache iſt daher erſt in ihrer Wirkung das wahrhaft Wirkliche und mit ſich Identiſche. — Die Wirkung iſt daher nothwendig, weil ſie eben Manifeſtation der Urſache, oder dieſe Nothwendigkeit iſt, welche die Urſache iſt. — Nur als dieſe Nothwendigkeit iſt die Urſache ſelbſt bewegend, aus ſich anfangend, ohne von einem Andern ſollicitirt zu werden, und ſelbſtſtändige Quelle des Hervorbringens aus ſich; — ſie muß wirken, ihre Urſprünglichkeit iſt dieß, daß ihre Reflexion-in-ſich beſtimmendes Setzen und umgekehrt beides eine Einheit iſt.
Die Wirkung enthält daher überhaupt nichts, was nicht die Urſache enthält. Umgekehrt enthält die Urſache nichts, was nicht in ihrer Wirkung iſt. Die Urſache iſt nur Urſache, inſofern ſie eine Wirkung hervorbringt; und die Urſache iſt nichts als dieſe Beſtimmung, eine Wirkung zu haben, und die Wirkung nichts, als dieß, eine Urſache zu haben. In der Urſache als ſolcher ſelbſt liegt ihre Wirkung, und in der Wirkung die Urſache; inſofern die Urſache noch nicht wirkte, oder inſofern ſie aufgehört hätte zu wirken, ſo wäre ſie nicht Urſache; — und die Wirkung, inſofern ihre Urſache verſchwunden iſt, iſt nicht mehr Wirkung, ſondern eine gleichgültige Wirklichkeit. —
3. In dieſer Identität der Urſache und Wirkung iſt nun die Form, wodurch ſie als das an ſich Seyende und als das Geſetztſeyn ſich unterſcheiden, aufgehoben. Die Urſache erliſcht in ihrer Wirkung; damit iſt ebenſo die Wirkung erloſchen, denn ſie iſt nur die Beſtimmtheit der Urſache. Dieſe in der Wirkung erloſchene Cauſalität iſt ſomit eine Unmittelbarkeit, welche gegen das Verhältniß von Urſache und Wirkung gleichtgültig iſt, und es äußerlich an ihr hat.
1. Die Identität der Urſache in ihrer Wirkung mit ſich iſt das Aufheben ihrer Macht und Negativität, daher die gegen die Formunterſchiede gleichgültige Einheit, der Inhalt. — Er iſt daher nur an ſich auf die Form, hier die Cauſalität, bezogen. Sie ſind ſomit als verſchieden geſetzt, und die Form gegen den Inhalt eine ſelbſt nur unmittelbar wirkiche, eine zufällige Cauſalität.
Ferner der Inhalt ſo als Beſtimmtes, iſt ein verſchiedener Inhalt an ihm ſelbſt; und die Urſache iſt ihrem Inhalte nach beſtimmt, damit ebenſo die Wirkung. — Der Inhalt, da das Reflectirtſeyn hier auch unmittelbare Wirklichkeit iſt, iſt inſofern wirkliche, aber die endliche Subſtanz.
Dieß iſt nunmehr das Cauſalitäts-Verhältniß in ſeiner Realität und Endlichkeit. Als formell iſt es das unendliche Verhältniß der abſoluten Macht, deren Inhalt die reine Manifeſtation oder Nothwendigkeit iſt. Als endliche Cauſalität hingegen hat es einen gegebenen Inhalt, und verläuft ſich als ein äußerlicher Unterſchied an dieſem Identiſchen, das in ſeinen Beſtimmungen eine und dieſelbe Subſtanz iſt.
Durch dieſe Identität des Inhalts iſt dieſe Cauſalität ein analytiſcher Satz. Es iſt dieſelbe Sache, welche ſich das eine Mal als Urſache, das andere Mal als Wirkung darſtellt, dort als eigenthümliches Beſtehen, hier als Geſetztſeyn oder Beſtimmung an einem Andern. Da dieſe Beſtimmungen der Form äußerliche Reflexion ſind, ſo iſt es die der Sache nach tautologiſche Betrachtung eines ſubjectiven Verſtandes, eine Erſcheinung als Wirkung zu beſtimmen und davon zu ihrer Urſache aufzuſteigen, um ſie zu begreifen und zu erklären; es wird nur ein und derſelbe Inhalt wiederholt; man hat in der Urſache nichts Anderes als in der Wirkung. — Der Regen z. B. iſt Urſache der Feuchtigkeit, welche ſeine Wirkung iſt; — der Regen macht naß, dieß iſt ein analytiſcher Satz; daſſelbe Waſſer, was der Regen iſt, iſt die Feuchtigkeit; als Regen iſt dieß Waſſer nur in der Form einer Sache für ſich, als Wäſſerigkeit oder Feuchtigkeit dagegen iſt es ein Adjectives, ein Geſetztes, das nicht mehr ſein Beſtehen an ihm ſelbſt haben ſoll; und die eine Beſtimmung, wie die andere, iſt ihm äußerlich. — So iſt die Urſache dieſer Farbe ein Färbendes, ein Pigment, welches eine und dieſelbe Wirklichkeit iſt, das eine Mal in der ihm äußern Form eines Thätigen, das heißt, mit einem von ihm verſchiedenen Thätigen äußerlich verbunden, das andere Mal aber in der ihm ebenſo äußerlichen Beſtimmung einer Wirkung. — Die Urſache einer That iſt die innere Geſinnung in einem thätigen Subject, die als äußeres Daſeyn, das ſie durch die Handlung erhält, derſelbe Inhalt und Werth iſt. Wenn die Bewegung eines Körpers als Wirkung betrachtet wird, ſo iſt die Urſache derſelben eine ſtoßende Kraft; aber es iſt daſſelbe Quantum der Bewegung, das vor und nach dem Stoß vorhanden iſt, dieſelbe Exiſtenz, welche der ſtoßende Körper enthielt, und dem geſtoßenen mittheilte; und ſo viel er mittheilt, ſo viel verliert er ſelbſt.
Die Urſache, z. B. der Maler, oder der ſtoßende Körper hat wohl noch einen andern Inhalt, jener, als die Farben und deren ſie zum Gemälde verbindende Form; dieſer, als eine Bewegung von beſtimmter Stärke und Richtung. Allein dieſer weitere Inhalt iſt ein zufälliges Beiweſen, das die Urſache nichts angeht; was der Maler ſonſt für Qualitäten enthält, abſtrahirt davon, daß er Maler dieſes Gemäldes iſt, dieß tritt nicht in dieſes Gemälde ein; nur was von ſeinen Eigenſchaften ſich in der Wirkung darſtellt, iſt in ihm als Urſache vorhanden, nach ſeinen übrigen Eigenſchaften iſt er nicht Urſache. So ob der ſtoßende Körper Stein oder Holz, grün, gelb iſt u. ſ. f., dieß tritt nicht in ſeinen Stoß ein; inſofern iſt er nicht Urſache.
Es iſt in Rückſicht dieſer Tautologie des Cauſalitäts-Verhältniſſes zu bemerken, daß es dieſelbe dann nicht zu enthalten ſcheint, wenn nicht die nächſte, ſondern die entfernte Urſache einer Wirkung angegeben wird. Die Formveränderung, welche die zu Grunde liegende Sache in dieſem Durchgange durch mehrere Mittelglieder erleidet, verſteckt die Identität, die ſie darin behält. Sie verknüpft ſich zugleich in dieſer Vervielfältigung der Urſachen, welche zwiſchen ſie und die letzte Wirkung eingetreten ſind, mit anderen Dingen und Umſtänden, ſo daß nicht jenes Erſte, was als Urſache ausgeſprochen wird, ſondern nur dieſe mehrere Urſachen zuſammen die vollſtändige Wirkung enthalten. — So wenn z. B. ein Menſch dadurch unter Umſtände kam, in denen ſich ſein Talent entwickelte, daß er ſeinen Vater verlor, den in einer Schlacht eine Kugel traf, ſo könnte dieſer Schuß (oder noch weiter zurück der Krieg oder eine Urſache des Kriegs und ſo fort ins Unendliche) als Urſache der Geſchicklichkeit jenes Menſchen angegeben werden. Allein es erhellt, daß z. B. jener Schuß nicht für ſich dieſe Urſache iſt, ſondern nur die Verknüpfung deſſelben mit anderen wirkenden Beſtimmungen. Oder vielmehr iſt er überhaupt nicht Urſache, ſondern nur ein einzelnes Moment, das zu den Umſtänden der Möglichkeit gehörte.
Dann hauptſächlich iſt noch die unſtatthafte Anwendung des Cauſalitäts-Verhältniſſes auf Verhältniſſe des phyſiſch-organiſchen und des geiſtigen Lebens zu bemerken. Hier zeigt ſich das, was als Urſache genannt wird, freilich von anderem Inhalte als die Wirkung, darum aber, weil das, was auf das Lebendige wirkt, von dieſem ſelbſtſtändig beſtimmt, verändert und verwandelt wird, weil das Lebendige die Urſache nicht zu ihrer Wirkung kommen läßt, das heißt, ſie als Urſache aufhebt. So iſt es unſtatthaft geſprochen, daß die Nahrung die Urſache des Bluts, oder dieſe Speiſen oder Kälte, Näſſe, Urſachen des Fiebers u. ſ. fort ſeyen; ſo unſtatthaft es iſt, das joniſche Klima als die Urſache der homeriſchen Werke, oder Cäſar’s Ehrgeiz als die Urſache des Untergangs der republikaniſchen Verfaſſung Roms anzugeben. In der Geſchichte überhaupt ſind geiſtige Maſſen und Individuen im Spiele und in der Wechſelbeſtimmung mit einander; die Natur des Geiſtes iſt es aber noch in viel höherem Sinne, als der Charakter des Lebendigen überhaupt, vielmehr ein anderes Urſprüngliches in ſich aufzunehmen, oder nicht eine Urſache ſich in ihn continuiren zu laſſen, ſondern ſie abzubrechen und zu verwandeln. — Welche Verhältniſſe aber der Idee angehören und bei ihr erſt zu betrachten ſind. — Dieß kann hier noch bemerkt werden, daß inſofern das Verhältniß von Urſache und Wirkung, obwohl in uneigentlichem Sinne, zugelaſſen wird, die Wirkung nicht größer ſeyn könne, als die Urſache; denn die Wirkung iſt nichts weiter als die Manifeſtation der Urſache. Es iſt ein gewöhnlich gewordener Witz in der Geſchichte, aus kleinen Urſachen große Wirkungen entſtehen zu laſſen, und für die umfaſſende und tiefe Begebenheit eine Anekdote als erſte Urſache aufzuführen. Eine ſolche ſogenannte Urſache iſt für nichts weiteres als eine Veranlaſſung, als äußere Erregung anzuſehen, deren der innere Geiſt der Begebenheit nicht bedurft hätte, oder deren er eine unzählige Menge anderer hätte gebrauchen können, um von ihnen in der Erſcheinung anzufangen, ſich Luft zu machen und ſeine Manifeſtation zu geben. Vielmehr iſt umgekehrt ſo etwas für ſich Kleinliches und Zufälliges erſt von ihm zu ſeiner Veranlaſſung beſtimmt worden. Jene Arabesken-Malerei der Geſchichte, die aus einem ſchwanken Stengel eine große Geſtalt hervorgehen läßt, iſt daher wohl eine geiſtreiche, aber höchſt oberflächliche Behandlung. Es iſt in dieſem Entſpringen des Großen aus dem Kleinen zwar überhaupt die Umkehrung vorhanden, die der Geiſt mit dem Aeußerlichen vornimmt; aber eben darum iſt dieſes nicht Urſache in ihm, oder dieſe Umkehrung hebt ſelbſt das Verhältniß der Cauſalität auf.
2. Dieſe Beſtimmtheit des Cauſalitäts-Verhältniſſes aber, daß Inhalt und Form verſchieden und gleichgültig ſind, erſtreckt ſich weiter. Die Formbeſtimmung iſt auch Inhaltsbeſtimmung; Urſache und Wirkung, die beiden Seiten des Ver hältniſſes, ſind daher auch ein anderer Inhalt. Oder der Inhalt, weil er nur als Inhalt einer Form iſt, hat ihren Unterſchied an ihm ſelbſt und iſt weſentlich verſchieden. Aber indem dieſe ſeine Form das Cauſalitäts-Verhältniß iſt, das ein in Urſache und Wirkung identiſcher Inhalt iſt, ſo iſt der verſchiedene Inhalt äußerlich mit der Urſache einerſeits, und andererſeits mit der Wirkung verbunden; er tritt ſomit nicht ſelbſt in das Wirken und in das Verhältniß ein.
Dieſer äußerliche Inhalt iſt alſo verhältnißlos; — eine unmittelbare Exiſtenz; — oder weil er als Inhalt die anſichſeyende Identität der Urſache und Wirkung iſt, iſt auch er unmittelbare, ſeyende Identität. Dieß iſt daher irgend ein Ding, das mannigfaltige Beſtimmungen ſeines Daſeyns hat, unter Anderem auch dieſe, daß es in irgend einer Rückſicht Urſache oder auch Wirkung iſt. Die Formbeſtimmungen, Urſache und Wirkung, haben an ihm ihr Subſtrat, das heißt ihr weſentliches Beſtehen, — und jede ein beſonderes —, denn ihre Identität iſt ihr Beſtehen; — zugleich aber iſt es ihr unmittelbares Beſtehen, nicht ihr Beſtehen als Formeinheit, oder als Verhältniß.
Aber dieſes Ding iſt nicht nur Subſtrat, ſondern auch Subſtanz, denn es iſt das identiſche Beſtehen nur als des Verhältniſſes. Ferner iſt ſie endliche Subſtanz, denn ſie iſt beſtimmt als unmittelbare gegen ihre Urſachlichkeit. Aber ſie hat zugleich Cauſalität, weil ſie ebenſo ſehr nur das Identiſche als dieſes Verhältniſſes iſt. — Als Urſache nun iſt dieſes Subſtrat die negative Beziehung auf ſich. Aber es ſelbſt, worauf es ſich bezieht, iſt erſtens ein Geſetztſeyn, weil es als unmittelbar Wirkliches beſtimmt iſt; dieß Geſetztſeyn als Inhalt iſt irgend eine Beſtimmung überhaupt. Zweitens iſt ihm die Cauſalität äußerlich; dieſe macht ſomit ſelbſt ſein Geſetztſeyn aus. Indem es nun urſachliche Subſtanz iſt, beſteht ſeine Cauſalität darin, ſich negativ auf ſich, alſo auf ſein Geſetztſeyn und äußere Cauſalität, zu beziehen. Das Wirken dieſer Subſtanz fängt daher von einem Aeußern an, befreit ſich von dieſer äußern Beſtimmung, und ſeine Rückkehr in ſich iſt die Erhaltung ſeiner unmittelbaren Exiſtenz und das Aufheben ſeiner geſetzten, und damit ſeiner Cauſalität überhaupt.
So iſt ein Stein, der ſich bewegt, Urſache; ſeine Bewegung iſt eine Beſtimmung, die er hat, außer welcher er aber noch viele andere Beſtimmungen der Farbe, Geſtalt u. ſ. f. enthält, welche nicht in ſeine Urſachlichkeit eingehen. Weil ſeine unmittelbare Exiſtenz getrennt iſt von ſeiner Formbeziehung, nämlich der Cauſalität, ſo iſt dieſe ein Aeußerliches; ſeine Bewegung, und die Cauſalität, die ihm in ihr zukommt, iſt an ihm nur Geſetztſeyn. — Aber die Cauſalität iſt auch ſeine eigene; dieß iſt darin vorhanden, daß ſein ſubſtantielles Beſtehen ſeine identiſche Beziehung auf ſich iſt, dieſe aber iſt nunmehr als Geſetztſeyn beſtimmt, ſie iſt alſo zugleich negative Beziehung auf ſich. — Seine Cauſalität, welche ſich auf ſich als auf das Geſetztſeyn oder als ein Aeußeres richtet, beſteht daher darin, es aufzuheben, und durch die Entfernung deſſelben in ſich zurückzukehren, — ſomit inſofern nicht in ſeinem Geſetztſeyn identiſch mit ſich zu ſeyn, ſondern nur ſeine abſtracte Urſprünglichkeit wiederherzuſtellen. — — Oder der Regen iſt Urſache der Näſſe, welche daſſelbe Waſſer iſt als jener. Dieſes Waſſer hat die Beſtimmung, Regen und Urſache zu ſeyn, dadurch daß ſie von einem Andern in ihm geſetzt iſt; — eine andere Kraft oder was es ſey, hat es in die Luft erhoben und in eine Maſſe zuſammengebracht, deren Schwere es fallen macht. Seine Entfernung von der Erde iſt eine ſeiner urſprünglichen Identität mit ſich, der Schwere, fremde Beſtimmung; ſeine Urſachlichkeit beſteht darin dieſelbe zu entfernen, und jene Identität wieder herzuſtellen, damit aber auch ſeine Cauſalität aufzuheben.
Die jetzt betrachtete zweite Beſtimmtheit der Cauſalität geht die Form an; dieß Verhältniß iſt die Cauſalität als ſich ſelbſt äußerlich, als die Urſprünglichkeit welche ebenſo ſehr an ihr ſelbſt Geſetztſeyn oder Wirkung iſt. Dieſe Vereinigung der entgegengeſetzten Beſtimmungen als im ſeyenden Subſtrat macht den unendlichen Regreß von Urſachen zu Urſachen aus. — Es wird von der Wirkung angefangen; ſie hat als ſolche eine Urſache, dieſe hat wieder eine Urſache und ſo fort. Warum hat die Urſache wieder eine Urſache? das heißt, warum wird dieſelbe Seite, die vorher als Urſache beſtimmt war, nunmehr als Wirkung beſtimmt und damit nach einer neuen Urſache gefragt? — Aus dem Grunde, weil die Urſache ein Endliches, Beſtimmtes überhaupt iſt; beſtimmt als Ein Moment der Form gegen die Wirkung; ſo hat ſie ihre Beſtimmtheit oder Negation außer ihr; eben damit aber iſt ſie ſelbſt endlich, hat ihre Beſtimmtheit an ihr, und iſt ſomit Geſetztſeyn oder Wirkung. Dieſe ihre Identität iſt auch geſetzt, aber ſie iſt ein Drittes, das unmittelbare Subſtrat; die Cauſalität iſt darum ſich ſelbſt äußerlich, weil hier ihre Urſprünglichkeit eine Unmittelbarkeit iſt. Der Formunterſchied iſt daher erſte Beſtimmtheit, noch nicht die Beſtimmtheit als Beſtimmtheit geſetzt, er iſt ſeyendes Andersſeyn. Die endliche Reflexion bleibt einerſeits bei dieſem Unmittelbaren ſtehen, entfernt die Formeinheit davon und läßt es in anderer Rückſicht Urſache und in anderer Wirkung ſeyn; andererſeits verlegt ſie die Formeinheit in das Unendliche, und drückt durch das perennirende Fortgehen ihre Ohnmacht aus, ſie erreichen und feſthalten zu können.
Mit der Wirkung iſt es unmittelbar der nämliche Fall, oder vielmehr der unendliche Progreß von Wirkung zu Wirkung iſt ganz und daſſelbe was der Regreß von Urſache zu Urſache iſt. In dieſen wurde die Urſache zur Wirkung, welche wieder eine andere Urſache hat; ebenſo wird umgekehrt die Wirkung zur Urſache, die wieder eine andere Wirkung hat. — Die betrachtete beſtimmte Urſache fängt von einer Aeußerlichkeit an, und kehrt in ihrer Wirkung nicht als Urſache in ſich zurück, ſondern verliert vielmehr die Cauſalität darin. Aber umgekehrt kommt die Wirkung an ein Subſtrat, welches Subſtanz, urſprünglich ſich auf ſich beziehendes Beſtehen iſt; an ihm wird daher dieß Geſetztſeyn zum Geſetztſeyn; das heißt, dieſe Subſtanz, indem eine Wirkung in ihr geſetzt wird, verhält ſich als Urſache. Aber jene erſte Wirkung, das Geſetztſeyn, das an ſie äußerlich kommt, iſt ein Anderes als die zweite, die von ihr hervorgebracht wird; denn dieſe zweite iſt beſtimmt, als ihre Reflexion-in-ſich, jene aber als eine Aeußerlichkeit an ihr. — Aber weil die Cauſalität hier die ſich ſelbſt äußerliche Urſachlichkeit iſt, ſo kehrt ſie auch ebenſo ſehr in ihrer Wirkung nicht in ſich zurück; wird ſich darin äußerlich, ihre Wirkung wird wieder Geſetztſeyn an einem Subſtrate, — als einer andern Subſtanz, die aber ebenſo es zum Geſetztſeyn macht, oder ſich als Urſache manifeſtirt, ihre Wirkung wieder von ſich abſtößt und ſo fort in das Schlecht-Unendliche.
3. Es iſt nun zu ſehen, was durch die Bewegung des beſtimmten Cauſalitäts-Verhältniſſes geworden iſt. — Die formelle Cauſalität erliſcht in der Wirkung; dadurch iſt das Identiſche dieſer beiden Momente geworden; aber damit nur als an ſich die Einheit von Urſache und Wirkung, woran die Formbeziehung äußerlich iſt. — Dieß Identiſche iſt dadurch auch unmittelbar nach den beiden Beſtimmungen der Unmittelbarkeit, erſtens als Anſichſeyn, ein Inhalt, an dem die Cauſalität ſich äußerlich verläuft; zweitens als ein exiſtirendes Subſtrat, dem die Urſache und die Wirkung inhäriren, als unterſchiedene Formbeſtimmungen. Dieſe ſind darin an ſich eins, aber jede iſt um dieſes Anſichſeyns oder der Aeußerlichkeit der Form willen ſich ſelbſt äußerlich, ſomit in ihrer Einheit mit der andern auch als andre gegen ſie beſtimmt. Daher hat zwar die Urſache eine Wirkung, und iſt zugleich ſelbſt Wirkung; und die Wirkung hat nicht nur eine Urſache, ſondern iſt auch ſelbſt Urſache. Aber die Wirkung, welche die Urſache hat, und die Wirkung, die ſie iſt; — ebenſo die Urſache, welche die Wirkung hat, und die Urſache, die ſie iſt, ſind verſchieden.
Durch die Bewegung des beſtimmten Cauſalitätsverhältniſſes iſt aber nun dieß geworden, daß die Urſache nicht nur in der Wirkung erliſcht, und damit auch die Wirkung, wie in der formellen Cauſalität, ſondern daß die Urſache in ihrem Erlöſchen, in der Wirkung wieder wird, daß die Wirkung in Urſache verſchwindet, aber in ihr ebenſo wieder wird. Jede dieſer Beſtimmungen hebt ſich in ihrem Setzen auf, und ſetzt ſich in ihrem Aufheben; es iſt nicht ein äußerliches Uebergehen der Cauſalität von einem Subſtrat an ein anderes vorhanden, ſondern dieß Anderswerden derſelben iſt zugleich ihr eigenes Setzen. Die Cauſalität ſetzt alſo ſich ſelbſt voraus oder bedingt ſich. Die vorher nur an ſich ſeyende Identität, das Subſtrat, iſt daher nunmehr beſtimmt als Vorausſetzung oder geſetzt gegen die wirkende Cauſalität, und die vorhin dem Identiſchen nur äußerliche Reflexion ſteht nun im Verhältniſſe zu demſelben.
Die Cauſalität iſt vorausſetzendes Thun. Die Urſache iſt bedingt; ſie iſt die negative Beziehung auf ſich als vorausgeſetztes, als äußerliches Anderes, welches an ſich aber nur an ſich die Cauſalität ſelbſt iſt. Es iſt, wie ſich ergeben hat, die ſubſtantielle Identität, in welche die formelle Cauſalität übergeht, die ſich nunmehr gegen dieſelbe als ihr Negatives beſtimmt hat. Oder es iſt daſſelbe, was die Subſtanz des Cauſalitätsverhältniſſes, aber welcher die Macht der Accidentalität als ſelbſt ſubſtantielle Thätigkeit gegenüber ſteht. — Es iſt die paſſive Subſtanz. — Paſſiv iſt das Unmittelbare, oder Anſichſeyende, das nicht auch für ſich iſt; — das reine Seyn oder das Weſen, das nur in dieſer Beſtimmtheit der abſtracten Identität mit ſich iſt. — Der paſſiven ſteht die als negativ ſich auf ſich beziehende, die wirkende Subſtanz gegenüber. Sie iſt die Urſache, inſofern ſie ſich in der beſtimmten Cauſalität durch die Negation ihrer ſelbſt, aus der Wirkung wiederhergeſtellt hat, das in ſeinem Andersſeyn oder als Unmittelbares ſich weſentlich als ſetzend verhält, und durch ſeine Negation ſich mit ſich vermittelt. Die Cauſalität hat deswegen hier kein Subſtrat mehr, dem ſie inhärirte und iſt nicht Formbeſtimmung gegen dieſe Identität, ſondern ſelbſt die Subſtanz, oder das Urſprüngliche iſt nur die Cauſalität. — Das Subſtrat iſt die paſſive Subſtanz, die ſich vorausgeſetzt hat.
Dieſe Urſache wirkt nun; denn ſie iſt die negative Macht auf ſich ſelbſt; zugleich iſt ſie ihr Vorausgeſetztes; ſo wirkt ſie auf ſich als auf ein Anderes, auf die paſſive Subſtanz. — Somit hebt ſie erſtlich das Andersſeyn derſelben auf; und kehrt in ihr in ſich zurück; zweitens beſtimmt ſie dieſelbe, ſie ſetzt dieß Aufheben ihres Andersſeyns oder die Rückkehr in ſich als eine Beſtimmtheit. Dieß Geſetztſeyn, weil es zugleich ihre Rückkehr in ſich iſt, iſt zunächſt ihre Wirkung. Aber umgekehrt weil ſie als vorausſetzend ſich ſelbſt als ihr Anderes beſtimmt, ſo ſetzt ſie die Wirkung in der andern, der paſſiven Subſtanz. — Oder weil die paſſive Subſtanz ſelbſt das Gedoppelte iſt, nämlich ein ſelbſtſtändiges Anderes, und zugleich ein Vorausgeſetztes und an ſich ſchon mit der wirkenden Urſache Identiſches, ſo iſt das Wirken von dieſer ſelbſt ein Gedoppeltes; es iſt beides in Einem, das Aufheben ihres Beſtimmtſeyns, nämlich ihrer Bedingung, oder das Aufheben der Selbſtſtändigkeit der paſſiven Subſtanz; — und daß ſie ihre Identität mit derſelben aufhebt, ſomit ſich voraus oder als Anderes ſetzt. — Durch das letztere Moment wird die paſſive Subſtanz erhalten; jenes erſte Aufheben derſelben erſcheint in Beziehung hierauf zugleich auch ſo, daß nur einige Beſtimmungen an ihr aufgehoben werden und die Identität ihrer mit der erſten in der Wirkung äußerlich an ihr geſchieht.
Inſofern leidet ſie Gewalt. — Die Gewalt iſt die Erſcheinung der Macht, oder die Macht als Aeußerliches. Aeußerliches iſt aber die Macht, nur inſofern die urſachliche Subſtanz in ihrem Wirken, d. h. im Setzen ihrer ſelbſt zugleich vorausſetzend iſt, d. h. ſich ſelbſt als Aufgehobenes ſetzt. Umgekehrt iſt daher ebenſo ſehr das Thun der Gewalt ein Thun der Macht. Es iſt nur ein von ihr ſelbſt vorausgeſetztes Anderes, auf welches die gewaltige Urſache wirkt, ihre Wirkung auf daſſelbe iſt negative Beziehung auf ſich, oder die Manifeſtation ihrer ſelbſt. Das Paſſive iſt das Selbſtſtändige, das nur ein Geſetztes iſt; ein in ſich ſelbſt Gebrochenes, — eine Wirklichkeit, welche Bedingung iſt und zwar die Bedingung nunmehr in ihrer Wahrheit, nämlich eine Wirklichkeit, welche nur eine Möglichkeit iſt, oder umgekehrt ein Anſichſeyn, das nur die Beſtimmtheit des Anſichſeyns, nur paſſiv iſt. Demjenigen daher, dem Gewalt geſchieht, iſt es nicht nur möglich, Gewalt anzuthun, ſondern ſie muß ihm auch angethan werden; was Gewalt über das Andere hat, hat ſie nur, weil es die Macht deſſelben iſt, die ſich darin und das Andere manifeſtirt. Die paſſive Subſtanz wird durch die Gewalt nur geſetzt, als das was ſie in Wahrheit iſt, nämlich weil ſie das einfache Poſitive oder unmittelbare Subſtanz iſt, eben darum nur ein Geſetztes zu ſeyn; das Voraus, das ſie als Bedingung iſt, iſt der Schein der Unmittelbarkeit, den die wirkende Cauſalität ihr abſtreift.
Der paſſiven Subſtanz wird daher durch die Einwirkung einer andern Gewalt nur ihr Recht angethan. Was ſie verliert, iſt jene Unmittelbarkeit, die ihr fremde Subſtantialität. Was ſie als ein Fremdes erhält, nämlich als ein Geſetztſeyn beſtimmt zu werden, iſt ihre eigene Beſtimmung. — Indem ſie nun aber in ihrem Geſetztſeyn oder in ihrer eigenen Beſtimmung geſetzt wird, wird ſie dadurch vielmehr nicht aufgehoben, ſondern geht ſo nur mit ſich ſelbſt zuſammen und iſt alſo in ihrem Beſtimmtwerden Urſprünglichkeit. — Die paſſive Subſtanz wird alſo einerſeits durch die active erhalten oder geſetzt, nämlich inſofern dieſe ſich ſelbſt zur aufgehobenen macht; — andererſeits aber iſt es das Thun des Paſſiven ſelbſt, mit ſich zuſammenzugehen, und ſomit ſich zum Urſprünglichen und zur Urſache zu machen. Das Geſetztwerden durch ein Anderes und das eigene Werden iſt ein und daſſelbe.
Hierdurch, daß die paſſive Subſtanz nun ſelbſt in Urſache verkehrt iſt, wird erſtlich die Wirkung in ihr aufgehoben; darin beſteht ihre Gegenwirkung überhaupt. Sie iſt an ſich das Geſetztſeyn, als paſſive Subſtanz; auch iſt das Geſetztſeyn durch die andere Subſtanz in ihr geſetzt worden, inſofern ſie nämlich die Wirkung derſelben an ihr bekam. Ihre Gegenwirkung enthält daher ebenſo das Gedoppelte; daß nämlich erſtlich, was ſie an ſich iſt, geſetzt wird, zweitens, als was ſie geſetzt wird, ſich als ihr Anſichſeyn darſtellt; ſie iſt an ſich Geſetztſeyn, daher erhält ſie eine Wirkung an ihr durch die andere; aber dieß Geſetztſeyn iſt umgekehrt ihr eigenes Anſichſeyn, ſo iſt dieß ihre Wirkung, ſie ſelbſt ſtellt ſich als Urſache dar.
Zweitens geht die Gegenwirkung gegen die erſte wirkende Urſache. Die Wirkung, welche die vorher paſſive Subſtanz in ſich aufhebt, iſt nämlich eben jene Wirkung der erſten. Die Urſache hat aber ihre ſubſtantielle Wirklichkeit nur in ihrer Wirkung; indem dieſe aufgehoben wird, ſo wird ihre urſachliche Subſtantialität aufgehoben. Dieß geſchieht erſtlich an ſich durch ſich ſelbſt, indem ſie ſich zur Wirkung macht; in dieſer Identität verſchwindet ihre negative Beſtimmung und ſie wird Paſſives; zweitens geſchieht es durch die vorhin paſſive, nun rückwirkende Subſtanz, welche deren Wirkung aufhebt. — In der beſtimmten Cauſalität wird die Subſtanz, auf welche gewirkt wird, zwar auch wieder Urſache, ſie wirkt hiermit dagegen, daß eine Wirkung in ihr geſetzt wurde. Aber ſie wirkte nicht zurück gegen jene Urſache, ſondern ſetzte ihre Wirkung wieder in eine andere Subſtanz, wodurch der Progreß von Wirkungen ins Unendliche zum Vorſchein kam; weil hier die Urſache in ihrer Wirkung nur erſt an ſich mit ſich identiſch iſt, daher einerſeits in einer unmittelbaren Identität in ihrer Ruhe verſchwindet, andererſeits in einer andern Subſtanz ſich wieder erweckt. — In der bedingten Cauſalität hingegen bezieht die Urſache in der Wirkung ſich auf ſich ſelbſt, weil ſie ihr Anderes als Bedingung, als Vorausgeſetztes iſt, und ihr Wirken dadurch ebenſo ſehr Werden, als Setzen und Aufheben des Andern iſt.
Ferner verhält ſie ſich hiermit als paſſive Subſtanz; aber, wie ſich ergab, entſteht dieſe durch die auf ſie geſchehene Wirkung als urſachliche Subſtanz. Jene erſte Urſache, welche zuerſt wirkt, und ihre Wirkung als Gegenwirkung in ſich zurück erhält, tritt damit wieder als Urſache auf; wodurch das in der endlichen Cauſalität in den ſchlecht-unendlichen Progreß auslaufende Wirken umgebogen, und zu einem in ſich zurückkehrenden, einem unendlichen Wechſelwirken wird.
In der endlichen Cauſalität ſind es Subſtanzen, die ſich wirkend zu einander verhalten. Der Mechanismus beſteht in dieſer Aeußerlichkeit der Cauſalität, daß die Reflexion der Urſache in ihrer Wirkung in ſich zugleich ein abſtoßendes Seyn iſt, oder daß in der Identität, welche die urſachliche Subſtanz in ihrer Wirkung mit ſich hat, ſie ſich ebenſo unmittelbar Aeußerliches bleibt, und die Wirkung in eine andere Subſtanz übergegangen iſt. In der Wechſelwirkung iſt nun dieſer Mechanismus aufgehoben; denn ſie enthält erſtens das Verſchwinden jenes urſprünglichen Beharrens der unmittelbaren Subſtantialität; zweitens das Entſtehen der Urſache; und damit die Urſprünglichkeit als durch ihre Negation ſich mit ſich vermittelnd.
Zunächſt ſtellt die Wechſelwirkung ſich dar als eine gegenſeitige Cauſalität von vorausgeſetzten, ſich bedingenden Subſtanzen; jede iſt gegen die andere zugleich active und zugleich paſſive Subſtanz. Indem beide hiermit ſowohl paſſiv als activ ſind, ſo hat ſich bereits jeder Unterſchied derſelben aufgehoben; er iſt ein völlig durchſichtiger Schein; ſie ſind Subſtanzen nur darin, daß ſie die Identität des Activen und Paſſiven ſind. Die Wechſelwirkung ſelbſt iſt daher nur noch leere Art und Weiſe; und es bedarf bloß noch eines äußern Zuſammenfaſſens deſſen, was bereits ſowohl an ſich als geſetzt iſt. Für's Erſte ſind es keine Subſtrate mehr, welche mit einander in Beziehung ſtehen, ſondern Subſtanzen; in der Bewegung der bedingten Cauſalität hat ſich die noch übrige vorausgeſetzte Unmittelbarkeit aufgehoben, und das Bedingende der urſachlichen Activität iſt nur noch die Einwirkung, oder die eigene Paſſivität. Dieſe Einwirkung kommt aber ferner nicht von einer andern urſprünglichen Subſtanz her; ſondern eben von einer Urſachlichkeit, welche durch Einwirkung bedingt, oder ein Vermitteltes iſt. Dieß zunächſt Aeußerliche, das an die Urſache kommt und die Seite ihrer Paſſivität ausmacht, iſt daher durch ſie ſelbſt vermittelt, es iſt durch ihre eigene Activität hervorgebracht, ſomit die durch ihre Activität ſelbſt geſetzte Paſſivität. — Die Cauſalität iſt bedingt und bedingend; das Bedingende iſt das Paſſive, aber ebenſo ſehr iſt das Bedingte paſſiv. Dieß Bedingen oder die Paſſivität iſt die Negation der Urſache durch ſich ſelbſt, indem ſie ſich weſentlich zur Wirkung macht, und eben dadurch Urſache iſt. Die Wechſelwirkung iſt daher nur die Cauſalität ſelbſt; die Urſache hat nicht nur eine Wirkung, ſondern in der Wirkung ſteht ſie als Urſache mit ſich ſelbſt in Beziehung.
Hierdurch iſt die Cauſalität zu ihrem abſoluten Begriffe zurückgekehrt, und zugleich zum Begriffe ſelbſt gekommen. Sie iſt zunächſt die reale Nothwendigkeit; abſolute Identität mit ſich, ſo daß der Unterſchied der Nothwendigkeit und die in ihr ſich auf einander beziehenden Beſtimmungen, Subſtanzen, freie Wirklichkeiten, gegen einander, ſind. Die Nothwendigkeit iſt auf dieſe Weiſe die innere Identität; die Cauſalität iſt die Manifeſtation derſelben, worin ihr Schein des ſubſtantiellen Andersſeyns ſich aufgehoben hat, und die Nothwendigkeit zur Freiheit erhoben iſt. — In der Wechſelwirkung ſtellt die urſprüngliche Cauſalität ſich als ein Entſtehen aus ihrer Negation, der Paſſivität, und als Vergehen in dieſelbe, als ein Werden dar; aber ſo, daß dieß Werden zugleich ebenſo ſehr nur Scheinen iſt; das Uebergehen in Anderes iſt Reflexion-in-ſich ſelbſt; die Negation, welche Grund der Urſache iſt, iſt ihr poſitives Zuſammengehen mit ſich ſelbſt.
Nothwendigkeit und Cauſalität ſind alſo darin verſchwunden; ſie enthalten Beides, die unmittelbare Identität als Zuſammenhang und Beziehung, und die abſolute Subſtantialität der Unterſchiedenen, ſomit die abſolute Zufälligkeit derſelben; die urſprüngliche Einheit ſubſtantieller Verſchiedenheit; alſo den abſoluten Widerſpruch. Die Nothwendigkeit iſt das Seyn, weil es iſt; die Einheit des Seyns mit ſich ſelbſt, das ſich zum Grunde hat; aber umgekehrt, weil es einen Grund hat, iſt es nicht Seyn, iſt es ſchlechthin nur Schein, Beziehung oder Vermittelung. Die Cauſalität iſt dieß geſetzte Uebergehen des urſprünglichen Seyns, der Urſache, in Schein oder bloßes Geſetztſeyn, umgekehrt des Geſetztſeyns in Urſprünglichkeit; aber die Identität ſelbſt des Seyns und Scheins iſt noch die innere Nothwendigkeit. Dieſe Innerlichkeit oder dieß Anſichſeyn hebt die Bewegung der Cauſalität auf; damit verliert ſich die Subſtantialität der im Verhältniſſe ſtehenden Seiten, und die Nothwendigkeit enthüllt ſich. Die Nothwendigkeit wird nicht dadurch zur Freiheit, daß ſie verſchwindet, ſondern daß nur ihre noch innere Identität manifeſtirt wird; eine Manifeſtation, welche die identiſche Bewegung des Unterſchiedenen in ſich ſelbſt, die Reflexion des Scheins als Scheins in ſich iſt. — Umgekehrt wird zugleich dadurch die Zufälligkeit zur Freiheit, indem die Seiten der Nothwendigkeit, welche die Geſtalt für ſich freier, nicht in einander ſcheinender Wirklichkeiten haben, nunmehr geſetzt ſind als Identität, ſo daß dieſe Totalitäten der Reflexion-in-ſich in ihrem Unterſchiede nun auch als identiſche ſcheinen, oder geſetzt ſind nur als eine und dieſelbe Reflexion.
Die abſolute Subſtanz, als abſolute Form ſich von ſich unterſcheidend, ſtößt ſich daher nicht mehr als Nothwendigkeit von ſich ab, noch fällt ſie als Zufälligkeit in gleichgültige, ſich äußerliche Subſtanzen aus einander, ſondern unterſcheidet ſich einerſeits in die Totalität, welche, — die vorhin paſſive Subſtanz —, Urſprüngliches iſt als die Reflexion aus der Beſtimmtheit in ſich, als einfaches Ganzes, das ſein Geſetztſeyn in ſich ſelbſt enthält und als identiſch darin mit ſich geſetzt iſt, das Allgemeine; — andererſeits in die Totalität, — die vorhin urſachliche Subſtanz, — als in die Reflexion ebenſo aus der Beſtimmtheit in ſich zur negativen Beſtimmtheit, welche ſo als die mit ſich identiſche Beſtimmtheit ebenfalls das Ganze, aber als die mit ſich identiſche Negativität geſetzt iſt; — das Einzelne. Unmittelbar aber, weil das Allgemeine nur identiſch mit ſich iſt, indem es die Beſtimmtheit als aufgehoben in ſich enthält, alſo das Negative als Negatives iſt, — iſt es dieſelbe Negativität, welche die Einzelnheit iſt; — und die Einzelnheit, weil ſie ebenſo das beſtimmte Beſtimmte, das Negative als Negatives iſt, iſt ſie unmittelbar dieſelbe Identität, welche die Allgemeinheit iſt. Dieſe ihre einfache Identität iſt die Beſonderheit, welche vom Einzelnen das Moment der Beſtimmtheit, vom Allgemeinen das Moment der Reflexion-in-ſich in unmittelbarer Einheit enthält. Dieſe drei Totalitäten ſind daher Eine und dieſelbe Reflexion, welche als negative Beziehung auf ſich in jene beiden ſich unterſcheidet, aber als in einen vollkommen durchſichtigen Unterſchied, nämlich in die beſtimmte Einfachheit, oder in die einfache Beſtimmtheit, welche ihre Eine und dieſelbe Identität iſt. — Dieß iſt der Begriff, das Reich der Subjectivität oder der Freiheit.
ヘーゲル『論理学』第1部 本質論(全集第4巻・1841年第2版〔無変更再版〕)
発行責任者(編者):飯島健二
発行:古典書房
制作協力:Claude(claude-sonnet-5-5)
初版発行日:2026年10月5日
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